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Charlotte’s Sonntagslieblinge (123)

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Photo by Evan Wise on unsplash.com

Wir haben die erste Schulwoche erfolgreich – und relativ entspannt – hinter uns gebracht. Und das auch noch mit vielen Arztterminen. Was man eben so machen muss – Augenarzt, Kieferorthopäde, …-, auch wenn es leibliche Kinder wären. Doch wir haben andere Sachen dafür sein lassen, das Üben etwas herunter gefahren. Und so klappte der Übergang in den Alltag ziemlich gut. Ohne große Dramen, ohne große Schwierigkeiten, ohne den Atem anhalten zu müssen, ob das alles so klappt. Und so bin ich in diesen frühen Morgenstunden an diesem Sonntag dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Zu Beginn gleich zwei „Dinge“ auf einmal: Meinen Mann und meinen Trockner. Wir haben tatsächlich am vergangenen Sonntag, nachdem die Stille der besinnlichen Morgenstunden verhallt war, 10 Maschinen Wäsche gewaschen und getrocknet. Es ist einfach unglaublich, was sich nach einem Skiurlaub so alles ansammelt. Unser Trockner, den Richard und ich uns als unser erstes gemeinsames Weihnachtsgeschenk vor bald zwanzig Jahren (!!!)  geschenkt haben, lief und lief und lief. Ohne zu schwächeln. In derselben Zeit haben wir mittlerweile die dritte Waschmaschine angeschafft. – Und genauso begeistert war ich von meinem Mann, der dann auf einmal seine Fähigkeiten zum Wäschzusammenlegen wieder entdeckt hat und mehr als die Hälfte der Waschmaschinenladungen, die von unserem wunderbaren Trockner getrocknet wurden, auch zusammengelegt hat. Großartig!
  2. Nadeschda hat den Wiedereinstieg in die Schule bravurös gemeistert. Mit all der Unlust, die sie vorher hatte, hätte ich das nicht erwartet. Es scheint, als wäre sie nun im Moment in der aktuellen Schreibepoche oben auf. Damit hätte sich all unser Üben und Arbeiten Zuhause wirklich ausgezahlt. Es wäre das erste Mal, dass sie in der Schule mit ganz vorne dran ist. Genau das, was sie verdient hat!
  3. Maxim muss einmal wieder mit dem Rechnen kämpfen. Wie viele andere Kinder in seiner Klasse auch. Aber dennoch, ich mache mir auf der einen Seite Sorgen, ob er auch weiter alles mitbekommt. Aber auf der anderen Seite bewundere ich seinen inneren Kampf und seinen inneren Willen, es doch jeden verdammten Tag immer wieder neu zu versuchen, zu lernen, zu üben, zu wiederholen, sich durch zu kämpfen. Er ist so unglaublich tapfer!

Nun freue ich mich über  ein wenig Neuanfang für das Jahr in meinem Haus. Alle alte Weihnachtsdekoration musste weichen. Und Frühlingsvorboten nehmen ihren Platz ein.

Habt einen wunderbaren Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (122)

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Photo by Michal Prucha on unsplash.com

Wohlbehalten sind wir gestern Nacht aus den Schweizer Bergen zurückgekehrt. Auf mich warten nun gefühlt 10 Waschmaschinenladungen Wäsche, die noch heute vor dem Schulanfang morgen gewaschen werden wollen. Und müssen. Denn der Kleiderschrank meiner Kinder reicht nun leider nur für eine Woche. Insofern herrscht dort gerade gähnende Leere. Ich könnte sie jetzt gar nicht zum Anziehen treiben. Denn da ist nicht wirklich etwas außer ein paar kurzen Hosen und Sommerkleidchen – die nicht wirklich zu den aktuellen Temperaturen passen. Während also meine Waschmaschine ihren ersten Dienst tut und der Rest des Hauses noch schläft, sitze ich nun hier und denke in Dankbarkeit an diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Die Zeit, die wir in der vergangenen Woche als Familie verbracht haben. Vor allem das gemeinsame Rodeln war großartig! Ich bin so froh, dass Nadeschda ihre Angst nach dem Lawinenurlaub im vergangenen Jahr, nachdem sie ja auf keinen Berg mehr hinauf wollte, überwunden hat, und mit uns hochgefahren ist, um dann mit dem Schlitten 5 Kilometer ins Tal zu „rasen“… Genauso wie unsere Spieleabende. Solange Maxim die „Bank“ war und damit der Chef, ging das wunderbar.
  2. Schlittschuhlaufen mit beiden Kindern.Wir haben es tatsächlich geschafft: Wir waren Schlittschuhlaufen! Mehrmals! Und es war zauberhaft!
  3. Dennoch recht viel Zeit zum Lesen und für mich zu haben. Ich bin einfach früh aufgestanden und habe die frühen Morgenstunden für mich genutzt. Auch wenn es eher berufliche Lektüre war, aber dennoch, so fühle ich mich immerhin gut vorbereitet auf meine nun in der kommenden Woche startende Theaterproduktion an der Schule und mein Buchprojekt, das nun in den kommenden Wochen ebenso in Angriff genommen werden muss. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich „Meister und Margarita“ erst einmal wieder zur Seite gelegt habe.  Es brachte mir dann nicht die gewünschte Ablenkung und Entspannung, neben all der Fachliteratur zu Traumatisierung und ähnlichem. Stattdessen begleitete mich „Altes Land“ von Dörte Hansen. Das hatte ich einfach mal gekauft, als ich auf Richard am Flughafen wartete, und niemals zu Ende gelesen. Nun war es dann dran. Da es ein Taschenbuch war, packte ich es einfach noch mit ein. Durch Zufall. Oder Intuition. Egal. Gelohnt hat es sich, auf jeden Fall.

Habt einen erholsamen und ruhigen Sonntag und startet wohlbehalten in die neue Woche.

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Von guten Vorsätzen für das neue Jahr…

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Photo by Ian Keefe on unsplash.com

Erneut haben wir ein Jahr hinter uns gebracht und das neue begrüßt uns mit offenen Armen. Ist die Umarmung diesmal wohlwollend? Oder stehen uns erneut so viele Prüfungen und Herausforderungen bevor wie im vergangenen Jahr? Letztes Jahr im Januar habe ich hier stolz geschrieben, dass ich mir keine Vorsätze vornehme oder Pläne schmiede, sondern in Gelassenheit schaue, wo mich das Jahr und seine Zeit hinführt. „Das Ego mag vielleicht einen Vorsatz brauchen. Dein Selbst braucht es nicht.“, las ich damals bei Katja von homeiswheretheboysare. Ja, sie hatte Recht.

Doch mich dem Schicksal ganz ergeben, hat mir im abgelaufenen Jahr nicht gut getan. Auch wenn ich mehr als stolz darauf sein kann, was mir trotz all der Schwierigkeiten, Herausforderungen und Sorgen dennoch gelungen ist. Ich habe meine Ausbildung beendet und erfolgreich abgeschlossen. Ich habe wieder einen festen Job und werde im Laufe diesen Jahres sogar in Vollzeit als Lehrerin anfangen zu arbeiten. Und ich habe ein Stipendium für ein neues Buchprojekt bekommen. Aber die eigene Selbstfürsorge blieb weiterhin auf der Strecke. Zu wenig Sport. Nicht wirklich viel gelesen, zumindest nicht so viel wie ich gehofft hatte. Zu oft zu wenig Schlaf, zu ungesund gegessen. Da war ich schon besser.

Ich habe meine kranke Mutter nach ihrem Schlaganfall gepflegt und umsorgt, ihr ein neues Zuhause gegeben, sie auf dem Wege der Genesung begleitet. Als es ihr besser ging, hat sie sukzessive den Kontakt abgebrochen, uns nur mit Nicklichkeiten beschäftigt und auf Trab gehalten. Irgendwann ist sie einfach verschwunden. Ohne mir all mein Geld, das ich für sie vorgelegt hatte, zurückzuzahlen, ohne eine Geste des Dankes. Zurückbleiben nur eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung. Aber wo sie ist, wissen wir nicht. Und damit ist das Kapitel abgeschlossen. Was die Fürsorge eines alten Elternteils angeht, habe ich meine Schuldigkeit getan. Nun bin ich raus. Endgültig.

Maxim und Nadeschda geht es gesundheitlich inzwischen wieder so weit gut. Wir sind durch die tiefsten Täler der Angst gegangen und haben sie bewältigt. Beim nächsten Mal werden wir damit wieder anders umgehen. Dessen bin ich mir sicher. Es stimmt eben doch, dass man mit seinen Herausforderungen wächst. So hart das klingt, aber beim ersten Fieber von Maxim waren wir völlig hilflos und überfordert. Wenn er heute 40 Fieber hat, bleibe ich gelassen. Sollten wir das nächste Mal mit einer ungewissen Krebsdiagnose konfrontiert sein, werden wir schlucken, aber ich bin mir dessen gewiss, dass es uns nicht mehr so beuteln wird wie in diesem Jahr. Das hatten wir. Wir sind durch diese unermessliche Angst durchgegangen.

Mit Blick auf die Schwierigkeiten mit der Schule, habe ich erneut Maxim’s und Nadeschda’s Lernschwächen erkannt und kann ihnen hoffentlich helfen, damit umzugehen. Erneut habe ich gelernt, mich eben nicht in das System zu begeben. Das hilft nicht. In keiner Weise. Meine Kinder sind eben nicht die Norm. Das habe ich in einer erneuten Lektion mit Nadeschda bitterlich erkennen müssen. Und auch wenn ich mich in das System begebe, bekomme ich nicht die Hilfen, die ich, die meine Kinder brauchen. Ich muss unseren eigenen Weg finden. Auch das haben wir wieder in diesem abgelaufen Jahr geschafft. Für Nadeschda habe ich einen Weg gefunden, den wir jetzt gehen. Und auch für Maxim werde ich einen Weg finden. Das weiß ich. Und das, was meine Kinder in der Schule nicht lernen – was das meiste ist -, haben sie inzwischen von mir gelernt. Wieder war ich beseelt, wie großartig Nadeschda inzwischen lesen kann. Und auch die Dyskalkulie sind wir dabei in den Griff zu bekommen. Am Ende ist klar, ich bin im Tiefsten davon überzeugt, dass meine Kinder ihren Weg durch die Schule gehen. Sie werden sicherlich keinen Nobelpreis gewinnen, aber sie werden einen Beruf erlernen, der sie glücklich und zufrieden macht, der sie ihren Alltag bestreiten lässt.

Die Amerikaner sind immer großartig in Redewendungen. Ich habe mich im vergangenen Jahr entschieden nach allem,was passiert war, nicht mehr die Ausbildung weiter zu gehen, um die Qualifikation für die Oberstufe zu bekommen – die Rahmenbedingungen waren einfach zu ungünstig. Ich sagte mir einfach: „I don’t have to do this anymore.“ Irgendwann ist es gut. Ich habe genug erreicht in meinem Leben. Ich muss mir nicht auch noch das beweisen. Und so gibt es die andere Redewendung: „Why settle for something less?“ Ich werde meinen Kindern nicht den bequemen Weg durch das Schulsystem bieten, ich werden ihnen nicht die Kellerdecke hinhängen, wenn sie sich nach dem Himmel strecken können. Sie werden sich nach dem Himmel strecken, wenn wir ihnen diesen reichen, dessen bin ich mir gewiss. Ich werde ihnen diese Chance niemals nehmen. Egal wie. Dafür bin ich inzwischen bereit sehr weit zu gehen.

Was sind also meine Vorsätze für diese junge, neue Jahr? Habe ich welche? Wäre es gut, welche zu haben? Keine zu haben, hat mich auch nicht glücklich gemacht. Zu sehr ließ ich mich „ablenken“ und zu schnell klein beigeben bei all dem, was dann so im Alltag auf mich einprasselte. Das möchte ich nicht mehr. Vielleicht ist es, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, nur ein Vorsatz, den ich mir für dieses Jahr vornehme: Ich möchte meinen eigenen Wünschen und Prinzipien treu bleiben. Und wenn diese gefährdet sind, dann muss ich in meinem alltäglichen Leben etwas ändern. Schneller, als ich das im vorangegangen Jahr getan habe.

Ich muss und will auf mich selbst aufpassen. Mehr, viel mehr, als ich das im letzten Jahr getan habe. Denn nur dann, nur wenn ich wirklich gut zu mir selbst bin, dann kann ich auch meinen Kindern, Maxim und Nadeschda die Mutter sein, die sie in diesem kommenden Jahr brauchen.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (118)

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Photo by Alisa Anton on unsplash.com

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei… Ja, so schnell vergeht die Zeit, selbst wenn in diesem Jahr nicht die oft übliche Weihnachtshektik ausgebrochen ist. Alle Geschenke sind besorgt, alle Weihnachtskarten geschrieben (fast), der Weihnachtsbaum wartet draußen im kalten Garten darauf, in neuem Glanz zu erstrahlen. Morgen kann die letzten Woche vor Heiligabend beginnen und beschert uns vielleicht ein paar ruhige Momente – bis auf den Einkauf, der mir jetzt schon die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Denn viel früher als am Samstag kann man ja sich nicht in den Supermarkt begeben, und ich weiß jetzt schon, dass der begrenzte Lagerplatz in meinem Kühlschrank mich wieder vor logistische Herausforderungen stellt. Aber das ist noch eine gute Woche hin und so ziehe ich mich lieber für den Moment gedanklich vor dieser Herausforderung zurück und denke lieber in Dankbarkeit an diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Nadeschda führte gestern ihr Krippenspiel in der Schule auf. Wie immer hat sie das ganz großartig gemacht. Bewundernswert fand ich vor allem, dass sie in ihrer fürsorglichen Art erst kurzfristig noch am Donnerstag mit einem anderen Mädchen, das auf einmal seine Rolle nicht mehr spielen wollte, die Rollen getauscht hat. Nun spielte sie die gute Wirtin, die Maria und Josef zumindest den Stall als Herberge anbot.
  2. Maxim hat mal wieder seinen inneren Schweinehund überwunden. Er war zu Beginn der Woche auf einem Geburtstag eingeladen, der in einem Reptilienhaus gefeiert wurde, mit Schlangen, Vogelspinnen, Echsen, ja sogar mit einem Krokodil. Obwohl er sehr skeptisch war, ließ er sich dann doch auf die Tiere ein, streichelte sie, nahm sie auf die Hand und ließ sich fleißig mit ihnen fotografieren. Sein Nervenkostüm war definitiv stärker als meines, als ich später die Bilder von dem Geburtstag sah.
  3. Für die nun hoffentlich ruhigere Zeit bis Weihnachten und dann zwischen den Jahren habe ich mir ein neues „Projekt“ ganz für mich alleine vorgenommen: Im Sinne von“Lesen als Therapie“ versuche ich mich meinem immer größer werdenden Stapel an ungelesenen Büchern zu nähern und will nun jeden Tag 100 Seiten lesen. In den vergangenen zwei Tagen ist mir das auch schon gut gelungen. Und auch jetzt werde ich die früh sonntägliche Stille in unserem Haus nutzen und mich wieder meiner Lektüre widmen.

Habt es also schön an diesem 3. Advent und kommt gut in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (117)

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Photo by Joanna Kosinka on unsplash.com

Eine dichte Woche liegt hinter uns, aber auch ein geruhsames Wochenende hält uns gerade wohlwollend in seinem Schoß. Wieder einmal genieße ich die sonntägliche Stille morgens im Haus, während der Rest der Familie noch schläft, oder wie mein Sohn, in seinem Bett liegt und liest. Ich tue dies auch, wenn ich mit diesen Zeilen fertig bin. Doch erst sitze ich mit einer Tasse wunderbarem Kaffee auf der Couch und denke an die Momente der Dankbarkeit der vergangenen Woche. So sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Maxim und ich hatten gestern einen wunderbaren „Jungsnachmittag“.  Mit zwei seiner Freunde waren wir zusammen in der jährlichen Zirkusvorstellung der Schule. Als Zuschauer. Maxim trat ja nicht auf, was den beginnenden Advent deutlich entspannt hat. Um so schöner war es, mit den drei Jungs einfach einen fantastischen Nachmittag zu verbringen.
  2. Nadeschda hat tapfer ihre Untersuchungen beim Kinderneurologen zur Testung einer mögliche Dyskalkulie überstanden. Das hat sie wirklich großartig gemacht. Samt aller Begleitumstände mit früh aufstehen, langer Autofahrt und dann auch noch fit sein und mitmachen. ja, sie ist mittlerweile 8 Jahre alt, aber dennoch. Ich war müde nachmittags, als wir zuhause waren. Und das obwohl ich keine Tests über mich ergehen lassen musste, sondern nur im Wartezimmer über die Aussagen der Ärztin nachdenken durfte.
  3. Die Lieblingstante war da, und wir haben mit den Kindern wieder wunderbare Knusperhäuschen gezaubert. Nach all den Jahren sind wir nun schon wirklich professionell unterwegs und nun wissen wir endlich auch, wie es zügig, aber dafür auch entspannt für uns Erwachsenen geht. Ich habe nach all den Jahren das ultimative Teilrezept gefunden und wir haben uns endlich auch die perfekte Mischung für den Eischneekleber gemerkt. Damit haben wir viele Unwägbarkeiten beim Lebkuchenhausbau beseitigt. Und nun freuen wir uns jeden Tag wieder an unseren wunderbaren Zuckerhäuschen.

Habt einen zauberhaften 2. Advent! Und kommt vor allem wohlbehalten in die neue Woche.

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Kleine Helfer ganz groß…

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Photo by Rawpixel on unspalsh.com

Wie es im wirklichen Leben so ist, kommt eine „Katastrophe“ selten alleine. Nadeschda’s und auch Maxim’s Gesundheit haben uns in den letzten Wochen mehr als in Atem gehalten. Nicht dass auch noch meine Mutter meinte, zu einem wirklich perfekten Zeitpunkt, als ich nämlich zum ersten Mal Nadeschda’s Koffer für das Krankenhaus gepackt habe, ihre Stromrechnungen und ihre Miete in der Seniorenresidenz nicht mehr zu bezahlen. Und diese mich aufgeregt anrief, wie sie es im übrigen alle paar Wochen ohnehin tun, um mir zu sagen dass meine Mutter jetzt ohne Strom ist. Und eigentlich nicht in ihrem Apartment bleiben kann. Mein Bruder hat sich dann darum gekümmert. Ich hatte ihn mobilisiert, denn musste mein Kind ins Krankenhaus bringen. Doch sein Reden hatten auch keine Wirkung. Meine Mutter bezahlte an dem Tag auch nicht ihre Stromrechnung, sondern harrte noch zwei Wochen in ihrem Apartment ohne Strom aus. Die aufgeregte Pflegedienstleiterin hat natürlich auch ihr übriges getan, damit das Leben ohne Strom so angenehm wie möglich für meine Mutter war, und hat ihr täglich warmes Wasser gebracht. Das ist zwar ehrenrührig. Hilft aber bei Menschen wie meiner Mutter nicht. Im Gegenteil, es verlängert den Prozess der Erkenntnis nur ungemein. Und strapazierte meine Nerven. Erst als es ein Gespräch mit der Heimleitung gab, da sie ja auch ihre Miete nicht bezahlt hatte, gelangte meine Mutter zur Einsicht, und bezahlte ihre längst überfälligen Stromrechnungen, nebst Mahngebühren. Und auch die rückständige Miete.

Aber davon wollte ich hier ja eigentlich gar nicht schreiben. Denn das ist das Gute an unsere Situation im Moment, meine Mutter ist qua ihres Verhaltens und das genau zu einer Zeit, in der der Gesundheitszustand eines meiner Kinder bedrohlich war, in meiner persönlichen Prioritätenliste auf den aller-, aller-, allerletzten Platz gerutscht. Ich kann und will mich mit so etwas im Moment nicht beschäftigen.

Was ich eigentlich erzählen wollte: Zu allem Überfluss fiel dann auch noch unsere Spülmaschine aus. Kaputt. Fehler XY. Bis der Kundendienst kam dauert es. Ja, es dauerte auch, weil niemand Zuhause war, sondern bei Ärzten oder in Krankenhäusern. Zugegeben. Aber wie sehr haben wir uns an die kleinen Helfer des Alltags gewöhnt? Ich nenne sie immer meine drei „Hausangestellten“: Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner. Und wenn alle drei morgens oder abends gleichzeitig laufen, dann kann ich mich endlich entspannt zur Ruhe setzen. Auch wenn ich weiß, dass ihr Output am nächsten Tag oder noch am selben verarbeitet werden muss. Denn die Spülmaschine räumt sich leider noch nicht selbst aus. Und den Waschmaschinen-Trockner Vollautomaten gibt es zwar mittlerweile schon. Aber Wäsche zusammenlegen?  Die Funktion gibt es leider noch nicht. – Ich könnte ja jetzt propagieren, dass das auch wenig verwunderlich ist. Denn die Geräte werden ja von Männern konstruiert, und die haben eben den berühmten letzten Schritt, die letzten berühmten 20 Prozent, die ja 80 Prozent des Aufwandes machen, eben mal nicht mit einkalkuliert. –

Nachdem ich nach unserem Spülmaschinenausfall zwei Tage lang kalte Küche bzw. Pizzaservice durchgesetzt hatte, aber wir alle das Essen aus den Pappschachteln nur begrenzt gut fanden, fanden sich zum nächsten großen Essen, wo auch mein Bruder samt Freundin da waren, die Männer abends zum Spülen in der Küche. Das, was so zwischendrin anfiel, hatte ich vorher klaglos einfach gespült. Um mir dann am Sonntag  morgen, als ich aus der Kirche kam, von meinem Mann anhören zu müssen: „Ich habe auch das ganze Frühstücksgeschirr gespült.“ Ja, super, dachte ich, und was mache ich seit drei Tagen… Aber egal. Der Spülevent der Herren zum Wochenende – und wahrscheinlich mein stetes Spülen seit mehreren Tagen – hatten aber zur Folge, dass ab Mittwoch, als ich mit Nadeschda aus dem Krankenhaus kam, bei meinen Kindern ein unglaubliches Umdenken stattfand. Auf einmal sagte Maxim: „Mama, lass mal. Ich mache das. Ich bin jetzt Dein Hausjunge. Ich erledige das.“ Und so spülte er. Und Papa trocknete ab. Kaum einen Tag später wollte Nadeschda natürlich auch mitmachen. „Ich will auch.“, „Lass mich mal!“ So machten nun meine Kinder den Abwasch. Und wurden zu meinen wahren großen Helfern in unserem Haushalt!

Schon seit Monaten diskutieren Richard und ich, wie die Kinder mehr Pflichten im Haus übernehmen können und auch sollen. Viel müssen sie nicht machen. Maxim muss inzwischen seine Wäsche selbst zusammenlegen und wegräumen, und jeden Donnerstag sein Zimmer aufräumen. Nadeschda muss ihr Zimmer aufräumen, aber die Wäsche mache ich noch. Tisch decken und abdecken machen beide gelegentlich. Viel mehr ist es nicht. Passt auch nicht. Denn manchmal denke ich auch, die beiden müssen so viel für die Schule arbeiten, da muss ich mir nicht noch kleine Aufgaben im Haushalt, die eh selten anfallen, wenn sie da sind, für die überlegen. Dennoch kam immer wieder das schlechte Gewissen. Oh, sie werden zu sehr verwöhnt. Wie sollen sie denn jemals alleine in einem Haushalt zurecht kommen? Seit unserem Spülmaschinenausfall weiß ich, alles totaler Blödsinn! Meine Kinder wissen genau, wie es geht, Geschirr zu spülen und sie könnten es auch wegräumen an den richtigen Platz. Und sie wissen aber vor allem, wenn Not am Mann ist, und machen dann einfach! Und das sehr souverän und gut! Das ist das wahre Großartige an dieser Geschichte! Auch wenn unsere Kinder sonst so verschont sind vom lästigen Mithelfen im Haushalt, sie machen es einfach, wenn es darauf ankommt. Von sich aus. Das ist es, was mich nachhaltig begeistert und mir mein Mutterherz erwärmt. Ja, meine kleinen Helfer sind ganz groß, großartig!

P.S. Schade, dass die Spülmaschine dann irgendwann doch repariert war. Ich hätte gerne gewusst, ob die Begeisterung des Spülens noch weiter trägt….

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (107)

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Photo by Ludovic Francois on unsplash.com

Endlich Ferien! Wir haben sie sehr herbeigesehnt, auch wenn sie nicht so werden, wie wir das uns mal überlegt hatten. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit den Kindern wieder in unser Lieblingshaus in den Bergen zu fahren. Aber aufgrund von weiteren Arztterminen mit beiden Kindern wäre das nur schwer möglich gewesen. Und in Anbetracht unsere aktuellen Situation – Nadeschda’s Knoten ist unverändert da, aber er wächst leider wieder langsam; und ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Woche einen OP-Termin bekommen, um sich dem „Ding“ anzunehmen. Maxim’s Kopfschmerzen lassen uns hingegen in Ruhe. Im Moment. – und der notwendigen Termine habe ich dann entschieden, auf diese Reise zu verzichten. Nadeschda hat wieder Kontrolltermine und auf Maxim wartet einmal wieder nach all den Jahren ein EEG. Im Moment ist mir mehr nach Zuhause bleiben, die häusliche und kleine familiäre Hülle ganz eng um meine Kinder zu legen und sie geborgen zu halten. Nach einer wieder einmal arbeitsamen Woche haben wir gestern nach Schulschluss im wahrsten Sinne des Wortes aufgeatmet und uns in unsere „Hülle“ zurückgezogen. Das ist schön und das tut gut. Rückblickend auf die abgelaufenen Woche,  bin ich heute froh und dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. In Krisensituationen, wie wir sie im Moment erleben, da sowohl Maxim’s als auch Nadeschda’s Gesundheit so ungewiss ist, tut mir das Arbeiten an der Schule gut. Die Stunden, die ich vor der Klasse und mit den Kindern meiner Klasse verbringe, ist die einzige Zeit am Tag, in der ich nicht an die gesundheitlichen Sorgen meiner Kinder denke. In dieser Woche hatten wir eine Malstunde, die ganz bezaubernd war. – Ganz entgegen der Vorwarnungen der Klassenlehrerin. – Wir malten unser „Abschiedsbild“ aus der nun zu Ende gehenden „Ackerbau-Epoche“. Nach detaillierter Anleitung malten die Kinder ihre Bilder. Am Schluss ließ ich immer fünf Kinder nach vorne kommen und ihre Werke zeigen – nur die die wollten, was am Ende die deutliche Mehrheit der Klasse war. – Zuvor hatte ich den Kindern gesagt, dass kein Bild kommentiert wird. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, als die Kinder vorne standen und die anderen einfach die Bilder betrachteten. Man fühlte und hörte an der ein oder anderen Stelle die Anspannung oder ein Raunen, jetzt doch etwas zu sagen. Und meist war es ein „Oh, ist das schön!“
  2. Die Kinder meiner Klasse in der Schule überraschten mich am Freitag mit lauter kleinen Blumenspenden. Nachdem wir eine zauberhafte Woche mit viel Arbeit auf dem Feld hinter uns gebracht haben. Daraus entstanden ist ein wunderbarer großer Bauernblumenstrauß entstanden, der nun meinen Esstisch ziert.
  3. Ich bin so dankbar für die vielen Momente mit meinen Kindern!! Vor allem wenn es einer ist, wie gestern: Natürlich kamen wir aus der Schule nach Hause und dann wartete das große Loch. Ich hatte zudem noch „Übfrei“ bis Montag ausgerufen. Doch nach zehn Minuten „Mir ist so langweilig!“ saßen beide Kinder, aus eigenem Antrieb und ohne dass ich ihnen half, am Maltisch und malten mit Wasserfarben.  Und das über eine Stunde. Tief versunken in den Farben….

In den kommenden Tagen werde ich hoffentlich wieder etwas mehr Zeit für diesen Blog haben. Die Themen gehen mir nicht aus….

Doch für den Moment habt erst einmal einen wunderbaren Sonntag und einen guten und wohlbehaltenen Start in die neue Woche!