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Wie ein Baum ohne Wurzeln…

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Photo by Gregoire Sitter in Unsplash.com

Sherrie Eldridge, die Autorin von vielen wunderbaren Adoptionsbüchern, postet in den vergangene Tagen wieder sehr bewegende Beiträge, die mich an der ein oder anderen Stelle zum Nachdenken bringen. Vor allem „Adopted and Foster Kids Can Survive Winter“ geht mir zur Zeit nicht aus dem Kopf.

Ich glaube, dass zwar Maxim und Nadeschda noch nicht viele der Gedanken bewusst haben, die Sherrie schildert. Dafür sind sie noch zu jung und zu klein. Die winterliche Jahreszeit hat für sie immer noch einen magischen Zauber, jetzt wo die Vorweihnachtszeit absehbar ist und gefüllt sein wird mit schönen und aufregenden Momenten. Zudem liebt vor allem Maxim den Schnee. Schon jetzt zählt er die Tage, bis wir im Januar zum Skilaufen fahren.

Dennoch spüre ich, dass dennoch im Unterbewusstsein der Winter für meine Kinder eine Zeit des traurigen Schmerzes ist. Gerade Maxim macht wieder einmal ein paar schwere Tage durch. Und auch Nadeschda kämpft zuweilen mit der Wut. Wenn ich so an unsere nicht immer harmonischen Nachmittage denke, so kommt mir das Bild mit dem Baum in den Sinn, das Sherrie beschreibt. „We can say we are cold to the roots.“ Meinen Kindern ist kalt bis in die Wurzeln. Ihnen wurde ihre Herkunft und ihre Wurzeln genommen, und der Schmerz der Entwurzelung mag tief sitzen. Immer noch!

Ich denke an ein Seminar, das wir in Vorbereitung auf die Adoption hatten. Die Seminarleiterin zeigte uns einen Teddybären mit vielen abgeschnittenen Fäden an Armen und Beinen. Dazu sagte sie: „So etwa kommt ihr Kind zu ihnen. Mit unzähligen abgeschnittenen Bindungen und Beziehungen.“ Ja, in all den Jahren, seitdem Maxim und Nadeschda bei uns sind, haben sie sicherlich genauso viele neue Bindungen und Beziehungen geknüpft. Doch die abgeschnittenen Enden bleiben. Manchmal schmerzen sie, wie die Wurzeln des Baumes, die noch keinen vollständigen warmen sicheren Halt gefunden haben. – Wie sehr hoffe ich und wünsche ich, dass meine beiden Kinder einmal  so selbstbewusst mit ihrer Herkunft und Geschichte umgehen, und mit dem Schmerz der damit verbunden ist, dass sie ebenso sagen: „I am a tree, that suvived winter.“

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (61)

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Photo by Alma Black on unsplash.com

Eine turbulente Woche liegt hinter uns. Wieder viel auf dem Zettel, wie immer zu wenig Zeit und neue Epochen in der Schule für Maxim und Nadeschda bringen ihre Herausforderungen mit sich. Hatte ich gerade gedacht, alles läuft so gut, jetzt könnten wir tatsächlich unsere Übzeiten etwas entspannen (wichtig ist, dass sie bleiben, aber sie müssen ja nicht lang sein), bin ich in dieser Woche eines Besseren belehrt worden. In der 3. Klasse zieht – auch in einer Waldorfschule – der Stoff an. Nachdem munter lustig bis zu den Herbstferien „Bauer“ gespielt und Ackerbau betrieben wurde, steht jetzt wieder Rechnen an und vor uns breitet sich der Zahlenraum bis 1.000 aus. Für ein Kind, dass Zahlen ordentlich in der 1. Klasse gelernt hat, eigentlich kein Problem. Doch bei Maxim war das leider nicht so. Und so fehlt ihm jedes Gefühl für die Größe und die Qualität der Zahl. Also fangen wir wieder an, Lücken zu schließen, Wunden zu heilen, mit viel Wut und Frustration umzugehen. Doch wir haben die Herausforderungen irgendwie gemeistert. Meditativ war für mich in diesen Tagen unser Fächerahorn im Garten, der zur Zeit Blutrote Blätter hat. Wie gerne habe ich ihn immer wieder angeschaut. Und nun haben wir nach dieser Woche einfach das heilige Martinswochenende genossen. Und so sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Wir haben trotz Novemberregen (der genau in dem Moment aufhörte, als wir losliefen), eine wunderbares Sankt Martinsfest mit Nadeschda’s Klasse verbracht. Singend liefen wir mit den leuchtenden Laternen in den Wald, um am Ende am Feuer die Martinsbrötchen zu teilen. Sehr schön!
  2. Maxim hat in seiner Klasse zu Sankt Martin auf der Trompete vorgespielt. Es muss wunderbar gewesen sein. Und ich bin stolz auf meinen Sohn, der doch immer wieder das Durchhaltevermögen hat und sich durch solche „Auftritte“ zum motivieren lässt, täglich zu üben.
  3. Zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten haben wir uns am Samstag, am eigentlichen St. Martinstag, mit Freunden getroffen und haben tatsächlich eine Martinsgans zubereitet und gegessen. So richtig mit Klössen und Rotkraut. Lecker! Zwischendrin – während die Gans im Ofen vor sich hin brutzelte – sind wir mit den Kindern zum ersten Mal beim Martinsumzug hier im Dorf mitgelaufen. Wo es auch einen „wirklichen“ St. Martin auf dem Ross gab…. (Irgendwie hat es all die Jahre vorher nicht gepasst, aber nun war es soweit.)

Nun erwartet uns eine neue spannende Woche und wir genießen vorerst den Sonntag. Ihr hoffentlich auch. Und habt einen guten Start in die neue Woche!

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48 Stunden im Leben einer Adoptivmutter (reloaded) – Wenn Papa verreist ist… (Teil 2)

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Photo by Slava Bowman on unsplash.com

Richard ist in den letzten Wochen viel auf Reisen, sehr viel auf Reisen. Auch aktuell ist er immer noch unterwegs. Eine von drei Nächten ohne ihn haben wir geschafft. Nach dem Abholen in der Schule kommt bei beiden Kinder die Angst des Verlassenwerdens hoch, die sich hinter dem schmerzlichen Vermissen des Vaters verbirgt. Die Angst kommt unkontrolliert und in Situationen, die selten etwas mit dem konkreten Vermissen zu tun haben. Denn Richard hat vielleicht die Kinder in ihrer bisherigen Schullaufbahn keine zehnmal abgeholt. – So ging dann nun unser Nachmittag und die übrige Zeit ohne Richard weiter…

Mittwoch Abend

18:00h Nach drei hysterischen Wutanfällen, fliegenden Wachs-Blöckchen durch das Esszimmer, unzähligen zerknüllten Blättern Papier und einer irgendwann verzweifelt weinenden Tochter, weil sie ihren Vater so vermisst, hat sie nach eineinhalb Stunden ihre Hausaufgaben fertig. Ihr Bruder war währenddessen vom Esszimmertisch in sein Zimmer umgezogen, damit er da wenigsten in Ruhe rechnen und sich konzentrieren kann. Doch als Nadeschda fertig war, forderte er seinen Teil meiner Aufmerksamkeit. Beim Vorlesen nuschelt er so sehr, dass es für mich eine harte Geduldsprobe wird, durch die ich haushoch durchfalle. Auch beim Trompete-Üben fordert Maxim mich erneut heraus. Um nicht wieder zu platzen, verlasse ich für ein paar Minuten sein Zimmer. Als das Trompetenspiel gänzlich erstirbt, schaue ich nach und finde meinen Sohn stumm weinend auf seinem Bett. „Wann kommt der Papa wieder?“ fragt mich die zarte Stimme meines Sohnes.

20:00h Nach der vorangegangenen Nacht und dem tränenreichen Nachmittag liegen Nadeschda und Maxim eng an mich gekuschelt in meinem Bett, während ich ihnen vorlese. Heute Nacht bleiben beide Kinder bei mir. Bevor sie einschlafen, fragen beide, wie oft sie noch schlafen müssen, bevor der Papa wiederkommt. Ich antworte ihnen mit „Zweimal.“ Beide seufzen tief und traurig.

Donnerstag: 

02:00h Ich werde mitten in der Nacht wach. Maxim hat von hinten seinen Arm um mich gelegt, Nadeschda von vorne ihr Beinchen über meinen Oberschenkel geschlagen. Beide atmen und schlafen ruhig und friedlich. Mit einem kleinen Glücksgefühl kehre auch ich zurück in den Schlaf.

09:00h Dieser Morgen verlief weniger träge und nach den üblichen Morgenritualen waren wir wie immer pünktlich an der Schule. Am Parkplatz nahmen beide Kinder meine Hand, vor allem für Maxim einen ungewohnte Geste. Üblicherweise stürmt er mit einem seiner Freunde immer los zum Schulgebäude. Auch sollte ich ihn heute überraschend bis zum Klassenraum begleiten. Nun sitze ich wieder für ein paar Stunden in meinem Büro. Zwischendrin schweifen meine Gedanken zum kommenden Nachmittag und ich schwöre mir, diesmal gelassener zu sein. Ich weiß, dass meine Kinder es immer wieder mitnimmt, wenn die Routine durchbrochen wird, und Richard für ein paar Tage nicht da ist.

16:00h Mittlerweile sind wir alle wieder zuhause. Nadeschda und ich waren nach der Schule bei der Logopädin, wie jeden Donnerstag. Maxim war nach der Schule beim Training im Zirkus und ist mit der Fahrgemeinschaft nach Hause gekommen. Nun sitzen wir bei Kakao und Quarkbällchen gemütlich zusammen. Nach dem gestrigen Nachmittag habe ich beschlossen, für heute das Üben Üben sein zu lassen und stattdessen einfach zu spielen. Wir holen nach ewigen Zeiten die Legokisten hervor und bauen die Feuerwehrstation wieder auf. Der Nachmittag vergeht ohne einen einzigen Streit.

19:00h Eigentlich hätte ich heute Abend zu einer Elternbeiratssitzung gehen müssen. Doch diese hatte ich schon im Vorfeld abgesagt. Mehr als einen Abend in der Woche fremdbetreut geht nicht und schon gar nicht, wenn Richard unterwegs ist. Und es erweist sich wieder einmal als die richtige Entscheidung: Beim Zähneputzen passt Maxim auf einmal irgendetwas nicht. – Hin und wieder hat er immer noch solche Anflüge. Sie kommen aus dem Nichts. – Für Minuten geht gar nichts mehr. Er bewegt sich keinen Zentimeter, tut nichts, spricht nicht. Meine Aufforderung, weiter die Zähne zu putzen, hört er nicht. Geschweige denn antwortet er mir, was los ist. Die Minuten verstreichen. Auch Nadeschda wird langsam ungeduldig. Ich verlasse mit ihr das Bad, in der Hoffnung, dass sich dann etwas tut. Doch nichts passiert. Weitere fünf Minuten später steht Maxim noch genauso vor dem Waschbecken, wie wir ihn verlassen haben. Diesmal platzt Nadeschda der Kragen. Sie schubst Maxim vom Waschbecken weg – ich bin immer wieder überrascht wie viel Kraft sie entfaltet, wenn sie wütend ist – mit den Worten: „Dann mach Platz!“ Maxim bewegt sich natürlich nicht, sondern verharrt weiter starr an seiner Stelle. Während ich schon versuche, Nadeschda von ihm wegzuziehen, hat sie ihn so schnell noch in den Arm gekniffen, dass Maxim anfängt zu brüllen und nach ihr tritt. Ich muss eingreifen, versuche beide Kinder in ihre Schranken zu weisen. Doch Maxims Brüllen kippt in ein bitterliches und schmerzhaftes Weinen, denn Nadeschda hat ihm wirklich weh getan. Während ich für ihn ein Eispack aus der Küche hole, steht Nadeschda oben an der Treppe und ruft verzweifelt: „Mama!, Mama!! Du kannst mich doch nicht alleine lassen…“ und bricht ebenso in Tränen zusammen. Zum Glück habe ich zwei Beine und zwei Arme. Auf jedem Bein hockt nun ein Kind und wird von mir in meinem Arm getröstet. Doch diesmal lassen sich beide nicht beruhigen. Unter Tränen putzen wir weiter Zähne, unter Tränen waschen wir Hände und Gesicht und unter Tränen bürste ich Nadeschda’s Haar. Weinend gehen wir noch zum Vorlesen, wieder in mein Bett. Und auch noch beim Lesen, schluchzen beide immer noch. Erst als ich das Licht ausmache und anfange zu singen, kommen Maxim und Nadeschda zur Ruhe und schlafen langsam ein.

21:00h Nachdem beide Kinder friedlich schlafen und ich meine drei Hausangestellten zur Arbeit angehalten habe, lasse ich mich mit einem Glas Wein in den Sessel sinken und telefoniere mit Richard. Auf seine Frage: „Und wie war Euer Tag?“ antworte ich nur: „Alles gut, der ganz normale Wahnsinn. Aber es wird Zeit, dass Du nach Hause kommst. Die Kinder vermissen Dich sehr.“

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48 Stunden im Leben einer Adoptivmutter (reloaded) – Wenn Papa verreist ist… (Teil 1)

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Photo by Slava Bowman on unsplash.com

Richard ist in den letzten Wochen viel auf Reisen, sehr viel auf Reisen. Geschäftlich. Und das auch hin und wieder am Wochenende. Das bringt sein Job leider so mit sich. Auch wenn er nicht auf Reisen ist, arbeitet Richard viel. Meist bringt er die Kinder morgens noch in die Schule und freitags ist er so früh zuhause, dass ich abends in die Akademie gehen kann. Ansonsten sehen Maxim und Nadeschda ihren Vater unter der Woche nicht. Denn er kommt abends immer so spät nach Hause, dass beide schon schlafen. Dennoch irritiert es Maxim und Nadeschda, dass Papa so viel unterwegs ist, und die Tage, an denen Richard gar nicht da ist, werden immer wieder zu einer neuen Herausforderung. Da sich dies in den vergangenen Wochen gehäuft hat, ist mir dies einen neuen 48 Stunden Beitrag wert.

Dienstag

22:00h: Müde und erschöpft und auch wenig frustriert – die Lerninhalte heute Abend in der Akademie waren jetzt nicht so erhellend wie erwartet – komme ich nach Hause. Die Kinderfrau hatte, wie jeden Dienstag, Nadeschda nachmittags von der Musikschule abgeholt und dann beide Kinder ins Bett gebracht. Der Abend war friedlich. Am Morgen hatte Richard noch, bevor zum Flughafen fuhr und von dort für drei Tage auf Dienstreise flog, Maxim und Nadeschda in die Schule gebracht. So war es ein vermeintlich normaler Dienstag, denn der einzige Unterschied war, dass eben nicht Richard die Kinderfrau ablöste, während ich noch in der Akademie war, sondern ich selbst ein paar Stunden später. Doch die Kinder hatten abgespeichert, dass Papa nicht da ist. So vergehen keine drei Minuten, die ich in der Haustür stehe, und beide rufen mich aus ihren Betten. Ich verabschiede die Kinderfrau und kümmere mich um Maxim und Nadeschda. Meine Tochter hat Durst und kuschelt sich mit einem zufriedenen Seufzer wieder in ihre Kissen, als sie registriert, dass ich da bin. Maxim braucht etwas länger, um wieder einzuschlafen. Er fragt, wo der Papa ist, was er gerade macht, wann er wiederkommt, wie sie morgen in die Schule kommen. Ich halte fast eine halbe Stunde seine Hand, bevor auch er wieder einschläft.

Mittwoch

04:00h Nadeschda ist wach, erst in meinem Bett kann sie wieder einschlafen.

06:00h Mein Wecker klingelt. Richtig geschlafen habe ich seit vier Uhr nicht mehr. Müde kämpfe ich mich aus dem Bett, trinke meinen Kaffee, packe die Brotdosen, dusche und wecke meine Kinder. Beide kommen nur mühsam aus den Betten. Auch ihnen fehlt Schlaf.

07:50h Trotz zähem Start sind wir pünktlich an der Schule. Während Nadeschda beim Papa sich selbst auszieht und ihre Hausschuhe anzieht, muss ich das heute für sie übernehmen.

09:00h Wieder Zuhause. Der Haushalt ist inzwischen gemacht, meine drei Hausangestellten – man nennt sie auch Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner – arbeiten, und ich sitze in meinem Büro, um zwei Auftragstexte zu schreiben und meinen Unterrichtsteil in meinem Praktikum vorzubereiten. Eigentlich wollte ich das schon längt erledigt habe und mich meinem neuen Buchprojekt widmen. Doch die Überarbeitung des Exposés muss wohl noch warten.

13:00h Ich mache mich auf den Weg zur Schule. In der Mensa kommt Nadeschda freudestrahlend auf mich zugelaufen. „Meine Mami, Mami!“ Als die Aufsichtführende Betreuerin sie jedoch ermahnt, dass sie noch Tischdienst hat, bricht Nadeschda weinend in meinen Armen zusammen. „Mama, ich kann das nicht.“ jammert sie. Als ich mit ihr den abzuwischenden Tischen gehe, klammert sie sich an mein Bein. Den Tisch wische ich ab, mit meiner an mir hängenden Tochter.

13:30h Maxim kommt aus seiner Leier-AG. Er isst noch in der Mensa, schaufelt aber stumm das Essen in sich rein. Auf meine Frage, wie es heute in der AG war, aus der er in der Regel freudestrahlend und überschäumend berichtet, ernte ich nur ein: „Sag ich Dir nicht.“ Ich stelle das Reden ein. Manchmal geht es mir ja auch so, dass ich nicht direkt nach getaner Arbeit redselig bin. Als wir zwanzig Minuten später im Auto sitzen, fängt Nadeschda, kaum dass wir den Schulparkplatz verlassen haben, an, ihren Bruder zu ärgern. Der wehrt sich und haut irgendwann etwas fester zu. Nadeschda boxt zurück und beginnt gleichzeitig zu weinen. Maxim hält sich schmerzverzerrt die Brust und auch bei ihm sehe ich die Tränen fließen. Als sich beide ich herzzerreißendes Weinen hineinsteigern, halte ich am Straßenrand an, um richtig nach beiden sehen zu können. Nach gegenseitigen Anschuldigungen, wer zuerst angefangen hat, und meinem Ermahnen, dass es eigentlich egal ist und dass ich schlicht und ergreifend nicht möchte, dass sie sich so im Auto streiten, höre ich nur noch ein schmerzhaftes „Papa!“ und „Papi!“ von beiden Kindern. Ich nehme jeden von ihnen in den Arm und tröste sie still, bis die Tränen einigermaßen getrocknet sind.

15:00h Seit gut einer Stunde sind wir Zuhause. Maxim und Nadeschda haben sich ein wenig ausgeruht und nun sitzen wir über den Hausaufgaben. Eigentlich ist unter normalen Umständen der Mittwoch immer der beste Tag in der Woche, in der es höchst selten „Theater“ gibt. Die Kinder sind mitten in ihrem Wochenrhythmus, sie sind fit und ausgeschlafen, sie sind in den Aufgaben und Themen aus der Schule drin. Doch heute ist alles anders…

(Fortsetzung folgt.)

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (60)

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Sankt Martin steht vor der Türe. In der Waldorf-Pädagogik sagt man ja, dass es insgesamt drei Feste gibt, die die Kinder auf die Weihnachtszeit vorbereiten sollen: Michaeli Ende September, wo in Erinnerung an den heiligen Michael, der den Drachen und damit das Böse besiegt hat, an den Mut gedacht werden soll und das Besiegen des inneren Bösen. Sankt Martin, der seinen Mantel mit einem notleidenden Fremden teilte, steht für die Opferbereitschaft, Güte und Mitgefühl. Der heilige Nikolaus schließt die Reihe der Feste, er steht für die Allwissenheit. Vielleicht ist es auch ein wenig der Einfluss dieser mythischen Ideen, dass sich bei mir nach meinen Herbstzweifeln doch ein wenig innere Ruhe breit macht. Auch wenn unsere Tage voll sind, so kann ich doch auch Momente der Langsamkeit genießen, wenn wir eben nicht wieder zum nächsten Termin hetzten, wir auch einmal in Ruhe Zuhause sind und den Dingen ihren Lauf geben. Das ging natürlich in der vergangenen Woche wunderbar mit zwei geschenkten Schulfreien Tagen. Und so sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Nach Jahren haben wir endlich einmal wieder Laternen für den Martinsumzug Zuhause gebastelt. Auch Maxim, der nun in der dritten Klasse keinen Laternenumzug mehr hat, aber bei Nadeschdas mitläuft, bestand auf eine eigene neue Laterne. Schön sind sie geworden. Und wir fiebern schon dem Umzug entgegen.
  2. Am Dienstag waren wir zum Reformationstag in der Kirche. Zum Martin Luther Theater. Nadeschda flüsterte mir zu: „Aber, Mama, der heilige Martin war doch gar nicht so dick….“
  3. Am Wochenende waren wir in unserem Lieblingshotel bei unserer Freundin. Einfach wieder Schwimmen gehen, eine warme Sauna genießen, danach lecker essen und in der absoluten Stille auf dem Land, wo man vielleicht nur eine Kuh muhen hört oder einen Hahn krähen, ewig lange schlafen. Selbst unsere Kinder waren erst morgens um 09:00 Uhr aus den Betten zu bewegen. Herrlich erholsam!

Habt einen wunderbaren Sonntag Abend und einen großartigen Start in die kommende Woche mit wundervollen Martinsumzügen!

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#momspositivity: Nach Zweifeln immer wieder aufstehen

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Photo by Marco Ceschi on unsplash.com

Vor ein paar Wochen waren die Zweifel wieder sehr groß. Die Herbstzweifel hatten mich fest im Griff. Mittlerweile geht es wieder. So wie es immer irgendwie weitergeht. Auch wenn die Herausforderungen bleiben und mein Kräftekonto noch nicht wieder aufgeladen ist. Als ich am vergangenen Wochenende Sylvi’s Beitrag „Ihr seid doof. Ich zieh aus!“ auf ihrem Blog momsfavoritesandmore gelesen habe, musste ich im ersten Moment schmunzeln. Ich kann von Glück reden, dass meine Kinder noch nicht auf die Idee gekommen sind, auszuziehen. Auch wenn beide in der Zahnlückenpubertät sind – Nadeschda in der ersten und Maxim nun in der zweiten, bei ihm sind jetzt die Eck- und Backenzähne fällig – und Wutanfälle in mehr oder großer Intensität nicht nur wegen des Zahnwechsels bei uns an der Tagesordnung stehen. Im zweiten Moment musste ich Sylvi Gedankenversunken zustimmen. Ja, es ist schwierig, diese Grenzerfahrungen auszuhalten und sie so zu bewältigen, dass man sich hinterher noch im Spiegel ansehen kann. Wie sehr liebe ich Sylvi’s Aussage: „Aufstehen, Krönchen richten und weiter machen!“ Ich glaube, diesen Satz muss ich mir über meinen Spiegel im Bad hängen.

Über Sylvi’s Post bin ich auf die Aktion von „Lotte & Lieke“ zu „#momsposititvity“ aufmerksam geworden und mache gerne mit. Denn ja, nach allen Zweifeln und gerade nach besonders schlechten oder herausfordernden Tagen gibt es genau die Momente, in denen ich merke, wie stark ich doch bin; in denen ich spüre, wie wir doch auf einem guten Weg sind, wie alles sich finden wird; ich mich in mehr Gelassenheit üben kann, ich auf meine Ressourcen etwas Rücksicht nehme und tatsächlich mal nicht so viel an meine langen To Do Listen denke. Oder daran denke, was ich eigentlich noch alles schönes mit den Kindern machen wollte. Wenn ich mir Mantra-artig den Satz unserer ehemaligen Jugendamtsbetreuerin vorsage: „Du bist als Mutter gut genug.“ Dann kann ich mir (fast) auf die Schulter klopfen und mir sagen „Ja, das ist alles gut so. Das hast Du wirklich gut hinbekommen.“ Gerade wenn:

  • mir Maxim vorliest und es sich so wunderbar anhört. Oder er selbstständig seine Hausaufgaben macht. Oder er ohne zu murren das Kleine 1×1 mit mir übt und es extrem gut klappt. Oder wenn Nadeschda sich hinsetzt und einfach schreibt und ohne jegliches Theater ihre Hausaufgaben macht. Dann weiss ich, dass all die Mühen des täglichen Üben sich auszahlen.
  • Maxim freiwillig für ein Trompetenvorspiel übt und ganz stolz ist, dass es so gut geklappt hat.
  • Nadeschda mit großer Begeisterung auf eine Halloweenparty bei einer Klassenkameradin geht. Wie viele Jahre hatte sie solche Angst vor diesem Tag, wenn abends gruselig verkleidete Kinder durch die Straßen ziehen. Wie mutig und tapfer sie geworden ist.
  • Maxim so selbstreflektiert mit der Situation mit Leander in der Schule umgeht. Wie innerlich stark doch mein Sohn ist!
  • beide Kinder mir stürmisch in der Schule in die Arme laufen.
  • wir einen Nachmittag verbringen, an dem beide Kinder friedlich mit einander spielen, ohne sich zu streiten.
  • wir ein friedliches Abendessen verbringen, wo beide Kinder mir stolz von ihrem Tag erzählen oder wir Pläne schmieden und beide danach von sich aus aufstehen, den Tisch abräumen, die Spülmaschine ohne Meinungsverschiedenheiten befüllen, den Tisch abwischen und am Ende zufrieden feststellen: „Mama jetzt ist alles wieder blitzeblank.“
  • abends beim Vorlesen, auch wenn es kurz vorher noch im Bad wieder einmal ein Drama gegeben hat, beide Kinder sich an mich kuscheln und wir gemeinsam über die Geschichte im Buch lauthals lachen.

Momente wie diese gibt es viele, sie gehen nur viel zu oft im Alltag unter. Doch genauso fühle ich mich immer wieder stark, gelassen und ein wenig zufrieden mit mir selbst, wenn:

  • mein Haushalt und unser Alltag nicht vollständig brach liegen wegen eines kranken Kindes – oder wenn es mich selbst erwischt hat –  und wenn ich dennoch Momente finde, die von der Krankheit geschenkte Entschleunigung mit meinem Kind zu genießen.
  • ich mich erinnere, klare Prioritäten zu setzen und mich nur um das zu kümmern, was wirklich wichtig ist.
  • ich mir bewusst mache, was ich trotz aller Herausforderungen in meinem Alltag doch noch darüber hinaus bewältige: Mein Buch, dieser Blog, meine Ausbildung, ein wenig Arbeit.

Heilsam im Sinne eines positiven Denkens sind für mich auch immer wieder meine „Sonntagslieblinge“. Mich immer wieder hinzusetzen und mir ins Bewusstsein zu rufen, was wirklich schön in der abgelaufenen Woche war, worüber ich mich gefreut habe und wofür ich dankbar bin. Denn nur aus mir selbst heraus kommt die innere Stärke, Zuversicht und der unerschütterliche Glaube, dass ich als Mutter gut genug bin für meine Kinder, für die ich so unendlich dankbar bin.

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#bestofElternblogs im November

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Danke an Pixabay

Anja von der Kellerbande ruft regelmäßig zum 1. des Monats zu den besten Beiträgen der Elternblogs auf. Und wieder mache ich gerne mit. Im Oktober war der meist gelesener Beitrag von Euch „Adoption: Eine Privatsache?“. Hier habe ich mich damit auseinandergesetzt, warum die Adoption unserer Kinder nach wie vor unsere Privatsache ist, und weshalb wir einen schmalen Grat gehen zwischen Aufklärung auf der einen Seite und Schutz unserer Privatsphäre auf der anderen Seite.

Habt Dank für’s Lesen!