31. Januar – Ski Heil! Unser erster Urlaub

Ein bis zum Anschlag beladenes Auto, kotzende Kinder bei Karlsruhe, ein schneebegeisterter skifahrender Sohn, viel friedliches Familienidyll und unsere lang ersehnte Erholung. So lässt sich unser erster Urlaub als Familie zusammenfassen.

Die Langversion liest sich ungefähr so: Der Auftakt war durchaus noch optimierungsbedürftig für die Zukunft. Richard kämpfte früh am Morgen mit dem Gepäck, oder vielmehr mit der Herausforderung all unsere Habseligkeiten und Notwendigkeiten für den Skiurlaub in dem begrenzten Platz unseres Autos strategisch geschickt zu verladen. Das kostete ihn viel Zeit und Nerven. War er ohnehin vor der Abfahrt erholungsreif gewesen, so gab ihm unser Gepäck jetzt den Rest. Doch am Ende zählte das Ergebnis; alles war verladen und wir vier hatten sogar noch Platz zum Sitzen. Munter und fröhlich brachen wir auf und alles schien sich zu einer heiteren und unkomplizierten Autofahrt zu entwickeln. Schon bald dösten Maxim und Nadeschda dahin. Doch der Schein täuschte. Denn sie kämpften nicht gegen die Müdigkeit an, wie ich dachte, sondern viel mehr gegen ihr Frühstück, das versuchte, sich langsam im regelmäßigen Geruckelt des Autos den Weg durch die Speiseröhre wieder nach oben zu bahnen. Das leider auch mit Erfolg. Kurz vor Karlsruhe entlud Maxim seinen Jogurt und Brot mit Salami über seinem Kindersitz. Unmittelbar gefolgt von seiner Schwester, deren Milch und Quark mit Honig auch nicht länger in ihrem Magen bleiben wollten. Richard schaltete schnell und hielt an einer Behelfsausfahrt für Forstfahrzeuge. Dort befreiten wir Maxim und Nadeschda aus ihrem Erbrochenen und ihren Sitzen, ließen sie erst einmal frische Luft schnappen und sich von dem Schock erholen. Beide konnten gar nicht begreifen, was da gerade geschehen war. Sie waren offensichtlich irritiert, angeekelt und verwirrt. Als beide wieder Farbe im Gesicht hatten, reinigte ich die Sitze notdürftig – unser Vorrat an Küchentüchern war leider nicht ausreichend für die vollständige Beseitigung der Speisereste – und zog beiden Kindern etwas frisches an. Auf einem nächstgelegenen Rastplatz kauften wir Glasreiniger und Haushaltspapier, um dann noch einmal das Auto von allen Spukspuren zu befreien und den säuerlichen Geruch zu vertreiben.

Zum Glück blieb es bei dieser einmaligen Essenrückgabe und Maxim und Nadeschda überstanden die weitere Fahrt ohne Zwischenfälle. Am frühen Abend kamen wir zwar müde, aber voller Vorfreude in unserem Schweizer Feriendomizil an. In der Wohnung musste vor allem Maxim erst einmal alles sondieren. Besonders musste er für sich die Schlafsituation genauestens analysieren, den Weg vom Kinderzimmer bis zu unserem Schlafzimmer mehrmals ablaufen und überprüfen, ob auch das Babyphone funktionierte. Erst als wir unsere Habseligkeiten ausgepackt hatten und beim Abendbrot saßen, schien er zur Ruhe zu kommen. Jetzt machte er den Eindruck, als hätte er verstanden, dass wir alle zusammen hier in dieser Wohnung für einige Zeit zusammen bleiben würden. Beruhigt, müde und zufrieden fielen beide Kinder wenig später in ihre Betten.

Der erste Morgen weckte Richard und mich mit strahlendem Sonnenschein, während Nadeschda und Maxim um acht Uhr immer noch schliefen. Skifahren wurde jedoch in den kommenden Tagen das magische Wort, bei dem Maxim sprichwörtlich vom Tiefschlaf aus dem Bett sprang und wach war. Wir meldeten ihn gleich am ersten Tag im Skikindergarten an und liehen für ihn eine Skiausrüstung. Nachmittags ging Richard mit ihm zum ersten Mal auf den Kinderübungshang. Als hätte Maxim in seinem Leben nichts anderes getan, stellte er sich auf seine Skier und fuhr los. Die nächsten eineinhalb Stunden wurde er nicht müde, sich von Richard den Hang hochziehen zu lassen und dann zunehmend selbstständig wieder hinunter zu fahren und sich von Richard auffangen zu lassen. Bremsen würde Maxim erst im Skiunterricht lernen. Bewundernd schaute ich mit Nadeschda zu. Maxim schien motorisch tatsächlich ein Ausnahmekind zu sein. Ein glückliches Gefühl durchströmte mich, als ich sah, mit wie viel Ehrgeiz und Energie er hartnäckig versuchte, die Skier zu beherrschen, und wie viel Spaß ihm dies offensichtlich bereitete. Richards Fürsorge und liebevolles Engagement zu beobachten, wie er unermüdlich Maxim immer wieder den Hang nach oben zog, neben ihm den Berg hinunterlief, um seinen Sohn unten wieder aufzufangen, ließ mich bewusst spüren, was für ein wundervoller Vater er doch war. Ein wenig hatte ich das Gefühl, dass wir genau in diesem Moment die Bilderbuchfamilie waren, von der wir immer geträumt hatten. Es war das Familienidyll, nach dem ich mich immer gesehnt hatte.

In den kommenden Tagen ging Maxim jeden Morgen für zwei Stunden in den Skikindergarten. Vom ersten Tag an blieb er auch bereitwillig alleine dort. Kaum hatte er seine Skier an, waren wir Eltern abgemeldet. Mit jedem Tag wurde er sicherer auf seinen Skiern und übte nachmittags in der Wohnung das Bremsen. Auf Kommando stimmten bei ihm die Beinstellungen zu „Pizza“ und „Pommes“. Selbst als am letzten Tag ein Schneesturm den Skibetrieb lahm legte, ließ sich Maxim nicht beirren und ging in den Skikindergarten, um dort sein Abschlussrennen zu absolvieren. Alle Kinder fuhren zum Schluss mehr oder weniger im Blindflug, denn das Schneetreiben war inzwischen so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen noch sah. Aber Maxim blieb unermüdlich. Erst als er seine Urkunde und Medaille in der Hand hielt, das Abschiedsfoto mit seiner Skilehrerin gemacht war, fiel er in sich zusammen. Er war so müde, dass er nicht mehr in der Lage war, auch nur einen Schritt zu laufen.  Nadeschda verbrachte jeweils mit einem von uns den Vormittag entweder spielend in der Wohnung oder mit Einkaufen oder anderen Aktivitäten im Ort.

Urlaub bekam für mich eine neue Bedeutung, denn die alltäglichen Aufgaben, die die Kinder mit sich brachten, blieben an einem anderen Ort die gleichen. Nicht nur bedingt durch den Skikindergarten, sondern vor allem aufgrund der Routine, die beide Kinder in ihrem Tagesablauf brauchten und forderten, blieb uns das Leben nach der Uhr erhalten. Die Erholung und das Auftanken neuer Energie kam viel mehr durch den Ortswechsel, das Skifahren und die viele intensive Zeit zusammen als Familie.

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