Buchreview: „The Mulberry Bird – An Adoption Story“

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Fotograf: Benjamin Balàzs / unsplash.com

Begibt man sich auf die Suche nach Kinderbüchern, die unseren Adoptivkindern ihre besondere Geschichte näher bringen, wird man als Adoptiveltern schnell fündig. Viele davon spielen in der Tierwelt, sei es „Der Findefuchs“ (Irina Korschunow) oder „Das grüne Küken“ (Adele Sansone) oder „Hugo – allein auf dem Feld“ (Barbara Lütgen-Wienand). Es gibt für mich allerdings kaum ein Kinderbuch, dass so berührend und treffend die Adoption eines Kindes erzählt und erklärt, wie „The Mulberry Bird“ von Anna Braff Brodzinksy. Die Handlung spielt, wie bei den meisten Kinderbüchern, in der Tierwelt: Die Vogel-Mutter sorgt für ihr Baby im Wald, als ein heftiger Sturm ihr Nest zerstört. So sehr sie auch versucht und sich bemüht, sie kann ihrem Baby danach nicht den Schutz geben, den es braucht. Das Nest geht immer wieder kaputt. Das Baby ist schutzlos, wenn seine Mutter aufbricht, Futter zu suchen. Sie muss eine Entscheidung fällen: den Kampf um ihr Baby und sein Wohlbefinden weiter alleine führen, oder ihr wertvolles Baby einer anderen Vogelfamilie geben, die ihm ihre Fürsorge in ihrem starken und sicheren Nest geben können. So sucht die Vogel-Mutter den Rat der weisen Eule, die ihr hilft, eine neue Familie für ihr Baby zu finden.

In diesem amerikanischen Adoptionsbuch für Kinder werden alle Themen einer Adoption angeschnitten und aufgegriffen: die Liebe der leiblichen Eltern, die Not, die zur Adoption führt, der Schmerz der adoptierten Kinder, die notwenige Fürsorge der Adoptiveltern für ihr Adoptivkind, um ihm zu helfen, mit seiner Trauer und Wut umzugehen und ihm sein Leben in seiner neuen Umgebung zu erleichtern, ihn in Liebe auf seinem Weg in sein eigenes Leben zu begleiten. Bemerkenswert finde ich vor allem, dass in dieser Geschichte immer wieder auf die leibliche Mutter geblickt wird und ihre Gefühle, die sie mit der Adoption verbindet. Auch noch Jahre danach. Sie ist nicht das Phantom, das ihre Tierkinder irgendwo im Wald oder auf dem Feld aussetzt oder vergisst. Nein, sie hat einen präsenten und aktiven Teil, in dem sie sich anstrengt, ihrem Baby ein besseres Leben zu bieten.

Der Glaube, dass dies bei den meisten Adoptionen tatsächlich so ist und die Mehrzahl der leiblichen Mütter ihre Kinder zur Adoption nur in dem Wunsch auf ein besseres und chancenreicheres Leben abgeben, hat auch mir geholfen, mit der Geschichte meiner Kinder besser umzugehen und ihre russische Mutter in einem anderen Licht zu sehen.

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