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Charlotte’s Sonntagslieblinge (54)

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Danke an Pixabay

Eine für mich spannende und erkenntnisreiche Woche liegt hinter mir. Ich habe endlich konsequent an meiner Semesterarbeit arbeiten und schreiben können. Es ist gut gelaufen und ich bin ein großes Stück vorwärts gekommen. Allmählich finden wir uns immer besser in den Schulalltag ein, Nadeschda kommt tatsächlich langsam in ihrer Klasse an und die Schultage sind nicht mehr so anstrengend für sie. Das entspannt sehr. Und auch Maxim begeistert mich immer wieder von Neuem mit seinem auferweckten Wissensdurst. Lexika sind zur Zeit seine Lieblingslektüre… So sind dies meine drei Sonntagslieblinge der vergangenen Woche:

  1. Das Zirkustraining fällt im Moment wegen einer anderen großen Vorstellung im Zirkuszelt aus. Maxim ist davon zwar nicht so begeistert. Doch genoß er so wie Nadeschda und ich die zwei geschenkten Nachmittage Zuhause. Die Kinder und ich haben dabei ein gemeinsames Strickprojekt für Weihnachten begonnen. Das macht riesigen Spaß und macht den Herbstanfang doch sehr gemütlich.
  2. Gestern verbrachten wir einen wunderbaren Tag als Familie im Wald. Nach einem herrlichen Mittagessen im Restaurant einer Freundin gingen wir für ein paar Stunden im Wald spazieren und sammelten unsere ersten Säcke Kastanien. Nun zieht der Herbst auch hier Zuhause ein und verströmt einfach ein wunderbar wohliges Gefühl.
  3. Zwar hatte ich mich mit dem Thema bereits intensiv beschäftigt, so tat das Seminar von Bettina Bonus zur „Anstrengungsverweigerung“, das ich am Freitag bei BAKO e.V. besucht habe, doch wieder einmal gut, um noch einmal ein paar Aspekte aufzufrischen. Und auch wenn Frau Bonus manchmal sehr polarisiert, ich liebe einfach ihre sehr deutliche Art in ihren Vorträgen.

Habt einen gemütlichen und ruhigen Sonntag und einen erholsamen Start in die neue Woche!

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Herkunft reloaded (2): Wie sieht denn meine russische Mutter aus?

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Mit freundlicher Unterstützung von Pixabay

Immer mal wieder spricht Maxim von seiner russischen Mutter. Seine Herkunft beschäftigt ihn nachhaltig. Meist in Situationen, wo es mich im ersten Moment überraschend erwischt. Doch bei genauerer Betrachtung auch wieder nicht. Man könnte davon ausgehen, dass ein Kind so ein wichtiges Thema anspricht, wenn man gemütlich zusammensitzt, liest, oder etwas spielt oder vielleicht zusammen kocht. Doch weit gefehlt. Das würden vielleicht wir Erwachsenen tun. Doch nicht mein Sohn. Klassische Situationen für Gespräche über seine Herkunft und seine Mutter sind für ihn das Duschen oder das abendliche Zähneputzen. Oder wenn er gar auf dem Klo sitzt. Letzteres geht ja noch ganz gut, denn da habe ich zumindest eine Chance, ihn zu verstehen. Unter der Dusche ist es schon eine akustische Herausforderung, und mit der Zahnbürste im Mund ist ein erstes Verständnis nahezu chancenlos. Dennoch, irgendwann habe ich verstanden, dass gerade diese Szenerien im Bad, vor allem, wenn ich Maxim die Haare wasche, wohl mit die intimsten Momente für ihn sind, in denen er sich traut, diese Fragen zu stellen.

So stand er also in der vergangene Woche abends unter der Dusche und ich seifte ihm gerade die Haare ein, als er schaumbedeckt aus dem Nichts ansetzte: „Du, Mama, wie sah sie denn eigentlich aus?“ Ich entgegnete im ersten Moment: „Dusch Dich mal ab. – Wen meinst Du denn?“ „Na, meine russische Mutter. Svetlana.“ Da dies nicht das erste Mal war, dass er ausgerechnet unter der Dusche mir Fragen nach seiner Herkunft stellte, war ich schnell wieder gefasst und zudem vorbereitet. Ich wusste ja, dass nun immer wieder Fragen kommen konnten. „Mmmhh. So genau weiss ich das nicht. Denn wir haben sie nie persönlich kennengelernt. Und ein Foto gab es leider auch nicht.“ Maxim duscht sich den Schaum aus den Haaren und schaut mich erwartungsvoll an. „Aber ich glaube, dass sie auf jeden Fall so wunderbare tief blaue Augen hat, wie Du und Nadeschda. Und sicherlich hat sie so wunderbare hellblonde Haare wie Du. Lang natürlich. Und dann dürfte sie sicherlich ein wenig größer sein als ich. Und…“ Ich mache eine kleine Pause und deute auf Maxims markanten Leberfleck direkt neben seinem Bauchnabel. „Den hat sie mit Sicherheit auch. Denn die Stelle ist ungewöhnlich. Das habt ihr sicherlich gemeinsam.“ Maxim lacht. „Mama, das kitzelt!“ Dann hält er inne, während er bereits begonnen hat, sich Duschgel in die Hand zu drücken, um sich einzuseifen. „Mama, warum haben wir kein Foto von ihr?“ „Im Kinderheim hatten sie kein Foto von Svetlana. Vielleicht gab es auch keins. Denn nicht immer haben Menschen Kameras, um Fotos zu machen. Doch wenn Du magst, können wir ja ein Bild von ihr malen.“ Gedankenverloren schaut Maxim auf das Duschgel in seiner Hand. „Ja, aber nicht jetzt, jetzt muss ich duschen. Und übrigens, den Leberfleck hier am Bein, den hab ich von Papa…“ und zieht fröhlich aber energisch den Duschvorhang zu. (Richard hat einen ähnlichen Leberfleck wie Maxim tatsächlich am Oberschenkel.)

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48 Stunden Alltag einer (Adoptiv-) Mutter (reloaded)

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Danke an Pixabay

Da unsere letzte Woche ein wenig wahnsinnig zuweilen war und ich wieder mal bis zum Wochenende an chronischem Schlafmangel litt, musste ich an meinen 48 Stunden Beitrag von vor einigen Monaten denken und will ihn heute einmal wieder aufgreifen. Auch heute spüre ich wieder mein Schlafdefizit der vergangenen Nacht – Elternabende bis 23:30h sind einfach nichts für mich, wenn am nächsten Morgen um 6:00h der Wecker klingelt. Es ist alles andere als gesund. Aber nun denn…

Donnerstag

4:30h Aus dem Kinderzimmer kräht es laut:“Mama!“ Schlaftrunken stehe ich auf und schaue nach Nadeschda. „Mama, wann ist es endlich hell?“ In meinem verschlafenen Kopf denke ich noch, dass das jetzt nicht mein Plan eines frühen Schlafen am Abend war. Meine Tochter soll zwar morgens ausgeschlafen aufstehen, aber bitte nicht schon um 4:30h. Ich erkläre ihr, dass es noch mitten in der Nacht ist, bleibe bei ihr, bis sie wieder eingeschlafen ist und kehre zurück in mein Bett. An eine weitere Stunde Schlaf ist aber nicht mehr zu denken. Richard sägt neben mir einen ganzen Wald platt….

5:55h vor dem Klingeln des Weckers stehe ich dann auf. Nach zwei Tassen Kaffee schwindet auch die Müdigkeit. Brotboxen sind gepackt, ich suche die frische Wäsche für die Kinder zusammen, schmeisse die erste Maschine mit schmutziger Wäsche an.

6:30h Während Maxim noch unbedingt ein Bild für seine Lehrerin fertig malen will, dusche ich. Dann helfe ich den Kindern, sich anzuziehen und sich für die Schule bereit zu machen.

07:20h Richard verlässt mit den Kindern das Haus Richtung Schule. Ich räume schnell auf und setze mich dann an den Schreibtisch, um meine Semesterarbeit vorabzutreiben.  Lieber würde ich mich noch einmal hinlegen und wenigsten eine Stunde Schlaf nachholen.

10:30h Ich mache mich auf den Weg zur Schule, um Nadeschda’s Klasse mit in den Wald zu begleiten. Bis alle Kinder ihre Regensachen anhaben, in Reih und Glied stehen, und wir loslaufen können, vergeht eine gute halbe Stunde. Manche Kinder sind schon recht gut in der 1. Klasse angekommen und testen nun die Grenzen der Lehrerin. Manchen geht sie auf den Leim, anderen nicht.

12:40h Wir sind aus dem Wald zurück in der Schule. Ich esse mit Nadeschda in der Mensa. Dann machen wir uns auf den Weg zur Logopädin.

14:00h Ich freue mich über den Kaffee, den die Logopädin mir spendiert. Vielleicht sehe ich heute ja auch so müde aus wie ich mich fühle. Nadeschda macht tapfer ihre Übungen.

15:30h Wir sind zurück an der Schule, um Maxim abzuholen. Er hatte nach dem Unterricht noch Zirkustraining. Gott sei Dank hat er auch bereits seine Hausaufgaben gemacht.

16:00h Zuhause übt Maxim Trompete. Ich mache mit Nadeschda ihre Hausaufgaben. Wie so oft ist es ein Kampf mit ewigen Diskussionen. Ich trinke inzwischen meinen fünften Kaffee und übe mich in Geduld. Ein paar Mal höre ich mich selbst laut und tief durchatmen. Doch es zahlt sich aus. Nadeschda erinnert immer besser ihre Hausaufgaben. Und macht sie. Auch wenn Tränen fließen, wenn sie unzufrieden mit dem Ergebnis ist. – Ursprünglich hatte die Lehrerin diese immer an der Tafel stehen lassen. Da aber die Hausaufgaben für sie hauptsächlich ein Gedächtnistraining sein sollen, und es das für all die Kinder, die im Klassenraum der 1. Klasse dann nachmittags ihre Hausaufgaben machen, nicht war, wischt sie nun die Tafel immer sauber. Und ich bin drauf angewiesen, dass sich meine Tochter selbst an die Aufgaben erinnert.

17:00h Unsere Kinderfrau kommt, die Kinder spielen im Garten. Ich telefoniere noch schnell mit einer besorgten Mutter aus Nadeschda’s Klasse – es hatte mit ihrem Kind einen Zwischenfall im Wald gegeben. Dann mache ich mich erneut auf den Weg zur Schule.

18:00h Termin mit der Schulleitung zum Elternseminar für die zukünftige 1. Klasse. Die Mitarbeit der Eltern in der Schulgemeinschaft soll stärker in den Vordergrund gerückt werden. Zwei weitere Mütter und ich sollen dazu einen Workshop organisieren.

20:00h Wir wechseln den Raum und gehen gemeinsam zur Elternbeiratssitzung der Schule. Wie immer, wenn die Agenda kurz ist, dann dauert die Sitzung lange. Gut, ich bin nicht ganz unschuldig daran, dass es vor allem bei den Wahlen etwas länger dauert, da ich mit der Rekrutierung von Kandidaten nicht ganz einverstanden war. Später auf dem Parkplatz diskutieren wir immer noch ein paar mögliche Kandidaten.

23:00h Endlich Zuhause, finde ich Richard schlafend auf dem Sofa vorm Fernseher wieder. Ich denke: „Wunderbar, das mache ich jetzt auch.“ Doch vorher muss ich noch das Chaos in der Küche aufräumen. Ich befühle die Spülmaschine und schalte sie an. Im Bad wundere ich mich, warum ein T-Shirt von Maxim im Waschbecken eingeweicht ist. Da erinnere ich mich an die Wäsche vom Morgen im Trockner und in der Waschmaschine. Ich tausche die Wäsche und schmeiße noch einmal eine Ladung für die Nacht an. Als meine drei „Hausangestellten“ arbeiten, gehe ich müde ins Bett.

Freitag

06:00h Der Wecker klingelt. Trotz weniger als sieben Stunden Schlaf fühle ich mich fitter als gestern. Zumindest durfte ich durchschlafen. Kein rufendes Kind, kein schnarchender Mann. Oder ich war so erschlagen und habe so tief geschlafen, dass ich weder die eine noch den anderen gehört habe.

6:45h Ich bin bereits geduscht, das Frühstück steht auf dem Tisch und die Brotboxen sind gepackt. Maxim und Nadeschda quälen sich aus den Betten. Richard hatte mir bereits gebeichtet, dass es gestern Abend wieder mal etwas später geworden ist. Ich kann meine Begeisterung nur schwer kontrollieren.

07:30h Wir sind spät dran und hetzen aus dem Haus auf dem Weg zur Schule. Im Auto fällt Maxim ein, dass er sein Heft vergessen hat. Er rennt zurück und holt es. Mit einem Comic in der Hand kommt er wieder. Ich dachte, er holt sein Rechenheft, das er heute wieder mitnehmen muss. Doch das liegt noch auf seinem Schreibtisch. Also renne ich zurück ins Haus und hole es.

07:55h Gerade noch pünktlich vor dem ersten Klingeln kommen wir an der Schule an. Beide Kinder sind rechtzeitig in ihren Klassenräumen. Auf dem Parkplatz kommt mir eine befreundete Mutter mit ihrer brüllenden Tochter, Nadeschda’s Freundin entgegen. Wir winken uns zu, tauschen Blicke ohne Worte. In Gedanken bewundere ich ihre Gelassenheit und freue mich gleichzeitig über meine eigenen Kinder, die noch nie auf dem Weg zur Schule oder an der Schule morgens ein riesiges Theater veranstaltet haben. Egal wie müde sie waren.

09:00h Auf dem Rückweg von der Schule habe ich schnell unseren Wochenendeinkauf erledigt, ein Geschenk für eine Freundin besorgt, bei der wir am Wochenende eingeladen sind, habe eine Jacke zurückgeschickt, die für Nadeschda viel zu groß war. Nun stehe ich im Rathaus und will eigentlich gelbe Säcke für den Plastikmüll abholen. Freundlich erklärt man mir, dass sie schon seit einer Woche keine mehr haben und auch nicht wissen, wann die bestellte Lieferung kommt. So und jetzt? Dann ist wohl Mülltrennung erst einmal passé für die kommenden Tage. Bis ich dann mal wieder Zeit finde, ins Rathaus zu fahren und es dann auch noch aufhat…

10:00h Der Haushalt ist gemacht, die Waschmaschine läuft erneut, die Einkäufe sind verstaut. Endlich sitze ich am Schreibtisch, erledige ein paar mails und mache mich dann mal wieder an einen Auftragstext. Eigentlich wollte ich ja an meiner Semesterarbeit weiter schreiben. Aber die muss jetzt noch einmal warten. Hoffentlich finde ich in der kommenden Woche mehr Zeit dafür und das auch ausgeschlafen. Das Thema ist nicht ganz leichte Kost und ich muss dafür irgendwie ausgeruht sein, um meine Gedanken in eine ordentliche Form gießen zu können.

13:15h Zurück an der Schule. Ich sammle meine Kinder ein. Nadeschda ist erneut frustriert, dass die Hausaufgaben von der Tafel wieder weggewischt sind. Sie glaubt meiner Zuversicht nicht ganz, dass sie sich Zuhause an die Hausaufgaben erinnern wird.

14:30h Nachdem beide Kinder sich erst einmal ein wenig ausgeruht haben, geht es an die Hausaufgaben und das tägliche Üben. Nadeschda tut sich schwer. Dafür begeistert mich Maxim um so mehr. Mittlerweile macht er seine Hausaufgaben ordentlich alleine in seinem Zimmer. Mit Nadeschda zusammen am Esstisch ist es ihm zu laut und zu unruhig. Er hat auch keine Lust, sich ständig von ihr beschimpfen zu lassen. Wenn Nadeschda’s Wut kommt, ist Maxim meist die Zielscheibe ihrer Zornausbrüche.

15:05h Nadeschda hat immer noch keinen einzigen Strich gemalt. Ihre Vermeidungsstrategie läuft auf Hochtouren. Leere Blätter sind schon zerknüllt – „Ich mache heute keine Hausaufgaben!“ – Stifte und Glöckchen flogen bereits durch das Esszimmer. Erst als ich auf einem Blatt das male, von dem ich denke, dass es die Hausaufgaben sein könnten, was ich mir aus den Fragmenten, die Nadeschda mir erzählt hat, zusammenreimen kann, schlägt ihr cholerisches Temperament zu. „Nein, Mama!“ Sie reißt mir das Blatt aus der Hand, nimmt ihre Wachsblöckchen und malt. „Das geht so! Die grüne und die rote Gebogene dürfen sich nicht berühren.“ Die Atmosphäre ist angespannt, aber sie ist aus ihrer Vermeidung herausgekommen. Anstatt Nadeschda wegen ihres Tonfalls zu maßregeln, lobe sie viel und kann sie dazu bewegen, nun das Gemalte in ihr Hausaufgabenheft zu übertragen. Schön und ordentlich.

15:45h Nach den Hausaufgaben hat Nadeschda noch bereitwillig Schreiben geübt und ihre Übungen für die Logopädin gemacht. Auf einmal ging es dann doch schnell. Nun spielt sie in ihrem Zimmer. Die Tür ist zu und sie will ihre Ruhe haben. Ich sitze derweil bei meinem Sohn und genieße sein Trompetenspiel. Ich freue mich, dass er im Moment so gewissenhaft und fleißig übt. Allmählich sieht er selbst seine Erfolge. Manchmal guckt er mich strahlend an, wenn ihm etwas besonders gut gelungen ist und sagt: „Ja, Mama, Übung macht den Meister.“

16:30h Richard kommt nach Hause und ich mache mich auf den Weg in die Akademie. Eigentlich bin ich viel zu müde und würde am liebsten Zuhause bleiben.

17:30h Heute bin ich zügig durchgekommen und genieße noch ein paar Minuten vor Unterrichtsbeginn mit ein paar Mitseminaristen draußen in der Sonne. Doch unsere gute Stimmung fliegt dahin, als unser Dozent uns anschnauzt, wir sollten gefälligst pünktlich kommen. Wir waren vielleicht eine Minute zu spät im Saal. Zum ersten Mal denke ich: „Hey, Sie sind nur hier, weil wir Sie bezahlen.“ So einen Tonfall verbitte ich mir einfach.

22:30h Nach vier Stunden Akademie bin ich endlich wieder Zuhause. Kurz spreche ich noch mit Richard, gucke in meine Mails und falle dann eine Stunde später endlich in mein sehnlichst herbeigewünschtes Bett.

Samstag, 04:30h Aus dem Kinderzimmer kräht es laut:“Mama!“ Schlaftrunken stehe ich auf und schaue nach Nadeschda. „Mama, ich brauche Socken.“ Ich bin zu müde, um mich zu wundern, warum sie keine anhat. Sie schläft IMMER mit Socken. Ich ziehe meiner Tochter wärmende Strümpfe an und kehre in mein Bett zurück.  Doch richtig schlafen kann ich nicht mehr…

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (51)

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Photo by Jenny Hill on unsplash.com

Ein herrliches Wochenende liegt hinter uns. Gestern morgen waren wir mit Maxim und Nadeschda zum ersten Mal auf einem Bauernhof Kühe melken. Zusammen mit zwei anderen befreundeten Familien. Das war sehr erheiternd und irgendwie spannend. Diese Tiere scheinen es mir inzwischen angetan zu haben der Kuhmeditation vor einiger Zeit zum Dank. Nadeschda muss nach wie vor noch in der Schule ankommen, die Veränderung ist anstrengend und ermüdend für sie. Maxim verausgabt sich derweil im Schulzirkus, auch hier müssen wir noch ein gesundes Maß an Training finden. Um so wichtiger ist dann die Zeit als Familie am Wochenende, die wir mit schönen Dingen und Ereignissen füllen. Und so sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge der Woche:

  1. Ich habe in der Schule zum ersten Mal „Nein“ zu einem weiteren ehrenamtlichen Job gesagt. Noch mehr Abendtermine gehen einfach nicht. Und auch ein Protokoll noch Zuhause zu schreiben, ist in diesem Schuljahr nicht drin. Ich bin ganz stolz auf mich, dass ich mich nicht habe einwickeln lassen für eine weitere Aufgabe.
  2. Die Kinder haben Müsliriegel für sich entdeckt. So sind wir in dieser Woche zum ersten Mal in die Eigenproduktion gegangen. Sehr lecker!
  3. Mein großes Bauprojekt aus dem vergangenen Jahr ist nun endlich vollständig abgeschlossen. Die Fassade des alten Fachwerkhauses erstrahlt nun vollständig in neuem Glanz. Das neue Hoftor geht nun endlich auch mit einem funktionierenden Motor automatisch auf. Und nach Monaten des Wartens sind nun auch die Zuschüsse aus der öffentlichen Hand endlich geflossen. Kaum zu glauben aber war. Doch nach einem Telefonat mit der freundlichen Dame des Servicecenter, die seeeehhhhhhhr laaaangsaaaam sprach, wunderte mich auch nicht mehr, dass die Zahlungsabwicklung so lange dauerte.

Habt einen wunderbaren Sonntag Abend und startet wohlbehalten in die neue Woche!

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#bestofElternblogs im September

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Anja von der Kellerbande ruft regelmäßig zum 1. des Monats zu den besten Beiträgen der Elternblogs auf. Und auch heute mache ich gerne wieder mit. Mein meist gelesener Beitrag im August war „Meine Karriere, seine Karriere, unsere Karriere? – Vom Zurückstecken, Unterordnen oder klassischer Arbeitsteilung in der Familie“, in dem ich  über meine Karriere nachdenke, die es so nicht mehr gibt und wahrscheinlich auch nicht mehr geben wird. Aber an ihre Stelle eine andere „Karriere“ getreten ist….

Habt Dank für’s Lesen, Teilen, Mitfühlen! Das freut mich jedes Mal wieder von Neuem.

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Meine Karriere, seine Karriere, unsere Karriere? – Vom Zurückstecken, Unterordnen oder klassischer Arbeitsteilung in der Familie

happy family with two kids walking at sunset

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Meine Berufstätigkeit beschäftigt mich gedanklich nach wie vor. Gerade im Augenblick, wo wir uns noch in die 1. Klasse einfügen, wo wir nach einer langen und erholsamen Sommerpause wieder in unseren Tritt und Rhythmus kommen müssen. Gerade jetzt ist die „Familienarbeit“ wieder sehr intensiv und eine Teilzeitarbeit egal in welchem Umfang eher fraglich. Doch auch meine Kinder werden größer, eine irgendwie geartete Altersversorgung braucht es dann auch einmal irgendwann und ob wir uns auf den beruflichen Erfolg meines Mannes auf Dauer verlassen können, ist auch nicht immer gewiss. Insofern ist ein sich vollständig aus der Arbeitswelt verabschieden auf Dauer nicht unbedingt eine Option. Über Katharina’s Beitrag „Mein Mann, seine Karriere und ich und warum diese Überschrift für uns doch nicht passt“ auf Kinderleute bin ich auf Berdiens Blogparade „Mein Mann, seine Karriere und ich“ auf ihrem Blog Bejewly aufmerksam geworden und mache gerne mit.

Als Richard und ich uns kennenlernten, arbeiteten wir in ähnlichen Jobs in ein und derselben Branche. Gleichberechtigt arbeiteten wir und teilten uns unseren Alltag. Im Gegensatz zu Katharinas Erfahrung, war er auch ein Partner, der mich immer ermutigte, meine Hobbys aufrechtzuerhalten bzw. eingeschlafenen Hobbys wieder aufzugreifen. Er richtete mir sogar eine eigene Werkstatt zum Malen ein. In unserer Lebensplanung sagten wir immer: „Derjenige der mehr verdient, bestimmt den Wohnort und den Lebensmittelpunkt.“  Es gehört zu den Ungerechtigkeiten des Lebens und der Wirtschaft und zu Richards Verhandlungskünsten, dass er schnell deutlich mehr verdiente als ich und zügiger in seiner Karriere vorankam. Insofern war bei unserer Familienplanung klar, dass ich in Elternzeit gehen würde und danach für das Kind vorerst beruflich zurückstecken würde. Mich vollständig aus dem Berufsleben zu verabschieden, stand damals nicht zur Diskussion. Auch im Adoptionsprozess hielt ich an der Idee fest, nach einem Jahr wieder – zwar reduziert – in meinen alten Beruf einzusteigen.

Doch das Leben hatte vielleicht anderes im Sinn mit mir. Denn es kam alles anders. Wir adoptierten nicht nur ein Kind, sondern gleich zwei. Meine Schwiegermutter, die Teil einer Unterstützung hätte sein können, erkrankte an Krebs und starb zehn Monate nach Ankunft von Maxim und Nadeschda. Und erst mit der Zeit zeigte sich immer mehr, wie viel Fürsorge, Unterstützung und konstante Präsenz unsere beide Kindern von einem Elternteil brauchten und bis heute brauchen. So blieb ich also weiter Zuhause. Ich kann zwar inzwischen ein wenig freiberuflich arbeiten und habe ein Buch geschrieben. Doch eine Aufgabe in einem regelmäßigen Angestelltenverhältnis ist zur Zeit noch undenkbar. Denn der Hauptteil der Fürsorge für Maxim und Nadeschda liegt bei mir. Ich kümmere mich um die Schule, begleite Hausaufgaben und tägliches Üben, ich organisiere ihre Hobbies und Verabredungen, ich sorge für die richtige Begleitung durch Ärzte, Therapeuten etc. Ich sage Abendtermine ab, wenn Richard auf Geschäftsreise ist und der eine Abend mit Kinderfrau schon ausgeschöpft ist, ich komme später zu Fortbildungen oder Seminaren, wenn Richard einen Geschäftstermin hat und die Kinder nicht zur Schule bringen kann. Ich bleibe Zuhause, wenn der Babysitter krank ist. Wie Katharina schrieb: Ich habe meine berufliche Karriere aufgegeben, damit wir eine Familie sein können.

Doch vielleicht gibt es ja gar nicht MEINE Karriere und SEINE Karriere. Dass Richard so erfolgreich im Job ist und so viel Geld verdient, dass wir auf ein zweites Gehalt nicht angewiesen sind, liegt ja auch daran, dass ich mich zuhause um (fast) alles kümmere. Er kann weitestgehend frei agieren und muss niemals auf meine Termine oder die Kinder Rücksicht nehmen. Denn ich bin ja immer verfügbar. Richard weiß diese Freiheit zu schätzen und rechnet mir dies hoch an. Insofern ist sein beruflicher Erfolg ein Stück weit auch meiner. Genauso wie die stetige Entwicklung unserer Kinder und unser Zusammenwachsen als Familie auch ein Großteil meines „Verdienstes“ ist. Mit vielen Schritten, die Maxim und Nadeschda gegangen sind, weiss ich, dass sie diese nur gehen konnten, weil ich immer für sie da bin. Weil Richard und ich ihnen in unserer klassischen Arbeitsteilung – der Vater verdient das Geld und die Mutter kümmert sich um das Zuhause – eine sichere Umgebung geben, in denen sie wachsen und heilen können.  So ist es dann vielleicht UNSERE Karriere. Doch eben nicht nur in beruflicher Hinsicht, sondern unsere Karriere als Familie.

Letztendlich hat unsere Arbeitsteilung auch etwas sehr privilegiertes. Und dies nicht nur, weil ich nicht jeden Morgen wie so viele im Stau stehen muss, um in irgendein Büro zu fahren. Nein, denn ich kann meine wenigen – aber mit zunehmendem Heranwachsen von Maxim und Nadeschda immer größer werdenden – Freiräume nutzen, um mir selbst neue Perspektiven zu eröffnen. So wie ich es ja bereits mit meiner Ausbildung begonnen habe. Mit dem Muttersein haben sich für mich auch neue Horizonte eröffnet, die ich anders nicht hätte erfahren können. Wahrscheinlich hätte ich nie ein Buch geschrieben, geschweige denn würde mich nun mit einem zweiten gedanklich tragen. Wahrscheinlich hätte ich nie diesen Blog begonnen. Ich hätte mich nicht so intensiv mit Kindesentwicklung, Erziehung und der Begleitung von traumatisierten Kindern beschäftigt. Und sicherlich hätte ich nie in Erwägung gezogen, eine Ausbildung zu machen, die wenig mit meinem vorangegangenen Berufsleben zu tun hat. Somit hat das auch alles sein Gutes.

Vielleicht muss man einfach den Begriff der Karriere anders definieren. Denn es geht im Leben ja nun nicht nur um den beruflichen Erfolg und immer mehr Geld auf dem Konto. (Vorausgesetzt der Lebensunterhalt ist gesichert.) Vor allem geht es doch darum, ein erfülltes und glückliches Leben zu haben. Das wäre für mich „Karriere“. Und wenn ich mir in guten Momenten Maxim und Nadeschda, unsere Kinder, betrachte, dann weiss ich, mein Leben ist mehr als erfüllt.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (49)

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Danke an Pixabay

Nun haben wir ein richtiges 1.Klasskind! Nadeschda’s Einschulung war sehr feierlich, ergreifend und bewegend. Wie groß und selbstbewusst sie auf die Bühne marschierte, als ihr Name aufgerufen wurde. Ich war so stolz auf meine wunderbare Tochter. Für sie und auch für mich beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Ein wenig bin ich erfüllt von Sorge, ob uns der Übergang in das „wirkliche“ Schulleben gut gelingen mag. Doch genauso bin ich erfüllt von der Zuversicht, dass meine Tochter tapfer ihren Weg gehen wird. So wie sie ihn bisher auch unermüdlich und mutig beschritten hat. Dankbar blicke ich auf die letzte Woche zurück und denke vor allem an diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Der ergreifende Moment, als im ehrfürchtig stillen Festsaal der Schule Nadeschda’s Name aufgerufen wurde. „Ich rufe Nadeschda Weiss.“ erklang es von der Bühne. Nadeschda stand auf, nahm ihren Ranzen und lief auf ihren neuen Lebensabschnitt zu. Auf der Bühne erwartete sie ihre neue Klassenlehrerin, begrüßte sie und führte sie zu ihrem Platz. Stolz saß meine Tochter dort und winkte und strahlend zu.
  2. Im Anschluss hatten wir im Kreise unsere Lieben einen wunderbaren Tag. Auf Nadeschda’s Wunsch feierten wir Zuhause im Garten. Wir hatten Glück und das Wetter hielt. Nadeschda genoss die traute Geborgenheit unserer Familie und einen entspannten Nachmittag ohne viel Aufregung. Der Festakt in der Schule und der darauf folgende erste Schultag waren aufregend genug.
  3. Maxim ist gut in die Schule gestartet. Er ist zurück in seiner Routine ohne große Aufregungen. Zu Leander geht er auf deutliche Distanz und sortiert seine sozialen Kontakte in der Klasse neu. Ich bin beeindruckt, mit welchem Selbstbewusstsein er sich aus eigener Kraft neu orientiert.

Habt einen erholsamen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!