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Von Tagträumen – Oder Fürsorgearbeit ist nur im wirklichen Leben anstrengend …

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Photo by Marissa Price on unsplash.com

Wenn Richard und unsere Kinder morgens das Haus verlassen haben, um zur Schule zu fahren, dann kehrt endlich Ruhe ein und ich gebe mich manchmal meinen Tagträumen hin:

Während die Kinder längst in der Schule sind, trinke ich mit Genuss in aller Ruhe meinen ersten Kaffee. Der Staubsaugerroboter hat schon längst gesaugt, unser Waschmaschinenvollautomat legt  die zweite Ladung Wäsche, die Richard früh am morgen nachgefüllt hat, inzwischen von selbst in seine vier Körbe, einen für jedes Familienmitglied, zusammen. Es ist wunderbar, dass ich morgens lange schlafen kann, mein Mann sich mit Maxim und Nadeschda sich alleine morgens fertig macht, und ich mich wohlberuhigt einfach wieder umdrehen kann. – Ja, der Elternabend am Tag zuvor war lang und mühselig. – Richard weckt die Kinder, hilft ihnen beim Anziehen, macht die Brotboxen, bereitet das Frühstück vor. Auf leisen Sohlen verlassen dann alle drei das Haus, so dass ich noch ein wenig schlafen kann.

Den Vormittag beginne ich mit meinem täglichen Laufprogramm gekrönt von ein paar Yogaübungen zuhause. Anschließend bereite ich mir mein Soulfood-Müsli und versinke in einer meiner neuesten Buchentdeckungen. Am späten Vormittag habe ich einen Termin bei der Maniküre. Zuhause blättere ich die neuste Frauenzeitschrift durch, überlege was es abends zu Essen geben könnte und telefoniere mit zwei lieben Freundinnen. Maxim und Nadeschda sind bis zum frühen Nachmittag in der Schule. Dort essen sie, und sie haben dann auch schon ihre Hausaufgaben gemacht und das kleine 1 x 1 gelernt, wenn ich sie dann abhole. Scherereien mit der Schule haben wir nicht. Da sind die beiden wunderbar versorgt und sie meistern den Schulstoff ohnehin ganz großartig. Da müssen wir gar nicht Zuhause nachhelfen. Es zahlt sich eben schon aus, dass unsere Kinder auf eine Privatschule gehen.

Ich halte noch ein Schwätzchen mit anderen ebenso wie ich entspannten Müttern auf dem Schulhof, bevor wir dann nach Hause fahren, jeweils einen Freund und Freundin im Gepäck. Dort spielen die Kinder. Alle sehr friedlich und vorbildlich. Es gibt keine Streitereien, die Kinder räumen von selbst alles wieder auf, bevor sie sich einem neuen Spiel zu wenden. Ich sitze wieder im Garten und lese. Wie wunderbar! Meine Gedanken schweifen zu unserem nächsten Urlaub, und ich kann in Ruhe mit dem Reisebüro telefonieren, um die Eckdaten für unsere nächsten Ferien klarzuziehen. Nach den Sommerferien ist vor den Sommerferien…. Da muss man früh dran sein. Meine Mutter kommt überraschend vorbei, freut sich über ihre Enkel und stellt sich in die Küche und kocht ihnen ihr Lieblingsessen für den Abend. Zwischendrin sind die Kinder vom vielen friedlichen Spielen hungrig. Sie freuen sich über die von Omi selbst gebackenen Cupcakes und die von mir höchst persönlich aufgeschnittene Wassermelone und Gummibärchen.

Später am Abend werden Freund und Freundin von ihren Eltern abgeholt. Richard kommt nach Hause und bei einem Abendessen, dass sich wie von selbst auf den Tisch gezaubert hat – genau die Omi war ja da -, sitzen wir zusammen, erzählen, lachen. Zeit spielt keine Rolle. Heute wird es vielleicht ein wenig später, bis Maxim und Nadeschda im Bett sind. Aber das ist auch nicht so schlimm, denn sie kommen ja am nächsten Morgen wieder ohne Probleme aus dem Bett. Oder vielmehr, es braucht mich ja nicht zu interessieren, denn Richard weckt sie ja und macht sie für die Schule fertig….Und in der Schule sind sie dann schon wach und aufnahmebereit.

—— Hat einer von Euch wirklich geglaubt, dass so unser Alltag abläuft? Ich weiß noch nicht einmal, ob das erstrebenswert wäre. Kehrt alles, was ich geschrieben habe, ins Gegenteil um, und dann habt ihr die Realität, die so viele von Euch kennen (oder die ich zum Beispiel hier beschrieben habe). Dann ist jeder Tag ein Ritt, eine große Anstrengung. Das Pensum, was Mütter jeden Tag stemmen, ist gerade bei bedürftigen Kinder, egal in welcher Form, unermesslich. Und es wird Zeit, dass das gesehen wird! Deshalb ist es so wichtig, dass es Frauen wie Claire gibt, die dafür so hart kämpfen, dass Carearbeit endlich sichtbar wird. Und wertgeschätzt wird! Denn wir Mütter sitzen eben nicht den lieben langen Tag im Garten, lesen und lackieren uns die Nägel! Ganz im Gegenteil!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (101)

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Photo by Max Goncharov on unsplash.com

Auch die zweite Schulwoche haben wir gut gemeistert. Immer noch muss sich alles ein wenig einschütteln, aber wir schwingen uns nun recht friedlich und ohne größere Amplitudenausschläge durch unseren Alltag. Gerade bei Maxim merke ich, dass mit dem Beginn der 4. Klasse er noch einmal einen riesigen Schub gemacht hat und nun beginnt selbstständig zu werden. Auch wenn er sich an anderen Stellen doch auch wieder schwer tut. Nadeschda und ihre Klassenkameraden lernen mit jedem Tag nun, dass sie nicht mehr die Kleinsten in der Schule sind und gebärden sich ebenso immer selbstbewusster. Ja, auch für sie ist das ganze nicht leicht, aber sie schlägt sich tapfer. So bin ich an diesem Sonntag vor allem für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Kaum hätte ich es gedacht, dass sich für Maxim und mich auszahlt, dass ich nun unter anderem die Hausaufgaben seiner Klasse in der Nachmittagsbetreuung begleite. Sehr konzentriert und engagiert macht er seine Aufgaben, ist weniger abgelenkt als Zuhause. Und da wir in einem Umfeld mit anderen Kindern sind, gibt das keinen Anlass zu Manövern, in denen er unsere Beziehung testet. Im Gegenteil. Er scheint fast dankbar zu sein, dass ich ihn und seine Freunde nun in der Schule bei den Aufgaben begleite.
  2. Nadeschda entwickelt sich nach ihrem Bruder zur großen Köchin und nimmt das alles ganz genau. So steht sie nun fast jeden Abend bei mir in der Küche, misst mit ihrem Messbecher die Zutaten genauestens ab, mischt Teig und Saucen und kontrolliert emsig den Garzustand unseres Abendessens.
  3. Ganz ehrlich: Nach der Hitze in den vergangenen Wochen, war ich doch sehr dankbar für die Abkühlung und vor allem für den Regen in dieser Woche. Mein Garten litt zunehmend. Ich gehöre zwar nicht zu der Fraktion, die jeden Abend ihren Rasen sprengt, aber gegen Ende der Hitzewelle habe ich dann doch begonnen, den ein oder anderen Baum in unserem Garten auch ordentlich zu wässern, als diese die Blätter hängen ließen. Einen Bambus hatten wir schon verloren, als wir im Urlaub waren und die Gemüseernte viel auch immer magerer aus. Doch lang gehegte Bäume und Büsche wollte ich dann doch nicht verlieren.

Jetzt genießen wir einen entspannten Sonntag bei angenehmen 26 Grad, die noch völlig ausreichen, dass die Kinder schwimmen gehen können. Habt auch Ihr einen wunderbaren Sonntag und kommt gut und wohlbehalten in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (100)

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Photo by raw pixel on unsplash.com 

Hey, die 100. Ausgabe der Sonntagslieblinge! Wer hätte das gedacht? Und dies nach einer doch einschneidenden Woche, in der wir so langsam in ein / mein neues Leben gestartet sind. Meine Ausbildung ist vorbei, ich habe meine Abende und Wochenenden wieder frei, dafür arbeite ich nun an der Schule, Projektweise, was mir für dieses neue Jahr nach dem Ende meiner Ausbildung sehr gelegen kommt. So schafft mir das etwas Raum und Luft, vielleicht auch doch noch meine anderen Themen weiterzuverfolgen: Diesen Blog weiterzuschreiben, mit ihm und damit auch für das Thema Adoption vielleicht noch einmal eine andere Präsenz zu bekommen, ein zweites Buch zu veröffentlichen, wer weiß? Auch wenn ich immer versucht bin, einen genauen Plan zu haben, so füge ich mich im Moment noch in die Situation, dass gerade jetzt und auch in den kommenden Wochen noch nicht alles in Stein gemeisselt ist, wie dieses frisch begonnenen Schuljahr sich entwicklen wird. Denn gerade jetzt steht vor allem erst einmal an, dass beide Kinder wieder gut in den Schulalltag hineinfinden. So bin ich nach der ersten Schulwoche vor allem für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Zum Glück hatten wir unsere Routine in den Ferien beibehalten, nicht zu spät ins Bett zu gehen und morgens nicht bis in die Puppen im Bett zu bleiben. Auch wenn Maxim manchmal gerne gewollte hätte. So fiel jetzt die Umstellung auf das frühe Aufstehen nicht ganz so schwer. Dennoch sind beide Kinder jeden Tag sehr müde. Schule ist eben anstrengend und bei diesen Temperaturen erst recht. Ich bewundere wirklich Maxim’s und Nadeschda’s Durchhaltevermögen.
  2. Nadeschda und ihre Klasse haben ein ganz zauberhaftes Märchenspiel für die neue erste Klasse an der Schule aufgeführt. Dornröschen. Und wieder einmal spielte meine Tochter die böse Fee… Am meisten fasziniert hat mich allerdings, wie gut sie inzwischen Texte auswendig lernen kann. Das hätte ich nicht gedacht. Wenn die Gedächtnisleistung eben nicht schon überlastet ist von so viel unnützem Wissen wie bei uns Erwachsenen, dann klappt das eben auch mit dem Auswendiglernen viel besser.
  3. Maxim war tatsächlich bereit, einer seiner Zirkusaktivitäten in diesem Schuljahr aufzugeben. Nun haben wir einen freien Nachmittag mehr in der Woche. Ich bin dankbar für seine Einsicht und freue mich auf das Mehr an Zeit, das uns Raum gibt, Neues zu entdecken.

Habt noch einen traumhaften Sonntag und kommt gut in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (99)

Back to school background  with books

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

 

Maxim sagte vor zwei Wochen: „Wow, schon einen Monat Ferien, Mama. So lange…“ Nun inzwischen sind auch diese zwei Wochen vorbei, die Schulsachen sind auf Vordermann gebracht, altes abgelegt, die Ranzen sind gepackt und die Anziehsachen und Marschsachen für die Schule stehen bereit. Morgen geht es nun nach sechs langen Wochen Ferien zurück in unseren Schulalltag. Kaum zu glauben und ein wenig schade, denn eigentlich könnte es für mich nun so weitergehen, wie in den vergangenen sechs Wochen. Wir hatten wirklich einen guten Rhythmus gefunden, der uns allen sehr gut tat. So bin ich heute für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Maxim und Nadeschda haben die letzte Ferienwoche genutzt und sich viel mit ihren Freunden und Freundinnen getroffen. Bei Maxim hat das ein Überlegen ausgelöst, ob er sich nicht doch etwas mehr Zeit einfach zum Spielen unter der Woche lässt und auf die ein andere Aktivität verzichtet. Die Selbstreflexion meines Sohnes überrascht mich immer wieder.
  2. Ich habe meinen Unterricht für die erste Epoche, die aber erst für mich im September beginnt, gut angefangen vorzubereiten. Es tut gut, Themen mit etwas Zeit und Luft anzugehen und dann zu merken, wie über die Zeit mit immer mehr Ideen ein gutes Ganzes daraus werden kann.
  3. Maxim ist ganz verrückt danach, Russisch zu lernen und vor allem die kyrillischen Buchstaben sich anzueignen. Auf der Suche nach etwas Geeignetem bin ich auf die wunderbare Seite vom Sprachhelden gestossen, der sehr übersichtlich erläutert, wie man in 10 Schritten das russische Alphabet erlernen kann.

Habt noch einen wunderbaren Sonntag und kommt gut in die neue Woche, vor allem all diejenigen von Euch, für die Sommerferien nun zu Ende gehen.

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Mit Adoptivkindern heilsam durch den Sommer (Teil 2) – Warum Gewohnheit und Struktur so wichtig sind

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Danke an Pixabay.com

Jeden Abend, wenn ich Nadeschda ins Bett bringe, fragt sie mich: „Und was machen wir morgen, Mami?“ Ich erzähle ihr dann unsere Pläne für den nächsten Tag, was mit einem unermüdlichen „Und was machen wir dann am nächsten Tag?“ gefolgt wird. Nicht, dass sich meine Tochter nicht erinnern könnte, denn gestern habe ich ihr ja auch schon erzählt, was wir am Folgetag machen und wohlmöglich auch, was unsere Pläne für das Wochenende sind. Und wenn sich einmal Vorhaben ändern, dann weiß sie das auch sehr wohl. Nein, dies ist nicht Vergesslichkeit, dies ist allein der klare Ausdruck von „Ich brauche Struktur und Orientierung. Ich muss wissen, was morgen passiert, damit ich in Sicherheit einschlafen kann.“ Wahrscheinlich war das in den vergangenen Jahren auch schon so. Doch nicht zuletzt, weil meine Tochter mittlerweile sich unheimlich gut ausdrücken kann und ihrem Mitteilungsdrang auch freie Fahrt lässt, kann sie auch ihr Bedürfnis nach Sicherheit in einer Form artikulieren.

Dies sind die ersten Ferien, in denen wir nach unseren harten ersten Halbjahr wenig Programm und wenige Reisen bzw. nur kurze Reisen gemacht haben. Früher war zumindest noch einmal ein Kinderferienprogramm dabei und unsere Urlaube waren auch deutlich länger, zuweilen an neuen und unbekannten Orten. Möglichst wegfahren und die Zeit auskosten. Doch dies war immer gepaart mit einer gewissen Gewöhnungszeit, bis wir uns auch an einem neuen Ort wieder eine Routine erarbeitet hatten. Und auch immer wieder begleitet mit zum Teil kräftigen Stimmungsschwankungen. Dies blieb in diesem Jahr aus. Hier Zuhause haben wir unsere feste Routine. Spielen in den Morgenstunden, den übrigen Vormittag verbringen wir mit Besorgungen oder Aufräumen, Umräumen, Ordnung schaffen. Oder die Kinderfrau kommt an einzelnen Tagen, so dass ich ein wenig arbeiten kann und unternimmt mit den Kindern kleine Ausflüge ins Freibad oder einen großen Spielplatz. Immer an dieselben Orte. Nachmittags wird konsequent geübt, danach folgen Spielverabredungen oder ausgedehntes Schwimmen.

Darüber hinaus sind wir in diesem Sommer wieder an die gleichen Orte gefahren sind, wie im vergangenen Jahr. Sogar mit dem gleichen Ablauf. Erst Paddeln mit unseren Freunden im Schwarzwald, dann weiterfahren in die Schweizer Berge, in dasselbe Hotel und sogar dasselbe Hotelzimmer wie im Vorjahr. Auch die Feier auf der Rückfahrt aus unserem Urlaub wiederholte sich. Diesmal war es zwar keine berufliche Veranstaltung, sondern der Geburtstag einer lieben Freundin meines Mannes. Dennoch wieder eine Feier zum Abschluss der Reise. Auch das wiederholte sich. Und in unserem Lieblingshaus in den Bergen haben wir ohnehin schon mehr oder weniger die gleiche Routine seit Jahren. – Überhaupt, wenn ich so darüber nachdenke – sind wir in den vergangenen Jahren wenig experimentierfreudig gewesen, was die Wahl unserer Urlaubsziele angeht. Aber weniger, dass wir darüber nachdachten, als das sich das aus unserem Wunsch, ein Ziel zu haben, was für uns alle eine gewissen Erholung bietet, ergab. So fügte es sich, dass wir im Grunde mittlerweile vier feste Reiseziele haben, die sich in beliebiger Abfolge und Reihenfolge immer wieder wiederholen.

Diese viele Routine und Gewohnheit zahlt sich aus. Beide Kinder habe ich selten so ausgeglichen erlebt. Sie lachen viel, haben ihren Spass zusammen und sind sich selbst genug. Noch immer werde ich manchmal misstrauisch, wenn es so still in den Kinderzimmern ist. Doch muss ich immer wieder feststellen, dass sie dann „nur“ in einem der beiden Zimmer sitzen und lesen, oder einfach friedlich spielen.

Maxim und Nadeschda haben Kraft getankt, aus sich selbst heraus neue Dinge zu lernen und sich zuzutrauen. An einem verregneten Nachmittag waren wir in den Bergen in einem großen Freizeitwasserpark mit vielen Rutschen. Ich traute meinen Augen nicht, als Nadeschda – auch ohne ihren großen Bruder – sich alleine auf die Rutsche wagte, und unermüdlich rutschte. Immer wieder und immer wieder. Sie hatte sichtlichen Spass daran und war am Abend so stolz auf sich selbst, dass sie sich alleine auf diese riesige Rutsche getraut hatte, in der es erst dunkel war, dann Wasser kam, und dann funkelnde Sterne. Beim täglichen für die Schule Arbeiten zeigen sich ebenso wunderbare Fortschritte. Nadeschdas neue Fähigkeiten überraschen mich immer wieder und erfüllen mich mit großer Freude. Zu Beginn der Woche waren wir einkaufen, Maxim hatte den Einkaufszettel geschrieben. Auf einmal nahm Nadeschda den Zettel und begann, die Dinge durchzustreichen, die schon im Wagen waren. „Mama, da steht doch „Wurst“, oder?“

Abgesehen davon, dass Maxim mich mit seiner Lesewut fast arm gemacht hat – ich habe, den Überblick verloren, wie viele Bücher von den ??? ich gekauft habe -, was mich natürlich genauso begeistert und ich in den sauren Apfel beisse, da ich Bücher aus der Bibliothek nicht unbedingt mag und ich das Erlebnis, dass das Buch, was man gerade sucht, nun ausgerechnet nicht da ist – überrascht er mich zunehmend mit seinem Drang, Dinge zu lernen und zu erfahren. In den Schweizer Bergen waren wir einen Tag lang mit einem Strahler unterwegs. Viel hat er uns über Kristalle erzählt und die, die er gefunden hat, um dann auch mit uns in den Berg zugehen und selbst nach Kristallen zu suchen. Die Kinder wurden nun tatsächlich fündig. Seitdem hat Maxim alles an Literatur zu Kristallen, die wir zuhause haben, im wahrsten Sinne des Wortes durchgearbeitet. Nicht einfach gelesen. Nein, er sitzt stundenlang an seinem „Arbeitsplatz“, den er sich selbst hergerichtet hat, liest und studiert die Bücher, vergleicht und macht sich Notizen. Seine eigenen Kristalle hat er alle fein säuberlich katalogisiert, mit Nummern versehen und in einer Liste erfasst, mit Namen und Fundort. Beim täglichen Üben ist es nicht mehr seine eigene Versagensangst, die ihn daran hindert, sich bestimmten Themen zu widmen, auch wenn er weiss, dass er sie nicht kann. Vielmehr hat er gelernt, dass er sich dem stellen kann und es am Ende doch schafft. Inzwischen gibt es nur Diskussionen, wenn er tatsächlich einfach keine Lust zu etwas hat, wie etwa dem Trompete spielen. Und das ist wohl ausnahmsweise normal!

Es scheint, als würden beide Kinder durch die Zeit in gewohnter Umgebung und mit klaren – wenn auch von unserem Schulalltag abweichenden – Routinen nicht ihre Kraftreserven aufbrauchen, um sich an neue Umgebungen anpassen zu müssen, sondern ihre Energie und Ressourcen nutzen, um sich selbst gewähltes Neues zu erschließen. Solange sie klein waren, ist mir das vielleicht nicht so unmittelbar aufgefallen. Da waren die Anforderungen an Nadeschda und Maxim auch noch nicht so groß. Doch diese so deutliche Erfahrung in diesen Ferien hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig Struktur und Gewohnheit für meine Kinder sind. Und vor allem ist mir bewusst geworden, was alles möglich wird, wenn wir – manchmal sklavisch – an einer so vermeintlich langweiligen Routine festhalten.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (97)

Kuh auf Alpe liegt im Gras, Bayern

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Kaum zurück aus dem einen Bergurlaub sind wir schon wieder im nächsten. Seit ein paar Tagen sind die Kinder und ich einmal wieder in unserem Lieblingshaus in den Bergen. Wunderbar ist es hier, wie immer. Tapfer waren wir in einem eiskalten Bergsee schwimmen, haben einen kleinen Gipfel erklommen und die Weite der Aussicht genossen. Auch wenn es hier nicht mehr ganz so ursprünglich ist, wie noch in den Schweizer Bergen, wo mich die viele mühevolle Handarbeit der Bergbauern sehr beeindruckt hat, so genießen wir auch hier die Natur in vollen Zügen. „Meine“ Kühe sind auch wieder da, und begrüßen mich jeden Morgen zu meinem ersten Kaffee. So bin ich an diesem Sonntag für diese drei Dinge dankbar:

  1. Nachdem wir nun zwei Drittel unserer Ferien rumhaben, sind Maxim und Nadeschda deutlich entspannter. Es zahlt sich aus, dass wir unser Programm egal ob zuhause oder unterwegs deutlich reduziert haben. Maxim’s Verspannungen im Nacken haben sich gelöst, von Kopfschmerzen und Schwindel keine Spur. Für mich ein Zeichen, doch noch einmal über unser Alltagsprogramm nachzudenken und noch ein Stück weiter zu reduzieren. Zumal die Schule nach den Ferien anziehen, und vor allem Maxim noch einmal mehr Unterricht haben wird.
  2. In diesen Freiräumen entwickelt sich auch bei den Kindern wieder sehr viel. So kam Maxim Zuhause auf einmal auf die Idee, sein Zimmer umzuräumen – was wr dann auch gemacht haben. „Mama, ich möchte jetzt eine Leseecke unter einem Vorhang haben. Wir haben doch da diese Stange. Und die könnten wir aufhängen, und dann kann ich dadrunter meinen Sessel stellen und mich unter einem Vorhang dann zurückziehen. Und mein Playmobiltisch muss auch woanders hin, so habe ich nicht genug Platz für die Cowboys auf der Koppel.“ Als ich das einer Bekannten erzählte, kommentierte sie schmunzelnd: „Er macht es sich eben auch gemütlich und sorgt für sich.“
  3. Nadeschda’s Lesebegeisterung steigt stetig. Zu gerne versinkt sie nun die Comics ihres großen Bruders und sucht nach Wörtern, die sie kennt. Und dies manchmal stundenlang.

Habt eine traumhaften Sonntag und kommt wohlbehalten in die neue Woche!

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#bestofElternblogs im Juli

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Photo by Craig Whitehead on unsplash.com

Die liebe Anja von der Kellerbande  ruft jeden Monat dazu auf,  den meist gelesenen Beitrag des vergangenen Monats zu benennen und zu teilen. Gerne mache ich das auch in diesem Monat wieder. Der Juni war ein relativ ruhiger Monat auf meinem Blog, was aber damit zusammenhängt, dass ich ohnehin die vergangenen Monate nicht viel Zeit hatte, mich mit neuen Beiträgen zu beschäftigen. Das kann jetzt wieder anders werden. Und so freut es mich umso mehr, dass mein Beitrag aus der vergangenen Woche zu „Adoptivkinder heilsam durch den Sommer bringen…“ die meisten Klicks bekommen hat, obwohl er erst so frisch veröffentlicht war. Das gibt mir eine neue Bestätigung, doch weiter mich nicht nur für mich selbst, sondern auch für Euch mit adoptionsrelevanten Themen zu beschäftigen und sie hier zu veröffentlichen.

Habt – wie immer tausend Dank – für’s Lesen, Liken, Teilen und Kommentieren.