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Herkunft (4) reloaded: Über den Umgang mit der Herkunft – Warum Verschweigen keine gute Lösung ist….

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Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann kommen doch die ersten Reaktionen auf Maxim’s Erzählen seiner Herkunft in der Schule in kleinen Wellen zu uns zurück. Behutsam und einfühlsam. Und manchmal auch mit überraschenden Wendungen.

So hatten wir vor ein paar Tagen Besuch von Maxim’s Klassenkameraden und dessen Mutter. Nach dem ersten Kaffee sprach sie mich zaghaft auf unsere „Familiengeschichte“, wie sie es nannte an: „Sag mal, der Maxim hat ja dem Johannes schon vor ein paar Wochen in der Schule von Eurer Familiengeschichte erzählt.“ Ich schwieg und wartete ab. „Ja, und dass er zwei Mütter hat, eine in Russland und Dich hier. – Das hat mich doch sehr berührt.“ Ich nickte wohlwollend und erzähle ihr kurz unsere Geschichte. Weniger die von Maxim und Nadeschda mit ihren Erfahrungen im Kinderheim, sondern vielmehr, dass beide in Russland geboren sind, und wir sie dort vor mehr als sechs Jahren adoptiert haben. „Und weißt Du, wir haben mit dem Schuleintritt beschlossen, dass unsere Kinder entscheiden sollen, wem und wann sie von ihrer Adoption erzählen. Denn es ist ihre Geschichte. Und mich freut es, dass Maxim nun so weit ist.“ „Seit ihr denn hier Zuhause immer offen mit der Adoption umgegangen?“ fragt die Mutter. „Ja, von Beginn an wussten unsere Kinder, dass wir sie adoptiert haben und dass sie ebenso noch eine Mutter in Russland haben.Daraus haben wir nie ein Geheimnis gemacht.“ „Das finde ich ganz großartig und mutig.“ fährt die andere Mutter fort. „Weißt Du, mich hat das sehr berührt. – Denn… ich habe erst mit 23 erfahren, dass ich von meinem Vater adoptiert wurde und dass mein leiblicher Vater in der Türkei lebt.“ Bumm, das saß! Plötzlich kommt das Thema „Adoption“ in unserem sozialen Umfeld doch auch an anderen Stellen vor, als wir es je vermutet hätten. Und dann auch noch so…. Ich war tief berührt von der Offenheit von Johannes’ Mutter. Im Nachhinein hatte ich fast das Gefühl, sie war so dankbar, dass sie sich mir mitteilen konnte und in mir ein Gegenüber fand, die sie verstand und ihre Situation nachvollziehen konnte.

In der Folge fragte sie viel nach, wie wir mit der Herkunft unserer Kinder umgehen würden, neben dem Erzählen und offen Gesprächsbereitschaft immer wieder zu signalisieren. Denn nicht immer wollen Maxim und Nadeschda über ihre Herkunft und ihre Zeit in Russland sprechen. Vor allem Nadeschda schiebt das Thema immer wieder gerne ganz weit von sich. Doch beide Kinder wissen, dass sie mit allen Fragen immer zu uns kommen können. Immer und zu jeder Zeit, auch wenn mich zuweilen die Gelegenheiten  , die sie aussuchen, doch immer wieder überraschen. Ja, und natürlich würden wir auch irgendwann nach Russland reisen, um die Mutter zu suchen, wenn Maxim und Nadeschda das denn wollten.

Johannes’ Mutter zeigte mir mit ihrer Geschichte – auch wenn die Hintergründe und Umstände bei ihr ganz andere gewesen waren – , wie wichtig es war, gegenüber seinen Adoptivkindern offen mit ihrer Herkunft umzugehen. Nichts unter den Tisch zu kehren, zu verheimlichen oder zu verleugnen. „Selbst als ich mit meinem ersten Kind schwanger war und ich meine Mutter nach der Familienanamnese fragte, verschwieg sie meinen leiblichen Vater. Erst ein paar Jahre später brach sie ihr Schweigen.“ Johannes’ Mutter suchte ihren Vater und fand ihn auch, doch es blieb bei einer einzigen Begegnung. Vielleicht weil sie so enttäuschend verlief, wie Sherrie Eldridge es von den Treffen mit ihrer leiblichen Mutter schildert.  „Weißt Du, bis heute kann ich es nicht mehr ertragen, wenn etwa unter den Tisch gekehrt wird. Ich muss immer alles ansprechen. Ich will immer die Wahrheit wissen. Das ist fast manisch, aber ich kann nicht anders. Auch wenn ich mir damit manchmal das Leben schwer mache.“ Ebenso bestätigte sie mich, als sie erzählte: „Und weißt Du, man spürt das. Als ich in der Pubertät war, da kam dieser ganze Mist mit ‚Ihr seid nicht meine richtigen Eltern!‘, ‚Ich bin vertauscht worden.‘, ‚Irgendetwas stimmt hier nicht.‘ und ich hatte Recht. Es war so. Denn mein leiblicher Vater war ein ganz anderer.“

Für mich war das ein spannender Nachmittag. Denn neben der Bestätigung dessen, dass wir im Umgang mit den Wurzeln unserer Kinder einen vielleicht heilsamen Weg eingeschlagen haben, war es mehr als interessant unverhofft die Erfahrungen einer erwachsenen Adoptierten teilen zu dürfen. Ohne dass ich sie gesucht hatte. Es war einfach an einem Nachmittag unter Schulmüttern passiert.

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Von Herkunft und Heimat (3) – Wurzelsuche bei Adoptivkindern

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In Vorbereitung auf ein Seminar mit Adoptivfamilien sagte eine Bekannte zu mir neulich: „Schauen Sie doch als Einführung einen Film.“ Ich zögerte und entgegnete: „An welchen haben Sie denn gedacht?“ „Lion! – Er zeigt sehr schön, wie unterschiedlich Adoptierte auf ihre Wurzelsuche reagieren. Der eine ist von vorne herein „problematisch“, negiert dann aber die Suche nach seiner Herkunft. Den anderen, überaus angepasst, erwischt seine Wurzelsuche mit voller Vehemenz und schickt ihn auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Man steckt nicht drin, was die Wurzelsuche mit adoptierten Kindern einmal macht. Und darauf müssen Adoptiveltern vorbereitet sein.“

Noch einmal zur Erinnerung: Basierend auf einer wahren Begebenheit, erzählt „Lion“ von der Suche nach dem Geburtsort und der Mutter des indischen Jungen Saroo. Chronologisch erzählt der Film seine Geschichte. Der fünfjährige Saroo versucht gemeinsam mit seinem älteren Bruder Guddu, die alleinerziehende Mutter nach Kräften zu unterstützen. Eines Abends bleibt der kleine Junge bei der Nachtarbeit jedoch schlafend am Bahnhof zurück – und steigt später in einen Zug, mit dem er ungewollt in die 1600 Kilometer entfernte Metropole Kalkutta fährt. Nach einer von Bedrohungen begleiteten Zeit auf der Straße landet Saroo in einem Waisenhaus. Da er weder die korrekte Bezeichnung seiner Heimatstadt noch den richtigen Namen seiner Mutter nennen kann, wird er zur Adoption freigegeben – und kommt so nach Tasmanien zu dem fürsorglichen Ehepaar Sue und John Brierley, welches bald darauf noch ein weiteres Kind aus Indien adoptiert, den schwer traumatisierten Mantosh. Zwei Dekaden später zieht Saroo nach Melbourne, wo er Hotel-Management studiert. Auf einer Studentenparty entdeckt er die indische Süßigkeit Jalebi, die ihn unmittelbar in seine verdrängte Kindheit zurück katapultiert. Als Saroo seiner neuen Clique von seiner Vergangenheit berichtet, ermutigen ihn seine Freunde, mit Hilfe von Google Earth sich auf die Suche zu begeben. So fängt er an, Berechnungen über seine damalige Zugfahrt anzustellen und seinen einstigen Wohnort zu suchen. Nach Jahren der Recherche findet er tatsächlich seinen Geburtsort und reist dorthin, um seine leibliche Mutter zu suchen und zu finden.

Ich habe den Film gesehen und bin gerade in den letzten Zügen des Buches, auf dem der Film basiert. Beides hat mich auf der einen Seite sehr mitgenommen und auf der anderen Seite sehr berührt. Auch wenn Saroos Geschichte wenig mit der meiner eigenen Kinder zu tun hat. Gemeinsam ist ihnen lediglich die Erfahrung der Adoption. Und Indien als Herkunftsland macht Saroos Lebensgeschichte auch noch einmal anders besonders, wie wir ja auch in der Dokumentation „Die Reise meines Lebens – Ruby sucht nach ihrer Mutter“  sehen konnten.

Dennoch, die Szenen, in denen der kleine Saroo nach seiner Mutter sucht und nach ihr fragt, er sie schmerzlich vermisst, während er schutzlos durch Kalkutta irrt, zerreissen einem das Herz. Zumal ich nachempfinden kann, dass es meinen eigenen Kindern in gewisser Weise auch so ergangen sein muss. Wie oft werden sie irgendwie nach ihrer russischen Mutter gerufen haben, als sie im Krankenhaus und später im Kinderheim waren. Werden diese Bilder irgendwann einmal wieder in ihnen hochkommen. Werden sie genauso von Flashbacks heimgeholt, die sie an ihre ersten Lebensjahre oder -monate erinnern? Wie werden sie dann damit umgehen? Wollen sie überhaupt damit umgehen? In der Therapie, die beide gemacht haben, kamen an der ein oder anderen Stelle im Unterbewussten bereits Erinnerungen hoch, ohne dass die Kinder sie kognitiv zuordnen konnten. Aber beide haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Herausnahme aus der Familie nachgestellt. Bewusst schieben sie alles andere weg. Auch wenn Maxim von seiner russischen Mutter spricht, so hat er keine konkreten Erinnerungen. Oder er will sich selbst mit diesen nicht konfrontieren, wie in der letzten Woche schon hier  geschrieben.

Im Gegensatz zu Saroo wissen wir, woher unsere Kinder kommen. Wir haben einen Geburtsort und wir haben die Namen der Eltern. Werden Maxim und Nadeschda sich irgendwann auf die Suche ihrer Wurzeln begeben wollen, beginnen sie nicht bei Null. Sie müssen sich nicht auf nebulöse Erinnerungen verlassen und versuchen diese faktisch zu rekonstruieren. Das würde es ein wenig leichter machen, auch wenn das logistische Abenteurer einer Spurensuche in Russland bleibt. Ob unsere beiden Kinder das überhaupt wollen, steht auf einem anderen Blatt. Das wird die Zeit zeigen. Wir als ihre Adoptiveltern können ihnen dann nur helfen und ihnen zur Seite stehen, ihnen frühzeitig zeigen, dass wir auch bei der Wurzelsuche für sie da sind und sie unterstützen, wo es nur geht.

Doch, das hat der Film auch sehr schön gezeigt, auf die Suche machen sich adoptierte Kinder dann oft alleine, ohne ihre Adoptiveltern. Es fällt ihnen schwer, diese mit einzubeziehen. Nicht, weil vorher die Adoption tabuisiert wurde – das war in der Vergangenheit einmal -, sondern weil sie ihre Adoptiveltern nicht verletzen wollen. Noch liegt die Wurzelsuche meiner Kinder in weiter Ferne, doch sie wird kommen, dessen bin ich mir gewiss. Wie sie sich gestaltet, werden wir sehen. Der emotionalen Herausforderung, vor allem für Nadeschda und Maxim, bin ich mir bewusst. Mögen meine Kinder bis dahin seelisch so stark sein, dass sie für diese Reise gewappnet sind.

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Herkunft und Heimat (2) – Vom Umgang meiner Kinder mit ihrer Herkunft

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Neulich stand Nadeschda vor der großen Weltkarte im Spielzimmer. Geschäftig ordnete sie die Flaggen zu einzelnen Ländern zu, die sie schon mit uns bereist hatte. Nach der schweizer, deutschen, französischen und amerikanischen Flagge hielt sie inne und fragte mich: „Und, Mama, welche Fahne ist noch wichtig?“ Ich antwortete: “Russland vielleicht? Denn da bist Du ja geboren.“ Vehement entgegnete daraufhin meine Tochter: „Nee, Mama, nee! Ich bin in Amerika geboren. Und da, da konnten sie sich um mich als Baby nicht kümmern und dann bin ich zu meiner deutschen Mama gekommen.“ „Und wer ist Deine deutsche Mama?“ Nadeschda guckt mich leicht genervt an: “Die ist doch im Himmel!“ Spätestens jetzt habe ich das Bedürfnis einzugreifen und weniger das geografische Fachwissen meiner kleinen Tochter aufzufrischen, als noch einmal ihre Lebensgeschichte ihr in Erinnerung zu bringen. „Nein, Nadeschda, Deine deutsche Mama bin ich. Aber Du bist in Russland geboren, genauso wie Maxim auch. Deine russische Mama konnte sich nicht mehr richtig um Euch kümmern und hat um Hilfe gebeten, neue Eltern für Euch zu suchen, die Euch ein Zuhause geben können, in dem ihr gut und sicher versorgt seid. Da haben sie den Papa und mich angerufen und wir sind nach Russland geflogen, um Euch kennenzulernen. Und nachdem der Richter geprüft hat, ob das auch alles in Ordnung ist, durften wir Euch zu uns nehmen.“ „Warum musste das der Richter prüfen?“ „Na, weil es Deiner russischen Mutter und auch dem Richter sehr sehr wichtig, war, dass ihr wirklich gute Eltern bekommt.“ Nadeschda kommentiert nur noch mit einem „Okay.“ Sie beginnt auf einem Bein zu hüpfen und beendet das Gespräch mit den Worten: „Mama, ich muss das jetzt üben.“

Herkunft und Heimat  beschäftigen langsam auch meine Tochter. Nadeschda ist noch an den Anfängen der bewussten Auseinandersetzung mit ihrer Lebensgeschichte. Doch es arbeitet in ihr, wie sie es auch in ihren Gedanken zur Wiedergeburt  zum Ausdruck brachte. Lange hat sie all das verdrängt, beharrlich daran festgehalten, dass sie ja im Gegensatz zu Maxim in meinem Bauch war. Selbst wenn sie mit einem trockenen Kommentar meines Sohnes konfrontiert wurde „Nein, waren wir nicht. Das weisst Du doch. Wir waren im Bauch unserer russischen Mama.“ und sich daraufhin immer eine kindliche Nein-Doch-Diskussion entfachte, bis ich intervenierte. Maxim hat seine Herkunft für sich für den Moment klar gestellt. Er ist in Russland geboren. Er hat zwei Mamas, eine in Deutschland und eine in Russland. Und die russische Mama ist für ihn im Himmel. Dass sie sich nicht mehr richtig um ihn und Nadeschda kümmern konnte, das will er nicht wissen. Das kann er nicht ertragen. Für ihn ist sie im Himmel. Damit kann er leben.

nesting-doll-697651_1280Auch seine russische Herkunft beginnt Maxim allmählich zu begreifen. Immer schon haben wir gelegentlich russisch gekocht und an Weihnachten gibt es immer ein russisches Gericht in unserem festlichen Menü. Wir lesen russische Märchen und Erzählungen vor. Wir feiern das russische Lichterfest. Ein Schulfreund von Maxim ist russischer Abstammung. In der Schule kokettiert Maxim damit, dass er in Russland geboren ist und dass ich Russisch spreche. Weiter geht er allerdings nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es ihn amüsiert, sein Gegenüber in der Ahnungslosigkeit versinken zu lassen, wenn er dann nicht weiter auf seine Lebensgeschichte eingeht. Manchmal weiss ich, dass er mehr zu erzählen nicht ertragen könnte. Das wäre zu viel von sich Preis zu geben. – Doch allmählich zeigt er zunehmend Interesse an Russland. Er möchte russisch (wieder) lernen. Er möchte mit uns nach Russland fahren. Seine russische Mutter will er (noch) nicht suchen – die ist ja für ihn im Himmel -. Aber er möchte das Kinderheim sehen und besuchen, in dem er gelebt hat. Bei ihm beginnt nun so etwas wie die Suche nach einer Heimat und konkretes Interesse an seiner Herkunft nimmt zu.

Nadeschda hingegen ist noch an dem Punkt, an dem sie ihre Lebensgeschichte losgelöst von einem geografischen Bezug für sich verarbeiten und so annehmen lernen muss, dass es für sie ertragbar ist. Nicht von Beginn an bei uns gewesen zu sein und stattdessen von ihrer russischen Mutter schmerzlich getrennt worden zu sein, ist im Bewussten für sie kaum zu verkraften. Es gehrt nach wie vor die tiefe Verletzung des Weggegeben worden zu seins in ihr. Auch wenn wir genau diesen Punkt ihrer Lebensgeschichte manchmal versuchen, weniger hart darzustellen, so spürt sie genau das, diese brutale Härte des Verlustes. Und am Ende muss ich sagen: Sie hat so recht und ihr Schmerz ist so berechtigt. Auch wenn es tausende von Gründen gegeben hat, warum ihre russische Mutter neue Eltern hat suchen lassen, ändert das nichts an der Tatsache, dass meine Tochter weggeben wurde. Das muss Nadeschda erst verarbeiten. Und dann wird sie sich vielleicht mehr mit ihrer Herkunft und ihren Wurzeln beschäftigen.

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Berührende Buchrezension zu „Anders Mutter werden“

cover_anders_mutter-werden_blogKatja von homeiswheretheboysare hat eine sehr berührende und treffende Rezension zu meinem Buch „Anders Mutter werden – Das erste Jahr nach einer Auslandsadoption“ geschrieben. Es bewegt und freut mich, dass unsere Geschichte und die Worte, die ich gefunden habe, um sie aufzuschreiben, so ankommen, wie ich es gemeint habe. Vor allem begeistert es mich, dass ich mit dem Buch nicht nur Adoptivmütter und-familien erreichen kann, sondern so viele Mütter ansprechen kann. Dank Dir Katja, für Deine wunderbare Rezension!

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Gewinnspiel Reminder: „Anders Eltern werden, anders Eltern sein…“

Mach bis zum 10. März 2017 mit und gewinne ein Buchexemplar von „Anders Mutter werden – Das erste Jahr nach unserer Auslandsadoption“

Mein Buch „Anders Mutter werden“ erzählt von unserem besonderen Familienalltag als Adoptivfamilie im ersten Jahr nach der Adoption unserer Kinder aus Russland. Immer wieder bildet die Frage und Suche nach dem richtigen Umgang mit der neuen Mutterrolle bildet den roten Faden meiner Geschichte.

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Doch nicht nur ich bin in vielen Aspekten anders Mutter. Manche von Euch lieben Lesern und Leserinnen sind ebenso anders in ihrer Rolle als Mutter oder Vater. Deshalb rufe ich in dieser Woche zum Gewinnspiel „Anders Eltern werden, anders Eltern sein“ auf: Wo seid Ihr anders? Wo fühlt Ihr Euch anders und wo wird es am besten deutlich? Ein paar spannende Familienkonstellationen und Gedanken zum „Anders Eltern sein“ sind schon unter den Kommentaren eingegangen.

Wenn Ihr also noch nicht geschrieben habt, aber noch mitmachen wollt, dann schreibt einen unterhaltsamen, provozierenden Gast-Post, nicht länger als Zeichen 3.000 Zeichen und schickt ihn mir über das Kontaktformular bis zum 10. März 2017 oder kommentiert unter dem Beitrag, wie es ja schon einige getan haben. Alle Gastbeiträge werden auf charlottesadoptionsblog.com veröffentlicht und mit dem absendenden Blog verlinkt. Der Post oder Kommentar mit den meisten „Likes“ bis zum 31. März 2017 gewinnt ein Buchexemplar „Anders Mutter werden – Das erste Jahr nach einer Auslandsadoption“.

Ich freue mich auf Eure rege Teilnahme.

P.S. Wenn Ihr selbst keinen Beitrag schreiben wollt, dann freuen sich aber die bisherigen „Kommentatoren“ über Eure „Likes“.

Zum Kleingedruckten:

Eine Barauszahlung ist nicht möglich und ich gebe die Adresse nicht an Dritte weiter. Außerdem gelten die allgemeinen Datenschutzbestimmungen.Ich behalte mir vor, die Verlosung jederzeit zu ändern, anzupassen oder zu beenden, wenn mir das notwendig erscheint.

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Filmrezension: „Die Reise meines Lebens – Ruby sucht nach ihrer Mutter“

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Am Dienstag zeigte das ZDF in seiner 37 Grad-Reihe „Reise meines Lebens – Ruby sucht ihre Mutter“ . Die 17jährige Ruby wurde im Alter von drei Jahren von ihren Eltern in Nepal adoptiert. Seitdem lebt sie im Hunsrück und steht kurz vor dem Abitur. Seit sie neun Jahre alt ist, beschäftigt sie die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Unerwartet erhält sie eines Tages eine E-Mail ihrer nepalesischen Schwester. Ruby beschließt, ohne ihre Eltern, aber mit ihrem Freund für zwei Wochen nach Nepal zu reisen, um ihre leibliche Familie kennenzulernen. Vor der Abreise sagt Ruby in einem Interview auf die Frage, was ihr Wunsch an diese Reise ist: „Ich suche mich!“

Die Reise wird tatsächlich zu einer Reise zu sich selbst. Wohlwollend und glücklich nimmt ihre nepalesische Familie Ruby und ihren Freund auf, zwei Wochen erleben sie gemeinsam den nepalesischen Alltag. Trotz Sprachbarrieren kommen sich Mutter und Tochter jeden Tag ein Stück näher, ohne Groll und Wut über das Vergangene. Nach und nach erfährt Ruby die genauen Umstände ihrer Adoption, genauso wie auch ihr tatsächliches Geburtsdatum. Man spürt als Zuschauer förmlich, wie sich im Verlauf der Reise eine Lücke in Ruby schließt. Am Ende ist es für Ruby keine Entscheidung des Entweder-Oder, sondern des Sowohl als auch. Nepal gehört zu ihr, genauso wie Deutschland, ihre Adoptiveltern sind ihre Eltern, genauso wie ihre nepalesische Mutter ihre Mutter ist und ihre nepalesischen Geschwister Teil ihrer Familie sind. Am Ende des Films sagt Ruby: „Ich habe das letzte Puzzlestück in meiner Biografie gefunden. (…) Es war das Wichtigste, was jemals in meinem Leben passiert ist, und ich möchte im nächsten Jahr zusammen mit meinen Eltern nach Nepal.“

Auch hier ist wieder eine feinfühlige Reportage über ein sensibles Adoptionsthema gelungen. Man spürt, dass die Filmemacherin Tina Radke-Gerlach selbst Adoptionserfahren ist und mit ihrer eigenen Adoptivtochter durch genau diese Wurzelsuche gegangen ist. Vor allem gelingt es ihr, den Mut und das Selbstbewusstsein, das Ruby entwickelt hat und mit dem sie an ihre Wurzelsuche geht, deutlich herauszuarbeiten. Da ist ein gefestigtes Mädchen, dass sich, wie sie ja selbst sagt, auf die Suche nach einem Stück nach sich selbst begibt. Sehr bewusst entscheidet sie auch, diese Reise ohne ihre Adoptiveltern anzutreten, die ihr diesen Wunsch auch gewähren. Am Ende ist es eine glückliche und erfüllende Wurzelsuche, in der Ruby’s Sehnsucht gestillt wird und ihr Wunsch in Erfüllung geht. Sie findet den fehlenden Teil ihres Selbst und kann die Lücken in ihrer Biografie schließen. Ja, reich beschenkt kehrt sie nach Deutschland zurück.

Doch nicht immer oder wahrscheinlich eher selten fallen die Wurzelsuchen von Adoptierten so glücklich und erfüllend aus. Es gibt genügend Beispiele in der Fachliteratur, wo die Suche nach der leiblichen Mutter weniger erfüllend ausfällt. Und auch ich weiß, dass im Falle meiner Kinder die Suche nach ihren Wurzeln ein abenteuerliches Unterfangen werden kann. Das hängt zum einen mit den Umständen der Adoption zusammen, zum anderen mit dem Land aus dem sie stammen. Wir werden uns dieser Wurzelsuche irgendwann stellen müssen und wollen dies auch. Wie Ruby beginnt Maxim immer häufiger von Russland zu sprechen. Noch ist für ihn seine russische Mutter im Himmel und er hat kein Bedürfnis nach ihr zu suchen. Doch er möchte in seine Geburtsstadt reisen und das Kinderheim besuchen, in dem er gelebt hat. Diesen Wunsch äußert er bereits jetzt.

Auch wenn ich mir bewusst bin, dass die Suche nach ihrer Herkunft für meine Kinder nicht zu so einem glücklichen Ende führt, so macht die Reportage „Die Reise meines Lebens“ mir Mut. Eine Konfrontation mit ihren Wurzeln wird meine Kinder auf jeden Fall bestärken und selbstbewusster machen, als sie es eh schon sind. Egal wie die Suche ausgehen wird, sie werden – wie Ruby – in sich „vollständiger“ von dieser Reise zurückkehren. Auch für Maxim und Nadeschda wird es eine Reise zu sich selbst sein. Dessen bin ich mir sicher.

Die Reportage „Die Reise meines Lebens – Ruby sucht nach ihrer Mutter“ wird am 27.02.2017, 00:35 Uhr auf 3sat wiederholt und ist in der ZDF Mediathek zu sehen.

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„Anders Mutter werden – Das erste Jahr nach einer Auslandsadoption“

„Sometimes the strength of motherhood is greater than natural laws.“ 
(Barbara Kingsolver)

cover_anders_mutter-werden_blogNach der Adoption unserer zwei Kindern aus Russland habe ich meine Erfahrungen aus dem ersten Jahr als Adoptivfamilie aufgeschrieben. Auszüge daraus haben Euch auf diesem Blog begleitet. Als erzählendes Sachbuch schildert „Anders Mutter werden“ nun den besonderen Alltag, die unterschiedlichen Herausforderungen, Veränderungen und Schicksalsschläge sowie die Reaktionen des sozialen Umfeldes im ersten Jahr einer frisch gebackenen Adoptivfamilie. Die Suche nach dem richtigen Umgang mit der neuen Mutterrolle bildet seinen roten Faden. Es ist das erste Buch auf dem deutschen Markt, das sich intensiv mit der ersten Zeit nach einer Auslandsadoption befasst.