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Charlotte’s Sonntagslieblinge (142)

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Danke an Pixabay.com

Weil es gestern noch meine #bestofElternblogs im Juni gab, folgen meine Sonntagslieblinge heute etwas später.

Diese Woche ist nicht ganz so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Eigentlich wollte ich mit meinem Buch weiterkommen, Unterricht vorbereiten, und so viele andere Dinge erledigen. Aber dann war ich nicht so fit und es ging nicht so schnell voran, wie ich mir das gewünscht hatte. Hinzukam, dass es einmal wieder eine „kurze“ Woche war bzw. ist, und wir viel Zuhause sind. Da häuft sich dann wieder das Aufräumen, Hinterherräumen, Struktur aufrechterhalten, wenn sie eigentlich keiner will, schlechte Launen der Kinder ertragen und so vieles mehr. Erst hatte ich gedacht, ich schreibe einmal andere Sonntagslieblinge, so etwas gewürzt mit Ironie: 1. Ich bin dankbar für den Wäschetrockner, der auch noch die Kilometer an Wäsche zusammenlegt, 2. Ich bin stolz darauf, dass meine Kinder endlich nach jahrelanger Erziehung nun wirklich ihre Sachen selbst aufräumen und dass unser Wohn- und Esszimmer nicht mehr aussehen wie ein Schlachtfeld mit Schuhen, Jacken, Schulsachen, Büchern und Spielzeug, über das ich permanent stolpere und 3.  Ich bin so froh, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Familienarbeit und Fürsorgearbeit so wirklich anerkannt wird. Aber da das alles nicht so  ist, und ich mir aber vor allem nicht meine wöchentliche Meditation, auch wenn sie mir noch dieser Woche wirklich schwer gefallen ist, nicht nehmen lassen will, bin ich also – und dies wirklich und mit vollem Herzen heute für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Üben mit Nadeschda ist mittlerweile – zumindest in der aktuellen Phase – eine wahre Freude. Sie ist sehr engagiert dabei, auch wenn sie am Anfang erst immer noch stöhnt. Aber dann nimmt sie ihre Aufgaben, oder die Schreibhefte, mit denen wir im Moment üben, macht ihre Aufgaben, um dann am Ende weiterzublättern, sich die nächsten Aufgaben anzusehen und dann zu sagen: „Mama, morgen mache ich diese Seite und diese Seite und diese Seite und vielleicht auch noch diese Seite. Das macht echt Spass!“ (!!!!) Hey, lernen kann auch Spass machen! Unglaublich!
  2. Maxim hatte ich schon angedroht, dass wir am Freitag Nachmittag sein Zimmer aufräumen und ausmisten, um dann am Samstag neue Regale aufzubauen. Als ich am Freitag mittag mit Nadeschda und ihrer Freundin Zuhause eintraf – Maxim hatte keine Lust gehabt mitzukommen und war zum ersten Mal fast eine Stunde allein zuhause geblieben (gut, Richard arbeitete in unserem Büro gegenüber, also im Notfall wäre jemand da gewesen…) – saß Maxim in einem Berg von Wust in seinem Zimmer und sagte: „Mama, ich hab schon mal mit der großen Schreibtischschublade angefangen. Der Haufen ist Müll, der Haufen sind Sachen, die nicht mehr brauche oder haben will, und der Haufen, den will ich behalten.“ Am Ende freute er sich, wie viel Platz er jetzt wieder in seinen Schubladen hat, denn der Behalten-Haufen war definitiv der kleinste. Und ich freute mich, dass mein Sohn nicht nur zum ersten Mal alleine zuhause blieb, sondern auch noch seine Zeit für etwas genutzt hatte, was ihm eh noch mit mir bevorgestanden hätte…
  3. Immerhin habe ich es dennoch geschafft, an meinem 100 Seiten Projekt in dieser Woche festzuhalten und habe ein neues spannendes Fachbuch begonnen, was mir noch einmal viele Impulse gegeben hat, nicht nur für mein Buch und meine Arbeit, sondern auch für Sunnybees Blogparade….Es geht um Traumarisierung und wie die gesellschaftlichen Umstände und der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft immer mehr traumatisierte Kinder produzieren. Es arbeitet in mir…. und das ist gut so…

Habt einen erholsamen und sommerhaften Sonntag und startet wohlbehalten in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (138)

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Photo by Tim Gouw on unsplash.com

So eine Woche mit einem Feiertag in der Mitte ist nach dem Wiedereinstieg in den Schulalltag auch mal nett. Der 1. Mai bot uns eine kleine Verschnaufpause, um dann doch gestärkt in den Rest der Woche zu starten. So liegt ein recht fleißiges Wochenende fast hinter uns, an dem wir viel in Haus und ein wenig im Garten (eigentlich war es ja viel zu kalt und zu naß, um sich draußen aufzuhalten) herumgewurschtelt, ausgemistet, aufgeräumt und neu sortiert haben. Auch meine ToDo-Liste habe ich nach dieser Woche wieder besser im Griff. Im Moment sind die Kinder mit Richard im Schwimmbad, bevor wir heute Nachmittag dann in die vorerst letzte Aufräumrunde starten. Irgendwie ging mir in den letzten Tagen der Satz „Alles neu macht der Mai.“ nicht aus dem Kopf. Es ist ein schönes Gefühl, Haus und Garten für den hoffentlich bald nahenden Frühling und Sommer vorzubereiten. So halte ich, wie jeden Sonntag, einen Moment inne und bin diesmal dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Langsam aber stetig bekommt Nadeschda die Schule für sich immer besser in den Griff. Der Unterricht scheint sie weniger anzustrengen, zumindest im Moment. Sie blendet weniger den Schulalltag Zuhause aus. Auch das tägliche Üben ist ihr wieder in Fleisch und Blut übergegangen. Gestern Abend hat sie sogar selbst Rechenblätter für sich – und auch für uns alle in der Familie – zum heutigen Üben vorbereitet. Fünfmal kopiert liegen sie hier neben mir auf dem Tisch und warten auf die „Familienübstunde.“
  2. Maxim wird immer selbstständiger, und nun muss ich als Über- und Helikoptermutter anfangen, mich zurückzunehmen. Sein zunehmend genervtes „Ja, ja Mama, ich mach das schon.“ zeigt mir, dass wir allmählich an den Punkt kommen, an dem ich manche Dinge loslassen muss.
  3. Ich komme wieder in eine bessere Selbstfürsorge. Nachdem mir mein Rücken wieder üble Streiche gespielt hat, habe ich die Beschwerden mit viel Laufen und Gymnastik in der vergangenen Woche ganz gut in den Griff bekommen. Ungeachtet dessen habe ich dennoch einen Termin beim Physiotherapeuten gemacht. Ebenso lebt mein „Projekt der 100 Seiten“ wieder auf. Lesen ist einfach eine wunderbare Art, herunterzukommen, sich eine kurze Pause zu gönnen und abzutauchen in eine andere Welt. Gerade habe ich „Eine Straße in Moskau“ von Michail Ossorgin beendet, ein wunderbares Buch, das einen mitnimmt in das Moskau kurz vor und nach der Revolution. Natürlich war es erst recht spannend zu lesen, nachdem ich in Moskau die Originalplätze gesehen hatte.

Habt einen wunderbaren Sonntag, der eigentlich zum gemütlichen Verweilen Zuhause einlädt, und startet gut und gesund in die neue Woche.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (132)

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Photo by Kelly Sikkema on unsplash.com

Diese Woche war geprägt von der Suche nach einer neuen Routine für mich, in der ich den Themen und Dingen, die mir wichtig sind, mehr Raum geben kann. Ich habe endlich wieder an meinem Buchprojekt arbeiten können und bin ein gutes Stück voran gekommen. Das tat gut. Langsam entspannt sich auch die Anzahl der Arzt- und Therapietermine, so dass auch die Nachmittage mit Maxim und Nadeschda etwas ruhiger verliefen und mehr Zeit zum Spielen und Sein blieb. So bin ich an diesem Sonntag Morgen für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Wahrer geschwisterlicher Zusammenhalt: Es stellte sich heraus, dass Maxim über Wochen vergessen hatte, zu Texten in seiner Lektüre-Epoche die passenden Bilder zu malen. So musste er von einem auf den anderen Tag ganze zwölf Bilder malen. Eigentlich war er an dem Nachmittag noch mit einem Freund verabredet. Ich hatte ihm gesagt, dass er erst die Verabredung wahrnehmen kann, wenn er die Bilder gemalt und die Polizeistation, die ohnehin schon seit Wochen nur noch in Bruch- und Einzelteilen in seinem Zimmer herumflog, aufgeräumt hatte. Als Nadeschda mit ihren eigenen Hausaufgaben und Üben schon fertig war, fragte sie ihren Bruder, ob sie ihm helfen könne. Das Bildermalen musste er schon selbst machen, aber meine Tochter räumte doch dann tatsächlich das Zimmer ihres großen Bruders auf….
  2. Kinderkomplimente: Auch wenn ich verflucht habe, mehr als geplant auch in dieser abgelaufenen Woche für erkrankte Kolleginnen einspringen zu müssen, ging mir doch das Herz auf, als fünf  Kinder am Freitag zu mir kamen und sagten: „Du bist wirklich die beste Lehrerin an dieser Schule!“
  3. Und auch für etwas mehr Selbstfürsorge blieb dennoch Zeit. Ich bin wieder Laufen gegangen. Ich nutze nun die Abendstunden und widme mich wieder meinem 100 Seiten-Lesen-Projekt. Zugegeben, ich habe etwas geschummelt, denn nach zwei russischen Romanen brauche ich mal etwas anderes: Harper Lee „Wer die Nachtigall stört“ als Graphic Novel, inspiriert von „Lesen… in vollen Zügen“.

Habt einen wunderbaren Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (129)

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Photo by Leigh Kendell on unsplash.com

Wo geht sie hin die Zeit? Schon wieder ist eine Woche vergangen. Voll war sie und auch ereignisreich, zudem setzten mich Kopfschmerzen für mehr als das übliche Tagesgeschäft zeitweise außer Gefecht. Zunehmend mehr zu arbeiten ist zwar auf der einen Seite erfüllend, aber auf der anderen Seite müssen auch andere Dinge, wie auch dieser Blog zurückstecken, wenn es dicht wird. Das liegt aber auch daran, dass ich mittlerweile versuche, mich wirklich ein wenig mehr um mich zu kümmern. Wenn die Kopfschmerzen mich quälen, dann drücke ich sie nicht gleich mit Tabletten weg, sondern lege mich erst einmal hin. Wenn mein Rücken zickt, dann gehe ich erst einmal laufen. Endlich wieder, und inzwischen bin ich fast über den kritischen Zeitpunkt hinaus, es wieder fallen zu lassen. Das Laufen tut gut, in vielerlei Hinsicht. Es macht den Kopf frei, ich habe die besten Einfälle für meinen Unterricht, ich habe die besten Ideen für andere Artikel, die ich über diesen Blog hinaus schreibe. Danach fühle ich mich wach und ausgeglichen. Und schließlich bleibe ich bei meinem Vorhaben, jeden Tag 100 Seiten zu lesen. Die schaffe ich nicht immer, aber im Schnitt lese ich mindestens eine bis zwei Stunden am Tag. Das macht mich zufrieden.

So bleiben aber denn viele Texte für diesen Blog vorerst in meinem Kopf, müssen noch warten auf den richtigen Moment. Aber so ist es nun einmal in diesen Wochen. Doch ich weiß, es werden wieder andere folgen.

Nun sitze ich an diesem Sonntag Morgen wieder einmal in einem stillen, noch schlafenden Haus und bin dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Vor allem bin ich an diesem Sonntag dankbar, dass Nadeschda nichts ernsthaftes passiert ist: Am Freitag morgen ist sie plötzlich ohnmächtig geworden, sackte im Bad einfach zusammen. Gefühlt dauerte es eine Ewigkeit, bis sie wieder da war, aber wahrscheinlich waren es nur wenige Minuten. Davor hatte sie sich geschnitten und nachdem sie sich selbst das Pflaster auf die Wunde geklebt hatte, kippte sie um. Nadeschda wollte partout nicht zum Arzt gehen (was wir dann aber dennoch getan haben). „Mama, ich hab doch nur Sternchen gesehen, als ich mein Blut sah. Und dann musste ich einfach ein wenig schlafen.“ Der Arzt bestätigte, dass alles in Ordnung ist und erzählte uns, dass es recht häufig bei Kindern vorkommt, dass sie ohnmächtig werden, wenn sie ihr eigenes Blut sehen und sich das Pflaster selbst auf die Wunde kleben. Ich werde das dann wohl erst einmal nicht mehr zulassen und selbst das Pflaster draufkleben. Doch hallt auch ein wenig die Angst vor dem „Gespenst“, mit dem wir bei Maxim konfrontiert waren, nach, auch wenn die Dankbarkeit, dass bei Nadeschda der Auslöser der Ohnmacht ein ganz gewöhnlicher war, überwiegt.
  2. Nadeschda’s Ohnmacht brachte uns auch dazu, jetzt einfach einmal für ein paar Tage auf die Bremse zu treten. Wir haben um Fasching nun ein langes Wochenende und vier Tage frei. Ich fühlte mich schon wieder versucht, mir für jeden Tag ganz viel vorzunehmen. Doch nach dem Zwischenfall am Freitag morgen, bei dem wahrscheinlich nicht nur Nadeschda’s Angst vor Blut der Auslöser war, sondern einfach auch die Anstrengung und Aufregung um Fasching in den vergangenen Tagen, zeigte mir, dass es einmal wieder Zeit war, inne zu halten, langsam zu machen, und zur Ruhe zu kommen. Das versuchen wir nun. Wir haben bisher lange geschlafen, viel gelesen und einfach nur zuhause ein wenig herumgewerkelt. Und es war großartig. Gestern Nachmittag kam eine befreundete Mutter aus der Schule, um einen Freund von Maxim zum Spielen zu bringen. Sie blieb auf einen Kaffee, und dann zwei… Beim zweiten fragte sie: „Ich hoffe, ich halte Dich von nichts ab.“ Und es war ein schönes Gefühl zu sagen: „Nein. Ich habe nichts vor.“
  3. Große Freude bereitet mir Maxim, der zur Zeit in der Schule einen wunderbaren Lauf hat. Auch das tägliche Üben läuft recht gut in den letzten Wochen, wenn er auch gerne zwischen drin die Zeit nutzt und andere Dinge tut, die ihm mehr liegen, so wie gestern, als er anstatt zu rechnen, doch lieber an der Deutschlektüre für die Schule weitergearbeitet hat, auch wenn das gar nicht die Aufgabe war. Aber egal, er hat ja nicht herumgeträumt, sondern lieber an einem Thema gearbeitet, dass ihm mehr Spass macht. Das kann ich auch gut verstehen, und freue mich über die drei „Sternchen“, die er wieder einmal bekommen hat.

Habt einen zauberhaften Faschingssonntag und eine närrische und erfüllte Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (124)

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Mit freundlicher Unterstützung von Pixabay

Wie verwegen: Richard und ich waren zum ersten Mal in all den Jahren über Nacht alleine – ohne Maxim und Nadeschda – verreist und das auch gleich mehrere hundert Kilometer von Zuhause entfernt. Für gute 24 Stunden flogen wir nach Hamburg, genossen die Elbphilharmonie und den Hafen. Es war kurz, aber dafür wunderschön. Maxim und Nadeschda wurden derweil von unserer Kinderfrau und ihrem Onkel versorgt. Sie hatten ihren Spaß, und ich bin froh, dass sie die Zeit ohne uns gut überstanden haben. Ja, sie werden nun immer größer und brauchen uns allmählich immer weniger. Es tut gut, auch einmal wieder Zeit als Paar alleine zu verbringen. Vielleicht ist es ein Auftakt, nach einem anstrengenden vergangenen Jahr, nun wieder Kräfte zu sammeln und etwas mehr Selbstfürsorge – in jeder Hinsicht – zu betreiben. Und so bin ich an diesem Sonntag Morgen für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Ich habe meinen inneren Schweinehund einmal wieder überwunden und habe seit einer Woche nun wieder das Laufen begonnen. Noch muss sich beweisen, ob ich das durchhalte. Drei bis vier Wochen muss ich dranbleiben, bis es zur Routine wird. Aber ein Anfang ist gemacht.
  2. Ich bin froh, dass ich mein 100 Seiten Lesen – Projekt bisher in unserem Alltag aufrecht erhalten kann. (Auch wenn es nicht immer 100 Seiten sind, so doch meist mehr als 50.) Ja, es ist weniger Unterhaltungsliteratur, sondern gerade wieder sehr viel Fachliteratur. Aber der Input tut gut, und das Fachwissen zu verfestigen, erweitert auch irgendwie den Horizont. Vor allem ans Herz legen möchte ich Euch „Help for Billy“ von Heather Forbes. Sehr eingängig schildert sie das Lernverhalten von traumatisierten Kindern in der Schule und die erforderlichen Anpassungen, die Lehrer im Umgang mit diesen Kindern vornehmen sollten. Selten habe ich ein so klar formuliertes Buch in den Händen gehalten.
  3.  Nach den Ferien ist vor den Ferien: An meinen freien Abenden widme ich mich nun der Reiseplanung für Maxims und meinen Besuch in Moskau im Frühjahr. Das macht einmal wieder ungemein Spaß. Es tut gut, neue Dinge zu entdecken und die Vorfreude auf neuen Eindrücke und Impulse zu genießen.

Habt einen erholsamen Sonntag und startet gut und wohlbehalten in die kommende Woche.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (122)

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Photo by Michal Prucha on unsplash.com

Wohlbehalten sind wir gestern Nacht aus den Schweizer Bergen zurückgekehrt. Auf mich warten nun gefühlt 10 Waschmaschinenladungen Wäsche, die noch heute vor dem Schulanfang morgen gewaschen werden wollen. Und müssen. Denn der Kleiderschrank meiner Kinder reicht nun leider nur für eine Woche. Insofern herrscht dort gerade gähnende Leere. Ich könnte sie jetzt gar nicht zum Anziehen treiben. Denn da ist nicht wirklich etwas außer ein paar kurzen Hosen und Sommerkleidchen – die nicht wirklich zu den aktuellen Temperaturen passen. Während also meine Waschmaschine ihren ersten Dienst tut und der Rest des Hauses noch schläft, sitze ich nun hier und denke in Dankbarkeit an diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Die Zeit, die wir in der vergangenen Woche als Familie verbracht haben. Vor allem das gemeinsame Rodeln war großartig! Ich bin so froh, dass Nadeschda ihre Angst nach dem Lawinenurlaub im vergangenen Jahr, nachdem sie ja auf keinen Berg mehr hinauf wollte, überwunden hat, und mit uns hochgefahren ist, um dann mit dem Schlitten 5 Kilometer ins Tal zu „rasen“… Genauso wie unsere Spieleabende. Solange Maxim die „Bank“ war und damit der Chef, ging das wunderbar.
  2. Schlittschuhlaufen mit beiden Kindern.Wir haben es tatsächlich geschafft: Wir waren Schlittschuhlaufen! Mehrmals! Und es war zauberhaft!
  3. Dennoch recht viel Zeit zum Lesen und für mich zu haben. Ich bin einfach früh aufgestanden und habe die frühen Morgenstunden für mich genutzt. Auch wenn es eher berufliche Lektüre war, aber dennoch, so fühle ich mich immerhin gut vorbereitet auf meine nun in der kommenden Woche startende Theaterproduktion an der Schule und mein Buchprojekt, das nun in den kommenden Wochen ebenso in Angriff genommen werden muss. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich „Meister und Margarita“ erst einmal wieder zur Seite gelegt habe.  Es brachte mir dann nicht die gewünschte Ablenkung und Entspannung, neben all der Fachliteratur zu Traumatisierung und ähnlichem. Stattdessen begleitete mich „Altes Land“ von Dörte Hansen. Das hatte ich einfach mal gekauft, als ich auf Richard am Flughafen wartete, und niemals zu Ende gelesen. Nun war es dann dran. Da es ein Taschenbuch war, packte ich es einfach noch mit ein. Durch Zufall. Oder Intuition. Egal. Gelohnt hat es sich, auf jeden Fall.

Habt einen erholsamen und ruhigen Sonntag und startet wohlbehalten in die neue Woche.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (120)

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Photo by Paul Green on unsplash.com

Es war Weihnachten und daher ruhig auf diesem Blog. Nicht weil es mir an Themen mangelt, sondern weil ich mich bewusst dazu entschieden habe, diese besondere Zeit zwischen den Jahren meiner Familie und mir zu widmen. Schön und erholsam waren die Tage.

In den frühen Morgenstunden, wenn alle anderen noch schliefen, habe ich gelesen. Maxim Biller“s „Sechs Koffer“ habe ich endlich beendet, genauso wie Melanie Raabe’s „Der Schatten“. Beide mehr als lesenswert. Jetzt wartet Michail Bulgakov’s „Meister und Margarita“ in der Neuübersetzung von Alexander Nutzberg auf mich. Ich fliege ja mit Maxim im Frühjahr nach Moskau. Zeit sich vorzubereiten. Auch literarisch… Manchmal kam Maxim morgens verschlafen ins Wohnzimmer getapst, wo ich in meinem Sessel saß und las. Meist gesellte er sich mit einem seiner Bücher zu mir und las ebenso. Neben diesen stillen Momenten habe ich das getan, was ich oft zwischen den Jahren tue: Umräumen, ausmisten, neu gestalten. Das tat gut. War irgendwie befreiend, und wenn auch nicht viel weg gekommen ist, so doch zumindest die alten Wollmäuse, die schon seit langem hinter den nicht vorgerückten Regalen und Schränken ihr Dasein fristeten.

Bevor nun mein Sohn mit einem erneuten: „Mama, was machst Du da…?“ zu mir aus dem Wohnzimmer getroddelt kommt, denke ich an diesem letzten Sonntag in diesem Jahr an all die Dinge, für die ich nach diesem doch sehr sorgenvollen und manchmal schmerzhaften Jahr dankbar bin.  Aus den vielen Gedanken, die mir gerade dabei durch den Kopf gehen, sind dies meine heutigen drei Sonntagslieblinge:

  1. Ich bin so unendlich dankbar für meine beiden Kinder! Immer wieder und wieder! Dieses Jahr mit all seine Sorgen hat mir gezeigt, dass ich sie niemals missen möchte. Niemals!!! Erst vor ein paar Tagen habe ich mir ganz lieben Freunden zusammen gesessen, die ebenso ein Kind aus Russland adoptiert haben. Wir kamen irgendwie im Gespräch auf die Frage, ob wir heute wissend ob all der Schwierigkeiten und Herausforderungen noch einmal adoptieren würden. Und wir alle bejahten diese Frage ganz vehement. Ja, es ist schwierig und es ist herausfordernd, und es kostet mit all den Sorgen, die man sich macht, so viel Kraft. Vielleicht mehr Kraft als mit leiblichen Kindern. Doch auf der anderen Seite haben mir selbst unser zwei Kinder so viel gegeben. Erst vor ein paar Tagen stellte Richard so treffend fest: „Was für eine Entwicklung Du mit diesen zwei Kindern gemacht hast…“ Ja, und welchen Weg ich gegangen bin…. Das hätte ich mir nicht in meinen kühnsten Träumen ausmalen können.
  2. Viel zu selten machen Richard und ich uns bewusst, dass wir genauso dankbar sein können für unsere Zuhause, unsere kleine Familie und die wohlbehüteten Umstände, in denen wir leben, die uns viele andere Sorgen und Nöte ersparen, und uns auch die Freiheit geben, genau diesen Weg mit unseren Kindern zu gehen.
  3. Dankbar bin ich in diesen Tagen für unsere Freunde, die uns auch in schwierigen Zeiten die Stange gehalten haben, die für uns da waren, auch wenn wir nicht immer die besten Kontaktpfleger waren und sind. Wie stellte einer von ihnen an Weihnachten so schön fest: „Es ist doch egal, wie oft man sich sieht und wie oft man miteinander spricht. Die Hauptsache ist doch, dass man für einander da ist, in den Momenten, in denen es darauf ankommt.“

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein großartiges Silvesterfest und einen wohlbehaltenen und gesunden Start in das neue Jahr! Möge es für Euch vieles bereit halten, was Ihr Euch erhofft und wünscht.