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„Russland entdeckt seine verlassenen Kinder…“

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In der Neue Zürcher Zeitung erschien vorgestern ein für mich höchst interessanter Artikel zu Russlands Reform und Sanierung seiner Kinderheime und Einführen eines Pflegewesens für Waisenkinder, um das Verbot internationaler Adoptionen (zumindest mit einigen Ländern) aufzufangen. Der Artikel „Russland entdeckt seine verlassenen Kinder“ schildert zwar teilweise kritisch die Auswüchse des Pflegefamiliensystems, doch für mich räumt er vor allem mit den Vorurteilen über russische Kinderheime auf. Und er stellt ebenso eine wachsende engagierte Zivilgesellschaft, die viel daran setzt, Russlands Kinder, die aus welchen Gründen auch immer zu Sozialwaisen geworden sind, in ihrer Heimat zu halten und ihnen dort eine Zukunft zu ermöglichen, in den Blickwinkel des Interesses.

In meinen Augen wird hier das bestätigt, was mir schon bei der Adoption unserer Kinder klar war: Für eine Nation, die die Familie und ihre Kinder an erste Stelle stellt, mussten internationale Adoptionen immer einer sozialen Bankrotterklärung gleichkommen. Es erscheint nachvollziehbar, dass es Russland schmerzte, dass diese Nation nicht in der Lage war, für ihre vielen Kinder zu sorgen. Offensichtlich lösten die Russen dieses Dilemma so auf, dass internationale Adoptionen nur dann stattfinden konnten, weil die Kinder auf dem Papier kränker gemacht wurden, als sie tatsächlich sind. Nur so konnte man die Abgabe von Kindern ins Ausland vor dem nationalen Gewissen legitimieren. Doch wünschte sich die russische Seele, eine große heile Familie zu sein und sich um alle ihre Kinder kümmern zu können. Ich empfand es als beruhigend, dass sich nun in Russland Entwicklungen abzeichnen, besser und fürsorglicher für ihre „verlassenen“ Kinder zu sorgen.

Den Hinweis zum NZZ-Artikel fand ich auf dem Blog vom PFAD Bundesverband.

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Herkunft (3) – Wie erklären wir die Adoption unseren Kindern?

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Noch nähern wir uns der Herkunftsfrage sanft und in kleinen Dosen. Noch stellt Maxim nicht die Frage nach dem „Warum?“ Noch zeigt sich seine Wut und Trauer in anderen Kontexten und unbewusst in der Form, dass er auf alles wütend ist, was er jetzt hat und nicht auf das, was er nicht hatte. Doch irgendwann wird er die Frage stellen. Und ich bin noch nicht sicher, ob ich eine passende Antwort parat habe.

Sherrie Eldridge hat vor ein paar Tagen dazu einen spannenden Beitrag veröffentlicht: „How to explain Adoption to your Adopted Child“. Ihr kunstvoller Ansatz, dem Kind zu erklären, dass es in Gottes Herz und aus seiner Liebe entstanden ist, gefällt mir. Zumal er alle Schuldzuweisungen und Wertungen eliminiert. Er kann dem Kind vielleicht das Gefühl nehmen, nicht gewollt gewesen zu sein und weggegeben worden zu sein. Auf der anderen Seite ist für mich diese Vorstellung doch sehr abstrakt. Kann ein Neunjähriger das nachvollziehen und nachempfinden? Dennoch, Maxim beschäftigt sich, nachdem sie die Schöpfungsgeschichte gerade in der Schule behandelt haben, sehr intensiv mit Gott und geht nun auch am Wochenende zu einem Kinderbibeltag. Vielleicht mag die Idee, dass er in Gottes Herz und aus Gottes Liebe entstanden ist, dann es aber in seinem Leben einige schwierige Hürden und Hindernisse gab, bevor er zu uns kam, gerade jetzt genau die „richtige“ Erklärung sein….

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Herkunft reloaded (2): Wie sieht denn meine russische Mutter aus?

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Immer mal wieder spricht Maxim von seiner russischen Mutter. Seine Herkunft beschäftigt ihn nachhaltig. Meist in Situationen, wo es mich im ersten Moment überraschend erwischt. Doch bei genauerer Betrachtung auch wieder nicht. Man könnte davon ausgehen, dass ein Kind so ein wichtiges Thema anspricht, wenn man gemütlich zusammensitzt, liest, oder etwas spielt oder vielleicht zusammen kocht. Doch weit gefehlt. Das würden vielleicht wir Erwachsenen tun. Doch nicht mein Sohn. Klassische Situationen für Gespräche über seine Herkunft und seine Mutter sind für ihn das Duschen oder das abendliche Zähneputzen. Oder wenn er gar auf dem Klo sitzt. Letzteres geht ja noch ganz gut, denn da habe ich zumindest eine Chance, ihn zu verstehen. Unter der Dusche ist es schon eine akustische Herausforderung, und mit der Zahnbürste im Mund ist ein erstes Verständnis nahezu chancenlos. Dennoch, irgendwann habe ich verstanden, dass gerade diese Szenerien im Bad, vor allem, wenn ich Maxim die Haare wasche, wohl mit die intimsten Momente für ihn sind, in denen er sich traut, diese Fragen zu stellen.

So stand er also in der vergangene Woche abends unter der Dusche und ich seifte ihm gerade die Haare ein, als er schaumbedeckt aus dem Nichts ansetzte: „Du, Mama, wie sah sie denn eigentlich aus?“ Ich entgegnete im ersten Moment: „Dusch Dich mal ab. – Wen meinst Du denn?“ „Na, meine russische Mutter. Svetlana.“ Da dies nicht das erste Mal war, dass er ausgerechnet unter der Dusche mir Fragen nach seiner Herkunft stellte, war ich schnell wieder gefasst und zudem vorbereitet. Ich wusste ja, dass nun immer wieder Fragen kommen konnten. „Mmmhh. So genau weiss ich das nicht. Denn wir haben sie nie persönlich kennengelernt. Und ein Foto gab es leider auch nicht.“ Maxim duscht sich den Schaum aus den Haaren und schaut mich erwartungsvoll an. „Aber ich glaube, dass sie auf jeden Fall so wunderbare tief blaue Augen hat, wie Du und Nadeschda. Und sicherlich hat sie so wunderbare hellblonde Haare wie Du. Lang natürlich. Und dann dürfte sie sicherlich ein wenig größer sein als ich. Und…“ Ich mache eine kleine Pause und deute auf Maxims markanten Leberfleck direkt neben seinem Bauchnabel. „Den hat sie mit Sicherheit auch. Denn die Stelle ist ungewöhnlich. Das habt ihr sicherlich gemeinsam.“ Maxim lacht. „Mama, das kitzelt!“ Dann hält er inne, während er bereits begonnen hat, sich Duschgel in die Hand zu drücken, um sich einzuseifen. „Mama, warum haben wir kein Foto von ihr?“ „Im Kinderheim hatten sie kein Foto von Svetlana. Vielleicht gab es auch keins. Denn nicht immer haben Menschen Kameras, um Fotos zu machen. Doch wenn Du magst, können wir ja ein Bild von ihr malen.“ Gedankenverloren schaut Maxim auf das Duschgel in seiner Hand. „Ja, aber nicht jetzt, jetzt muss ich duschen. Und übrigens, den Leberfleck hier am Bein, den hab ich von Papa…“ und zieht fröhlich aber energisch den Duschvorhang zu. (Richard hat einen ähnlichen Leberfleck wie Maxim tatsächlich am Oberschenkel.)

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Herkunft reloaded: Maxim spricht über seine Adoption

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Neulich abends klingelt zu später Stunde das Telefon. Es ist Maxim’s Klassenlehrerin. „Nein, es ist alles in bester Ordnung.“ sagt sie. „Ich wollte Sie nur darüber informieren, dass Maxim nun in der Schule über seine Adoption spricht.“ Das Thema sei damit auch in der Elternschaft angekommen, fährt Maxim’s Klassenlehrerin fort. Denn über die Nachfrage einer Mutter hätte sie erst davon erfahren, dass Maxim nun seine Herkunft benennt. Was genau unser Sohn seinem Klassenkameraden erzählt hat, wissen wir nicht. Müssen wir auch nicht wissen. Werden wir auch nicht nachfragen. Denn entscheidend ist, dass er sich jetzt mit diesem Thema auseinander setzt. Und das ist gut. Das ist wichtig.

Gerade jetzt, wo er in seiner kindlichen Entwicklung mitten im „Rubikon“ steckt, in dem sich das Kind noch einmal anders von seiner Außenwelt abgrenzt und sich neu definiert, seine Herkunft hinterfragt, gesetzte Strukturen und Beziehungen für sich neu definiert. Im „Rubikon“ entwickelt sich beim 9 bis 10-jährigen Kind die zunehmende Fähigkeit zur inneren Distanz. „Das Kind bekommt zu dem, womit es einst so eng verbunden war, ein anderes Verhältnis. Es empfindet unbewusst: Ich bin ein Eigenes, ich bin ein Einzelnes und damit bin ich ein Getrenntes. Das Seelenleben stellt sich auf eine neue Basis. (…) Das 9 – 10 jährige Kind schaut die Autoritäten jetzt durch andere Augen an. Was zuvor eine Einheit war, wird jetzt eine Zweiheit: eine Beziehung zwischen einem Ich und einem Du.“ heißt es dazu in der Literatur. Und an anderer Stelle ist dazu zu lesen: „Mehr als Gefühl tauchen Fragen auf: Mag er mich überhaupt? Mag mich überhaupt jemand? Man fühlt sich einsam und unverstanden. Das Kind braucht Bestätigung und Zuwendung von den nahe stehenden Menschen. Die innere Unsicherheit führt zuweilen dazu, dass man anzweifelt, das Kind seiner Eltern zu sein, man träumt von einer ganz anderen Herkunft, legt sich einen neuen Namen zu.“

Ein paar Tage später hole ich Maxim bei seinem Freund Nikolai ab. Nikolai’s Mutter ist Russin. Bisher weiss sie nichts von der Herkunft unserer Kinder. Glaube ich. Auf der Heimfahrt fragt mich Maxim: „Mama, kannst Du Xenia mal fragen, ob sie mir Russisch beibringen kann?“ – Er hatte den Wunsch im Allgemeinen ja schon einmal geäußert, aber nicht in Verbindung mit einer konkreten Person, geschweige denn so insistierend wie jetzt. – Ich antworte ihm: „Das kann ich gerne machen. Vielleicht wird sie dann aber auch fragen warum. Darf ich ihr das dann sagen?“ Maxim antwortet: “Das weiss sie doch schon längst. Ich habe Nikolai doch schon lange erzählt, dass ich in Russland geboren bin und dass ich zwei Mamas habe.“ Ich bin ein wenig überrascht, vor allem über die Abgeklärtheit und Gelassenheit meines Sohnes. Es scheint, als wäre das alles ganz normal für ihn. Maxim blickt schweigend zum Fenster hinaus. „Wie heißt eigentlich nochmal meine russische Mutter?“ „Svetlana.“ antworte ich. Nach ein paar nachdenklichen Momenten stellt Maxim fest: „Ein schöner Name.“ und schweigt wieder. Zuhause geht er in sein Zimmer und kommt aber nach ein paar Augenblicken wieder zu mir. Er hält einen Zettel in der Hand. „Mama, schau mal, schreibt man so Svetlana? Ich habe es mal aufgeschrieben, damit ich mich besser daran erinnern kann. Und riech mal, ich habe hier etwas Parfüm drauf gesprüht. Vielleicht hat sie ja so gerochen.“ Wir lassen den Augenblick einfach so stehen wie er ist, ohne ihn zu werten, ohne ihn zu kommentieren.

Ich bin dankbar für diesen Moment, der mir zeigt, dass Maxim einen unendlich großen Schritt weiter gegangen ist in den vergangenen Wochen und Monaten. Bisher  hatte er jedes Gespräch um seine russische Mutter schnell beendet mit den Worten „Die ist doch im Himmel, Mama.“ Mehr wollte er nicht hören, konnte er nicht ertragen. Nun geht er den nächsten Schritt der Annäherung. Es ist vielleicht an der Zeit, mit ihm sich der ganzen Geschichte seiner Herkunft anzunehmen. Stück für Stück und immer so viel, wie er zulässt und verträgt.

Ich kann nur hoffen, dass er in der Schule keinen Anfeindungen ausgesetzt wird, dass dieses zarte Pflänzlein, was da nun wächst, nicht wieder zertrampelt wird. Als unsere Kinder begannen, auf diese Schule zu gehen, hatten wir uns bewusst entschlossen, nicht überall die Adoptionsgeschichte zu erzählen. Denn, wie ich ja hier  schon einmal geschrieben habe, ist das soziale Umfeld schnell mit der Tatsache der Adoption überfordert. Zudem wollten wir es Maxim und Nadeschda überlassen, wem sie wie viel von ihrer Herkunft erzählen. Denn es ist in erster Linie ihre Lebensgeschichte. Nun hat Maxim für sich entschieden, über seine Herkunft zu sprechen. Es ist beruhigend, wie normal das für ihn zu sein scheint. Es gibt eben Kinder, die sind in Deutschland in einem Krankenhaus auf die Welt gekommen und leben noch immer bei der Mutter, die sie geboren hat. Und genauso gibt es eben Kinder, die sind adoptiert. Wo ist da also das Problem? Ich wünsche ihm so sehr, dass er sich diese Haltung bewahren kann.

Doch genauso wie wir nun Zuhause die Geschichte seiner Herkunft hegen und pflegen werden, muss ich wahrscheinlich Maxim nun genauso stärken, um mit bestimmten Kommentaren, Fragen oder Anfeindungen umzugehen. Wieder einmal hat Sherrie Eldridge dazu eine schönen und vor allem hilfreichen Post veröffentlicht: „PREPARING YOUR ADOPTED OR FOSTER CHILD FOR SCHOOL BULLIES“ Neben dem Spiel mit den Steinen fand ich die folgenden vier Aspekte sehr hilfreich, um sich gegen Anfeindungen zu wehren:

  1. Geht weg! Dreh dem Fragenden einfach den Rücken zu und gehe weg.
  2. Einfach antworten: „Weißt Du was, das ist sehr privat.“
  3. Die Erfahrung der Adoption teilen und gucken, wie der Gegenüber reagiert. Wenn er verletzend wird, greift wieder Option 1.
  4. Mit Fakten über Vorurteile von Adoptionen aufklären und den anderen somit Mundtot machen. Wenn der gegenüber weiter verletzende Fragen stellt, greift auch hier Option 1.

Am Ende bin ich mir aber gewiss, dass mein Sohn ohnehin in den vergangenen Wochen so stark und selbstbewusst geworden ist, dass er auch hier wieder einmal seinen Weg gehen wird. Unbeirrt, tapfer, mutig und selbstbestimmt!

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Biografiearbeit – Über disharmonische Familienkonstellationen

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Neulich sprach ich mit einer bekannten Adoptivmutter über „Biografiearbeit“ mit unseren Adoptivkindern. Unsere Kinder werden älter und größer, und das Thema der Herkunft spielt immer öfter eine Rolle. Meistens im Alter zwischen acht und zehn Jahren, wenn der nächstes Identitätsschub kommt und eine stärkere Abgrenzung im Kind vom eigenen Ich zur äußeren Umwelt sich entwicklet, stellt sich das Kind die Frage nach der biologischen Familie und dem, was wirklich Familie ist. Darauf müssen Adoptivfamilien vorbereitet sein. Dabei geht es nicht nur darum, dass wir Geld sparen für einen Flug und eine Reise in das Herkunftsland unserer Kinder, sondern dass wir Antworten auf ihre Fragen haben.

Wer ist meine leibliche Mutter? Warum hat sie mich abgegeben? Warum bin ich nicht aus Deinem Bauch gekommen? Wo lebt sie heute? Lebt sie überhaupt noch? Wie war mein Leben im Kinderheim? Warum habt gerade Ihr mich adoptiert? – Das könnten mögliche Fragen sein. Es geht aber auch darum, welches Bild von „Familie“ wir unseren Kindern transportieren. Dass das Entstehen unserer Familie eine andere war, als bei vielen Familien, die sich im sozialen Umfeld meiner Kinder bewegen, ist die eine Geschichte. Doch wie sieht ihre Familie nun heute aus? Die Mischung aus ihrer biologischen und ihrer sozialen Familie, in der aber auch nicht alles Eitelsonnenschein ist und wenig mit dem Klischee der harmonischen „Rama“- Familie zu tun hat. Das Gespräch mit der Bekannten ließ mich nachdenken. Denn, wenn ich meine Kinder begleiten möchte, einen gesunden Umgang mit ihrer Herkunftsgeschichte und heutigen Familie zu finden, so muss ich selbst noch einmal in meine eigene Biografie zurückgehen und einen Umgang mit meiner eigenen Familie und dem, was daraus für meine Kinder wird, finden.

Wenn Maxim über seine Familie spricht, dann hat diese fünf Mitglieder: Er, Nadeschda, Mama, Papa und Onkel Daniel. Der russische Teil seiner Herkunftsfamilie spielt für ihn im Alltag (noch) keine dominante Rolle. Es sind eher im Moment seine kulturellen Wurzeln , die ihn interessieren. Seine russische Mutter ist in seiner momentanen Wahrnehmung gestorben, sie lebt für ihn im Himmel. Alles andere schiebt er noch ganz weit von sich, ganz zu Schweigen von der Frage, ob wir seine russische Mutter irgendwann einmal suchen werden. Sicherlich würde ich mich mit Maxim, wenn er alt genug ist, auf diese Suche machen. Ich für meinen Teil habe inzwischen eine klare Haltung gegenüber der russischen Mutter und sehe dem – zumindest im Moment – gelassen entgegen. Spannend ist hingegen die Frage nach den Geschwistern, die Maxim und Nadeschda noch in Russland haben. Sollen wir diese jetzt schon suchen? Dank Internet und sozialen Medien dürfte dies nicht schwierig sein. Und ich kenne immer mehr Adoptivfamilien, die beginnen, Kontakte zu den leiblichen Geschwistern zu knüpfen. Doch Maxim und Nadeschda haben noch nicht einmal realisiert, dass sie tatsächlich noch zwei Geschwister in Russland haben. Diese weitere Familie findet nicht statt.

Vielleicht – und hier komme ich dann zu der Auseinandersetzung mit meiner eigenen Biografie – findet bei meinen Kindern diese „erweiterte Familie“ nicht statt, weil sie bei Richard und bei mir auch nicht stattfindet. Denn auch unsere biologischen Herkunftsfamilien sind so viel größer als der harte Kern, den Maxim als seine Familie wahrnimmt. Schon allein, dass im Grunde zu unserer Familie auch noch eine Omi – meine Mutter, die sich immer seltener blicken lässt -, gehört, ist ihm nicht bewusst. Bei näherer Betrachtung kaum verwunderlich, wenn ich mir mein eigenes gespaltenes Verhältnis zu ihr ansehe. Unsere Familie war aber mal viel größer. Oder sollte ich sagen, sie könnte so viel größer sein, würden nicht Neid und Missgunst auf der einen Seite regieren, und ein Mangel an sozialer Empathie auf der anderen Seite herrschen. Denn zu meiner Stiefmutter und meinen Halbgeschwistern habe ich keinen Kontakt mehr. Nachdem wir uns in der Auseinandersetzung um das Erbe meines Vaters endgültig zerfleischt haben, ist jegliche Basis für einen weiteren Kontakt geschwunden. Vielleicht war es aber auch nur, dass wir ohnehin nie eine gemeinsame Basis hatten, und der Kontaktabbruch nur die logische Konsequenz war, als mein Vater nicht mehr als Bindeglied da war. Nur weil wir ein paar Gene mit einander teilen, müssen wir nicht befreundet sein. Jedoch entbehren meine Kinder damit ein paar weitere Onkels und Tanten. Ähnlich auf Richards Seite der Familie: Auch zu seinem Bruder und dessen Familie gibt es keinen Kontakt mehr. Auch hier trennten sich die Wege gänzlich, nachdem meine Schwiegermutter gestorben war. So haben meine Kinder Cousins und Cousinen, von deren Existenz sie nichts wissen.

Manchmal finde ich das schade. Wir werden irgendwann für die Schule mit unseren Kindern einen Stammbaum malen müssen, in dem es viele leere und unbekannte Stellen gibt. Auf der einen Seite macht mich das traurig, denn immer noch trauere ich dem bunten harmonischen Familienbild aus der Margarine-Werbung nach. Doch auf der anderen Seite weiss ich, dass dieses harmonische Familienbild ein Mythos ist. So würde es bei uns nie sein. Wie gesagt, gemeinsame Gene sind nicht die Garantie für ein friedliches und freundschaftliches Miteinander. Muss ich also meinen Kindern diesen Zwang antun? Nein. Dennoch bleibt die Frage, ob ich ihnen nicht den Weg offenhalten kann, ihre spätere Familie so für sich zu definieren, wie sie es für richtig halten und für sich brauchen werden. Dies gilt sowohl für ihre russische Familie als auch für ihre deutsche Familie.

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Die andere Seite der Herkunft – Über meine drei Mütter

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In Summe habe ich drei Mütter: Eine biologische Mutter, eine Stiefmutter und eine amerikanische „Ersatzmutter“. Alle drei haben in mir Spuren hinterlassen. Wie sehr sie mich geprägt und beeinflusst haben, das habe ich erst vollständig realisiert, seitdem ich selbst Mutter bin. Dass ich mit Leib und Seele Mutter bin, und dabei es manchmal auch übertreibe und „Helikoptermutter aus Überzeugung“ bin, mag nicht nur mit der Lebensgeschichte meiner Kinder und den Bedürfnissen, die sich daraus ergeben, zu tun haben, sondern auch in den Vorbildern, die ich in meiner Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenalter erleben durfte, begründet sein.

Katja von homeiswheretheboysare hat im vergangenen Jahr einen bewegenden Post zu „Regretting Motherhood“  geschrieben. Immer wieder waberte ein darauf bezogener Post durch meinen Kopf. Dann verwarf ich ihn wieder. Doch nachdem Sylvi von momsfavoritesandmore sich dem Thema in einer wunderbaren Weise angenommen hat (und dabei tatsächlich eine Frau, die ihre Mutterschaft bereut, für ein Interview gefunden hat), nehme ich diesen Ball noch einmal auf. Diesmal als Betroffene, als Kind, das von zwei Frauen ins Leben begleitet wurde, die meiner Meinung nach ihre Mutterschaften immer bereut haben, und das dann in der späten Jugend das Glück hatte, noch einmal eine Mutter zu erleben, die ihre Mutterrolle angenommen hat.

Meine Mutter ist ein schwieriger Charakter. Neben vielen Persönlichkeitsbezogenen Schwierigkeiten, bin ich davon überzeugt, dass auch sie zu den Müttern gehört, die ihre Mutterschaft bereuen. Nicht umsonst sprach mir Katjas Beitrag zu „Regretting Motherhood“, vor allem ihre Aspekte zur Traumarisierung der Kinder, so aus der Seele. Nicht nur wegen meiner eigenen Kinder. – Meine Kinder wurden von einer Frau geboren, die zumindest nicht Mutter sein konnte. Sonst hätte sie Maxim und Nadeschda nicht abgegeben. Meine Kinder haben diese Erfahrung gemacht, abgegeben zu werden, aus welchen Gründen auch immer. Noch immer fällt es mir schwer, der Geschichte zu glauben, dass sie ihre Kinder aus Liebe abgegeben hat. Ja, vielleicht auch. Doch vielmehr war es eine Notwendigkeit aus den Umständen heraus. Dennoch bleibt bei den Kindern das Gefühl zurück, nicht gewollt zu sein, egal wie. Noch immer hallt des Nicht-gewollt sein. – Nein, auch ich bin sicherlich nicht aus tiefstem Herzen gewollt gewesen. Ihr ganzes Leben lang hat meine Mutter meinen Vater und meinen Bruder und mich für ihr Unglück und ihr „verfuschtes“ Leben verantwortlich gemacht. Sie hat damals Kinder bekommen, weil man das eben so machte, weil es dazu gehörte, weil es von einer Frau erwartet wurde. Die Frage nach einem anderen Weg stellte sich gar nicht. Geschweige denn, dass meine Mutter den Mut dazu gehabt hätte. Verantwortung zu übernehmen gehört bis heute nicht zu ihren Stärken. Sicherlich bemühte sie sich mehr recht als schlecht, uns Kinder zu versorgen, aber maßgeblich war mein Elternhaus von emotionaler Kälte und Desinteresse dominiert. Wir Kinder hatten zu funktionieren, unsere Leistung zu bringen und uns einzufügen, in die Regeln und gesellschaftlichen Konventionen, die herrschten. Empathie, Wärme und Fürsorge aus einem mütterlichen Grundbedürfnis heraus gab es nicht. Auch heute sucht sie nur gelegentlich den Kontakt zu ihren Enkeln. Und auch das wiederum nur, weil man das so von ihr erwartet. Ein wirkliches Interesse und das Bemühen sich mit ihren Enkeln ernsthaft auseinanderzusetzen hat sie nicht. Es hat mich Jahre der Therapie gekostet, alte Glaubenssätze, die vor allem meine Mutter mir mit ins Lebensbuch geschrieben hat, abzulegen und mit neuen zu ersetzen. Und erst in der Konfrontation mit ihrem Verhalten gegenüber meinen eigenen Kindern habe ich gelernt, loszulassen. Lange habe ich noch geglaubt, es wäre auch wieder meine Verantwortung, dass meine Mutter ein gutes Verhältnis zu ihren Enkeln hat. Ist es aber nicht. Es ist allein ihre Verantwortung.

Wie wenig sie das Bild einer Mutter erfüllt, führte mir mein Sohn vor Augen. Da war Maxim fünf. Wieder einmal war meine Mutter zu Besuch bei uns gewesen, der mehr oder weniger angespannt verlief. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich mich auch mit ihr wieder gestritten habe und laut wurde. Abends blickte ich mit Maxim und Nadeschda auf den Tag zurück. Selbstkritisch muss ich so etwas gesagt haben wie: „Ja, es war nicht gut, dass ich die Omi angebrüllt habe, denn sie ist ja meine Mutter.“ Mein Sohn blickte mich irritiert an und antwortete: “Wie, die Omi ist Deine Mama?? Sie ist gar nicht so wie eine Mama.“

Die Geschichte zu meiner Stiefmutter ist schnell erzählt. Bösartig kann ich sagen, dass mein Vater in dem Moment sich von meiner Mutter trennte, als er jemanden neues, junges gefunden hatte, der ihm seine Hemden bügelte. Nach mehr als zwanzig Jahren Ehe verließ er seine erste Frau und begann eine neue Beziehung. Meine Stiefmutter griff zu dem Mittel, dass vielen Frauen seit Jahrhunderten benutzen, um einen Mann vermeintlich langfristig an sich zu binden: Sie wurde schnell schwanger. Das nicht nur einmal, sondern gleich dreimal. Ihre eigenen Kinder mussten genauso nur gesellschaftliche Konventionen erfüllen. Empathie und Fürsorge vermisste ich als beteiligter Betrachter. Mein Bruder und ich, als ihre Stiefkinder, waren nur lästiges Beiwerk. Oder gar Konkurrenz. Zum Glück war ich da schon so alt, dass ich nicht mehr Zuhause lebte. Doch Besuche bei meinem Vater waren eine Qual. Die Anwesenheit dieser Frau bereitete mir physische Schmerzen.

Ich hatte das große Glück, als Jugendliche in den USA für einige Zeit bei einer Familie zu leben, die mich annahm wie ihre eigene Tochter. Wäre ich damals nicht schon zu alt gewesen, hätten meine Gastmutter und mein Gastvater mich sicherlich adoptiert. Richard fasst es immer so schön zusammen: „Ich habe drei Schwiegermütter. Und die, die am weitesten weg lebt, ist mir eigentlich die liebste.“ In der Zeit bei ihnen begegnete mir auf einmal wirkliches Interesse an mir und meinem Leben, Empathie und Fürsorge. Die Sicherheit und Geborgenheit eines „Zuhauses“. Meine Gastmutter kümmerte sich mit mir um die Schule, sie fuhr mich zu Freunden, sie nähte mir ein Kleid für den Abschlussball, sie ergriff Partei für mich, als ich Schwierigkeiten mit der Austauschorganisation hatte, sie hatte immer ein offenes Ohr für meine Sorgen und genauso Freuden in meinem amerikanischen Alltag. Ich erinnere mich, wie ich einmal viel zu spät nachts nach Hause kam. Sie saß auf der Treppe und wartete auf mich. Natürlich war sie sauer. Aber nicht weil ich mich nicht an die Regeln gehalten hatte, sondern weil sie sich Sorgen gemacht hatte. Ich bekam eine Woche Stubenarrest. Doch als ich zu einem Date eingeladen wurde, lockerte sie den Stubenarrest für diesen einen Tag. – Seit meiner Zeit dort hielten wir den Kontakt aufrecht und immer wieder bin ich in regelmäßigen Abständen zu meiner amerikanischen Familie für mehrere Wochen oder Monate zurückgekehrt. Heute verbringen wir meist einen Familienurlaub im Jahr zusammen. Dort habe ich ein Stück „Zuhause“ gefunden. Weniger aus der Heimatverbundenheit zu diesem Ort, sondern vielmehr, weil ich dort gelernt habe, was es heißt: “Du wirst geliebt für das, was Du bist und nicht für das, was Du tust.“

Ich hoffe, dass ich meinen eigenen Kindern genau das mitgeben kann. Ich als ihre Mutter liebe sie für die Persönlichkeiten, für die Menschen, die sie sind – so wunderbar, tapfer, mutig und einzigartig. Eines werde ich in meinem Leben nicht bereuen: Die Mutter von Maxim und Nadeschda sein zu dürfen. Ich bin dankbar, dass das Schicksal mir diese zwei Kinder gebracht hat, ja geschenkt hat! Selbst wenn das Leben mit ihnen viele Herausforderungen bereit hält, die ich nicht erwartet hätte, und es durchaus auch Momente gab, in denen ich gedacht habe, dass es leichter wäre, so bin ich dankbar für all das, was mich meine Kinder gelehrt haben, und was sie mich sicherlich noch lehren werden. Letztlich haben sie mir auch geholfen, mein eigenes Trauma des Nicht-gewollt-seins, zu überwinden. Sie haben mir den Weg zu einem eigenen Muttersein gewiesen und die verletzende Vergangenheit da zu lassen, wo sie hingehört, in die Vergangenheit.

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Von Herkunft und Heimat (3) – Wurzelsuche bei Adoptivkindern

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In Vorbereitung auf ein Seminar mit Adoptivfamilien sagte eine Bekannte zu mir neulich: „Schauen Sie doch als Einführung einen Film.“ Ich zögerte und entgegnete: „An welchen haben Sie denn gedacht?“ „Lion! – Er zeigt sehr schön, wie unterschiedlich Adoptierte auf ihre Wurzelsuche reagieren. Der eine ist von vorne herein „problematisch“, negiert dann aber die Suche nach seiner Herkunft. Den anderen, überaus angepasst, erwischt seine Wurzelsuche mit voller Vehemenz und schickt ihn auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Man steckt nicht drin, was die Wurzelsuche mit adoptierten Kindern einmal macht. Und darauf müssen Adoptiveltern vorbereitet sein.“

Noch einmal zur Erinnerung: Basierend auf einer wahren Begebenheit, erzählt „Lion“ von der Suche nach dem Geburtsort und der Mutter des indischen Jungen Saroo. Chronologisch erzählt der Film seine Geschichte. Der fünfjährige Saroo versucht gemeinsam mit seinem älteren Bruder Guddu, die alleinerziehende Mutter nach Kräften zu unterstützen. Eines Abends bleibt der kleine Junge bei der Nachtarbeit jedoch schlafend am Bahnhof zurück – und steigt später in einen Zug, mit dem er ungewollt in die 1600 Kilometer entfernte Metropole Kalkutta fährt. Nach einer von Bedrohungen begleiteten Zeit auf der Straße landet Saroo in einem Waisenhaus. Da er weder die korrekte Bezeichnung seiner Heimatstadt noch den richtigen Namen seiner Mutter nennen kann, wird er zur Adoption freigegeben – und kommt so nach Tasmanien zu dem fürsorglichen Ehepaar Sue und John Brierley, welches bald darauf noch ein weiteres Kind aus Indien adoptiert, den schwer traumatisierten Mantosh. Zwei Dekaden später zieht Saroo nach Melbourne, wo er Hotel-Management studiert. Auf einer Studentenparty entdeckt er die indische Süßigkeit Jalebi, die ihn unmittelbar in seine verdrängte Kindheit zurück katapultiert. Als Saroo seiner neuen Clique von seiner Vergangenheit berichtet, ermutigen ihn seine Freunde, mit Hilfe von Google Earth sich auf die Suche zu begeben. So fängt er an, Berechnungen über seine damalige Zugfahrt anzustellen und seinen einstigen Wohnort zu suchen. Nach Jahren der Recherche findet er tatsächlich seinen Geburtsort und reist dorthin, um seine leibliche Mutter zu suchen und zu finden.

Ich habe den Film gesehen und bin gerade in den letzten Zügen des Buches, auf dem der Film basiert. Beides hat mich auf der einen Seite sehr mitgenommen und auf der anderen Seite sehr berührt. Auch wenn Saroos Geschichte wenig mit der meiner eigenen Kinder zu tun hat. Gemeinsam ist ihnen lediglich die Erfahrung der Adoption. Und Indien als Herkunftsland macht Saroos Lebensgeschichte auch noch einmal anders besonders, wie wir ja auch in der Dokumentation „Die Reise meines Lebens – Ruby sucht nach ihrer Mutter“  sehen konnten.

Dennoch, die Szenen, in denen der kleine Saroo nach seiner Mutter sucht und nach ihr fragt, er sie schmerzlich vermisst, während er schutzlos durch Kalkutta irrt, zerreissen einem das Herz. Zumal ich nachempfinden kann, dass es meinen eigenen Kindern in gewisser Weise auch so ergangen sein muss. Wie oft werden sie irgendwie nach ihrer russischen Mutter gerufen haben, als sie im Krankenhaus und später im Kinderheim waren. Werden diese Bilder irgendwann einmal wieder in ihnen hochkommen. Werden sie genauso von Flashbacks heimgeholt, die sie an ihre ersten Lebensjahre oder -monate erinnern? Wie werden sie dann damit umgehen? Wollen sie überhaupt damit umgehen? In der Therapie, die beide gemacht haben, kamen an der ein oder anderen Stelle im Unterbewussten bereits Erinnerungen hoch, ohne dass die Kinder sie kognitiv zuordnen konnten. Aber beide haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Herausnahme aus der Familie nachgestellt. Bewusst schieben sie alles andere weg. Auch wenn Maxim von seiner russischen Mutter spricht, so hat er keine konkreten Erinnerungen. Oder er will sich selbst mit diesen nicht konfrontieren, wie in der letzten Woche schon hier  geschrieben.

Im Gegensatz zu Saroo wissen wir, woher unsere Kinder kommen. Wir haben einen Geburtsort und wir haben die Namen der Eltern. Werden Maxim und Nadeschda sich irgendwann auf die Suche ihrer Wurzeln begeben wollen, beginnen sie nicht bei Null. Sie müssen sich nicht auf nebulöse Erinnerungen verlassen und versuchen diese faktisch zu rekonstruieren. Das würde es ein wenig leichter machen, auch wenn das logistische Abenteurer einer Spurensuche in Russland bleibt. Ob unsere beiden Kinder das überhaupt wollen, steht auf einem anderen Blatt. Das wird die Zeit zeigen. Wir als ihre Adoptiveltern können ihnen dann nur helfen und ihnen zur Seite stehen, ihnen frühzeitig zeigen, dass wir auch bei der Wurzelsuche für sie da sind und sie unterstützen, wo es nur geht.

Doch, das hat der Film auch sehr schön gezeigt, auf die Suche machen sich adoptierte Kinder dann oft alleine, ohne ihre Adoptiveltern. Es fällt ihnen schwer, diese mit einzubeziehen. Nicht, weil vorher die Adoption tabuisiert wurde – das war in der Vergangenheit einmal -, sondern weil sie ihre Adoptiveltern nicht verletzen wollen. Noch liegt die Wurzelsuche meiner Kinder in weiter Ferne, doch sie wird kommen, dessen bin ich mir gewiss. Wie sie sich gestaltet, werden wir sehen. Der emotionalen Herausforderung, vor allem für Nadeschda und Maxim, bin ich mir bewusst. Mögen meine Kinder bis dahin seelisch so stark sein, dass sie für diese Reise gewappnet sind.