25. Dezember – Unser 1. Heiligabend

Weihnachten ist da. Das erste Weihnachtsfest mit unseren Kindern! Der Heilige Abend mit Tannenbaum, Kerzenduft, besinnlicher Musik, der Geschichte vom Christkind, vielen Geschenken, verzauberten Kinderaugen und nicht minder aufgeregten Eltern. Schon morgens sind Maxim und Nadeschda früh wach und aufgedreht, denn natürlich merken sie, dass heute Großes passiert.

Girl and boy (3-7) standing by door watching Christmas tree, rear view

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Mich selbst erfüllt angespannte Vorfreude. Früher war der Heilige Abend der Tag, an dem ich mich mit dem Schmücken des Weihnachtsbaumes langsam auf das Weihnachtsfest einstimmte. Heute überwiegt der Wunsch und die Erwartung an mich selbst, diesem Fest einen besonderen Zauber für unsere Kinder zu verleihen. Richard macht vormittags mit beiden Kindern einen Ausflug, so dass ich im Verborgenen den Baum schmücken und die Geschenke aufbauen kann. Alles läuft wie geplant, bis die Lichterkette ihren Geist aufgibt. Leider nachdem ich sie am Baum festgemacht habe. Ich sah den Heilig Abend schon baden gehen. Maxim und Nadeschda hätte es sicherlich nichts ausgemacht, vor einem unbeleuchteten Baum zu sitzen. Mir dagegen um so mehr. Gottseidank kann Richard unterwegs tatsächlich noch eine neue Lichterkette auftreiben. Und mein emotionaler Zustand entspannt sich wieder sichtlich. Mittags sollen Maxim und Nadeschda ihren Mittagsschlaf machen. Doch daran ist nicht zu denken. Die Aufregung der Kinder nimmt sichtlich zu. Maxim schläft zwar nach etwas Zinnober um viertel nach zwei ein. Nadeschda schläft aber erst gegen halb drei, nachdem ich ihr eine zweite heiße Milch gemacht hat. Den Nachmittag versuchen Richard und ich etwas zu strecken, und Maxim und Nadeschda irgendwie zu beschäftigen. Denn das Christkind kommt ja erst mit Einbruch der Dunkelheit, und die Oma muss vorher ja auch noch hier eintreffen. Erst dann dürfen wir nachschauen, was uns das Christkind wohl beschert haben wird.

Plötzlich klingelt das Glöckchen. Der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer ist hell erleuchtet. Die Kerzen brennen, es läuft weihnachtliche Musik. Die Terrassentür ist noch auf, doch das Christkind ist schon wieder verschwunden. Es hinterlässt viel Glitzerstaub und Sternchen, und vor allem viele Geschenke. Maxim und Nadeschda machen riesige Augen, als sie ins Wohnzimmer kommen. Tatsächlich gucken sie noch einmal eilig nach, ob sie draußen noch das Christkind entdecken. Doch zu schnell ist es aufgebrochen, um nun den anderen Kindern ihre Geschenke zu bringen. Maxim wendet sich schnell den vielen bunten Paketen unter dem Weihnachtsbaum zu. Nadeschda hingegen wandelt anmutig und in stiller Andacht durchs Zimmer und untersucht all die brennenden Kerzen. Schnell stellt sie aber fest, dass die Kerzenflamme auch heiß ist. Wie ein stiller Beobachter sitze ich auf dem Sofa und betrachte meine Familie. Zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Deutschland durchströmt mich bewusst eine Welle des Glücks, die mir die Tränen in die Augen treibt. So wie auf unserem Flug von Moskau hierher. Welch ein schöner und wunderbarer Moment, den ich so gerne konservieren möchte, um mich im Alltag daran zu erinnern. Ich spüre, dass dieses einer der Augenblicke ist, die mit einem Federstreich alle Schwierigkeiten und Sorgen unseres alltäglichen Lebens bedeutungslos machen. Dies ist einer der Glücksmomente, in denen sich auch meine eigene Kindheitssehnsucht nach einem harmonischen und glücklichen Weihnachtsfest erfüllt. Und ich denke bei mir: So fühlt sich also „Familie“ an.

Maxim entdeckt schnell das Dreirad, das das Christkind für Nadeschda gebracht hat. Damit Maxim Nadeschda auch darauf fahren lässt, darf er gleich als erstes seinen Traktor auspacken. Damit hätten wir es bei den Geschenken schon belassen können. Denn von nun ab fahren beide Kinder mit Traktor und Dreirad durch die Wohnung. Maxim packt zwar bereitwillig auch alle anderen Geschenke aus und lädt diese dann auf seinen Traktor. Aber sie sind schon nicht mehr wichtig. Auch Nadeschda hat nach dem dritten Geschenk das Interesse verloren und will nur noch Dreirad fahren. Als sich bei ihr Müdigkeit und Erschöpfung breit machen – Der Mittagsschlaf war zu kurz. – tritt ihre Überforderung deutlich zu Tage. Sie zieht sich aufs Sofa zurück, haut immer wieder ihren Kopf in die Kissen und fängt an zu weinen. Zwar beruhigt sie sich nach einigen Minuten wieder, doch Richard und ich beschließen schnell, die Bescherung zu beenden und die übrigen Geschenke für die kommenden Tage aufzuheben. Spätestens jetzt wissen wir: Ein Geschenk für jedes Kind hätte völlig ausgereicht. Zum Abendessen scheint Nadeschda ihre letzten Kräfte zu mobilisieren. Beim traditionellen Kartoffelsalat und Lendensteak sitzt sie in ihrem Kinderstuhl und isst wie ein großes Mädchen. Irgendwann dann auch direkt aus der Salatschüssel, sehr zur Freude ihrer Großmutter, die immer froh ist, wenn es den Kindern gut schmeckt. Die Aufregung scheint zumindest Nadeschdas Appetit nicht zu schmälern. Nach dem Essen fahren beide Kinder diesmal zusammen auf dem Dreirad durch die Wohnung. Mal fährt Maxim und Nadeschda sitzt hinten um Transportkorb, mal umgekehrt. Maxim zeigt Nadeschda, wie man die Pedalen treten muss und fährt stehend, während Nadeschda auf dem Dreirad sitzt. Beide Kinder scheinen hier nun ihrer Anspannung Luft zu machen und mit letzter Energie die Aufregung des Tages zu verarbeiten. Wie immer mit viel Bewegung. Zufrieden und müde fallen sie bald danach in ihre Betten und schlafen friedlich ein.

Ein Gedanke zu “25. Dezember – Unser 1. Heiligabend

  1. Pingback: Weihnachten mit Kindern – So feiern wir (Blogparade) | Charlotte's Adoptionsblog ©

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s