3

Gedanken zum Muttertag: Mütter sind im Grunde die „Hauptverdiener“…vor allem von mehr gesellschaftlicher Anerkennung…

rochelle-brown-501488-unsplash

Rochelle Brown on unsplash.com

Neulich betrachtete ich kritisch unser Familienmodell der klassischen Rollenaufteilung: Mein Mann ist der Hauptverdiener, in dem Sinne, dass er deutlich mehr und damit mehr als den Löwenanteil des Geldes mit nach Hause bringt, und uns damit ein durchaus sehr komfortables Leben ermöglicht. Ich darf sozusagen zum Spass arbeiten und übernehme die gesamte Familienarbeit und Fürsorgearbeit für unsere Kinder.

Nun entwickelt sich aber die Konstellation so bei uns zuhause, dass ich zunehmend mehr arbeite (natürlich längst nicht für so viel Geld wie mein Mann!) und dennoch die Familienarbeit und Fürsorgearbeit allein auf meinen Schultern lastet. Meistens sieht das auch mein Mann. Aber zunehmend ärgert mich, wie wenig diese Arbeit in unserer Gesellschaft, die Mütter Zuhause leisten, egal ob und in welchem Umfang sie berufstätig sind, gesehen und wahrgenommen wird. – Als ich zum Beispiel diesen unglücklichen Frauenarzt fragte, wie lange ich nach der OP denn ausfalle, sagte er doch glatt: „Ich kann Sie für die Schule drei Tage krankschreiben. Und für ihre Kinder und so können Sie schon abends wieder da sein.“ – Genauso wie die weitergehende Pflege und Versorgung von pflegebedürftigen Eltern und Angehörigen, die genauso wenig wahrgenommen wird. Nicht umsonst kämpfen Frauen rund um Claire von mamastreikt so vehement um mehr Anerkennung der Fürsorgearbeit. Nicht nur, dass es darum geht, dass Fürsorgearbeit anerkannt und gesehen werden soll, denn ohne sie bricht unser ganzes System zusammen. Nein, vielmehr geht es ganz richtigerweise darum, dass diese Fürsorgearbeit in irgendeiner Form adäquat vergütet werden muss. 

Wenn ich mir dann noch vergegenwärtige, dass mein Mann auch nur so viel und erfolgreich arbeiten kann, weil ich ihm Zuhause alles abnehme – eben nicht nur die lästige Familienarbeit und die so essentielle Fürsorge für unsere Kinder, sondern auch all die Kleinigkeiten, die in einem Haus anfallen -, dann nehme ich schon lange für mich in Anspruch, dass bestimmt ein Drittel (wenn nicht sogar die Hälfte) seines Gehalts mit auf mein Konto geht. In dem Sinne „Seine Karriere ist meine Karriere“.…Fiktiv. Nicht in dem Sinne, dass ich es tatsächlich haben will. Nein. Es geht hier ja um Anerkennung. Und wenn es in unserer Gesellschaft leider oft noch so ist, dass sich die Anerkennung der Arbeit nach unserem Gehaltsscheck bemisst, dann nehme ich mal mindestens die Hälfte seines Gehalts für mich in Anspruch. Denn würde ich all dies nicht noch zuhause tun und mehr auf seine Schultern verlagern, könnte er bei Weitem nicht so arbeiten, wie er es tut. – Über die Ungerechtigkeit, dass ich wahrscheinlich in seinem Job nicht annähernd so viel verdienen würde wie er, weil ich eben eine Frau bin, wollen wir gar nicht reden…

Nehme ich dann noch das dazu, was in der allgemeinen Diskussion gefordert wird, wie Fürsorgearbeit Zuhause vergütet werden sollte und mein eigenes tatsächliches Gehalt, dann kann ich in Summe durchaus für mich proklamieren, dass ich der Hauptverdiener in dieser Familie bin. Ich schreibe dies nicht, um mich über meinen Mann zu erheben. Mir geht es vielmehr darum, dass arbeitende Mütter mit deutlich mehr Selbstbewusstsein auftreten könnten und sollten. Denn sie stemmen die Hauptlast der Familienarbeit und der Fürsorgearbeit und sind darüber hinaus noch berufstätig. Ihnen steht zumindest ideell der Hauptverdienst in der Familie zu. Wenn nicht monetär, dann ideell. Ist es nicht an der Zeit, uns Müttern mit etwas mehr  Wertschätzung gegenüber zutreten? Nicht nur am Muttertag. Oder um mit den Worten meines Mannes zu schließen: „Wir feiern den Muttertag nicht, denn für mich ist jeden Tag Muttertag!“

0

Charlotte’s Sonntagslieblinge (131)

evan-wise-759574-unsplash

Photo by Evan Wise on unsplash.com

Eigentlich wollte ich nicht schon wieder mit den Worten beginnen: „Erneut liegt eine volle und dichte Woche hinter uns…“ Aber irgendwie ist es so im Moment. Erst recht, wenn ich noch mehr arbeiten muss, als ich geplant hatte, da ich von erkrankten Kolleginnen Stunden übernehmen muss. So bleibt dann doch einiges auf der Strecke. Ich hoffe, das wird sich bald wieder ändern. Dennoch war es eine gute Woche, in der ich zumindest auch für mich ein paar Dinge erledigt habe: lang vor mir hergeschobene Arzttermine, um mich um meine eigene Gesundheit und mein Wohlbefinden zu kümmern, der Besuch auf dem russischen Konsulat, um lang aufgeschobene Formalitäten zu klären, Ausmisten von unliebsamen Ecken im Haus, die ich sonst hätte wegen Überfüllung schließen müssen und das ein oder andere mehr. So bin ich an diesem Sonntag dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Nach langen Odysseen bei unterschiedlichsten Ärzten wegen Maxim’s Kopfschmerzen waren wir in dieser Woche noch einmal bei zwei Kontrollen. Auch diese haben uns nicht wirklich weiter gebracht, außer, dass wir nun definitiv wissen, dass die Kopfschmerzen keine organischen Ursachen haben. Als der Kinderneurologe uns abschließend „nur“ Yogakurse für Kinder empfahl, musste ich doch ein wenig müde lächeln und beschloss nun endgültig, meinen bzw. unseren eigenen Weg weiter zu gehen. Für mich hat sich in den vergangenen Wochen bestätigt, dass Maxim’s Kopfschmerzen ihre Ursache in starker, zu starker Anspannung haben, die er einfach in für ihn belastenden Situationen sehr schnell erreicht. Für mich bleibt daher das einzige probate Mittel, meinen Sohn (auch therapeutisch) darin zu bestärken, zu lernen mit Stress und Anspannung anders umzugehen. Es bleibt einfach dabei, wir müssen mit unseren Kindern unseren eigenen Weg gehen. Und ich bin froh, dass ich an anderen Stellen immer wieder neue Impulse finde, die mich darin bestärken.
  2. Nadeschda lebt einmal wieder verstärkt ihre Anstrengungsvermeidung aus. Das tägliche Üben ist zuweilen eine große Herausforderung. Doch dann gibt es immer wieder diese kleinen Momente und Augenblicke, wo sie sich aus der Anstrengungsverweigerung befreien kann und tatsächlich auch Lernerfolge hat, und vor allem wo sie selbst sie sieht und wahrnimmt. Wie hat sie sich doch diebisch gefreut, dass sie nun endlich die 5er und die 6er Reihe des kleinen 1×1 kann! Ich hoffe, dass sie diese Momente bestärken, weiter zu kämpfen…
  3. Mit all den kranken Menschen um mich herum, bin ich heute dankbar, dass ich bis auf eine leichte Nasennebenhöhlenentzündung bisher verschont worden bin von härteren Infekten oder Krankheiten in diesem Jahr. Als ich dann noch die Beiträge von Sunnybee zu „Krank mit Kind?“ und Claire von mamastreikt zu „Unterhalt: Würde dann vom Amt kommen…“ gelesen habe, bekam „Gesundheit“ für mich noch einmal eine andere Dimension. Zum einen würde sicherlich mein Mann im Ernstfall einspringen, auch wenn dies in unserer Familienzeit bisher nur ein- oder zweimal vorkam, da ich sonst auch eher zu der Kategorie Mutter gehöre, die Infekte und Erkrankungen wegdrückt. Ich stehe also nicht ganz alleine da. Dafür kann ich durchaus dankbar sein. Zum anderen bin ich nicht nur dankbar, von größeren Erkrankungen in diesem Jahr bisher verschont zu sein, sondern auch grundsätzlich von größeren und kleineren Katastrophen. Möge das so weiter gehen…

Habt einen erholsamen Sonntag, einen guten Start in die neue Woche, und bleibt (oder werdet wieder) gesund!

0

Charlotte’s Sonntagslieblinge (125)

ashim-d-silva-65728-unsplash

Photo by Ashim d Silva on unsplash.com

Nach einer sehr arbeitsamen Woche genießen wir das ruhige Wochenende, ohne Termine, ohne Zeitdruck. Mit fünf Aufführungen ist meine Theaterproduktion am Freitag erfolgreich zu einem Ende gekommen. Nun heißt es ein wenig auf- und durchatmen. Ich freue mich darauf, nun auch wieder Zeit für andere Dinge zu haben. Doch zuvor bin ich heute für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Einmal wieder kann ich nur dankbar sein, dass meine Kinder die vergangenen zwei Wochen so tapfer mit mir gemeinsam bewältigt haben. Ja. da war das Arbeiten auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite sind es gerade im Moment wieder sehr viele Therapeuten- und Arztterminen, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Da bleibt leider unter der Woche wenig Raum zum Spielen. Um so mehr genießen Maxim und Nadeschda aber nun die Zeit am Wochenende, wo sie ungebremst spielen können.
  2. Kindermund tut Wahrheit kund: Nadeschda wollte unbedingt so ein Licht haben, das einen Sternenhimmel an die Zimmerdecke projiziert. Die bekam sie dann auch von ihrem Vater. Kaum eine Woche später war das Ding kaputt. Als Richard daran scheiterte, es zu reparieren, erntete er statt Tränen nur den trockenen Kommentar meiner Tochter: „Tja, Papa, selber Schuld, wenn Du so billiges Zeug im Internet kaufst….“ Wo sie das wohl her hat???
  3. Wirklich gefreut habe ich mich in der vergangenen Woche, dass Claire von mamastreikt unser Interview zur Fürsorgearbeit veröffentlicht hat. In dem Gespräch geht es um unsere Situation mit zwei bedürftigen Adoptivkindern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Doppel- oder Dreifachbelastung durch die Pflegebedürftigkeit meiner Mutter. Den gesamten Beitrag findet Ihr hier noch einmal zum Nachlesen: „Rollentausch – Wenn die Eltern pflegebedürftig werden“.

Habt noch einen entspannten und erholsamen Sonntag. Vor allem aber startet wohlbehalten in die neue Woche!

3

„Rollentausch – Wenn die Eltern pflegebedürftig werden“ – Mein Interview auf mamastreikt

jorge-lopez-284336-unsplash

Photo by Jorge Lopez on unsplash.com

Vor einiger Zeit habe ich ein langes und intensives Gespräch mit der wunderbaren Claire von mamastreikt, die sich so tapfer und hartnäckig für die Anerkennung von Care-Arbeit als Arbeit in unserer Gesellschaft eingesetzt, geführt. Ausführlich ging es um unsere Situation mit zwei bedürftigen Adoptivkindern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Doppel- oder Dreifachbelastung durch die Pflegebedürftigkeit meiner Mutter. Entstanden ist ein wertvoller Beitrag, in dem Claire uns einmal wieder sehr deutlich vor Augen führt, dass es allerhöchste Zeit ist, in unserer Gesellschaft zu einem Umdenken zu kommen und endlich Fürsorgearbeit mehr wertzuschätzen und überhaupt erst einmal anzuerkennen. Aber lest selbst…

P.S. Claire von mamastreikt schreibt regelmäßig über Care-Arbeit. Schon ihrem Netzprotest #carearbeitmusssichtbarwerden bin ich aufmerksam gefolgt. Doch erst mit der bei mir einziehenden doppelten Care-Arbeit hat das Thema für mich eine neue Brisanz bekommen. Umso mehr möchte ich Euch Claire’s aktuelle Aktion „Care eine Stimme geben“ ans Herz legen.

4

Von guten Vorsätzen für das neue Jahr…

ian-keefe-447836

Photo by Ian Keefe on unsplash.com

Erneut haben wir ein Jahr hinter uns gebracht und das neue begrüßt uns mit offenen Armen. Ist die Umarmung diesmal wohlwollend? Oder stehen uns erneut so viele Prüfungen und Herausforderungen bevor wie im vergangenen Jahr? Letztes Jahr im Januar habe ich hier stolz geschrieben, dass ich mir keine Vorsätze vornehme oder Pläne schmiede, sondern in Gelassenheit schaue, wo mich das Jahr und seine Zeit hinführt. „Das Ego mag vielleicht einen Vorsatz brauchen. Dein Selbst braucht es nicht.“, las ich damals bei Katja von homeiswheretheboysare. Ja, sie hatte Recht.

Doch mich dem Schicksal ganz ergeben, hat mir im abgelaufenen Jahr nicht gut getan. Auch wenn ich mehr als stolz darauf sein kann, was mir trotz all der Schwierigkeiten, Herausforderungen und Sorgen dennoch gelungen ist. Ich habe meine Ausbildung beendet und erfolgreich abgeschlossen. Ich habe wieder einen festen Job und werde im Laufe diesen Jahres sogar in Vollzeit als Lehrerin anfangen zu arbeiten. Und ich habe ein Stipendium für ein neues Buchprojekt bekommen. Aber die eigene Selbstfürsorge blieb weiterhin auf der Strecke. Zu wenig Sport. Nicht wirklich viel gelesen, zumindest nicht so viel wie ich gehofft hatte. Zu oft zu wenig Schlaf, zu ungesund gegessen. Da war ich schon besser.

Ich habe meine kranke Mutter nach ihrem Schlaganfall gepflegt und umsorgt, ihr ein neues Zuhause gegeben, sie auf dem Wege der Genesung begleitet. Als es ihr besser ging, hat sie sukzessive den Kontakt abgebrochen, uns nur mit Nicklichkeiten beschäftigt und auf Trab gehalten. Irgendwann ist sie einfach verschwunden. Ohne mir all mein Geld, das ich für sie vorgelegt hatte, zurückzuzahlen, ohne eine Geste des Dankes. Zurückbleiben nur eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung. Aber wo sie ist, wissen wir nicht. Und damit ist das Kapitel abgeschlossen. Was die Fürsorge eines alten Elternteils angeht, habe ich meine Schuldigkeit getan. Nun bin ich raus. Endgültig.

Maxim und Nadeschda geht es gesundheitlich inzwischen wieder so weit gut. Wir sind durch die tiefsten Täler der Angst gegangen und haben sie bewältigt. Beim nächsten Mal werden wir damit wieder anders umgehen. Dessen bin ich mir sicher. Es stimmt eben doch, dass man mit seinen Herausforderungen wächst. So hart das klingt, aber beim ersten Fieber von Maxim waren wir völlig hilflos und überfordert. Wenn er heute 40 Fieber hat, bleibe ich gelassen. Sollten wir das nächste Mal mit einer ungewissen Krebsdiagnose konfrontiert sein, werden wir schlucken, aber ich bin mir dessen gewiss, dass es uns nicht mehr so beuteln wird wie in diesem Jahr. Das hatten wir. Wir sind durch diese unermessliche Angst durchgegangen.

Mit Blick auf die Schwierigkeiten mit der Schule, habe ich erneut Maxim’s und Nadeschda’s Lernschwächen erkannt und kann ihnen hoffentlich helfen, damit umzugehen. Erneut habe ich gelernt, mich eben nicht in das System zu begeben. Das hilft nicht. In keiner Weise. Meine Kinder sind eben nicht die Norm. Das habe ich in einer erneuten Lektion mit Nadeschda bitterlich erkennen müssen. Und auch wenn ich mich in das System begebe, bekomme ich nicht die Hilfen, die ich, die meine Kinder brauchen. Ich muss unseren eigenen Weg finden. Auch das haben wir wieder in diesem abgelaufen Jahr geschafft. Für Nadeschda habe ich einen Weg gefunden, den wir jetzt gehen. Und auch für Maxim werde ich einen Weg finden. Das weiß ich. Und das, was meine Kinder in der Schule nicht lernen – was das meiste ist -, haben sie inzwischen von mir gelernt. Wieder war ich beseelt, wie großartig Nadeschda inzwischen lesen kann. Und auch die Dyskalkulie sind wir dabei in den Griff zu bekommen. Am Ende ist klar, ich bin im Tiefsten davon überzeugt, dass meine Kinder ihren Weg durch die Schule gehen. Sie werden sicherlich keinen Nobelpreis gewinnen, aber sie werden einen Beruf erlernen, der sie glücklich und zufrieden macht, der sie ihren Alltag bestreiten lässt.

Die Amerikaner sind immer großartig in Redewendungen. Ich habe mich im vergangenen Jahr entschieden nach allem,was passiert war, nicht mehr die Ausbildung weiter zu gehen, um die Qualifikation für die Oberstufe zu bekommen – die Rahmenbedingungen waren einfach zu ungünstig. Ich sagte mir einfach: „I don’t have to do this anymore.“ Irgendwann ist es gut. Ich habe genug erreicht in meinem Leben. Ich muss mir nicht auch noch das beweisen. Und so gibt es die andere Redewendung: „Why settle for something less?“ Ich werde meinen Kindern nicht den bequemen Weg durch das Schulsystem bieten, ich werden ihnen nicht die Kellerdecke hinhängen, wenn sie sich nach dem Himmel strecken können. Sie werden sich nach dem Himmel strecken, wenn wir ihnen diesen reichen, dessen bin ich mir gewiss. Ich werde ihnen diese Chance niemals nehmen. Egal wie. Dafür bin ich inzwischen bereit sehr weit zu gehen.

Was sind also meine Vorsätze für diese junge, neue Jahr? Habe ich welche? Wäre es gut, welche zu haben? Keine zu haben, hat mich auch nicht glücklich gemacht. Zu sehr ließ ich mich „ablenken“ und zu schnell klein beigeben bei all dem, was dann so im Alltag auf mich einprasselte. Das möchte ich nicht mehr. Vielleicht ist es, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, nur ein Vorsatz, den ich mir für dieses Jahr vornehme: Ich möchte meinen eigenen Wünschen und Prinzipien treu bleiben. Und wenn diese gefährdet sind, dann muss ich in meinem alltäglichen Leben etwas ändern. Schneller, als ich das im vorangegangen Jahr getan habe.

Ich muss und will auf mich selbst aufpassen. Mehr, viel mehr, als ich das im letzten Jahr getan habe. Denn nur dann, nur wenn ich wirklich gut zu mir selbst bin, dann kann ich auch meinen Kindern, Maxim und Nadeschda die Mutter sein, die sie in diesem kommenden Jahr brauchen.

8

Kleine Helfer ganz groß…

rawpixel-804799-unsplash

Photo by Rawpixel on unspalsh.com

Wie es im wirklichen Leben so ist, kommt eine „Katastrophe“ selten alleine. Nadeschda’s und auch Maxim’s Gesundheit haben uns in den letzten Wochen mehr als in Atem gehalten. Nicht dass auch noch meine Mutter meinte, zu einem wirklich perfekten Zeitpunkt, als ich nämlich zum ersten Mal Nadeschda’s Koffer für das Krankenhaus gepackt habe, ihre Stromrechnungen und ihre Miete in der Seniorenresidenz nicht mehr zu bezahlen. Und diese mich aufgeregt anrief, wie sie es im übrigen alle paar Wochen ohnehin tun, um mir zu sagen dass meine Mutter jetzt ohne Strom ist. Und eigentlich nicht in ihrem Apartment bleiben kann. Mein Bruder hat sich dann darum gekümmert. Ich hatte ihn mobilisiert, denn musste mein Kind ins Krankenhaus bringen. Doch sein Reden hatten auch keine Wirkung. Meine Mutter bezahlte an dem Tag auch nicht ihre Stromrechnung, sondern harrte noch zwei Wochen in ihrem Apartment ohne Strom aus. Die aufgeregte Pflegedienstleiterin hat natürlich auch ihr übriges getan, damit das Leben ohne Strom so angenehm wie möglich für meine Mutter war, und hat ihr täglich warmes Wasser gebracht. Das ist zwar ehrenrührig. Hilft aber bei Menschen wie meiner Mutter nicht. Im Gegenteil, es verlängert den Prozess der Erkenntnis nur ungemein. Und strapazierte meine Nerven. Erst als es ein Gespräch mit der Heimleitung gab, da sie ja auch ihre Miete nicht bezahlt hatte, gelangte meine Mutter zur Einsicht, und bezahlte ihre längst überfälligen Stromrechnungen, nebst Mahngebühren. Und auch die rückständige Miete.

Aber davon wollte ich hier ja eigentlich gar nicht schreiben. Denn das ist das Gute an unsere Situation im Moment, meine Mutter ist qua ihres Verhaltens und das genau zu einer Zeit, in der der Gesundheitszustand eines meiner Kinder bedrohlich war, in meiner persönlichen Prioritätenliste auf den aller-, aller-, allerletzten Platz gerutscht. Ich kann und will mich mit so etwas im Moment nicht beschäftigen.

Was ich eigentlich erzählen wollte: Zu allem Überfluss fiel dann auch noch unsere Spülmaschine aus. Kaputt. Fehler XY. Bis der Kundendienst kam dauert es. Ja, es dauerte auch, weil niemand Zuhause war, sondern bei Ärzten oder in Krankenhäusern. Zugegeben. Aber wie sehr haben wir uns an die kleinen Helfer des Alltags gewöhnt? Ich nenne sie immer meine drei „Hausangestellten“: Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner. Und wenn alle drei morgens oder abends gleichzeitig laufen, dann kann ich mich endlich entspannt zur Ruhe setzen. Auch wenn ich weiß, dass ihr Output am nächsten Tag oder noch am selben verarbeitet werden muss. Denn die Spülmaschine räumt sich leider noch nicht selbst aus. Und den Waschmaschinen-Trockner Vollautomaten gibt es zwar mittlerweile schon. Aber Wäsche zusammenlegen?  Die Funktion gibt es leider noch nicht. – Ich könnte ja jetzt propagieren, dass das auch wenig verwunderlich ist. Denn die Geräte werden ja von Männern konstruiert, und die haben eben den berühmten letzten Schritt, die letzten berühmten 20 Prozent, die ja 80 Prozent des Aufwandes machen, eben mal nicht mit einkalkuliert. –

Nachdem ich nach unserem Spülmaschinenausfall zwei Tage lang kalte Küche bzw. Pizzaservice durchgesetzt hatte, aber wir alle das Essen aus den Pappschachteln nur begrenzt gut fanden, fanden sich zum nächsten großen Essen, wo auch mein Bruder samt Freundin da waren, die Männer abends zum Spülen in der Küche. Das, was so zwischendrin anfiel, hatte ich vorher klaglos einfach gespült. Um mir dann am Sonntag  morgen, als ich aus der Kirche kam, von meinem Mann anhören zu müssen: „Ich habe auch das ganze Frühstücksgeschirr gespült.“ Ja, super, dachte ich, und was mache ich seit drei Tagen… Aber egal. Der Spülevent der Herren zum Wochenende – und wahrscheinlich mein stetes Spülen seit mehreren Tagen – hatten aber zur Folge, dass ab Mittwoch, als ich mit Nadeschda aus dem Krankenhaus kam, bei meinen Kindern ein unglaubliches Umdenken stattfand. Auf einmal sagte Maxim: „Mama, lass mal. Ich mache das. Ich bin jetzt Dein Hausjunge. Ich erledige das.“ Und so spülte er. Und Papa trocknete ab. Kaum einen Tag später wollte Nadeschda natürlich auch mitmachen. „Ich will auch.“, „Lass mich mal!“ So machten nun meine Kinder den Abwasch. Und wurden zu meinen wahren großen Helfern in unserem Haushalt!

Schon seit Monaten diskutieren Richard und ich, wie die Kinder mehr Pflichten im Haus übernehmen können und auch sollen. Viel müssen sie nicht machen. Maxim muss inzwischen seine Wäsche selbst zusammenlegen und wegräumen, und jeden Donnerstag sein Zimmer aufräumen. Nadeschda muss ihr Zimmer aufräumen, aber die Wäsche mache ich noch. Tisch decken und abdecken machen beide gelegentlich. Viel mehr ist es nicht. Passt auch nicht. Denn manchmal denke ich auch, die beiden müssen so viel für die Schule arbeiten, da muss ich mir nicht noch kleine Aufgaben im Haushalt, die eh selten anfallen, wenn sie da sind, für die überlegen. Dennoch kam immer wieder das schlechte Gewissen. Oh, sie werden zu sehr verwöhnt. Wie sollen sie denn jemals alleine in einem Haushalt zurecht kommen? Seit unserem Spülmaschinenausfall weiß ich, alles totaler Blödsinn! Meine Kinder wissen genau, wie es geht, Geschirr zu spülen und sie könnten es auch wegräumen an den richtigen Platz. Und sie wissen aber vor allem, wenn Not am Mann ist, und machen dann einfach! Und das sehr souverän und gut! Das ist das wahre Großartige an dieser Geschichte! Auch wenn unsere Kinder sonst so verschont sind vom lästigen Mithelfen im Haushalt, sie machen es einfach, wenn es darauf ankommt. Von sich aus. Das ist es, was mich nachhaltig begeistert und mir mein Mutterherz erwärmt. Ja, meine kleinen Helfer sind ganz groß, großartig!

P.S. Schade, dass die Spülmaschine dann irgendwann doch repariert war. Ich hätte gerne gewusst, ob die Begeisterung des Spülens noch weiter trägt….

4

Über mangelnde Wertschätzung von Betreuungsarbeit

celia-ortega-497023-unsplash

Photo by Celia Ortega on unsplash.com

Nadeschda hatte nach den Ferien eine kleine Theatervorführung an der Schule. Als wir auf den Beginn der Vorstellung warteten, wurde ich von mehreren Müttern an unsere Schule mit den Worten begrüßt: „Na, Du Retterin unserer Schule.“ Ich wunderte mich ein wenig. Im Grunde habe ich nichts Weltbewegendes getan. Oder doch?

Im Hort der Schule unserer Kinder ist aufgrund einer längeren Krankheit eine Kraft ausgefallen. Nicht eine, die „nur“ die Kinder beim Spielen betreut, sondern eine Fachkraft, die auch die Hausaufgaben begleitet. Es ist also nicht irgendwer ausgefallen, sondern eine Betreuerin, die eine essentielle Aufgabe neben der Schule wahrnimmt, nämlich mit den Kindern das bei den Hausaufgaben nachzuarbeiten, was Zuhause aus welchen Gründen auch immer – meist mangelnde Zeit – nicht gewährleistet werden kann. Denn beide Eltern sind berufstätig, weil sie das wollen und vor allem auch müssen. Dies ist auch mit ein Grund für so viele Schüler an unserer Schule, da hier einfach eine konstante Betreuung bis 16:00h angeboten wird. Selbst bei „Hitzefrei“, wie gerade in den vergangenen Wochen. Und die Eltern wollen eben auch, dass die Hausaufgaben ordentlich gemacht sind und mit all dem „Schaff“, den Schule eigentlich so mitbringt, nichts zu tun haben.

In den Ferien kam der Hilferuf der Schule, ob ich nicht einspringen könnte. Nun, die komplette Zeit war für mich nicht zu realisieren – ich habe ja noch eine Fürsorgeaufgabe Zuhause – , aber ich habe dann binnen zwei Tagen eine Lösung für die Schule gefunden. Nun teile ich mir den Job mit einer Kollegin aus meiner Ausbildung, der ich den Job angeboten habe. Schon mit der Suche nach einer neuen Betreuungskraft für die Mittelstufe hatte die Schule extreme Schwierigkeiten, und so waren sie natürlich dankbar, dass ich so schnell reagiert habe.

Seitdem treibt mich aber der Gedanke um, warum das eigentlich Alles so schwierig ist. Mit „das Alles“ meine ich: Warum ist es so schwierig, wo doch in unserem Land Betreuung der Kinder vermeidlich so hoch gehalten wird, adäquate Betreuungskräfte zu finden? – Egal in welchem Feld der Betreuung. Denn auch als ich im Frühjahr eine Betreuerin für meine Mutter – also jemanden, der dreimal die Woche mit ihr die Dinge des Alltags erledigt, mit ihr spazieren geht, etc. – gesucht habe, gestaltete sich die Suche ähnlich schwierig. – Nicht das alle minder qualifiziert sind. Nein. Es gibt einfach niemanden!

Mit Blick auf die Schule treibt mich das natürlich gerade mehr um und so will ich auch bei dieser Baustelle bleiben. In den Medien geht wieder die Diskussion um die Erfüllung des Betreuungsangebots und der Kindergartenplätze für alle Kinder ab drei Jahren um. War ja ein Gesetz. Und selbst in den einschlägigen Medien des Hauses der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab es einen Artikel („Wartelistenplatz Nr. 374“ vom 3. 08.2018) , wie sich in den vergangenen Jahren die Arbeitsverhältnisse vor dem Hintergrund der veränderten Betreuungssituation geändert haben, dank des vermeidlich ausgebauten Betreuungsangebots. Waren es 2006 noch 48 Prozent aller Paare, in denen der Mann der Alleinverdiener in der Familie war und 26 Prozent aller Paare, in denen der Mann Vollzeit und die Frau in Teilzeit arbeitete, so verschob sich dies bis  2016 zu 39 Prozent und er erst genannten Gruppe und 34 Prozent in der zweitgenannten Gruppe. Das mag ja alles gut und schön sein, und seit dem 1. August 2018 sind nun in einigen Bundesländern auch die ersten sechs Stunden am Tag der Betreuung in einem Kindergarten kostenlos. Alles wunderbar. Aber was passiert, wenn dann mal die zauberhafte Kindergartenzeit vorbei ist? Dann beginnt der Run auf die wenigen und heiß begehrten Hortplätze. Und wenn Kindergartenplätze gerade in den Großstädten noch nicht ausreichend geschaffen worden sind, wie sieht das dann erst in den Horten aus? Mal ganz abgesehen davon, dass man dort selbst bei einem Ausbau keine Kräfte findet. Und schon gar nicht zu den Gehältern, die dort bezahlt werden. Auch an unserer Schule könnte man über den Ausbau des Hortes nachdenken. Aber wer soll dann den Job machen?

Die Politik sagt, dass immer mehr Frauen wieder in die Erwerbstätigkeit gehen sollen. Das mag ja auch eine gute Idee sein. Aber wenn die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen sind, wie soll das dann funktionieren? Und Voraussetzungen heißt für mich eben nicht nur ordentliche und schöne Kindergartenplätze zu schaffen, wo sich die Kleinen auch wirklich wohl fühlen. – Erst in den vergangenen Tagen habe ich im Radio wieder eine Diskussion gehört, wie man es kleinen Kindern leichter machen kann, sich von der Mutter im Kindergarten zu trennen. Mag ja alles sein. Aber wenn das Kind in dem Kindergarten nun völlig überfordert ist, weil es sich auf einmal mit 18 oder meist mehr Kindern in einem „offenen Konzept“  zurechtfinden soll, dann ist das nicht die Lösung, um Mütter in den Arbeitsmarkt zurückzuschicken. – Ungeachtet dessen, dass es dann mit Eintritt in die Schule vorbei ist mit der Herrlichkeit. Denn dann ist es vorbei mit zwei Wochen kompletter Schließzeit im Jahr, wenn es denn vorher gut lief. Dann stehen je nach Bundesland 14 Wochen Schulferien an, die nur begrenzt durch den Hort abgedeckt werden, wenn es denn einen gibt und wenn man da einen Platz bekommt. Wie soll es dann funktionieren, dass beide Eltern arbeiten und ihr Kind in der Zeit gut betreut ist?

Was es wirklich braucht, sind gute Betreuungskonzepte, wenn die Kinder dann einmal in der Schule sind. Nicht nur gute Betreuungsideen, dass die Kinder sich wohlfühlen, sondern auch gute Konzepte, dass man die Pädagogen findet, die diese Aufgaben mit Schulkindern bewältigen können und wollen. Denn auch hier in der Schule ist es neben dem fachlichen Wissen, um den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, ganz viel Beziehungspflege, die nötig ist. Das erlebe ich nun jeden Tag. – Natürlich geht mir das Herz auf, wenn ein 3. Klässler vor mir steht und sagt: „Wir haben heute Hausaufgaben auf. Und die will ich unbedingt bei Dir machen.“. Und wenn sie dann da alle sitzen ganz brav und ruhig und mit ihren Texten kämpfen, die sie in Schreibschrift übertragen müssen. Oder ich sehe, dass ein Mädchen, dass ich eben noch aus dem Kindergarten kenne, weil sie mit Nadeschda in einer Gruppe war, fast weint; ich mich zu ihr setze und sie beruhige und sie immer wieder sagt: „Ich schaffe das nicht, und ich muss doch eigentlich raus zu meinem kleinen Bruder. Der ist gerade ein die Vorklasse gekommen und der tut sich so schwer draußen.“ und ich sie in den Arm nehme und sage: „Du schaffst das. Ich helfe Dir. Du kannst das jetzt mit meiner Hilfe ganz schnell schreiben und dann gehst Du zu Deinem Bruder. Und solange Du hier bist, ist er draußen gut aufgehoben.“ Und das Mädchen einfach mit einem schweren Seufzer der Erleichterung das schreibt, was ich vorgemalt habe.

Die Arbeit mit Kindern ist so wunderbar, wenn auch anstrengend und herausfordernd. Und sie ist so unermesslich wichtig. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern, damit sie ruhigen Gewissens ihre berufstätigen Pflichten erfüllen können. Doch oft frage ich mich, warum diese Arbeit so wenig anerkannt und wertgeschätzt wird. Wenn ich allerdings so darüber nachdenke, ist das kaum verwunderlich: Denn wenn die Fürsorgearbeit Zuhause schon nicht wahrgenommen und wertgeschätzt wird, warum sollte man die Betreuungsarbeit außerhalb des Zuhauses, an die ja nur dieselbe heimische Fürsorgearbeit ausgelagert wird, wertschätzen und vielleicht auch entsprechend honorieren?