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Liebster Award reloaded – schon die Nr. 2 in 2018

Liebster Award_BildDas Jahr war kaum zwei Wochen alt, da hatte ich schon zwei Nominierungen für den Liebsten Award im Kasten. Großartig! Nun der Ehrlichkeit halber, Lydia’s Nominierung fiel in die Zeit zwischen den Jahren, als ich noch mit meiner Seminararbeit kämpfte und so schob ich die Antworten in das neue Jahr. Da folgte dann gleich die zweite Nominierung von der wunderbaren und so tapferen Anni von elternwerdenistdochschwer. Dafür danke ich ihr von Herzen! So lange schon kämpft sie erst in unterschiedlichen Kinderwunschbehandlungen und nun auf dem Wege der Adoption. Und das Schicksal meinte es da nicht immer gut mit ihr. Möge das neue Jahr ihr nun etwas wohlgesonnener sein. Und so mache ich auch gerne bei diesem Liebsten Award mit. So sind dies meine Antworten auf ihre spannenden Fragen:

1. War das Schreiben schon immer ein wichtiger Teil deines Lebens oder ist das Bedürfnis mit dem Kinderwunsch (und den Kinderwunschbehandlungen) entstanden?

Ich habe schon immer Tagebuch geschrieben, allerdings dann spannenderweise nicht mehr in der Kinderwunschzeit. Das war für mich zu schwer zu ertragen, um da noch einmal durchzugehen, alleine, auch wenn ich nach der zweiten Fehlgeburt mir dann therapeutische Unterstützung suchte. Das Schreiben kam zurück, als unsere Kinder da waren. Erst aus der Motivation heraus, im ersten Jahr alles für unsere Kinder aufzuschreiben, führte ich im ersten Jahr akribisch jeden Tag Tagebuch über unseren Alltag mit Maxim und Nadeschda. Daraus entstand dann irgendwann die Idee, daraus mehr zu machen. Und so entstand mein erstes Buch und mein Blog. Tagebuch schreibe ich für meine Kinder noch heute, doch nicht mehr jeden Tag, sondern vier bis sechs Mal im Jahr. Doch das ist wirklich nur für sie bestimmt.

2. Gibt es ein Land (einen Ort, eine Stadt), in der du gerne mal eine Zeitlang leben würdest?

Definitiv die USA. Nicht weil ich da noch nie war, sondern eben genau, weil ich da schon gelebt habe und das ein Stück Heimat für mich geworden ist. Vielleicht werde ich das auch irgendwann einmal tun. Mein Job nach meiner Ausbildung würde mir die Möglichkeit eröffnen. Und Maxim und Nadeschda fühlen sich dort wohl.

3. Lieber Filme oder Serien?

Film. Ich kann mich zwar auch für Serien begeistern, aber es ärgert mich dann immer, wenn ich regelmäßig vor dem Fernseher meine Zeit verdaddele. Ein Film ist da begrenzter und meist hat er auch ein bewegenderes Thema, das in sich abgeschlossen ist.

4. Gibt es ein Buch, das dir während der Kinderwunschzeit geholfen hat? (Oder einen Film, eine Serie, etc.)?

Nein, nicht wirklich eines, dass mir geholfen hat, auch wenn ich einige gelesen habe. Bemerkenswert war dann später, als wir schon mitten im Adoptionsprozess waren das Buch von Marion Gaedecke „Wunschkind“, in dem sie ihre Geschichte ihrer Adoption ihrer zwei Mädchen schildert, wenn auch mit viel Adoptionsromantik, die wir in unserer Zeit nicht gespürt haben. Aber sie erzählt auch von dem Weg der erfolglosen Kinderwunschbehandlung. Es ist eines der wenigen Bücher, die auch Richard gelesen hat. Und ich werde den Moment nie vergessen, als er das Buch lesend spät abends auf der Terrasse saß, als ich nach Hause kam, und er zu mir sagte: „Das ist unsere Geschichte.“

5. Hast du gern einen vollen Terminkalender?

Nein. Aber er ist es leider immer wieder. Und wenn er es einmal nicht ist, fange ich an, die wenigen Termine, die drin stehen zu vergessen…

6. Ist für dich das Erleben einer Schwangerschaft/Geburt ein zentraler Teil deines Kinderwunsches? Warum ja/nein?

Nein. Ich habe nie eine Schwangerschaft und Geburt vermisst. Im Gegenteil, das war für mich immer der Teil der „Kinder Habens“, für den ich mich wenig begeistern konnte. Und irgendwann im Nachgang zu unserer Adoption lernte ich, dass wir mit der Adoption genauso Vorfreude, Schwangerschaft und Geburt erlebt haben. Nur eben anders….

7. Gibt es Pläne (z.B. berufliche Auslandsaufenthalte), die du wegen des Kinderwunsches aufgegeben hast?

Ja, ich hätte den Job gewechselt. Letztendlich haben mich dann meine Kinder noch einmal auf einen ganz anderen Weg geführt.

8. Was war dein Traumberuf als Kind?

Malerin. Also nicht Räume anstreichen, wobei ich das auch ganz gut kann. Nein, Bilder malen und damit reich werden…

9. Was sähe ein perfekter Sonntag aus?

Mmmh, der Sonntag ist schon fast immer wieder das Ende des Wochenendes für uns. Da setzt dann ab dem Nachmittag schon wieder halb der Schulalltag ein. Insofern ist der  Sonntag nicht immer mein vermeintlich liebster Tag in der Woche. Und ihn perfekt zu gestalten ist eher schwierig. Schön sind die Sonntage, wenn wir gar nichts vorhaben und einfach nur Zuhause sind. Rumwurschteln, lang liegen gebliebene Dinge erledigen, spielen, basteln, stricken, vorlesen. Doch die kommen leider viel zu selten vor.

10. Ist es für dich wichtig, diejenige zu sein, die (zusammen mit dem Partner/der Partnerin) Ihrem Kind den Vornamen (Rufnamen) gibt? Warum ja/nein?

Nun ja, „jein“. Unser Kinder hatten und haben Namen, die ihre russische Mutter ihnen gegeben hat und die einfach zu ihnen gehören. Wir haben diese auch nicht geändert. Das durften wir auch gar nicht. Das war uns qua russischem Adoptionsgesetz verboten. Dennoch hätten wir einen zweiten Namen dazusetzen und diesen zum Rufnamen machen können. Was einige Adoptiveltern durchaus tun. Maxim und Nadeschda haben von uns jeweils einen zweiten Vornamen bekommen. Die Namen haben Richard und ich im Aufzug im Hotel auf dem Weg zum Erziehungsministerium gemeinsam entschieden. Irgendwie waren sie schnell klar, ohne dass wir jemals zuvor darüber gesprochen hatten, und wir waren uns schnell einig. Doch die zweiten Namen wurden bis heute nicht zu ihren Rufnamen. Aber das haben unsere Kinder entschieden. Maxim war eben schon alt genug, dass er mit seinem russischen Namen eine, seine Identität verband. Und ihm erzählte man wohl lang genug, dass bald seine Schwester Nadja zu ihm kommt. So war auch dieser Name gesetzt. Aber es zeigt auch, dass der erste Name ein Stück weit wirklich Identität ist, die man einem Kind nicht nehmen sollte.

Gerne gebe ich nun das Stöckchen weiter, diesmal einfach an alle, die Lust haben mitzumachen. Speziell nominieren möchte ich heute niemanden, denn es gibt zu viele schöne und spannende Blogs da draußen und mit jedem Tag werden es mehr.

Das hier wären meine Fragen:

  1. Seit wann bloggst Du und über was?
  2. Was hat Dich zum Bloggen inspiriert?
  3. Welches ist das meist gelesene Thema auf Deinem Blog?
  4. Welches Thema bewegt Dich (auf Deinem Blog) am meisten?
  5. Drei Fakten über Dich?
  6. Welches ist Dein liebstes Buch? Und warum?
  7. Welches ist Dein liebstes Kleidungsstück? Warum?

Die Regeln zum Mitmachen findet Ihr hier. Ich freue mich, wenn der /die ein oder andere von Euch das Award-Stöckchen aufgreift und es weiter reicht. Habt viel Spaß dabei!

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Brief an meine Adoptivkinder: „Ich hoffe, ihr könnt den Schmerz eines Tages überwinden“

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Danke an Roakley1 von Pixabay

Gestern erschien mein „Brief an meine Adoptivkinder: „Ich hoffe, ihr könnt den Schmerz eines Tages überwinden“ in der Huffington Post, in dem ich die vergangenen Jahre seit der Adoption von Maxim und Nadeschada mit allem, was dazu gehört ein wenig Revue passieren lasse. Es ist eine kleine Zwischenbilanz und gleichzeitig greift der Beitrag erneut die Frage nach dem Gut genug Sein auf.

Habt eine gute Lektüre…

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Warum Adoptionsbewerberzahlen auch sinken….

Der PFAD Bundesverband hat in dieser Woche auf einen spannenden Beitrag des rbb Berlin auf seinem Blog hingewiesen, in dem die Ursachen für die rückläufigen Bewerberzahlen bei Adoptionen in Deutschland unter die Lupe genommen werden. Im Falle von Berlin, wo die Zahlen drastisch zurück gegangen sind, liegt es auch daran, dass das Jugendamt seine eigenen Praktiken nicht an die inzwischen in Deutschland verbreitete spätere Familienplanung angepasst hat. Aber lest selbst…(hier)

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Konfrontation mit der Embryonalentwicklung

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Mit freundlicher Unterstützung von unsplash.com

Ein Teil meiner Ausbildung ist das künstlerische Arbeiten, vor allem Malen und Plastizieren mit Ton. Die Arbeit mit dem Ton ist anstrengend für mich, und oft gehen die Aufgabenstellungen direkt an mein Unterbewusstsein. Für mich ist es eben nicht nur die bloße Gestaltung einer „schönen“ Form. Oft arbeitet die Erfahrung in mir weiter, hin und wieder kommen Emotionen hoch, die ich nur noch schwer kontrollieren kann. Entgegen der allgemeinen Aussage „Die Arbeit mit Ton belebt.“, bin ich nach diesen Stunden meist völlig erledigt. Ich war mir dessen bewusst, dass das passieren kann. Denn lasse ich doch Maxim und Nadeschda mittlerweile seit einigen Jahren in ihrer Kunsttherapie regelmäßig mit Ton arbeiten und habe dort erlebt, was die Arbeit mit dem Ton bewirkt und ausgräbt.

Als der Dozent an einem der vergangenen Wochenende nun ankündigte, dass wir uns in einer der nächsten Einheiten mit der plastischen Gestaltung eines Embryos und seiner Metamorphose zu einem Menschen beschäftigen würden, stockte mir der Atem. Unmittelbar machte sich in mir das Gefühl breit: Das kann ich nicht. Und das will ich nicht. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich deutlich spürte: Diese Konfrontation werde ich nicht eingehen, nicht zu diesem Zeitpunkt und nicht in diesem Umfeld, ohne zielführende Begleitung. In dieser vernarbten Wunde wollte ich nicht herumstochern, kein Salz hineinstreuen, sie nicht hervorholen aus den Niederungen meines Unterbewussten, wo sie seit Jahren friedlich schlummerte, sie nicht auf den Präsentierteller meiner Ausbildungsgruppe legen. Es reicht, wenn ich weiss, dass sie nach all den Jahren noch da ist. Sie wird auch nicht weggehen, sie ist ein Teil von mir und meinem Leben. Ich habe nur meinen Umgang mit ihr gefunden. Mit meiner Wunde, kein eigenes Kind geboren zu haben.

Mein Körper war nicht in der Lage, ein Kind auszutragen, es in ihm wachsen zu lassen von einem Embryo bis zu einem kleinen Menschlein, das ich dann in die Welt gebäre. Über das Embryonalstadium bin ich nicht hinausgekommen. Die Natur entschied zweimal, frühzeitig diese Entwicklung in meinem Körper abzubrechen. Jedes Mal, wenn das passierte, war es eine traumatische Erfahrung. Über die Jahre habe ich meinen Frieden damit gefunden. Ich kann ohne Gräuel und Schmerz das Glück anderer schwangerer Frauen teilen. Manchmal bin ich sogar froh für all das, was mir mit meinem anderen Mutterwerden erspart geblieben ist. Gelegentlich wünschte ich mir, ich hätte Maxim und Nadeschda schon von Beginn an unter meinem Herzen getragen. Viele Schwierigkeiten und Schmerzen wären uns vielleicht erspart geblieben. Doch ich habe mein Schicksal angenommen, so Mutter geworden zu sein, wie ich es wurde. So sollte es sein und so ist es auch gut. Dennoch die Narbe meiner leiblichen Kinderlosigkeit ist geblieben, auch wenn ich mit meinem anderen Weg, Mutter geworden zu sein, mehr als im Reinen bin. Um keinen Preis in der Welt, würde ich meine Entscheidung, die Mutter von Maxim und Nadeschda zu werden, rückgängig machen und mein Leben als Adoptivmutter eintauschen. Zu dankbar bin ich für das Leben mit all seinen Lernerfahrungen, das meine zwei Kinder mir geben. Jeden Tag von neuem!

Ja, da ist auf der einen Seite die Narbe, des eigenen unerfüllten biologischen Kinderwunsches. Doch während ich so in mich hineinhorchte, warum mir die Ankündigung des Dozenten den kalten Angstschweiß auf die Stirn trieb, so spürte ich auch eine zweite Wunde, die ich nicht in diesem Umfeld meiner Ausbildungsgruppe konfrontieren wollte: Egal wie wohlwollend und fürsorglich die russische Mutter meiner Kinder gewesen war, wie sehr sie sich vielleicht diese zwei Kinder gewünscht hatte, um dann später lernen zu müssen, sie nicht großziehen zu können, die Schwangerschaften waren allein aufgrund der sozialen Rahmenbedingungen auf keinen Fall leichte gewesen. Und das hatten Maxim und Nadeschda bereits im Mutterleib erleben und erfahren müssen. Das hat sich tief eingebrannt in ihren kleinen Seelen. Der Mangel, die Entbehrungen, die Zweifel, die fehlende Fürsorge. Die Wunden, die sie eben nicht nur durch die Trennung von ihrer russischen Mutter, sondern durch die Lebensumstände erfahren haben, prägen ihr Unterbewusstsein bis heute. Die Folgen oder Auswirkungen dessen bestimmen häufig unseren Alltag, mal mehr mal weniger. Sei es das mangelnde Urvertrauen , seien es die mangelnden Lebenskräfte, die immer wieder die Ursache für Zeichen der Anstrengungsverweigerung  sind. Irgendwann werden diese Wunden heilen, doch auch sie werden als Narben im Unterbewusstsein meiner Kinder bleiben. Mir gelingt es hoffentlich, dass sie mit der Zeit einen Umgang damit finden, jeden Tag ein wenig mehr und besser. Mir jedoch den Schmerz vorzustellen, durch den meine Kinder am frühen Beginn ihres Lebens gehen mussten, ist für mich eine nahezu unerträgliche Erfahrung. Ja, hin und wieder, vor allem, wenn alles einmal wieder sehr schwierig ist, schicke ich mich durch diese Erfahrung, um zu versuchen, meine Kinder zu verstehen. Doch meist ist dies für mich kaum auszuhalten.

Würde ich mich nun der Aufgabe der plastischen Metamorphose eines Embryos zu einem Kind stellen, müsste ich genau durch diese Erfahrungen wieder gehen. Das will und kann ich nicht. Und ich muss es auch nicht. Am Ende beschließe ich, mit dem Dozenten zu sprechen und an dieser Einheit nicht teilzunehmen. Denn der Schmerz und die Trauer gehören zwar zu unserem Leben, aber nicht in meine Ausbildung.

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„Wunschkinder“ im FilmMittwoch in der ARD – Filmrezension einer Adoptivmutter

Im Rahmen des FilmMittwoch zeigte die ARD gestern „Wunschkinder“, die Verfilmung von Marion Gaedickes Roman „Wunschkind – Geschichte einer Adoption“. Es ist die Geschichte von Marie und Peter, die sich nach Jahren, in denen ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt, für die Adoption eines Kindes aus Russland entscheiden. Es folgen Monate der Vorbereitung, des Bangens und Wartens auf den Kindervorschlag. Als sie endlich zum ersten Mal nach Russland reisen, um ihre Adoptivtochter kennenzulernen, trifft die Begegung sie mitten ins Herz. Aber ihr Adoptionsantrag wird vom russischen Gericht aufgrund eines Verfahrensfehlers abgelehnt. Die Heimleiterin schlägt ihnen ein zweites Mädchen zur Adoption vor. Doch Marie drängt auf ein Anfechten des Gerichtsurteils. Der Kampf um das Erfüllen von Maries und Peters Lebenstraum wird zur Zerreißprobe für ihre Partnerschaft.

Richard und ich haben „Wunschkind“ während unseres Adoptionsprozesses gelesen und waren vor unseren eigenen Erfahrungen in Russland von dem Buch gefesselt. „Das ist unsere Geschichte.“ sagte Richard einmal. Das Buch bereitete mich auf viele Unwägbarkeiten in unserem eigenen Adoptionsprozess vor. Es hinterließ das bestärkende Gefühl, dass, egal welche Schwierigkeiten uns auch in Russland begegnen würden, es sich lohnt, für unseren eigenen Lebenstraum zu kämpfen. Gespannt war ich gestern auf die filmische Umsetzung. Denn wie transportiert man ohne Vorurteile zu bedienen, die Kinderlosigkeit, den Weg der Auslandsadoption, zudem noch aus Russland, die Herausforderungen des Adoptionsprozesses und die Belastungen für die werdenden Eltern, nicht nur faktischer Natur, sondern auch emotional in der Paarbeziehung in nur 90 Minuten? Und das ohne sich plakativer Klischees zu bedienen?

„Wunschkinder“ fand eine berührende Antwort auf diese Fragen. Den Filmemachern um Drehbuchautorin Dorothee Schön, Regisseurin Emily Atef und Produzent Michael Polle war es mit sicherlich viel bedachtem und prägendem Einfluss der Buchautorin gelungen, einen bewegenden Abschnitt im Leben eines kinderlosen Paares realistisch in einen Film zu verwandeln, der nüchtern den Blick auf ein Nischenthema in der Gesellschaft wirft. Wie Ralf Wiegand in der Süddeutschen gestern schrieb:

Wunschkinder verliert in keiner Sekunde den Respekt vor den Menschen, die der Film beschreibt – und auch nicht vor jenen Zuschauern, die im echten Leben ähnliche Erfahrungen gemacht haben und nun zufällig an diesem Mittwoch vor dem Fernseher sitzen. Auch wenn der Film ausdrücklich keiner über Adoption sein will, sondern die Liebesgeschichte von Marie und Peter erzählt, einem kinderlosen Paar, das für seinen Traum von einer Familie weit geht: Er nimmt diese Adoption doch ungeheuer ernst.“

Gleichzeitig ist dieser Film so persönlich, denn er erzählt eine wahre Geschichte: Nicht nur die von Marion Gaedicke, ihrem Mann und ihren zwei Töchtern, sondern die von hunderten von Familien mit Kindern und Jugendlichen, die in den vergangenen Jahrzehnten aus Russland (oder anderen Ländern) adoptiert wurden.

„Wunschkinder“ hat auch unsere Geschichte erzählt. Mit fast jeder Szene wurde ich zurückgeführt in unsere eigene Zeit der Kinderlosigkeit, der Kinderwunschbehandlung, der Fehlgeburten, der Suche nach einem anderen Weg, eine Familie zu gründen. Einzig die Szene im ersten Seminar im Jugendamt ließ mich zucken, als die Jugendamtsmitarbeiterin eine Aussage traf, die bei mir anklang, als sei eine Adoption quasi die Ultimos Ratio, den egoistischen Kinderwunsch zu erfüllen. Diese Auffassung teile ich nicht und uns hat sie auch nicht zu der Adoption unserer Kinder aus Russland geführt. Beeindruckt bin ich aber im Nachhinein, mit welcher Akribie im Detail – und geschickt in vielen kleinen Szenen verpackt- vielen Vorurteilen einer Adoption aus Russland begegnet wurde: Die Motivation von Marie, Russland als Herkunftsland zu wählen, da sie einen positiven Bezug zu diesem Land hatte, das Überprüfungsverfahren in Deutschland mit unzähligen Gesprächen und Formularen unterstützt von einer kompetenten und kooperativen Vermittlungsagentur, mögliche Krankheiten und Behinderungen der Kinder und die Auseinandersetzung der Adoptionsbewerber mit diesen möglichen Herausforderungen, das ordentliche und korrekte Verfahren der Behörden in Russland, die keine Willkür duldeten; selbst der Argwohn der Erzieherinnen im Kinderheim gegenüber ausländischen Adoptionsbewerbern fand seinen Platz. Noch einmal mehr zeigte dies den ernsthaften und respektvollen Umgang mit dem Thema Adoption.

mother and two kids walking on at sunset

Die Bilder in Russland ließen mich an unser eigenes Adoptionsabenteuer zurückdenken. Der Flughafen, die Birkenwälder entlang der Straßen, die Übersetzerin, das Kinderheim, die Erzieherinnen, die Heimleiterin, selbst die Richterin und der Richter und vor allem die Begegnungen mit den Kindern. Auch wenn ich damals, als wir Maxim und Nadeschda im Heim kennenlernten, die Romantik, die ich aus Gaedickes Buch herausgelesen hatte, vermisste, so weckten die Szenen im Kinderheim gestern eine fast nostalgische Wehmut in mir. Unsere Begegnungen mit Maxim und Nadeschda verliefen ähnlich: Ein kleiner neugieriger Maxim, der erwartungsvoll unser Spielzeug inspizierte und sich so freute, wenn wir mit ihm spielten. Eine ängstlich weinende Nadeschda, die sich zögerlich an meine Brust schmiegte und sich nach ein paar Momenten beruhigte. Die Szenen im Gericht ließen meine eigene Angst vor einem ablehnenden Urteil von damals wieder wach werden. Doch als die Richterin schließlich das filmabschließende Urteil sprach, flossen auch bei mir Tränen der Erleichterung. Tränen, die ich damals im Gerichtssaal vielleicht aufgrund meiner eigenen Anspannung nicht vergossen hatte; Tränen der unendlichen Dankbarkeit, Maxim und Nadeschda in unserem Leben zu haben.

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Filmtip: „Wunschkinder“ im FilmMittwoch in der ARD

Marion Gaedickes Buch „Wunschkind – Geschichte einer Adoption“ ist verfilmt worden. Unter dem Titel „Wunschkinder“ ist der Film morgen Abend um 20:15 Uhr im Rahmen des FilmMittwoch in der ARD zu sehen.

Marie und Peter sind in ihrem Leben, vor allem beruflich, ein erfolgreiches Paar. Beide sind davon überzeugt, alles in ihrem Leben schaffen und erreichen zu können. Doch auch nach mehreren Jahren bleibt ihr Kinderwunsch unerfüllt. In der Sehnsucht nach einem Kind, bewerben sie um die Auslandsadoption eines Kindes aus Russland. Als sie nach mehreren Monaten der Vorbereitung nach Russland reisen und ihre Adoptivtochter kennenlernen, berührt sie die Begegnung tief im Herzen. Doch das Schicksal stellt Marie und Peter vor ungeahnte Herausforderungen. Denn der Adoptionsantrag für ihre Tochter wird vom russischen Gericht abgelehnt. Getragen von dem Willen ihren Lebenstraum zu erfüllen, entschließen sie sich, um ihre Tochter zu kämpfen.

iStock_000015941675_LargeRichard und ich haben „Wunschkind“ während unseres Adoptionsprozesses gelesen und waren vor unseren eigenen Erfahrungen in Russland von dem Buch gefesselt. „Das ist unsere Geschichte.“ sagte Richard einmal. Unser Adoptionsabenteuer in Russland war dann ein anderes. Vor allem fehlte ihm auch die Adoptionsromantik, die ich bei Marion Gaedicke damals herausgelesen hatte. Dennoch bereitete das Buch mich auf viele Unwägbarkeiten in unserem eigenen Adoptionsprozess vor. Es hinterließ das bestärkende Gefühl, dass, egal welche Schwierigkeiten uns auch in Russland begegnen würden, es sich lohnt, für unseren eigenen Lebenstraum zu kämpfen.

Auf die filmische Umsetzung bin ich gespannt. Allein die Ankündigung des Films lässt in mir viele Erinnerungen wach werden.

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20. Juli – Mutterliebe

Silhouette of Mother and Young Children Holding Hands at Sunset

Meine Gedanken wandern zurück zu den Tagen vor einem Jahr. Vor zwölf Monaten hatten wir in der russischen Gerichtsverhandlung Maxim und Nadeschda als unsere Kinder zugesprochen bekommen. Heute vor einem Jahr flogen wir zurück nach Deutschland, um in Windeseile die Vorbereitungen für die Ankunft unserer Kinder zu treffen. Kurze Zeit darauf holten wir unsere Kinder aus dem Kinderheim in Russland ab und begannen unser Leben als Familie.

Es ist erst ein Jahr her. Dennoch fühlt es sich so an, als lebten Maxim und Nadeschda schon so viel länger bei uns. Viel war passiert in den vergangenen zwölf Monaten, die Ereignisse, Freuden, Erfolge, Herausforderungen und auch Schicksalsschläge im großen wie im Kleinen ließen unsere gemeinsame Zeit um ein vielfaches länger erscheinen: Die vielen ersten Male aus Kindesaugen, das stetige Herannähern an eine organische Routine in unserem Alltag, Nadeschdas Zöliakie Erkrankung, Maxims Eintritt in den Kindergarten, Renates Krankheit und Tod, Maxims Sprechen, der Bruch mit meiner Familie, alte und neue Freundschaften, das Entstehen einer stabilen Eltern-Kind Beziehung. Wir vier waren einen langen Weg gegangen. Manchmal war er steinig, manchmal beflügelnd.

Wir wussten, dass wir auch nach zwölf Monaten noch nicht am Ziel waren. Unser Weg wird weitergehen, und auch in der Zukunft Hürden, Steigungen, aber vor allem glückliche Momente und unzählige erinnerungswürdige Ereignisse für uns bereit halten. Im Sinne eines Ankommens denke ich, haben wir nach diesen ersten zwölf Monaten, den richtigen Pfad gefunden, um als Familie weiter zusammenzuwachsen, unseren Kindern gute und fürsorgende Eltern zu sein, uns in unseren Rollen als Mutter und Vater weiter einzurichten und einen guten Umgang mit unserem Umfeld zu finden. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich für mich sagen kann: „Ja, jetzt bin ich als Mutter endgültig angekommen. Ich habe das Ende meines Weges erreicht. Jetzt habe ich meinen Platz gefunden.“

Entscheidend ist jedoch, dass in mir in den vergangenen zwölf Monaten die bedingungslose Liebe für Maxim und Nadeschda gewachsen ist, die sie beide so sehr brauchen und verdienen. Ich liebe diese beiden wunderbaren Geschöpfe. Sie sind das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Sie geben meinem Leben einen Sinn. Sie lassen mich ein großes Stück weit mehr zu mir finden. Sie treiben mich an meine Grenzen und lassen mich neue Seiten an mir entdecken. Vor allem haben sie mich gelehrt, dass Mutterliebe nicht aus den Genen kommt. Liebe muss nicht biologisch sein. Und während die Bilder des vergangenen Jahres in meinem Kopf vorbeiziehen, huscht ein Lächeln über mein Gesicht und ich denke bei mir: So fühlt sich Mutterliebe an! So fühlt sich Mutterglück an!