15. Februar – Sorgen um Oma (Teil 2)

Noch immer ist Renates Zustand sehr schlecht. Die Krebsdiagnose hat sich erhärtet. Der Tumor ist recht groß und hat bereits die umliegenden Lymphknoten befallen. Doch es grenzt nahezu an ein Wunder, dass die Krebszellen noch nicht weiter gestreut haben. In Lungen und Leber sind bisher keine weiteren Krebsherde gefunden worden. Renates kritischer Gesundheitszustand ist daher vor allem auf Herzrhythmusstörungen zurückzuführen. Da sie so lange ihre Blutwerte und ihre Einstellung auf blutdrucksenkende Medikamente nicht hatte überprüfen lassen, ist ihr Herzrhythmus aus dem Ruder gelaufen. Sie schläft im Grunde die ganze Zeit, ist sehr schwach und bewegt sich auf einem schmalen Grad zwischen Leben und Tod. Erst wenn sich ihr Zustand stabilisiert hat, kann sie operiert werden.

Richard und ich sind immer noch in einem Funktionsmodus. Wir nehmen Renates Erkrankung von Tag zu Tag, mögen keine Prognosen abgeben, nicht die nahe liegende Zukunft planen. Wir wissen nicht wie es weiter gehen wird. Im Moment hoffen wir nur, dass alles gut geht, dass sich Renate erholt und bald operiert werden kann. Dennoch in stillen Momenten spüren wir, dass vor uns allen noch ein harter und steiniger Weg liegen. Nach der Operation werden Chemotherapie und Bestrahlungen folgen. Das wissen wir bereits. Was dies für uns als Familie bedeuten und welche Auswirkungen dies in unserem Alltag haben wird, können und wollen wir noch nicht absehen.

Ich weiß nicht, wie es Richard damit geht. Ich spüre bei dem Gedanken daran, wie sich mir der Hals zuschnürt, als hätte man mir einen Felsbrocken um das Genick gekettet, der mich langsam nach unten zieht. Doch auf der anderen Seite helfen mir Maxim und Nadeschda, mich nicht vollständig nach unten ziehen zu lassen. Denn ihnen gilt mein Leben. Für sie muss ich da sein. Meine Hauptaufgabe ist es, nun unseren Alltag so zu gestalten, dass er friedlich weiterläuft, auch mit der Belastung, dem Schmerz und den Sorgen um die Oma und einem Papa, der zur Zeit nicht so für seine Kinder da sein kann, wie er das gerne können möchte. Ich muss mein eigenes Kopfkino abschalten, um jeden Tag voll und ganz für Maxim und Nadeschda präsent zu sein. Ich muss ihnen die Stabilität geben, die um uns herum als Familie im Moment fehlt. Mehr denn je muss ich mich voll und ganz nur auf diese beiden, meine beiden Kinder konzentrieren. Das kostet auf der einen Seite Kraft, vor allem wenn keine Minute zum durchatmen bleibt. Auf der anderen Seite hilft es mir. Denn auch mir gibt die Tatsache, dass ich mehr als hundert Prozent und ohne Unterstützung für meine beiden Kinder da sein muss, Stabilität und eine klare Orientierung.

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