Gastbeitrag: Vom Übergang auf die weiterführende Schule für Adoptivkinder

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Danke an Pixabay

Kennengelernt habe ich Kerstin Blank-Bringmann durch ihr wundervolles „Tagebuch meiner Adoption“, das mir eine Freundin nach der Adoption von Maxim und Nadeschda damals schenkte. Heute betreibt die mehrfache Adoptivmutter die Seite „adoptivsinn.de“ und bringt vor allem regelmäßig einen Newsletter zu adoptionsrelevanten Themen heraus und berät Schulen und Kindergärten im Umgang mit Adoptivkindern. In ihrem aktuellen Newsletter widmet sie sich dem Thema „Übergang in die weiterführende Schule“. Vor allem der Beitrag „Vorbereitet sein“ sensibilisiert noch einmal für die enge Begleitung unserer Kinder in der Schule, spätestens ab der 5. Klasse:

Vorbereitet sein

Grundsätzlich kann man sagen, dass beinahe alle Anfangsschwierigkeiten auf einer weiterführenden Schule daher kommen, dass unsere Kinder mehr brauchen als sicher gebundene Kinder. Sie brauchen mehr Halt, mehr Sicherheit, mehr Zuverlässigkeit, mehr Regelmäßigkeit, mehr Struktur und mehr Ansprache – vor allem von Außen.

Das bedeutet, dass sie bei jedem neuen Lehrer in jedem Fach zuerst einmal mit den ihnen eigenen Verhaltensweisen überprüfen, ob der jeweilige Lehrer dazu geeignet ist, diese Ansprüche zu erfüllen. Manche sind es, viele sind es nicht und unsere Kinder sind nicht die einzigen, die dies fordern und brauchen. Das größte Problem besteht hier darin, dass in einer weiterführenden Schule vorausgesetzt wird, dass Kinder selbständig arbeiten können und wollen – je höher die Schulform, desto mehr.

In der Grundschule ist es normal, dass die Kinder „ nur für den Lehrer/die Lehrerin“ lernen und die jeweiligen Lehrer wissen das natürlich. Sicher gebundene Kinder legen diesen Eifer zum Ende der Grundschulzeit tatsächlich ab und sind in der Lage das Lernen emotionsloser und nicht mehr personengebunden anzugehen.

Adoptiv- und Pflegekinder hingegen sind oft bei einem Schulwechsel anfangs zunächst komplett damit überfordert, sich alleine auf den Schulstoff zu konzentrieren. Hinzu kommt, dass jedes Kind natürlich auch innerhalb der neuen Klassengemeinschaft erst einmal seinen Platz finden muss.

Je schneller Kinder sich in einer Klasse und dazu noch beim jeweiligen Fachlehrer sicher fühlen, desto eher können sie wirklich fachbezogen am Unterricht teilnehmen. Deshalb ist ab der 5. Klasse der Lernerfolg unserer Kinder sehr oft komplett abhängig von den pädagogischen Fähigkeiten des jeweiligen Fachlehrers. Diese besonderen Bedürfnisse bilden nicht selten einen extremen Gegensatz zur offensichtlich allgemeinen Annahme, dass Kinder in der weiterführenden Schule wesentlich weniger pädagogische Betreuung und Anleitung benötigen.

Hier ist es sinnvoll, die ersten Elterngespräche dafür zu nutzen, die Bedürfnisse des Kindes wirklich deutlich zu machen! Trifft man auf Verständnis und Offenheit: Glück gehabt! Dies eröffnet viele Möglichkeiten, auch Konsequenzen individuell abzusprechen, denn je „freier“ sich viele Kinder fühlen, desto mehr probieren sie sich aus und desto weniger Kapazitäten bleiben für den Unterrichtsstoff übrig.

Dieses neue Gefühl der „Freiheit“ führt oft dazu, dass die Kinder nicht sehen, was sie selbständig erledigen sollten. Sie sind noch auf der Suche nach Bindung innerhalb der Schülergruppe sowie schlimmstenfalls in jeder neuen Unterrichtsstunde zum jeweiligen Lehrer. Dabei handeln sie größtenteils immer noch im „Grundschulmodus“, mit der Einstellung „wenn der Lehrer nicht sagt, dass ich das tun muss, muss ich das auch nicht tun.“

Dass wir Eltern etwas anderes fordern, ermutigt unsere Kinder nur, die „neue Freiheit“ zu nutzen, um Informationen nicht weiter zu geben und Hefte/Mappen „in der Schule zu vergessen“, damit wir Eltern ihre „Nichtarbeit“ nicht kritisieren können.

Kerstin Blank-Bringmann 2018

Mehr zum Thema „Schule“ und dem Übergang in die 5. Klasse könnt Ihr im aktuellen Newsletter von Kerstin Blank-Bringmann lesen.

3 Gedanken zu “Gastbeitrag: Vom Übergang auf die weiterführende Schule für Adoptivkinder

  1. Sehr interessant!
    Meine Große hatte bei dem Wechsel in Klasse fünf in der Tat massive Probleme, ich habe das schon auf ihre große Verunsicherung bei Wechseln jeglicher Art geschoben, aber diesen direkten Aspekt lernen für den Lehrer nicht so gesehen.
    Wobei die Schule durch Prokjektlernen noch eine recht hohe Bindung an das Klassenteam hatte.
    Vielen Dank
    Natalie

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: #bestofElternblogs im März | Charlotte's Adoptionsblog ©

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