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Dankbarkeit am Morgen in den Bergen

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Photo by Ales Krivec on unsplash.com

Dienstag morgen: Wir sind immer noch in den Bergen. Ich vermisse meine Freunde, die Kühe. Ich hätte nicht gedacht, dass sie schon von den Almen herunter gekommen sind. Aber ja, auch hier wird es Herbst und die Nächte kalt. Ich genieße den Kaffee im noch stillen Haus und denke gerade an all das, was ich im vergangenen Jahr so geschafft habe. Gerade nach den letzten Wochen, wo ich immer wieder gezweifelt habe, wo ich mir mehr Ruhe und Zeit so nur für mich zum Nichtstun oder Lesen gewünscht hätte, wo ich vor allem mehr Schlaf herbeigesehnt habe. – Hier habe ich ihn nun, aber auch nur, weil ich in den ersten Tagen mit den Kindern hier alleine war und mir nun mit meiner wunderbaren Freundin, der Hausbesitzerin, zusammen, ein Schlafnachholprogramm auferlegt habe, an meinem Schlafdefizit gearbeitet. Und die Schlafbilanz nach die ersten Tagen sieht extrem gut aus. Also bin ich an diesem wunderbaren Dienstagmorgen einfach dankbar – über meine Sonntagslieblinge hinaus. Es hat mehr etwas von ein paar meditativen demütigen Gedanken an diesem noch frühen Dienstag morgen:

  1. Mein Sohn macht sich so wunderbar in der Schule, trotz aller Schwierigkeiten mit Leander. Ich bewundere seine Unermüdlichkeit und seinen Kampfgeist. Und auch Nadeschda entwickelt sich. Es ist schwer und es ist anstrengend, aber es ist ein Prozess, ein Weg. Und den geht sie. So schwere s ihr auch manchmal fällt.
  2. Ich bin so dankbar für all diesen wunderbaren Momente mit meinen Kindern, wenn Nadeschda abends den Arm um mich legt und sagt:“Jetzt bist Du meine Mama, ganz alleine.“ oder wenn Maxim im Halbschlaf lächelt, wenn ich nochmal nach ihm sehe, bevor ich schlafen gehe und ihm sage: „Jetzt ist alles gut. Mama ist da.“  Dann nimmt er meine Hand für einen kurzen Moment, lächelt für einen Moment und seufzt zufrieden.
  3. Trotz allem bin ich dann doch in der Rückschau immer wieder überrascht, was dann doch alles noch so gelingt: Mein Buch, mein Blog, meine Ausbildung, mein bisschen Job. Irgendwie geht es. Ich bin ein wenig stolz heute morgen auf mein Geschafftes. Bin mir aber auch des hohen Preises bewusst….

An so Morgen wie diesem bin ich so voller Zuversicht, dass alles gut wird. Auch wenn mich genauso die Zweifel noch quälen. Und es mir ein wenig davor graut, nach Hause zurückzukehren, wo der Alltag im Lehnsessel sitzen wird, wie ein altes Familienmitglied,  und wohlwollend wieder seine Arme um uns legen wird. Doch für heute nehme ich einfach einmal diese Dankbarkeit mit und genieße den Tag!

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„Leander ist schwach…“ – Von überraschenden Entwicklungen

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Photo by Michal Parzuchowski on unsplash.com

Maxim macht mich gerade sprachlos. Seine innere Entwicklung ist atemberaubend. Ich bin überrascht, sprachlos, und dann auch einfach begeistert, dankbar und unglaublich stolz. Stolz auf meinen so großen und weisen Sohn, der in den vergangenen Monaten eine Entwicklung hingelegt hat, die mich nur noch dankbar staunen lässt. Von der Selbsterkenntnis, die in seinen Worten mitschwingt, kann sich so mancher Erwachsener eine Scheibe abschneiden….

Wie immer komme ich vor ein paar Tagen mittags in die Schule, um Maxim und Nadeschda beim Essen abzuholen. Aus dem Augenwinkel sehe ich noch Leander wie er zornig an einer Säule steht und mich beobachtet. Doch ich kann meinen Gedanken, die ich bei seinem Anblick habe, nicht weiter nachhängen, denn Nadeschda stürmt auf mich zu. Und Momente später Maxim zusammen mit Nikolai. Seitdem wir uns mit Maxims Herkunft zuhause befassen, ist er sehr eng mit Nikolai. Auch wenn ich noch nicht den Russischsprachunterricht mit seiner Mutter habe besprechen können. Maxim sprudelt gleich los: „Mama, es gab wieder Streit mit Leander! Ja, er hatte mir etwas zu essen mitgebracht. Und dann in der zweiten Pause meinte er, ich hätte es nicht gegessen. Obwohl ich es gegessen hatte.“ Ich komme gar nicht dazu zu fragen, was es denn war, denn Maxim brodelt einfach weiter: „ Aber ich habe es gegessen. Und er hat dann wieder nicht locker gelassen und mich nicht in Ruhe gelassen. Da bin ich dann einfach weggerannt. Der Musiklehrer hat das mitbekommen. Und wollte es klären. Aber Leander wollte nicht. Ich habe dann auch nichts gesagt. Aber auch beim Mittagessen hat er mich dann nicht in Ruhe gelassen. Da bin ich dann zur Frau K. gegangen. Und deshalb musste Leander dann an einem anderen Tisch essen. Er ist dann mit Louis (Maxims bestem Freund, um den es ja immer Streit mit Leander gibt.) auf die Toilette gegangen und hat Louis gesagt, er müsse sich entscheiden zwischen mir und ihm. Mama, das ist doch Erpressung. Der hat sie doch nicht mehr alle.“

Inzwischen wird die Traube um uns größer. Ich unterbreche Maxim, sage ihm, dass wir gleich im Auto in Ruhe sprechen können, und dass er seine Sachen holen soll. Das macht er dann auch. Doch schon auf dem Weg zum Auto sprudelt es einfach weiter aus ihm heraus, wie dann auch auf der Autofahrt. Es ist das erste Mal, dass mein Sohn seinem ganzen Ärger verbal Luft macht. So richtig! Selbst Nadeschda ist während der ganzen Zeit ganz still und lässt ihn reden. Es ist einfach unglaublich!

„Und Zuhause schreibe ich Leander einen Brief und den gebe ich ihm dann morgen. Und wenn er mich dann nicht in Ruhe lässt, dann sage ich es Frau Fellner. Und wenn er dann nicht aufhört, dann mache ich mit ihm einen Judogriff. Ich weiss auch schon welchen, Mama. Den, wo ich ihn hintenrum aufs Kreuz lege. Tja, da soll er dann mal sehen.“ Irgendwann verstummt Maxim im Auto. Doch nach ein paar stillen und nachdenklichen Momenten sagt er: „Louis sagt immer, dass es unfair ist, wenn ein Starker einen Schwachen angreift. Und ich bin ja stark und Leander ist schwach! Der ist zwar größer als ich. Und viel schwerer. Aber ich bin stärker und sowieso viel schneller. Eigentlich ist er arm dran.“

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (45)

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Mit freundlicher Unterstützung von Pixabay

Heile und wohlbehalten, gestärkt und erholt sind wir aus den Bergen zurück. Wunderbar war es! Und ich freue mich schon auf die Herbstferien, wo wir wieder dort sein werden. Kaum aus den Bergen zurück, ist Maxim schon wieder unterwegs. Mein Sohn ist zum ersten Mal mit zwei Freunden und deren Vater alleine Zelten. Zwei Nächte. Noch nie war mein Sohn so lange alleine von Zuhause weg. Ich bin gespannt, wie er nachher zurückkommt. So sind also dies meine Sonntagslieblinge:

  1. Richard und ich haben das Wochenende genutzt und haben endlich alles für Nadeschdas Start in die erste Klasse vorbereitet. Mit ihrem Zimmer und neuem Schreibtisch habe ich jetzt auch alle Sachen genäht, die sie neben den Schulranzen für den Schulbeginn braucht.
  2. Nadeschda freut sich schon jetzt wieder auf die Schule und vor allem darauf, ihre Freundinnen wiederzusehen. Zwei waren am Wochenende zu einer kleinen „Poolparty“ da. Es war einfach bezaubernd, die drei kleinen Damen beim Schwimmen, Plantschen und in der Sonne sich aufwärmen, naschen und erzählen zu beobachten.
  3. Maxim wird immer größer und selbstständiger. Zum Zelten hat er seine Sachen ganz alleine gepackt. „Mama, ich mach das schon.“ Und zum Abschied nahm er mich in den Arm und lehnte seinen Kopf an mich, schaute dann hoch zu mir und sagte: „Mama, bald bin ich so groß wie Du.“

Habt noch einen wunderbaren Sonntag! Ich widme mich jetzt meinem mittlerweile zurückgekehrten müffelnden Zeltindianer und seinen nach Lagerfeuer riechenden Klamotten… Kommt gut in die neue Woche!

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„Anders Mutter werden – Das erste Jahr nach einer Auslandsadoption“

„Sometimes the strength of motherhood is greater than natural laws.“ 
(Barbara Kingsolver)

cover_anders_mutter-werden_blogNach der Adoption unserer zwei Kindern aus Russland habe ich meine Erfahrungen aus dem ersten Jahr als Adoptivfamilie aufgeschrieben. Auszüge daraus haben Euch auf diesem Blog begleitet. Als erzählendes Sachbuch schildert „Anders Mutter werden“ nun den besonderen Alltag, die unterschiedlichen Herausforderungen, Veränderungen und Schicksalsschläge sowie die Reaktionen des sozialen Umfeldes im ersten Jahr einer frisch gebackenen Adoptivfamilie. Die Suche nach dem richtigen Umgang mit der neuen Mutterrolle bildet seinen roten Faden. Es ist das erste Buch auf dem deutschen Markt, das sich intensiv mit der ersten Zeit nach einer Auslandsadoption befasst.