Post vom Arbeitsamt

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Danke an unsplash.com

Im vergangenen Jahr hatte ich entgültig mein auch während der Elternzeit noch fortbestehendes Arbeitsverhältnis mit meinem alten Arbeitgeber aufgelöst. Man wollte oder konnte mir meine alte Funktion – die zum Ende meiner Elternzeit unbesetzt war – nicht in Teilzeit geben. Doch dies ist ein anderes Thema.

Denn gerade beim Aufräumen fiel mir wieder ein Brief vom Arbeitsamt in die Hände. Wenn auch schon eine gute Weile her und die Sache für mich längt abgeschlossen ist, so hat der Brief mich doch wieder geärgert. Nachdem ich mein fest angestelltes Arbeitsverhältnis beendet und mit meiner Ausbildung kurz zuvor begonnen hatte, zogen wir in Erwägung, dass ich mich für die Zeit der Ausbildung arbeitslos meldete und ich so vielleicht auf  hin und wieder kleinen freien Textarbeiten verzichten könnte. Gut, ich begab mich also in diese Mühlen, um am Ende einen Brief mit den freundlichen Worten zu bekommen:

„(…) Ihren Antrag lehne ich ab. Sie haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sie sind in den letzten zwei Jahren weniger als zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen und haben die Anwartschaftszeit nicht erfüllt. (…)“

Mmmmhhh, wie sollte ich auch sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, wenn ich mich in Elternzeit befand? Das wäre schon allein technisch nicht gegangen. In meinen Augen könnte ich das auch so lesen: Ich habe kein Anrecht auf Arbeitslosengeld, weil ich es gewagt habe, fünf Jahre in Elternzeit Zuhause zu bleiben und mich im Schwerpunkt um die Erziehung unserer Kinder zu kümmern. Dass ich vor meinem Muttersein mehr als ein Jahrzehnt sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, interessierte nicht mehr.

Wenn denn die Erziehungszeit in unserem Land auch dem Schutz der Familie dient, so sollte sie doch auch wertbare Zeit hinsichtlich einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sein. Ich verstand es nicht und verstehe es jetzt immer noch nicht. Und die Agentur für Arbeit schuldet mir immer noch eine Erklärung. Zurück bleibt aber einmal wieder: Familien, egal welche und in welcher Konstellation sind nicht erwünscht. Aber das haben wir ja schon am Muttertag gelesen…

7 Gedanken zu “Post vom Arbeitsamt

  1. Ihr befindet sich ja – vergleichweise- im Paradies!
    In der Schweiz gibt es keine Elternzeit- und für die Mütter, die Adoptieren, rein gar nichts. Die Schweiz ist aber nicht die ärmste Land Europas… 🙂 😦
    „Nimmt ein Paar ein Adoptivkind bei sich auf, kann für die Familie eine harte Zeit anbrechen: Je nach Arbeitgeber haben Mutter und Vater täglich weiter im Büro oder auf der Baustelle zu erscheinen – freie Zeit, sich an das neue Familienmitglied zu gewöhnen, ist ihnen vom Bundesrecht her nicht vergönnt. Damit werden sie weniger freundlich behandelt als Eltern, bei denen sich der Nachwuchs auf biologisch-natürliche Weise einstellt: Für die (biologische) Mutter sieht das Gesetz in diesem Fall einen Urlaub von (NUR!) 98 Tagen (14 Wochen) vor. Die Mütter erhalten 80 % ihres Lohns in Form von Taggeldern, höchstens aber CHF 196 pro Tag.
    Der Bundesrat findet die Ungleichbehandlung gerechtfertigt, wie er vor einiger Zeit festhielt: «Der Mutterschaftsurlaub fördert nicht nur die Mutter-Kind-Beziehung, sondern dient auch der Erholung nach Schwangerschaft und Geburt.» Eine Adoptivmutter darf aus bundesrätlicher Sicht an den Arbeitsplatz befohlen werden, da sie keine Schwangerschaftsbeschwerden hinter sich hat. “
    So ist es. Aber hier adoptieren ja auch mittlerweise so wenige, dass es den restlichen reichen glücklichen Schweizer egal ist – wenn es 1980 noch etwa 1500 Adoptionen pro Jahr gab, waren es 2014 etwa 250- also, wen interessiert es noch…?

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    • Wow, das ist sehr hart, was da in der Gesetzgebung steht. Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Mutterschaftsurlaub fördert die Mutter-Kind Beziehung. Und die muss bei adoptierten Kindern nicht entstehen? Des weiteren eine Adoptivmutter muss sich nicht von den Strapazen einer „Geburt“ erholen? Okay. Hab dank liebe Tina für diese klare Schilderung. Da erscheint alles „Leiden“ mit Blick auf steuerliche Anerkennung der Adoption etc. echt als Leiden auf hohem Niveau. Danke Dir für den Blick über den Tellerrand!
      Liebe Grüße
      Charlotte

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