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Der Versatile Blogger Award – die Zweite

versatile-awardDie liebe Susanne von „Hallo liebe Wolke“ hat mich vor ein paar Wochen erneut für den Versatile Blogger Award nominiert. Hab lieben Dank dafür! Natürlich mache ich gerne wieder mit und nutze diesmal die Chance, meine Nominierungen vom ersten Versatile Blogger Award zu erneuern oder auch noch einmal Blogs zu nominieren, die mir leid und teuer sind, auch wen sie diesen Award dann zum wiederholten Male bekommen.

Doch zunächst meine sieben Fakten über mich, die ich an die nominierende liebe Wolke gerne zurückgebe:

  1. In der Mitte meines Lebens habe ich begonnen, Flöte zu spielen. Bis dahin hatte ich mich geweigert, ein Instrument anzufassen.
  2. Ich rede im Schlaf, angeblich….
  3. Ich spreche vier Sprachen mehr oder weniger fließend.
  4. Ich bin bekennende Helikoptermutter.
  5. Ich mag den Winter. Doch richtig gut geht es mir erst bei 30 Grad Außentemperatur und mehr.
  6. Als Kind habe ich Gartenarbeit gehasst, heute kann ich es kaum erwarten, dass der Frühling Einzug hält und ich mit Maxim und Nadeschda wieder pflanzen kann.
  7. Ich habe eine Schlangenphobie. Es wird eine große Herausforderung sein, wenn meine Kinder im Frühjahr zu einem „Schlangengeburtstag“ eingeladen sind.

Und hier meine Nominierungen, unter denen sich wieder eine bunte Mischung von Blogs findet, die mich schon von Beginn an begleiten oder erst seit neustem, die das Muttersein in den thematischen Vordergrund stellen oder Bücher, letzteres für mich im Moment das Wunderbarste in meinem Leben neben meinen Kindern:

Mission Mom

FamilieBitte

Die verlorenen Schuhe

Familiendinge

home is where the boys are

add2fam

Julmum

Kaiserinnenreich

Das Leben ist kein Ponyhof

Nach Regen kommt Sonnenschein

Tante Tex

Read Books and Fall in Love

Elementares Lesen

Tintenhain

Buchstabenträumerei

Und zum Schluss noch einmal die Regeln in aller Kürze:

  • Danke der Person, die dich nominiert hat
  • Wähle 15 Blogger aus, um sie deinerseits für den Versatile Blogger Award zu nominieren
  • Erzähle 7 Dinge über dich

Ich freue mich, wenn Ihr mitmacht und noch mehr, sieben Fakten von Euch zu lesen. 😉

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (20)

A photo by Ben White. unsplash.com/photos/bS_O0N5oFbM

Ben White, unsplash.com

Wow, schon die 20. Ausgabe meiner „Sonntagslieblinge“! Wie die Zeit verfliegt!

Schon seit längerem folge ich dem Reiseblog Second-Half Travel. Ingrid hat vor etwa einem Jahr ihren Job an den Nagel gehängt und reist seitdem um die Welt. Immer wieder für mehrere Wochen oder Monate. Mich ließ das zurückdenken an meine Studentenzeit, in der ich ebenso mehr fremde Länder bereist habe als Vorlesungen und Seminare an der Universität. So bereichernd und schön die Zeit im Ausland jedes Mal war, sie ließ mich auch bewusst selbstverständliche Alltäglichkeiten dankbar mit neuen Augen sehen. Manche hallen bis heute nach. Inspiriert von  Mirjam von Perfektwir will ich heute auf diese ganz profanen Dinge unseres Alltags schauen, die ich oft für viel zu selbstverständlich nehme. Hier sind meine drei Sonntagslieblinge in 20. Ausgabe:

  1. Jeden Morgen eine warme Dusche zu haben: Seitdem ich drei Monate lang im anbrechenden Winter in Südamerika in meiner dortigen Wohnung kalt duschen musste, freue ich mich noch heute jeden Morgen von neuem über eine warme Dusche.
  2. Ein Bett, auf dessen Matratze ich keine Rückenschmerzen bekomme: Noch heute, wenn wir im Urlaub sind und in fremden Betten schlafen, wache ich immer mit Rückenschmerzen auf. Welch eine Wohltat ist der erste Morgen nach der Rückkehr, wieder Zuhause im eigenen Bett ohne Rückenschmerzen aufzuwachen.
  3. Die Vielfalt des finanzierbaren Angebots an Lebensmitteln in unseren Supermärkten: Wenn Du Dich in einem anderen Land der Erde über Monate nur von Obst, Marmelade, Brot, Reis und Bohnen ernährt hast, weil es zwar andere Nahrungsmittel gibt, die aber unglaublich teuer sind, wie groß ist dann die Freude über einen frischen Salat oder ganz simple Nudeln mit Tomatensauce.

Habt einen guten Start in den Februar – hey Monat Zwei des neuen Jahres! – und verbringt eine zauberhafte Woche!

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„Wunschkinder“ im FilmMittwoch in der ARD – Filmrezension einer Adoptivmutter

Im Rahmen des FilmMittwoch zeigte die ARD gestern „Wunschkinder“, die Verfilmung von Marion Gaedickes Roman „Wunschkind – Geschichte einer Adoption“. Es ist die Geschichte von Marie und Peter, die sich nach Jahren, in denen ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt, für die Adoption eines Kindes aus Russland entscheiden. Es folgen Monate der Vorbereitung, des Bangens und Wartens auf den Kindervorschlag. Als sie endlich zum ersten Mal nach Russland reisen, um ihre Adoptivtochter kennenzulernen, trifft die Begegung sie mitten ins Herz. Aber ihr Adoptionsantrag wird vom russischen Gericht aufgrund eines Verfahrensfehlers abgelehnt. Die Heimleiterin schlägt ihnen ein zweites Mädchen zur Adoption vor. Doch Marie drängt auf ein Anfechten des Gerichtsurteils. Der Kampf um das Erfüllen von Maries und Peters Lebenstraum wird zur Zerreißprobe für ihre Partnerschaft.

Richard und ich haben „Wunschkind“ während unseres Adoptionsprozesses gelesen und waren vor unseren eigenen Erfahrungen in Russland von dem Buch gefesselt. „Das ist unsere Geschichte.“ sagte Richard einmal. Das Buch bereitete mich auf viele Unwägbarkeiten in unserem eigenen Adoptionsprozess vor. Es hinterließ das bestärkende Gefühl, dass, egal welche Schwierigkeiten uns auch in Russland begegnen würden, es sich lohnt, für unseren eigenen Lebenstraum zu kämpfen. Gespannt war ich gestern auf die filmische Umsetzung. Denn wie transportiert man ohne Vorurteile zu bedienen, die Kinderlosigkeit, den Weg der Auslandsadoption, zudem noch aus Russland, die Herausforderungen des Adoptionsprozesses und die Belastungen für die werdenden Eltern, nicht nur faktischer Natur, sondern auch emotional in der Paarbeziehung in nur 90 Minuten? Und das ohne sich plakativer Klischees zu bedienen?

„Wunschkinder“ fand eine berührende Antwort auf diese Fragen. Den Filmemachern um Drehbuchautorin Dorothee Schön, Regisseurin Emily Atef und Produzent Michael Polle war es mit sicherlich viel bedachtem und prägendem Einfluss der Buchautorin gelungen, einen bewegenden Abschnitt im Leben eines kinderlosen Paares realistisch in einen Film zu verwandeln, der nüchtern den Blick auf ein Nischenthema in der Gesellschaft wirft. Wie Ralf Wiegand in der Süddeutschen gestern schrieb:

Wunschkinder verliert in keiner Sekunde den Respekt vor den Menschen, die der Film beschreibt – und auch nicht vor jenen Zuschauern, die im echten Leben ähnliche Erfahrungen gemacht haben und nun zufällig an diesem Mittwoch vor dem Fernseher sitzen. Auch wenn der Film ausdrücklich keiner über Adoption sein will, sondern die Liebesgeschichte von Marie und Peter erzählt, einem kinderlosen Paar, das für seinen Traum von einer Familie weit geht: Er nimmt diese Adoption doch ungeheuer ernst.“

Gleichzeitig ist dieser Film so persönlich, denn er erzählt eine wahre Geschichte: Nicht nur die von Marion Gaedicke, ihrem Mann und ihren zwei Töchtern, sondern die von hunderten von Familien mit Kindern und Jugendlichen, die in den vergangenen Jahrzehnten aus Russland (oder anderen Ländern) adoptiert wurden.

„Wunschkinder“ hat auch unsere Geschichte erzählt. Mit fast jeder Szene wurde ich zurückgeführt in unsere eigene Zeit der Kinderlosigkeit, der Kinderwunschbehandlung, der Fehlgeburten, der Suche nach einem anderen Weg, eine Familie zu gründen. Einzig die Szene im ersten Seminar im Jugendamt ließ mich zucken, als die Jugendamtsmitarbeiterin eine Aussage traf, die bei mir anklang, als sei eine Adoption quasi die Ultimos Ratio, den egoistischen Kinderwunsch zu erfüllen. Diese Auffassung teile ich nicht und uns hat sie auch nicht zu der Adoption unserer Kinder aus Russland geführt. Beeindruckt bin ich aber im Nachhinein, mit welcher Akribie im Detail – und geschickt in vielen kleinen Szenen verpackt- vielen Vorurteilen einer Adoption aus Russland begegnet wurde: Die Motivation von Marie, Russland als Herkunftsland zu wählen, da sie einen positiven Bezug zu diesem Land hatte, das Überprüfungsverfahren in Deutschland mit unzähligen Gesprächen und Formularen unterstützt von einer kompetenten und kooperativen Vermittlungsagentur, mögliche Krankheiten und Behinderungen der Kinder und die Auseinandersetzung der Adoptionsbewerber mit diesen möglichen Herausforderungen, das ordentliche und korrekte Verfahren der Behörden in Russland, die keine Willkür duldeten; selbst der Argwohn der Erzieherinnen im Kinderheim gegenüber ausländischen Adoptionsbewerbern fand seinen Platz. Noch einmal mehr zeigte dies den ernsthaften und respektvollen Umgang mit dem Thema Adoption.

mother and two kids walking on at sunset

Die Bilder in Russland ließen mich an unser eigenes Adoptionsabenteuer zurückdenken. Der Flughafen, die Birkenwälder entlang der Straßen, die Übersetzerin, das Kinderheim, die Erzieherinnen, die Heimleiterin, selbst die Richterin und der Richter und vor allem die Begegnungen mit den Kindern. Auch wenn ich damals, als wir Maxim und Nadeschda im Heim kennenlernten, die Romantik, die ich aus Gaedickes Buch herausgelesen hatte, vermisste, so weckten die Szenen im Kinderheim gestern eine fast nostalgische Wehmut in mir. Unsere Begegnungen mit Maxim und Nadeschda verliefen ähnlich: Ein kleiner neugieriger Maxim, der erwartungsvoll unser Spielzeug inspizierte und sich so freute, wenn wir mit ihm spielten. Eine ängstlich weinende Nadeschda, die sich zögerlich an meine Brust schmiegte und sich nach ein paar Momenten beruhigte. Die Szenen im Gericht ließen meine eigene Angst vor einem ablehnenden Urteil von damals wieder wach werden. Doch als die Richterin schließlich das filmabschließende Urteil sprach, flossen auch bei mir Tränen der Erleichterung. Tränen, die ich damals im Gerichtssaal vielleicht aufgrund meiner eigenen Anspannung nicht vergossen hatte; Tränen der unendlichen Dankbarkeit, Maxim und Nadeschda in unserem Leben zu haben.

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Filmtip: „Wunschkinder“ im FilmMittwoch in der ARD

Marion Gaedickes Buch „Wunschkind – Geschichte einer Adoption“ ist verfilmt worden. Unter dem Titel „Wunschkinder“ ist der Film morgen Abend um 20:15 Uhr im Rahmen des FilmMittwoch in der ARD zu sehen.

Marie und Peter sind in ihrem Leben, vor allem beruflich, ein erfolgreiches Paar. Beide sind davon überzeugt, alles in ihrem Leben schaffen und erreichen zu können. Doch auch nach mehreren Jahren bleibt ihr Kinderwunsch unerfüllt. In der Sehnsucht nach einem Kind, bewerben sie um die Auslandsadoption eines Kindes aus Russland. Als sie nach mehreren Monaten der Vorbereitung nach Russland reisen und ihre Adoptivtochter kennenlernen, berührt sie die Begegnung tief im Herzen. Doch das Schicksal stellt Marie und Peter vor ungeahnte Herausforderungen. Denn der Adoptionsantrag für ihre Tochter wird vom russischen Gericht abgelehnt. Getragen von dem Willen ihren Lebenstraum zu erfüllen, entschließen sie sich, um ihre Tochter zu kämpfen.

iStock_000015941675_LargeRichard und ich haben „Wunschkind“ während unseres Adoptionsprozesses gelesen und waren vor unseren eigenen Erfahrungen in Russland von dem Buch gefesselt. „Das ist unsere Geschichte.“ sagte Richard einmal. Unser Adoptionsabenteuer in Russland war dann ein anderes. Vor allem fehlte ihm auch die Adoptionsromantik, die ich bei Marion Gaedicke damals herausgelesen hatte. Dennoch bereitete das Buch mich auf viele Unwägbarkeiten in unserem eigenen Adoptionsprozess vor. Es hinterließ das bestärkende Gefühl, dass, egal welche Schwierigkeiten uns auch in Russland begegnen würden, es sich lohnt, für unseren eigenen Lebenstraum zu kämpfen.

Auf die filmische Umsetzung bin ich gespannt. Allein die Ankündigung des Films lässt in mir viele Erinnerungen wach werden.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (19)

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Ben White, unsplash.com

Wie jeden Sonntag, blicke ich einmal wieder auf die schönen und heilsamen Momente, und auch die kleinen Fortschritte dieser Woche. Inspiriert von  Mirjam von Perfektwir sind hier meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Maxim ist der „Held“ in der Klasse mit einer Mama, die die „weltbesten Kuchen“ backt. So wurde ich diese Woche von seinen Klassenkameraden in der Schule begrüßt.  Wir mussten einmal wieder einen „Kippelkuchen“ (wenn ein Kind mit dem Stuhl kippelt, muss es Zuhause „zur Strafe“ einen Kuchen backen) für die Klasse backen. Nun ja, die Strafe hat ihr Ziel etwas verfehlt, denn nun sollte unser Marmorkuchen öfter in der Klasse zum Frühstück kommen….Dennoch, das Kompliment des „weltbesten Kuchen“ aus einem begeisterten Kindermund ließ mir das Herz aufgehen.
  2. Nadeschda kann ihren Namen schreiben. Viel hatten wir geübt. Irgendwann in den letzten Tagen sagte sie dann: „ Mama, ich kann das jetzt alleine. Schau!“ Beeindruckend bei der Vielzahl an Buchstaben!
  3. Ich habe endlich die restlichen Nacharbeiten aus unserem Umbau erledigt. Welch Wohltat, sich nicht mehr mit so lästigen Dingen wie Rechnungen, Fördergeldern und ähnlichem herumschlagen zu müssen. Das hing die letzten Wochen über meinem Kopf wie ein Damoklesschwert. Jetzt liegt alles ordentlich in einem Ordner und unser Konto freut sich auf Geld.

Habt alle einen erholsamen Sonntag und einen wunderbaren Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (18)

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Danke an Pixabay!

Der Schulalltag hat uns wieder. Wir haben die Rückkehr in die Schule gut gemeistert. Alle miteinander. Denn auch ich musste nach fünf Wochen Abwesenheit wieder die Schulbank drücken. Zurück in unserer so völlig durchstrukturierten Routine, das geht gut. Und es tut gut, dass wir nicht mehr so viele Termine haben, wie im Herbst und in der Vorweihnachtszeit. Ja, es ist wichtig, sich immer wieder die schönen und heilsamen Momente, und auch die kleinen Fortschritte im Alltag bewusst zu machen. Deshalb blicke ich inspiriert von  Mirjam von Perfektwir auf meine eigenen, ganz persönlichen Lieblinge dieser Woche. Hier sind meine drei Sonntagslieblinge dieser ersten Alltagswoche im neuen Jahr:

  1. Beim russischen Lichterfest haben wir die Ferien ausklingen lassen, mit lieben Freunden, die unsere Adoptionsgeschichte teilen, in einem russischen Restaurant. Das war ein wunderbarer Abend mit viel spannendem kulturellem, kulinarischem Input und Inspiration.
  2. Mühen und Suchen zahlen sich aus: Wir gewöhnen gerade eine neue Kinderfrau ein. Nach langem Hin und Her habe ich doch eine gefunden. Welch Wohltat, abends in eine aufgeräumte Küche zu kommen. Und der Trockner läuft auch. Aber vor allem von meinen Kindern zu hören: „Mama, das war echt cool mit der Sylvia.“ Welch Erleichterung!
  3. Schreiben in meinem neuen Büro ist einfach wunderbar! Die Inspiration fließt. Nun freue ich mich auf einen Moment, in dem ich meinen Palettensessel noch bauen kann, um endlich auch zu lesen, wie ich es mir gewünscht habe.

Möge Eure Rückkehr in den Alltag eine gute gewesen sein! Und auf dass das neue Jahr so begonnen hat, wie Ihr es Euch alle erhofft! Habt einen wunderbaren Wochenstart!

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„Die blauen Augen hat sie nicht von Ihnen!“

Vom Umgang mit dem unbekannten Erbe meiner Kinder

Vor einigen Monaten hatte Tante Tex beim „Story Samstag“ zum Thema „Erbe“ aufgerufen. Ich hatte teilgenommen mit einer Kurzgeschichte, die einmal nichts mit meinen Kinder und unserer Adoptionsgeschichte zu tun gehabt hatte. Dennoch hat mich seitdem das „Erbe“ auch mit Blick auf meine Kinder nicht mehr losgelassen. Ein Gespräch mit zwei Adoptivmüttern in der vergangenen Woche hat mich nun motiviert, noch einmal das Erbe meiner Kinder aufzugreifen.

Young manager

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Gemütlich saßen wir drei Mütter am Frühstückstisch. Unsere Kinder spielten. Lange hatte wir uns nicht gesehen und so plauderten wir munter über dies und das, was sich so alles in unseren Leben in den vergangenen Monaten ereignet hatte. So erzählte die eine: „Mir ist neulich etwas passiert: Im Kindergarten spielen die Kinder jetzt ein Theaterstück. Und A. ist ganz engagiert mit dabei. Als A.’s Erzieherin mir begeistert einmal mittags davon erzählte, antwortete ich ihr freudestrahlend: Ja, das Theatergen liegt wohl in unserer Familie. Das hat sie von mir. – Im nächsten Moment fasst ich mir an den Kopf, und dachte nur, was war das jetzt für ein Spruch von Dir! Die wissen doch, dass wir A. adoptiert haben.“ Von dort wanderte unser Gespräch zu der Entwicklung unserer Kinder. Wie wir als Adoptiveltern vielleicht andere Erwartungen an die späteren „Karrieren“ unserer Kinder haben, wie wir bewusst die Ansprüche zurückschrauben, das Glück und die Gesundheit unserer Kinder im Vordergrund stellen und weniger die Förderung zum späteren Top-Manager. Dieselbe Mutter sagte: „Ja, vielleicht gehen wir damit anders um, weil wir wissen, dass unsere Kinder eben nicht unser Erbgut mitbekommen haben. Nur weil ich Abitur habe und studiert habe, kann ich das von A. ja nicht zwangsläufig erwarten. Ich will nur, dass es ihr gut geht, sie muss ja nicht Karriere machen und es „besser“ machen als ich.“ Daraufhin antwortet die andere Adoptivmutter (scherzhaft): „Nun ja, gerade weil unsere Kinder nicht unsere Gene tragen, können sie es „besser“ machen als wir.“

Szenenwechsel zu Nadeschdas Schule: Von Anfang an, seitdem Maxim und Nadeschda bei uns waren, bin ich mit Kommentaren aus unserem sozialen Umfeld wie: „Von wem hat Nadeschda denn diese tollen blauen Augen? Von Dir nicht. Dann wohl von ihrem Vater.“ von Müttern, die nichts von der Adoption wussten, oder auch von Menschen, die unsere Adoptionsgeschichte kennen: „ Die beiden sehen Euch so ähnlich. Wenn man nicht wüsste, dass Ihr sie adoptiert habt, könnte man meinen, es seien Eure leiblichen Kinder.“ konfrontiert. Meist nehme ich diese Kommentare, ohne näher darauf einzugehen, mal mehr mal weniger wohlwollend zur Kenntnis. Im Herbst hatte ich mit Daniel zusammen ein neues Erlebnis. Zusammen holten wir Nadeschda mittags von der Schule ab. Als wir eintrafen, half der Substitutslehrer gerade den Kindern beim Anziehen der Matschhosen. Ich stellte ihm Daniel vor. „Das habe ich mir gleich gedacht.“ sagte der Substitutslehrer. „Diese Ähnlichkeit ist verblüffend.“ Ich stutzte, denn Daniel und mich konnte er nicht meinen. Denn wir sehen grundverschieden aus und bringen im Äußeren jeden möglichen Kontrast mit (dunkles Haar vrs. helles Haar, braune Augen vrs. stahlblaue Augen, Pfannkuchengesicht vrs. Charakterkopf, etc.). Im zweiten Moment ahnte ich, worauf der Lehrer hinaus wollte. Er meinte die Ähnlichkeit zwischen Nadeschda und meinem Bruder. Nadeschdas Klassenlehrerin kam dazu, begrüßte meinen Bruder und löste meine Verwunderung mit den Worten: „Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Welch karmische Fügung, oder?“ Und es stimmt, die Ähnlichkeit zwischen Nadeschda und meinem Bruder ist durchaus frappierend. Vielleicht war es tatsächlich eine Fügung des Schicksals. Hinzukommt, und das findet sich hier und da auch in der Fachliteratur, dass Adoptivkinder tatsächlich mit den Jahren vor allem durch Mimik und Gestik immer mehr ihren Adoptiveltern ähneln und sie somit in Auftreten und Aussehen immer mehr ihren Adoptiveltern folgen. Bei Maxim und Richard lässt sich das genauso beobachten: Nicht nur Haarschnitt und Kleidungsstil, sondern Gesichtsausdruck, Verhaltensmuster, gewissen Redewendungen, etc.

In der Wissenschaft streitet man sich, wie viel tatsächlich Kinder geprägt sind durch das genetische Erbgut oder durch das familiäre und soziale Umfeld, in dem sie aufwachsen. Eine Adoptionsberaterin sagte zu mir einmal: „Als Adoptiveltern muss man ohnehin den Glauben haben, dass 95 Prozent der Entwicklung eines Kindes von seiner sozialen Prägung beeinflusst werden. Sonst darf man nicht adoptieren.“ Ich empfand die Äußerung als drastisch und rigoros. Dennoch in gewisser Weise folge ich ihr. Weniger aus der Überzeugung heraus, dass ich die genetische Prägung meiner Kinder verändern kann, als viel mehr aufgrund des Unwissen über die genetische Herkunft meiner Kinder. Wir wissen zwar einiges über die soziale Herkunft und die Lebensumstände von Maxim und Nadeschda, bevor sie zu uns kamen, aber kaum etwas über die familiären Gene und Wurzeln, die sie in sich tragen. Oft halte ich es auch für müssig, darüber nachzudenken. Überlegungen, wie sie „unsere bunte Oma“ manchmal bei ihrer Enkelin, die aus einer Samenspende entstanden ist, anstellt: „Oh, ihr Spendenvater galt als hochgewachsen, sehr intelligent und sportlich. Das sieht man bei ihr jetzt schon.“ sind mir fremd. Ob die genetische Abstammung meiner Kinder einmal ihre Zukunft bestimmen wird, halte ich für Spekulation. Ob Maxim und Nadeschda später aufgrund ihrer genetischen Prägung einen anderen Lebensweg und eine andere Karriere gehen werden, als Richard und ich ihnen vorleben, wird man schwer nachweisen können. Uns ist nur wichtig, dass sie glücklich sein werden, in der Lage sind, allein auf eigene Beinen zu stehen und für sich selbst sorgen können werden, egal, ob als Bäcker, Schreiner, Schauspieler oder Top-Manager.

In nur einem Punkt wünschte ich, mehr über die erbliche Prägung meiner Kinder zu wissen: Irgendwann werden Maxim und Nadeschda in ihrer Identitätsbildung nach ihrer Herkunft fragen. Sie werden sich nicht damit zufrieden geben, dass sie bestimmte äußerliche Merkmale von ihren russischen Eltern sicherlich geerbt haben. Sie werden wissen wollen, welche Charaktereigenschaften sie vielleicht von ihnen mitbekommen haben, welche Talente und Begabungen. Um so mehr über ihre russische Mutter und ihren russischen Vater zu erfahren, um so für sich die Frage zu beantworten: „ Was waren meine russischen Eltern, die mir das Leben geschenkt haben, für Menschen?“ Hier können wir nur Mutmaßen und werden unsere Kinder lehren müssen, mit einem teilweise unbekannten Erbe zu leben.