#muttertagswusch – Mein Wunsch für mehr Respekt und Anerkennung der Leistung von Adoptivfamilien

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Danke an Pixabay

Der Muttertag naht. Auch wenn meine Kinder wie so viele andere fleißig gebastelt haben, und sie mir ihre Geschenke am Sonntag feierlich übergeben werden, wird es für uns ein gewöhnlicher Familiensonntag werden. So wenig wie wir den Vatertag zelebrieren, feiern wir den Muttertag. Denn „Muttertag“ ist bei uns jeden Tag, wenn ich in die strahlenden Gesichter meiner Kinder blicke und ich dankbar bin, die Mutter von Maxim und Nadeschda sein zu dürfen. Dennoch bewegt auch mich die Aktion #muttertagswunsch von mutterseelesonnig und ich nehme dies zum Anlass, auch meinen Wunsch für all die Adoptivfamilien zu adressieren.

Die Adoption von Nadeschda und Maxim liegt mittlerweile etliche Jahre zurück. Noch immer kämpfen wir dafür, dass die Kosten der Adoption als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden. Kosten für eine medizinische Kinderwunschbehandlung werden seit Jahren steuerlich anerkannt. Die Kosten für eine Adoption nicht. Erst kürzlich kam der Bescheid, dass unser Einspruch abgelehnt wurde. Er sei zulässig, aber nicht begründet. In der Begründung heißt es: „Die organisch bedingte Sterilität eines Ehepartners ist als Krankheit anzusehen. Aufgrund dessen ist die heterologe Insemination als medizinische Maßnahme zur Beseitigung der unmittelbaren Krankheitsfolge der Kinderlosigkeit eines Paares anzusehen und führt zur Abzugsfähigkeit als Krankheitskosten. Die Aufwendungen eines Paares hingegen, die bei einer Adoption eines Kindes aufgrund einer organisch bedingten Sterilität eines Partners entstehen, stellen keine Krankheitskosten dar. (…) Als Außergewöhnliche Belastungen kommen nur Aufwendungen in Betracht denen sich die Steuerpflichtigen nicht entziehen können. Kosten für eine Adoption hingegen sind Kosten der individuell gestaltbaren Lebensführung, auch wenn die ungewollte Kinderlosigkeit von den Betroffenen als schwere Belastung empfunden wird, die ursächlich für den Adoptionsentschluss ist.“ An anderen Stellen wird deutlich, dass die Kosten für Adoption zumutbar seien, und daher keine Zwangsläufigkeit gegeben ist. Eine spannende Argumentation, der ich aber nicht folgen kann. Fühle nur ich mich hier diskriminiert und benachteiligt? Es hat so ein wenig den Beigeschmack eines „Luxusproblems“. Aus freiem Willen haben wir uns entschlossen, unsere Kinder zu adoptieren. Ja, das stimmt! Und ich würde es immer wieder tun! Und ja, natürlich hatten wir einen Kinderwunsch, der auf biologischem Wege unerfüllt blieb. Doch haben wir uns gegen den medizinischen Weg entschieden. Ganz bewusst. Es fühlte sich nicht richtig an. Dennoch finde ich die Bewertung und Einordnung der Finanzbehörden vermessen. Der medizinische Weg, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen, ist zwangsläufig, aber alternative Wege nicht? Das verstehe ich nicht.  Um den eigenen tiefen Wunsch nach Kindern zu erfüllen, aus welchen Gründen auch immer die Kinderlosigkeit vorliegt, sollten alle Wege, die heute zur Verfügung stehen, gleich angesehen und anerkannt werden. Das ist im Falle der Adoption nicht gegeben.

Genauso wie Adoptivfamilien bei der Mütterrente seit der Neuregelung 2014 benachteiligt werden: Nimmt eine Familie ein Kind an, das drei Jahre alt ist oder älter, schlägt sich das negativ in der Anrechnung der Erziehungszeiten nieder. Die Adoptivmutter, die also eine Weile zuhause bleibt, um sich der Fürsorge ihres Kindes zu widmen, bekommt später weniger Rente. Auch hier wurde mit viel Taktgefühl der Hinweis auf Diskriminierung kommentiert: Rentenexperten merkten an, dass es um eine pauschale Anerkennung gehe, es aber in Einzelfällen zu Ungerechtigkeiten kommen kann. Mal abgesehen von dem bürokratischen Aufwand, den es Bedarf, sich überhaupt Erziehungsheimen anerkennen zu lassen als Adoptivmutter. Bis heute ist meine Rentenzeiten nicht geklärt. Es scheint schwierig zu sein, Zeiten nachzurechnen, wenn Geburtsdatum des Kindes und Beginn der Elternzeit fast drei Jahre auseinanderliegen. – Auch in der Versicherungswirtschaft kommt es oft zu Ungleichbehandlungen. Werden doch häufig für Adoptivkinder, ob ihrer ungesicherten medizinischen Diagnosen pauschal Risikozuschläge bei den Beiträgen erhoben. So auch bei unseren Kindern.

Der fehlende sensible Umgang an vielen öffentlichen Stellen mag ein Problem der Fallzahlen sein. In Deutschland sind die Zahlen von Adoption aus dem In- und Ausland einfach zu niedrig (und auch noch rückläufig in den letzten Jahren), dass sie einen nennenswerten Einfluss auf den politischen Willen haben könnten. Allerdings kommen wir doch, wenn wir die Adoptionszahlen der letzten zehn Jahre zusammenzählen, auf eine beachtenswerte Gruppe in der Bevölkerung von etwa der Größe einer Kleinstadt. Aber auch das ist noch zu wenig, um beachtet zu werden.

Doch darum geht es mir hier nicht. Zum Muttertag wüsche ich mir, dass der Mut und der Einsatz der Adoptivfamilien von der Administration mehr respektiert und anerkannt wird. Dass an der ein oder anderen Stelle die besondere Situation von Adoptivfamilien nicht beachtet wird und es keine Sonderregelungen oder den Freiraum für individuelle Ermessensentscheidungen gibt, mag ich ja noch hinnehmen können. Doch dass die Lebenssituation von Adoptivfamilien an vielen Stellen einfach so abgetan wird, kann ich nur schwer ertragen. Den Adoptivfamilien ging es selten bei dem Entschluss zur Adoption um die bloße egoistische Erfüllung des Kinderwunsches. Sie haben alle eine große Verantwortung übernommen, der sie sich von Anfang an bewusst waren. Sie stellen sich jeden Tag von neuem harten und herausfordernden Aufgaben. Gerade die Mütter, die bald erkennen, dass sie ihren Job nicht mehr wahrnehmen können, weil ihre Kinder eine kontinuierliche Anwesenheit zumindest einen Elternteils brauchen. Viele Adoptivkinder benötigen nicht nur die ständige liebevolle Fürsorge von mindestens einem Elternteil, sie brauchen eine intensive Förderung und Begleitung mit den unterschiedlichsten Therapien, häufigen Arztbesuchen, Terminen bei Spezialisten und manchmal medizinischen Eingriffen. In der Schule bedarf es einer engen Hausaufgabenbetreuung und intensivem Engagement, Gespräche mit Lehrern, Werben für die besondere Situation des Kindes, Wissen, was in der Schule gerade passiert. Und eigentlich beginnt das schon im Kindergarten. Sport und das Spielen eines Musikinstrumentes sind wichtig, neben der kontinuierlichen Förderung von Fähigkeiten in der täglichen Alltagsroutine. Adoptivmutter zu sein, ist ein Vollzeit-Job, neben dem permanenten Bewusstsein der Verantwortung und der emotionalen Belastung, die durchaus hin und wieder gegeben ist. Es gibt unzählige Adoptivmütter, die auch nach Jahren, selbst wenn die Kinder längst schon dem Babyalter entwachsen sind, selten eine Nacht durchschlafen, da die Kinder von Alpträumen verfolgt werden, oder sie auch nachts die enge Nähe der Mutter brauchen. Jede Stunde, die eine Adoptivmutter vielleicht einmal etwas für sich alleine tut, um Kraft zu sammeln, und die Kinder dann vielleicht fremdbetreut sind, muss sie oft doppelt oder dreifach „bezahlen“ mit noch mehr eingeforderter Aufmerksamkeit ihrer Kinder. Dann stehen Wut oder Verlassensängste an der Tagesordnung, die Beziehung zwischen Mutter und Kind wird unmittelbar in Frage gestellt. Solange bis das Adoptivkind sich wieder sicher ist, dass seine Mutter bei ihm bleibt und es immer halten und aushalten wird. Jedes Kind hat Trotzanfälle und Wutausbrüche, aber vielleicht nicht immer über eine Stunde oder länger. Jedes Kind hängt an seiner Mutter, aber nicht über Wochen, wenn es schon sechs Jahre alt ist. Pausen gibt es nicht, Zeit und Raum zum Durchatmen bleibt kaum, Kranksein ist nicht erlaubt.

Ich wünsche mir, dass mit diesen Familien, die den Schritt der Adoption und Annahme eines bedürftigen Kindes mutig und unerschrocken gegangen sind und die jeden Tag darum ringen, ihre ihnen anvertrauten Kinder gut und gesund ins Leben zu begleiten,   respektvoll umgegangen wird. Formulierungen, wie sie die Finanzbehörde wählte, sind da in meinen Augen eher respektlos. Doch wenn in Deutschland schon grundsätzlich die Leistung von Eltern und Familien weder finanziell noch gesellschaftliche anerkannt wird, warum sollte man dann den Einsatz und das Engagement von tausenden von Adoptivfamilien sehen und würdigen?

6 Gedanken zu “#muttertagswusch – Mein Wunsch für mehr Respekt und Anerkennung der Leistung von Adoptivfamilien

  1. Liebe Charlotte,
    du hast ja so Recht, mit dem was du schreibst. Auch ich fühle mich als Adoptivmutter nicht mit anderen Eltern gleichgestellt und gleichermaßen wertgeschätzt. Auch ich empfinde es als unfair, dass man als Adoptiveltern die Kosten für eine Auslandsadoption nicht geltend machen kann, wenn belegbar ist, dass sämtliche medizinische – und von den Steuern absetzbare – Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Von den Vorteilen einer Adoption profitiert der Staat aber in Form von Steuereinnahmen und Rentenbeiträgen etc. unserer Adoptivkinder gerne. Es ärgert mich maßlos, dass das Steuersystem die Möglichkeit bietet, jeden noch so kleinen oder großen Mist abzusetzen, ein solch wichtiges Thema jedoch nicht. Aber, wie du schon sagst, die Lobby der Adoptiveltern ist zu klein und wird leider immer kleiner und kleiner. Man wird sich daher vermutlich eher um Themen kümmern, die eine größere Personengruppe betreffen als die unsere.

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  2. „Es gibt unzählige Adoptivmütter, die auch nach Jahren, selbst wenn die Kinder längst schon dem Babyalter entwachsen sind, selten eine Nacht durchschlafen, da die Kinder von Alpträumen verfolgt werden, oder sie auch nachts die enge Nähe der Mutter brauchen. Jede Stunde, die eine Adoptivmutter vielleicht einmal etwas für sich alleine tut, um Kraft zu sammeln, und die Kinder dann vielleicht fremdbetreut sind, muss sie oft doppelt oder dreifach „bezahlen“ mit noch mehr eingeforderter Aufmerksamkeit ihrer Kinder. Dann stehen Wut oder Verlassensängste an der Tagesordnung, die Beziehung zwischen Mutter und Kind wird unmittelbar in Frage gestellt. Solange bis das Adoptivkind sich wieder sicher ist, dass seine Mutter bei ihm bleibt und es immer halten und aushalten wird. Jedes Kind hat Trotzanfälle und Wutausbrüche, aber vielleicht nicht immer über eine Stunde oder länger. Jedes Kind hängt an seiner Mutter, aber nicht über Wochen, wenn es schon sechs Jahre alt ist. Pausen gibt es nicht, Zeit und Raum zum Durchatmen bleibt kaum, Kranksein ist nicht erlaubt.“
    genau. alpträme eines kindes- früher waren sie 10mal die nacht- jetzt nur 2… schreianfälle anderes kindes- früher waren sie halbe stunde von jeder stunde- jetzt nur 2 mal am tag. „nur“. verlassenheitsägnste- die modifizieren sich, immer wieder traut das kind sich mehr- und immer wieder kommen neue situationen, wo sie wieder enflammen… die notwendigkeit, dass die mutter- und eben nur die mutter, nicht mal der vater- immer da ist, immer- schon 9 jahre lang… das ist trauma. das ist unser leben. es wird alles immer besser- nur sehr langsam. und wie nerven mich die ratschäge einigen psychologen „sie müssen ja nur loslassen“ jawohl, dann stürzen die beide kinder weider so ab, dass es nachher heisst „wir wissen nicht, wie wir helfen können“- da weiss ich aber das- eben nicht loslassen, da sein, auch wenn es wahnsinnig anstrengend manchmal ist. dieses DA SEIN – die brauchen es viel, also VIEL länger- und schweirig ist, dass viele aussenstehende keine ahnung haben, warum, und die welt ist ziemlich verrückt auf „selbständig und allein“- aber wenn man solche kinder bekommt, lernt man grade, wir wir menschen doch voneinander im guten sinn anhändig sind und eigentlich nicht „allein* leben- aber miteinander

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    • Lieben Dank für Deinen Kommentar. Ja, genau so ist es, wie Du dann schreibst. Eine Adoptionsberaterin hat einmal so schön gesagt: „Diese Kinder saugen Sie aus wie eine nassen Schwamm.“ um dann fortzufahren: “ Und diese Kinder sind in ihrem Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung einfach ein Fass ohne Boden.“ Das ist so, und…. es hört eben nicht auf. Und das kostet so viel Kraft! Nadeschda schläft wieder bei uns im Bett, seit ein paar Wochen. Eine ihrer Therapeutinnen sagte neulich zu mir: „Ja, ihre Tochter holt sich dann Ihre Energie in der Nacht.“ Ich dachte nur: „Ja, das merke ich.“ und wusste warum ich morgens immer so gerädert bin…Von wegen selbständig und allein, nein, bei unseren Kindern müssen wir IMMER dasein. So wie Du schreibst… Danke dafür!

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