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„Sometimes the strength of motherhood is greater than natural laws.“ (Barbara Kingsolver)

iStock_000015941675_LargeAus dem Leben unsere Adoptivfamilie

Vor einigen Jahren haben mein Mann und ich in einem aufreibenden Adoptionsprozess zwei Kinder aus Russland adoptiert. Neben unserem Alltag als Adoptivfamilie schreibe ich hier über Themen, die Adoptionsfamilien begegnen und mich als Adoptivmutter bewegen.

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1000 Fragen an mich selbst #15 – ein letztes Mal…

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Vielleicht für ein letztes Mal werde ich an dieser so wunderbaren Blogparade von Johanna von Pinkepank teilnehmen. Das Innehalten tut gut, doch fehlt mir dafür im Moment die Zeit. Schon in der vergangenen Woche habe ich es nicht geschafft, mich „pünktlich“ meinen Antworten zu widmen. Hinterherzuhängen bereitet mir kein gutes Gefühl. Und ich sollte mir keine zusätzlichen schlechten Gefühle bereiten bei Dingen, die mir eigentlich Spass machen sollten. Zudem bewegen mich andere Themen für meinen Blog, und auch dafür fehlt mir die Zeit. So muss ich Prioritäten setzen. Schließlich kommt auch ein wenig hinzu, dass manchmal die Fragen doch sehr persönlich sind. Gut für eine innere Reflexion, aber nicht geeignet, sie in das weltweite Orbit des Internets zu schicken. Vielleicht mache ich weiter mit, im Stillen für mich. Doch das weiß ich noch nicht. Somit hier erst einmal meine vorerst letzten Antworten zu den 20 Fragen, die dann die ersten 300 Antworten auf „1000 Fragen an mich selbst“ voll machen.

281:  Malst du oft den Teufel an die Wand? Mein Mann sagt ja, ich glaube eher nein.

282: Was schiebst du zu häufig auf? Sport machen und laufen gehen.

283: Sind Tiere genau so wichtig wie Menschen? Auf der einen Seite schon, es sind genauso würdevolle Lebewesen, die es gilt zu achten. Doch müsste ich mich in einer Krisensituation entscheiden, wäre der Mensch mir wichtiger.

284: Bist du dir deiner selbst bewusst? Ja, manchmal sogar zu sehr.

285: Was war ein unvergesslicher Tag für dich? Der Tag, an dem ich Mutter wurde, und wir Maxim und Nadeschda aus dem Kinderheim in Russland abgeholt haben.

286: Was wagst du dir nicht einzugestehen? Wenn ich mir selbst eingesehen würde, von dem ich nicht wüsste, was es sein könnte, so würde ich es bestimmt hier nicht teilen.

287: Bei welcher Filmszene musst du weinen? Meist sind es Filmszenen, die mich persönlich berühren, weil sie mich an Begebenheiten in meinem eigenen Leben erinnern. So gab es einige Szenen im Film „Wunschkinder“ , in denen mir die Tränen kamen, da die Geschichte so sehr der unseren ähnelt. Aber auch erst vor kurzem, als wir mit Maxim und Nadeschda in „Jim Knopf“ waren, habe ich eine Träne verdrückt, als sie Jim Knopf aus dem Paket auspacken.

288: Welche gute Idee hattest du zuletzt? Nach meiner Ausbildung nicht gleich eine volle neue Stelle anzunehmen, sondern vielleicht auch die Zeit zu nutzen, ein neues Buch zu schreiben. Ob die Idee tatsächlich gut ist, wird sich zeigen.

289: Welche Geschichte würdest du gerne mit der ganzen Welt teilen? Mmmh, da muss ich erst einmal drüber nachdenken….

290: Verzeihst du anderen Menschen leicht? Das hatten wir doch schon mal…(Frage 69)

291: Was hast du früher in einer Beziehung getan, tust es heute aber nicht mehr? Jogginghosen bügeln.

292: Was hoffst du, nie mehr zu erleben? Auch die Frage kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe jetzt aber keine Lust 280 Antworten noch einmal zu durchsuchen. 😉 Im Moment würde ich sagen, dass ich weder die Fürsorge für eine bösartige Mutter noch den Erbstreit mit meiner Stiefmutter noch einmal erleben möchte.

293: Gilt für dich das Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“? Ja, inzwischen schon. Manchmal ist es besser, weniger zu wissen. Das liegt aber auch daran, dass ich im schulischen Umfeld zum Beispiel eher zu viel weiß und mitbekomme. Da würde ich manches gerne nicht wissen.

294: Wie wichtig ist bei deinen Entscheidungen die Meinung anderer? Das kommt darauf an. Sicherlich ist mir die Meinung meines Mannes und enger Freunde und Freundinnen wichtig. Oft ist es eine Bestätigung meiner eigene inneren Stimme, die in bestimmten Situationen vielleicht noch etwas unsicher ist. Doch bei allen anderen entfernteren Aussenstehenden ist mir die Meinung eher unwichtig.

295: Bist du ein Zukunftsträumer oder ein Vergangenheitsträumer? Nur für die Zukunft wage ich zu träumen, was in der Vergangenheit war, kann ich eh nicht mehr ändern.

296: Nimmst du eine Konfrontation leicht an? Nein, ich gehe ihnen lieber aus dem Weg, oder finde für mich alleine eine Lösung.

297: In welchen Punkten unterscheidest du dich von deiner Mutter? Ich hoffe, in allen.

298: Wo bist du am liebsten? Gerade im Moment mit meinen Kindern in unserem Garten. Doch mein liebster Ort ist die Bank am See am Haus meiner Ersatzmutter in den USA.

299: Wirst du vom anderen Geschlecht genug beachtet? Das kommt darauf an…

300: Was ist dein Lieblingsdessert? Käse. Und am liebsten Schweizer Käse. Die können das meiner Meinung nach besser als die Franzosen…

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Ist Jim Knopf ein Anstrengungsverweigerer?

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Photo by Veri Ivanowa on unsplash.com

Ihr alle kennt doch sicherlich Michael Endes wunderbare Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“? Das haben wir gerade wieder gelesen. Natürlich bewegt die Geschichte meine Kinder, denn Jim ist ja ein Waisenjunge, der als kleines Baby per Paket auf Lummerland landet und dann von Frau Waas großgezogen wird. Als Lummerland zu klein wird, weil Jim zu groß, verlassen Lukas und Jim über Nacht die Insel und brechen zu großen Abenteuern auf. Nachdem sie die mandalanische Prinzessin Li Si aus den Fängen des Drachen Frau Mahlzahn gerettet haben, kommt es auf der Heimfahrt nach Mandala zu einem kleinen spannenden Dialog zwischen Jim und ihr. Li Si ist ganz überrascht, dass Jim, obwohl älter als sie, noch nicht lesen und schreiben kann. Jim laviert sich so ein wenig raus, obwohl ihm die Situation unangenehm ist. Unterm Strich beharrt Jim, darauf, dass er diese Fähigkeiten ja nicht braucht, er käme auch wunderbar ohne zurecht.

Als ich diese Szene nun neulich abends erneut Maxim und Nadeschda vorlas, musste ich ein wenig schmunzeln und an meine beiden kleinen Anstrengungsverweigerer denken. Als Maxim anfing in der ersten Klasse mit Schreiben, sagte er einmal zu mir: „Mama, warum muss ich das lernen? Ich kenne doch die Buchstaben auf der Tastatur. Das reicht doch. Dann tippe ich eben Briefe….“ – Wenn ich dies so schreibe, muss ich unfreiwillig an den Fortschritt der Technik seitdem denken, denn inzwischen müsste er noch nicht einmal mehr die Buchstaben kennen, sondern könnte alles diktieren. Ich kann einer höheren Macht danken, dass die gängigen Spracherkennungsprogramme nun doch noch nicht so gut funktionieren, dass meine Kinder auf die Idee kämen, nun gar nicht mehr schreiben lernen zu müssen.

Doch eine ähnliches Gespräch, wie es zwischen Jim und Li Si im Buch stattfand, hatten Maxim und ich dann doch in den vergangenen Tagen. Maxim lernt jetzt in der dritten Klasse gerade noch einmal richtig die Uhr – mechanisch und digital – lesen. Maxim fällt das sehr schwer. Ja, schon längt hätte er die Uhr lernen müssen, aber da es eben in unserem Alltag so ist, dass ich die Kinder überall hinfahren und abholen muss, wozu. Es war einfach nie die Notwendigkeit da, dass Maxim die Uhr lesen können musste. Auch wenn er mittlerweile mit seinen Freunden im Dorf alleine auf den Spielplatz geht. Da gibt es eine Kirchturmglocke, die schlägt. Und so waren die Abmachungen: „Wenn die Glocke fünfmal schlägt, kommst Du nach Hause.“ Das hat bisher immer wunderbar funktioniert. Nun haben wir uns also durch die Uhr gequält. Und so langsam geht es auch, jeden Tag eine wenig besser. Aber auch, weil wir eben jeden Tag üben. Und jeden Tag unserer guten Freundin der „Anstrengungsverweigerung“ mal für einen kurzen Moment, mal für eine ganze Weile „Guten Tag“ sagen.

Am vergangenen Wochenende war Maxim dann mit einem guten Freund verabredet. Schon zwanzig Minuten vor der Zeit war mein Sohn fertig angezogen, gefrühstückt und bereit für den Ausflug. In freudiger Erwartung kam er alle 30 Sekunden in die Küche, um zu fragen: „Mama, wie lange noch? Wann kommt denn der Karl?“ Als ich ihm sagte: „Schau auf die Uhr am Backofen und rechne es Dir aus.“ antwortete mein Sohn: „Nee, das kann ich nicht und ich brauche das auch nicht.“ Ich antwortete nur: „Okay, dann wirst Du eben nicht wissen, wie lange Du noch warten musst.“ Aber ich dachte bei mir: „Ja, irgendwie hat mein Sohn zumindest im Moment in seinem Leben recht, so behütet und umsorgt er wird, braucht er sich nicht um eine Uhrzeit kümmern. Das ist mit Sicherheit für die Zukunft nicht tragfähig, und genauso wie das Lesen und Schreiben ist das Lesen der Uhr eine Kulturfähigkeit, die er einfach irgendwann lernen muss, um im Leben zu bestehen.“ Und so lernen wir nun fleißig die Uhr. Auch wenn uns manchmal die „Anstrengungsverweigerung“ dabei im Wege steht.

Jim Knopf ist mit Sicherheit kein Anstrengungsverweigerer. Er lernt ja dann auch irgendwann Lesen und Schreiben mit Prinzessin Li Si. Doch ich fand die Verbindung von seiner Geschichte als Adoptivkind, die ihn auf seiner Reise ja auch einholt, und sein vehementes Ablehnen von Lesen und Schreiben können einfach sehr treffend für unsere immer wiederkehrende Situation.

Nehmt dies als Auftakt zu meiner versprochen Reihe an Beiträgen zum Thema „Anstrengungsverweigerung“ in den kommenden Wochen.

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#bestofElternblogs im März

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Die liebe Anja von der Kellerbande  hat wieder aufgerufen, die meist gelesenen Post des vergangenen Monats zu benennen und zu teilen. Das mache ich diesmal ganz besonders gerne. Denn es freut mich, dass der Gastbeitrag „Vom Übergang auf die weiterführende Schule für Adoptivkinder“ von Kerstin Blank-Bringmann mit ihrer Seite „adoptivsinn.de“ der von Euch meist gelesene Post war.

Mehrmals im Jahr bringt Kerstin Blank-Bringmann einen Newsletter, der sich an Adoptivfamilien aber auch Fachkräfte und Pädagogen richtet, heraus, in dem sie wichtige Adoptionsrelevante Themen adressiert. Hier ging es in ihrem Beitrag um die essentielle Vorbereitung auf den Übergang in die 5. Klasse. Sie hat darauf so viele Rückmeldungen bekommen, dass sie gleich vor ein paar Tagen den nächsten Newsletter herausgebracht hat. Den findet Ihr hier.

Habt wie immer großen Dank für’s Lesen, Liken und Kommentieren.

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Gastbeitrag: Vom Übergang auf die weiterführende Schule für Adoptivkinder

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Danke an Pixabay

Kennengelernt habe ich Kerstin Blank-Bringmann durch ihr wundervolles „Tagebuch meiner Adoption“, das mir eine Freundin nach der Adoption von Maxim und Nadeschda damals schenkte. Heute betreibt die mehrfache Adoptivmutter die Seite „adoptivsinn.de“ und bringt vor allem regelmäßig einen Newsletter zu adoptionsrelevanten Themen heraus und berät Schulen und Kindergärten im Umgang mit Adoptivkindern. In ihrem aktuellen Newsletter widmet sie sich dem Thema „Übergang in die weiterführende Schule“. Vor allem der Beitrag „Vorbereitet sein“ sensibilisiert noch einmal für die enge Begleitung unserer Kinder in der Schule, spätestens ab der 5. Klasse:

Vorbereitet sein

Grundsätzlich kann man sagen, dass beinahe alle Anfangsschwierigkeiten auf einer weiterführenden Schule daher kommen, dass unsere Kinder mehr brauchen als sicher gebundene Kinder. Sie brauchen mehr Halt, mehr Sicherheit, mehr Zuverlässigkeit, mehr Regelmäßigkeit, mehr Struktur und mehr Ansprache – vor allem von Außen.

Das bedeutet, dass sie bei jedem neuen Lehrer in jedem Fach zuerst einmal mit den ihnen eigenen Verhaltensweisen überprüfen, ob der jeweilige Lehrer dazu geeignet ist, diese Ansprüche zu erfüllen. Manche sind es, viele sind es nicht und unsere Kinder sind nicht die einzigen, die dies fordern und brauchen. Das größte Problem besteht hier darin, dass in einer weiterführenden Schule vorausgesetzt wird, dass Kinder selbständig arbeiten können und wollen – je höher die Schulform, desto mehr.

In der Grundschule ist es normal, dass die Kinder „ nur für den Lehrer/die Lehrerin“ lernen und die jeweiligen Lehrer wissen das natürlich. Sicher gebundene Kinder legen diesen Eifer zum Ende der Grundschulzeit tatsächlich ab und sind in der Lage das Lernen emotionsloser und nicht mehr personengebunden anzugehen.

Adoptiv- und Pflegekinder hingegen sind oft bei einem Schulwechsel anfangs zunächst komplett damit überfordert, sich alleine auf den Schulstoff zu konzentrieren. Hinzu kommt, dass jedes Kind natürlich auch innerhalb der neuen Klassengemeinschaft erst einmal seinen Platz finden muss.

Je schneller Kinder sich in einer Klasse und dazu noch beim jeweiligen Fachlehrer sicher fühlen, desto eher können sie wirklich fachbezogen am Unterricht teilnehmen. Deshalb ist ab der 5. Klasse der Lernerfolg unserer Kinder sehr oft komplett abhängig von den pädagogischen Fähigkeiten des jeweiligen Fachlehrers. Diese besonderen Bedürfnisse bilden nicht selten einen extremen Gegensatz zur offensichtlich allgemeinen Annahme, dass Kinder in der weiterführenden Schule wesentlich weniger pädagogische Betreuung und Anleitung benötigen.

Hier ist es sinnvoll, die ersten Elterngespräche dafür zu nutzen, die Bedürfnisse des Kindes wirklich deutlich zu machen! Trifft man auf Verständnis und Offenheit: Glück gehabt! Dies eröffnet viele Möglichkeiten, auch Konsequenzen individuell abzusprechen, denn je „freier“ sich viele Kinder fühlen, desto mehr probieren sie sich aus und desto weniger Kapazitäten bleiben für den Unterrichtsstoff übrig.

Dieses neue Gefühl der „Freiheit“ führt oft dazu, dass die Kinder nicht sehen, was sie selbständig erledigen sollten. Sie sind noch auf der Suche nach Bindung innerhalb der Schülergruppe sowie schlimmstenfalls in jeder neuen Unterrichtsstunde zum jeweiligen Lehrer. Dabei handeln sie größtenteils immer noch im „Grundschulmodus“, mit der Einstellung „wenn der Lehrer nicht sagt, dass ich das tun muss, muss ich das auch nicht tun.“

Dass wir Eltern etwas anderes fordern, ermutigt unsere Kinder nur, die „neue Freiheit“ zu nutzen, um Informationen nicht weiter zu geben und Hefte/Mappen „in der Schule zu vergessen“, damit wir Eltern ihre „Nichtarbeit“ nicht kritisieren können.

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Mehr zum Thema „Schule“ und dem Übergang in die 5. Klasse könnt Ihr im aktuellen Newsletter von Kerstin Blank-Bringmann lesen.

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Brief an meine Adoptivkinder: „Ich hoffe, ihr könnt den Schmerz eines Tages überwinden“

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Gestern erschien mein „Brief an meine Adoptivkinder: „Ich hoffe, ihr könnt den Schmerz eines Tages überwinden“ in der Huffington Post, in dem ich die vergangenen Jahre seit der Adoption von Maxim und Nadeschada mit allem, was dazu gehört ein wenig Revue passieren lasse. Es ist eine kleine Zwischenbilanz und gleichzeitig greift der Beitrag erneut die Frage nach dem Gut genug Sein auf.

Habt eine gute Lektüre…

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Herkunft (4) reloaded: Über den Umgang mit der Herkunft – Warum Verschweigen keine gute Lösung ist….

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Danke an Pixabay

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann kommen doch die ersten Reaktionen auf Maxim’s Erzählen seiner Herkunft in der Schule in kleinen Wellen zu uns zurück. Behutsam und einfühlsam. Und manchmal auch mit überraschenden Wendungen.

So hatten wir vor ein paar Tagen Besuch von Maxim’s Klassenkameraden und dessen Mutter. Nach dem ersten Kaffee sprach sie mich zaghaft auf unsere „Familiengeschichte“, wie sie es nannte an: „Sag mal, der Maxim hat ja dem Johannes schon vor ein paar Wochen in der Schule von Eurer Familiengeschichte erzählt.“ Ich schwieg und wartete ab. „Ja, und dass er zwei Mütter hat, eine in Russland und Dich hier. – Das hat mich doch sehr berührt.“ Ich nickte wohlwollend und erzähle ihr kurz unsere Geschichte. Weniger die von Maxim und Nadeschda mit ihren Erfahrungen im Kinderheim, sondern vielmehr, dass beide in Russland geboren sind, und wir sie dort vor mehr als sechs Jahren adoptiert haben. „Und weißt Du, wir haben mit dem Schuleintritt beschlossen, dass unsere Kinder entscheiden sollen, wem und wann sie von ihrer Adoption erzählen. Denn es ist ihre Geschichte. Und mich freut es, dass Maxim nun so weit ist.“ „Seit ihr denn hier Zuhause immer offen mit der Adoption umgegangen?“ fragt die Mutter. „Ja, von Beginn an wussten unsere Kinder, dass wir sie adoptiert haben und dass sie ebenso noch eine Mutter in Russland haben.Daraus haben wir nie ein Geheimnis gemacht.“ „Das finde ich ganz großartig und mutig.“ fährt die andere Mutter fort. „Weißt Du, mich hat das sehr berührt. – Denn… ich habe erst mit 23 erfahren, dass ich von meinem Vater adoptiert wurde und dass mein leiblicher Vater in der Türkei lebt.“ Bumm, das saß! Plötzlich kommt das Thema „Adoption“ in unserem sozialen Umfeld doch auch an anderen Stellen vor, als wir es je vermutet hätten. Und dann auch noch so…. Ich war tief berührt von der Offenheit von Johannes’ Mutter. Im Nachhinein hatte ich fast das Gefühl, sie war so dankbar, dass sie sich mir mitteilen konnte und in mir ein Gegenüber fand, die sie verstand und ihre Situation nachvollziehen konnte.

In der Folge fragte sie viel nach, wie wir mit der Herkunft unserer Kinder umgehen würden, neben dem Erzählen und offen Gesprächsbereitschaft immer wieder zu signalisieren. Denn nicht immer wollen Maxim und Nadeschda über ihre Herkunft und ihre Zeit in Russland sprechen. Vor allem Nadeschda schiebt das Thema immer wieder gerne ganz weit von sich. Doch beide Kinder wissen, dass sie mit allen Fragen immer zu uns kommen können. Immer und zu jeder Zeit, auch wenn mich zuweilen die Gelegenheiten  , die sie aussuchen, doch immer wieder überraschen. Ja, und natürlich würden wir auch irgendwann nach Russland reisen, um die Mutter zu suchen, wenn Maxim und Nadeschda das denn wollten.

Johannes’ Mutter zeigte mir mit ihrer Geschichte – auch wenn die Hintergründe und Umstände bei ihr ganz andere gewesen waren – , wie wichtig es war, gegenüber seinen Adoptivkindern offen mit ihrer Herkunft umzugehen. Nichts unter den Tisch zu kehren, zu verheimlichen oder zu verleugnen. „Selbst als ich mit meinem ersten Kind schwanger war und ich meine Mutter nach der Familienanamnese fragte, verschwieg sie meinen leiblichen Vater. Erst ein paar Jahre später brach sie ihr Schweigen.“ Johannes’ Mutter suchte ihren Vater und fand ihn auch, doch es blieb bei einer einzigen Begegnung. Vielleicht weil sie so enttäuschend verlief, wie Sherrie Eldridge es von den Treffen mit ihrer leiblichen Mutter schildert.  „Weißt Du, bis heute kann ich es nicht mehr ertragen, wenn etwa unter den Tisch gekehrt wird. Ich muss immer alles ansprechen. Ich will immer die Wahrheit wissen. Das ist fast manisch, aber ich kann nicht anders. Auch wenn ich mir damit manchmal das Leben schwer mache.“ Ebenso bestätigte sie mich, als sie erzählte: „Und weißt Du, man spürt das. Als ich in der Pubertät war, da kam dieser ganze Mist mit ‚Ihr seid nicht meine richtigen Eltern!‘, ‚Ich bin vertauscht worden.‘, ‚Irgendetwas stimmt hier nicht.‘ und ich hatte Recht. Es war so. Denn mein leiblicher Vater war ein ganz anderer.“

Für mich war das ein spannender Nachmittag. Denn neben der Bestätigung dessen, dass wir im Umgang mit den Wurzeln unserer Kinder einen vielleicht heilsamen Weg eingeschlagen haben, war es mehr als interessant unverhofft die Erfahrungen einer erwachsenen Adoptierten teilen zu dürfen. Ohne dass ich sie gesucht hatte. Es war einfach an einem Nachmittag unter Schulmüttern passiert.