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Von guten Vorsätzen für das neue Jahr…

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Photo by Ian Keefe on unsplash.com

Erneut haben wir ein Jahr hinter uns gebracht und das neue begrüßt uns mit offenen Armen. Ist die Umarmung diesmal wohlwollend? Oder stehen uns erneut so viele Prüfungen und Herausforderungen bevor wie im vergangenen Jahr? Letztes Jahr im Januar habe ich hier stolz geschrieben, dass ich mir keine Vorsätze vornehme oder Pläne schmiede, sondern in Gelassenheit schaue, wo mich das Jahr und seine Zeit hinführt. „Das Ego mag vielleicht einen Vorsatz brauchen. Dein Selbst braucht es nicht.“, las ich damals bei Katja von homeiswheretheboysare. Ja, sie hatte Recht.

Doch mich dem Schicksal ganz ergeben, hat mir im abgelaufenen Jahr nicht gut getan. Auch wenn ich mehr als stolz darauf sein kann, was mir trotz all der Schwierigkeiten, Herausforderungen und Sorgen dennoch gelungen ist. Ich habe meine Ausbildung beendet und erfolgreich abgeschlossen. Ich habe wieder einen festen Job und werde im Laufe diesen Jahres sogar in Vollzeit als Lehrerin anfangen zu arbeiten. Und ich habe ein Stipendium für ein neues Buchprojekt bekommen. Aber die eigene Selbstfürsorge blieb weiterhin auf der Strecke. Zu wenig Sport. Nicht wirklich viel gelesen, zumindest nicht so viel wie ich gehofft hatte. Zu oft zu wenig Schlaf, zu ungesund gegessen. Da war ich schon besser.

Ich habe meine kranke Mutter nach ihrem Schlaganfall gepflegt und umsorgt, ihr ein neues Zuhause gegeben, sie auf dem Wege der Genesung begleitet. Als es ihr besser ging, hat sie sukzessive den Kontakt abgebrochen, uns nur mit Nicklichkeiten beschäftigt und auf Trab gehalten. Irgendwann ist sie einfach verschwunden. Ohne mir all mein Geld, das ich für sie vorgelegt hatte, zurückzuzahlen, ohne eine Geste des Dankes. Zurückbleiben nur eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung. Aber wo sie ist, wissen wir nicht. Und damit ist das Kapitel abgeschlossen. Was die Fürsorge eines alten Elternteils angeht, habe ich meine Schuldigkeit getan. Nun bin ich raus. Endgültig.

Maxim und Nadeschda geht es gesundheitlich inzwischen wieder so weit gut. Wir sind durch die tiefsten Täler der Angst gegangen und haben sie bewältigt. Beim nächsten Mal werden wir damit wieder anders umgehen. Dessen bin ich mir sicher. Es stimmt eben doch, dass man mit seinen Herausforderungen wächst. So hart das klingt, aber beim ersten Fieber von Maxim waren wir völlig hilflos und überfordert. Wenn er heute 40 Fieber hat, bleibe ich gelassen. Sollten wir das nächste Mal mit einer ungewissen Krebsdiagnose konfrontiert sein, werden wir schlucken, aber ich bin mir dessen gewiss, dass es uns nicht mehr so beuteln wird wie in diesem Jahr. Das hatten wir. Wir sind durch diese unermessliche Angst durchgegangen.

Mit Blick auf die Schwierigkeiten mit der Schule, habe ich erneut Maxim’s und Nadeschda’s Lernschwächen erkannt und kann ihnen hoffentlich helfen, damit umzugehen. Erneut habe ich gelernt, mich eben nicht in das System zu begeben. Das hilft nicht. In keiner Weise. Meine Kinder sind eben nicht die Norm. Das habe ich in einer erneuten Lektion mit Nadeschda bitterlich erkennen müssen. Und auch wenn ich mich in das System begebe, bekomme ich nicht die Hilfen, die ich, die meine Kinder brauchen. Ich muss unseren eigenen Weg finden. Auch das haben wir wieder in diesem abgelaufen Jahr geschafft. Für Nadeschda habe ich einen Weg gefunden, den wir jetzt gehen. Und auch für Maxim werde ich einen Weg finden. Das weiß ich. Und das, was meine Kinder in der Schule nicht lernen – was das meiste ist -, haben sie inzwischen von mir gelernt. Wieder war ich beseelt, wie großartig Nadeschda inzwischen lesen kann. Und auch die Dyskalkulie sind wir dabei in den Griff zu bekommen. Am Ende ist klar, ich bin im Tiefsten davon überzeugt, dass meine Kinder ihren Weg durch die Schule gehen. Sie werden sicherlich keinen Nobelpreis gewinnen, aber sie werden einen Beruf erlernen, der sie glücklich und zufrieden macht, der sie ihren Alltag bestreiten lässt.

Die Amerikaner sind immer großartig in Redewendungen. Ich habe mich im vergangenen Jahr entschieden nach allem,was passiert war, nicht mehr die Ausbildung weiter zu gehen, um die Qualifikation für die Oberstufe zu bekommen – die Rahmenbedingungen waren einfach zu ungünstig. Ich sagte mir einfach: „I don’t have to do this anymore.“ Irgendwann ist es gut. Ich habe genug erreicht in meinem Leben. Ich muss mir nicht auch noch das beweisen. Und so gibt es die andere Redewendung: „Why settle for something less?“ Ich werde meinen Kindern nicht den bequemen Weg durch das Schulsystem bieten, ich werden ihnen nicht die Kellerdecke hinhängen, wenn sie sich nach dem Himmel strecken können. Sie werden sich nach dem Himmel strecken, wenn wir ihnen diesen reichen, dessen bin ich mir gewiss. Ich werde ihnen diese Chance niemals nehmen. Egal wie. Dafür bin ich inzwischen bereit sehr weit zu gehen.

Was sind also meine Vorsätze für diese junge, neue Jahr? Habe ich welche? Wäre es gut, welche zu haben? Keine zu haben, hat mich auch nicht glücklich gemacht. Zu sehr ließ ich mich „ablenken“ und zu schnell klein beigeben bei all dem, was dann so im Alltag auf mich einprasselte. Das möchte ich nicht mehr. Vielleicht ist es, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, nur ein Vorsatz, den ich mir für dieses Jahr vornehme: Ich möchte meinen eigenen Wünschen und Prinzipien treu bleiben. Und wenn diese gefährdet sind, dann muss ich in meinem alltäglichen Leben etwas ändern. Schneller, als ich das im vorangegangen Jahr getan habe.

Ich muss und will auf mich selbst aufpassen. Mehr, viel mehr, als ich das im letzten Jahr getan habe. Denn nur dann, nur wenn ich wirklich gut zu mir selbst bin, dann kann ich auch meinen Kindern, Maxim und Nadeschda die Mutter sein, die sie in diesem kommenden Jahr brauchen.

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Kleine Helfer ganz groß…

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Wie es im wirklichen Leben so ist, kommt eine „Katastrophe“ selten alleine. Nadeschda’s und auch Maxim’s Gesundheit haben uns in den letzten Wochen mehr als in Atem gehalten. Nicht dass auch noch meine Mutter meinte, zu einem wirklich perfekten Zeitpunkt, als ich nämlich zum ersten Mal Nadeschda’s Koffer für das Krankenhaus gepackt habe, ihre Stromrechnungen und ihre Miete in der Seniorenresidenz nicht mehr zu bezahlen. Und diese mich aufgeregt anrief, wie sie es im übrigen alle paar Wochen ohnehin tun, um mir zu sagen dass meine Mutter jetzt ohne Strom ist. Und eigentlich nicht in ihrem Apartment bleiben kann. Mein Bruder hat sich dann darum gekümmert. Ich hatte ihn mobilisiert, denn musste mein Kind ins Krankenhaus bringen. Doch sein Reden hatten auch keine Wirkung. Meine Mutter bezahlte an dem Tag auch nicht ihre Stromrechnung, sondern harrte noch zwei Wochen in ihrem Apartment ohne Strom aus. Die aufgeregte Pflegedienstleiterin hat natürlich auch ihr übriges getan, damit das Leben ohne Strom so angenehm wie möglich für meine Mutter war, und hat ihr täglich warmes Wasser gebracht. Das ist zwar ehrenrührig. Hilft aber bei Menschen wie meiner Mutter nicht. Im Gegenteil, es verlängert den Prozess der Erkenntnis nur ungemein. Und strapazierte meine Nerven. Erst als es ein Gespräch mit der Heimleitung gab, da sie ja auch ihre Miete nicht bezahlt hatte, gelangte meine Mutter zur Einsicht, und bezahlte ihre längst überfälligen Stromrechnungen, nebst Mahngebühren. Und auch die rückständige Miete.

Aber davon wollte ich hier ja eigentlich gar nicht schreiben. Denn das ist das Gute an unsere Situation im Moment, meine Mutter ist qua ihres Verhaltens und das genau zu einer Zeit, in der der Gesundheitszustand eines meiner Kinder bedrohlich war, in meiner persönlichen Prioritätenliste auf den aller-, aller-, allerletzten Platz gerutscht. Ich kann und will mich mit so etwas im Moment nicht beschäftigen.

Was ich eigentlich erzählen wollte: Zu allem Überfluss fiel dann auch noch unsere Spülmaschine aus. Kaputt. Fehler XY. Bis der Kundendienst kam dauert es. Ja, es dauerte auch, weil niemand Zuhause war, sondern bei Ärzten oder in Krankenhäusern. Zugegeben. Aber wie sehr haben wir uns an die kleinen Helfer des Alltags gewöhnt? Ich nenne sie immer meine drei „Hausangestellten“: Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner. Und wenn alle drei morgens oder abends gleichzeitig laufen, dann kann ich mich endlich entspannt zur Ruhe setzen. Auch wenn ich weiß, dass ihr Output am nächsten Tag oder noch am selben verarbeitet werden muss. Denn die Spülmaschine räumt sich leider noch nicht selbst aus. Und den Waschmaschinen-Trockner Vollautomaten gibt es zwar mittlerweile schon. Aber Wäsche zusammenlegen?  Die Funktion gibt es leider noch nicht. – Ich könnte ja jetzt propagieren, dass das auch wenig verwunderlich ist. Denn die Geräte werden ja von Männern konstruiert, und die haben eben den berühmten letzten Schritt, die letzten berühmten 20 Prozent, die ja 80 Prozent des Aufwandes machen, eben mal nicht mit einkalkuliert. –

Nachdem ich nach unserem Spülmaschinenausfall zwei Tage lang kalte Küche bzw. Pizzaservice durchgesetzt hatte, aber wir alle das Essen aus den Pappschachteln nur begrenzt gut fanden, fanden sich zum nächsten großen Essen, wo auch mein Bruder samt Freundin da waren, die Männer abends zum Spülen in der Küche. Das, was so zwischendrin anfiel, hatte ich vorher klaglos einfach gespült. Um mir dann am Sonntag  morgen, als ich aus der Kirche kam, von meinem Mann anhören zu müssen: „Ich habe auch das ganze Frühstücksgeschirr gespült.“ Ja, super, dachte ich, und was mache ich seit drei Tagen… Aber egal. Der Spülevent der Herren zum Wochenende – und wahrscheinlich mein stetes Spülen seit mehreren Tagen – hatten aber zur Folge, dass ab Mittwoch, als ich mit Nadeschda aus dem Krankenhaus kam, bei meinen Kindern ein unglaubliches Umdenken stattfand. Auf einmal sagte Maxim: „Mama, lass mal. Ich mache das. Ich bin jetzt Dein Hausjunge. Ich erledige das.“ Und so spülte er. Und Papa trocknete ab. Kaum einen Tag später wollte Nadeschda natürlich auch mitmachen. „Ich will auch.“, „Lass mich mal!“ So machten nun meine Kinder den Abwasch. Und wurden zu meinen wahren großen Helfern in unserem Haushalt!

Schon seit Monaten diskutieren Richard und ich, wie die Kinder mehr Pflichten im Haus übernehmen können und auch sollen. Viel müssen sie nicht machen. Maxim muss inzwischen seine Wäsche selbst zusammenlegen und wegräumen, und jeden Donnerstag sein Zimmer aufräumen. Nadeschda muss ihr Zimmer aufräumen, aber die Wäsche mache ich noch. Tisch decken und abdecken machen beide gelegentlich. Viel mehr ist es nicht. Passt auch nicht. Denn manchmal denke ich auch, die beiden müssen so viel für die Schule arbeiten, da muss ich mir nicht noch kleine Aufgaben im Haushalt, die eh selten anfallen, wenn sie da sind, für die überlegen. Dennoch kam immer wieder das schlechte Gewissen. Oh, sie werden zu sehr verwöhnt. Wie sollen sie denn jemals alleine in einem Haushalt zurecht kommen? Seit unserem Spülmaschinenausfall weiß ich, alles totaler Blödsinn! Meine Kinder wissen genau, wie es geht, Geschirr zu spülen und sie könnten es auch wegräumen an den richtigen Platz. Und sie wissen aber vor allem, wenn Not am Mann ist, und machen dann einfach! Und das sehr souverän und gut! Das ist das wahre Großartige an dieser Geschichte! Auch wenn unsere Kinder sonst so verschont sind vom lästigen Mithelfen im Haushalt, sie machen es einfach, wenn es darauf ankommt. Von sich aus. Das ist es, was mich nachhaltig begeistert und mir mein Mutterherz erwärmt. Ja, meine kleinen Helfer sind ganz groß, großartig!

P.S. Schade, dass die Spülmaschine dann irgendwann doch repariert war. Ich hätte gerne gewusst, ob die Begeisterung des Spülens noch weiter trägt….

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Über mangelnde Wertschätzung von Betreuungsarbeit

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Photo by Celia Ortega on unsplash.com

Nadeschda hatte nach den Ferien eine kleine Theatervorführung an der Schule. Als wir auf den Beginn der Vorstellung warteten, wurde ich von mehreren Müttern an unsere Schule mit den Worten begrüßt: „Na, Du Retterin unserer Schule.“ Ich wunderte mich ein wenig. Im Grunde habe ich nichts Weltbewegendes getan. Oder doch?

Im Hort der Schule unserer Kinder ist aufgrund einer längeren Krankheit eine Kraft ausgefallen. Nicht eine, die „nur“ die Kinder beim Spielen betreut, sondern eine Fachkraft, die auch die Hausaufgaben begleitet. Es ist also nicht irgendwer ausgefallen, sondern eine Betreuerin, die eine essentielle Aufgabe neben der Schule wahrnimmt, nämlich mit den Kindern das bei den Hausaufgaben nachzuarbeiten, was Zuhause aus welchen Gründen auch immer – meist mangelnde Zeit – nicht gewährleistet werden kann. Denn beide Eltern sind berufstätig, weil sie das wollen und vor allem auch müssen. Dies ist auch mit ein Grund für so viele Schüler an unserer Schule, da hier einfach eine konstante Betreuung bis 16:00h angeboten wird. Selbst bei „Hitzefrei“, wie gerade in den vergangenen Wochen. Und die Eltern wollen eben auch, dass die Hausaufgaben ordentlich gemacht sind und mit all dem „Schaff“, den Schule eigentlich so mitbringt, nichts zu tun haben.

In den Ferien kam der Hilferuf der Schule, ob ich nicht einspringen könnte. Nun, die komplette Zeit war für mich nicht zu realisieren – ich habe ja noch eine Fürsorgeaufgabe Zuhause – , aber ich habe dann binnen zwei Tagen eine Lösung für die Schule gefunden. Nun teile ich mir den Job mit einer Kollegin aus meiner Ausbildung, der ich den Job angeboten habe. Schon mit der Suche nach einer neuen Betreuungskraft für die Mittelstufe hatte die Schule extreme Schwierigkeiten, und so waren sie natürlich dankbar, dass ich so schnell reagiert habe.

Seitdem treibt mich aber der Gedanke um, warum das eigentlich Alles so schwierig ist. Mit „das Alles“ meine ich: Warum ist es so schwierig, wo doch in unserem Land Betreuung der Kinder vermeidlich so hoch gehalten wird, adäquate Betreuungskräfte zu finden? – Egal in welchem Feld der Betreuung. Denn auch als ich im Frühjahr eine Betreuerin für meine Mutter – also jemanden, der dreimal die Woche mit ihr die Dinge des Alltags erledigt, mit ihr spazieren geht, etc. – gesucht habe, gestaltete sich die Suche ähnlich schwierig. – Nicht das alle minder qualifiziert sind. Nein. Es gibt einfach niemanden!

Mit Blick auf die Schule treibt mich das natürlich gerade mehr um und so will ich auch bei dieser Baustelle bleiben. In den Medien geht wieder die Diskussion um die Erfüllung des Betreuungsangebots und der Kindergartenplätze für alle Kinder ab drei Jahren um. War ja ein Gesetz. Und selbst in den einschlägigen Medien des Hauses der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab es einen Artikel („Wartelistenplatz Nr. 374“ vom 3. 08.2018) , wie sich in den vergangenen Jahren die Arbeitsverhältnisse vor dem Hintergrund der veränderten Betreuungssituation geändert haben, dank des vermeidlich ausgebauten Betreuungsangebots. Waren es 2006 noch 48 Prozent aller Paare, in denen der Mann der Alleinverdiener in der Familie war und 26 Prozent aller Paare, in denen der Mann Vollzeit und die Frau in Teilzeit arbeitete, so verschob sich dies bis  2016 zu 39 Prozent und er erst genannten Gruppe und 34 Prozent in der zweitgenannten Gruppe. Das mag ja alles gut und schön sein, und seit dem 1. August 2018 sind nun in einigen Bundesländern auch die ersten sechs Stunden am Tag der Betreuung in einem Kindergarten kostenlos. Alles wunderbar. Aber was passiert, wenn dann mal die zauberhafte Kindergartenzeit vorbei ist? Dann beginnt der Run auf die wenigen und heiß begehrten Hortplätze. Und wenn Kindergartenplätze gerade in den Großstädten noch nicht ausreichend geschaffen worden sind, wie sieht das dann erst in den Horten aus? Mal ganz abgesehen davon, dass man dort selbst bei einem Ausbau keine Kräfte findet. Und schon gar nicht zu den Gehältern, die dort bezahlt werden. Auch an unserer Schule könnte man über den Ausbau des Hortes nachdenken. Aber wer soll dann den Job machen?

Die Politik sagt, dass immer mehr Frauen wieder in die Erwerbstätigkeit gehen sollen. Das mag ja auch eine gute Idee sein. Aber wenn die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen sind, wie soll das dann funktionieren? Und Voraussetzungen heißt für mich eben nicht nur ordentliche und schöne Kindergartenplätze zu schaffen, wo sich die Kleinen auch wirklich wohl fühlen. – Erst in den vergangenen Tagen habe ich im Radio wieder eine Diskussion gehört, wie man es kleinen Kindern leichter machen kann, sich von der Mutter im Kindergarten zu trennen. Mag ja alles sein. Aber wenn das Kind in dem Kindergarten nun völlig überfordert ist, weil es sich auf einmal mit 18 oder meist mehr Kindern in einem „offenen Konzept“  zurechtfinden soll, dann ist das nicht die Lösung, um Mütter in den Arbeitsmarkt zurückzuschicken. – Ungeachtet dessen, dass es dann mit Eintritt in die Schule vorbei ist mit der Herrlichkeit. Denn dann ist es vorbei mit zwei Wochen kompletter Schließzeit im Jahr, wenn es denn vorher gut lief. Dann stehen je nach Bundesland 14 Wochen Schulferien an, die nur begrenzt durch den Hort abgedeckt werden, wenn es denn einen gibt und wenn man da einen Platz bekommt. Wie soll es dann funktionieren, dass beide Eltern arbeiten und ihr Kind in der Zeit gut betreut ist?

Was es wirklich braucht, sind gute Betreuungskonzepte, wenn die Kinder dann einmal in der Schule sind. Nicht nur gute Betreuungsideen, dass die Kinder sich wohlfühlen, sondern auch gute Konzepte, dass man die Pädagogen findet, die diese Aufgaben mit Schulkindern bewältigen können und wollen. Denn auch hier in der Schule ist es neben dem fachlichen Wissen, um den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, ganz viel Beziehungspflege, die nötig ist. Das erlebe ich nun jeden Tag. – Natürlich geht mir das Herz auf, wenn ein 3. Klässler vor mir steht und sagt: „Wir haben heute Hausaufgaben auf. Und die will ich unbedingt bei Dir machen.“. Und wenn sie dann da alle sitzen ganz brav und ruhig und mit ihren Texten kämpfen, die sie in Schreibschrift übertragen müssen. Oder ich sehe, dass ein Mädchen, dass ich eben noch aus dem Kindergarten kenne, weil sie mit Nadeschda in einer Gruppe war, fast weint; ich mich zu ihr setze und sie beruhige und sie immer wieder sagt: „Ich schaffe das nicht, und ich muss doch eigentlich raus zu meinem kleinen Bruder. Der ist gerade ein die Vorklasse gekommen und der tut sich so schwer draußen.“ und ich sie in den Arm nehme und sage: „Du schaffst das. Ich helfe Dir. Du kannst das jetzt mit meiner Hilfe ganz schnell schreiben und dann gehst Du zu Deinem Bruder. Und solange Du hier bist, ist er draußen gut aufgehoben.“ Und das Mädchen einfach mit einem schweren Seufzer der Erleichterung das schreibt, was ich vorgemalt habe.

Die Arbeit mit Kindern ist so wunderbar, wenn auch anstrengend und herausfordernd. Und sie ist so unermesslich wichtig. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern, damit sie ruhigen Gewissens ihre berufstätigen Pflichten erfüllen können. Doch oft frage ich mich, warum diese Arbeit so wenig anerkannt und wertgeschätzt wird. Wenn ich allerdings so darüber nachdenke, ist das kaum verwunderlich: Denn wenn die Fürsorgearbeit Zuhause schon nicht wahrgenommen und wertgeschätzt wird, warum sollte man die Betreuungsarbeit außerhalb des Zuhauses, an die ja nur dieselbe heimische Fürsorgearbeit ausgelagert wird, wertschätzen und vielleicht auch entsprechend honorieren?

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#bestofElternblogs im September 2018

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Die liebe Anja von der Kellerbande  ruft jeden Monat dazu auf, den meist gelesenen Beitrag des vergangenen Monats zu benennen und zu teilen. Nach einem bewegenden Monat August, in dem ich auch ganz vielschichtige Themen veröffentlichen konnte, und mich ohnehin über ungeahnte und lange nicht dagewesene Zugriffszahlen freuen konnte, beteilige ich mich doch wieder sehr gerne an dieser wunderbaren Blogparade. Denn eigentlich hat mich das Ergebnis ein wenig überrascht – schon interessant, das ist oft so, dass ein Beitrag am meisten gelesen wird, von dem ich es gar nicht erwartet habe: Mein meist gelesener Beitrag war im August „Wie viel Berufstätigkeit vertragen (meine) Adoptivkinder?“, in dem ich einmal wieder darauf eingehen, wie sich überhaupt eine Berufstätigkeit mit dem Muttersein für zwei Adoptivkinder vereinbaren lässt, nämlich eigentlich gar nicht… Aber lest selbst!

Habt Dank für’s Lesen, Liken, Kommentieren und Schreiben….und genießt noch dieses so wunderbare Wochenende!

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Von Tagträumen – Oder Fürsorgearbeit ist nur im wirklichen Leben anstrengend …

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Photo by Marissa Price on unsplash.com

Wenn Richard und unsere Kinder morgens das Haus verlassen haben, um zur Schule zu fahren, dann kehrt endlich Ruhe ein und ich gebe mich manchmal meinen Tagträumen hin:

Während die Kinder längst in der Schule sind, trinke ich mit Genuss in aller Ruhe meinen ersten Kaffee. Der Staubsaugerroboter hat schon längst gesaugt, unser Waschmaschinenvollautomat legt  die zweite Ladung Wäsche, die Richard früh am morgen nachgefüllt hat, inzwischen von selbst in seine vier Körbe, einen für jedes Familienmitglied, zusammen. Es ist wunderbar, dass ich morgens lange schlafen kann, mein Mann sich mit Maxim und Nadeschda sich alleine morgens fertig macht, und ich mich wohlberuhigt einfach wieder umdrehen kann. – Ja, der Elternabend am Tag zuvor war lang und mühselig. – Richard weckt die Kinder, hilft ihnen beim Anziehen, macht die Brotboxen, bereitet das Frühstück vor. Auf leisen Sohlen verlassen dann alle drei das Haus, so dass ich noch ein wenig schlafen kann.

Den Vormittag beginne ich mit meinem täglichen Laufprogramm gekrönt von ein paar Yogaübungen zuhause. Anschließend bereite ich mir mein Soulfood-Müsli und versinke in einer meiner neuesten Buchentdeckungen. Am späten Vormittag habe ich einen Termin bei der Maniküre. Zuhause blättere ich die neuste Frauenzeitschrift durch, überlege was es abends zu Essen geben könnte und telefoniere mit zwei lieben Freundinnen. Maxim und Nadeschda sind bis zum frühen Nachmittag in der Schule. Dort essen sie, und sie haben dann auch schon ihre Hausaufgaben gemacht und das kleine 1 x 1 gelernt, wenn ich sie dann abhole. Scherereien mit der Schule haben wir nicht. Da sind die beiden wunderbar versorgt und sie meistern den Schulstoff ohnehin ganz großartig. Da müssen wir gar nicht Zuhause nachhelfen. Es zahlt sich eben schon aus, dass unsere Kinder auf eine Privatschule gehen.

Ich halte noch ein Schwätzchen mit anderen ebenso wie ich entspannten Müttern auf dem Schulhof, bevor wir dann nach Hause fahren, jeweils einen Freund und Freundin im Gepäck. Dort spielen die Kinder. Alle sehr friedlich und vorbildlich. Es gibt keine Streitereien, die Kinder räumen von selbst alles wieder auf, bevor sie sich einem neuen Spiel zu wenden. Ich sitze wieder im Garten und lese. Wie wunderbar! Meine Gedanken schweifen zu unserem nächsten Urlaub, und ich kann in Ruhe mit dem Reisebüro telefonieren, um die Eckdaten für unsere nächsten Ferien klarzuziehen. Nach den Sommerferien ist vor den Sommerferien…. Da muss man früh dran sein. Meine Mutter kommt überraschend vorbei, freut sich über ihre Enkel und stellt sich in die Küche und kocht ihnen ihr Lieblingsessen für den Abend. Zwischendrin sind die Kinder vom vielen friedlichen Spielen hungrig. Sie freuen sich über die von Omi selbst gebackenen Cupcakes und die von mir höchst persönlich aufgeschnittene Wassermelone und Gummibärchen.

Später am Abend werden Freund und Freundin von ihren Eltern abgeholt. Richard kommt nach Hause und bei einem Abendessen, dass sich wie von selbst auf den Tisch gezaubert hat – genau die Omi war ja da -, sitzen wir zusammen, erzählen, lachen. Zeit spielt keine Rolle. Heute wird es vielleicht ein wenig später, bis Maxim und Nadeschda im Bett sind. Aber das ist auch nicht so schlimm, denn sie kommen ja am nächsten Morgen wieder ohne Probleme aus dem Bett. Oder vielmehr, es braucht mich ja nicht zu interessieren, denn Richard weckt sie ja und macht sie für die Schule fertig….Und in der Schule sind sie dann schon wach und aufnahmebereit.

—— Hat einer von Euch wirklich geglaubt, dass so unser Alltag abläuft? Ich weiß noch nicht einmal, ob das erstrebenswert wäre. Kehrt alles, was ich geschrieben habe, ins Gegenteil um, und dann habt ihr die Realität, die so viele von Euch kennen (oder die ich zum Beispiel hier beschrieben habe). Dann ist jeder Tag ein Ritt, eine große Anstrengung. Das Pensum, was Mütter jeden Tag stemmen, ist gerade bei bedürftigen Kinder, egal in welcher Form, unermesslich. Und es wird Zeit, dass das gesehen wird! Deshalb ist es so wichtig, dass es Frauen wie Claire gibt, die dafür so hart kämpfen, dass Carearbeit endlich sichtbar wird. Und wertgeschätzt wird! Denn wir Mütter sitzen eben nicht den lieben langen Tag im Garten, lesen und lackieren uns die Nägel! Ganz im Gegenteil!

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Wie viel Berufstätigkeit vertragen (meine) Adoptivkinder?

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

An der ein oder anderen Stelle hatte ich in den vergangenen Jahren, die es meinen Blog mittlerweile gibt, über das Thema der Berufstätigkeit als Adoptivmutter geschrieben. Im Grunde ist das Thema der Berufstätigkeit ein Dauerbrenner für mich, auch wenn ich mich immer mehr in mein „Schicksal“ als maximal teilzeitarbeitende Frau gefügt habe. Denn irgendwann werden meine Kinder größer und brauchen mich vielleicht nicht mehr so sehr. Doch dann wäre ich für den Arbeitsmarkt unbrauchbar. Bereits ein paar denkwürdige Kontakte mit der Arbeitsvermittlung im vergangenen Jahr bestätigten mir dieses Gefühl. Und auch wenn mein Mann uns gut versorgt und wir in der luxuriösen Situation sind, dass ich nicht zwingend arbeiten muss, so gibt es doch niemals eine absolute Garantie, dass das alles auch so bleibt. Inspiriert von ein paar Nachfragen von einzelnen Leserinnen und unserer aktuellen Situation, dass ich nun nach den Ferien konstant in Teilzeit arbeite – mal sehen wie lange das gut geht – greife ich das Thema der Berufstätigkeit wieder auf. Zumal mich genauso erneut die Frage nach der Wertschätzung von Fürsorgearbeit in unserer Gesellschaft, wie Claire von mamastreikt sie immer wieder zurecht aufwirft, umtreibt. Aber dazu an anderer Stelle in den kommenden Tagen mehr.

Meine Kinder brauchen eine „Übermutter“

Doch wie viel Berufstätigkeit vertragen Maxim und Nadeschda? Die Lebensgeschichte meiner Kinder begann mit dem schlimmsten, was man sich im Leben eines kleinen Menschen vorstellen kann, wie gerade erst Irmela Wiemann in einem Interview in der Aargauer Zeitung sagte: Sie wurden von ihrer leibliche Mutter getrennt. Wie so viele Adoptivkinder mussten sie in ihren ersten Lebensjahren Dinge erleben, die kaum ein Erwachsener verkraften könnte. Ihr Urvertrauen wurde zerstört, und also Folge sie lassen sich schwer auf neue Bindungen ein, sie fühlen sich selten sicher und behütet. Ihre Frustrationstoleranz ist niedrig, das Lernen fällt ihnen schwer. Sie können Risiken nicht richtig einschätzen, übernehmen sich entweder, oder trauen sich vor lauter Angst gar nichts zu. Ihnen fehlt die entscheidende innere Basis an Vertrauen und Sicherheit, die leiblich und behütet geborene Kinder von Natur aus haben.

Meine Kinder brauchen eine „Übermutter“. Dies nicht nur im Sinne von zusätzlicher Förderung, um etwaige Entwicklungsverzögerungen, Sprachstörungen oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen zu überwinden. – Sie brauchen ein Vielfaches an Zuneigung, Nähe, Fürsorge, Kümmern, Begleiten. Nur wenn ich da bin, spüren sie den Halt und die Sicherheit, um sich gesund zu entwickeln. In den ersten Jahren war es ein Nachnähren vom Baby- und Kleinkind sein, von dem man ausgehen könnte, dass es irgendwann einmal abgeschlossen ist. Aber Kinder mit frühtraumatisierenden Erfahrungen, wie die Trennung von der leiblichen Mutter, fallen immer wieder in solche frühen Entwicklungsphasen zurück. Sie sind ein „Fass ohne Boden“, sie saugen die Zuneigung und das kleinkindliche Umsorgen auf wie ein trockener Schwamm. Ich war mir bei der Adoption der Folgen der Traumatisierung bewusst. Doch glaubte ich noch, dass meine Kinder nur im ersten Jahr therapeutische Unterstützung brauchen, um ihre Entwicklungsdefizite aufzuholen, und in den ersten Monaten meine permanente Fürsorge und Anwesenheit, um eine stabile Bindung aufzubauen. Aber nach beinahe einem Jahrzehnt muss ich feststellen: Das reicht nicht aus. Meine Kinder brauchen viel mehr. Noch heute benötigen sie immer einmal wieder therapeutische Hilfe in unterschiedlicher Form. Noch heute muss ich als ihre Mutter permanent verfügbar sein. Und immer da sein. Bin ich es nicht, verlieren meine Kinder ihren Halt und stellen unsere Bindung von neuem in Frage. – Erst in dieser Woche fanden meine Kinder mich nicht, als ich sie von der Schule mittags abholte. (Sie hatten mich beim Essen schon gesehen und wussten also, dass ich da bin.) Ich war an einer anderen Stelle in der Mensa mit einer Lehrerin im Gespräch. Die Panik stand Maxim und Nadeschda noch ins Gesicht geschrieben, als sie mich fanden. Und aus ihrer Wut „Mama, kannst Du verdammt nochmal Bescheid sagen, wenn Du weggehst!“ sprach die pure Angst, allein gelassen zu werden. –

Unser Alltag ist nach wie vor wenig geprägt von freiem sorglosem Spiel, sondern dominiert von vielen Therapieterminen, Arztbesuchen, Aktivitäten, die die Kinder in den Bereichen fördern, wo sie noch Unterstützung brauchen, lernen für die Schule, üben für die Logopädin, etc. Wir müssen einem sklavischen Tagesablauf folgen, der immer den gleichen Rhythmus und die gleiche Struktur hat. Nur das gibt den Kindern Sicherheit. Zudem reicht der routinierte Tagesablauf nicht aus, sondern Maxim und Nadeschda  brauchen mich, ihre Mutter, als stabilen Anker in ihrem Alltag. Diese Fürsorgearbeit für meine Kinder abzugeben, ist keine Option.

Permanente Fürsorge

So fahre ich meine Kinder in die Schule und zu ihren Freizeitaktivitäten und begleite sie bis zum Unterricht, nicht weil ich glaube, dass sie es selbst nicht könnten, oder weil ich fürchte, dass ihnen etwas im Straßenverkehr passiert. Nein, meine Tochter braucht mein Umsorgen als ihre Mutter, damit sie die Kraft für den Musikschulunterricht hat, dass sie weiss, dass ich da bin. Immer. Genauso lässt mein Sohn sich nach wie vor mit inzwischen zehn Jahren morgens beim Anziehen helfen, seinen Schulranzen packen, das Brot beim Essen schmieren. Nicht weil er es nicht selbst könnte, sondern weil er diese Form der Fürsorge nach wie vor braucht.

Wenn ich sage, dass ich meine Kinder zum Abitur trage, dann nicht, weil ich die Hoffnung hege, dass aus ihnen Starwissenschaftler oder Top-Manager werden. Nein. Es geht darum, sie solange wie möglich in einem behüteten und steuerbaren Lernumfeld zu belassen, bis sie auf eigenen Füßen stehen können. Viele Adoptions-Experten gehen davon aus, dass frühtraumatisierte Kinder erst mit Anfang zwanzig gelernt haben, mit ihrem Trauma zu leben und die Ausprägungen dessen selbst kontrollieren können. Erst dann sind sie vollends fähig, ein normales bürgerliches Leben zu leben. Es geht also darum, ihnen solange wie möglich einen Raum für innere Heilung zu geben.

Permanente Schulbegleitung

Eine Ausprägung der Traumatisierung ist sowohl bei Nadeschda als auch bei Maxim, dass die Schule ein unglaublicher Stressfaktor für beide ist. In der Folge zeigen sie Tendenzen eines anstrengungsverweigernden Verhaltens, über das ich schon an vielen Stellen geschrieben habe. Entscheidend ist bei beiden,d ass sie in Phasen der Überforderung einfach im Unterricht dissoziieren, also das Unterrichtsgeschehen einfach an ihnen vorbei rauscht. So müssen wir täglich Zuhause für die Schule arbeiten, sei es den Unterrichtsstoff nachholen, den sie nicht mitbekommen haben, sei es bestimmte Themen immer wieder und wieder zu üben, dass sie Sicherheit gewinnen und das Erlernte von ihnen eben nicht mehr als anstrengend empfunden und damit nicht mehr abgelehnt oder vermieden wird. Das braucht Zeit, viel Zeit. Je nach emotionaler Verfassung meiner Kinder arbeiten wir ein bis drei Stunden täglich, jeden Tag, egal ob Wochentag, Wochenende oder Ferien. Zudem engagiere ich mich bewusst in der Schule, um meinen Kindern das Fünkchen Mehraufmerksamkeit der Lehrköper auf der einen Seite und eine Portion mehr Wohlwollen zu teil werden zu lassen. Auch das kostet Zeit.

Der Löwenanteil der Fürsorge für Maxim und Nadeschda liegt also bei mir. Ich kümmere mich um die Schule, begleite Hausaufgaben und tägliches Üben, ich organisiere ihre Hobbies und Verabredungen, ich sorge für die richtige Begleitung durch Ärzte, Therapeuten etc., ich bin für sie immer verfügbar. Berufstätig sein kann ich nur in der Zeit, in der die Kinder in der Schule sind. Das ist nicht viel Zeit. – Ungeachtet dessen, dass hinzukommt, dass ebenso jegliche Familienarbeit auf meinen Schultern lastet. Denn Richard und ich haben uns auf die klassische Arbeitsteilung verständigt, was bedeutet, er verdient das Geld und ich mache den Rest. Dass der „Rest“ aber eben auch noch eine ganze Menge ist, wird viel zu wenig gesehen. – Bin ich außerhalb der Schule nicht so für meine Kinder da, wie ich es nun schon seit so vielen Jahren bin, verlieren sie ihren Halt, ihre Sicherheit. Dann bleibt vieles auf der Strecke. Und die Chancen sinken, dass sie irgendwann einmal heilsam mit ihrem Trauma leben und ein ganz normales bürgerliches Leben führen können. Doch sie genau dahin zu begleiten ist meine Hauptverantwortung und vor dieser muss eine Berufstätigkeit immer zurücktreten. So könnte ich also auch meine Ausgangsfrage „Wie viel Berufstätigkeit vertragen meine Adoptivkinder?“ mit einem einzigen Wort beantworten: KEINE!

P.S. Gerade als ich diesen Post fertig geschrieben hatte, rief die Schule an. Ich möge Maxim abholen. Er hätte starke Kopfschmerzen…..

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#bestofElternblogs im April

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Photo by Toa Heftiba on unsplash.com

Die liebe Anja von der Kellerbande  hat wieder aufgerufen, den meist gelesenen Post des vergangenen Monats zu benennen und zu teilen. Das mache ich diesmal wieder ganz besonders gerne, wenn auch wegen Ostern einen Tag später. Denn im März war es ein Beitrag, in dem ich mir einfach mal Luft machen musste und mich über die Haltung von so manchem, der Carearbeit, Fürsorgearbeit Zuhause, vor allem für Kinder, nicht ernst nimmt. Mir lag dieser Beitrag sehr am Herzen, und um so mehr habe ich mich gefreut, dass er so ungewöhnlich häufig auch gelesen wurde. Im März wurde von Euch „Mein Couch-Vormittag – Ironie und Realität der Fürsorgearbeit“ von Euch am meisten gelesen, in dem ich erzähle, was ich alles an einem Vormittag tue. Und ich mich eben nicht mit Freundinnen treffe, um vor lauter Langeweile Prosecco zu nippen….

Habt Dank fürs Lesen, Liken und Kommentieren, und ein besonderer Dank geht an Claire von mamastreikt, die mir den Impuls zu diesem Beitrag gab.