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„Die blauen Augen hat sie nicht von Ihnen!“

Vom Umgang mit dem unbekannten Erbe meiner Kinder

Vor einigen Monaten hatte Tante Tex beim „Story Samstag“ zum Thema „Erbe“ aufgerufen. Ich hatte teilgenommen mit einer Kurzgeschichte, die einmal nichts mit meinen Kinder und unserer Adoptionsgeschichte zu tun gehabt hatte. Dennoch hat mich seitdem das „Erbe“ auch mit Blick auf meine Kinder nicht mehr losgelassen. Ein Gespräch mit zwei Adoptivmüttern in der vergangenen Woche hat mich nun motiviert, noch einmal das Erbe meiner Kinder aufzugreifen.

Young manager

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Gemütlich saßen wir drei Mütter am Frühstückstisch. Unsere Kinder spielten. Lange hatte wir uns nicht gesehen und so plauderten wir munter über dies und das, was sich so alles in unseren Leben in den vergangenen Monaten ereignet hatte. So erzählte die eine: „Mir ist neulich etwas passiert: Im Kindergarten spielen die Kinder jetzt ein Theaterstück. Und A. ist ganz engagiert mit dabei. Als A.’s Erzieherin mir begeistert einmal mittags davon erzählte, antwortete ich ihr freudestrahlend: Ja, das Theatergen liegt wohl in unserer Familie. Das hat sie von mir. – Im nächsten Moment fasst ich mir an den Kopf, und dachte nur, was war das jetzt für ein Spruch von Dir! Die wissen doch, dass wir A. adoptiert haben.“ Von dort wanderte unser Gespräch zu der Entwicklung unserer Kinder. Wie wir als Adoptiveltern vielleicht andere Erwartungen an die späteren „Karrieren“ unserer Kinder haben, wie wir bewusst die Ansprüche zurückschrauben, das Glück und die Gesundheit unserer Kinder im Vordergrund stellen und weniger die Förderung zum späteren Top-Manager. Dieselbe Mutter sagte: „Ja, vielleicht gehen wir damit anders um, weil wir wissen, dass unsere Kinder eben nicht unser Erbgut mitbekommen haben. Nur weil ich Abitur habe und studiert habe, kann ich das von A. ja nicht zwangsläufig erwarten. Ich will nur, dass es ihr gut geht, sie muss ja nicht Karriere machen und es „besser“ machen als ich.“ Daraufhin antwortet die andere Adoptivmutter (scherzhaft): „Nun ja, gerade weil unsere Kinder nicht unsere Gene tragen, können sie es „besser“ machen als wir.“

Szenenwechsel zu Nadeschdas Schule: Von Anfang an, seitdem Maxim und Nadeschda bei uns waren, bin ich mit Kommentaren aus unserem sozialen Umfeld wie: „Von wem hat Nadeschda denn diese tollen blauen Augen? Von Dir nicht. Dann wohl von ihrem Vater.“ von Müttern, die nichts von der Adoption wussten, oder auch von Menschen, die unsere Adoptionsgeschichte kennen: „ Die beiden sehen Euch so ähnlich. Wenn man nicht wüsste, dass Ihr sie adoptiert habt, könnte man meinen, es seien Eure leiblichen Kinder.“ konfrontiert. Meist nehme ich diese Kommentare, ohne näher darauf einzugehen, mal mehr mal weniger wohlwollend zur Kenntnis. Im Herbst hatte ich mit Daniel zusammen ein neues Erlebnis. Zusammen holten wir Nadeschda mittags von der Schule ab. Als wir eintrafen, half der Substitutslehrer gerade den Kindern beim Anziehen der Matschhosen. Ich stellte ihm Daniel vor. „Das habe ich mir gleich gedacht.“ sagte der Substitutslehrer. „Diese Ähnlichkeit ist verblüffend.“ Ich stutzte, denn Daniel und mich konnte er nicht meinen. Denn wir sehen grundverschieden aus und bringen im Äußeren jeden möglichen Kontrast mit (dunkles Haar vrs. helles Haar, braune Augen vrs. stahlblaue Augen, Pfannkuchengesicht vrs. Charakterkopf, etc.). Im zweiten Moment ahnte ich, worauf der Lehrer hinaus wollte. Er meinte die Ähnlichkeit zwischen Nadeschda und meinem Bruder. Nadeschdas Klassenlehrerin kam dazu, begrüßte meinen Bruder und löste meine Verwunderung mit den Worten: „Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Welch karmische Fügung, oder?“ Und es stimmt, die Ähnlichkeit zwischen Nadeschda und meinem Bruder ist durchaus frappierend. Vielleicht war es tatsächlich eine Fügung des Schicksals. Hinzukommt, und das findet sich hier und da auch in der Fachliteratur, dass Adoptivkinder tatsächlich mit den Jahren vor allem durch Mimik und Gestik immer mehr ihren Adoptiveltern ähneln und sie somit in Auftreten und Aussehen immer mehr ihren Adoptiveltern folgen. Bei Maxim und Richard lässt sich das genauso beobachten: Nicht nur Haarschnitt und Kleidungsstil, sondern Gesichtsausdruck, Verhaltensmuster, gewissen Redewendungen, etc.

In der Wissenschaft streitet man sich, wie viel tatsächlich Kinder geprägt sind durch das genetische Erbgut oder durch das familiäre und soziale Umfeld, in dem sie aufwachsen. Eine Adoptionsberaterin sagte zu mir einmal: „Als Adoptiveltern muss man ohnehin den Glauben haben, dass 95 Prozent der Entwicklung eines Kindes von seiner sozialen Prägung beeinflusst werden. Sonst darf man nicht adoptieren.“ Ich empfand die Äußerung als drastisch und rigoros. Dennoch in gewisser Weise folge ich ihr. Weniger aus der Überzeugung heraus, dass ich die genetische Prägung meiner Kinder verändern kann, als viel mehr aufgrund des Unwissen über die genetische Herkunft meiner Kinder. Wir wissen zwar einiges über die soziale Herkunft und die Lebensumstände von Maxim und Nadeschda, bevor sie zu uns kamen, aber kaum etwas über die familiären Gene und Wurzeln, die sie in sich tragen. Oft halte ich es auch für müssig, darüber nachzudenken. Überlegungen, wie sie „unsere bunte Oma“ manchmal bei ihrer Enkelin, die aus einer Samenspende entstanden ist, anstellt: „Oh, ihr Spendenvater galt als hochgewachsen, sehr intelligent und sportlich. Das sieht man bei ihr jetzt schon.“ sind mir fremd. Ob die genetische Abstammung meiner Kinder einmal ihre Zukunft bestimmen wird, halte ich für Spekulation. Ob Maxim und Nadeschda später aufgrund ihrer genetischen Prägung einen anderen Lebensweg und eine andere Karriere gehen werden, als Richard und ich ihnen vorleben, wird man schwer nachweisen können. Uns ist nur wichtig, dass sie glücklich sein werden, in der Lage sind, allein auf eigene Beinen zu stehen und für sich selbst sorgen können werden, egal, ob als Bäcker, Schreiner, Schauspieler oder Top-Manager.

In nur einem Punkt wünschte ich, mehr über die erbliche Prägung meiner Kinder zu wissen: Irgendwann werden Maxim und Nadeschda in ihrer Identitätsbildung nach ihrer Herkunft fragen. Sie werden sich nicht damit zufrieden geben, dass sie bestimmte äußerliche Merkmale von ihren russischen Eltern sicherlich geerbt haben. Sie werden wissen wollen, welche Charaktereigenschaften sie vielleicht von ihnen mitbekommen haben, welche Talente und Begabungen. Um so mehr über ihre russische Mutter und ihren russischen Vater zu erfahren, um so für sich die Frage zu beantworten: „ Was waren meine russischen Eltern, die mir das Leben geschenkt haben, für Menschen?“ Hier können wir nur Mutmaßen und werden unsere Kinder lehren müssen, mit einem teilweise unbekannten Erbe zu leben.

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Nominiert für den Versatile Blogger Award

versatile-awardNun bin ich gleich zwei Mal für den Versatile Blogger Award nominiert worden. Einen lieben Dank an Katja von „home is where the boys are“ und „Mein Name sei Mama“! Eure Nominierungen haben mich sehr gefreut!!  Vor allem Katja’s Nominierung vor mehr als zwei Wochen hat mich dazu inspiriert, nach neuen Blogs zu schauen, die auch eine Nominierung wert sein könnten. Denn viele von Euren wunderbaren Nominierungen habe ich auf meiner Leseliste und hätte sie genauso nominiert. Hierzu würden unter anderen gehören „Familiendinge“, „Maras Gedanken“, „Emily’s Welt“ oder „Hallo liebe Wolke“. Doch der Blogger Award soll ja weitergetragen werden. So begab ich mich auf die Suche nach ein paar für mich neuen und vielseitigen Blogs.

Spannend und herausfordernd finde ich die Aufgabe, sieben Fakten über mich an die Nominierenden zurückzugeben. Denn es sollen ja nicht die Tatsachen sein, die ohnehin schon bekannt sind. Was gäbe es über mich darüber hinaus zu sagen?

  1. In der Schule hatte ich in Deutsch nicht die Qualifikation für das Gymnasium. Noch heute würde ich dem „Tester“ gerne sagen, dass er sich da wohl geirrt hat. Ernährt mich doch der Umgang mit der deutschen Sprache ganz gut.
  2. Fernsehen halte ich für reine Zeitverschwendung, außer unserem sonntäglichen Ritual, abends wenn die Kinder schlafen, „Die Lindenstraße“ zu schauen.
  3. Ich hasse bügeln. Vielleicht liegt es daran, dass ich einem Ex-Freund sogar die Jogginghosen bügeln musste. Heute Bügel ich nur unter Zwang. Lieber noch putze ich Fenster.
  4. Bis Maxim und Nadeschda zu uns kamen, habe ich nicht gekocht. Ich empfand das als überflüssig.
  5. Heute freue ich mich über einen orangenen Kühlschrank und das passende Topfset.
  6. Ich mag es gerne ordentlich, aber wehe, Du öffnest meinen Kleiderschrank!
  7. Seitdem wir Maxim und Nadeschda adoptiert haben, muss ich zugeben, dass ich mit Säuglingen nicht wirklich etwas anfangen kann. Ich habe das Babysein meiner Kinder nie wirklich vermisst. Vielleicht war es auch deshalb der Wink des Schicksals keine Kinder selbst zu gebären, sondern eine andere „Geburt“  erleben zu dürfen.

Unter meinen Nominierungen findet sich eine bunte Mischung von Blogs, die mich schon  von Beginn an begleiten oder erst seit neustem, die den Kinderwunsch und das Muttersein in den thematischen Vordergrund stellen oder auch andere Themen wie Garten, Schreiben, Bücher, Backen, und so vieles mehr. Eben all die wunderbaren Dinge im Leben, aber auch die herausfordernden. Hier sind meine Nominierungen für den Versatile Blogger Award:

Eltern werden ist doch schwer

Von Wünschen, von Kindern und von Eltern

Die verlorenen Schuhe

Neu in Frankreich

add2fam

Kaiserinnenreich

Tante Tex

Read Books and Fall in Love

gartenkuss

Back mit Liebe

Das Leben ist kein Ponyhof

Chaosmama

Einstrichphobie

Mama hat jetzt keine Zeit … sie muss bloggen!

Elementares Lesen

Und zum Schluss noch einmal die Regeln, wie „Mein Name sei Mama“ sie so schön unter „Kleingedrucktem“ zusammengefasst hat:

  • Danke der Person, die dich nominiert hat
  • Wähle 15 Blogger aus, um sie deinerseits für den Versatile Blogger Award zu nominieren
  • Erzähle 7 Dinge über dich

Ich freue mich, wenn Ihr mitmacht, und noch mehr, sieben Fakten von Euch zu lesen. 😉

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (17)

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Danke an pixabay

Die erste Woche in diesem neuen Jahr ist vorüber. Morgen beginnt die Schule wieder. Die Kinder und ich waren „fleißig“in dieser letzten Ferienwoche, haben viel gewerkelt, mein Büro weiter eingerichtet und die Kinderzimmer mit den neuen Spielsachen, die das Christkind gebracht hat, bereichert. Anderes Spielzeug musste dafür weichen. Frischer Wind tut gut. Meine to do-Liste wird kleiner und dennoch blieb Raum für viel Spielen und in den Tag Hineinleben. Das Leben kann so wunderbar sein, wenn man sich in einem stillen Moment all der schönen Dinge und Ereignisse bewusst wird, die kleinen Fortschritte sieht. Deshalb blicke ich inspiriert von  Mirjam von Perfektwir auf meine eigenen, ganz persönlichen Lieblinge dieser Woche. Hier sind meine drei Sonntagslieblinge der ersten Woche des noch so jungen Jahres:

  1. Ich bin dankbar für all die Zeit, die ich in den vergangenen Tagen mit meinen Kindern verbringen konnte. Gerade auch, weil wir so stinknormalen, ruhigen Alltag zusammen verbringen durften. Es war eine weise Entscheidung, in diesen Ferien Zuhause zu bleiben und nicht noch einmal zu verreisen.
  2. Wir haben in dieser Woche viel Vorgelesen. Wunderbare neue Bücher, die das Christkind gebracht hat. Und auch ich selbst habe endlich wieder, inspiriert durch Katja’s Buchrezensionen auf ihrem Blog home is where the boys are, begonnen zu lesen. Wie wunderbar! Es ist immer wieder ein Eintauchen in eine andere Welt, die einen aber manchmal auch an das eigene Leben erinnert.
  3. Glücklich bin ich über meinen neuen Kühlschrank. Ja, auch ich habe einen Spleen und der heißt „Orange“. Richard und ich sind einen kinderfreien Abend zwischen den Jahren durch unterschiedlichste Geschäfte getigert, auf der Suche nach einem orangenen Kühlschrank. Natürlich erfolglos. Wir haben ihn dann, bei Pasta und Prosecco beim Italiener sitzend online bestellt. Gestern wurde er geliefert und er ist ein Traum!

Möge das neue Jahr für Euch alle gut begonnen haben! Ich wünsche mir im Moment, dass unseres so sich weiterentwickelt, wie die erste Woche begonnen hat. Habt einen wunderbaren Wochenstart!

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Meine drei Wünsche für 2017

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Heute ist Heilige drei Könige. Der letzte Tag der Weihnachtszeit, das Ende der Rauhnächte. Angeblich geht das, was man in ihnen träumt, in Erfüllung in diesem nun angebrochenen neuen Jahr. Man könnte also heute den Beginn des Neuen setzen. Doch bin ich noch nicht so richtig in diesem neuen Jahr angekommen. Auf der einen Seite haben mich Tatendrang und der Ferienalltag in Beschlag genommen. Die Kinder und ich sind jeden Tag arbeitsam unterwegs, erledigen viel, üben wie immer etwas für die Schule und unsere Instrumente, spielen viel und Maxim und Nadeschda sehen nachmittags viele ihrer Freunde. Auf der anderen Seite weiss ich noch nicht, wo mich dieses neue Jahr hinbringen wird. So wie das vergangene soll es nicht mehr werden. Doch zeichnen sich bereits jetzt schon neue Herausforderungen – nicht nur mit Maxim und Nadeschda – ab. Und so kreisen meine Gedanken in den vergangenen Tagen immer noch um das alte Jahr und meine Lehren daraus. Damit das neue Jahr nicht eine Wiederholung des alten wird.

2016 war ein hartes Jahr. Ich habe auf zu vielen Baustellen kämpfen müssen, und dies gefühlt immer alleine. Mein „Arbeitstag“ hatte meist mehr als 16 Stunden und das auch am Wochenende. Oft mit wenig Schlaf, wenn eines der Kinder mich nachts rief oder von vorne herein bei uns im Bett schlief. Manchmal auch beide. Richard arbeitet nach wie vor viel, zu viel, steht selten zu Verfügung. Zumindest darf ich dankbar sein, dass er mir meine Ausbildung ermöglicht und freitags früher nach Hause kommt. (Auch wenn ich dann meine Zeit der Abwesenheit in Hausarbeit am folgenden Tag meist dranhängen darf.) Weitere familiäre Unterstützung haben wir nicht. Rückblickend kann ich zwar stolz sein auf all das, was ich geschafft habe. Aber all das hatte auch seinen Preis. Ich habe 1,5 Häuser umgebaut. Eines davon, während wir drin wohnten. Ich habe rund 170 qm Wohnfläche komplett neu eingerichtet. Ich habe mit meinem ehemaligen Arbeitgeber erfolgreiche Abfindungsverhandlungen geführt und mein Arbeitsverhältnis endgültig beendet. Gleichzeitig habe ich ein Buch zur Veröffentlichungsreife gebracht und eine Ausbildung begonnen. Daneben habe ich meinen depressiven Bruder bei uns aufgenommen und quasi einen Haushalt mit vier Kindern – zwei großen und zwei kleinen – geführt.

All das neben meiner Hauptaufgabe als Mutter meinen beiden bedürftigen Kindern voll bewusst, unterstützend und stärkend zur Seite zu stehen, sie durch ihr Leben zu begleiten, mit ihnen ihre Traumata zu überwinden. Mit ihnen jeden Tag zu „arbeiten“, ihnen mit viel Struktur und wiederholendem Rhythmus Sicherheit zu geben. Sie zu trösten, ihre Wutanfälle auszuhalten, ihre Ängste ernst zunehmen und für sie stark zu sein. Und dabei immer gelassen und ruhig zu bleiben und sie meine eigenen Sorgen und Ängste, meine Erschöpfung nicht spüren zu lassen. Das war nicht immer einfach. Und leider gab es auch Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, als Mutter zu versagen. So bei der Episode mit der Fleischwurst  oder auch bei meinem Zuspätkommen. Erst mit der Zeit ging es besser. Ich fügte mich voll und ganz in die Bedürfnisse meiner Kinder. Wenn wir zusammen waren, blendete ich alles andere aus. Da war ich nur für Maxim und Nadeschda da, blieb bewusst ganz bei ihnen. So wie ich es hier und hier geschrieben habe. Am Ende hat sich das ausgezahlt und ich darf voll Stolz auf eine bewundernswerte Entwicklung meiner Kinder zurückblicken.

Doch anderes blieb auf der Strecke. Ende November kam Daniel nach einem Selbstmordversuch ins Krankenhaus. Ja, ich hatte in den Wochen davor wohl gesehen, dass es ihm in seiner Depression wieder schlechter ging. Aber ich wollte es nicht wahr haben. Manchmal glaubte ich, er müsse doch auch so „funktionieren“ können wie ich. Konnte er aber nicht. Der Strudel zog ihn immer weiter nach unten, bis er selbst zu Kleinigkeiten und Alltäglichkeiten nicht mehr in der Lage war. All das wollte und konnte ich mir nicht bewusst machen. Die Achtsamkeit, die ich meinen Kindern gegenüber zeigte, ließ ich bei meinem Bruder nicht walten. Wenn die Kinder in der Schule waren, pflügte ich einfach weiter durch mein Programm, dass trotzdem nicht weniger wurde. Für Daniel hatte ich keine Zeit. Genauso wenig wie ich mir selbst Momente gönnte, um inne zu halten, langsam zu machen. Sport steht als unerledigtes To Do noch nicht einmal auf meinen ungezählten Listen. Der Stapel ungelesener Bücher wird immer länger. Mal mit einer guten Freundin telefonieren selten möglich. Drei Grippen und Nasennebenhöhlenentzündungen habe ich in diesem Jahr weggedrückt, mit viel zu vielen Medikamenten. Ich weiß ja, wie ich unseren Hausarzt davon überzeugen kann, was ich jetzt dringend brauche. Mein Immunsystem liegt am Boden. Doch einfach einmal nichts tun, was ist das? Stattdessen immer weiter im Hamsterrad, jeden Tag von sechs Uhr morgens bis abends um elf.

Erst nachdem mich ein Gespräch mit Nadeschdas Klassenlehrerin  zunächst völlig aus der Bahn warf, merkte ich, dass ich nicht mehr so weitermachen darf. Ich muss für meine Kinder stark und gesund sein. Das ist das allerwichtigste. Dafür muss ich schauen, dass es mir selbst gut geht, dass ich auch einmal aussteige aus meinem Hamsterrad, innehalte, langsam mache, gar nichts tue. So wie ich für Maxim und Nadeschda schon erkannt hatte, dass wir viel mehr Zeit und Ruhe Zuhause brauchen und wir unseren Terminkalender entschlacken müssen, so sollte ich dies genauso für mich selbst tun. Aber wie trage ich das in meinen ganz persönlichen Alltag? Meine To Do Zettel werden irgendwie nicht kleiner. – Ich bin hin und her gerissen, ob ich mir nicht drei gute Vorsätze für 2017 vornehme: 1. Laufen gehen, 2. mehr als sieben Stunden nachts schlafen und 3. alle zwei Wochen ein gutes Buch lesen (Katja von home is where the boys are hat so wunderbare Buchempfehlungen). Auf der einen Seite könnten sie mich zwingen, tatsächlich mehr Ruhe in meinem Leben walten zu lassen. Auf der anderen Seite habe ich die Sorge, mich nur wieder noch mehr unter Druck zu setzen. Vielleicht nenne ich sie einfach „Meine drei Wünsche für 2017“. Dann haben sie weniger etwas zwanghaftes. Sie dürfen in Erfüllung gehen, müssen es aber nicht….

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (16)

Boy and girl make a wish

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Wieder ist ein ganz besonderer Sonntag, ein Sonntag, der das neue Jahr eröffnet! Wie ein weißes Blatt liegt es nun vor uns und wartet darauf mit vielen bunten, fröhlichen aber auch sicherlich wieder herausfordernden und lehrreichen Episoden beschrieben zu werden. Ein ereignisreiches Jahr ist gestern Nacht zu Ende gegangen, mit vielen Höhen und Tiefen. Mit Spannung erwarte ich nun den Beginn des neuen, freue mich darauf, wenn es in den kommenden Wochen Fahrt auf nimmt und mich mit wie auch immer gearteten Momenten beschenkt. Inspiriert von  Mirjam von Perfektwir blicke ich nun gleich zu Jahresbeginn auf meine eigenen, ganz persönlichen Lieblinge dieser Woche zwischen den Jahren, die für uns viele ruhige Momente bereit hielt. Es war ein wenig innehalten, Zeit anhalten, zur Ruhe kommen. Um so mehr bin ich heute dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Die Zeit zwischen den Jahren gab mir die Chance auf das zurückliegende Jahr zu blicken. Voller Bewunderung und Dankbarkeit schaue ich vor allem auf die wundersame Entwicklung, die Maxim und Nadeschda in den vergangenen Wochen und Monaten genommen haben. Wie viel innere Sicherheit und Stabilität Maxim gefunden hat, wie viel Souveränität und Eigenständigkeit Nadeschda entwickelt hat. Welch ein Geschenk, diese zwei kleinen Wesen so wachsen sehen zu dürfen.
  2. Dankbar und stolz bin ich auf all das, was ich in diesem vergangenen Jahr habe bewältigen können, auch wenn es mich manchmal an meine Grenzen gebracht hat.
  3. Und an dieser Stelle sollte dies auch einmal erwähnt werden: Heute sind all meine Leser, die mich jeden Tag wieder begleiten und mir zeigen, dass es sich so lohnt, diesen Blog zu schreiben, meine absoluten Sonntagslieblinge! Danke Euch allen für Euer Interesse, für Eure Kommentare und die Inspiration Eurer eigenen Blogs! Ich freue mich auf mehr in diesem neuen Jahr.

Habt alle einen guten und wunderbaren Start in das neue Jahr! Möge es Euch all das bringen, was Ihr Euch erhofft und wünscht.