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Interviewreihe „Anstrengungsverweigerung“ – eine Adoptivmutter erzählt… (1/3)

„Julia’s Geschichte und ihre ersten Erfahrungen mit der Anstrengungsverweigerung“

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Nach meinem Beitrag „Aber ich sehe gar keine (Anstrengungs-) Verweigerung …“ entstand aufgrund ihres bewegenden und reflektierten Kommentars ein spannender Austausch mit Julia. Die Kinderkrankenschwester und ihr Mann haben vor sieben Jahren ihren Sohn Joshua* (Name geändert) als fünf Minuten alten Säugling adoptiert. Was sich wie eine Bilderbuchadoption liest – Julia und ihr Mann erfuhren noch vor der Geburt von dem Elternpaar, das neue Eltern für ihr ungeborenes Kind suchte, sie lernten die Eltern kennen, waren bei der Geburt dabei und konnten ihren Sohn nur wenige Stunden nach der Geburt zu sich nehmen – mündete dann doch in eine über ein Jahr währende Hängeparty, ob Joshua wirklich bei ihnen bleiben darf. Erst nach zwei Jahren war die Adoption endlich rechtskräftig abgeschlossen. Mittlerweile ist Joshua sieben Jahre alt und im vergangenen Sommer in die Schule gekommen. Auch er zeigt Zeichen und Verhaltensmuster der Anstrengungsverweigerung, die mich tief berührt haben. Besonders wichtig finde ich, dass man in Julia’s Schilderungen sehen kann, dass sich diese Verhaltensmuster schon sehr früh im Kindergartenalter zeigten. Aus dem Austausch mit Julia ist eine kleine Interviewreihe entstanden, die Ihr nun in den kommenden Wochen lesen könnt: 

Liebe Julia, wie würdest Du Deinen Sohn Joshua charakterisieren?

„Tja, wo soll ich anfangen und wo aufhören? Es gibt so viele Dinge, die ich über ihn erzählen könnte: schöne, weniger schöne, lustige, traurige, so bunt wie das Leben, so bunt und facettenreich ist unser Kind!

Was ihn aber möglicherweise am treffendsten beschreibt, das ist, dass er ein sehr feinsinniges, empfindsames Kind ist, das immer seine Antennen voll für die zwischenmenschlichen Beziehungen aufgedreht hat. Er hat ein seismographisches Gespür für Anspannung und Unsicherheiten und reagiert dementsprechend vorsichtig und zurückhaltend im Bezug auf Unbekanntes und Fremdes. Aber genauso offen, fröhlich und gelöst ist er, wenn er sich wohlfühlt und umgeben ist von Menschen, die ihm wohlgesonnen sind. Außerdem ist er ein wirklicher Ästhet und Perfektionist. Er ist schon seit frühester Kindheit sehr sprachgewandt und kann einen in Grund und Boden reden. Er ist ein guter Beobachter, und man sieht ihm oft förmlich an wie es hinter seiner Stirn fieberhaft arbeitet. Man kann mit ihm tiefgründig sprechen und nicht selten kommt er zu fast schon philosophischen Schlussfolgerungen.

Er hat ein sehr unterdurchschnittlich ausgeprägtes Selbstvertrauen, und auch unsere Beziehung, die trotzdem sie sehr innig ist, wird von ihm immer wieder, auch durch scheinbare Kleinigkeiten in Frage gestellt. Er ist sehr verletzlich durch Kritik, die bei ihm immer – oder sagen wir meistens – auf der persönlichen Ebene landet, ohne dass sie persönlich gesagt oder gemeint ist. In ungewohnten Situationen hat er Angst zu scheitern, und die größte Angst besteht darin, dass andere sehen könnten, dass er „scheitert“. Das führt dazu, dass er nicht einfach so neue Dinge ausprobiert, sondern sie eher meidet. Aber er ärgert sich sehr darüber, dass er das nicht kann. Ich glaube, es ist ihm mittlerweile sehr bewusst, dass er durch seine Ängste oft an schönen Erlebnissen gehindert wird.

Alles in allem kann ich aber sagen, dass er unser Leben jeden Tag bereichert und uns lehrt, das Leben neugierig zu betrachten und ausgetretene Pfade auch mal zu verlassen.

Wann hast Du zum ersten Mal von dem Phänomen der Anstrengungsverweigerung erfahren? 

Noch während unserer Bewerbungsphase beim Jugendamt habe ich angefangen, alle erdenklichen Informationen rund um das Thema Adoption zu sammeln und habe jedes irgendwie interessant klingende Buch darüber gelesen. In diesem Zusammenhang bin ich recht schnell bei der Problematik der sog. Anstrengungsverweigerung gelandet.

War Dir im Zuge Eurer Adoption klar, dass es so ein Phänomen gibt und dass Ihr Euch auch damit einmal auseinandersetzen müsst?

Ja, ich habe damit gerechnet, dass wir uns damit würden auseinandersetzen müssen. Denn im Gegensatz zu vielen Menschen in unserem Umfeld, die uns zwar alle unterstützt haben in unserem Vorhaben, sind wir nie davon ausgegangen, dass die Trennung von der leiblichen Mutter bei einem Kind, und sei es noch so früh und ohne sofort ersichtliche Dramatik, einfach so spur- und folgenlos an ihm vorbeigeht.

Dazu zähle ich auch das Erleben des ungeborenen Kindes, das während der Schwangerschaft schon den Stress seiner Mutter im Wortsinn am eigenen Leib erfährt. Man weiß heute, wie sich die Ausschüttung mütterlicher Stresshormone während der Schwangerschaft und die Erhöhung des Stresslevels bei einer Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt auf das kindliche, noch unreife Gehirn auswirkt. Und dass die leibliche Mutter unseres Sohnes in der Schwangerschaft massiven Stress erlebt haben muss, sie hat vor ihrem gesamten Umfeld, außer ihrem Freund gegenüber die ungewollte Schwangerschaft und die Geburt verheimlicht, davon gehe ich aus.

Dazu kam bei uns noch die anfangs beschriebene lange Phase der Ungewissheit  und Unsicherheit bzgl. seines Verbleibs bei uns, und daher bin ich davon überzeugt, dass er das natürlich gespürt hat. Für uns war das damals schon kaum zu ertragen. Wie muss das erst für ihn gewesen sein?! Er konnte das ja gar nicht bewusst einordnen, und ich denke, genau darin liegt auch die Gefahr, dass sich eine Situation als potentiell traumatisch oder wie Frau Wiemann es lieber bezeichnet, als seelische Verletzung verfestigt.

Wann und in welcher Form hat Dein Sohn zum ersten Mal Verhaltensweisen eines Anstrengungsverweigerers gezeigt? 

Aufgefallen ist mir das schon recht früh.  Auch als mir der Begriff an sich noch nicht so geläufig war, habe ich schon gemerkt, dass es manche Situationen gab, auch als er noch sehr klein war, in denen er ein solches Verhalten gezeigt hat.

Schon im Säuglingsalter konnten wir beobachten, dass er scheinbar über gar keine Frustrationstoleranz verfügt. Er hat z. B. nie versucht, sich ein weggerollte Spielzeug wieder zu beschaffen, als er noch nicht krabbeln konnte. Er hat nicht versucht, irgendwie da wieder ran zu kommen. Er lag auf dem Bauch und hat gebrüllt und gebrüllt, als hätte er sich massiv weh getan. Er hätte auch von alleine nicht wieder aufgehört, zu brüllen. Auch nicht, wenn man ihm das Spielzeug wiedergegeben hätte. Er hat sich erst mühsam wieder beruhigt, wenn wir ihn auf den Arm genommen haben und ihn sanft gewiegt haben. Oder er hat z. B. nie eine Phase gehabt, wo er alles alleine machen wollte. In einem Alter, in dem bei anderen Kinder die Einmischung der Eltern zu einem Wutausbruch führt, weil sie es partout selbst machen wollen, was auch immer, war bei uns das Gegenteil der Fall.

Eine große Herausforderung war lange Zeit das selbstständige An- und Ausziehen. Und damit meine ich nicht, dass er das nicht gekonnt hätte. Ich hatte sehr stark den Eindruck, dass er regelrecht Angst davor hatte, uns zu zeigen, dass er bestimmte Dinge schon alleine konnte, weil er dann damit rechnen musste, dass er die Zuwendung, die er für diese Dinge in Form unseres Tuns dann nicht mehr erhalten würde. Er hat sich dann regelmäßig auf dem Boden liegend in Rage geschrien, wenn ich doch von ihm verlangt habe, dass er wenigstens einige Handgriffe dazu tun sollte.  Im Kindergarten wurde das dann recht schnell zu einem Problem. Erläuternd hinzufügen möchte ich, dass er mit ca. 2 1/4 Jahren in die Kita gekommen ist und dann mit 3 Jahren in den der Kita angeschlossenen Kindergarten gewechselt hat. In der Kita war alles noch sehr behütet, aber ab dem Kindergarten wurden von ihm dann bestimmte Dinge erwartet, die er eigenständig erledigen sollte. Darunter fiel u.a. das Aus- und Anziehen. Jetzt stehe ich nicht auf dem Standpunkt, dass ein Kind sich mit 3 Jahren immer und auf jeden Fall selbst an- und ausziehen können muss. Aber er hätte es gekonnt, er hat sich nur total verweigert. Die Erzieherinnen haben Gottseidank sehr einfühlsam reagiert. Besonders seine Bezugserzieherin hat sich in ganz besonderer Art und Weise seiner angenommen. Wir haben in dieser Zeit viele Elterngespräche geführt und es hat sich sozusagen als schicksalhaft gefügt, dass seine Erzieherin sich just auf dem Gebiet Pädagogik für Pflege- und Adoptivkinder weitergebildet hatte. Das nahm uns eine große Last von den Schultern. Es hat natürlich nicht alle Probleme gelöst, aber für unseren Sohn war das eine große Hilfe und er konnte sich in seinem Tempo entwickeln, ohne, dass er in irgendeine „Verhaltensauffällig-Schublade“ gesteckt worden wäre.

Woran hast Du fest gemacht, dass es sich hier um ein anstrengungsvermeidendes Verhalten handelt?

Das habe ich tatsächlich daraus geschlossen, dass sich bestimmte Verhaltensmuster 1 zu 1 mit Schilderungen von Beispielen für anstrengungsvermeidendes Verhalten gedeckt haben. Hätte ich von dem Phänomen nichts gewusst, hätte ich mir das wahrscheinlich nicht erklären können.

Umso wichtiger finde ich die gezielte und rechtzeitige Aufklärung über solche und andere Phänomene schon im Rahmen der Vorbereitung auf die Aufnahme eines fremden Kindes in die eigene Familie. Dafür halte ich es für unerlässlich, dass die Mitarbeiter der Jugendämter in diesem Bereich gut geschult und fortgebildet sind und werden.

Mehr von Julia und ihrem Sohn Joshua erfahrt Ihr in der kommenden Woche!

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„Was ist echte Stärke für Dich?“ – Blogparade

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Photo by Benjamin Manley on unsplash.com

Die tapfere Sunnybee vom Mutter-Sohn-Blog hat mich zur Blogparade „Was ist echte Stärke für Dich?“ eingeladen. Und der folge ich natürlich gerne. Das Thema ist eine Steilvorlage für mich gerade, hatte ich doch erst in der vergangenen Woche ein Gespräch mit der ehemaligen Klassenlehrerin meiner Kinder, als sie beide in der behüteteren Vorklasse waren. Da ging es unter anderem genau um dieses Thema. Nicht um meine Stärken, sondern um die meiner Kinder, und darum, genau diese immer wieder in den Fokus aller Betrachter und Beteiligten zu stellen. Somit widme ich diesen Beitrag den Stärken meiner Kinder!

Dass ich als ihre Mutter stark bin und es jeden Tag von neuem sein muss, ist unbenommen. Ja, den Alltag hier wuppen. Geschenkt. Das muss jede Mutter, egal ob alleinerziehend, oder mit einem Mann, der zumindest mal für das Familieneinkommen sorgt. Ja, die ganze Familienarbeit, auch geschenkt. Dass man als Mutter auch von zwei förderbedürftigen Kindern auch stark sein muss, was die Zusammenarbeit mit der Schule angeht, ist auch irgendwie klar. Zumindest habe ich viel darüber geschrieben. Dass man da ziemlich auf Zack sein muss, was Förderung und Unterstützung angeht, geht damit irgendwie einher. Ja, das sind alles ein Zeichen von Stärke. Deutliche Zeichen von Stärke. – Vor allem wenn es Mütter wie zum Beispiel Lydia sind. Das ist wirklich sehr beeindruckend, wie sie ihr Familienleben im Griff hat und immer wieder einen Weg findet, das Unmögliche möglich zu machen. Und sich durch nichts und niemanden beirren lässt. Das ist nicht nur Stärke, sondern für mich ein Zeichen von wahrer Größe. –

Wirkliche Stärke? In meinen Augen zeigen diese vor allem meine Kinder. Jeden Tag von Neuem.  Maxim und Nadeschda sind Überlebende. Überlebende einer frühen Kindheit, die von Armut und Verlust geprägt war. Verlust ihrer russischen Mutter, Armut in jeglicher Hinsicht, vor allem aber Armut an Liebe und Zuneigung, Armut an Beachtung ihrer Bedürfnisse, Armut an Geborgenheit und Fürsorge. Was sie aushalten mussten, wäre selbst für einen Erwachsenen nur schwer zu ertragen. Aber sie haben gekämpft, jeden Tag von Neuem und haben das Trauma überlebt. Dann kamen wir, als vermeintliche Retter, wie mancher denken mag. Aber wir muteten Maxim und Nadeschda zu, wieder ihre ihnen vertraut gewordene Umgebung zu verlassen, in ein fremdes Land zu gehen, in dem sie weder die Sprache noch die kulturellen Alltäglichkeiten kannten. Mit zwei Menschen, die zwar bereit waren, alles für diese zwei Kinder zu tun, aber die ihnen doch fremd waren. Auch das haben sie geschafft. Sie waren so stark und mutig, sich auf eine neue Umgebung und neue Bezugspersonen einzulassen. Sie haben eine neue Sprache gelernt, sie haben sich auf ihre neue Umgebung eingelassen und für sich erobert. Nach mittlerweile Jahren haben sie immer mehr ihre Ängste überwunden und gelernt, eine tiefe Bildung zu uns als ihre „neuen“ Eltern aufzubauen. Wie stark und mutig muss man sein, um nach all den seelischen Verletzungen ein neues Vertrauen aufzubauen? Trotz all der Widrigkeiten haben Maxim und Nadeschda die Kraft gehabt, ihr kleines Leben in die Hand zu nehmen, sich zu entwickeln, weiter zu lernen und zu wachsen. Unvergessen sind für mich die Momente, in denen Nadeschda einfach irgendwann aufstand und lief oder Maxim endlich nach Monaten sein erstes Wort sprach. Unvergessen sind die Wochen und Monate, in denen es Maxim nicht gut ging im Kindergarten, er sich aber da durch kämpfte, oder Nadeschda stark regredierte aber dann doch ihre Entwicklung wieder aufholte und sich nach dem Himmel streckte.

Auch heute noch beweisen sie wieder jeden Tag von neuem eine unglaubliche Stärke. Jeden Tag kämpfen beide unermüdlich gegen den inneren Schweinehund der Anstrengungsverweigerung. Sie bewältigen ihren Alltag in der Schule, obwohl der Alarm im Kopf beide quält. Immer wieder und immer wieder. Aber sie geben nicht auf! Sie lassen sich nicht unterkriegen. Und jeder noch so kleine Fortschritt ist ein großer Sieg! Maxim und Nadeschda sind so tapfere Kämpfer. Ihr Wille, sich das Leben zu erobern, trotz aller Widrigkeiten, die ihnen das Schicksal mitgeben hat, ist ungebrochen. Dass sie sich so gegen alle Widerstände des Lebens durchsetzen, ist für mich echte Stärke.

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Anstrengungsverweigerung – Von der alles dominierenden Angst

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Danke an Pixabay

Er kam wie gerufen, der aktuelle Post von Sherrie Eldridge „What adopted and foster kids consider worse than anger“. Wie so oft schildert Sherrie Eldridge sehr ergreifend und klar, wie die übermächtige Angst, die Adoptivkinder aufgrund ihrer traumatisierenden Erfahrungen in ihrem frühen Leben verinnerlicht haben, sie lähmt und blockiert, sie so fest im Griff hat, dass es aus ihr kein Entrinnen gibt. Diese Angst macht nicht nur hilflos und ohnmächtig, sie isoliert und blockiert die Ressourcen, selbstbewusst und selbstbestimmt das Leben in die Hand zu nehmen. Sherrie zählt ein paar Punkte auf, die ihr verwehrt blieben, weil die Angst Überhand nahm: Verabredungen nicht einhalten, Feste absagen, sich nicht in der vertrauten Umgebung von Freunden und Familie entspannen können, vorzugeben, krank zu sein, um dem ersten Schultag nach den Ferien zu entrinnen, …

Es ist genau diese Angst, die meine Kinder  vor allem meine Tochter daran hindert, in der Schule das Potenzial zu zeigen, das sie in sich trägt. Sie kann lesen und schreiben. Aber sie ist so verhaftet in ihrer Angst, zu versagen, oder etwas falsch zu machen, oder vor der Klasse zu stehen, oder sich zu melden und aktiv am Unterricht teilzunehmen, letztlich aber in der Angst, nicht überleben zu können,  dass sie am liebsten unsichtbar sein möchte und verschwinden. Gelingt ihr das in der großen Klasse, ist es gut für sie. Dann kommt sie recht gut durch den Vormittag. Gelingt ihr das nicht und ist sie im Aufmerksamkeitsfokus der Lehrerin, ist sie so blockiert, dass sie fast automatisch vieles falsch macht, was die ohnmächtige Angst erneut befeuert.

Auf Dauer betrachtet, ist es genau diese Angst, die Sherrie beschreibt – und im Amerikanischen macht es der von ihr gewählte Begriff der „gut-level fear“, die Angst, die ganz tief in unserem Bauch sitzt und alles zusammenzieht, so plakativ – die in der Konsequenz zu einem anstrengungsverweigernden Verhalten führt. Nimmt diese Angst überhand, so fühlt es sich an, als wollten wir nur noch um unser Überleben kämpfen.

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal ein Bild, dass Bettina Bonus so schön beschrieben hat, wird klar, warum ein Kind im Angesicht dieser Angst nicht mehr der Schule folgen, geschweige denn lernen und arbeiten kann: Stellen wir uns vor, wir laufen durch den Wald und treffen unerwartet auf ein Wildschwein. Wie würden wir reagieren? Im direkten Angesicht der Gefahr zeigen wir drei Reaktionsmuster: 1. Wir bauen uns vor dem Wildschwein auf und brüllen, in der Hoffnung, dass das Wildschwein selbst die Flucht ergreift. 2. Wir nehmen unsere Beine in die Hand und laufen so schnell wie möglich weg. 3. Wir könnten versuchen, mit etwas Futter und zutraulichem Verhalten, das Wildschwein abzulenken. Wenn wir aber spüren, dass diese drei Optionen ausweglos sind, bleibt uns nur 4., starr stehen zu bleiben, in dem Glauben, dass uns das Wildschwein nicht wahrnimmt und weiter seines Weges zieht.

Mit Blick auf das traumatisierte Kind hießen diese vier Reaktionsmuster in der Schule: 1. Das Kind geht in den Angriff, schreit herum, brüllt, geht unter Umständen auf den Lehrer los. 2. Das Kind verlässt fluchtartig den Klassenraum, oder geht erst gar nicht zur Schule, meist unter dem Vorwand, es wäre krank. 3. Das Kind versucht den Lehrer von der eigentlichen Aufgabe abzulenken, wie es meine Tochter zur Perfektion beherrscht. Und 4. – und das ist das häufigste Reaktionsmuster – das Kind dissoziiert im Unterricht, zieht sich zurück und lässt das Geschehen in der Klasse nur noch in einem leisen Grundrauschen an sich vorbei ziehen.

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„Aber ich sehe gar keine (Anstrengungs-) Verweigerung….“

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Photo by Joshua Rawsom Harris on unsplash.com 

„Aber ich sehe gar keine Verweigerung…“ wendet die Förderlehrerin unserer Schule in einem Elterngespräch ein. Sie verschränkt die Arme und zieht die Lippen nach unten, als wolle sie mit dieser Geste unterstreichen, was sie unter einem anstrengungsverweigernden Verhalten versteht. „Sie ist immer so freudig bei der Sache, strahlt und erzählt sehr viel und aufgeweckt. Neulich erst haben wir die Stufen gezählt, auf dem Weg zum Klassenraum – im Haupttreppenhaus sind es 50, und im Westtreppenhaus sind es sogar 53. Und das ist gar nicht so einfach. Denn zwischendrin haben wir ja diese Treppenabsätze. Alle Kinder haben konzentriert gezählt. Nadeschda hat mir die ganze Zeit von einer Begebenheit in der Pause berichtet und erzählt. Und erzählt….“ „Genau, denke ich, aber die Stufen hat sie nicht gezählt.“ Innerlich habe ich jetzt die Wahl: Entweder könnte ich mir die Haare raufen und mich aufregen, denn zu diesem Zeitpunkt des Gesprächs haben wir bereits eine gute halbe Stunde erneut auf Symptome eines möglicherweise anstrengungsverweigernden Verhaltens unserer Tochter im Unterricht verwandt. Zudem hat die Förderlehrerin meine Abschlussarbeit zum Thema Anstrengungsverweigerung gelesen. Nun gelesen vielleicht, aber offensichtlich nicht verstanden. Oder ich kann jetzt anfangen, laut zu lachen – und sogar ein wenig stolz auf meine Tochter sein, denn ihr ist es gelungen, selbst eine wirklich alt gediente und sehr, wirklich sehr erfahrene Lehrerin erfolgreich an der Nase herumzuführen. Die so versierte und erfahrene Förderlehrerin ist ihr voll und ganz auf den Leim gegangen. Doch ein wenig ist mir auch zum Heulen zumute…

Beschäftigt an sich mit dem Phänomen der Anstrengungsverweigerung, wie Bettina Bonus sie eindrücklich in ihren Büchern darstellt, so bleiben uns beim Lesen zunächst all die Kinder im Gedächtnis, die in ihrer Anstrengungsverweigerung mit regelverletzendem Verhalten reagieren. Sie sind aggressiv, sie schlagen um sich, sie werden laut, sie greifen den Lehrer an. Es sind die Kinder, die den Unterrichtsablauf stören, die ihre Klassenkameraden drangsalieren, die als grundsätzlich schwierig und verhaltensauffällig gelten. Oder es sind die Kinder, die sich vielleicht nicht gewalttätig zeigen, aber in eine offensichtliche und deutliche Verweigerungshaltung gehen. So wie ich es damals in Maxim’s Aufnahmegespräch für die erste Klasse erlebt habe. Und auch schon bei Nadeschda an der ein oder anderen Stelle mit erfahren durfte.

Doch meist zeigen beide ihr Anstrengungsvermeidendes Verhalten außerhalb des häuslichen Umfeldes ganz anders. Ihre Wut und ihre Frustration lassen sie ausschließlich Zuhause in ihrem vertrauten Umfeld raus. Da machen sie sich Luft, da testen sie ihre Grenzen zuweilen bis zum Äußersten. Niemals aber außerhalb der vertrauten Umgebung. Nein, hier machen sie das, was sie am besten können: Sie strahlen fröhlich, sie sind umgänglich, sie wickeln ihr Gegenüber mit einer ungeahnten Charmeoffensive um den kleinen Finger. Das können beide hervorragend. Das ist ihre absolute Stärke. Logisch, denn das ist ihre Überlebensstrategie!! Mit ihrem Strahlen, mit ihrem Lächeln, mit ihrer Umgänglichkeit haben sie widrigste Umstände in frühesten Kindesjahren überlebt. Maxim war so der Liebling seiner Erzieherinnen im Kinderheim. Nadeschda bekam vielleicht etwas mehr Zuneigung und Aufmerksamkeit, wenn sie ihre Erzieherinnen im Kinderheim mit ihren großen Kulleraugen anlachte. Früh haben sie gelernt, dass sie damit am meisten Erfolg haben. Sie bekommen positive Aufmerksamkeit, sie fallen nicht (unangenehm) auf.

Fühlen sie sich also unter Druck gesetzt – und eine Aufgabe, die ihnen unlösbar erscheint, erzeugt einen solchen Druck-,  wird ihre alte Überlebensstrategie geweckt, die in diesem Falle lautet: „Lächeln, strahlen, ablenken.“ Das beherrschen beide Kinder bis zur Perfektion. Immer noch. Bis heute.

Ich muss an eine alte Begebenheit denken, als Maxim noch in der Vorklasse war: Sie bastelten Adventskalender in der Vorweihnachtszeit. Noch bereitwillig hatte sich Maxim von seiner Lehrerin aus dem Spielraum zum Arbeiten an die Schultische holen lassen. Da saß er nun, redet erst mit seinen Sitznachbarn, erzählte Witze und brachte alle zum Lachen. Malen tat er nicht, geschweige denn überhaupt einen Stift in die Hand nehmen. Erst als die Klassenlehrerin sich neben ihn setzte und ihn zum Malen ermahnte, nahm er einen Stift zur Hand. Doch als er ansetzen sollte, einen Apfel zu malen, hielt er den Stift ungelenk verkrampft und war nicht in der Lage den Impuls auf das Papier zu bringen. Seine Arme erschlafften, sein Oberkörper fiel in sich zusammen. Er rieb sich die Augen und sagte zu seiner Lehrerin: „Ich bin so müde, das ist so anstrengend. Kann ich nicht lieber spielen gehen?“ Als diese ihn nicht gehen ließ, zog Maxim das nächste Register. Mit einem Leuchten in den Augen und wieder aufgerichtetem Rumpf wendete er sich seiner Lehrerin zu: „Weißt Du was, Frau Schmidt, am Wochenende fahren der Papa und ich mit ganz vielen anderen Vätern und Kindern auf einen Bauernhof. Da fahren wir dann Traktor und gehen reiten. Der Traktor ist so schnell. Und der kommt selbst auch durch dicken Schnee. Und wir  fahren als erste hin und weil Papa’s Auto so schnell ist, können wir alle anderen überholen und sind als erste da. Das ist doch cool.“ Ehe es sich die Lehrerin versah, war die Arbeitszeit um. Ein Bild in seinem Adventskalender hatte Maxim nicht gemalt. Beim Zusammenräumen legte Maxim schnell seinen Stift weg und verschwand ins benachbarte Spielzimmer, wo er zwar ein paar vereinzelte Bausteine beim Aufräumen mit aufhob, aber im Grunde genommen mehr oder weniger nur durch den Raum streifte, ohne tatsächlich mitzuhelfen.

Es ist schwierig zu vermitteln, dass auch eine Charmeoffensive und ein überaus angenehmes und freudiges Verhalten zu den „Gesichtern“ der Anstrengungsverweigerung gehört. Denn die eigentliche Verweigerung versteckt sich erfolgreich hinter einem kindlich charmanten Verhalten. Aber nicht jedes freudige Verhalten ist als eine Ablenkung vom Erledigen einer anstrengenden Aufgabe zu sehen. Um so wichtiger ist es, wachsam zu sein, hinzuhören und zu spüren, mit welcher Intention sich ein Kind nun gerade so verhält. Vor allem, wenn man denn weiß, dass es sich um ein frühtraumatisiertes Kind handelt. Denn ja, eine Verweigerung kann man nicht immer direkt und offensichtlich sehen. Sie kann sich gut verstecken…

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Wenn manch andere Gespenster sich auch (fast) in Wohlgefallen auflösen…

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Photo by Leen on unsplash.com

Maxim’s neurologische Ausschlussdiagnostik ist weitestgehend abgeschlossen. Nach einem unauffälligen MRT war auch sein EEG Ende der vergangenen Woche ebenso ohne klaren Befund. Der Neurologe im Sozialpädiatrischen Zentrum unserer Stadt mag dies vielleicht noch ein wenig anders sehen – muss er doch auch den wirtschaftlichen Fortbestand des Zentrums mit sichern und wohlmöglich die ein oder andere Therapie für Maxim vorschlagen. Doch physisch ist mein Sohn gesund. Bis auf den verschobenen Halswirbel, den mittlerweile Maxim’s Physiotherapeutin erfolgreich wieder ins rechte Lot bringt. Aber auch er ist nicht die Ursache für die Kopfschmerzen, unter denen mein Sohn leidet. Vielleicht ein wenig, aber nicht ausschließlich.

Nachdem der Kinderarzt uns eine neurologische Ausschlussdiagnostik nahegelegt hatte, und ich mich spätestens bei der Terminvereinbarung mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum an alte Zeiten erinnert fühlte, wusste ich eigentlich schon, dass uns das alles nicht weiter bringt. Nicht wirklich. Vielmehr galt es, wieder die alten Register zu ziehen, die uns schon einmal geholfen hatten. Auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte, es war wieder Zeit für eine Runde Kunsttherapie. Ich schrieb unserer Kunsttherapeutin, schilderte ihr unsere Situation und bekam sehr schnell einen Termin. Schon nach zwei Sitzungen war Maxim fast wie ausgewechselt.

Ein zwischenzeitliches Diagnostikgespräch bestätigte meine schon lange im Tiefen schlummernden Vermutungen und Befürchtungen. Es war nicht das alte Gespenst der Epilepsie, dass uns nach all den Jahren wieder heimsuchte. Nein, es war der Alarm im Kopf meines Sohnes, der in mehrfach belastenden Situationen in der Schule schon vor den Sommerferien immer wieder losschrillte, und genauso nach den Ferien wieder aktiviert wurde. Und wohlmöglich permanent schrillt!

Die Stimmung und das Lernklima in der Klasse müssen in den vergangenen Wochen aussergewöhnlich laut gewesen sein. Kein Wunder, dass mein Sohn vom Rechenlernstoff nichts, aber auch gar nichts mitbekam. Er konnte die Erläuterungen der Lehrerin nicht verstehen, geschweige denn ihr folgen. Es war einfach viel zu laut in der Klasse. In der Folge saß er vor seinen Rechenblättern und wusste nicht, wo er anfangen sollte. Die Frustration setzte ein und spätestens zu diesem Zeitpunkt ging der Alarm los. Wenn nicht schon längst vorher, weil allein der Lärm in der Klasse ihn überforderte und Maxim das tat, was alle traumatisierten Kinder tun, wenn sie überfordert sind, dissoziieren. Einfach aus der Situation aussteigen, weil sie anders nicht zu ertragen wäre. Von da ab rauschte das Unterrichtsgeschehen nur noch dumpf an ihm vorbei. – Wenn ich mir vorstelle, ich würde im übertragenen Sinne permanent das Geräusch eines Feueralarms in meinem Kopf hören, bekäme ich auch Kopfschmerzen.

Verstärkt wird dieses Gefühl bei meinem Sohn noch, da es unter den Jungen in der Klasse wieder Verschiebungen in den Freundschaften gibt. Unser altes Sorgenkind Leander steht ebenso einmal wieder auf dem Tapet. Maxim würde sich gerne aus dieser ganzen Gruppe, die sich zwar über den vergangenen Winter arrangiert hatte, lösen, doch die anderen lassen ihn nicht gehen. Und mein Sohn ist (noch) nicht stark genug, und hat zu viel Angst vor der eigenen Einsamkeit, um sich selbst aus dieser ungesunden Konstellation zu lösen.

Mit Beginn der Schule nach den Ferien werden wir uns damit auseinandersetzen, wie wir mit dieser Situation umgehen. Dass Maxim’s Kopfschmerzen keine physische Ursache haben, erleichtert auf der einen Seite. Die emotionalen und psychischen Ursachen der Kopfschmerzen aber zu bearbeiten, wird aber ungleich schwerer und langwieriger werden. Die Kunsttherapie werden wir weiter verfolgen. Und sicherlich steht einmal wieder ein Gespräch mit Maxim’s Klassenlehrerin an. Genauso wie wir Maxim weiter Zuhause stärken müssen, neue Freundschaften und Beziehungen einzugehen, und nur die alten Bildungen aufrechterhalten, die ihm gut tun. Und wieder einmal kreisen meine Gedanken zurück zu meiner Idee des Homeschoolings

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#bestofElternblogs Oktober 2018

schoolboy crying in the hallway of the school

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Die liebe Anja von der Kellerbande  ruft jeden Monat dazu auf, den meist gelesenen Beitrag des vergangenen Monats zu benennen und zu teilen. Nach einem oft nervenaufreibenden September, der leider geprägt war von vielen Sorgen um meine Kinder und ihre Gesundheit, beteilige ich mich doch wieder sehr gerne an dieser wunderbaren Blogparade. Denn diesmal musste ich wirklich dreimal in die Zahlen schauen, um zu glauben, dass aus irgendwelchen Gründen mein Beitrag über den „Umgang mit der Anstrengungsverweigerung“ aus dem vergangenen Jahr im vergangenen Monat so viele Zugriffszahlen hatte, wie kaum jemals ein anderer Post auf meinem Blog.

Habt Dank für’s Lesen, Teilen und Liken!

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Vom Umgang mit Lehrern…

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Photo by Animesh Basnet on unsplash.com

Wie oft passiert es, dass es einen Anruf der Schule gibt, oder eine unerwartete Mail des Lehrers kommt, dass sie netto gesagt unsere traumatisierten Adoptivkinder gerade nicht mehr handhaben können. Jetzt mal unterm Strich, meine Kinder sind so gut umsorgt -und therapiert möchte ich fast sagen – , dass sie nicht unangenehm auffallen. Im Gegenteil. Sie beschweren sich und es ist ihnen zutiefst zu wider, wenn sie regelunkonformes Verhalten wahrnehmen und erleben oder gar Opfer dessen sind. Das hat aber vielleicht auch etwas damit zu tun, dass meine Kinder extrem behütet, wenn nicht sogar überbehütet sind. Und ich einen sehr, wirklich SEHR engen Kontakt zur Schule halte.

Mike Berry von Confessionsofanadoptiveparent hat wieder einen wunderbaren Post veröffentlicht, wie man als Adoptiveltern gut mit der Schule zusammenarbeiten kann, um so bestmöglich für sein Adoptivkind einzustehen. Ich war beruhigt, den Post zu lesen, denn er hat mich in allem bestätigt, was ich tue. Gerade in den vergangenen Wochen kam das zum Tragen. Und es zahlte sich aus, dass ich einfach nun jeden Tag an der Schule bin und insofern auch ein intensives Networking betreiben kann. Ich bin mir dabei auch der Tatsache bewusst, dass dies eine absolute Ausnahmesituation ist, denn ich lebe nun in der Zwitterrolle auf der einen Seite Mutter an der Schule meiner Kinder zu sein – und dann auch noch nicht ohne Einfluss, denn noch sitze ich im Aufsichtsrat – und auf der anderen Seite Kollegin zu sein. Da kann ich schnell ganz viel zwischen Tür und Angel oder auf dem Pausenhof besprechen, oder einfach auch Beziehungspflege für ein gutes Miteinander betreiben.

Nadeschda war aus unterschiedlichen Gründen – Nein, nicht aus verschiedenen, sondern der eine Grund ist uns klar: Sie ist frühtraumatisiert und deshalb rauscht vieles vom Unterricht an ihr vorbei. – von ihrer Klassenlehrerin für den Förderunterricht vorgeschlagen.  Das erwischte uns etwas kalt vor den Ferien, aber wir fuhren die Hinhaltetaktik mit ganz viel Beziehungsarbeit bei der Klassenlehrerin. Das funktionierte auch wunderbar, denn sie ließ sich darauf ein, erst noch einmal bis nach den Ferien abzuwarten. Nun habe ich, durch Zufall, mit der Förderlehrerin sprechen können, die mir sagte, dass meine häusliche Förderung doch viel besser und wirkungsvoller sei. Ein paar Tage später traf ich – weil ich ja nun immer jeden Tag an der Schule bin, die Heileurythmistin, die schon Großartiges bei Nadeschda bewirkt hatte, und machte mit ihr aus, dass sie ein paar Einheiten für Nadeschda im Herbst wieder vorsehen würde. Das alles schrieb ich auch der Klassenlehrerin. Richard befürchtete schon, dass sie nun „bocken“ würde. Und da nahm ich doch heute die Chance war, als sie so entspannt auf dem Schulhof saß, und betrieb einfach etwas Beziehungspflege: Lobte ihr Theaterstück mit den Kindern, ihr großartiges Malen mit den Kindern, etc. Und überhaupt, dass sie das alles ganz wunderbar macht.  Im Verlauf des Gesprächs ging sie von sich aus auf meine Mails ein, sagte, dass sie dankbar dafür wäre, und sie würde das dann mit der Heileurythmie organisieren, und es wäre ja so schön, dass ich ohnehin schon mit der Förderlehrerin in Kontakt bin.

Nein, sie ist nicht bockig und es wird auch nicht zu Nadeschdas Nachteil sein, dass wir uns um die Dinge kümmern, die eigentlich die Aufgabe der Klassenlehrerin wären. Im Gegenteil, diese Lehrerin ist einfach froh, dass sie uns hat, und dass wir uns so engagieren, wie wir das tun.