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Die Sonne scheint immer… irgendwie….

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Gerade im Moment dürfen wir ein wenig durchatmen. Aber nur ein wenig, denn die nächsten Schwierigkeiten mit der Schule zeichnen sich ab. Neue Schwierigkeiten mit der Schule. Nicht erwartete. Und auch wenn ich mich noch so an der Schule engagiere, habe ich gelernt, dass es dann doch einen Punkt gibt, an dem auch dort, selbst in dieser vermeidlich heilen Waldorfwelt, die sie schon längt nicht mehr ist, und die Lehrer wenig auf die Schwierigkeiten, die die Kinder mitbringen – nicht meine Kinder, sondern auch die anderen – vorbereitet geschweige denn geschult sind, meine Kinder irgendwann keine Sonderrolle mehr haben. Da ist es dann nicht mehr selbstverständlich, dass man von Seiten der Schule sagt: „Ja, klar wir schaffen das.“ Nein, da sind wir dann einem Punkt, wo wir Eltern wieder für Lösungen sorgen müssen. Wieder und wieder. Tun wir ja auch. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

Auch wenn wir uns, was die Gesundheit unserer Kinder angeht, etwas entspannen können, so hält doch die Belastung an. Denn neue Herausforderungen erwarten uns. Das ist hart und schwierig. Und manchmal denke ich durchaus – und sitze abends heulend auf dem Sofa -: „Das ist alles so unfair.“ Unfair vor allem für meine Kinder. All das, was wir in den vergangenen Wochen durchgemacht haben, das braucht keiner, vor allem kein Kind. Und erst recht nicht ein Kind, das schon so vieles in seinem Leben durchlitten hat. Manchmal denke ich: „Kein Wunder, dass Nadeschda oft für mindestens ein Jahr jünger gehalten wird, als sie ist. Denn in den knapp eineinhalb Jahren bevor sie zu uns kam, hat sie nur überlebt. Und das teilweise wahrscheinlich unter widrigsten Umständen. Da hat sie alles andere hinten angestellt. Sie ist nicht gewachsen, sie hat nicht zugenommen, sie hat bestimmte Basisfunktionen, die ein Baby, das behütet aufwächst nicht gelernt. Wie auch? Geschweige denn den natürlichen Willen sich zu entwickelnd und zu lernen. Sie musste einfach nur überleben. Wieviel Kraft das gekostet hast? Alle, alle Kraft, aber wirklich alle Kraft, die ihr zur Verfügung stand. Und sie hat überlebt. Und das ist die wahre Leistung!“

Um so erleichternder fand ich dann einen Beitrag wieder einmal von Michael von Confessionsofanadoptiveparent, wo er ebenso von einem harten Tag schreibt und am Ende aber zu dem Schluss kommt: „Die Sonne scheint immer.“ Ja, sie mag versteckt sein hinter dunklen, grauen und manchmal sogar schwarzen Wolken. Aber eigentlich ist sie immer da. Und sie scheint IMMER. Nur können wir das eben an manchen Tagen nicht sehen. An diese Sätze denke ich in den letzen Tagen sehr oft. Ja, da draußen dreht die Sonne ihre Runden im Universum. Und sie ist immer da. Es sind nur die grauen und schwarzen Wolken, die sich manchmal (oder auch öfter) vor sie schieben. Aber am Ende scheint die Sonne. Immer…

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (107)

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Photo by Ludovic Francois on unsplash.com

Endlich Ferien! Wir haben sie sehr herbeigesehnt, auch wenn sie nicht so werden, wie wir das uns mal überlegt hatten. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit den Kindern wieder in unser Lieblingshaus in den Bergen zu fahren. Aber aufgrund von weiteren Arztterminen mit beiden Kindern wäre das nur schwer möglich gewesen. Und in Anbetracht unsere aktuellen Situation – Nadeschda’s Knoten ist unverändert da, aber er wächst leider wieder langsam; und ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Woche einen OP-Termin bekommen, um sich dem „Ding“ anzunehmen. Maxim’s Kopfschmerzen lassen uns hingegen in Ruhe. Im Moment. – und der notwendigen Termine habe ich dann entschieden, auf diese Reise zu verzichten. Nadeschda hat wieder Kontrolltermine und auf Maxim wartet einmal wieder nach all den Jahren ein EEG. Im Moment ist mir mehr nach Zuhause bleiben, die häusliche und kleine familiäre Hülle ganz eng um meine Kinder zu legen und sie geborgen zu halten. Nach einer wieder einmal arbeitsamen Woche haben wir gestern nach Schulschluss im wahrsten Sinne des Wortes aufgeatmet und uns in unsere „Hülle“ zurückgezogen. Das ist schön und das tut gut. Rückblickend auf die abgelaufenen Woche,  bin ich heute froh und dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. In Krisensituationen, wie wir sie im Moment erleben, da sowohl Maxim’s als auch Nadeschda’s Gesundheit so ungewiss ist, tut mir das Arbeiten an der Schule gut. Die Stunden, die ich vor der Klasse und mit den Kindern meiner Klasse verbringe, ist die einzige Zeit am Tag, in der ich nicht an die gesundheitlichen Sorgen meiner Kinder denke. In dieser Woche hatten wir eine Malstunde, die ganz bezaubernd war. – Ganz entgegen der Vorwarnungen der Klassenlehrerin. – Wir malten unser „Abschiedsbild“ aus der nun zu Ende gehenden „Ackerbau-Epoche“. Nach detaillierter Anleitung malten die Kinder ihre Bilder. Am Schluss ließ ich immer fünf Kinder nach vorne kommen und ihre Werke zeigen – nur die die wollten, was am Ende die deutliche Mehrheit der Klasse war. – Zuvor hatte ich den Kindern gesagt, dass kein Bild kommentiert wird. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, als die Kinder vorne standen und die anderen einfach die Bilder betrachteten. Man fühlte und hörte an der ein oder anderen Stelle die Anspannung oder ein Raunen, jetzt doch etwas zu sagen. Und meist war es ein „Oh, ist das schön!“
  2. Die Kinder meiner Klasse in der Schule überraschten mich am Freitag mit lauter kleinen Blumenspenden. Nachdem wir eine zauberhafte Woche mit viel Arbeit auf dem Feld hinter uns gebracht haben. Daraus entstanden ist ein wunderbarer großer Bauernblumenstrauß entstanden, der nun meinen Esstisch ziert.
  3. Ich bin so dankbar für die vielen Momente mit meinen Kindern!! Vor allem wenn es einer ist, wie gestern: Natürlich kamen wir aus der Schule nach Hause und dann wartete das große Loch. Ich hatte zudem noch „Übfrei“ bis Montag ausgerufen. Doch nach zehn Minuten „Mir ist so langweilig!“ saßen beide Kinder, aus eigenem Antrieb und ohne dass ich ihnen half, am Maltisch und malten mit Wasserfarben.  Und das über eine Stunde. Tief versunken in den Farben….

In den kommenden Tagen werde ich hoffentlich wieder etwas mehr Zeit für diesen Blog haben. Die Themen gehen mir nicht aus….

Doch für den Moment habt erst einmal einen wunderbaren Sonntag und einen guten und wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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#momspositivity: Nach Zweifeln immer wieder aufstehen

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Photo by Marco Ceschi on unsplash.com

Vor ein paar Wochen waren die Zweifel wieder sehr groß. Die Herbstzweifel hatten mich fest im Griff. Mittlerweile geht es wieder. So wie es immer irgendwie weitergeht. Auch wenn die Herausforderungen bleiben und mein Kräftekonto noch nicht wieder aufgeladen ist. Als ich am vergangenen Wochenende Sylvi’s Beitrag „Ihr seid doof. Ich zieh aus!“ auf ihrem Blog momsfavoritesandmore gelesen habe, musste ich im ersten Moment schmunzeln. Ich kann von Glück reden, dass meine Kinder noch nicht auf die Idee gekommen sind, auszuziehen. Auch wenn beide in der Zahnlückenpubertät sind – Nadeschda in der ersten und Maxim nun in der zweiten, bei ihm sind jetzt die Eck- und Backenzähne fällig – und Wutanfälle in mehr oder großer Intensität nicht nur wegen des Zahnwechsels bei uns an der Tagesordnung stehen. Im zweiten Moment musste ich Sylvi Gedankenversunken zustimmen. Ja, es ist schwierig, diese Grenzerfahrungen auszuhalten und sie so zu bewältigen, dass man sich hinterher noch im Spiegel ansehen kann. Wie sehr liebe ich Sylvi’s Aussage: „Aufstehen, Krönchen richten und weiter machen!“ Ich glaube, diesen Satz muss ich mir über meinen Spiegel im Bad hängen.

Über Sylvi’s Post bin ich auf die Aktion von „Lotte & Lieke“ zu „#momsposititvity“ aufmerksam geworden und mache gerne mit. Denn ja, nach allen Zweifeln und gerade nach besonders schlechten oder herausfordernden Tagen gibt es genau die Momente, in denen ich merke, wie stark ich doch bin; in denen ich spüre, wie wir doch auf einem guten Weg sind, wie alles sich finden wird; ich mich in mehr Gelassenheit üben kann, ich auf meine Ressourcen etwas Rücksicht nehme und tatsächlich mal nicht so viel an meine langen To Do Listen denke. Oder daran denke, was ich eigentlich noch alles schönes mit den Kindern machen wollte. Wenn ich mir Mantra-artig den Satz unserer ehemaligen Jugendamtsbetreuerin vorsage: „Du bist als Mutter gut genug.“ Dann kann ich mir (fast) auf die Schulter klopfen und mir sagen „Ja, das ist alles gut so. Das hast Du wirklich gut hinbekommen.“ Gerade wenn:

  • mir Maxim vorliest und es sich so wunderbar anhört. Oder er selbstständig seine Hausaufgaben macht. Oder er ohne zu murren das Kleine 1×1 mit mir übt und es extrem gut klappt. Oder wenn Nadeschda sich hinsetzt und einfach schreibt und ohne jegliches Theater ihre Hausaufgaben macht. Dann weiss ich, dass all die Mühen des täglichen Üben sich auszahlen.
  • Maxim freiwillig für ein Trompetenvorspiel übt und ganz stolz ist, dass es so gut geklappt hat.
  • Nadeschda mit großer Begeisterung auf eine Halloweenparty bei einer Klassenkameradin geht. Wie viele Jahre hatte sie solche Angst vor diesem Tag, wenn abends gruselig verkleidete Kinder durch die Straßen ziehen. Wie mutig und tapfer sie geworden ist.
  • Maxim so selbstreflektiert mit der Situation mit Leander in der Schule umgeht. Wie innerlich stark doch mein Sohn ist!
  • beide Kinder mir stürmisch in der Schule in die Arme laufen.
  • wir einen Nachmittag verbringen, an dem beide Kinder friedlich mit einander spielen, ohne sich zu streiten.
  • wir ein friedliches Abendessen verbringen, wo beide Kinder mir stolz von ihrem Tag erzählen oder wir Pläne schmieden und beide danach von sich aus aufstehen, den Tisch abräumen, die Spülmaschine ohne Meinungsverschiedenheiten befüllen, den Tisch abwischen und am Ende zufrieden feststellen: „Mama jetzt ist alles wieder blitzeblank.“
  • abends beim Vorlesen, auch wenn es kurz vorher noch im Bad wieder einmal ein Drama gegeben hat, beide Kinder sich an mich kuscheln und wir gemeinsam über die Geschichte im Buch lauthals lachen.

Momente wie diese gibt es viele, sie gehen nur viel zu oft im Alltag unter. Doch genauso fühle ich mich immer wieder stark, gelassen und ein wenig zufrieden mit mir selbst, wenn:

  • mein Haushalt und unser Alltag nicht vollständig brach liegen wegen eines kranken Kindes – oder wenn es mich selbst erwischt hat –  und wenn ich dennoch Momente finde, die von der Krankheit geschenkte Entschleunigung mit meinem Kind zu genießen.
  • ich mich erinnere, klare Prioritäten zu setzen und mich nur um das zu kümmern, was wirklich wichtig ist.
  • ich mir bewusst mache, was ich trotz aller Herausforderungen in meinem Alltag doch noch darüber hinaus bewältige: Mein Buch, dieser Blog, meine Ausbildung, ein wenig Arbeit.

Heilsam im Sinne eines positiven Denkens sind für mich auch immer wieder meine „Sonntagslieblinge“. Mich immer wieder hinzusetzen und mir ins Bewusstsein zu rufen, was wirklich schön in der abgelaufenen Woche war, worüber ich mich gefreut habe und wofür ich dankbar bin. Denn nur aus mir selbst heraus kommt die innere Stärke, Zuversicht und der unerschütterliche Glaube, dass ich als Mutter gut genug bin für meine Kinder, für die ich so unendlich dankbar bin.

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Adoptivkinder sind (oft) High-Need Kinder – und das ist gut so…

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Vor ein paar Wochen hat Berenice einen spannenden Beitrag zu High-Need Kindern auf ihrem Blog veröffentlicht, der mich einmal wieder über meine eigenen Kinder hat nachdenken lassen.

Vielleicht vorab: Ich habe die Säuglingszeit mit meinen Kindern nicht erlebt. Auch wenn ich mir das manchmal gewünscht habe. Nicht aus einer Sehnsucht nach einer eigenen Schwangerschaft, sondern weil ich es mir manchmal wünschte, dass ich meine Kinder in meinem Bauch und dann als Babys schon hätte beschützen und behüten können. Doch Maxim war fast drei Jahre und Nadeschda gerade mal ein Jahr alt, als sie zu uns kamen. So kann ich mir nur abstrakt vorstellen, wie es ist, einen Säugling zu haben, der an manchen Tagen nur getragen werden will, der einen nicht einmal in Ruhe auf die Toilette gehen lässt, der einem den nächtlichen Schlaf raubt. Kein Baby hat mich an die Grenzen meiner Belastung gebracht.

Auch dachte ich beim ersten Lesen von Berenice Beitrag, genau wie sie, ob mit der Klassifizierung High-Need tatsächlich wieder eine neue Modeerscheinung Einzug in Erziehungsratgeber und Therapieempfehlungen hat. Wird Kindern hier wieder eine Diagnose zugeschrieben, nur weil sie leider nicht in die starren Anforderungen unserer Gesellschaft – „Am besten laufen Kinder einfach so mit und haben ja keine eigenen Bedürfnisse.“ – passen? Oder weil auf der anderen Seite keiner den Müttern zugestehen will, dass vor allem die ersten Monate mit einem Säugling extrem anstrengend sind.

Doch als ich die Liste der Kriterien für ein High-Need Kind erneut betrachtete, dachte ich an meine eigenen Kinder und wie sie noch heute in vielerlei Hinsicht eigentlich High-Need Kinder sind, wenn man ein paar der Beschreibungen auf ältere Kinder adaptiert. Nicht alle zwölf Kriterien treffen auf Maxim und Nadeschda zu, doch viele wesentliche Punkte finden sich auch bei ihnen:

  1. Wenn meine Kinder weinen, dann weinen sie sehr intensiv. Auch heute noch. Und in der Mehrzahl der Fälle bin tatsächlich nur ich, ihre Mutter, die einzige Person, die sie beruhigen kann.
  2. Wenn es Maxim nicht gut geht, dann ist er hyperaktiv. Man spürt förmlich seine angespannte Körperhaltung und oft ist auch irgendein Gliedmaß in permanenter Bewegung.
  3. Wenn es Nadeschda nicht gut geht, dann will auch sie noch heute permanent getragen und umsorgt werden. Nicht umsonst trage ich fast zu jeder Jahreszeit große, breite Schals. Unter diesen kann sie sich dann auf meinem Schoß einhüllen und vor der Außenwelt „verstecken“.
  4. Beide Kinder sind extrem fordernd. Wenn sie etwas brauchen, dann fordern sie es sofort und lautstark ein. Kann das Bedürfnis nicht erfüllt werden – vor allem ein Grundbedürfnis nach Hunger, Durst, Schlafen, etc. – , weinen und schreien sie, als ginge es um ihr Leben. Warten können beide nur schwer.
  5. Vor allem Nadeschda ist, als sie kleiner war, häufig nachts aufgewacht. Vor allem, wenn ich abends nicht da war und jemand anderes sie ins Bett gebracht hat. Einschlafen kann sie auch heute nur gut, wenn ich bei ihr bleibe. Ja, auch sie haben Unruhe und Sorge gequält, ich könnte irgendwann nicht mehr da sein.
  6. Auch Maxim und Nadeschda sind extrem sensibel. Auch sie haben feinste Antennen und nehmen Stimmungen und Geräusche sehr intensiv wahr. So leidet Maxim heute z.B. oft unter Kopfschmerzen, wenn es in der Schule zu laut ist. Nadeschda braucht zwingend ihre festen Rituale. Kleinste Veränderungen im Alltag können sie schnell in die Überforderung bringen.
  7. Nadeschda braucht unendlich viel Körperkontakt, ja so wie andere die Luft zum Atmen. Manchmal scheint es mir, als söge sie darüber bei mir Energie ab, Energie, die sie zum Bewältigen irgendeiner Herausforderung des Alltags braucht.
  8. Auch Maxim und Nadeschda können sich schwer und schlechter von mir als Mutter trennen als andere Kinder. Nadeschdas Eingewöhnung im Kindergarten dauerte sehr lange. Unsere Kinderfrau kam mehrere Monate, bevor sie überhaupt beide Kinder einmal ins Bett bringen konnte. Gibt es eine längere Trennungsphase am Tag, so stellt Maxim unmittelbar unsere Beziehung in Frage. Sofort muss er testen, ob ich ihn halte und auch weiterhin aushalte.

So betrachtet, sind Maxim und Nadeschda „High-Need“-Kinder. Und natürlich ist das Leben als ihre Mutter anstrengend, anstrengender als ich es je gewagt hatte mir vorzustellen. Denn es kostet einfach unendlich viel Kraft und Energie. Vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte meiner Kinder sind ihr Verhalten und ihre Reaktionen mehr als nachvollziehbar. Sie haben den absoluten Mangel erlebt, sie haben als Baby möglicherweise geschrieen und haben nichts zu essen bekommen, sie haben geweint und niemand ist gekommen und hat sie getröstet. Haben sie also ein Bedürfnis, dass nicht unmittelbar erfüllt werden kann, geht es für sie noch heute schlicht und ergreifend um Leben und Tod. Deshalb sind ihre Reaktionen bis heute zuweilen heftig. Wenn sie unter Stress stehen, dann geht bei ihnen der Alarm im Kopf an, über den ich ja schon häufiger geschrieben habe. Oft bringen sie mich an die Grenzen meiner Kraft und meiner Geduld.

Doch auf der anderen Seite hat all dies auch sein Gutes. Denn es lehrt mich, meinen Kinder immer in Dankbarkeit und Demut zu begegnen, an mir selbst zu arbeiten, um möglichst ausgeglichen und ruhig zu sein, meine Kraft mir einzuteilen und immer wieder Prioritäten zu setzen. Denn mit jedem kleinsten Schritt, den die Kinder machen, merke ich, dass sie doch langsam heilen, heilen durch meine Anwesenheit, meine Fürsorge und meine Begleitung. Wenn Maxim doch den Durst im Auto auf den zehn Minuten Heimweg aushalten kann, wenn Nadeschda doch mehrere Nächte in Folge durchgeschlafen hat, wenn Maxim ruhig am Tisch sitzt und mir vorliest, ohne dass ein Bein zappelt, wenn er nicht unsere Beziehung in Frage stellt,nachdem ich ein Wochenende in der Akademie war, wenn Nadeschda mich wegschickt, wenn sie bei einer Freundin zu Besuch ist: „Geh jetzt Mama, ich kann das alleine.“

Allein, dass sie ihre Bedürfnisse, Ängste und Nöte bei mir so ungeschminkt zeigen, sie mit voller Wucht an manchen Tagen an die Oberfläche bringen, ist auch ein Ausdruck ihrer tiefen Bindung an mich als ihre Adoptivmutter. Hätten sie diese Bindung nicht, würden sie sich ruhig und angepasst verhalten, still und zurückhaltend. Denn sie wären sich meiner nicht sicher. Sie können aber bei mir ihre Gefühle ausleben, weil sie sich sicher fühlen, weil sie wissen, dass ich sie halte, aushalte und immer für sie da bin.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (52)

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Photo by Artem Kovalev on unsplash.com

52 Wochen Sonntagslieblinge! Kaum zu glauben. Und immer wieder werden sie von Euch gelesen… Das ist schön und das freut mich sehr! – Wieder liegt eine ereignisreiche Woche hinter uns. Es tut so gut, zu sehen, dass sich die zuweilen großen Mühen „auszahlen“, dass die Saat aufgeht, wächst, blüht und gedeiht. Und gerade Maxim und Nadeschda wachsen so unglaublich in den letzten Wochen. Deshalb sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Nadeschda kommt allmählich in der Schule an. Ganz langsam. Aber es geht voran und sie kämpft, kämpft jeden Tag und freut sich inzwischen genauso über die kleinen Fortschritte wie ich. Die Hausaufgaben zu erinnern, war am Anfang ein großes Problem. Nach ein paar Tagen habe ich einfach beim Abholen an die Tafel in ihrem Klassenraum geschaut, was da angemalt war. So wusste ich, was sie Zuhause machen musste. An diesem Freitag kamen wir in den Klassenraum und die Tafel war geputzt. Oh je, keine Hausaufgaben. Doch Nadeschda sagte: „Nein, warte Mama.“ Sie klappte die Tafel wieder auf, zog sie zu sich hinunter und ging mit ihren Fingern die Tafel entlang. „Genau, Mama, ich hab’s! Die lange Gerade quer malen. Denn sie schläft und dabei wird sie dann nach unten immer kleiner.“ Ich war sprachlos und beeindruckt. Es geht! Und es wird gehen. Jeden Tag ein Stückchen besser!
  2. Maxim verdaut allmählich immer besser die Auseinandersetzungen mit Leander. Beachtlich ist für mich, wie präsent er im Unterricht auf einmal ist. Wie oft hatte ich im vergangenen Schuljahr das Gefühl, dass er dort nur physisch anwesend ist, aber meist dissoziiert und nichts mitbekommt. Auf einmal sitzt er abends auf der Toilette und trällert englische Lieder einwandfrei und fehlerfrei vor sich hin. Dass er im Lesen, Schreiben und Rechnen große Fortschritte gemacht hatte, wusste ich ja. Doch hier konnte ich bisher nicht trennen zwischen dem, was er in der Schule gelernt oder wir zuhause uns erarbeitet hatten. Doch Englisch hatte ich bisher nicht auch noch in unser häusliches Üben integriert. Insofern war dies allein seiner Aufmerksamkeit in der Schule zuzurechnen. Wunderbar!
  3. Das ganze Herkunftsthema hatte im Grunde ein Buch von Kirsten Boie ins Rollen gebracht. „Seeräuber-Moses“ erzählt die Geschichte von einem kleinen Findelmädchen, das nach einem Sturm auf einen Seeräuberschiff von den Seeräubern „adoptiert“ wird. Am Ende aller gemeinsamen Abenteuer stellt sich heraus, dass das Mädchen eine kleine Prinzessin ist. Seit zwei Wochen lesen wir diese Buch abends vor. Maxim konnte es gestern Abend nicht mehr aushalten, wie das Buch ausgeht. Er nahm den fast dreihundert Seiten dicken Wälzer mit in sein Bett und las kurzer Hand den Schluss selbst. Da ist er wohl wie ich, die auch zuweilen das Tabu bricht, und schon einmal die letzte Seite liest. Er las aber die letzten zehn Seiten!

Habt einen wunderbaren Sonntag und einen erfolgreichen Start in die neue Woche!

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„Kinderbetrachtung“ – vom wertfreien Umgang mit der Biografie eines Kindes

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„Kinderbetrachtung“ wird in der Waldorfpädagogik als ein Teil der Entwicklungsdiagnostik wie folgt definiert: Erzieher und Lehrer „beobachten das Kind systematisch über einen längeren Zeitraum, machen sich ein Bild und tauschen sich dann mündlich im Kreis von Kollegen intensiv über dieses Kind aus. Kinderbeobachtung, Kinderbetrachtung, Kinderbesprechung, Kinderkonferenz sind die Bezeichnungen, die in der Waldorfpädagogik für diese Form der Entwicklungsdiagnostik verwendet werden. In den verschiedenen Benennungen mag sich eine grundsätzliche Erfahrung spiegeln: Kinderbetrachtungen sind unterschiedlich. Sie verlaufen nie gleich. Sie sind so verschieden wie die Kinder, um die es geht, und auch so verschieden wie die Erzieherinnen, die daran teilhaben. Aber sie haben dennoch einen gemeinsamen Kern. Dieser Kern besteht aus den Anforderungen, die die Anwesenden bearbeiten müssen, wenn sie sich dem Kind im Gespräch annähern. Sie müssen zum Beispiel das Kind genauestens darstellen, Fragen und Ergänzungen zu der Darstellung formulieren und versuchen, den Kern des kindlichen Wesens zu erfassen. Diese Anforderungen sind immer die gleichen, unabhängig, ob ein Kindergartenkind oder ein Schüler betrachtet wird. Sie müssen von den Erzieherinnen oder Lehrern bearbeitet werden, wenn sie sich im Entwicklungsdialog um den Entwicklungsstand eines Kindes kümmern.“ (Erziehungskunst März 2011 „Entwickeln im Dialog“ von Daniela Heidtmann und Reinhold Schmitt)

Neulich besuchte ich hierzu ein Seminar, auch wenn oder gerade weil ich diesem pädagogischen Instrument ambivalent gegenüber stehe. Auf der einen Seite fand ich es spannend zu erfahren, wie man sich von pädagogischer Seite professionell und in positiver und wohlgesonnener Grundhaltung einem Entwicklungsstand eines Kindes näherte. Auf der anderen Seite sah ich es als hochgradig kritisch an, wenn sich eine Gruppe von Menschen, ohne eine fundierte Kenntnis der Biografie eines Kindes ein „Urteil“ – und sei es auch noch so wohlgesonnen – erlauben würde und daraus pädagogische Rezepte für eine adäquate Behandlung des Kindes ableiteten.  Erst recht störend empfand ich das Vorgehen – ganz nach Rudolf Steiner „Wir gehen direkt in das tun.“, dass eine Gruppe von Seminaristen, die zu dem Zeitpunkt gerade einmal den Status von Möchtegern Pädagogen erreicht hatten, sich in so einer Kinderbetrachtung üben sollten.

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Meine innere Ambivalenz hing mit meinem eigenen persönlichen Hintergrund zusammen. Denn auf der einen Seite war ich es aus meiner bisherigen Karriere selbst gewöhnt, Mitarbeiter in ihrer Entwicklung zu beurteilen und ich wusste, wie schwierig eine fundierte Beobachtung nachzuvollziehen war. Zudem war ich in der Beobachtungsgabe und Beschreibung geübt. Denn ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt über sechs Jahre detaillierte Entwicklungsberichte und Tagebucheinträge über die Entwicklung meiner eigenen Kinder geschrieben und teilweise als Erziehungsbeiträge veröffentlicht. Ich maßte mir also einen gewissen Erfahrungshorizont an. Auf der anderen Seite war ich mit meinen Kindern oft genug die Leidtragende falscher Beurteilungen und fehlender Sachkompetenz gewesen. Ich wusste vor dem Hintergrund der besonderen Biografie meiner Kinder, dass ein objektives und fundiertes Beurteilen von Verhaltensmustern nicht ohne ein Wissen und vor allem Verstehen des biografischen Hintergrundes und der Auswirkungen traumatischer Erlebnisse möglich sei. Die Erfahrungen in der „Kinderbetrachtung“ ließen mich Recht behalten.

Was passierte? Ausgehend vom reinen Äußerlichen über die Beschreibung von bestimmten Verhaltensmustern, die an sich schon schwierig ist, sie so zu gestalten, dass sie objektiv und wertfrei bleibt, gingen die Schilderungen des Kindes über in die wenigen Fakten, die von seinem biografischen Hintergrund bekannt waren. Man spürte förmlich im Raum, wie bei dem Nennen bestimmter Ereignisse, die Gruppe sich doch entgegen der Vorgaben, ein Urteil machte. Schnell schienen die Ursachen für mögliche Schwierigkeiten in der Schule, wie etwa Konzentrationsstörungen ausgemacht zu sein. Ob dies nun alles tatsächlich so war, dem Faktischen entsprach, oder ob es vielmehr die Mutmaßungen der Gruppe aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen waren, ist fraglich. Aufgrund der wenigen Geübtheit der Seminargruppe wurde die Diskussion hoch emotional, so sehr, dass selbst Eingriffe in die Diskussion auf Widerstand trafen. Aufgelöst werden konnten die Konflikte nicht.

Bei mir blieb am Ende hängen, dass sicherlich die Technik der „Kinderbetrachtung“ eine pädagogisch gute ist, wenn sie denn in der Wertfreiheit und Objektivität bleibt. Doch wie viel Übung und eigene kritische Selbstreflexion als Lehrer braucht es, um diese Instrument wirklich zum Wohle des Kindes anzuwenden? Ist das überhaupt möglich? Braucht es dafür nicht die fundierte Erfahrung eines Therapeuten, der profund darin ausgebildet ist? Und selbst hier finden sich zu viele, die wenig urteilsfrei ihre Aufgaben erfüllen, die sich schnell von Vorurteilen und falschen Bildern leiten lassen. Habe ich dies doch selbst schon zu oft bei meinen eigenen Kindern erfahren müssen. Wohlmöglich bleibt es immer eine schmale Gratwanderung, die besonnen gegangenen werden muss, und es braucht das Korrektiv der Gruppe, um eine Kinderbetrachtung zu einem hilfreichen Ergebnis für Kind und Lehrer zu bringen. Das Seminar war allerdings zu kurz dafür, um dies den Seminarteilnehmern zu transportieren. Zurück bleibt die Hoffnung, dass wir Seminarteilnehmer im späteren Berufsleben, wenn wir denn mit der „Kinderbetrachtung“ arbeiten möchten, auf Kollegen treffen, die tatsächlich die Erfahrung und kritische Selbstreflexion besitzen, um von ihnen uns in Wertfreiheit und Objektivität schulen zu lassen.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (34)

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Irgendwie flog diese so verregnete Woche nur so dahin. Nach einem langen Wochenende vergingen die letzten arbeitssamen Tage viel zu schnell. Doch jetzt liegt ein wunderbares Wochenende mit Freunden hinter uns, das wir sehr genossen haben. So sind also dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Beharrlich etwas vorleben zeigt doch seine Wirkung: Meine Kinder haben das aufräumen nicht erfunden und begeistern können sie sich ob ihres cholerischen Temperamentes (Link) auch nicht dafür. Aber als wir am Freitag so im Garten spielten und pflanzten, packte Maxim auf einmal die Aufräumwut. Er räumte alle Kinderfahrzeuge aus unserem Unterstand, kehrte diesen und räumte dann alle Fahrzeuge wieder ordentlich ein, so wie Richard es alle paar Wochen auch macht. Selbst wenn es nicht so scheint, doch offensichtlich bekommt unser Sohn sehr wohl mit, wie eine „schöne Ordnung“ aussehen kann.
  2. Nadeschda kann stricken. In der Schule haben sie nun begonnen, an den Abschlussarbeiten für die Vorklasse zu arbeiten: Eine Tasche stricken. Die Klassenlehrerin strickte Nadeschda eine Reihe vor, Nadeschda nahm die Nadeln und strickte. Mit einer Emsigkeit, die ich noch nie bei einem Kind gesehen habe.
  3. Meine Kinder kochen. Maxim hat mittlerweile das sonntägliche Pfannkuchenbacken übernommen. In dieser Woche wurde das Kochrepertoire um Pizza (die selbstgemachte und kein TK-Ware!) und Salat erweitert.

Habt einen erholsamen Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!