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Von der Wut – Immer wieder montags…

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Photo by Patrick Fore on unsplash.com

Montage sind immer schwierig. Zum einen weil wir wieder den Übergang vom Wochenende in den Schulalltag haben. – Auch wenn wir zu den Eltern gehören, die am Sonntag ihre Kinder durchaus rechtzeitig ins Bett bringen können. – Dennoch, Montage sind anstrengend, es braucht einfach, um wieder in der Schule anzukommen. Da die Euphorie, die sich oft nach den längeren Ferien einstellt, fehlt, fällt es eben montags schwieriger. Das hat etwas mit der fehlende Fähigkeit mit Veränderungen umgehen zu können zu tun. Da sind Phasenwechsel schwierig. Immer noch und nach wie vor. Wenn dann auch noch die montägliche Routine nicht eingehalten wird, dann kommt es wieder, mein kleiner Freund (bzw. manchmal auch mit zusammengebissenen Zähnen geduldeter), das Wutmonster.

Als ich mittags beide Kinder an der Schule abholen will, trödelt Maxim noch eine Weile herum. Bei ihm zeichnen sich Montage durch äußerst schlechte und müde Laune, aber vor allem durch eine ungeahnte Laaaaangsaaaaaamkeit aus. Nadeschda wartete schon auf dem Schulhof, und platzte in einer selten dagewesenen Form. Zumindest an der Schule! Lautstark brüllte sie ihren Bruder an, beschimpfte ihn wenig Mädchenlike, rempelte ihn sogar an. Dass Maxim sich das nicht gefallen ließ, und erst zurückbrüllte, um dann einfach mal kurz die Faust zu zücken, konnte ich ja fast verstehen. Meine Hortkollegin schaute ganz überrascht: “Ist Deine Tochter öfter so?“ Was auch immer sie mit der Frage bezwecken wollte, klar war, dass Nadeschda diese Wut wohl selten in der Schule zeigte, um so mehr aber zuhause. – Das Wutmonster kommt zwar immer seltener mit seiner ganzen Wucht, es ist über die Jahre ein wenig milder geworden, und meine Tochter wie auch mein Sohn haben Möglichkeiten entwickelt, sich mit ihm zurückzuziehen und es zu besänftigen. Mit einem kritischen Blick auf meine Kinder wünschte mir die Kollegin noch einen schönen Nachmittag. Ich war nur heilfroh, dass ich Maxims Judotraining ohnehin schon abgesagt hatte, da er sich am Sonntag Nachmittag einmal wieder das Knie geprellt hatte. So hatten wir zumindest einen Nachmittag ohne Zeitdruck und in Ruhe Zuhause vor uns. 

Nun ja, Ruhe stellte sich kaum ein. Über Stunden hatte ich das Gefühl einen kleinen brodelnden Vulkan um nicht herum zu haben. Egal, was Maxim oder ich taten oder sagten, alles war Mist, alles war falsch, alles machte man ja eigentlich anders, manchmal wurden wir beide übelst beschimpft, Türen wurden geknallt, es flogen ein paar Gegenstände durch die Gegend. Nadeschda wollte sich nicht beruhigen. Auf gar keinen Fall! Irgendwann bekam ich wenigsten heraus, dass die Klasse an dem Tag nicht in den Wald gegangen war, wie sonst üblich. Es hatte sich wohl kein begleitendes Elternteil  eingetragen und gefunden. Und so blieb die Klasse eben in der Schule. „Du musst Dich gefälligst für die Waldtage eintragen!“ brüllte mir meine Tochter ins Gesicht! Ah! Ja, hier hatten wir sie, die Unplanmäßigkeiten an einem Montag! Davon muss es noch ein paar mehr gegeben haben, die meine Tochter dann vollends aus dem Konzept brachten. Wenn schon Montag und Übergang in eine wieder andere Routine, dann doch aber bitte immer dieselbe. Ihre Wut war einmal wieder mehr der verzweifelte Versuch, Kontrolle über ihr kleines Leben zu bekommen, die Sicherheit und die Struktur zu finden, die sie unbedingt brauchte. Dass es diesmal aber zu so vehementen Reaktionen kam, wunderte mich dennoch. 

Erst am Abend stellte sich heraus, dass tatsächlich noch etwas deutlich „Schlimmeres“ in den Augen meiner Tochter passiert war: Es musste in der Zeit, als sie eigentlich im Wald gewesen wären, noch einen Vorfall gegeben haben, den Nadeschda aber nicht mitbekommen hatte. Was sie aber mitbekam, war, dass die Klassenlehrerin für eine ganze lange Weile den Klassenraum einfach verließ, wohl mit den Worten: „Ich muss jetzt hier mal raus.“. Keines der Kinder wusste, wo sie war, trauten sich aber auch nicht, sie zu suchen. „Wir saßen da ganz still und brav, Mama.“ erzählte mir meine Tochter. Erst nach einer ganzen Weile kam Nadeschdas alte Klassenlehrerin aus der Vorklasse und kümmerte sich um die Kinder. 

Es ist unerheblich, ob die Lehrerin so etwas darf, was vorgefallen war und was dazu geführt hatte. Einzig zählte, dass dieses plötzliche Verlassen der Klasse ohne eine Erklärung bei meiner Tochter wahrscheinlich schlimmste unbewusste Erinnerungen und Gefühle berührt hat. Im Fachjargon würde man davon sprechen, dass dies einer der berühmten Trigger ist, der das abgespaltene Trauma wieder wachruft. Und genauso hat sie sich verhalten. Nicht in der Schule, da hat sie sich nicht getraut. Aber allein meine und Maxims Präsenz auf dem Schulhof und die Klarheit, dass wir drei nun zusammen zum Auto gehen, wir drei als familiäre und vertraute Einheit, hat die Energie in meiner Tochter freigesetzt, ihrem Überlebensmuster der Wut, das sie genauso beherrscht wie das des Charmes, freien Lauf zu lassen. Wie stark sie die Situation an der Schule und in der Klasse mitgenommen hat, kann ich nur an der Intensität ihrer Reaktionen an diesem Nachmittag erahnen. Dass es nun auch noch Montag war, hat die Sache nicht besser gemacht. 

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (133)

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Photo by Tim Gouw on unsplash.com

Der Frühling hält Einzug, wir haben die Uhr auf Sommerzeit gestellt, das vermeidlich neue Jahr ist nun schon drei Monate alt. Die Zeit schreitet unaufhaltsam voran. Ich muss manchmal an mich halten, nicht in innere Hektik und Unruhe zu verfallen, weil meine To Do Listen nicht kleiner werden, weil die Sorge hochkommt, doch nicht alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe. Nicht immer von einem Punkt auf der Agenda zum nächsten zu hetzten. Ich muss noch besser lernen mich abzugrenzen. In manchen Dingen gelingt mir das, in anderen nicht immer. Prioritäten setzen, entscheiden, was wirklich wichtig ist. Auch mal „Nein!“ sagen. Auch mal öfter „Nein!“ sagen. Nicht immer für alles die Verantwortung zu übernehmen. So bin ich heute für diese drei Sonntagslieblinge dankbar, wo ich „Nein“ gesagt habe:

  1. In der Schule höre ich mit den Osterferien im Hort auf zu arbeiten, ich werde mehr Unterrichtsstunden übernehmen und muss mich auf meine neue Klasse vorbereiten. Eine Nachfolge haben sie für mich immer noch nicht gefunden. Erst wollte die Schulleitung ein Konzept haben, wie der Hort sich nun zukünftig aufstellt. Lange war ich versucht, es zuschreiben. Doch dann erinnerte ich mich, dass es nicht meine Verantwortung und Aufgabe ist. Das muss meine Kollegin machen (die am Rande bemerkt auch dafür bezahlt wird) und nicht ich. Nur meckern geht eben nicht…
  2. Auch im Elternbeirat habe ich meine Aufgaben niedergelegt. Ich könnte sie zwar beibehalten, aber natürlich käme ich dann zunehmend in Rollenkonflikte. Und auch hier muss ich mich nicht müde machen, die Eltern davon zu überzeugen, dass sie über den Elternbeirat Einfluss an der Schule geltend machen können. Auch hier, nicht nur auf dem Schulparkplatz meckern, sondern mal machen…
  3. Und mit Blick auf Maxim’s Therapieversuche gegen seine Kopfschmerzen habe ich nach der Erkenntnis vor ein paar Wochen eine Therapie endgültig abgesagt, nachdem ich ja schon die ganze Zeit spürte, dass das nichts bringt. Ich fühlte mich erleichtert, ein wenig befreit und freute mich mit meinem Sohn über einen freien Nachmittag.

Habt einen wunderbaren Frühlingssonntag, hoffentlich, und einen ausgeruhten Start in die neue Woche.

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„Wie schmeckt Euch eigentlich die Plastiktüte?“

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Photo by Eddie Howell on unsplash.com

Maxim engagiert sich mit großem Elan in einem Umweltprojekt, das seine Klasse initiiert hat. Entstanden ist es aus einzelnen kleinen Projekten, die die Schüler selbst erarbeiten sollten. Nun ist die ganze Klasse in Bewegung und macht an allen Stellen über den zunehmenden Plastikmüll aufmerksam. Auch bei uns zuhause zeigt das Projekt erste Wirkung: Wir benutzen kein Duschgel mehr aus Plastikverpackungen sondern Seife, wir kaufen nur noch Obst und Gemüse, das nicht mehr in Plastik verpackt ist, Jogurt und Milch gibt es nun nur noch aus dem Glas, oder wenn es nicht anders geht, dann nehmen wir die Jogurtbecher, von denen wir wissen, dass sie in der Schulküche wiederverwendet werden als Aufbewahrungsboxen. Wir versuchen nun bewusst, wo es geht, unnützen Plastik im Alltag zu vermeiden. Im Büro meines Bruders haben sie aufgrund von Maxim’s Impuls Porzellan-Suppenschalen angeschafft, mit denen nun in der benachbarten Suppenküche mittags das Essen geholt wird, und man die Plastikgebinde der Suppenküche nicht mehr nimmt und nach dem Essen entsorgt. So gibt es noch mehrere Impulse, die Maxim mit seiner Klassenaktion gesetzt hat.

Und um auch Euch zum Nachdenken anzuregen, teile ich mit Euch den Flyer, den Maxim  mit seiner 4. Klasse geschrieben hat und, wo auch immer es geht, verteilt:

„Wie schmeckt Euch eigentlich die Plastiktüte?

Wir produzieren viel zu viel Plastik. Mit dem daraus entstandenen Müll könnte man die Welt 6 mal einhüllen. In den Ozeanen schwimmen riesige Müllstrudel, die immer mehr Plastik anziehen. Wenn zum Beispiel die Schildkröten zum Lufthüllen auftauchen, verheddern sie sich im ganzen Müll. Plastikmüll, alte Netze und Mikroplastikteilchen sind eine große Gefahr für die Meeresbewohner. Fische verwechseln Plastiktüten und Flaschen mit ihrer ursprünglichen Nahrung. Mehrere Kilo Müll wurden in den Mägen von toten Walen gefunden. 

Plastik enthält giftig Stoffe, die sich in den Flüssen und im Meer herauslösen. Sie gelangen ins Grundwasser, auf Felder und Wiesen. Sie vergiften die Tiere und Pflanzen und gelangen mit der Nahrung auch in unseren Körper. Mikro- und Nanoteilchen befinden sich in allen Meeresflächen. Was sie dort anrichten, darüber wissen die Forscher wenig. 

Dieser Flyer soll einfach zum Nachdenken anregen. 

Danke fürs Lesen. 

Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr unter wwf-junior.de“

 

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Von der Wut und der Angst, die dahinter steckt… – neue Sichtweisen auf die Folgen von Traumatisierung

adult and child hands holding red heart, health care love and family concept

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Von einem Buch, von dem ich wünschte, ich hätte es schon vor Jahren gelesen..

Viel habe ich in den vergangenen Wochen wieder über Traumatisierung und ihre Folgen bzw. Auswirkungen auf die Kinder und ihr Lernverhalten in der Schule gelesen. Begeistert erzählte ich am Wochenende einer Freundin davon, denn uns beide vereinen die Sorgen um die schulische Entwicklung unserer Kinder und der tägliche Kampf gegen die eigenen uns manchmal übermannenden Ängste und das tägliche Ringen mit unseren Kindern, zuhause das nachzuholen, was sie in der Schule aufgrund ihres nach wie vor traumatisierten Zustandes nicht mitbekommen, geschweige denn verinnerlicht haben. Häufig endet gerade dieses Ringen in Wutanfällen, häufig stellt das tägliche Lernen und Üben für die Schule einen extremen Kraftakt dar. – Bei uns inzwischen zwar immer weniger, aber die Momente, in denen die Stimmung kippt, und der Machtkampf droht, gibt es immer noch. Ich hatte gelernt, dass das so ist, in einem Leben mit einem anstrengungsverweigernden Kind. Genauso wie ich weiß, wo die Ursachen der Anstrengungsverweigerung liegen.

Doch es gibt zwei Bücher, die ich in den vergangenen Wochen gelesen habe, die noch einmal meine Sicht auf die Dinge verändert haben. Ja, da ist sehr viel Wut in meinen Kindern. Unbewusste, nicht benennbare Wut. Wut, die mit der Trauer um den Verlust oder das Verlassen werden durch ihre russische Mutter zu tun haben. Trauer um den Verlust einer behüteten frühen Kindheit, die meine beiden Kinder nie gehabt haben. Eine Wut, die die wunderbare Sherrie Eldridge erst in der vergangenen Woche wieder einmal so treffend beschrieben hat. Dennoch es gibt auch eine etwas andere Sicht auf die Dinge, die mir noch einmal die Augen geöffnet hat. Und mir hat so vieles noch einmal klar werden lassen. Zunächst las ich von Heather Forbes „Help for Billy“. Hier schildert die amerikanische Autorin, die selbst zwei Kinder aus Russland adoptiert hat, warum traumatisierte Kinder so schwer in der Schule lernen können, und wie Lehrer mit diesen Kindern umgehen sollten. Primär ist es eine praktische Anleitung für Lehrer. Aber grundsätzlich macht Heather Forbes sehr deutlich, warum gängige Unterrichtspraktiken bei traumatisierten Kindern nicht greifen. Vieles war mir schon bewusst oder ich hatte es anderer Stelle gelesen, doch die Klarheit und Deutlichkeit, mit der sie das formuliert, war mir neu. Spannend war für mich vor allem ihr Ansatz, dass alles, was das traumatisierte Kind tut – gemeint ist vor allem jedes auffällige Fehlverhalten -, aus einer tiefen schmerzhaften Angst passiert, aus der Angst, nicht überleben zu können. So ähnlich, wie ich es schon in meinen Post „Mehr als Manipulation, es geht um’s Überleben…“ angedeutet hatte. Doch in dieser Deutlichkeit, dass sich hinter Verweigerung, Aggression, Wut, Lügen, Stehlen, Trotz, etc. immer nur die Angst steht, hatte ich bisher in dieser Klarheit nicht gelesen.

Das wurde mir erst bewusst und hat in mir selbst noch einmal ein Umdenken in Bewegung gesetzt, als ich Heather Forbes‚ 2. Buch bzw. eigentlich erstes Buch „Beyond Consequences, Logic, and Control“ gelesen haben, in dem sie sich ausschließlich an die Eltern traumatisierter Kinder richtet. Gemeinsam mit ihrem Co-Autor entwickelt sie ein Stress-Modell, aus dem hervorgeht, dass jegliches auffälliges Verhalten eines traumatisierten Kindes auf Angst zurückzuführen ist. Entlang dieses Modells führt sie im folgenden in ihrem Buch aus, warum Verhaltensweise, wie Aggression und Trotz, aber auch Stehlen, Lügen, Horten von Essen und fehlender Blickkontakt immer auf eine tiefe darunterliegende Angst, wieder verlassen zu werden, wieder Hunger zu erleiden, wieder nicht geliebt zu werden zurückzuführen sind. Für die annehmenden Eltern gilt es, nicht in den bisher propagierten Erziehungswegen diesen Kindern diese Verhaltensweisen „abzutrainieren“, sondern die Angst dahinter zu sehen und das Kind mit dieser Angst in bedingungsloser Liebe anzunehmen und zunächst alles daran zusetzen, dem Kind diese Angst in der Situation zu nehmen.

Besonders bewegend ist ihr dem vorangestelltes Kapitel, in dem sie aufzeigt, dass traumatisierte Kinder auch die eigenen Traumata der Eltern berühren und wieder wachrufen. Und sie deshalb die berühmten Köpfchen drücken. Aber auch hier wieder, sie tun dies nicht manipulativ, sondern es wird beim Lesen deutlich, dass das eigenen Trauma etwas ist, das wir Eltern vielleicht in uns tragen. Unsere Kinder reagieren nur darauf bzw. unser eigenes Trauma lässt uns vielmehr so – eben nicht immer adäquat und in der Emotionalität viel zu stark – auf das Verhalten unseres Kindes reagieren. Ich wusste, was gemeint war, als ich mich an meines eigene Wut erinnerte, die ich immer gespürt habe, wenn ich das Gefühl hatte, ich würde auf Maxim einreden, wie auf einen kranken Gaul, er aber gar nicht reagierte. Nicht reagieren, mich ignorieren, war das schlimmste was mir passieren konnte. Denn dieses Nicht gesehen werden, war mein eigenes Kindheitstrauma. Erst mit dem Tod meines Vaters vor ein paar Jahren und mit dem inneren Abschließen mit dem Verhältnis zu meiner Mutter schwand diese alte Wut. Und ich lernte mit Maxim’s Ignorieren anders umzugehen.

Am Wochenende habe ich zu meiner Freundin gesagt: „Vergiss alle andere Adoptionsliteratur, vergiss alle Bücher über Bindungstheorien bei traumatisierten Adoptivkindern. Lies dieses eine Buch. Ich habe beim Lesen gedacht, warum habe ich es nicht schon vor acht Jahren gelesen. Es hätte mir viel Leid und Kampf erspart.“

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Von guten Vorsätzen für das neue Jahr…

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Photo by Ian Keefe on unsplash.com

Erneut haben wir ein Jahr hinter uns gebracht und das neue begrüßt uns mit offenen Armen. Ist die Umarmung diesmal wohlwollend? Oder stehen uns erneut so viele Prüfungen und Herausforderungen bevor wie im vergangenen Jahr? Letztes Jahr im Januar habe ich hier stolz geschrieben, dass ich mir keine Vorsätze vornehme oder Pläne schmiede, sondern in Gelassenheit schaue, wo mich das Jahr und seine Zeit hinführt. „Das Ego mag vielleicht einen Vorsatz brauchen. Dein Selbst braucht es nicht.“, las ich damals bei Katja von homeiswheretheboysare. Ja, sie hatte Recht.

Doch mich dem Schicksal ganz ergeben, hat mir im abgelaufenen Jahr nicht gut getan. Auch wenn ich mehr als stolz darauf sein kann, was mir trotz all der Schwierigkeiten, Herausforderungen und Sorgen dennoch gelungen ist. Ich habe meine Ausbildung beendet und erfolgreich abgeschlossen. Ich habe wieder einen festen Job und werde im Laufe diesen Jahres sogar in Vollzeit als Lehrerin anfangen zu arbeiten. Und ich habe ein Stipendium für ein neues Buchprojekt bekommen. Aber die eigene Selbstfürsorge blieb weiterhin auf der Strecke. Zu wenig Sport. Nicht wirklich viel gelesen, zumindest nicht so viel wie ich gehofft hatte. Zu oft zu wenig Schlaf, zu ungesund gegessen. Da war ich schon besser.

Ich habe meine kranke Mutter nach ihrem Schlaganfall gepflegt und umsorgt, ihr ein neues Zuhause gegeben, sie auf dem Wege der Genesung begleitet. Als es ihr besser ging, hat sie sukzessive den Kontakt abgebrochen, uns nur mit Nicklichkeiten beschäftigt und auf Trab gehalten. Irgendwann ist sie einfach verschwunden. Ohne mir all mein Geld, das ich für sie vorgelegt hatte, zurückzuzahlen, ohne eine Geste des Dankes. Zurückbleiben nur eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung. Aber wo sie ist, wissen wir nicht. Und damit ist das Kapitel abgeschlossen. Was die Fürsorge eines alten Elternteils angeht, habe ich meine Schuldigkeit getan. Nun bin ich raus. Endgültig.

Maxim und Nadeschda geht es gesundheitlich inzwischen wieder so weit gut. Wir sind durch die tiefsten Täler der Angst gegangen und haben sie bewältigt. Beim nächsten Mal werden wir damit wieder anders umgehen. Dessen bin ich mir sicher. Es stimmt eben doch, dass man mit seinen Herausforderungen wächst. So hart das klingt, aber beim ersten Fieber von Maxim waren wir völlig hilflos und überfordert. Wenn er heute 40 Fieber hat, bleibe ich gelassen. Sollten wir das nächste Mal mit einer ungewissen Krebsdiagnose konfrontiert sein, werden wir schlucken, aber ich bin mir dessen gewiss, dass es uns nicht mehr so beuteln wird wie in diesem Jahr. Das hatten wir. Wir sind durch diese unermessliche Angst durchgegangen.

Mit Blick auf die Schwierigkeiten mit der Schule, habe ich erneut Maxim’s und Nadeschda’s Lernschwächen erkannt und kann ihnen hoffentlich helfen, damit umzugehen. Erneut habe ich gelernt, mich eben nicht in das System zu begeben. Das hilft nicht. In keiner Weise. Meine Kinder sind eben nicht die Norm. Das habe ich in einer erneuten Lektion mit Nadeschda bitterlich erkennen müssen. Und auch wenn ich mich in das System begebe, bekomme ich nicht die Hilfen, die ich, die meine Kinder brauchen. Ich muss unseren eigenen Weg finden. Auch das haben wir wieder in diesem abgelaufen Jahr geschafft. Für Nadeschda habe ich einen Weg gefunden, den wir jetzt gehen. Und auch für Maxim werde ich einen Weg finden. Das weiß ich. Und das, was meine Kinder in der Schule nicht lernen – was das meiste ist -, haben sie inzwischen von mir gelernt. Wieder war ich beseelt, wie großartig Nadeschda inzwischen lesen kann. Und auch die Dyskalkulie sind wir dabei in den Griff zu bekommen. Am Ende ist klar, ich bin im Tiefsten davon überzeugt, dass meine Kinder ihren Weg durch die Schule gehen. Sie werden sicherlich keinen Nobelpreis gewinnen, aber sie werden einen Beruf erlernen, der sie glücklich und zufrieden macht, der sie ihren Alltag bestreiten lässt.

Die Amerikaner sind immer großartig in Redewendungen. Ich habe mich im vergangenen Jahr entschieden nach allem,was passiert war, nicht mehr die Ausbildung weiter zu gehen, um die Qualifikation für die Oberstufe zu bekommen – die Rahmenbedingungen waren einfach zu ungünstig. Ich sagte mir einfach: „I don’t have to do this anymore.“ Irgendwann ist es gut. Ich habe genug erreicht in meinem Leben. Ich muss mir nicht auch noch das beweisen. Und so gibt es die andere Redewendung: „Why settle for something less?“ Ich werde meinen Kindern nicht den bequemen Weg durch das Schulsystem bieten, ich werden ihnen nicht die Kellerdecke hinhängen, wenn sie sich nach dem Himmel strecken können. Sie werden sich nach dem Himmel strecken, wenn wir ihnen diesen reichen, dessen bin ich mir gewiss. Ich werde ihnen diese Chance niemals nehmen. Egal wie. Dafür bin ich inzwischen bereit sehr weit zu gehen.

Was sind also meine Vorsätze für diese junge, neue Jahr? Habe ich welche? Wäre es gut, welche zu haben? Keine zu haben, hat mich auch nicht glücklich gemacht. Zu sehr ließ ich mich „ablenken“ und zu schnell klein beigeben bei all dem, was dann so im Alltag auf mich einprasselte. Das möchte ich nicht mehr. Vielleicht ist es, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, nur ein Vorsatz, den ich mir für dieses Jahr vornehme: Ich möchte meinen eigenen Wünschen und Prinzipien treu bleiben. Und wenn diese gefährdet sind, dann muss ich in meinem alltäglichen Leben etwas ändern. Schneller, als ich das im vorangegangen Jahr getan habe.

Ich muss und will auf mich selbst aufpassen. Mehr, viel mehr, als ich das im letzten Jahr getan habe. Denn nur dann, nur wenn ich wirklich gut zu mir selbst bin, dann kann ich auch meinen Kindern, Maxim und Nadeschda die Mutter sein, die sie in diesem kommenden Jahr brauchen.

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#bestofelternblogs2018

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Photo by Mammal on unsplash.com

Die liebe Anja von der Kellerbande hat einmal wieder zu ihrer beliebten Blogparade #bestofelternblogs2018 aufgerufen. Da mache ich doch gerne mit. Erleuchtend und interessant war der Blick in die Zahlen. Denn wie im vergangenen Jahr war wiederum mein Beitrag zum „Umgang mit der Anstrengungsverweigerung“, der deutlich am meisten aufgerufene Post. Hier schildere ich, wie wir mit der „Anstrengungsverweigerung“ unserer Kinder umgehen, nachdem wir sie anfangs in den ersten Jahren nach unserer Adoption nicht wirklich wahrhaben wollten. Jahre später muss ich gestehen, dass wir viele der Ratschläge und Hinweise von Bettina Bonus umsetzen bzw. umgesetzt haben. Heute noch einmal fast zwei Jahre nach diesem Post ist es sogar noch viel mehr. Aber wir fahren gut damit. Auch wenn ich anfangs die Hinweise und die Sichtwiesen von Bettina Bonus maßlos übertrieben fand, so muss ich ihr nach Jahren, vor allem mittlerweile mit zwei Schulkindern, in so vielem Recht geben. Und letztendlich gibt der Erfolg, den unsere Kinder nun in der Schule haben, ihr ebenso Recht.

Weitere Beiträge zum Thema „Anstrengungsverweigerung finden Ihr zum Beispiel in den folgenden Posts:

„Vom Umgang mit der Anstrengungsverweigerung: Zu den Ursachen“

„Zum Gebrauch von elektronischen Medien“

„Anstrengungsverweigerung – von der alles dominierenden Angst“

oder auch in meiner Interviewreihe zur „Anstrengungsverweigerung“, die ich in 2018 mit Julia gemacht habe, die sich ebenso großer Beliebtheit und großen Interesse erfreut hat.

 

 

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Zum Gebrauch von elektronischen Medien bei Adoptivkindern (reloaded)

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Danke an Pixabay

Maxim hatte gerade in der Schule eine Epoche zu „Menschenkunde und Medienkompetenz“. Das war eine spannende Erfahrung für uns alle in der Familie. Nachdem ich auf der einen Seite zunächst überrascht und schockiert war, wie und wie viele elektronische Medien in den Häusern seiner Klassenkameraden genutzt werden, freute es mich auf der anderen Seite umso mehr, als ich im Epochenheft meines Sohnes folgenden Text unter der Überschrift „Medien bei uns Zuhause“ lesen durfte:

„Wir haben einen Fernseher Zuhause. Da dürfen wir manchmal Peter Pan oder andere Filme schauen, aber nur wenn am nächsten Tag keine Schule ist. Meine Mutter hat einen Computer. Auf dem arbeitet sie und schreibt, oder sie schaut manchmal Sachen für uns Kinder nach. Mein Papa muss manchmal auf einem Laptop Zuhause arbeiten. Ich lese Bücher. Und mehr brauche ich auch nicht. Vielleicht hätte ich gerne ein Handy, um mit meinen Freunden zu telefonieren. Aber mehr nicht. Was eine Wii oder NInetendo sind, weiß ich gar nicht. (…)“ 

Eingedenk unserer Erfahrungen mit Blick auf die Gedächtnisleistung von Maxim und der Auseinandersetzung mit den Ratschlägen von Bettina Bonus zum Medienkonsum von Adoptivkindern pflegen wir tatsächlich Zuhause nach wie vor einen sehr restriktiven Umgang mit jeglicher Art von elektronischen Medien. Und ich selbst habe in der Begleitung dieser Epoche in der Schule auch erst einmal lernen müssen, was es da alles gibt. Technologisch gesehen hatte ich wirklich zeitweise das Gefühl Zuhause in der Steinzeit zu leben, auch wenn die wenigen Medien, die wir haben, tatsächlich immer State of the Art sind. Ich war mir der Vielfalt der Medien, mit denen Kinder theoretisch versorgt und konfrontiert sein können, überhaupt nicht bewusst. Geschweige denn war ich mir der Tatsache bewusst, dass auch an einer Waldorfschule in vielen Elternhäusern der kontinuierliche Gebrauch von elektronischen Medien bei den Kindern immer mehr zunimmt. Das ins Bewusstsein zu rufen und auch unter den Kindern in der Klasse zu diskutieren, war wohl auch eines der Ansinnen der Klassenlehrerin.

Allerdings ist bei unserem Sohn, der nun zu der Gruppe an Kindern gehört, die alleine für sich schon einmal gar keine elektronischen Medien haben, noch nicht einmal einen CD-Spieler, das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen. Denn anstatt zu realisieren, dass er sich in einer recht großen Gruppe von Kindern befindet, die keine Wii und keinen Gameboy haben, hat die Auseinandersetzung mit dem Thema bei ihm dazu geführt, dass nun erstmal neue Begehrlichkeiten geweckt wurden. Vielleicht lag es auch einfach schlicht an der Tatsache, dass wir mit der Advents- und Vorweihnachtszeit uns ohnehin in einer Zeit des Wünschens befinden…Nun denn, es brauchte ein paar Diskussionen hier Zuhause, um ihm klar zu machen, dass wir bei unserer Linie bleiben und es weder ein Smartphone noch elektronisches Spielzeug zu Weihnachten gibt. Aber um so beruhigter war ich, als er danach in sein Zimmer ging und dann doch wieder seine Feuerwehrstation aufbaute, und einmal wieder seine beliebten Rettungsspiele spielte.

Ich bin gespannt, wie lange wir das noch so durchhalten können. Denn natürlich kann ich Maxim nicht vollständig von elektronischen Medien abschotten. Dessen bin ich mir bewusst. Wenn seine Freunde die Dinge Zuhause haben und er sich mit diesen zum Spielen verabredet, werde ich nicht verhindern können, dass er dann einen ganzen Nachmittag unter Umständen entweder vor einer Flimmerkiste hockt, oder am Tablet irgendwelche Spiele spielt. Und ich kann auch nicht den anderen Eltern verbieten, meinen Sohn elektronischen Medien in ihrem Hause auszusetzen. Es bleibt ein Drahtseilakt. Aber Maxim’s Text gab mir die Bestätigung, so weiter mit elektronischen Medien hier Zuhause umzugehen, wie wir es bisher getan haben.