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Mein „Couch-Vormittag“ – Ironie und Realität der Fürsorgearbeit

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Photo by Toa Heftiba on unsplash.com

Zum Weltfrauentag hatte die wundere Claire von Mama streikt wieder einmal zum Netzprotest zu #craearbeitmusssichtbarwerden aufgerufen. Zu Recht! Vor allem ein Zitat hat mich nachhaltig beschäftigt, dass es mich zu einem weiteren Beitrag inspiriert hat: „Ich bezahle doch einer Mutter eines gesunden 9-Jährigen nicht ihre Couch-Vormittage.“ hatte ein männlicher User Claire geschrieben. Mmhhh, Couch-Vormittage sind durchaus etwas Wunderbares. Morgens wenn die Kinder das Haus Richtung Schule verlassen haben, der Mann sicher beschäftigt ist im weit entfernten Büro, dann lässt es sich doch wunderbar auf dem Sofa ausruhen, die Nägel lackieren, ein nettes Buch oder eine nette Frauenzeitschrift lesen, vielleicht einmal mit einer lieben Freundin, die gerade genauso auf der Couch chillt, telefonieren. Über Stunden bis es dann Zeit ist, dass die lieben Kinder wieder aus der Schule kommen. Und auch dann muss frau ja nicht wirklich die Couch verlassen, denn die Kinder sind ja schon so groß, dass sie die Hausaufgaben alleine machen und dann auch noch den Müll rausbringen, die Spülmaschine ausräumen, die Wäsche zusammenlegen und das Abendessen vorbereiten. Herrlich! Was für ein Leben! – Doch irgendetwas stimmt nicht an diesem Bild. Warum muss ich an Fernsehserien wie „Vorstadtweiber“ denken, wo die Damen tatsächlich ihre Vormittage – neben vielem anderen – Proseccoschlürfenderweise verbringen. Aber das wirkliche Leben sieht anders aus. So wie etwa meines zu Beginn der Woche – und im übrigen irgendwie jeden Tag:

06:00h Mühsam quäle ich mich aus dem Bett. Die Nacht war wieder kurz und unruhig. Nadeschda schläft einmal wieder bei uns im Bett. Nach einem Kaffee packe ich Brotdosen für die Schule, räume die Küche auf, schmeiße die Waschmaschine an und gehe duschen.

06:30h Ich wecke Maxim und Nadeschda, ziehe sie an, schaue, dass ihre Ranzen gepackt sind, mache Frühstück.

07:25h Die Kinder und Richard verlassen das Haus. Ich räume die Überreste des Wochenendes auf, sauge und wische im Erdgeschoss. Danach mache ich mich zu Ende fertig.

08:15h Ich sitze am Schreibtisch, lese und ergänze den neuen Mietvertrag meiner Mutter, drucke ihren Versicherungsantrag aus, schreibe ihren Wochenplan mit allen Arzt- und Therapieterminen, mache ihre Finanzübersicht, gucke, ob die Krankenkasse endlich die Rechnungen erstattet hat, überleg noch, wann wir ein neues Bett kaufen können, recherchiere, wie und wo sie einen Schwerbehindertenausweis bekommt. Über meinen Hausarzt organisiere ich ihr ein Rezept für ein Medikament, das sie vermeintlich „dringend“ braucht.

09:15h Bei meiner Mutter bin ich 10 Minuten zu spät. Eigentlich hätte sie schon angezogen sein müssen, da wir eventuell zum Arzt hätten gehen müssen. Doch sie steht immer noch im Bademantel Kaffeetrinkenderweise in ihrem Zimmer. Sie schaut mich an mit den Worten: „Was willst Du hier?“ Sie hat vergessen, dass wir zum Arzt wollten und dass sie ein paar Dinge unterschreiben muss. Ganz Anstrengungsverweigerin  fragt sie, ob sie nicht später die Dinge unterschreiben kann. Das Schreiben fällt ihr seit dem Schlaganfall schwer. Ihre Unterschrift üben, wie sie soll, tut sie nicht. Ich verneine, denn später habe ich keine Zeit und sie wird dann schlafen oder spazierengehen, oder was auch immer tun. Widerwillig setzt sich meine Mutter hin, geht mit mir die Papiere durch und unterschreibt. Beim Wochenplan, in den ich auch ihre täglichen Übungen geschrieben habe, wird sie noch missmutiger: „Da habe ich keine Lust zu.“ Als sie dann ihren geballten Unmut über ihre neue Wohnung entlädt und wir auf ihren alten Vermieter kommen, dessen Nachzahlungsforderungen ich bezahlt habe, denn Mietrückstände muss man in Deutschland einfach bezahlen, knallt es. Sich mit alten Vermietern zu streiten, steht jetzt einfach nicht auf der Agenda, weder auf meiner – denn ich habe keine Zeit dafür mich um 50,00 EUR zu streiten- , und vor allem nicht auf der Agenda meiner Mutter. Sie muss gucken, dass sie fit wird, um einigermaßen alleine zu leben. Das will sie ja eigentlich auch. Doch die Übungen des Physiotherapeuten macht sie nicht, Schreiben übt sie nicht und Gedächtnistraining macht sie schon mal gar nicht. Stattdessen sitzt sie lieber vorm Fernseher. Aber dafür braucht man ja mindestens eine 100qm Wohnung….(????) Nun ja, am Ende verlasse ich als böse Tochter mit knallender Tür und Tor (- Ach, es ist einfach großartig, dass wir an unserem Haus gegenüber so ein riesiges schmiedeeisernes Tor haben, dass so richtig laut scheppert, so richtig laut, dass es die ganze Straße hört, wenn man es mit voller Wucht zuknallt. – ) das Gelände.

10:30h Ich schicke Krankenhausrechnungen meiner Mutter an die Krankenkasse, fahre zum Arzt, hole besagtes Rezept ab, gehe in die Apotheke und bestelle das Medikament, das meine Mutter ja so dringend braucht.

11:20h Wieder Zuhause schreibe ich noch einen Post für meinen Blog und stelle einen zweiten online. Mittlerweile schmeiße ich auch die dritte Ladung Wäsche in die Waschmaschine und lege die erste von heute morgen, die inzwischen im Trockner war zusammen.

12:30h Ich gehe wieder zu meiner Mutter. Ich repariere ihre Brille, worum sie mich heute morgen gebeten hatte und sage ihr, dass das Medikament heute nachmittag kommt. Spazieren war sie nicht. Stattdessen hatte sie sich, wie die Pflegerin mir sagte, ins Bett gelegt. Beleidigt. Ist ja klar. Ich lasse meine Mutter in ihrem Bett und gehe wieder. Wichtigere Menschen brauchen mich jetzt: Ich hole Maxim und Nadeschda von der Schule ab.

Nach meinem „Vormittag auf der Couch“ folgt nun ein Nachmittag so wie wir ihn immer verbringen: Hausaufgaben machen, Üben, Instrumente spielen, zwischendrin ein wenig Hausarbeit (Waschmaschine Nr. 2 ist zum Zusammenlegen bereit). Und dann geht es auch schon zum Sport für Maxim und Nadeschda. Auf dem Weg fahren wir noch einmal zur Apotheke, holen das Medikament für meine Mutter ab und kaufen Wasser für sie. Ist ja wichtig, sie muss ja viel trinken. Um halb sieben wieder Zuhause, koche ich Abendessen, dann bringe ich meine wunderbaren Kinder ins Bett, wir lesen „Jim Knopf“ weiter, ich genieße Nadeschda’s Lachen und Maxim’s Wärme, der sich schon verschlafen an mich kuschelt. Beim Einschlafen sagt Nadeschda – wieder in unserem Bett -: „Mama, ich brauche Deine Hand, damit ich etwas Schönes träume.“ Als ich sie ruhig atmen höre, stehe ich auf, gehe runter, lege Waschmaschinenladung Nr.3 zusammen. Mittlerweile ist es 20:30h. Ich bin seit 06:00h ohne Pause für die Familie in Fürsorge tätig. Das sind über 14 Stunden. Nur mal so. Ich kann dankbar sein, dass Richard währenddessen auf Nadeschda’s Elternabend sitzt. Beim Wäsche zusammenlegen kommt mir das Zitat aus Claire’s Beitrag wieder in den Sinn und anstatt mein Buch – „Into the Magic Shop“ von James R. Dotty – weiterzulesen, setze ich mich an den Rechner und schreibe diesen Post.

Die Realität einer Mutter sieht anders aus, als das gemeine Bild ist. Der Haushalt macht sich nicht von allein, das hatten wir ja auch schon mal anderer Stelle , die Kinder werden eben nicht von alleine groß und wenn dann auch noch ein zu pflegender Elternteil dazukommt, dann ist es gänzlich vorbei mit der Möglichkeit zu Arbeiten, geschweige denn einen Vormittag auf der Couch zu verbringen. Ich kann dankbar sein, dass ich nicht arbeiten muss, doch wäre meine Mutter nicht da, so hätte ich dies in der Zeit getan, oder für meine Ausbildung gearbeitet, die mir die Möglichkeit gibt, wieder in geregelten Verhältnissen mehr Geld zu verdienen.

Den Männern da draußen, die wirklich glauben, wir würden einen Vormittag auf der Couch verbringen, denen empfehle ich, mal einen Vormittag mit einer Mutter „eines gesunden 9jährigen“ zu tauschen, anstatt „Vorstadtweiber“ abends zu schauen. Das reale Leben ist meist erhellender als jede Spätabendserie….

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#bestofElternblogs im September

happy family with two kids walking at sunset

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Anja von der Kellerbande ruft regelmäßig zum 1. des Monats zu den besten Beiträgen der Elternblogs auf. Und auch heute mache ich gerne wieder mit. Mein meist gelesener Beitrag im August war „Meine Karriere, seine Karriere, unsere Karriere? – Vom Zurückstecken, Unterordnen oder klassischer Arbeitsteilung in der Familie“, in dem ich  über meine Karriere nachdenke, die es so nicht mehr gibt und wahrscheinlich auch nicht mehr geben wird. Aber an ihre Stelle eine andere „Karriere“ getreten ist….

Habt Dank für’s Lesen, Teilen, Mitfühlen! Das freut mich jedes Mal wieder von Neuem.

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Meine Karriere, seine Karriere, unsere Karriere? – Vom Zurückstecken, Unterordnen oder klassischer Arbeitsteilung in der Familie

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Meine Berufstätigkeit beschäftigt mich gedanklich nach wie vor. Gerade im Augenblick, wo wir uns noch in die 1. Klasse einfügen, wo wir nach einer langen und erholsamen Sommerpause wieder in unseren Tritt und Rhythmus kommen müssen. Gerade jetzt ist die „Familienarbeit“ wieder sehr intensiv und eine Teilzeitarbeit egal in welchem Umfang eher fraglich. Doch auch meine Kinder werden größer, eine irgendwie geartete Altersversorgung braucht es dann auch einmal irgendwann und ob wir uns auf den beruflichen Erfolg meines Mannes auf Dauer verlassen können, ist auch nicht immer gewiss. Insofern ist ein sich vollständig aus der Arbeitswelt verabschieden auf Dauer nicht unbedingt eine Option. Über Katharina’s Beitrag „Mein Mann, seine Karriere und ich und warum diese Überschrift für uns doch nicht passt“ auf Kinderleute bin ich auf Berdiens Blogparade „Mein Mann, seine Karriere und ich“ auf ihrem Blog Bejewly aufmerksam geworden und mache gerne mit.

Als Richard und ich uns kennenlernten, arbeiteten wir in ähnlichen Jobs in ein und derselben Branche. Gleichberechtigt arbeiteten wir und teilten uns unseren Alltag. Im Gegensatz zu Katharinas Erfahrung, war er auch ein Partner, der mich immer ermutigte, meine Hobbys aufrechtzuerhalten bzw. eingeschlafenen Hobbys wieder aufzugreifen. Er richtete mir sogar eine eigene Werkstatt zum Malen ein. In unserer Lebensplanung sagten wir immer: „Derjenige der mehr verdient, bestimmt den Wohnort und den Lebensmittelpunkt.“  Es gehört zu den Ungerechtigkeiten des Lebens und der Wirtschaft und zu Richards Verhandlungskünsten, dass er schnell deutlich mehr verdiente als ich und zügiger in seiner Karriere vorankam. Insofern war bei unserer Familienplanung klar, dass ich in Elternzeit gehen würde und danach für das Kind vorerst beruflich zurückstecken würde. Mich vollständig aus dem Berufsleben zu verabschieden, stand damals nicht zur Diskussion. Auch im Adoptionsprozess hielt ich an der Idee fest, nach einem Jahr wieder – zwar reduziert – in meinen alten Beruf einzusteigen.

Doch das Leben hatte vielleicht anderes im Sinn mit mir. Denn es kam alles anders. Wir adoptierten nicht nur ein Kind, sondern gleich zwei. Meine Schwiegermutter, die Teil einer Unterstützung hätte sein können, erkrankte an Krebs und starb zehn Monate nach Ankunft von Maxim und Nadeschda. Und erst mit der Zeit zeigte sich immer mehr, wie viel Fürsorge, Unterstützung und konstante Präsenz unsere beide Kindern von einem Elternteil brauchten und bis heute brauchen. So blieb ich also weiter Zuhause. Ich kann zwar inzwischen ein wenig freiberuflich arbeiten und habe ein Buch geschrieben. Doch eine Aufgabe in einem regelmäßigen Angestelltenverhältnis ist zur Zeit noch undenkbar. Denn der Hauptteil der Fürsorge für Maxim und Nadeschda liegt bei mir. Ich kümmere mich um die Schule, begleite Hausaufgaben und tägliches Üben, ich organisiere ihre Hobbies und Verabredungen, ich sorge für die richtige Begleitung durch Ärzte, Therapeuten etc. Ich sage Abendtermine ab, wenn Richard auf Geschäftsreise ist und der eine Abend mit Kinderfrau schon ausgeschöpft ist, ich komme später zu Fortbildungen oder Seminaren, wenn Richard einen Geschäftstermin hat und die Kinder nicht zur Schule bringen kann. Ich bleibe Zuhause, wenn der Babysitter krank ist. Wie Katharina schrieb: Ich habe meine berufliche Karriere aufgegeben, damit wir eine Familie sein können.

Doch vielleicht gibt es ja gar nicht MEINE Karriere und SEINE Karriere. Dass Richard so erfolgreich im Job ist und so viel Geld verdient, dass wir auf ein zweites Gehalt nicht angewiesen sind, liegt ja auch daran, dass ich mich zuhause um (fast) alles kümmere. Er kann weitestgehend frei agieren und muss niemals auf meine Termine oder die Kinder Rücksicht nehmen. Denn ich bin ja immer verfügbar. Richard weiß diese Freiheit zu schätzen und rechnet mir dies hoch an. Insofern ist sein beruflicher Erfolg ein Stück weit auch meiner. Genauso wie die stetige Entwicklung unserer Kinder und unser Zusammenwachsen als Familie auch ein Großteil meines „Verdienstes“ ist. Mit vielen Schritten, die Maxim und Nadeschda gegangen sind, weiss ich, dass sie diese nur gehen konnten, weil ich immer für sie da bin. Weil Richard und ich ihnen in unserer klassischen Arbeitsteilung – der Vater verdient das Geld und die Mutter kümmert sich um das Zuhause – eine sichere Umgebung geben, in denen sie wachsen und heilen können.  So ist es dann vielleicht UNSERE Karriere. Doch eben nicht nur in beruflicher Hinsicht, sondern unsere Karriere als Familie.

Letztendlich hat unsere Arbeitsteilung auch etwas sehr privilegiertes. Und dies nicht nur, weil ich nicht jeden Morgen wie so viele im Stau stehen muss, um in irgendein Büro zu fahren. Nein, denn ich kann meine wenigen – aber mit zunehmendem Heranwachsen von Maxim und Nadeschda immer größer werdenden – Freiräume nutzen, um mir selbst neue Perspektiven zu eröffnen. So wie ich es ja bereits mit meiner Ausbildung begonnen habe. Mit dem Muttersein haben sich für mich auch neue Horizonte eröffnet, die ich anders nicht hätte erfahren können. Wahrscheinlich hätte ich nie ein Buch geschrieben, geschweige denn würde mich nun mit einem zweiten gedanklich tragen. Wahrscheinlich hätte ich nie diesen Blog begonnen. Ich hätte mich nicht so intensiv mit Kindesentwicklung, Erziehung und der Begleitung von traumatisierten Kindern beschäftigt. Und sicherlich hätte ich nie in Erwägung gezogen, eine Ausbildung zu machen, die wenig mit meinem vorangegangenen Berufsleben zu tun hat. Somit hat das auch alles sein Gutes.

Vielleicht muss man einfach den Begriff der Karriere anders definieren. Denn es geht im Leben ja nun nicht nur um den beruflichen Erfolg und immer mehr Geld auf dem Konto. (Vorausgesetzt der Lebensunterhalt ist gesichert.) Vor allem geht es doch darum, ein erfülltes und glückliches Leben zu haben. Das wäre für mich „Karriere“. Und wenn ich mir in guten Momenten Maxim und Nadeschda, unsere Kinder, betrachte, dann weiss ich, mein Leben ist mehr als erfüllt.

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Das bisschen Familienarbeit…

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Mit freundlicher Unterstützung von Pixabay

Katharina von „Kinderleute“ hatte im Januar eine spannenden Beitrag zu „Soviel ist der Haushalt wirklich – Familienarbeit – der Wahnsinn!“ veröffentlicht. Lange schlummerte der Post noch als Gedächtnisstütze bei mir auf dem Schreibtisch. Nun will ich heute mal meine Rechnung aufmachen, nachdem ich in der vergangenen Woche gedanklich Buch geführt habe. Dies weniger im Nachhall zu „meinem Leben mit drei Cholerikern“, als dass ich mich einmal wieder frage, wo geht sie hin meine Zeit? Ja, ich bin aus den Faschingsferien mit einer nahezu leeren To Do-Liste wiedergekommen, doch jetzt ist sie schon wieder voll, vor allem in Vorbereitung auf Ostern und unseren Urlaub. Ja, ich will und muss meiner Ausbildung nun auch mehr Zeit widmen. Aber, es wäre doch schön, wenn ich meinen Wünschen nach dem Lesen eines guten Buches oder regelmäßigem mindestens sieben stündigem Schlaf endlich einmal konsequent nachgehen könnte. Immerhin, ich habe in der vergangenen Woche wieder angefangen, laufen zu gehen. Also, wo geht sie hin meine Zeit? Und warum hat mein wacher Aktivtag selten weniger als 16 Stunden?

1. Haushalt: 

Dann fangen wir doch mal mit dem beliebten Haushalt an. Warum schwirrt mit mir gerade dieses alte Lied „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann…“ durch den Kopf? Nun gut, ich habe eine Haushaltshilfe, die einmal in der Woche zum Saubermachen kommt. Das ist schon großartig! Dennoch habe ich in dieser Woche rund 15 Stunden aufgeräumt, Betten gemacht, Kinderzimmer „entmüllt“, gesaugt, Böden gewischt, eingekauft, Einkäufe weggeräumt, Spülmaschine ein- und wieder ausgeräumt, Müll raugebracht, Mülltonnen raus- und wieder reingestellt, etc. Da wir bald in den Urlaub fahren, lasse ich den Garten jetzt erst einmal Garten sein. Doch auch dort räumte ich Fahrräder vor dem Regen in den Unterstand, parkte einen Teil des Fuhrparks meines Sohnes um, damit ich nicht mit vollen Einkaufstaschen über seinen Traktor stürze. Dennoch gibt es immer noch unzählige Ecken hier im Haus, wo sich Spielzeug ansammelt, das da nicht hingehört, Werkzeug, dass eigentlich seinen Platz in der Garage hat, etc. Es sieht zwar nicht aus, als hätte ein Bombe eingeschlagen, aber stören tut es mich trotzdem. Nehme ich jetzt die Zeit meiner Haushaltshilfe dazu, sind wir bei fast 20 Stunden für den Haushalt.

2. Wäsche: 

Das war wohl das, was mich am meisten überrascht hat, als Maxim und Nadeschda zu uns kamen – diese Berge an Wäsche! Unfassbar! Ich habe die einzelnen Teile nicht gezählt. Und zum Glück bringt Richard seine Hemden weg, und Bügeln halte ich für völlig überflüssig. Dennoch, es laufen hier im Schnitt 10 Maschinen Wäsche in der Woche. Wenn die Kinder völlig verschlammt aus der Schule kommen, dann sind es nochmal extra Maschinendurchgänge mit Matschsachen. Und wie Katharina treffend sagte: „Der ganze Schmarren muss ja nicht nur gewaschen, sondern auch eingesammelt, sortiert, umgedreht, zusammengelegt und weggeräumt werden.“ Ja, jetzt hat man wohl schon eine Waschmaschine entwickelt, in die man, wenn man einzelne Kleinteile vergessen hat, die beim Waschen noch dazuschreiben kann, aber den Trockner, der die Wäsche zusammenlegt, hat man immer noch nicht erfunden. Schade! So kommen bei mir etwa 4 Stunden für Wäsche im Schnitt zusammen.

3. Kochen: 

Auch bei uns gibt es Abends das warme Essen. Je nach Gericht dauert das Zubereiten und Aufräumen, sofern es nicht schon im Spülmaschine ein- und ausräumen enthalten ist, im Schnitt 40 Minuten. Hinzukommen die Brotdosen für die Schule und das Frühstück. Mal auch nachmittags einen Kuchen. So sind es wahrscheinlich 7 Stunden in der Woche, die ich mit der Nahrungszubereitung beschäftigt bin.

4. Haus- und Familienorganisation:

Wir haben ein sehr altes Haus, dass zwar vollständig saniert ist, aber dennoch immer wieder das ein oder andere gemacht werden muss. Richard arbeitet sehr viel. Und so bleibt es an mir, mich um Handwerker, Angebote, Termine, Rechnungen, Steuer, Ämter, etc, zu kümmern. Hinzukommen unsere Termine, Verabredungen, Konzertbesuche, Urlaube als Familie. Alles in allem sind es etwa 2 Stunden in der Woche. Nicht immer, aber dann doch so häufig, dass es für mich ins Gewicht fällt.

5. Kinder:

Wie Katharina zähle ich hier mal nicht die Zeit, die wir spielen, Spielbesuch haben, malen, basteln, im Garten zusammenarbeiten. Ich zähle auch nicht die Zeit des allmorgendlichen Aufstehens und parat machen für die Schule, genauso wenig wie unser abendliches Zubettgehritual mit Vorlesen, den Tag noch einmal erzählen, sich kurz vor dem Schlafengehen die wirklichen Sorgen des Tages anzuhören. Das ist viel zu schön und wichtig, als das ich es in irgendeine „Arbeitskategorie“ schieben möchte. Und ich vermisse es an den Abenden, an denen ich in der Akademie bin. Dennoch allein, die Kinder von der Schule abzuholen, zu Spieleverabredungen zu fahren und wieder abzuholen, sie zu ihren Hobbys wie Zirkus, Musikunterricht zu fahren, sie zum Malunterricht zu begleiten sind allein 10 Stunden in der Woche. Täglich üben wir mindestens eine Stunde lesen, Schreiben, Rechnen und die Musikinstrumente, macht dann noch einmal 7 Stunden. Hinzukommen Arztbesuche und Therapien der Kinder, die mit noch einmal mit 3 Stunden pro Woche zu Buche schlagen.

Richtigerweise führt Katharina auch so Aufgaben an, wie neue Unterwäsche, neue Hosen, neue Schuhe besorgen, ein Friseurtermin, Laternenbasteln, Ostergras-Schale für die Schule besorgen, Geburtstagsgeschenk für die Freundin, etc. etc. Bei mir sind das wahrscheinlich 2 Stunden pro Woche.

Hinzukommt aber vor allem bei uns noch die Arbeit und das Engagement mit und in der Schule. Gespräche mit Lehrern über die Entwicklung der Kinder, Elternabende, Gremiensitzungen, Bastelnachmittage, Putztage, Kuchen backen, etc. Das sind bei mir allein im Schnitt 5 Stunden in der Woche. Phasenweise auch mehr.

Zusammengefasst, macht das…. tusch!….55 Stunden (!!) in der Woche. Das hat mich jetzt selbst beeindruckt! Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber spannend, einmal die Rechnung aufzumachen. Dann muss ich mich nicht wundern, dass ich keine Zeit zum Lesen habe…. Bei anderen Frauen und Müttern wird das nicht anders sein. Und viele von denen arbeiten auch noch mehr Stunden als ich das tue, außerhalb der Familie. Kaum nachzuempfinden, wie das geht. Aber es geht und es muss gehen. Auch wenn es viele verdammt viel, zu viel Kraft kostet. Ja, Familienarbeit wird meiner Meinung nach viel zu wenig gesehen und wahrgenommen. Es ging mir ja selbst so. Ich hätte nicht wirklich geglaubt, dass es so viel Zeit ist, die ich in „Haus und Hof“, Schule und Familienorganisation investiere.