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Charlotte’s Sonntagslieblinge (62)

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Photo by John Mark Arnold on unsplash.com

Diese Woche stellte ein kleine Zäsur dar. Mein Praktikum endete Mitte der Woche. Und so kehre ich zurück in meinen „alten“ Alltag. Nach gut sechs Wochen, nehmen wir die Ferien im Herbst noch hinzu. Maxim und Nadeschda waren dann auch erst einmal krank, als hätten sie sehnsüchtig darauf gewartet, dass Mama nicht zwingend morgens aus dem Haus muss. Der Tag Auszeit tat uns dreien gut. Äußerlich bin ich nun sortiert für all das, was da kommen mag in den kommenden Wochen. Innerlich arbeitet viel in mir, verdaut aus den Erfahrungen der vergangenen Wochen und harrt all dessen, was sich vielleicht bald zu einem konkreten Bild für das kommende Jahr zusammenfügen wird. Um so dankbarer bin ich heute für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. In einem kurzen Moment der Stille und Ruhe bin ich dankbar und stolz auf all das, was ich in diesem Jahr bewältigt habe.
  2. Ich bin dankbar für meine wunderbaren Freundinnen, die immer wieder Verständnis haben, dass es lange Phasen in meinem Leben gibt, in denen ich unsere Freundschaften nicht so intensiv pflegen kann, wie ich das gerne möchte.
  3. Es fühlt sich gut an, einen Plan für die kommenden Wochen zu haben, der zum ersten Mal bewusst das Ziel hat, mit meinen Kindern eine ruhige Vorweihnachtszeit zu verbringen, die uns auch den Raum gibt, mehr Zeit zu haben, um einfach mal nur zu sein.

Habt noch einen wunderbaren Sonntag und wohlbehaltenen Start in die kommende Woche.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (61)

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Photo by Alma Black on unsplash.com

Eine turbulente Woche liegt hinter uns. Wieder viel auf dem Zettel, wie immer zu wenig Zeit und neue Epochen in der Schule für Maxim und Nadeschda bringen ihre Herausforderungen mit sich. Hatte ich gerade gedacht, alles läuft so gut, jetzt könnten wir tatsächlich unsere Übzeiten etwas entspannen (wichtig ist, dass sie bleiben, aber sie müssen ja nicht lang sein), bin ich in dieser Woche eines Besseren belehrt worden. In der 3. Klasse zieht – auch in einer Waldorfschule – der Stoff an. Nachdem munter lustig bis zu den Herbstferien „Bauer“ gespielt und Ackerbau betrieben wurde, steht jetzt wieder Rechnen an und vor uns breitet sich der Zahlenraum bis 1.000 aus. Für ein Kind, dass Zahlen ordentlich in der 1. Klasse gelernt hat, eigentlich kein Problem. Doch bei Maxim war das leider nicht so. Und so fehlt ihm jedes Gefühl für die Größe und die Qualität der Zahl. Also fangen wir wieder an, Lücken zu schließen, Wunden zu heilen, mit viel Wut und Frustration umzugehen. Doch wir haben die Herausforderungen irgendwie gemeistert. Meditativ war für mich in diesen Tagen unser Fächerahorn im Garten, der zur Zeit Blutrote Blätter hat. Wie gerne habe ich ihn immer wieder angeschaut. Und nun haben wir nach dieser Woche einfach das heilige Martinswochenende genossen. Und so sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Wir haben trotz Novemberregen (der genau in dem Moment aufhörte, als wir losliefen), eine wunderbares Sankt Martinsfest mit Nadeschda’s Klasse verbracht. Singend liefen wir mit den leuchtenden Laternen in den Wald, um am Ende am Feuer die Martinsbrötchen zu teilen. Sehr schön!
  2. Maxim hat in seiner Klasse zu Sankt Martin auf der Trompete vorgespielt. Es muss wunderbar gewesen sein. Und ich bin stolz auf meinen Sohn, der doch immer wieder das Durchhaltevermögen hat und sich durch solche „Auftritte“ zum motivieren lässt, täglich zu üben.
  3. Zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten haben wir uns am Samstag, am eigentlichen St. Martinstag, mit Freunden getroffen und haben tatsächlich eine Martinsgans zubereitet und gegessen. So richtig mit Klössen und Rotkraut. Lecker! Zwischendrin – während die Gans im Ofen vor sich hin brutzelte – sind wir mit den Kindern zum ersten Mal beim Martinsumzug hier im Dorf mitgelaufen. Wo es auch einen „wirklichen“ St. Martin auf dem Ross gab…. (Irgendwie hat es all die Jahre vorher nicht gepasst, aber nun war es soweit.)

Nun erwartet uns eine neue spannende Woche und wir genießen vorerst den Sonntag. Ihr hoffentlich auch. Und habt einen guten Start in die neue Woche!

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#momspositivity: Nach Zweifeln immer wieder aufstehen

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Photo by Marco Ceschi on unsplash.com

Vor ein paar Wochen waren die Zweifel wieder sehr groß. Die Herbstzweifel hatten mich fest im Griff. Mittlerweile geht es wieder. So wie es immer irgendwie weitergeht. Auch wenn die Herausforderungen bleiben und mein Kräftekonto noch nicht wieder aufgeladen ist. Als ich am vergangenen Wochenende Sylvi’s Beitrag „Ihr seid doof. Ich zieh aus!“ auf ihrem Blog momsfavoritesandmore gelesen habe, musste ich im ersten Moment schmunzeln. Ich kann von Glück reden, dass meine Kinder noch nicht auf die Idee gekommen sind, auszuziehen. Auch wenn beide in der Zahnlückenpubertät sind – Nadeschda in der ersten und Maxim nun in der zweiten, bei ihm sind jetzt die Eck- und Backenzähne fällig – und Wutanfälle in mehr oder großer Intensität nicht nur wegen des Zahnwechsels bei uns an der Tagesordnung stehen. Im zweiten Moment musste ich Sylvi Gedankenversunken zustimmen. Ja, es ist schwierig, diese Grenzerfahrungen auszuhalten und sie so zu bewältigen, dass man sich hinterher noch im Spiegel ansehen kann. Wie sehr liebe ich Sylvi’s Aussage: „Aufstehen, Krönchen richten und weiter machen!“ Ich glaube, diesen Satz muss ich mir über meinen Spiegel im Bad hängen.

Über Sylvi’s Post bin ich auf die Aktion von „Lotte & Lieke“ zu „#momsposititvity“ aufmerksam geworden und mache gerne mit. Denn ja, nach allen Zweifeln und gerade nach besonders schlechten oder herausfordernden Tagen gibt es genau die Momente, in denen ich merke, wie stark ich doch bin; in denen ich spüre, wie wir doch auf einem guten Weg sind, wie alles sich finden wird; ich mich in mehr Gelassenheit üben kann, ich auf meine Ressourcen etwas Rücksicht nehme und tatsächlich mal nicht so viel an meine langen To Do Listen denke. Oder daran denke, was ich eigentlich noch alles schönes mit den Kindern machen wollte. Wenn ich mir Mantra-artig den Satz unserer ehemaligen Jugendamtsbetreuerin vorsage: „Du bist als Mutter gut genug.“ Dann kann ich mir (fast) auf die Schulter klopfen und mir sagen „Ja, das ist alles gut so. Das hast Du wirklich gut hinbekommen.“ Gerade wenn:

  • mir Maxim vorliest und es sich so wunderbar anhört. Oder er selbstständig seine Hausaufgaben macht. Oder er ohne zu murren das Kleine 1×1 mit mir übt und es extrem gut klappt. Oder wenn Nadeschda sich hinsetzt und einfach schreibt und ohne jegliches Theater ihre Hausaufgaben macht. Dann weiss ich, dass all die Mühen des täglichen Üben sich auszahlen.
  • Maxim freiwillig für ein Trompetenvorspiel übt und ganz stolz ist, dass es so gut geklappt hat.
  • Nadeschda mit großer Begeisterung auf eine Halloweenparty bei einer Klassenkameradin geht. Wie viele Jahre hatte sie solche Angst vor diesem Tag, wenn abends gruselig verkleidete Kinder durch die Straßen ziehen. Wie mutig und tapfer sie geworden ist.
  • Maxim so selbstreflektiert mit der Situation mit Leander in der Schule umgeht. Wie innerlich stark doch mein Sohn ist!
  • beide Kinder mir stürmisch in der Schule in die Arme laufen.
  • wir einen Nachmittag verbringen, an dem beide Kinder friedlich mit einander spielen, ohne sich zu streiten.
  • wir ein friedliches Abendessen verbringen, wo beide Kinder mir stolz von ihrem Tag erzählen oder wir Pläne schmieden und beide danach von sich aus aufstehen, den Tisch abräumen, die Spülmaschine ohne Meinungsverschiedenheiten befüllen, den Tisch abwischen und am Ende zufrieden feststellen: „Mama jetzt ist alles wieder blitzeblank.“
  • abends beim Vorlesen, auch wenn es kurz vorher noch im Bad wieder einmal ein Drama gegeben hat, beide Kinder sich an mich kuscheln und wir gemeinsam über die Geschichte im Buch lauthals lachen.

Momente wie diese gibt es viele, sie gehen nur viel zu oft im Alltag unter. Doch genauso fühle ich mich immer wieder stark, gelassen und ein wenig zufrieden mit mir selbst, wenn:

  • mein Haushalt und unser Alltag nicht vollständig brach liegen wegen eines kranken Kindes – oder wenn es mich selbst erwischt hat –  und wenn ich dennoch Momente finde, die von der Krankheit geschenkte Entschleunigung mit meinem Kind zu genießen.
  • ich mich erinnere, klare Prioritäten zu setzen und mich nur um das zu kümmern, was wirklich wichtig ist.
  • ich mir bewusst mache, was ich trotz aller Herausforderungen in meinem Alltag doch noch darüber hinaus bewältige: Mein Buch, dieser Blog, meine Ausbildung, ein wenig Arbeit.

Heilsam im Sinne eines positiven Denkens sind für mich auch immer wieder meine „Sonntagslieblinge“. Mich immer wieder hinzusetzen und mir ins Bewusstsein zu rufen, was wirklich schön in der abgelaufenen Woche war, worüber ich mich gefreut habe und wofür ich dankbar bin. Denn nur aus mir selbst heraus kommt die innere Stärke, Zuversicht und der unerschütterliche Glaube, dass ich als Mutter gut genug bin für meine Kinder, für die ich so unendlich dankbar bin.

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#bestofElternblogs im November

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Danke an Pixabay

Anja von der Kellerbande ruft regelmäßig zum 1. des Monats zu den besten Beiträgen der Elternblogs auf. Und wieder mache ich gerne mit. Im Oktober war der meist gelesener Beitrag von Euch „Adoption: Eine Privatsache?“. Hier habe ich mich damit auseinandergesetzt, warum die Adoption unserer Kinder nach wie vor unsere Privatsache ist, und weshalb wir einen schmalen Grat gehen zwischen Aufklärung auf der einen Seite und Schutz unserer Privatsphäre auf der anderen Seite.

Habt Dank für’s Lesen!

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#ZweifelimHerbst: Herbstverzweifelt – von Zweifeln einer (Adoptiv-)Mutter

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Danke an Matthew Henry auf unsplash.com

Die wunderbare Susanne von HalloliebeWolke und Tanja von Krümel und Chaos haben zu einer Blogparade aufgerufen, die gerade so treffend zu meinem Leben passt. Auch wenn ich an den Tagen in den Bergen zum einen dazu gekommen bin, ein paar meiner belastenden Altlasten abzuarbeiten, aber auch neue kreative Energie geschöpft habe und an manchen Tagen – so wie am Dienstag – einfach dankbar sein konnte für mein Leben und vor allem für meine Kinder. Dennoch die Zweifel quälen mich. Vielleicht mache ich deshalb gerne mit bei dieser Blogparade #ZweifelimHerbst. Denn auch ich fühle mich ein wenig in „ZweifelHaft“, wie Tanja so schön schrieb. Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste mich daraus dringend befreien. Auch wenn ich weiß, dass ich am Ende diese Beitrags doch einfach die Zähne zusammenbeiße und wieder einmal genauso weiter mache wie bisher. Irgendwie geht es ja dann doch immer, Zweifel hin oder her.

In diesem Jahr kamen die Zweifel früher als sonst. In der Regel erwischt mich die Überforderung immer zum Jahreswechsel und nicht schon jetzt. Vielleicht hängt es in diesem Jahr mit der stürmischen Michaelizeit zusammen, der Zeit, wenn der Herbst sich ankündigt, wenn Tag und Nacht gleich lang sind, wenn wir dem heiligen Michael, dem tapferen Drachentöter, gedenken. Manchmal glaube ich ja, dass an seinem Mythos etwas dran ist: Der heilige Michael, der gegen den Drachen gekämpft hat. Sinnbild für den Mut und den Kampf gegen das Böse, vor allem gegen die eigenen inneren bösen Mächte, die uns so oft quälen.

Sie sind also da, diese unbequemen Zwerge im Kopf, die einen den Alltag schwer ertragen lassen. „Warum machst Du das alles?“ „Warum tust Du Dir das an?“ „Wirst Du das wirklich schaffen?“ „Ist das alles nicht zu viel?“ „Wirst Du nicht irgendwann wie ein nervöses Wrack zusammenbrechen?“ „Und dann, was ist, wenn Du mal nicht mehr kannst? Wer ist dann für Deine Kinder da?“ „Was um Himmelswillen willst Du Dir denn noch beweisen?“ Ich weiß, dass diese Zwerge mich immer mal wieder besuchen. Und spannend ist, dass sie dies immer in der dunklen Jahreszeit tun. In diesem Jahr sind sie früh dran. Normalerweise kommen sie wie gesagt immer erst zum Jahreswechsel – wie auch hier schon geschrieben – , wenn die Weihnachtsanspannung nachgelassen hat. Aber auf die habe ich ja schon in diesem Jahr keine Lust mehr. Auf die Weihnachtsanspannung. Vielleicht haben die Zwerge sich deshalb nun die stürmische Michaelizeit ausgesucht.

Ja, in den letzten Wochen hatte ich oft das Gefühl, dass es wieder alles zu viel ist. Meine Arbeit, meine Ausbildung, mein Blog, mein Haus, mein Haushalt, meine ehrenamtlichen Verpflichtungen, mein Engagement an der Schule. Nein, nicht meine kleine eigenen Familie mit Richard, Maxim und Nadeschda. Nein, diese drei liebsten Menschen, sie sind mir nie zu viel! Doch merke ich, dass mir die Ruhe fehlt, richtig bewusst mit ihnen Zeit zu verbringen. Ungeachtet dessen, dass unser Alltag so durchgetaktet ist, dass wir zu wenig Zeit und Gelegenheit haben, die Seele einfach mal baumeln zu lassen. An manchen Tagen, gerade, wenn der Schlaf wieder zu wenig war, dann fehlt mir die Geduld, die Maxim und Nadeschda doch so sehr brauchen, gerade wenn es um unser tägliches Üben geht. Und das ist nicht gut.

Anstatt die Zeit, die die Kinder in der Schule sind, mit Arbeiten, Blog und Ausbildung zu verbringen – noch dazu Kraftraubende Abende unter der Woche und mindestens ein Wochenende im Monat, sollte ich vielleicht all dies sein lassen und mich stattdessen um mich kümmern. Nur um mich kümmern. Was wäre so verwerflich daran, meine Vormittage mit Schreiben und Lesen zu verbringen – da wir ja nun auf mein Geld auch nicht wirklich angewiesen sind -, Sport zu machen, abends früh schlafen zu gehen, damit ich dann ausreichend Kraft habe, für Maxim und Nadeschda die Mutter sein zu können, die ich so gerne für sie wäre? In meiner Kinderfreien Zeit in Ruhe alles zu erledigen, was es zu erledigen gilt, um mich dann in der Zeit, in der die Kinder da sind, mich voll und ganz meiner Familie zu widmen, ohne eben all die Dinge im Kopf zu haben, die dann doch noch erledigt werden müssen.

In den vergangenen Monaten, ja bald Jahren sind Dinge auf der Strecke geblieben, die mir Herzensangelegenheiten sind. Freunde habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Außer vielleicht meine Lieblingsfreundin hier in meinem Lieblingshaus in den Bergen. Aber andere soziale Kontakte und Freundinnen mal abends treffen? Fehlanzeige. Bücher habe ich nur noch wenige gelesen. Und wenn dann eher Fachliteratur. Aber so richtig Bücher, die einfach Spaß machen? Viel zu selten. Ich glaube, ich kann sie in diesem Jahr an einer Hand abzählen. Auch meine sportlichen Ambitionen sind auf der Strecke geblieben, bzw. kommen nicht richtig in den Gang. Hier geht es nicht darum, den nächsten Marathon laufen zu können, sondern morgens aufzuwachen und beweglich zu sein und mich nicht wie eine alte Frau zu fühlen, nur weil der Rücken einmal wieder meckert, weil ich Nadeschda herumtragen musste.

Manchmal habe ich mich in den letzten Wochen gefragt, ob meine Kraft und Energie noch lange genug ausreicht, um Maxim und Nadeschda gut in ihr Leben zu begleiten. Denn das steht außer Frage, dass dies meine oberste Lebensaufgabe und damit Priorität sein muss. Danach sollte ich alles in meinem Leben ausrichten und an nichts anderem. Allein meine zwei wunderbaren Kinder gut durch den Alltag zu begleiten und sie gut ins Leben zu führen. Alles, aber auch wirklich alles, Andere ist Nebensache und müsste hinter anstehen. Weder mir noch sonst irgendjemandem muss ich etwas beweisen. Allein eine gute und damit ausgeglichene, geduldige, fürsorgliche und stabile Mutter sollte ich sein. Mehr nicht und auch nicht weniger. Denn gerade meine Kinder brauchen mich als eben so eine Mutter, mehr als viele andere Kinder. Vielleicht. Dafür meine Kraft und Energie zu sparen und wieder aufzutanken, sollte in meinem Fokus stehen. Und nichts anderes. Vielleicht wollen mich meine Zweifelszwerge gerade daran erinnern.

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Dankbarkeit am Morgen in den Bergen

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Photo by Ales Krivec on unsplash.com

Dienstag morgen: Wir sind immer noch in den Bergen. Ich vermisse meine Freunde, die Kühe. Ich hätte nicht gedacht, dass sie schon von den Almen herunter gekommen sind. Aber ja, auch hier wird es Herbst und die Nächte kalt. Ich genieße den Kaffee im noch stillen Haus und denke gerade an all das, was ich im vergangenen Jahr so geschafft habe. Gerade nach den letzten Wochen, wo ich immer wieder gezweifelt habe, wo ich mir mehr Ruhe und Zeit so nur für mich zum Nichtstun oder Lesen gewünscht hätte, wo ich vor allem mehr Schlaf herbeigesehnt habe. – Hier habe ich ihn nun, aber auch nur, weil ich in den ersten Tagen mit den Kindern hier alleine war und mir nun mit meiner wunderbaren Freundin, der Hausbesitzerin, zusammen, ein Schlafnachholprogramm auferlegt habe, an meinem Schlafdefizit gearbeitet. Und die Schlafbilanz nach die ersten Tagen sieht extrem gut aus. Also bin ich an diesem wunderbaren Dienstagmorgen einfach dankbar – über meine Sonntagslieblinge hinaus. Es hat mehr etwas von ein paar meditativen demütigen Gedanken an diesem noch frühen Dienstag morgen:

  1. Mein Sohn macht sich so wunderbar in der Schule, trotz aller Schwierigkeiten mit Leander. Ich bewundere seine Unermüdlichkeit und seinen Kampfgeist. Und auch Nadeschda entwickelt sich. Es ist schwer und es ist anstrengend, aber es ist ein Prozess, ein Weg. Und den geht sie. So schwere s ihr auch manchmal fällt.
  2. Ich bin so dankbar für all diesen wunderbaren Momente mit meinen Kindern, wenn Nadeschda abends den Arm um mich legt und sagt:“Jetzt bist Du meine Mama, ganz alleine.“ oder wenn Maxim im Halbschlaf lächelt, wenn ich nochmal nach ihm sehe, bevor ich schlafen gehe und ihm sage: „Jetzt ist alles gut. Mama ist da.“  Dann nimmt er meine Hand für einen kurzen Moment, lächelt für einen Moment und seufzt zufrieden.
  3. Trotz allem bin ich dann doch in der Rückschau immer wieder überrascht, was dann doch alles noch so gelingt: Mein Buch, mein Blog, meine Ausbildung, mein bisschen Job. Irgendwie geht es. Ich bin ein wenig stolz heute morgen auf mein Geschafftes. Bin mir aber auch des hohen Preises bewusst….

An so Morgen wie diesem bin ich so voller Zuversicht, dass alles gut wird. Auch wenn mich genauso die Zweifel noch quälen. Und es mir ein wenig davor graut, nach Hause zurückzukehren, wo der Alltag im Lehnsessel sitzen wird, wie ein altes Familienmitglied,  und wohlwollend wieder seine Arme um uns legen wird. Doch für heute nehme ich einfach einmal diese Dankbarkeit mit und genieße den Tag!

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Adoption: Eine Privatsache?

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Danke an Pixabay

Neulich sprach ich mit einer Bekannten und erzählte ihr, dass Maxim nun über seine Herkunft spricht. Die Bekannte fragte mich: „Und geht Ihr jetzt offen mit dem Thema um?“ Sie spielte dabei vor allem auf die Eltern in Maxim’s Klasse an und hinter ihrer Frage verbarg sich eigentlich die Frage, ob ich mich nun vor die Elternschaft stellen und sie proaktiv über Maxim’s Herkunft aufkläre würde. Spontan antwortete ich mit Nein. Denn ich muss nicht in einem Umfeld, in dem vielleicht jetzt hinter vorgehaltener Hand über die Adoption unserer Kinder gemutmaßt wird, mich belehrend und aufklärerisch auf die Bühne stellen. Denn trotz allem bleibt unser Weg, eine Familie geworden zu sein, unsere Privatangelegenheit. Bei Lichte betrachtet gehe ich ja auch nicht durch die Gegend und frage Mütter, sofern ich es denn gehört hätte: „Und wie war das bei Euch mit der künstlichen Befruchtung?“

Dennoch bleibt es eine Gratwanderung. Und ich gebe zu, dass in meiner Brust manchmal zwei Herzen schlagen. Denn auf der einen Seite ist da mein Bedürfnis durchaus über die Adoption und das Leben mit Adoptivkindern aufzuklären. Vor allem mit Vorurteilen aufzuräumen. Aber auch anderen Adoptivfamilien zu helfen und vielleicht mit ihnen in einen Austausch zu kommen. Denn im Privaten ist das Leben mit zwei Adoptivkindern anders. – Erst neulich wurde mir nach einem Besuch bei Freunden, die ebenso zwei Kinder aus Russland adoptiert haben, klar, wie angenehm es ist, sich unter „Gleichgesinnten“ auszutauschen. Da braucht es einfach nicht immer viele Worte und diese werden auch nicht auf die Goldwaage gelegt. Wir verstehen uns auch ohne Worte. Und vor allem wird auch nicht gewertet. – Ich für mich weiß, dass ich inzwischen recht gut vernetzt bin und insofern die Chance auf einen regelmäßigen Austausch habe. Daneben lese ich viel Fachliteratur. (Das könnte einmal wieder etwas mehr sein, aber dennoch ich lese immer noch mehr als viele andere Adoptiveltern.) Dennoch denke ich, dass es immer noch viel zu wenig Möglichkeiten für Adoptivfamilien gibt, sich kontinuierlich zu informieren, auszutauschen und zu beraten. Das war für mich letztendlich auch die Motivation zu meinem Buch und der Grund für die Initiierung meines Blogs. Dass vor allem der Blog viele Leser mit einem Adoptionshintergrund hat, zeigt mir, dass ich hier eine Informationslücke fülle. Ich würde mir wünschen, dass das Thema Adoption sich mehr und auch objektiv mehr in den Medien findet. Doch ich weiß auch inzwischen, warum das so selten passiert. Denn Adoptionsgeschichten müssen, damit sie sich für die Allgemeinheit „verkaufen“, persönlich sein, und auch – letztendlich wegen der Glaubwürdigkeit – persönlich bebildert sein. Man will das Kind sehen mit seinen Adoptiveltern, sonst wirkt die Geschichte nicht überzeugend. Das ist leider so. Die Konsequenz ist, dass wenig über Adoptivfamilien geschrieben und berichtet wird, und wenn dann immer doch sehr problembezogen. Denn auch hier, nur die „Sensation“ verkauft sich medial. Die „normale“ unaufgeregte Adoptivfamilie, die aber trotzdem sich ihren Weg durch ihren Alltag kämpft, ist eben nicht so spannend.

Auf der anderen Seite betreibe ich Buch und Blog bewusst anonym unter einem Pseudonym. Reale Bilder aus unserem Leben gibt es dort nicht. Genauso gibt es auch in unserem realen Familienleben keine Bilder von unseren Kindern im Netz. Dies tue ich zum Schutz meiner Kinder und unserer Privatsphäre als Familie. Vor allem will ich meinen Kindern ihre Entscheidungsautonomie lassen, selbst zu entscheiden, wem sie wann in welchem Umfang von ihrer Adoption erzählen. Denn, und das scheinen viele immer wieder zu vergessen: Es ist die Lebensgeschichte meiner Kinder. Nicht meine oder Richards. Oder dies nur zu einem Teil. Nüchtern betrachtet war es für Richard und mich ein Prozess von etwa einem Jahr, doch eine Familie werden zu können, mit vier aufregenden Reisen nach Russland. Das Schicksal meiner Kinder, ihre Lebensgeschichte bis zur Adoption, die irgendwie ja auch diesen Schritt und Akt der Adoption notwendig gemacht hat, die Adoption an sich und all das, was damit verbunden ist, ist ihre ganz persönliche Geschichte. „Es ist ihre Herkunft, es sind ihre ersten Lebensjahre, die sie nicht mit uns Adoptiveltern verbracht haben, es sind ihre Erfahrungen und Ereignisse, die sie mit geprägt haben.“ wie ich schon einmal hier geschrieben habe. Maxim und Nadeschda wird ihre Adoption ein Leben lang prägen. Sie werden sich irgendwann mit ihrer Herkunft auseinandersetzen müssen, sie werden ihre russische Mutter suchen wollen, sie werden vielleicht lange nach einer Antwort auf die Frage suchen: „Warum hat sie uns abgegeben?“ Aber egal wie, es ist ihre ganz persönliche Angelegenheit. Und sie entscheiden, wie sie damit umgehen und wen sie dabei involvieren. Nicht wir als ihre Eltern.

Ja, natürlich prägt die Adoption unseren Alltag als Familie mit und hat meine Rolle als Mutter mich anders ausgestalten lassen über all die Jahre. Mich anders werden lassen. Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass die Bedeutung der Adoption bei mir als Mutter immer mehr abnimmt, je länger Maxim und Nadeschda bei uns und mit uns leben. – Dass sie an vielen Stellen mehr und andere Bedürfnisse haben, mag mit der Adoption zusammenhängen. Doch letztendlich könnte dies genauso, dann eben vielleicht in anderer Ausprägung, bei einem leiblichen Kind sein. – Und auf der anderen Seite nimmt, je länger Maxim und Nadeschda bei uns leben, die Bedeutung der Adoption gerade für sie stetig zu. Und gerade deshalb gehen wir, je älter unsere Kinder werden, umso sensibler mit diesem Thema um. Aber eben auch mit einer größeren Distanz. Denn wie schon oben gesagt, wem würde man so unvermittelt seine Familiengründungsgeschichte auftischen, wenn es keine Adoption ist?

Da wir uns nun eben auch an dem Punkt befinden, dass Maxim und Nadeschda auf der einen Seite beginnen, selbst über ihre Herkunft zu sprechen, aber auf der anderen Seite noch zu klein sind, um bewusst und reflektiert alle Konsequenzen der Offenheit abzuschätzen, müssen wir um so achtsamer mit diesem Thema umgehen. Wenn sie älter sind und ihren Umgang damit gefunden haben, dann wären wir vielleicht in der Situation, dass wir als Familie durchaus auch in eine breitere Öffentlichkeit gehen könnten. So wie die Töchter von Marion Gaedecke, die bei dem Film ihrer Mutter „Wunschkinder“ aktiv mitgewirkt haben. Da waren sie aber schon mindestens 14 Jahre alt. Bis dahin bleibt unser Adoption nur eins: unsere Privatsache!