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Charlotte’s Sonntagslieblinge (118)

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Photo by Alisa Anton on unsplash.com

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei… Ja, so schnell vergeht die Zeit, selbst wenn in diesem Jahr nicht die oft übliche Weihnachtshektik ausgebrochen ist. Alle Geschenke sind besorgt, alle Weihnachtskarten geschrieben (fast), der Weihnachtsbaum wartet draußen im kalten Garten darauf, in neuem Glanz zu erstrahlen. Morgen kann die letzten Woche vor Heiligabend beginnen und beschert uns vielleicht ein paar ruhige Momente – bis auf den Einkauf, der mir jetzt schon die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Denn viel früher als am Samstag kann man ja sich nicht in den Supermarkt begeben, und ich weiß jetzt schon, dass der begrenzte Lagerplatz in meinem Kühlschrank mich wieder vor logistische Herausforderungen stellt. Aber das ist noch eine gute Woche hin und so ziehe ich mich lieber für den Moment gedanklich vor dieser Herausforderung zurück und denke lieber in Dankbarkeit an diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Nadeschda führte gestern ihr Krippenspiel in der Schule auf. Wie immer hat sie das ganz großartig gemacht. Bewundernswert fand ich vor allem, dass sie in ihrer fürsorglichen Art erst kurzfristig noch am Donnerstag mit einem anderen Mädchen, das auf einmal seine Rolle nicht mehr spielen wollte, die Rollen getauscht hat. Nun spielte sie die gute Wirtin, die Maria und Josef zumindest den Stall als Herberge anbot.
  2. Maxim hat mal wieder seinen inneren Schweinehund überwunden. Er war zu Beginn der Woche auf einem Geburtstag eingeladen, der in einem Reptilienhaus gefeiert wurde, mit Schlangen, Vogelspinnen, Echsen, ja sogar mit einem Krokodil. Obwohl er sehr skeptisch war, ließ er sich dann doch auf die Tiere ein, streichelte sie, nahm sie auf die Hand und ließ sich fleißig mit ihnen fotografieren. Sein Nervenkostüm war definitiv stärker als meines, als ich später die Bilder von dem Geburtstag sah.
  3. Für die nun hoffentlich ruhigere Zeit bis Weihnachten und dann zwischen den Jahren habe ich mir ein neues „Projekt“ ganz für mich alleine vorgenommen: Im Sinne von“Lesen als Therapie“ versuche ich mich meinem immer größer werdenden Stapel an ungelesenen Büchern zu nähern und will nun jeden Tag 100 Seiten lesen. In den vergangenen zwei Tagen ist mir das auch schon gut gelungen. Und auch jetzt werde ich die früh sonntägliche Stille in unserem Haus nutzen und mich wieder meiner Lektüre widmen.

Habt es also schön an diesem 3. Advent und kommt gut in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (117)

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Photo by Joanna Kosinka on unsplash.com

Eine dichte Woche liegt hinter uns, aber auch ein geruhsames Wochenende hält uns gerade wohlwollend in seinem Schoß. Wieder einmal genieße ich die sonntägliche Stille morgens im Haus, während der Rest der Familie noch schläft, oder wie mein Sohn, in seinem Bett liegt und liest. Ich tue dies auch, wenn ich mit diesen Zeilen fertig bin. Doch erst sitze ich mit einer Tasse wunderbarem Kaffee auf der Couch und denke an die Momente der Dankbarkeit der vergangenen Woche. So sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Maxim und ich hatten gestern einen wunderbaren „Jungsnachmittag“.  Mit zwei seiner Freunde waren wir zusammen in der jährlichen Zirkusvorstellung der Schule. Als Zuschauer. Maxim trat ja nicht auf, was den beginnenden Advent deutlich entspannt hat. Um so schöner war es, mit den drei Jungs einfach einen fantastischen Nachmittag zu verbringen.
  2. Nadeschda hat tapfer ihre Untersuchungen beim Kinderneurologen zur Testung einer mögliche Dyskalkulie überstanden. Das hat sie wirklich großartig gemacht. Samt aller Begleitumstände mit früh aufstehen, langer Autofahrt und dann auch noch fit sein und mitmachen. ja, sie ist mittlerweile 8 Jahre alt, aber dennoch. Ich war müde nachmittags, als wir zuhause waren. Und das obwohl ich keine Tests über mich ergehen lassen musste, sondern nur im Wartezimmer über die Aussagen der Ärztin nachdenken durfte.
  3. Die Lieblingstante war da, und wir haben mit den Kindern wieder wunderbare Knusperhäuschen gezaubert. Nach all den Jahren sind wir nun schon wirklich professionell unterwegs und nun wissen wir endlich auch, wie es zügig, aber dafür auch entspannt für uns Erwachsenen geht. Ich habe nach all den Jahren das ultimative Teilrezept gefunden und wir haben uns endlich auch die perfekte Mischung für den Eischneekleber gemerkt. Damit haben wir viele Unwägbarkeiten beim Lebkuchenhausbau beseitigt. Und nun freuen wir uns jeden Tag wieder an unseren wunderbaren Zuckerhäuschen.

Habt einen zauberhaften 2. Advent! Und kommt vor allem wohlbehalten in die neue Woche.

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Kleine Helfer ganz groß…

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Photo by Rawpixel on unspalsh.com

Wie es im wirklichen Leben so ist, kommt eine „Katastrophe“ selten alleine. Nadeschda’s und auch Maxim’s Gesundheit haben uns in den letzten Wochen mehr als in Atem gehalten. Nicht dass auch noch meine Mutter meinte, zu einem wirklich perfekten Zeitpunkt, als ich nämlich zum ersten Mal Nadeschda’s Koffer für das Krankenhaus gepackt habe, ihre Stromrechnungen und ihre Miete in der Seniorenresidenz nicht mehr zu bezahlen. Und diese mich aufgeregt anrief, wie sie es im übrigen alle paar Wochen ohnehin tun, um mir zu sagen dass meine Mutter jetzt ohne Strom ist. Und eigentlich nicht in ihrem Apartment bleiben kann. Mein Bruder hat sich dann darum gekümmert. Ich hatte ihn mobilisiert, denn musste mein Kind ins Krankenhaus bringen. Doch sein Reden hatten auch keine Wirkung. Meine Mutter bezahlte an dem Tag auch nicht ihre Stromrechnung, sondern harrte noch zwei Wochen in ihrem Apartment ohne Strom aus. Die aufgeregte Pflegedienstleiterin hat natürlich auch ihr übriges getan, damit das Leben ohne Strom so angenehm wie möglich für meine Mutter war, und hat ihr täglich warmes Wasser gebracht. Das ist zwar ehrenrührig. Hilft aber bei Menschen wie meiner Mutter nicht. Im Gegenteil, es verlängert den Prozess der Erkenntnis nur ungemein. Und strapazierte meine Nerven. Erst als es ein Gespräch mit der Heimleitung gab, da sie ja auch ihre Miete nicht bezahlt hatte, gelangte meine Mutter zur Einsicht, und bezahlte ihre längst überfälligen Stromrechnungen, nebst Mahngebühren. Und auch die rückständige Miete.

Aber davon wollte ich hier ja eigentlich gar nicht schreiben. Denn das ist das Gute an unsere Situation im Moment, meine Mutter ist qua ihres Verhaltens und das genau zu einer Zeit, in der der Gesundheitszustand eines meiner Kinder bedrohlich war, in meiner persönlichen Prioritätenliste auf den aller-, aller-, allerletzten Platz gerutscht. Ich kann und will mich mit so etwas im Moment nicht beschäftigen.

Was ich eigentlich erzählen wollte: Zu allem Überfluss fiel dann auch noch unsere Spülmaschine aus. Kaputt. Fehler XY. Bis der Kundendienst kam dauert es. Ja, es dauerte auch, weil niemand Zuhause war, sondern bei Ärzten oder in Krankenhäusern. Zugegeben. Aber wie sehr haben wir uns an die kleinen Helfer des Alltags gewöhnt? Ich nenne sie immer meine drei „Hausangestellten“: Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner. Und wenn alle drei morgens oder abends gleichzeitig laufen, dann kann ich mich endlich entspannt zur Ruhe setzen. Auch wenn ich weiß, dass ihr Output am nächsten Tag oder noch am selben verarbeitet werden muss. Denn die Spülmaschine räumt sich leider noch nicht selbst aus. Und den Waschmaschinen-Trockner Vollautomaten gibt es zwar mittlerweile schon. Aber Wäsche zusammenlegen?  Die Funktion gibt es leider noch nicht. – Ich könnte ja jetzt propagieren, dass das auch wenig verwunderlich ist. Denn die Geräte werden ja von Männern konstruiert, und die haben eben den berühmten letzten Schritt, die letzten berühmten 20 Prozent, die ja 80 Prozent des Aufwandes machen, eben mal nicht mit einkalkuliert. –

Nachdem ich nach unserem Spülmaschinenausfall zwei Tage lang kalte Küche bzw. Pizzaservice durchgesetzt hatte, aber wir alle das Essen aus den Pappschachteln nur begrenzt gut fanden, fanden sich zum nächsten großen Essen, wo auch mein Bruder samt Freundin da waren, die Männer abends zum Spülen in der Küche. Das, was so zwischendrin anfiel, hatte ich vorher klaglos einfach gespült. Um mir dann am Sonntag  morgen, als ich aus der Kirche kam, von meinem Mann anhören zu müssen: „Ich habe auch das ganze Frühstücksgeschirr gespült.“ Ja, super, dachte ich, und was mache ich seit drei Tagen… Aber egal. Der Spülevent der Herren zum Wochenende – und wahrscheinlich mein stetes Spülen seit mehreren Tagen – hatten aber zur Folge, dass ab Mittwoch, als ich mit Nadeschda aus dem Krankenhaus kam, bei meinen Kindern ein unglaubliches Umdenken stattfand. Auf einmal sagte Maxim: „Mama, lass mal. Ich mache das. Ich bin jetzt Dein Hausjunge. Ich erledige das.“ Und so spülte er. Und Papa trocknete ab. Kaum einen Tag später wollte Nadeschda natürlich auch mitmachen. „Ich will auch.“, „Lass mich mal!“ So machten nun meine Kinder den Abwasch. Und wurden zu meinen wahren großen Helfern in unserem Haushalt!

Schon seit Monaten diskutieren Richard und ich, wie die Kinder mehr Pflichten im Haus übernehmen können und auch sollen. Viel müssen sie nicht machen. Maxim muss inzwischen seine Wäsche selbst zusammenlegen und wegräumen, und jeden Donnerstag sein Zimmer aufräumen. Nadeschda muss ihr Zimmer aufräumen, aber die Wäsche mache ich noch. Tisch decken und abdecken machen beide gelegentlich. Viel mehr ist es nicht. Passt auch nicht. Denn manchmal denke ich auch, die beiden müssen so viel für die Schule arbeiten, da muss ich mir nicht noch kleine Aufgaben im Haushalt, die eh selten anfallen, wenn sie da sind, für die überlegen. Dennoch kam immer wieder das schlechte Gewissen. Oh, sie werden zu sehr verwöhnt. Wie sollen sie denn jemals alleine in einem Haushalt zurecht kommen? Seit unserem Spülmaschinenausfall weiß ich, alles totaler Blödsinn! Meine Kinder wissen genau, wie es geht, Geschirr zu spülen und sie könnten es auch wegräumen an den richtigen Platz. Und sie wissen aber vor allem, wenn Not am Mann ist, und machen dann einfach! Und das sehr souverän und gut! Das ist das wahre Großartige an dieser Geschichte! Auch wenn unsere Kinder sonst so verschont sind vom lästigen Mithelfen im Haushalt, sie machen es einfach, wenn es darauf ankommt. Von sich aus. Das ist es, was mich nachhaltig begeistert und mir mein Mutterherz erwärmt. Ja, meine kleinen Helfer sind ganz groß, großartig!

P.S. Schade, dass die Spülmaschine dann irgendwann doch repariert war. Ich hätte gerne gewusst, ob die Begeisterung des Spülens noch weiter trägt….

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (107)

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Photo by Ludovic Francois on unsplash.com

Endlich Ferien! Wir haben sie sehr herbeigesehnt, auch wenn sie nicht so werden, wie wir das uns mal überlegt hatten. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit den Kindern wieder in unser Lieblingshaus in den Bergen zu fahren. Aber aufgrund von weiteren Arztterminen mit beiden Kindern wäre das nur schwer möglich gewesen. Und in Anbetracht unsere aktuellen Situation – Nadeschda’s Knoten ist unverändert da, aber er wächst leider wieder langsam; und ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Woche einen OP-Termin bekommen, um sich dem „Ding“ anzunehmen. Maxim’s Kopfschmerzen lassen uns hingegen in Ruhe. Im Moment. – und der notwendigen Termine habe ich dann entschieden, auf diese Reise zu verzichten. Nadeschda hat wieder Kontrolltermine und auf Maxim wartet einmal wieder nach all den Jahren ein EEG. Im Moment ist mir mehr nach Zuhause bleiben, die häusliche und kleine familiäre Hülle ganz eng um meine Kinder zu legen und sie geborgen zu halten. Nach einer wieder einmal arbeitsamen Woche haben wir gestern nach Schulschluss im wahrsten Sinne des Wortes aufgeatmet und uns in unsere „Hülle“ zurückgezogen. Das ist schön und das tut gut. Rückblickend auf die abgelaufenen Woche,  bin ich heute froh und dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. In Krisensituationen, wie wir sie im Moment erleben, da sowohl Maxim’s als auch Nadeschda’s Gesundheit so ungewiss ist, tut mir das Arbeiten an der Schule gut. Die Stunden, die ich vor der Klasse und mit den Kindern meiner Klasse verbringe, ist die einzige Zeit am Tag, in der ich nicht an die gesundheitlichen Sorgen meiner Kinder denke. In dieser Woche hatten wir eine Malstunde, die ganz bezaubernd war. – Ganz entgegen der Vorwarnungen der Klassenlehrerin. – Wir malten unser „Abschiedsbild“ aus der nun zu Ende gehenden „Ackerbau-Epoche“. Nach detaillierter Anleitung malten die Kinder ihre Bilder. Am Schluss ließ ich immer fünf Kinder nach vorne kommen und ihre Werke zeigen – nur die die wollten, was am Ende die deutliche Mehrheit der Klasse war. – Zuvor hatte ich den Kindern gesagt, dass kein Bild kommentiert wird. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, als die Kinder vorne standen und die anderen einfach die Bilder betrachteten. Man fühlte und hörte an der ein oder anderen Stelle die Anspannung oder ein Raunen, jetzt doch etwas zu sagen. Und meist war es ein „Oh, ist das schön!“
  2. Die Kinder meiner Klasse in der Schule überraschten mich am Freitag mit lauter kleinen Blumenspenden. Nachdem wir eine zauberhafte Woche mit viel Arbeit auf dem Feld hinter uns gebracht haben. Daraus entstanden ist ein wunderbarer großer Bauernblumenstrauß entstanden, der nun meinen Esstisch ziert.
  3. Ich bin so dankbar für die vielen Momente mit meinen Kindern!! Vor allem wenn es einer ist, wie gestern: Natürlich kamen wir aus der Schule nach Hause und dann wartete das große Loch. Ich hatte zudem noch „Übfrei“ bis Montag ausgerufen. Doch nach zehn Minuten „Mir ist so langweilig!“ saßen beide Kinder, aus eigenem Antrieb und ohne dass ich ihnen half, am Maltisch und malten mit Wasserfarben.  Und das über eine Stunde. Tief versunken in den Farben….

In den kommenden Tagen werde ich hoffentlich wieder etwas mehr Zeit für diesen Blog haben. Die Themen gehen mir nicht aus….

Doch für den Moment habt erst einmal einen wunderbaren Sonntag und einen guten und wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (106)

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Photo by Jakob Owens on unsplash.com

Seit gut einer Woche hält uns der Alltag mit viel Arbeit, vor allem aber mit vielen Arztbesuchen in Atem. Neben Maxim’s Gespenst, das wir in unserer Ausschlussdiagnostik mit jedem weiteren Arzt- und Therapiebesuch etwas weiter verscheuchen können, hält uns nun auch Nadeschda mit einem Knoten an einer unglücklichen Stelle unter der Achsel in Atem. Unterschiedliche Untersuchungen und Behandlungsversuche haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Nun warten und bangen wir von einem Kontrolltermin zum nächsten, was mich manchmal an den Rand des Erträglichen führt. Zumal wir trotz allem unseren Schulalltag alle gemeinsam weiter meistern müssen. Um so mehr sehnen wir jetzt die Herbstferien herbei, in denen ich mich auch wieder etwas mehr um diesen Blog kümmern kann, um da dann etwas Ruhe und Zeit für uns als Familie ab von Schule, Arbeit und drängenden Terminen zu finden. Um so mehr bin ich im Moment an diesem Sonntag für diese drei Lieblinge der Woche dankbar:

  1. Auch wenn uns die gesundheitlichen Gespenster mit ungeklärten Diagnosen verfolgen, so sind beide Kinder fit und munter, und eigentlich gesund. Sie machen ihre Fortschritte in der Schule, genießen die wenige Zeit Zuhause und machen unseren Alltag mit so vielen Kleinigkeiten ein wenig bunter. Egal ob es die Pfannkuchen sind, die Maxim uns zum Frühstück gestern gebacken hat, oder Nadeschda’s Herzchenbilder, die sie mir nun fast täglich malt.
  2. Anfang der Woche habe ich nun endlich meine Ausbildung abschließen können. Die finale Prüfung und Lehrprobe fanden statt und alles ist gut gelaufen. Die Kinder in der Klasse haben wunderbar mitgemacht und mich quasi durch den Unterricht getragen. Das war ein wahres Geschenk.
  3. Nun zieht der Herbst ein. Gestern haben wir lange im Garten gearbeitet und das Haus ein wenig herbstlich geschmückt. Ich mag diese Jahreszeit ja mit am liebsten. Ich freue mich auf das Kastaniensammeln, unsere Lesenachmittage, wenn draußen Sturm und Regen toben, und so vieles mehr, was der Herbst für uns bereit hält.

Habt noch einen wunderbaren Sonntag und kommt wohlbehalten in die neue Woche!

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Von Tagträumen – Oder Fürsorgearbeit ist nur im wirklichen Leben anstrengend …

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Photo by Marissa Price on unsplash.com

Wenn Richard und unsere Kinder morgens das Haus verlassen haben, um zur Schule zu fahren, dann kehrt endlich Ruhe ein und ich gebe mich manchmal meinen Tagträumen hin:

Während die Kinder längst in der Schule sind, trinke ich mit Genuss in aller Ruhe meinen ersten Kaffee. Der Staubsaugerroboter hat schon längst gesaugt, unser Waschmaschinenvollautomat legt  die zweite Ladung Wäsche, die Richard früh am morgen nachgefüllt hat, inzwischen von selbst in seine vier Körbe, einen für jedes Familienmitglied, zusammen. Es ist wunderbar, dass ich morgens lange schlafen kann, mein Mann sich mit Maxim und Nadeschda sich alleine morgens fertig macht, und ich mich wohlberuhigt einfach wieder umdrehen kann. – Ja, der Elternabend am Tag zuvor war lang und mühselig. – Richard weckt die Kinder, hilft ihnen beim Anziehen, macht die Brotboxen, bereitet das Frühstück vor. Auf leisen Sohlen verlassen dann alle drei das Haus, so dass ich noch ein wenig schlafen kann.

Den Vormittag beginne ich mit meinem täglichen Laufprogramm gekrönt von ein paar Yogaübungen zuhause. Anschließend bereite ich mir mein Soulfood-Müsli und versinke in einer meiner neuesten Buchentdeckungen. Am späten Vormittag habe ich einen Termin bei der Maniküre. Zuhause blättere ich die neuste Frauenzeitschrift durch, überlege was es abends zu Essen geben könnte und telefoniere mit zwei lieben Freundinnen. Maxim und Nadeschda sind bis zum frühen Nachmittag in der Schule. Dort essen sie, und sie haben dann auch schon ihre Hausaufgaben gemacht und das kleine 1 x 1 gelernt, wenn ich sie dann abhole. Scherereien mit der Schule haben wir nicht. Da sind die beiden wunderbar versorgt und sie meistern den Schulstoff ohnehin ganz großartig. Da müssen wir gar nicht Zuhause nachhelfen. Es zahlt sich eben schon aus, dass unsere Kinder auf eine Privatschule gehen.

Ich halte noch ein Schwätzchen mit anderen ebenso wie ich entspannten Müttern auf dem Schulhof, bevor wir dann nach Hause fahren, jeweils einen Freund und Freundin im Gepäck. Dort spielen die Kinder. Alle sehr friedlich und vorbildlich. Es gibt keine Streitereien, die Kinder räumen von selbst alles wieder auf, bevor sie sich einem neuen Spiel zu wenden. Ich sitze wieder im Garten und lese. Wie wunderbar! Meine Gedanken schweifen zu unserem nächsten Urlaub, und ich kann in Ruhe mit dem Reisebüro telefonieren, um die Eckdaten für unsere nächsten Ferien klarzuziehen. Nach den Sommerferien ist vor den Sommerferien…. Da muss man früh dran sein. Meine Mutter kommt überraschend vorbei, freut sich über ihre Enkel und stellt sich in die Küche und kocht ihnen ihr Lieblingsessen für den Abend. Zwischendrin sind die Kinder vom vielen friedlichen Spielen hungrig. Sie freuen sich über die von Omi selbst gebackenen Cupcakes und die von mir höchst persönlich aufgeschnittene Wassermelone und Gummibärchen.

Später am Abend werden Freund und Freundin von ihren Eltern abgeholt. Richard kommt nach Hause und bei einem Abendessen, dass sich wie von selbst auf den Tisch gezaubert hat – genau die Omi war ja da -, sitzen wir zusammen, erzählen, lachen. Zeit spielt keine Rolle. Heute wird es vielleicht ein wenig später, bis Maxim und Nadeschda im Bett sind. Aber das ist auch nicht so schlimm, denn sie kommen ja am nächsten Morgen wieder ohne Probleme aus dem Bett. Oder vielmehr, es braucht mich ja nicht zu interessieren, denn Richard weckt sie ja und macht sie für die Schule fertig….Und in der Schule sind sie dann schon wach und aufnahmebereit.

—— Hat einer von Euch wirklich geglaubt, dass so unser Alltag abläuft? Ich weiß noch nicht einmal, ob das erstrebenswert wäre. Kehrt alles, was ich geschrieben habe, ins Gegenteil um, und dann habt ihr die Realität, die so viele von Euch kennen (oder die ich zum Beispiel hier beschrieben habe). Dann ist jeder Tag ein Ritt, eine große Anstrengung. Das Pensum, was Mütter jeden Tag stemmen, ist gerade bei bedürftigen Kinder, egal in welcher Form, unermesslich. Und es wird Zeit, dass das gesehen wird! Deshalb ist es so wichtig, dass es Frauen wie Claire gibt, die dafür so hart kämpfen, dass Carearbeit endlich sichtbar wird. Und wertgeschätzt wird! Denn wir Mütter sitzen eben nicht den lieben langen Tag im Garten, lesen und lackieren uns die Nägel! Ganz im Gegenteil!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (101)

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Photo by Max Goncharov on unsplash.com

Auch die zweite Schulwoche haben wir gut gemeistert. Immer noch muss sich alles ein wenig einschütteln, aber wir schwingen uns nun recht friedlich und ohne größere Amplitudenausschläge durch unseren Alltag. Gerade bei Maxim merke ich, dass mit dem Beginn der 4. Klasse er noch einmal einen riesigen Schub gemacht hat und nun beginnt selbstständig zu werden. Auch wenn er sich an anderen Stellen doch auch wieder schwer tut. Nadeschda und ihre Klassenkameraden lernen mit jedem Tag nun, dass sie nicht mehr die Kleinsten in der Schule sind und gebärden sich ebenso immer selbstbewusster. Ja, auch für sie ist das ganze nicht leicht, aber sie schlägt sich tapfer. So bin ich an diesem Sonntag vor allem für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Kaum hätte ich es gedacht, dass sich für Maxim und mich auszahlt, dass ich nun unter anderem die Hausaufgaben seiner Klasse in der Nachmittagsbetreuung begleite. Sehr konzentriert und engagiert macht er seine Aufgaben, ist weniger abgelenkt als Zuhause. Und da wir in einem Umfeld mit anderen Kindern sind, gibt das keinen Anlass zu Manövern, in denen er unsere Beziehung testet. Im Gegenteil. Er scheint fast dankbar zu sein, dass ich ihn und seine Freunde nun in der Schule bei den Aufgaben begleite.
  2. Nadeschda entwickelt sich nach ihrem Bruder zur großen Köchin und nimmt das alles ganz genau. So steht sie nun fast jeden Abend bei mir in der Küche, misst mit ihrem Messbecher die Zutaten genauestens ab, mischt Teig und Saucen und kontrolliert emsig den Garzustand unseres Abendessens.
  3. Ganz ehrlich: Nach der Hitze in den vergangenen Wochen, war ich doch sehr dankbar für die Abkühlung und vor allem für den Regen in dieser Woche. Mein Garten litt zunehmend. Ich gehöre zwar nicht zu der Fraktion, die jeden Abend ihren Rasen sprengt, aber gegen Ende der Hitzewelle habe ich dann doch begonnen, den ein oder anderen Baum in unserem Garten auch ordentlich zu wässern, als diese die Blätter hängen ließen. Einen Bambus hatten wir schon verloren, als wir im Urlaub waren und die Gemüseernte viel auch immer magerer aus. Doch lang gehegte Bäume und Büsche wollte ich dann doch nicht verlieren.

Jetzt genießen wir einen entspannten Sonntag bei angenehmen 26 Grad, die noch völlig ausreichen, dass die Kinder schwimmen gehen können. Habt auch Ihr einen wunderbaren Sonntag und kommt gut und wohlbehalten in die neue Woche!