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Charlotte’s Sonntagslieblinge (117)

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Photo by Joanna Kosinka on unsplash.com

Eine dichte Woche liegt hinter uns, aber auch ein geruhsames Wochenende hält uns gerade wohlwollend in seinem Schoß. Wieder einmal genieße ich die sonntägliche Stille morgens im Haus, während der Rest der Familie noch schläft, oder wie mein Sohn, in seinem Bett liegt und liest. Ich tue dies auch, wenn ich mit diesen Zeilen fertig bin. Doch erst sitze ich mit einer Tasse wunderbarem Kaffee auf der Couch und denke an die Momente der Dankbarkeit der vergangenen Woche. So sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Maxim und ich hatten gestern einen wunderbaren „Jungsnachmittag“.  Mit zwei seiner Freunde waren wir zusammen in der jährlichen Zirkusvorstellung der Schule. Als Zuschauer. Maxim trat ja nicht auf, was den beginnenden Advent deutlich entspannt hat. Um so schöner war es, mit den drei Jungs einfach einen fantastischen Nachmittag zu verbringen.
  2. Nadeschda hat tapfer ihre Untersuchungen beim Kinderneurologen zur Testung einer mögliche Dyskalkulie überstanden. Das hat sie wirklich großartig gemacht. Samt aller Begleitumstände mit früh aufstehen, langer Autofahrt und dann auch noch fit sein und mitmachen. ja, sie ist mittlerweile 8 Jahre alt, aber dennoch. Ich war müde nachmittags, als wir zuhause waren. Und das obwohl ich keine Tests über mich ergehen lassen musste, sondern nur im Wartezimmer über die Aussagen der Ärztin nachdenken durfte.
  3. Die Lieblingstante war da, und wir haben mit den Kindern wieder wunderbare Knusperhäuschen gezaubert. Nach all den Jahren sind wir nun schon wirklich professionell unterwegs und nun wissen wir endlich auch, wie es zügig, aber dafür auch entspannt für uns Erwachsenen geht. Ich habe nach all den Jahren das ultimative Teilrezept gefunden und wir haben uns endlich auch die perfekte Mischung für den Eischneekleber gemerkt. Damit haben wir viele Unwägbarkeiten beim Lebkuchenhausbau beseitigt. Und nun freuen wir uns jeden Tag wieder an unseren wunderbaren Zuckerhäuschen.

Habt einen zauberhaften 2. Advent! Und kommt vor allem wohlbehalten in die neue Woche.

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„Wir haben drei Sternchen bekommen…“

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Photo by Alexander Andrews on unsplash.com

Nein, mein Sohn hat sie bekommen, die drei Sternchen! Für sein außergewöhnliches Projektheft und seine Präsentation zu seinem Thema „Kristalle“. Stolz kam er damit vorhin nach Hause, nach einem langen anstrengenden Tag. Maxim hatte mir im Auto von „nur“ zwei Sternen erzählt, die aber ohnehin in der Klasse schon als Bestnote gelten. Und er fügte auch all diejenigen hinzu, die keine Sterne oder nur einen bekommen haben. Schon da freute ich mich riesig, für ihn und auch zugegebener Maßen ein wenig für uns beide. Denn in mühsamer Arbeit hatten wir Zuhause an dem Heft gearbeitet und für die Präsentation geübt. Da bin ich dann doch einmal kurz wieder Helikoptermunter und schließe mich in das Lob der Lehrerin mit ein. Aber maßgeblich hat Maxim diese Sterne verdient. Denn er stand alleine vor der Klasse und hat sein Thema vorgestellt. Und weite Teile des Inhalts des Projektheftes hat er selbst ausgesucht und geschrieben. Allen voran eine sensationelle Geschichte über einen Kristallraub. Ich freue mich so für Maxim und bin stolz darauf, welch weiten Weg er gegangen ist.

Es ist Adventszeit und ab morgen wird auch unser Leben hoffentlich noch etwas ruhiger. Das Bild der Sternchen, die langsam aufziehen und in unser Leben treten, passen deshalb so gut. Und sie tun gut. – Am Rande: Nein, natürlich gibt es keine Benotungen in der Waldorfwelt und Leistungskontrolle schon mal gar nicht. Aber es gibt Sternchen, die auch die Kinder, die sie bekommen, unglaublich motivieren. So auch meinen Sohn. Und wenn das in der Vorweihnachtszeit passiert, um so mehr. – Da funkeln sie, die drei Sternchen und ich freue mich, auch wenn ich genauso die kleinen dunklen Wolken sehe, die der Wind ab und zu (oder auch mal öfter) vor die Sternchen treibt und damit ihren Glanz verblassen lässt.

Denn all das, auch dass nun in Maxim’s Heft drei Sternchen strahlen, wird leider immer wieder überschattet von all der Mühe und Anstrengung, die es für uns alle – und vor allem für meine Kinder – bedeutet, an diesen Punkt zu kommen: Diese drei Sternchen einmal zu sehen, und vielleicht irgendwann einmal mehr oder eher kontinuierlich Sternchen zu sehen, egal wie viele.

Mit Nadeschda haben wir uns wieder einmal in die Mühlen der standardisierten Testung begeben. Auf Dyskalkulie. Eine Freundin fragte mich gestern, während ich wartete und Nadeschda untersucht wurde: „Was versprichst Du Dir davon?“ Ich antwortete: „Die Hoffnung auf eine Diagnose, mit der wir arbeiten können, und eine offizielle Bestätigung, dass wir gegenüber der Schule mit Blick auf Förderbedarf agieren können.“ Aber eigentlich weiß ich, dass ich das wahrscheinlich nicht bekommen werde. Weder die Diagnose noch das Agieren der Schule, so wie es Nadeschda vielleicht braucht.

Über eine Frage der Ärztin gestern musste ich doch noch eine Weile nachdenken: „Ist das nicht alles sehr anstrengend? Und wie kann man das effizienter gestalten?“ Über die zweite Frage bin ich unmittelbar gestolpert. Denn Effizienz ist nun ein Begriff, der mir nun so gar nicht in den Sinn kommt, wenn ich an das Lernen mit meinen Kindern denke. Wir sind ja nun kein Wirtschaftsunternehmen, in dem es gilt, möglichst viel in kürzester Zeit zu schaffen. Ich war irritiert. Aber ja, natürlich ist es anstrengend. Und ich wünschte so oft, dass es das nicht ist. Allerdings habe ich auch beim Beantworten der Fragebögen gemerkt, dass es mit Nadeschda längst nicht mehr so schwierig ist, wie es mit Maxim war oder ist. Denn mit ihr habe ich aufgrund meiner Erfahrung ganz andere Rituale anlegen können. Und das auch frühzeitig, bevor schon das Kind quasi in den Brunnen gefallen war. Bei Maxim habe ich mich zu lange auf die Schule verlassen. Um so mehr freue ich mich, wenn uns unsere verspätete Lernroutine nun jetzt mit drei Sternchen belohnt.

Doch am Ende meiner Gedanken wurde mir einmal wieder klar: Ja, natürlich ist es anstrengend. Und das wird es auch bleiben. Aber es ist eben auch meine oder unsere Verantwortung als Eltern, die wir angenommen haben, diese, unsere zwei Kinder ins Leben zu führen. Egal wie anstrengend es ist oder sein wird. Das sind wir ihnen einfach schuldig.