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Charlotte’s Sonntagslieblinge (104)

child little girl with glasses reading a books

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Obwohl das Gespenst zurück ist, geht es uns doch gut. In dieser Woche hat es uns wieder eingeholt, das Gespenst. Nicht dass Maxim erneut ohnmächtig geworden ist, doch nachdem er immer wieder und vor allem seitdem die Schule wieder begonnen hat, vermehrt über Kopfschmerzen klagt, immer einmal wieder, haben wir nun eine weitergehende Diagnostik begonnen. Bisher ohne Ergebnis und das ist auch gut so, betreiben wir doch ganz gezielt „Ausschlussdiagnostik“, wie es der Kinderarzt genannt hat. Das ist mühselig und zeitaufwendig, und ein kleiner Drahtseilakt, während ich nun gerade Vollzeit in der Schule arbeite. Zum Glück allerdings nur bis zu den nächsten Ferien. Danach ist es dann wieder weniger. Und wir bekommen das alles ganz gut hin, das mit dem Arbeiten und der Fürsorge, zumindest im Moment…. Um so dankbarer bin ich nach einem ruhigen Wochenende für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Meine Drittklässler, bei denen ich im Moment im Unterricht sein darf, sind ganz zauberhaft. Etliche von ihnen habe ich ja schon seit ein paar Wochen bei mir im Hort. Und nach einer Begebenheit, wo ich einfach der Überforderung eines Mädchens nachgegeben habe, sind sie alle auf meiner Seite. „Das ist einfach so lieb von Dir, dass Du die Lisa hier hast bleiben lassen dürfen, wo sie doch so gar nicht mehr konnte…“ Nun sind sie alle ganz emsig dabei, mit mir auch im Unterricht zu arbeiten. Das ist großartig. Und ich hoffe, das hält noch eine Weile an.
  2. Maxim hat einen neuen Plan: „Mama, ich räume jetzt 40 Wochen (!!!) mein Zimmer immer auf und Du brauchst Dich hier um nichts zu kümmern. Und dann reden wir über einen Hund…“ Okay, in 40 Wochen sind wir schon weit im nächsten Kalenderjahr. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob mein Sohn das überreißt, aber im nächsten Frühjahr könnten wir tatsächlich einmal über ein Haustier reden. Aber ob es ein Hund wird, oder dann doch meine favorisierte Lösung von zwei Katzen werden wir sehen….
  3. Nadeschda liest und liest und liest. Sie hat sich die kleinen Buchstaben erschlossen, obwohl wir sie nicht geschrieben haben. Ich wollte das eigentlich der Klassenlehrerin überlassen und da nicht reingrätschen. Reicht ja schon, dass ich die Kleinbuchstaben, zumindest den Teil, den man braucht, um mal einfach Texte zu lesen, Zuhause visuell eingeführt hatte. Nachdem wir dann doch irgendwie ins Stocken kamen, dachte ich, schreiben wäre jetzt doch vielleicht ganz gut. Doch bei den Übungsblättern sagte meine Tochter: „Das brauche ich nicht, Mama. Das kann ich schon.“, nahm ein Blatt und schrieb das kleine t, das kleine f und das kleine a. Okay. Geht das dann auch anders herum? Nur sehen, verinnerlichen, ohne in die Bewegung zu gehen und den Buchstaben zu schreiben? Meine Tochter gibt mir immer wieder Rätsel auf, aber wenn es sich so entwickelt, dann freue ich mich einfach!

Habt noch einen wunderbaren Sonntag und einen erfolgreichen Start in die neue Woche!

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Über mangelnde Wertschätzung von Betreuungsarbeit

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Photo by Celia Ortega on unsplash.com

Nadeschda hatte nach den Ferien eine kleine Theatervorführung an der Schule. Als wir auf den Beginn der Vorstellung warteten, wurde ich von mehreren Müttern an unsere Schule mit den Worten begrüßt: „Na, Du Retterin unserer Schule.“ Ich wunderte mich ein wenig. Im Grunde habe ich nichts Weltbewegendes getan. Oder doch?

Im Hort der Schule unserer Kinder ist aufgrund einer längeren Krankheit eine Kraft ausgefallen. Nicht eine, die „nur“ die Kinder beim Spielen betreut, sondern eine Fachkraft, die auch die Hausaufgaben begleitet. Es ist also nicht irgendwer ausgefallen, sondern eine Betreuerin, die eine essentielle Aufgabe neben der Schule wahrnimmt, nämlich mit den Kindern das bei den Hausaufgaben nachzuarbeiten, was Zuhause aus welchen Gründen auch immer – meist mangelnde Zeit – nicht gewährleistet werden kann. Denn beide Eltern sind berufstätig, weil sie das wollen und vor allem auch müssen. Dies ist auch mit ein Grund für so viele Schüler an unserer Schule, da hier einfach eine konstante Betreuung bis 16:00h angeboten wird. Selbst bei „Hitzefrei“, wie gerade in den vergangenen Wochen. Und die Eltern wollen eben auch, dass die Hausaufgaben ordentlich gemacht sind und mit all dem „Schaff“, den Schule eigentlich so mitbringt, nichts zu tun haben.

In den Ferien kam der Hilferuf der Schule, ob ich nicht einspringen könnte. Nun, die komplette Zeit war für mich nicht zu realisieren – ich habe ja noch eine Fürsorgeaufgabe Zuhause – , aber ich habe dann binnen zwei Tagen eine Lösung für die Schule gefunden. Nun teile ich mir den Job mit einer Kollegin aus meiner Ausbildung, der ich den Job angeboten habe. Schon mit der Suche nach einer neuen Betreuungskraft für die Mittelstufe hatte die Schule extreme Schwierigkeiten, und so waren sie natürlich dankbar, dass ich so schnell reagiert habe.

Seitdem treibt mich aber der Gedanke um, warum das eigentlich Alles so schwierig ist. Mit „das Alles“ meine ich: Warum ist es so schwierig, wo doch in unserem Land Betreuung der Kinder vermeidlich so hoch gehalten wird, adäquate Betreuungskräfte zu finden? – Egal in welchem Feld der Betreuung. Denn auch als ich im Frühjahr eine Betreuerin für meine Mutter – also jemanden, der dreimal die Woche mit ihr die Dinge des Alltags erledigt, mit ihr spazieren geht, etc. – gesucht habe, gestaltete sich die Suche ähnlich schwierig. – Nicht das alle minder qualifiziert sind. Nein. Es gibt einfach niemanden!

Mit Blick auf die Schule treibt mich das natürlich gerade mehr um und so will ich auch bei dieser Baustelle bleiben. In den Medien geht wieder die Diskussion um die Erfüllung des Betreuungsangebots und der Kindergartenplätze für alle Kinder ab drei Jahren um. War ja ein Gesetz. Und selbst in den einschlägigen Medien des Hauses der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab es einen Artikel („Wartelistenplatz Nr. 374“ vom 3. 08.2018) , wie sich in den vergangenen Jahren die Arbeitsverhältnisse vor dem Hintergrund der veränderten Betreuungssituation geändert haben, dank des vermeidlich ausgebauten Betreuungsangebots. Waren es 2006 noch 48 Prozent aller Paare, in denen der Mann der Alleinverdiener in der Familie war und 26 Prozent aller Paare, in denen der Mann Vollzeit und die Frau in Teilzeit arbeitete, so verschob sich dies bis  2016 zu 39 Prozent und er erst genannten Gruppe und 34 Prozent in der zweitgenannten Gruppe. Das mag ja alles gut und schön sein, und seit dem 1. August 2018 sind nun in einigen Bundesländern auch die ersten sechs Stunden am Tag der Betreuung in einem Kindergarten kostenlos. Alles wunderbar. Aber was passiert, wenn dann mal die zauberhafte Kindergartenzeit vorbei ist? Dann beginnt der Run auf die wenigen und heiß begehrten Hortplätze. Und wenn Kindergartenplätze gerade in den Großstädten noch nicht ausreichend geschaffen worden sind, wie sieht das dann erst in den Horten aus? Mal ganz abgesehen davon, dass man dort selbst bei einem Ausbau keine Kräfte findet. Und schon gar nicht zu den Gehältern, die dort bezahlt werden. Auch an unserer Schule könnte man über den Ausbau des Hortes nachdenken. Aber wer soll dann den Job machen?

Die Politik sagt, dass immer mehr Frauen wieder in die Erwerbstätigkeit gehen sollen. Das mag ja auch eine gute Idee sein. Aber wenn die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen sind, wie soll das dann funktionieren? Und Voraussetzungen heißt für mich eben nicht nur ordentliche und schöne Kindergartenplätze zu schaffen, wo sich die Kleinen auch wirklich wohl fühlen. – Erst in den vergangenen Tagen habe ich im Radio wieder eine Diskussion gehört, wie man es kleinen Kindern leichter machen kann, sich von der Mutter im Kindergarten zu trennen. Mag ja alles sein. Aber wenn das Kind in dem Kindergarten nun völlig überfordert ist, weil es sich auf einmal mit 18 oder meist mehr Kindern in einem „offenen Konzept“  zurechtfinden soll, dann ist das nicht die Lösung, um Mütter in den Arbeitsmarkt zurückzuschicken. – Ungeachtet dessen, dass es dann mit Eintritt in die Schule vorbei ist mit der Herrlichkeit. Denn dann ist es vorbei mit zwei Wochen kompletter Schließzeit im Jahr, wenn es denn vorher gut lief. Dann stehen je nach Bundesland 14 Wochen Schulferien an, die nur begrenzt durch den Hort abgedeckt werden, wenn es denn einen gibt und wenn man da einen Platz bekommt. Wie soll es dann funktionieren, dass beide Eltern arbeiten und ihr Kind in der Zeit gut betreut ist?

Was es wirklich braucht, sind gute Betreuungskonzepte, wenn die Kinder dann einmal in der Schule sind. Nicht nur gute Betreuungsideen, dass die Kinder sich wohlfühlen, sondern auch gute Konzepte, dass man die Pädagogen findet, die diese Aufgaben mit Schulkindern bewältigen können und wollen. Denn auch hier in der Schule ist es neben dem fachlichen Wissen, um den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, ganz viel Beziehungspflege, die nötig ist. Das erlebe ich nun jeden Tag. – Natürlich geht mir das Herz auf, wenn ein 3. Klässler vor mir steht und sagt: „Wir haben heute Hausaufgaben auf. Und die will ich unbedingt bei Dir machen.“. Und wenn sie dann da alle sitzen ganz brav und ruhig und mit ihren Texten kämpfen, die sie in Schreibschrift übertragen müssen. Oder ich sehe, dass ein Mädchen, dass ich eben noch aus dem Kindergarten kenne, weil sie mit Nadeschda in einer Gruppe war, fast weint; ich mich zu ihr setze und sie beruhige und sie immer wieder sagt: „Ich schaffe das nicht, und ich muss doch eigentlich raus zu meinem kleinen Bruder. Der ist gerade ein die Vorklasse gekommen und der tut sich so schwer draußen.“ und ich sie in den Arm nehme und sage: „Du schaffst das. Ich helfe Dir. Du kannst das jetzt mit meiner Hilfe ganz schnell schreiben und dann gehst Du zu Deinem Bruder. Und solange Du hier bist, ist er draußen gut aufgehoben.“ Und das Mädchen einfach mit einem schweren Seufzer der Erleichterung das schreibt, was ich vorgemalt habe.

Die Arbeit mit Kindern ist so wunderbar, wenn auch anstrengend und herausfordernd. Und sie ist so unermesslich wichtig. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern, damit sie ruhigen Gewissens ihre berufstätigen Pflichten erfüllen können. Doch oft frage ich mich, warum diese Arbeit so wenig anerkannt und wertgeschätzt wird. Wenn ich allerdings so darüber nachdenke, ist das kaum verwunderlich: Denn wenn die Fürsorgearbeit Zuhause schon nicht wahrgenommen und wertgeschätzt wird, warum sollte man die Betreuungsarbeit außerhalb des Zuhauses, an die ja nur dieselbe heimische Fürsorgearbeit ausgelagert wird, wertschätzen und vielleicht auch entsprechend honorieren?

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#bestofElternblogs im September 2018

silhouette of happy mother and kids at sunset

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Die liebe Anja von der Kellerbande  ruft jeden Monat dazu auf, den meist gelesenen Beitrag des vergangenen Monats zu benennen und zu teilen. Nach einem bewegenden Monat August, in dem ich auch ganz vielschichtige Themen veröffentlichen konnte, und mich ohnehin über ungeahnte und lange nicht dagewesene Zugriffszahlen freuen konnte, beteilige ich mich doch wieder sehr gerne an dieser wunderbaren Blogparade. Denn eigentlich hat mich das Ergebnis ein wenig überrascht – schon interessant, das ist oft so, dass ein Beitrag am meisten gelesen wird, von dem ich es gar nicht erwartet habe: Mein meist gelesener Beitrag war im August „Wie viel Berufstätigkeit vertragen (meine) Adoptivkinder?“, in dem ich einmal wieder darauf eingehen, wie sich überhaupt eine Berufstätigkeit mit dem Muttersein für zwei Adoptivkinder vereinbaren lässt, nämlich eigentlich gar nicht… Aber lest selbst!

Habt Dank für’s Lesen, Liken, Kommentieren und Schreiben….und genießt noch dieses so wunderbare Wochenende!

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Wie viel Berufstätigkeit vertragen (meine) Adoptivkinder?

silhouette of happy mother and kids at sunset

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

An der ein oder anderen Stelle hatte ich in den vergangenen Jahren, die es meinen Blog mittlerweile gibt, über das Thema der Berufstätigkeit als Adoptivmutter geschrieben. Im Grunde ist das Thema der Berufstätigkeit ein Dauerbrenner für mich, auch wenn ich mich immer mehr in mein „Schicksal“ als maximal teilzeitarbeitende Frau gefügt habe. Denn irgendwann werden meine Kinder größer und brauchen mich vielleicht nicht mehr so sehr. Doch dann wäre ich für den Arbeitsmarkt unbrauchbar. Bereits ein paar denkwürdige Kontakte mit der Arbeitsvermittlung im vergangenen Jahr bestätigten mir dieses Gefühl. Und auch wenn mein Mann uns gut versorgt und wir in der luxuriösen Situation sind, dass ich nicht zwingend arbeiten muss, so gibt es doch niemals eine absolute Garantie, dass das alles auch so bleibt. Inspiriert von ein paar Nachfragen von einzelnen Leserinnen und unserer aktuellen Situation, dass ich nun nach den Ferien konstant in Teilzeit arbeite – mal sehen wie lange das gut geht – greife ich das Thema der Berufstätigkeit wieder auf. Zumal mich genauso erneut die Frage nach der Wertschätzung von Fürsorgearbeit in unserer Gesellschaft, wie Claire von mamastreikt sie immer wieder zurecht aufwirft, umtreibt. Aber dazu an anderer Stelle in den kommenden Tagen mehr.

Meine Kinder brauchen eine „Übermutter“

Doch wie viel Berufstätigkeit vertragen Maxim und Nadeschda? Die Lebensgeschichte meiner Kinder begann mit dem schlimmsten, was man sich im Leben eines kleinen Menschen vorstellen kann, wie gerade erst Irmela Wiemann in einem Interview in der Aargauer Zeitung sagte: Sie wurden von ihrer leibliche Mutter getrennt. Wie so viele Adoptivkinder mussten sie in ihren ersten Lebensjahren Dinge erleben, die kaum ein Erwachsener verkraften könnte. Ihr Urvertrauen wurde zerstört, und also Folge sie lassen sich schwer auf neue Bindungen ein, sie fühlen sich selten sicher und behütet. Ihre Frustrationstoleranz ist niedrig, das Lernen fällt ihnen schwer. Sie können Risiken nicht richtig einschätzen, übernehmen sich entweder, oder trauen sich vor lauter Angst gar nichts zu. Ihnen fehlt die entscheidende innere Basis an Vertrauen und Sicherheit, die leiblich und behütet geborene Kinder von Natur aus haben.

Meine Kinder brauchen eine „Übermutter“. Dies nicht nur im Sinne von zusätzlicher Förderung, um etwaige Entwicklungsverzögerungen, Sprachstörungen oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen zu überwinden. – Sie brauchen ein Vielfaches an Zuneigung, Nähe, Fürsorge, Kümmern, Begleiten. Nur wenn ich da bin, spüren sie den Halt und die Sicherheit, um sich gesund zu entwickeln. In den ersten Jahren war es ein Nachnähren vom Baby- und Kleinkind sein, von dem man ausgehen könnte, dass es irgendwann einmal abgeschlossen ist. Aber Kinder mit frühtraumatisierenden Erfahrungen, wie die Trennung von der leiblichen Mutter, fallen immer wieder in solche frühen Entwicklungsphasen zurück. Sie sind ein „Fass ohne Boden“, sie saugen die Zuneigung und das kleinkindliche Umsorgen auf wie ein trockener Schwamm. Ich war mir bei der Adoption der Folgen der Traumatisierung bewusst. Doch glaubte ich noch, dass meine Kinder nur im ersten Jahr therapeutische Unterstützung brauchen, um ihre Entwicklungsdefizite aufzuholen, und in den ersten Monaten meine permanente Fürsorge und Anwesenheit, um eine stabile Bindung aufzubauen. Aber nach beinahe einem Jahrzehnt muss ich feststellen: Das reicht nicht aus. Meine Kinder brauchen viel mehr. Noch heute benötigen sie immer einmal wieder therapeutische Hilfe in unterschiedlicher Form. Noch heute muss ich als ihre Mutter permanent verfügbar sein. Und immer da sein. Bin ich es nicht, verlieren meine Kinder ihren Halt und stellen unsere Bindung von neuem in Frage. – Erst in dieser Woche fanden meine Kinder mich nicht, als ich sie von der Schule mittags abholte. (Sie hatten mich beim Essen schon gesehen und wussten also, dass ich da bin.) Ich war an einer anderen Stelle in der Mensa mit einer Lehrerin im Gespräch. Die Panik stand Maxim und Nadeschda noch ins Gesicht geschrieben, als sie mich fanden. Und aus ihrer Wut „Mama, kannst Du verdammt nochmal Bescheid sagen, wenn Du weggehst!“ sprach die pure Angst, allein gelassen zu werden. –

Unser Alltag ist nach wie vor wenig geprägt von freiem sorglosem Spiel, sondern dominiert von vielen Therapieterminen, Arztbesuchen, Aktivitäten, die die Kinder in den Bereichen fördern, wo sie noch Unterstützung brauchen, lernen für die Schule, üben für die Logopädin, etc. Wir müssen einem sklavischen Tagesablauf folgen, der immer den gleichen Rhythmus und die gleiche Struktur hat. Nur das gibt den Kindern Sicherheit. Zudem reicht der routinierte Tagesablauf nicht aus, sondern Maxim und Nadeschda  brauchen mich, ihre Mutter, als stabilen Anker in ihrem Alltag. Diese Fürsorgearbeit für meine Kinder abzugeben, ist keine Option.

Permanente Fürsorge

So fahre ich meine Kinder in die Schule und zu ihren Freizeitaktivitäten und begleite sie bis zum Unterricht, nicht weil ich glaube, dass sie es selbst nicht könnten, oder weil ich fürchte, dass ihnen etwas im Straßenverkehr passiert. Nein, meine Tochter braucht mein Umsorgen als ihre Mutter, damit sie die Kraft für den Musikschulunterricht hat, dass sie weiss, dass ich da bin. Immer. Genauso lässt mein Sohn sich nach wie vor mit inzwischen zehn Jahren morgens beim Anziehen helfen, seinen Schulranzen packen, das Brot beim Essen schmieren. Nicht weil er es nicht selbst könnte, sondern weil er diese Form der Fürsorge nach wie vor braucht.

Wenn ich sage, dass ich meine Kinder zum Abitur trage, dann nicht, weil ich die Hoffnung hege, dass aus ihnen Starwissenschaftler oder Top-Manager werden. Nein. Es geht darum, sie solange wie möglich in einem behüteten und steuerbaren Lernumfeld zu belassen, bis sie auf eigenen Füßen stehen können. Viele Adoptions-Experten gehen davon aus, dass frühtraumatisierte Kinder erst mit Anfang zwanzig gelernt haben, mit ihrem Trauma zu leben und die Ausprägungen dessen selbst kontrollieren können. Erst dann sind sie vollends fähig, ein normales bürgerliches Leben zu leben. Es geht also darum, ihnen solange wie möglich einen Raum für innere Heilung zu geben.

Permanente Schulbegleitung

Eine Ausprägung der Traumatisierung ist sowohl bei Nadeschda als auch bei Maxim, dass die Schule ein unglaublicher Stressfaktor für beide ist. In der Folge zeigen sie Tendenzen eines anstrengungsverweigernden Verhaltens, über das ich schon an vielen Stellen geschrieben habe. Entscheidend ist bei beiden,d ass sie in Phasen der Überforderung einfach im Unterricht dissoziieren, also das Unterrichtsgeschehen einfach an ihnen vorbei rauscht. So müssen wir täglich Zuhause für die Schule arbeiten, sei es den Unterrichtsstoff nachholen, den sie nicht mitbekommen haben, sei es bestimmte Themen immer wieder und wieder zu üben, dass sie Sicherheit gewinnen und das Erlernte von ihnen eben nicht mehr als anstrengend empfunden und damit nicht mehr abgelehnt oder vermieden wird. Das braucht Zeit, viel Zeit. Je nach emotionaler Verfassung meiner Kinder arbeiten wir ein bis drei Stunden täglich, jeden Tag, egal ob Wochentag, Wochenende oder Ferien. Zudem engagiere ich mich bewusst in der Schule, um meinen Kindern das Fünkchen Mehraufmerksamkeit der Lehrköper auf der einen Seite und eine Portion mehr Wohlwollen zu teil werden zu lassen. Auch das kostet Zeit.

Der Löwenanteil der Fürsorge für Maxim und Nadeschda liegt also bei mir. Ich kümmere mich um die Schule, begleite Hausaufgaben und tägliches Üben, ich organisiere ihre Hobbies und Verabredungen, ich sorge für die richtige Begleitung durch Ärzte, Therapeuten etc., ich bin für sie immer verfügbar. Berufstätig sein kann ich nur in der Zeit, in der die Kinder in der Schule sind. Das ist nicht viel Zeit. – Ungeachtet dessen, dass hinzukommt, dass ebenso jegliche Familienarbeit auf meinen Schultern lastet. Denn Richard und ich haben uns auf die klassische Arbeitsteilung verständigt, was bedeutet, er verdient das Geld und ich mache den Rest. Dass der „Rest“ aber eben auch noch eine ganze Menge ist, wird viel zu wenig gesehen. – Bin ich außerhalb der Schule nicht so für meine Kinder da, wie ich es nun schon seit so vielen Jahren bin, verlieren sie ihren Halt, ihre Sicherheit. Dann bleibt vieles auf der Strecke. Und die Chancen sinken, dass sie irgendwann einmal heilsam mit ihrem Trauma leben und ein ganz normales bürgerliches Leben führen können. Doch sie genau dahin zu begleiten ist meine Hauptverantwortung und vor dieser muss eine Berufstätigkeit immer zurücktreten. So könnte ich also auch meine Ausgangsfrage „Wie viel Berufstätigkeit vertragen meine Adoptivkinder?“ mit einem einzigen Wort beantworten: KEINE!

P.S. Gerade als ich diesen Post fertig geschrieben hatte, rief die Schule an. Ich möge Maxim abholen. Er hätte starke Kopfschmerzen…..

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (71)

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Photo by Alisa Anton on unsplash.com

Die erste Woche Schulalltag liegt hinter uns. Mit recht großen Veränderungen, die Maxim und Nadeschda bravurös gemeistert haben. Ich arbeite nun jeden Tag für ein paar Stunden an der Schule. Kurzfristig bin ich für eine erkrankte Kollegin eingesprungen. Nun müssen Maxim und Nadeschda auch länger in der Schule bleiben. Beide haben das aber gut geschafft. Vielleicht auch, weil ich unser außerschulisches Leben drastisch entschleunigt habe. Es ist eine Phase. Und das ist gut so. Auf Dauer bin ich mir noch nicht sicher, ob dies ein gutes Konzept für unseren Alltag ist. Das werden die nächsten Wochen zeigen. Doch für den Moment bin ich dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Nadeschda verkündete Anfang der Woche, dass sie das nun mit der Schule und den Hausaufgaben ganz alleine macht. Mein heimlicher Blick in ihre Hefte zeigt mir, dass sie es wirklich ernst meint und gewissenhaft ihre Aufgaben erledigt. So schnell ist sie ein großes Schulkind. Wunderbar!
  2. Der Blick über den Tellerrand hilft. Die Arbeit mit den Kindern in der 5. und 6. Klasse zeigt mir, wie weit Maxim schon ist. Wie gut er vor allem schreiben und lesen kann! Wieder einmal war ich so stolz auf meinen Sohn, welch langen Weg er schon gegangen ist und wie sich doch alle Mühen auszahlen.
  3. Auch wenn sich nun vorübergehend unsere Übzeiten verschoben haben, so hat sich bisher meine alte Freundin, die Anstrengungsverweigerung noch nicht wieder gezeigt. Im Gegenteil, beide Kinder arbeiten ungewohnt vorbildlich. Das beruhigt für den Augenblick ungemein.

Nachdem ich nun auch wieder in der Akademie die Schulbank drücken musste, und dies auch das ganze Wochenende, freue ich mich nun noch auf einen ruhigen Sonntagnachmittag und eine wohlbehaltenen Start in eine neue spannende Woche. Möge es für Euch auch eine erfüllte werden.

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Meine Karriere, seine Karriere, unsere Karriere? – Vom Zurückstecken, Unterordnen oder klassischer Arbeitsteilung in der Familie

happy family with two kids walking at sunset

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Meine Berufstätigkeit beschäftigt mich gedanklich nach wie vor. Gerade im Augenblick, wo wir uns noch in die 1. Klasse einfügen, wo wir nach einer langen und erholsamen Sommerpause wieder in unseren Tritt und Rhythmus kommen müssen. Gerade jetzt ist die „Familienarbeit“ wieder sehr intensiv und eine Teilzeitarbeit egal in welchem Umfang eher fraglich. Doch auch meine Kinder werden größer, eine irgendwie geartete Altersversorgung braucht es dann auch einmal irgendwann und ob wir uns auf den beruflichen Erfolg meines Mannes auf Dauer verlassen können, ist auch nicht immer gewiss. Insofern ist ein sich vollständig aus der Arbeitswelt verabschieden auf Dauer nicht unbedingt eine Option. Über Katharina’s Beitrag „Mein Mann, seine Karriere und ich und warum diese Überschrift für uns doch nicht passt“ auf Kinderleute bin ich auf Berdiens Blogparade „Mein Mann, seine Karriere und ich“ auf ihrem Blog Bejewly aufmerksam geworden und mache gerne mit.

Als Richard und ich uns kennenlernten, arbeiteten wir in ähnlichen Jobs in ein und derselben Branche. Gleichberechtigt arbeiteten wir und teilten uns unseren Alltag. Im Gegensatz zu Katharinas Erfahrung, war er auch ein Partner, der mich immer ermutigte, meine Hobbys aufrechtzuerhalten bzw. eingeschlafenen Hobbys wieder aufzugreifen. Er richtete mir sogar eine eigene Werkstatt zum Malen ein. In unserer Lebensplanung sagten wir immer: „Derjenige der mehr verdient, bestimmt den Wohnort und den Lebensmittelpunkt.“  Es gehört zu den Ungerechtigkeiten des Lebens und der Wirtschaft und zu Richards Verhandlungskünsten, dass er schnell deutlich mehr verdiente als ich und zügiger in seiner Karriere vorankam. Insofern war bei unserer Familienplanung klar, dass ich in Elternzeit gehen würde und danach für das Kind vorerst beruflich zurückstecken würde. Mich vollständig aus dem Berufsleben zu verabschieden, stand damals nicht zur Diskussion. Auch im Adoptionsprozess hielt ich an der Idee fest, nach einem Jahr wieder – zwar reduziert – in meinen alten Beruf einzusteigen.

Doch das Leben hatte vielleicht anderes im Sinn mit mir. Denn es kam alles anders. Wir adoptierten nicht nur ein Kind, sondern gleich zwei. Meine Schwiegermutter, die Teil einer Unterstützung hätte sein können, erkrankte an Krebs und starb zehn Monate nach Ankunft von Maxim und Nadeschda. Und erst mit der Zeit zeigte sich immer mehr, wie viel Fürsorge, Unterstützung und konstante Präsenz unsere beide Kindern von einem Elternteil brauchten und bis heute brauchen. So blieb ich also weiter Zuhause. Ich kann zwar inzwischen ein wenig freiberuflich arbeiten und habe ein Buch geschrieben. Doch eine Aufgabe in einem regelmäßigen Angestelltenverhältnis ist zur Zeit noch undenkbar. Denn der Hauptteil der Fürsorge für Maxim und Nadeschda liegt bei mir. Ich kümmere mich um die Schule, begleite Hausaufgaben und tägliches Üben, ich organisiere ihre Hobbies und Verabredungen, ich sorge für die richtige Begleitung durch Ärzte, Therapeuten etc. Ich sage Abendtermine ab, wenn Richard auf Geschäftsreise ist und der eine Abend mit Kinderfrau schon ausgeschöpft ist, ich komme später zu Fortbildungen oder Seminaren, wenn Richard einen Geschäftstermin hat und die Kinder nicht zur Schule bringen kann. Ich bleibe Zuhause, wenn der Babysitter krank ist. Wie Katharina schrieb: Ich habe meine berufliche Karriere aufgegeben, damit wir eine Familie sein können.

Doch vielleicht gibt es ja gar nicht MEINE Karriere und SEINE Karriere. Dass Richard so erfolgreich im Job ist und so viel Geld verdient, dass wir auf ein zweites Gehalt nicht angewiesen sind, liegt ja auch daran, dass ich mich zuhause um (fast) alles kümmere. Er kann weitestgehend frei agieren und muss niemals auf meine Termine oder die Kinder Rücksicht nehmen. Denn ich bin ja immer verfügbar. Richard weiß diese Freiheit zu schätzen und rechnet mir dies hoch an. Insofern ist sein beruflicher Erfolg ein Stück weit auch meiner. Genauso wie die stetige Entwicklung unserer Kinder und unser Zusammenwachsen als Familie auch ein Großteil meines „Verdienstes“ ist. Mit vielen Schritten, die Maxim und Nadeschda gegangen sind, weiss ich, dass sie diese nur gehen konnten, weil ich immer für sie da bin. Weil Richard und ich ihnen in unserer klassischen Arbeitsteilung – der Vater verdient das Geld und die Mutter kümmert sich um das Zuhause – eine sichere Umgebung geben, in denen sie wachsen und heilen können.  So ist es dann vielleicht UNSERE Karriere. Doch eben nicht nur in beruflicher Hinsicht, sondern unsere Karriere als Familie.

Letztendlich hat unsere Arbeitsteilung auch etwas sehr privilegiertes. Und dies nicht nur, weil ich nicht jeden Morgen wie so viele im Stau stehen muss, um in irgendein Büro zu fahren. Nein, denn ich kann meine wenigen – aber mit zunehmendem Heranwachsen von Maxim und Nadeschda immer größer werdenden – Freiräume nutzen, um mir selbst neue Perspektiven zu eröffnen. So wie ich es ja bereits mit meiner Ausbildung begonnen habe. Mit dem Muttersein haben sich für mich auch neue Horizonte eröffnet, die ich anders nicht hätte erfahren können. Wahrscheinlich hätte ich nie ein Buch geschrieben, geschweige denn würde mich nun mit einem zweiten gedanklich tragen. Wahrscheinlich hätte ich nie diesen Blog begonnen. Ich hätte mich nicht so intensiv mit Kindesentwicklung, Erziehung und der Begleitung von traumatisierten Kindern beschäftigt. Und sicherlich hätte ich nie in Erwägung gezogen, eine Ausbildung zu machen, die wenig mit meinem vorangegangenen Berufsleben zu tun hat. Somit hat das auch alles sein Gutes.

Vielleicht muss man einfach den Begriff der Karriere anders definieren. Denn es geht im Leben ja nun nicht nur um den beruflichen Erfolg und immer mehr Geld auf dem Konto. (Vorausgesetzt der Lebensunterhalt ist gesichert.) Vor allem geht es doch darum, ein erfülltes und glückliches Leben zu haben. Das wäre für mich „Karriere“. Und wenn ich mir in guten Momenten Maxim und Nadeschda, unsere Kinder, betrachte, dann weiss ich, mein Leben ist mehr als erfüllt.

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Teilzeitarbeiten als Adoptivmutter?

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Photo by Andrew Neel on unsplash.com

Viele Mütter versuchen Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Meist weil sie es auch müssen, rein aus finanziellen Gründen. Ich bewundere diese Mütter, die neben der Familie und dem geliebten Haushalt auch noch berufstätig sind, und das mit deutlich mehr Stunden als ich es bin. Ich lebe in der privilegierten Situation, dass ich nicht arbeiten muss, sondern „nur“ um nicht ganz aus der Berufswelt zu verschwinden, ein paar Stunden in der Woche freiberuflich arbeite. – Insofern werd eich hier auch über ein „Luxusproblem“ reden. – Die Ausbildung mache ich, um vielleicht irgendwann dann doch wieder in einem Angestelltenverhältnis einen geregelten Arbeitstag nachgehen zu können. Irgendwann, wenn die Kinder vielleicht noch ein wenig größer sind. Doch wird das überhaupt funktionieren?

Mit den Zweifeln der vergangenen Woche geht für mich die Frage einher, ob ich mir nicht mit dem ganzen Pensum wieder einmal zu viel zumute. Meine Bilanz zur Familienarbeit  war für mich ja schon ernüchternd. Genauso wie meine Beschreibung von „48 Stunden im Leben einer Adoptivmutter“ . Wo bleibt da der Raum, mehr zu arbeiten, als ich es heute tue? Schon jetzt komme ich an meine Grenzen. Hatte ich nicht vor ein paar Wochen verkündet, dass es so wohltuend ist, dass mein To Do Zettel abgearbeitet ist? Nun, inzwischen ist er wieder so lang, dass es mir fast den Hals zuschnürt. Mit dem Ferienende beginnt nun auch wieder meine Ausbildung, zwei Abende in der Woche und ein Wochenendseminar pro Monat. Bis zum Ende des Jahres muss ich noch eine Seminararbeit schreiben, ein Praktikum mit Praktikumsbericht abliefern und an meiner Portfolioarbeit weiterschreiben. Ich muss schon zweimal durchatmen und mir immer sagen „Schritt für Schritt“, um nicht in Panik auszubrechen. Seitdem ich die Ausbildung begonnen habe, leiden eindeutig meine sozialen Kontakte. Es gibt Freundinnen, die ich schon seit Monaten nicht mehr gesehen, habe. Selbst zum Telefonieren oder Schreiben komme ich so gut wie gar nicht mehr, da ich ja abends unter der Woche entweder in der Akademie oder auf einem Elternabend in der Schule bin. Nur gelegentlich habe ich die noch die Muße, ein Buch zu lesen, was keine pädagogische oder Adoptionsfachliteratur ist. Und gerade auch letztere kam in den vergangenen Wochen zu kurz. Doch ich merke, dass ich wieder ran muss. Denn das Thema „Herkunft und Wurzeln“ drängt.

Dennoch stelle ich mir immer wieder die Frage: „Wenn es in anderen Familien funktioniert, dann müsste ich das doch auch hinbekommen.“ Ja, ABER: Ich habe einen Mann, der sehr viel arbeitet und insofern Haushalt, Kinder und Familie nahezu allein meine Aufgabe sind. Wir haben keine Großeltern in der Nähe, die helfen. Manchmal blicke ich neidvoll auf eine Freundin, deren Mutter den Haushalt quasi schmeisst mit Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen, einspringt, wenn eines der Kinder krank ist, mal vormittags einen Arzttermin wahrnimmt und vieles mehr. Hätten wir so eine wunderbare Großmutter, dann würde ich es mir auch leichter vorstellen, nahezu 70% zu arbeiten. Haben wir aber nicht. Und schließlich haben wir zwei Adoptivkinder. Viele meiner Freundinnen, die ein Kind adoptiert haben, arbeiten in Teilzeit. Irgendwie geht das gut. Natürlich gibt es da auch einen Mann, der mithilft und Großeltern in der Nähe. Dass zwei Kinder dann doch etwas anderes sind und eine andere Herausforderung darstellen, wurde mir erst jetzt in den Ferien klar, als mir eine dieser befreundeten Adoptivmütter auf den Kopf zusagte: „Hätte das geklappt mit dem zweiten Kind, hätte ich sofort aufhört zu arbeiten.“

Das saß! Sollte ich mich also von dem Gedanken verabschieden, jemals mehr zu arbeiten, als ich es heute tue? Würde es mir nicht besser gehen, wenn ich mich ganz auf meine Kinder und meine Aufgabe als Mutter konzentriere? Bettina Bonus hat mal in einem Vortrag zur „Anstrengungsverweigerung“ deutlich gesagt: „Vergessen Sie es berufstätig zu sein. Ihre ganze Zeit und Kraft werden Sie für Ihr Kind brauchen, um es durch die Schule zu begleiten, mit ihm täglich zu trainieren und das tägliche Trainieren vorzubereiten. Und die dann noch verbleibende Zeit brauchen Sie, um sich selbst zu erholen.“ Je weiter meine Kinder in der Schule voranschreiten, um so mehr spüre ich, dass sie auch hier einmal wieder Recht hatte. Selbst wenn bei Maxim und Nadeschda die Anstrengungsverweigerung nicht tief ausgeprägt ist, und wir mit unserem täglichen Üben frühzeitig angefangen haben und es inzwischen so zur Gewohnheit geworden ist, dass uns tägliche Kämpfe nahezu erspart bleiben, so kostet auch das viel Zeit und Kraft. Und noch ist unser Lernpensum klein.

Sollte ich mir überlegen, ob ich nicht doch an der ein oder anderen Stelle kürzer trete? Ob ich nicht, in der Zeit, die mir alleine bleibt, wirklich nur das tue, wofür mein Herz schlägt? Sollte ich mich von der Idee verabschieden, eine dieser Heldenmütter zu sein, die Beruf, Familie und Haushalt alleine wuppen, ohne mit der Wimper zu zucken? Vieles davon ist ja auch nur mehr Schein als Sein. Und gerade hier in der anonymen Bloggerwelt liest man vielmehr, wie kräftezehrend eine solche Mehrfachbelastung ist. Das allein schon mit einem Kind.

Schließlich bleibt am Ende die Tatsache, dass Maxim und Nadeschda aufgrund ihrer Geschichte immer ein MEHR an Begleitung und Förderung brauchen werden. Ich bin diese Verantwortung eingegangen und ich will sie auch wahrnehmen. Alles andere muss dahinter zurücktreten. Vor allem der Wunsch nach einer Berufstätigkeit.