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Charlotte’s Sonntagslieblinge (53)

Kastanienfamilie im Park

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Nun ist er da, der Herbst. Wieder einmal macht sich eine ganz besondere Stimmung breit, in der Zeit, in der Tag und Nacht sich in ihrer Dauer langsam angleichen. Manchmal mag es eine stürmische Zeit sein. Doch für mich schwingt eher im Moment so etwas wie innere Ruhe und Kraft sammeln für Neues mit.  Und ich hege ein wenig die Hoffnung, dass diese Zeit nun etwas beschaulicher wird. So wie an diesem Wochenende, das für uns schon am Freitag ein wenig begann, da Maxim und Nadeschda schulfrei hatten. Auch wenn ich vormittags noch ein wenig arbeiten musste und wir unser tägliches Übprogramm hatten, so genossen wir doch den freien Tag ohne schulische Verpflichtungen. So sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge der vergangenen Woche:

  1. Am Donnerstag hätten wir eigentlich einen Arzttermin gehabt. Der wurde aber vom Arzt kurzfristig abgesagt. Zuerst hatte ich noch überlegt, ob ich jetzt alle anderen geschobenen Termine in Schule und Zirkus doch die Kinder wahrnehmen lassen sollte. Ich entschied mich aber dagegen und freute mich über den „geklauten“ oder besser „geschenkten“ Nachmittag mit meinen Kindern.
  2. Beim Laufen war ich an einem wunderschönen Gladiolenfeld vorbeigekommen. Maxim, Nadeschda und ich fuhren an einem sonnigen Nachmittag dort hin und pflückten Blumen. Nun stehen sie hier auf dem Esstisch und auf meinem Schreibtisch und erfreuen mein Herz.
  3. Meine ToDo-Liste ist nach einer arbeitsamen und erfolgreichen Woche mittlerweile sehr klein. Viel, was mich lange und manchmal auch zu oft beschäftigt hat, ist nun endlich erledigt. Das fühlt sich gut an.

Habt einen erholsamen Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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48 Stunden Alltag einer (Adoptiv-) Mutter (reloaded)

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Danke an Pixabay

Da unsere letzte Woche ein wenig wahnsinnig zuweilen war und ich wieder mal bis zum Wochenende an chronischem Schlafmangel litt, musste ich an meinen 48 Stunden Beitrag von vor einigen Monaten denken und will ihn heute einmal wieder aufgreifen. Auch heute spüre ich wieder mein Schlafdefizit der vergangenen Nacht – Elternabende bis 23:30h sind einfach nichts für mich, wenn am nächsten Morgen um 6:00h der Wecker klingelt. Es ist alles andere als gesund. Aber nun denn…

Donnerstag

4:30h Aus dem Kinderzimmer kräht es laut:“Mama!“ Schlaftrunken stehe ich auf und schaue nach Nadeschda. „Mama, wann ist es endlich hell?“ In meinem verschlafenen Kopf denke ich noch, dass das jetzt nicht mein Plan eines frühen Schlafen am Abend war. Meine Tochter soll zwar morgens ausgeschlafen aufstehen, aber bitte nicht schon um 4:30h. Ich erkläre ihr, dass es noch mitten in der Nacht ist, bleibe bei ihr, bis sie wieder eingeschlafen ist und kehre zurück in mein Bett. An eine weitere Stunde Schlaf ist aber nicht mehr zu denken. Richard sägt neben mir einen ganzen Wald platt….

5:55h vor dem Klingeln des Weckers stehe ich dann auf. Nach zwei Tassen Kaffee schwindet auch die Müdigkeit. Brotboxen sind gepackt, ich suche die frische Wäsche für die Kinder zusammen, schmeisse die erste Maschine mit schmutziger Wäsche an.

6:30h Während Maxim noch unbedingt ein Bild für seine Lehrerin fertig malen will, dusche ich. Dann helfe ich den Kindern, sich anzuziehen und sich für die Schule bereit zu machen.

07:20h Richard verlässt mit den Kindern das Haus Richtung Schule. Ich räume schnell auf und setze mich dann an den Schreibtisch, um meine Semesterarbeit vorabzutreiben.  Lieber würde ich mich noch einmal hinlegen und wenigsten eine Stunde Schlaf nachholen.

10:30h Ich mache mich auf den Weg zur Schule, um Nadeschda’s Klasse mit in den Wald zu begleiten. Bis alle Kinder ihre Regensachen anhaben, in Reih und Glied stehen, und wir loslaufen können, vergeht eine gute halbe Stunde. Manche Kinder sind schon recht gut in der 1. Klasse angekommen und testen nun die Grenzen der Lehrerin. Manchen geht sie auf den Leim, anderen nicht.

12:40h Wir sind aus dem Wald zurück in der Schule. Ich esse mit Nadeschda in der Mensa. Dann machen wir uns auf den Weg zur Logopädin.

14:00h Ich freue mich über den Kaffee, den die Logopädin mir spendiert. Vielleicht sehe ich heute ja auch so müde aus wie ich mich fühle. Nadeschda macht tapfer ihre Übungen.

15:30h Wir sind zurück an der Schule, um Maxim abzuholen. Er hatte nach dem Unterricht noch Zirkustraining. Gott sei Dank hat er auch bereits seine Hausaufgaben gemacht.

16:00h Zuhause übt Maxim Trompete. Ich mache mit Nadeschda ihre Hausaufgaben. Wie so oft ist es ein Kampf mit ewigen Diskussionen. Ich trinke inzwischen meinen fünften Kaffee und übe mich in Geduld. Ein paar Mal höre ich mich selbst laut und tief durchatmen. Doch es zahlt sich aus. Nadeschda erinnert immer besser ihre Hausaufgaben. Und macht sie. Auch wenn Tränen fließen, wenn sie unzufrieden mit dem Ergebnis ist. – Ursprünglich hatte die Lehrerin diese immer an der Tafel stehen lassen. Da aber die Hausaufgaben für sie hauptsächlich ein Gedächtnistraining sein sollen, und es das für all die Kinder, die im Klassenraum der 1. Klasse dann nachmittags ihre Hausaufgaben machen, nicht war, wischt sie nun die Tafel immer sauber. Und ich bin drauf angewiesen, dass sich meine Tochter selbst an die Aufgaben erinnert.

17:00h Unsere Kinderfrau kommt, die Kinder spielen im Garten. Ich telefoniere noch schnell mit einer besorgten Mutter aus Nadeschda’s Klasse – es hatte mit ihrem Kind einen Zwischenfall im Wald gegeben. Dann mache ich mich erneut auf den Weg zur Schule.

18:00h Termin mit der Schulleitung zum Elternseminar für die zukünftige 1. Klasse. Die Mitarbeit der Eltern in der Schulgemeinschaft soll stärker in den Vordergrund gerückt werden. Zwei weitere Mütter und ich sollen dazu einen Workshop organisieren.

20:00h Wir wechseln den Raum und gehen gemeinsam zur Elternbeiratssitzung der Schule. Wie immer, wenn die Agenda kurz ist, dann dauert die Sitzung lange. Gut, ich bin nicht ganz unschuldig daran, dass es vor allem bei den Wahlen etwas länger dauert, da ich mit der Rekrutierung von Kandidaten nicht ganz einverstanden war. Später auf dem Parkplatz diskutieren wir immer noch ein paar mögliche Kandidaten.

23:00h Endlich Zuhause, finde ich Richard schlafend auf dem Sofa vorm Fernseher wieder. Ich denke: „Wunderbar, das mache ich jetzt auch.“ Doch vorher muss ich noch das Chaos in der Küche aufräumen. Ich befühle die Spülmaschine und schalte sie an. Im Bad wundere ich mich, warum ein T-Shirt von Maxim im Waschbecken eingeweicht ist. Da erinnere ich mich an die Wäsche vom Morgen im Trockner und in der Waschmaschine. Ich tausche die Wäsche und schmeiße noch einmal eine Ladung für die Nacht an. Als meine drei „Hausangestellten“ arbeiten, gehe ich müde ins Bett.

Freitag

06:00h Der Wecker klingelt. Trotz weniger als sieben Stunden Schlaf fühle ich mich fitter als gestern. Zumindest durfte ich durchschlafen. Kein rufendes Kind, kein schnarchender Mann. Oder ich war so erschlagen und habe so tief geschlafen, dass ich weder die eine noch den anderen gehört habe.

6:45h Ich bin bereits geduscht, das Frühstück steht auf dem Tisch und die Brotboxen sind gepackt. Maxim und Nadeschda quälen sich aus den Betten. Richard hatte mir bereits gebeichtet, dass es gestern Abend wieder mal etwas später geworden ist. Ich kann meine Begeisterung nur schwer kontrollieren.

07:30h Wir sind spät dran und hetzen aus dem Haus auf dem Weg zur Schule. Im Auto fällt Maxim ein, dass er sein Heft vergessen hat. Er rennt zurück und holt es. Mit einem Comic in der Hand kommt er wieder. Ich dachte, er holt sein Rechenheft, das er heute wieder mitnehmen muss. Doch das liegt noch auf seinem Schreibtisch. Also renne ich zurück ins Haus und hole es.

07:55h Gerade noch pünktlich vor dem ersten Klingeln kommen wir an der Schule an. Beide Kinder sind rechtzeitig in ihren Klassenräumen. Auf dem Parkplatz kommt mir eine befreundete Mutter mit ihrer brüllenden Tochter, Nadeschda’s Freundin entgegen. Wir winken uns zu, tauschen Blicke ohne Worte. In Gedanken bewundere ich ihre Gelassenheit und freue mich gleichzeitig über meine eigenen Kinder, die noch nie auf dem Weg zur Schule oder an der Schule morgens ein riesiges Theater veranstaltet haben. Egal wie müde sie waren.

09:00h Auf dem Rückweg von der Schule habe ich schnell unseren Wochenendeinkauf erledigt, ein Geschenk für eine Freundin besorgt, bei der wir am Wochenende eingeladen sind, habe eine Jacke zurückgeschickt, die für Nadeschda viel zu groß war. Nun stehe ich im Rathaus und will eigentlich gelbe Säcke für den Plastikmüll abholen. Freundlich erklärt man mir, dass sie schon seit einer Woche keine mehr haben und auch nicht wissen, wann die bestellte Lieferung kommt. So und jetzt? Dann ist wohl Mülltrennung erst einmal passé für die kommenden Tage. Bis ich dann mal wieder Zeit finde, ins Rathaus zu fahren und es dann auch noch aufhat…

10:00h Der Haushalt ist gemacht, die Waschmaschine läuft erneut, die Einkäufe sind verstaut. Endlich sitze ich am Schreibtisch, erledige ein paar mails und mache mich dann mal wieder an einen Auftragstext. Eigentlich wollte ich ja an meiner Semesterarbeit weiter schreiben. Aber die muss jetzt noch einmal warten. Hoffentlich finde ich in der kommenden Woche mehr Zeit dafür und das auch ausgeschlafen. Das Thema ist nicht ganz leichte Kost und ich muss dafür irgendwie ausgeruht sein, um meine Gedanken in eine ordentliche Form gießen zu können.

13:15h Zurück an der Schule. Ich sammle meine Kinder ein. Nadeschda ist erneut frustriert, dass die Hausaufgaben von der Tafel wieder weggewischt sind. Sie glaubt meiner Zuversicht nicht ganz, dass sie sich Zuhause an die Hausaufgaben erinnern wird.

14:30h Nachdem beide Kinder sich erst einmal ein wenig ausgeruht haben, geht es an die Hausaufgaben und das tägliche Üben. Nadeschda tut sich schwer. Dafür begeistert mich Maxim um so mehr. Mittlerweile macht er seine Hausaufgaben ordentlich alleine in seinem Zimmer. Mit Nadeschda zusammen am Esstisch ist es ihm zu laut und zu unruhig. Er hat auch keine Lust, sich ständig von ihr beschimpfen zu lassen. Wenn Nadeschda’s Wut kommt, ist Maxim meist die Zielscheibe ihrer Zornausbrüche.

15:05h Nadeschda hat immer noch keinen einzigen Strich gemalt. Ihre Vermeidungsstrategie läuft auf Hochtouren. Leere Blätter sind schon zerknüllt – „Ich mache heute keine Hausaufgaben!“ – Stifte und Glöckchen flogen bereits durch das Esszimmer. Erst als ich auf einem Blatt das male, von dem ich denke, dass es die Hausaufgaben sein könnten, was ich mir aus den Fragmenten, die Nadeschda mir erzählt hat, zusammenreimen kann, schlägt ihr cholerisches Temperament zu. „Nein, Mama!“ Sie reißt mir das Blatt aus der Hand, nimmt ihre Wachsblöckchen und malt. „Das geht so! Die grüne und die rote Gebogene dürfen sich nicht berühren.“ Die Atmosphäre ist angespannt, aber sie ist aus ihrer Vermeidung herausgekommen. Anstatt Nadeschda wegen ihres Tonfalls zu maßregeln, lobe sie viel und kann sie dazu bewegen, nun das Gemalte in ihr Hausaufgabenheft zu übertragen. Schön und ordentlich.

15:45h Nach den Hausaufgaben hat Nadeschda noch bereitwillig Schreiben geübt und ihre Übungen für die Logopädin gemacht. Auf einmal ging es dann doch schnell. Nun spielt sie in ihrem Zimmer. Die Tür ist zu und sie will ihre Ruhe haben. Ich sitze derweil bei meinem Sohn und genieße sein Trompetenspiel. Ich freue mich, dass er im Moment so gewissenhaft und fleißig übt. Allmählich sieht er selbst seine Erfolge. Manchmal guckt er mich strahlend an, wenn ihm etwas besonders gut gelungen ist und sagt: „Ja, Mama, Übung macht den Meister.“

16:30h Richard kommt nach Hause und ich mache mich auf den Weg in die Akademie. Eigentlich bin ich viel zu müde und würde am liebsten Zuhause bleiben.

17:30h Heute bin ich zügig durchgekommen und genieße noch ein paar Minuten vor Unterrichtsbeginn mit ein paar Mitseminaristen draußen in der Sonne. Doch unsere gute Stimmung fliegt dahin, als unser Dozent uns anschnauzt, wir sollten gefälligst pünktlich kommen. Wir waren vielleicht eine Minute zu spät im Saal. Zum ersten Mal denke ich: „Hey, Sie sind nur hier, weil wir Sie bezahlen.“ So einen Tonfall verbitte ich mir einfach.

22:30h Nach vier Stunden Akademie bin ich endlich wieder Zuhause. Kurz spreche ich noch mit Richard, gucke in meine Mails und falle dann eine Stunde später endlich in mein sehnlichst herbeigewünschtes Bett.

Samstag, 04:30h Aus dem Kinderzimmer kräht es laut:“Mama!“ Schlaftrunken stehe ich auf und schaue nach Nadeschda. „Mama, ich brauche Socken.“ Ich bin zu müde, um mich zu wundern, warum sie keine anhat. Sie schläft IMMER mit Socken. Ich ziehe meiner Tochter wärmende Strümpfe an und kehre in mein Bett zurück.  Doch richtig schlafen kann ich nicht mehr…

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (48)

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Unsere letzte Ferienwoche liegt nun hinter uns. Ab morgen beginnt zumindest für Maxim wieder der Schulalltag. Nadeschda hat noch ein paar Tage Schonfrist, bevor am Donnerstag dann ihr großer Einschulungstag in die 1. Klasse stattfindet. Unsere Tage waren geprägt von Vorbereitungen für die Schule, ein schrittweises Zurückkehren in unsere Alltagsroutine und Erledigen von Dingen, die ich schon so lange vorhatte und nun endlich von meiner To-Do-Liste streichen kann. Und so sind dies meine heutigen Sonntagslieblinge:

  1. Für Nadeschda’s großen Tag der Einschulung ist nun alles vorbereitet. Die Schultüte ist fertig und gefüllt. Die Geschenke sind verpackt. Alle Utensilien für den Unterricht – Handarbeistbeutel, Turnbeutel, Rechensäckchen, Rollmops und Bohnensäckchen habe ich fertig genäht. Der Ranzen ist gepackt.
  2. In Maxim’s Ranzen haben wir Ordnung gemacht, die Stifte ersetzt oder neu gespitzt, den Flötenbeutel repariert und alles ordentlich wieder eingeräumt. Maxim selbst hat vor allem im Lesen und Rechnen in den Ferien noch einmal enorme Fortschritte gemacht. Gut gerüstet geht er in das neue – und nun schon dritte – Schuljahr!
  3. Ich habe mein Büro aufgeräumt, Ablage gemacht, meine Büroküche endlich vollständig eingerichtet, meine eigenen Schulsachen sortiert und meine anstehenden Arbeiten geplant und organisiert. (Fenster wollte ich noch putzen, doch da hat der Regen mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.) So starte auch ich in der kommenden Woche gut geordnet in meine Schul- und Arbeitsalltag.

Ich bin gespannt auf alles, was uns nun im neuen Schuljahr erwartet und gehe zuversichtlich in die neue Woche. Ihr hoffentlich auch! Habt einen geruhsamen Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche.

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Unter Kühen – Eine Meditation im Sonnenuntergang

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Heute Morgen beim Laufen über bayrische Kuhweiden musste ich wieder an mein Erlebnis vor ein paar Wochen zurückdenken, meine Erfahrung unter Kühen im Sonnenuntergang. Seitdem ich wieder regelmäßig laufe und damit neue Impulse und Inspirationen bekomme, will ich heute noch einmal zu dieser Kuhherde zurückkehren. Vielleicht unter dem Aspekt, dass gerade im Moment, wo ich merke, wie gut es tut, neben dem Alltag als Adoptivmutter mit zwei fordernden Kindern – auch wenn zur Zeit alles weitestgehend gut läuft, ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, nein gerade nicht. Dass es gut läuft ist oft auch harte Arbeit. – und meiner Ausbildung andere ganz persönliche Ressourcen für mich zu haben. Was man dabei in der Natur entdecken darf, ist manchmal eine spannende Erfahrung…

Unter Kühen – Eine Meditation im Sonnenuntergang

Bis zu einem Abend im Frühsommer hatte ich ein gespaltenes Verhältnis zu Kühen. Natürlich sah ich sie, wie es auch schon die Redewendung aus dem Volksmund sagt, als furchtbar dumm an. Doch auch wenn ich ihnen jegliche Intelligenz absprach, so stellten sie für mich auch eine Bedrohung dar. An meiner Laufstrecke musste ich immer an einer Herde von Kühen vorbei laufen. Kaum kam ich dem Zaun der Kuhweide näher, so jagte die Herde auf mich los, als gäbe es kein Halten mehr und folgte mir in rasendem Tempo über die Weide, wenn ich auf der anderen Seite des Zaunes meiner Laufstrecke weiter folgte. Ich war froh, dass zwischen den Tieren und mir ein elektrischer Zaun mich vor dem Wahnsinn der Kühe schützte. In meiner Zeit in Spanien hatte ich Stierkämpfe erlebt und war nachhaltig schockiert von der menschlichen aber auch der tierischen Brutalität. Zudem genährt von der Lektüre Ernest Hemingways „Pamplona“, in dem er den Stierkampf als männliche Demonstration von Mut, Macht und Männlichkeit verherrlicht. Zu den niedlicheren Begebenheiten gehörte ein Kinderbuch von einer verrückten Kuh, die mit dem Postboten zusammen die lustigsten Dinge auf einem Bauernhof erlebte, das meine Kinder mit großer Begeisterung gelesen hatten. Doch auch Lieselotte war für mich nicht ganz bei Trost.

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So begab ich mich an einem frühlingshaften Abend mit gemischten Gefühlen auf die Kuhweide eines Bauernhofes in unserer Nähe. Zuvor waren wir bereits über Ackerland gestreift, hatten die Unterschiede zwischen Weide- und Ackerland erfahren dürfen. Und nun sollten wir uns mitten unter eine Herde von an die 80 Tieren mischen. Der Lehrbauer hielt uns zur Ruhe an. Ich dachte, dass wir damit die Kühe nicht aufschrecken sollten und sie sich nicht aggressiv gegen uns wenden würden. Immer noch spukte Lieselotte in meinem Kopf herum, die sich gerne den Spaß erlaubte, ungebetene Gäste auf ihrem Bauernhof zu erschrecken und zu verjagen. Doch weit gefehlt. Sicherlich gab es ein paar Jungtiere, die uns zunächst neugierig beobachteten und auch uns berühren wollten. Doch der Großteil der Herde graste weiter friedlich vor sich hin und ließ sich durch nichts beirren. Ich hatte das Gefühl, dass wir gar nicht wahrgenommen wurden. Die Kuhherde ignorierte uns völlig. Vollständig nach innen gekehrt, grasten sie weiter, umschlangen das Gras mit ihrer riesigen feuchten Zunge und rissen die Halme und Blätter ab, um sie dann zu verschlingen und in ihrem gigantischen Verdauungsapparat zu  verarbeiten. Ruhig blieben die meisten Tiere über eine lange Zeit an ein und derselben Stelle stehen und gaben sich ganz und gar der Nahrungsaufnahme hin. Fast träumerisch nach innen gekehrt, ließen sie sich dabei von nichts und niemandem ablenken. Allein die Nahrungsaufnahme und deren Verarbeitung standen im Interesse dieser an die 600 Kilogramm schweren Wiederkäuer. Irgendwann legte sich das eine oder andere Tier auf den Boden, wartete darauf, dass das gefressene Gras aus einem seiner Mägen wieder hervor gedrückt wurde und nun zum erneuten Male gekaut und wieder in den Verdauungstrakt entlassen werden konnte.

Als ich auf dieser Kuhweide stand und die Kühe beim Fressen beobachtete, wurde es auf einmal ganz still. Um mich herum und auch in mir drin. Eine tiefe Ruhe machte sich in breit, während ich nur noch ab und zu die Verdauungsgeräusche der Tiere leise wahrnahm. Ich erinnerte mich, dass auch in meinen Urlauben in den bayrischen Bergen, wo unser Haus umringt war von Kuhweiden, sich jedes Mal in mir eine unendliche Ruhe ausbreitete, wenn ich morgens auf der Terrasse meinen Kaffee trank und ich im sich lichtenden Morgennebel die Kühe auf den Weiden sah und ihr monotones Glockengebimmel vernahm. Es hatte etwas so beruhigendes und befriedendes, diese Tiere um einen herum zu spüren. Von meiner anfänglichen Angst war nichts mehr zu merken. Im Gegenteil, ich fühlte mich tief verbunden mit der phlegmatischen Ausstrahlung dieser Tiere, die so ganz eine Einheit bildeten mit der Natur um sie herum.

Diese meditative Kraft der Kühe war für mich eine unerwartete Erfahrung. Nicht nur, weil ich mein bisheriges Bild über die Kuh an sich revidieren musste, sondern vor allem weil mir diese meditative Begegnung auf der Weide einen neuen Impuls gab, wie ich zu innerer Ruhe finden könnte. Dass ein ruhiges Innenhalten wichtig ist, ist unbenommen. Doch dass Kühe ein Kraftquell sein können, war für mich neu. Vielleicht werde ich also nun, wenn ich mich auf meinen regelmäßige Laufstrecke begebe, an der Kuhweide anhalten, mich für ein paar Momente ins Gras setzen und für ein paar Augenblicke das Grasen der Kühe verfolgen und mich von ihrer monotonen Ruhe anstecken lassen. Ein Geschenk, dass diese Tiere einem bereitwillig geben, wenn man sich drauf einlässt.

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Ich packe meinen Koffer… – die Urlaubsblogparade

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Schon immer bin ich gerne und viel gereist. Bereits während des Studiums zog es mich immer wieder in die Ferne, gerne auch länger, um dort zu studieren oder zu arbeiten und um vielleicht im Ausland irgendwo Wurzeln zu schlagen. Doch dann hat es mich nach einer gewissen Weile immer wieder nach Hause gezogen. Auch Richard und ich haben ohne unsere Kinder die halbe Welt bereist, der amerikanische Kontinent im Norden wie im Süden war dabei unser Hauptreiseziel. Genauso gerne liebten wir Städtereisen in Europa. Mal schnell für ein paar Tage irgendwo hin, Wien, London, Madrid, Venedig. Ich war zudem gesegnet mit einem Job, bevor Maxim und Nadeschda zu uns kamen, in dem ich immer mal wieder reisen durfte. Immer mal wieder raus aus dem Alltagstrott im Büro und ab in eine europäische Metropole. Das war schön und beruhigte meine Hummeln im Hintern. Viel hat sich verändert mit unseren Kinder. Nicht nur unser Alltag, auch das Reisen. Aber die Hummeln im Hintern sind geblieben. Und schon früh nach Maxims und Nadeschdas Ankunft nutzte ich die Freiheiten des Kindergartens und ging mit den Kindern auf Reisen. Natürlich keine großen Urlaubsreisen, aber häufige Besuche bei Freunden irgendwo in Deutschland. Seitdem nun beide Kinder in der Schule sind, geht das nicht mehr ganz so häufig. Zudem brauchen wir auch einfach mehr die Erholung Zuhause zwischendurch. Um so mehr freue ich mich jetzt auf unsere Urlaube in diesen Sommerferien.

In Vorfreude auf unsere diesjährigen Urlaube – ich fahre mit Maxim und Nadeschda gleich zweimal in diesem Ferien weg – nehme ich gerne an Sylvi’s Blogparade „Ich packe meinen Koffer…“ auf momsfavoritesandmore teil.

Was muss unbedingt mit in den Koffer?

Das kommt drauf an, in welchen Koffer. In meinen muss definitiv mein Laptop und mindestens drei spannende Bücher sowie mein Notizbuch. In die Koffer meiner Kinder ein dickes spannendes Buch zum Vorlesen, ein Sack voll Kuscheltiere – die dann am Urlaubsort mit Missachtung gestraft werden -, Malsachen und ein paar Handverlesene Matchbox Autos. Am wichtigsten sind allerdings die Kuschelkissen der Kinder.

Ein Urlaubsbegleiter, den Ihr anderen Eltern absolut empfehlen könnt?
  • Eine feste Reiseapotheke mit allem, was man für den Notfall mit Kindern braucht: Hustensaft, Nasentropfen, Salbe gegen Prellungen, Verbandsmaterial, etwas gegen Durchfall und bei Magendarmverstimmungen, Fiebersaft, Insektenspray, Creme gegen Insektenstiche, Creme gegen Sonnenbrand, ein Antibiotikum für alle Fälle.
  • Die Kuschelkissen von Maxim und Nadeschda. Damit fühlen sie sich überall zuhause und schlafen somit problemlos, egal wo.
Wie packt Ihr? 

Ich muss gestehen, ich bin ein Packprofi. Das war ich schon vor den Kindern und jetzt mit ihnen bin ich es erst recht (wieder). Ich brauche keine Listen mehr, die aktivieren sich von selbst in meinem Kopf, wenn es dann am Tag vor der Abreise ans Packen geht. Meist bin ich nach eineinhalb Stunden fertig, egal wo wir hinfahren, ob an den Strand, in die Berge, für drei Wochen mit dem Flugzeug in die USA oder für drei Tage auf einen Bauernhof in eine nahegelegenes Gebirge. Ich muss dazu aber gestehen, dass a) Maxim und Nadeschda ihr Spielzeug fast immer schon selbst packen und b) ich Teile des Equipment schon immer vorgepackt im Schrank habe. Unsere Kulturbeutel sind immer schon befüllt, die Reiseapotheke ist immer aufgefrischt, die Schwimmsachen sind in einer eigenen Tasche, die Strandspielsachen ebenso. Das erleichtert und beschleunigt den Packprozess ungemein.

Für Richard hingegen, der wieder seine Sachen selbst packen muss – nachdem ich in Elternzeit zuhause war, hatte ich ein paar Mal den Anflug, für ihn mitzupacken, doch dann war es nicht immer ganz richtig und so stellte ich diesen Service wieder ein – , ist das Packen der reinste Horror, egal wie lange er verreist. Er tut dies auch immer in der allerletzten Minute, zögert den Moment bis zum allerletzten heraus. Was es nicht unbedingt besser macht.

Hat sich Eure Art zu reisen verändert, seitdem Ihr Kinder habt?

Ja, wenn auch auf eine bemerkenswerte Weise. Denn weder schrecken wir vor langen Fernreisen zurück, noch vor langen Autofahrten. Denn wir haben Maxim und Nadeschda von Anfang daran gewöhnt und sie sind ganz tolle Reisekinder. Allerdings bleiben wir nun ausschließlich an einem Ort und wir kehren auch gerne immer wieder an denselben Ort zurück. Erst in den letzten zwei Jahren haben wir begonnen, einmal im Jahr uns ein neues Reiseziel auszusuchen. Doch Städtereisen lassen wir bisher immer noch sein.

Wohin geht es in diesem Jahr?
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Nachdem wir unsere große Fernreise in meine zweite Heimat bereits in den Osterferien gemacht haben, bleiben wir diesmal im deutschsprachigen Raum. Zuerst geht es für Maxim, Nadeschda und mich wieder in unser Lieblingshaus in den bayrischen Bergen. Unseren Familienurlaub verbringen wir dann in Graubünden. Nach drei Wochen Strandurlaub im vergangenen Jahr, möchten wir in diesem Jahr einmal den Kontrast in den Bergen ausprobieren. Statt Ferienhaus gehen wir in ein Familienhotel. Eine Premiere für uns, verbunden mit der idealistischen Vorstellung, dass es auch für mich Urlaub von Kochen und Wäschewaschen ist…

Fahrt Ihr jedes Jahr woanders hin? Oder habt Ihr einen Ort, an dem Ihr immer wieder gerne seid? Warum fahrt Ihr da hin? Was wird dort für Kinder geboten?
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Im Grunde haben wir drei Orte an die wir immer wieder gerne zurückkehren: Da ist zum einen meinen zweite Heimat in den USA. Es ist immer wieder ein Stück weit ein nach Hause kommen, wenn wir dort sind. Der private Strand am See und das große Haus, aber auch ein großer Wasserpark sind einfach perfekt für Maxim und Nadeschda, neben der wunderbaren amerikanischen Oma, die uns alle umsorgt. Dann ist da mein Lieblingshaus in den Bergen, mit dem Reiterhof in unmittelbarer Nachbarschaft, mit schönen Wanderwegen, die Kindgerecht sind, mit einem Märchenpark in der Umgebung und einem Indoor-Spielplatz bei schlechtem Wetter. Und schließlich ist es noch unser Skiort in den Schweizer Alpen, in den Richard und ich schon ohne Kinder gefahren sind. Autofrei und mit einem unendlich großen Skigebiet und Rodelpisten für unsere nicht Skifahrende Tochter. So schön es auch ist, immer wieder etwas Neues im Urlaub auszuprobieren. Aber an bekannte Orte zurückzukehren lässt einen sofort da sein und in den Urlaub hineingleiten, ohne eine lange Orientierungsphase.

Habt Ihr ein Lieblingssouvenir aus Eurem letzten Urlaub?

Schöne Souvenirs waren in den letzten Jahren immer Muscheln, Steine, Scherben etc., die die Kinder am Strand gesammelt hatten. Mit denen haben wir dann Zuhause Strandgutbilder gemacht und sie als Urlaubserinnerung aufgehängt. Langsam entsteht daraus eine richtige Bildergalerie.

Wie packt Ihr Eure Koffer? Wo und wie verbringt Ihr Eure Ferien. Erzählt davon und macht mit bei Sylvie’s Blogparade. Ich freue mich drauf und wünsche Euch allen eine tolle und unvergessliche Ferienzeit.

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Charlotte‘s Sonntagslieblinge (36)

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Eine Woche mit wenig Schlaf liegt hinter mir – zu viele Abendtermine an der Schule – und mein Körper rächt es. Trotz frühlingshaften Temperaturen bin ich mal wieder erkältet. Auch am Wochenende waren wir mit anderen Familien unterwegs, was meinem Schlafkonto nicht wirklich gut tat. Um so mehr freue ich mich, dass die nächste Woche uns nur drei Schultage beschert und uns viel Mama-Kinder-Zeit erwartet. Viel Zeit, in der wir einfach so in den Tag reinleben dürfen, auch wenn natürlich ein paar Dinge erledigt werden müssen und unsere tägliche Übzeit für die Schule uns erhalten bleibt. Dennoch gab es auch in dieser Woche wieder einmal schöne und wohltuende Momente. So sind dies meine heutigen Sonntagslieblinge:

  1. Maxim und Nadeschda haben ihren ersten Erdbeerkuchen alleine gebacken. Er war so lecker und tröstete über eine verwüstete Küche hinweg, die aber, das muss ich gestehen, beide Kinder danach nach bestem Wissen und Gewissen geputzt haben.
  2. Habt Ihr schon einmal Kühen in der letzten Abendsonne beim Grasen zugeschaut? Wir waren am Freitag auf einem Bauernhof, wo wir dies inmitten der Kuhherde von an die hundert Kühe auf der Weide erleben durften. Zuerst musste ich an die lustigen Lieselotte-Kinderbücher denken mit der verrückten Kuh, die den Postboten jagt. Doch nach einer Weile ließ ich mich auf diese Kühe und die beruhigenden Wirkung ihres phlegmatischen Grasens ein. Lange habe ich nicht mehr so viel innere Ruhe in mir gespürt.
  3. In der Akademie wollte ich an der Einheit im Plastizieren zur Embryonalentwicklung nicht teilnehmen. Die Seminarleiterin bot mir daraufhin an, dass ich auch Zuhause mir eine eigene Aufgabe stellen könnte, um so die Fehlzeiten zu vermeiden. Diese Sonderregelung fand ich ausgesprochen nett. Ich bin dankbar, dass es doch Menschen gibt, die meine „besondere“ Situation respektieren und darauf Rücksicht nehmen, und das ohne unangenehme Fragen zu stellen.

Habt einen wunderbaren Sonntag und einen erholten Start in die neue Woche!

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48 Stunden im Leben einer Adoptivmutter

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Vorab

„48 Stunden im Leben einer Berufstätigen Mutter“ hat mich zu diesem Beitrag inspiriert. Danke an „Die verlorenen Schuhe“ für diesen Impuls!

Tag 1

5:45h:  Mein Wecker klingelt. Schlaftrunken stehe ich auf. Die Nacht war wieder kurz. Ich war zu spät im Bett, lange Telefonate in Vorbereitung auf die Elternbeiratssitzung heute Abend an der Schule. Mein kurzer nächtlicher Schlaf wurde immer wieder von Kinderfüßen in meinem Gesicht unterbrochen. Wenn Richard nicht da ist, schlafen die Kinder meistens bei mir im Bett, da sie ihren Vater zu sehr vermissen. Müde schleppe ich mich in die Küche, mache mir den ersten Kaffee, bereite die Brotdosen für den Tag vor und räume die Restanten des Vorabends auf. Danach duschen und anziehen. Richard ist auf Dienstreise und ich fahre die Kinder in die Schule.

6:30h Kinder wecken. Es braucht wie jeden Morgen viel Überredungskunst, Maxim und Nadeschda aus den Betten zu bekommen. Die Spielverabredung am Nachmittag hilft.

Bis 7:15h: Kinder anziehen bzw. sie sich anziehen lassen, Zähneputzen, Frühstücken, letzte Sachen für die Schule packen und ab ins Auto zur Schule.

7:45h. Ankunft in der Schule. Maxim geht alleine in seine Klasse, Nadeschda bringe ich in die Vorklasse. Kurzes Warten auf die Lehrerin, kurzer Plausch mit anderen wartenden Eltern, kurzer Informationsaustausch mit der Lehrerin: „Und denken Sie daran, dass ich Nadeschda heute früher abhole. Wir haben einen Ohrenarzttermin.“

8:30h Wieder Zuhause. Aufräumen, Waschmaschine anschmeißen, ein paar Überweisungen machen, Handwerker anrufen, etc.

9:30h Ich sitze endlich in meinem Büro und schreibe einen Auftragstext.

11:00h Ich klappe meinen Rechner zu, esse kurz etwas, trinke einen Kaffee und mache mich wieder auf den Weg zur Schule, um Nadeschda abzuholen.

11:30h Eine wütende Nadeschda beschwert sich bei mir im Auto über ihre Klassenkameraden und mich, die sie zu früh von der Schule abgeholt hat. Sie will nicht zum Ohrenarzt gehen.

12:00h Ankunft beim Ohrenarzt. Gottseidank müssen wir nicht lange warten. Nach Untersuchung und Hörtest ist alles okay. Erleichterung. Nach Jahren scheinen wir dieses Problem gelöst zu haben.

14:00h Wieder zurück an der Schule holen wir Maxim ab. Der ist wenig begeistert, doch die Spielverabredung zieht immer noch.

14:30h Zuhause angekommen, beginnen Maxim und ich sofort mit den Hausaufgaben. Wir sind ja verabredet. Bei Aufgabe 3 im Rechnen werde ich schief von der Seite angeraunzt, bei Aufgabe 4 wird wüst im Heft rumgekritzelt und bei Aufgabe 5 fliegen Heft, Bleistift und Radiergummi durchs Zimmer. Mir ist klar, dass das jetzt dauert, und dass wir zu unserer Verabredung zu spät kommen.

15:30h Maxim hat sich von seinem Tobsuchtsanfall beruhigt. Wir können die restlichen drei Aufgaben machen. Und dann mit deutlicher Verspätung zu unserer Verabredung fahren.

16:15h Wir kommen mit einer Stunde Verspätung bei unserer Verabredung an. Die Freundin und die Kinder freuen sich trotzdem und spielen schön, während wir Mütter im Garten in der Frühlingssonne sitzen und plauschen. Zum ersten Mal an diesem Tag kann ich durchatmen.

18:30h Wieder Zuhause duschen die Kinder schnell, ich koche derweil das Abendessen, immer wieder unterbrochen von Hilferufen des gerade duschenden Kindes. Richard kommt ausnahmsweise früh von seiner Dienstreise nach Hause. Denn ich habe ja einen Abendtermin an der Schule.

19:30h Beginn der Elternbeiratssitzung. Nachdem ich noch kurz beim Abendessen dabei saß, wir die wichtigsten Neuigkeiten der letzten zwei Tage ausgetauscht haben, bin ich mit wehenden Fahnen zur Schule gefahren. Ich ergattere gerade so noch den letzten Parkplatz. Irgendwie hatte ich verdrängt, dass noch drei weitere Veranstaltungen an der Schule an diesem Abend stattfinden. Dennoch sitze ich pünktlich auf meinem Stuhl.

23:30h Nach einer aufreibenden Sitzung – es ging um den Haushaltsplan der Schule – und den nacharbeitenden Parkplatzgesprächen bin ich wieder Zuhause. Nach einem kurzen Gespräch mit Richard falle ich hundemüde ins Bett.

Tag 2

6:00h Wieder reisst mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. Heute Nacht hatte ich zwar keine Kinderfüße im Gesicht, dafür rief Nadeschda zweimal nach mir. Immer wenn ich abends nicht da bin, wird sie nachts wach und ruft nach mir, als müsste sie sich vergewissern, dass ich tatsächlich zurückgekommen bin. Wie erschlagen schleppe ich mich in die Küche. Sechs Stunden Schlaf und die auch noch mit Unterbrechung sind einfach zu wenig. Nach meinem ersten Kaffee packe ich die Brotdosen und neue Wechselklamotten für Maxim.

6:30h Ich wecke die Kinder, die erst einmal viel kuscheln müssen. Nach dem Abend Abwesenheit besteht Nachholbedarf. Danach eiliges Anziehen, Zähneputzen, Frühstücken.

7:15h Nachdem Richard mit den Kindern das Haus Richtung Schule verlassen hat, würde ich mich am liebsten noch einmal hinlegen. Aber vor mir liegt ein voller Vormittag. Also, zweiter Kaffee, duschen, anziehen, aufräumen, drei Maschinen Wäsche, die gestern so zwischendurch liefen, zusammenlegen, wegräumen, Kühlschrank nochmal checken, ob für das Abendessen alles da ist. „Ach, Mist, es fehlt der Grillkäse.“ Also zum Supermarkt, Grillkäse kaufen. Das war so mit den Kindern abgesprochen. Und da ich heute Abend in der Akademie bin und die Kinderfrau da ist, darf es keine Überraschungen geben.

9:00h Ich sitze in meinem Büro, arbeite schnell ein paar Textänderungen in unterschiedliche Aufträge ein, stelle einen Blogpost ein, um mich dann meiner Portfolioarbeit für die Akademie zu widmen. Heute Abend ist Zwischenbesprechung. Da muss ich etwas vorweisen.

12:00 Wieder Zuhause, schnell noch den Kartoffelsalat für heute Abend vorbereiten. Dann auf zur Schule. Maxim hat Kunsttherapie und der Termin liegt leider so, dass die Kinder an diesem Tag nicht in der Schule essen können.

13:30h Gerade so mal wieder pünktlich kommen wir bei der Therapeutin an. Ich bringe Maxim in den Raum und bereite ihn für die Therapiestunde vor. Zum Glück geht er gerne hin und freut sich jedes Mal auf die Stunde. Nadeschda und ich warten derweil im Wartezimmer. Nachdem ich ihr vorgelesen habe, überkommt mich die Müdigkeit. Ich würde mich am liebsten auf den Spielteppich legen und kurz die Augen schließen. Aber Nadeschda will mit mir die Eisenbahn aufbauen. Das tun wir dann auch und ich schiebe die Müdigkeit weg.

15:00h Zuhause zurück trinke ich erst einmal einen doppelten Espresso. Ich weiss in dem Moment nicht, wie ich heute Abend noch vier Stunden Akademie überstehen soll. Aber gut. Zum Jammern bleibt keine Zeit. Wir haben eine Stunde Zeit, um Maxims Hausaufgaben zu machen und Lesen zu üben. Nadeschda spielt friedlich in ihrem Zimmer. Zum Glück sind die Hausaufgaben nur klein und schnell gemacht. Auch das Lesen klappt immer besser. Maxim hat danach sogar noch eine Viertelstunde Zeit sich auszuruhen, bevor wir auch schon wieder losmüssen.

16:00h Abfahrt zum Zirkus. Maxim hat Zirkustraining. Danach Weiterfahrt zur Musikschule, wo Nadeschda Unterricht hat. Ich verabschiede sie schnell, danach mache ich mich auf den Weg zur Akademie. Die Kinderfrau holt später Maxim und Nadeschda ab, übt Zuhause noch mit Maxim Trompete und bringt die Kinder dann später ins Bett. Hoffentlich schafft sie es heute pünktlich. Im Auto zweifele ich noch, ob das alles so eine gute Idee ist. Vielleicht sollte ich das mit der Ausbildung doch besser sein lassen, Nadeschda in einen anderen Musikschulkurs anmelden und versuchen, Maxim in einer anderen Zirkustrainingsgruppe unterzubringen. Dieser Tag ist einfach zu dicht. Doch ab morgen haben wir wieder entspannte Nachmittage ohne Programm.

22:00h Dank viel Cola habe ich die Akademiestunden gut überstanden und komme hellwach Zuhause an. Zum Glück hat heute das Abholen und das Abendprogramm mit der Kinderfrau gut geklappt. Beide Kinder schlafen friedlich in ihren Betten. Ich bin beruhigt und entlasse zufrieden die Kinderfrau in ihren Feierabend. Richard ist noch auf einem Kundenabendessen. Ich könnte die Gelegenheit nutzen und sofort ins Bett gehen. Aber nun bin ich wach. Ich räume auf, lege Wäsche zusammen, lese und schreibe noch ein paar E-Mails.

23:30h Richard kommt nach Hause. Wir sprechen noch kurz, dann gehen wir schlafen. Auch diese Nacht wird wieder zu kurz sein. Nadeschda wird mich bereits um 1:00h rufen, dann noch einmal um 3:00h. Maxim muss um 5:00 auf die Toilette (es ist der Kinderfrau nicht beizubringen, dass die Kinder vor dem Schlafen noch einmal auf die Toiletten gehen sollten….) und hat Durst. Eine Stunde später klingelt wieder mein Wecker.