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18. April -Erkenntnisse zum Muttersein

Silhouette of Mother and Young Children Holding Hands at Sunset

Die Zugfahrt in den Schwarzwald ähnelte einer Odyssee. Wir schienen niemals an unserem Ziel anzukommen. Aber ich war begeistert, wie gelassen meine Kinder dies über sich ergehen ließen. In Karlsruhe fuhr uns unser Anschlusszug vor der Nase weg. Selbst Maxim entfuhr ein: „Mist, Mama.“ – Seine sprachliche Aufholjagd macht in unserer vertrauten Umgebung vor nichts Halt. Stattdessen werden alle Worte, die er in seiner Umgebung aufschnappt, sofort verarbeitet und in den eigenen Wortschatz aufgenommen. – Also zuckelten wir fast zwei Stunden mit einer S-Bahn in den nördlichen Schwarzwald. Die vier Tage bei Nils und Rieke ließen die Strapazen der Anreise jedoch schnell wieder vergessen. Überraschend war, wie schnell unsere drei Kinder wieder begannen zusammen zu spielen. Als wäre da ein unsichtbares Band und eine stille Übereinkunft, die sie miteinander verband. Auch ich fühlte mich schnell Zuhause, denn es war bei Nils und Rieke alles so unkompliziert. Im Gegensatz zu mir ließen sie die Uhr gedanklich in ihrem Kopf ausgeschaltet und wir lebten so in den Tag hinein. Hinzukam, dass Nils gerade seine Elternzeit begonnen hatte, und Rieke während unseres Besuchs nicht arbeiten musste, so dass bis zu Richards Ankunft drei Erwachsene für drei Kinder da waren. Ich musste mir keine Gedanken machen. Zum ersten Mal seit Wochen konnte ich mich richtig entspannen.

Während wir uns am ersten Nachmittag noch im Regen auf dem Spielplatz rumdrückten und bald durchnässt die Segel strichen, wurden wir am nächsten Tag mit strahlendem Sonnenschein beschenkt. Wir nutzten das schöne frühlingshafte Wetter und fuhren in den Zoo. Immer noch freute ich mich zu beobachten, wie sich meine Kinder gefühlte Stunden für ein einziges Tier begeistern konnten. Pinguine und Eisbären wurden ewig verfolgt, Affen und Elefanten lange kritisch begutachtet, Ziegen im Streichelgehege ausdauernd gestreichelt, am Schwanz gezogen und mit Bürsten gestriegelt. Immer wenn ich das sah, musste ich daran denken, wie Nadeschda einmal im Streichelgehege unseres Zoos von zwei Ziegen attackiert worden war, weil sie noch ein Brötchen in der Hand hatte – als sie das noch essen durfte. Mir kam es nun jedes Mal so vor, wenn sie die Ziegen quälte, als wollte sie sich insgeheim an ihnen für diesen Vorfall rächen. Alle Ziegen, egal in welchem Zoo, hatten es seitdem nicht anders verdient, als von Nadeschda malträtiert zu werden.

Währenddessen blieb Rieke und mir viel Zeit zum Reden. Wir teilten das Glück, das wir mit unseren Kindern hatten. Wir wurden uns gewahr, das wir doppelt beschenkt worden waren, denn unsere Kinder hatten sich alle drei bisher gut entwickelt, medizinische Diagnosen aus Russland hatten sich nicht bewahrheitet oder neue medizinische Herausforderungen, wie Nadeschdas Zöliakie, waren im Alltag nach einer geraumen Zeit zur Normalität geworden. Wir waren dankbar für den Weg, den uns das Schicksal hatte gehen lassen. Dennoch wussten wir beide inzwischen, das unser jeweiliges Familienleben nicht normal war. Es schien nach außen so gewöhnlich, die Entwicklung unserer Kinder so großartig. Welche Anstrengungen und emotionalen Achterbahnfahrten wir aber hinter unseren Haustüren manchmal fuhren, das erkannte und verstand kaum jemand draußen. Das musste auch nicht sein. Es erklärte mir nur so schön, warum ich mich oft so einsam fühlte. Ich war anders als die Mütter leiblicher Kinder und würde es auch immer bleiben. Letztendlich forderten meine Kinder eine andere Mutter. Maxim und Nadeschda waren zwei Kinder, die in ihren ersten Lebensjahren in widrigen Umständen um ihr Überleben gekämpft hatten, bedingungslose und fürsorgende Mutterliebe hatte ihnen gefehlt. Um so mehr war ihre Entwicklung zu gesunden, starken Kindern keine Selbstverständlichkeit. Sie entsprach damit nicht den Standardmaßstäben einer normalen Kindesentwicklung. Wir durften dies als ihre späten Eltern weder erwarten, noch so bewerten. Vielmehr war jeder einzelne Entwicklungsschritt, und wenn er auch noch so klein war, ein Wunder und ein großes Geschenk. Dessen musste ich mir als Mutter immer bewusst sein.

Zudem funktionierte die in vielen Ratgebern zementierte Erziehungskunst leiblicher Kinder nicht bei Kindern, die früh ihre leibliche Mutter verloren hatten und in einem Heim viel zu früh auf sich selbst gestellt waren. Bestrafen und Belohnen zum Beispiel zeigten keine Wirkung oder berührten im Gegenteil alte seelische Verletzungen und provozierten damit einen erneuten Überlebenskampf. Ein Adoptivkind vor dem Einschlafen alleine zu lassen, damit es lernt, auch ohne die Mutter zu schlafen, weckte vielmehr alte Verlassensängste. Auch hier musste ich als Mutter andere Wege finden, mit meinen Kindern umzugehen. Da ich beide Kinder nicht in meinem Bauch unter meinem Herzen getragen hatte, mussten wir auf eine andere Art unsere Beziehung und Bindung aufbauen und festigen, als das Mütter von leiblichen Kindern taten. Das Urvertrauen meiner Kinder war früh zerstört worden. Warum sollten sie einfach so einer neuen Mutter ihr Vertrauen schenken? In vielen kleinen Schritten mussten Maxim und Nadeschda lernen, dass sie sich auf mich verlassen konnten, dass ich immer für sie da war, dass ich sie nicht alleine lassen würde, dass sie keine Verantwortung mehr für ihr Leben übernehmen mussten. Ich musste ihnen im Umkehrschluss zeigen und beweisen, dass ich ihr Vertrauen wert war. Es erforderte somit einen so achtsamen und behutsamen Umgang mit diesen beiden Kindern. Erst in ein paar Jahren würde ich vielleicht spüren, dass wir eine unumstößliche Mutter-Kind Beziehung aufgebaut und entwickelt hatten.

Irgendwann, ich glaube es war vor dem Gehege der Flamingos, war es mir klar: Ich hatte neun Monate damit gerungen, eine normale Familie zu haben und eine ganz normale Mutter zu sein. Doch die war ich nicht, und die würde ich auch nie sein. Ich sollte aufhören, es werden zu wollen. Die Geschichte und die Herkunft meiner Kinder, und vor allem der Weg, den wir alle vier gegangen waren, um heute als Familie zusammenleben zu dürfen, war kein gewöhnlicher gewesen. Richard und ich waren anders Eltern geworden. Nadeschda und Maxim waren anders unsere Kinder geworden. Damit würden wir immer anders Eltern, und vor allem anders eine Familie sein. Dies ergab sich zwangsläufig aus dem Weg der Adoption, vor allem aus der Adoption von zwei Kindern, die bereits ein Leben vor uns gelebt hatten, ihr Päckchen mitbekommen hatten und nicht aus dem Kreißsaal direkt zu uns gekommen waren.

Die schwierigen Rahmenbedingungen, die Richard und ich in den letzten Monaten erfahren hatten, brachten uns unseren Kindern noch näher. Renates Tod und der Bruch mit meinem Vater und die damit verbundene Trauer ließen uns nur erahnen, welchen Schmerz Maxim und Nadeschda bereits in ihren frühen Lebensjahren hatten erfahren müssen. Mit dem Tod von Renate hatte Richard seine Mutter verloren, wie auch unsere Kinder ihre erste Mutter verloren hatten. Mit dem Bruch von meinem Vater war ich an den Schmerz meiner eigenen Kindheitserfahrungen gelangt. Nicht geliebt zu werden, für das was ich war, sondern allein dafür, was ich tat und erreichte, zeigte das Defizit an bedingungsloser Elternliebe. Diese hatte ich nicht erfahren, weder durch meinen Vater, noch durch meine Mutter. Bis zum heutigen Tag waren beide nicht in der Lage, emphatisch Anteil an meinem Leben zu nehmen, auch wenn ich dies gerade wieder in den letzten Wochen gebraucht hätte. Auch meine Kinder hatten diese bedingungslose Elternliebe in ihren ersten Lebensjahren entbehren müssen, anders und sicherlich noch um vieles schmerzlicher. Das Schicksal hatte uns zusammengebracht, und wir vier hatten in uns gegenseitig unsere Lehrmeister gefunden. Es hing jetzt nur von uns allein ab, was wir daraus machten. Ja, wir waren anders. Es war an der Zeit, dies endlich zu akzeptieren und unseren eigenen Weg zu gehen. Ich würde für mich selbst definieren müssen, wie ich meinen Kindern eine gute Mutter sein kann. Ich müsste mich befreien von sozialen Konventionen,alten Rollenmodellen und letztendlich von den eigenen Kindheitsverletzungen. Dies könnte der Schlüssel sein, meine innere emotionale Schraube der Unzulänglichkeit zu stoppen. Für einen Moment spürte ich die Euphorie in mir, die ein solcher Neuanfang in sich barg.

 

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9. April – Innehalten (Teil 2) – Neue Mutterrolle?

Seitdem Renate vor einer Woche gestorben ist, haben meine Prioritäten begonnen sich zu verschieben. Der Schicksalsschlag des Todes relativiert viele Themen in meinem Leben und sortiert sie für mich neu. Meine inneren Ressourcen sind sehr begrenzt. Ich muss mir gut überlegen, für wen ich sie einsetze. Maxim und Nadeschda sind der Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben. Alle Kraft, die ich habe, gilt meinen beiden Kindern und meinem Mann. Danach kommt erst einmal lange nichts.

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Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem ich die Chance habe, meine eigene Mutterrolle zu überdenken und für mich klar zu definieren. Mit ihrem Tod hat Renate sich einen langen leidvollen Weg erspart. Sie hat ihn aber auch Richard und mir erspart. Denn wir waren uns bewusst, dass die Monate der Chemotherapie und Bestrahlung nicht leicht geworden wären, sondern vielmehr eine erneute Belastung für uns alle dargestellt hätten. Ungeachtet dessen, wie sich ihr Leben danach weiter entwickelt hätte. Ob sie vollständig hätte genesen können, ihr Leben wieder selbstständig ohne Betreuung führen können, hatte immer in den Sternen gestanden. All das hätte Richard und mich viel Kraft und Energie gekostet. Kraft und Energie, die wir jetzt für uns neu nutzen können. Mein Vater und seine Frau haben mit ihrem Verhalten auf der anderen Seite mich noch einmal an den Punkt gebracht, meine eigene Kindheit kritisch anzuschauen und mich bewusst mit meinen eigenen Erwartungen an eine erfüllte Elternrolle auseinanderzusetzen. Er, meine Stiefmutter und selbst meine Mutter haben mir in den ersten Monaten mit unseren Kindern deutlich gezeigt, wie ich nicht sein will. Und ich will auch diesen alten Ballast nicht mehr mit mir herumtragen. Es ist an der Zeit, loszulassen und meinen eigenen Weg als Mutter zu gehen.

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12. Januar – Suche nach meiner Mutterrolle

Noch immer suche ich nach einer Antwort auf die mich ständig quälende Frage, wie und ob ich eine gute Mutter sein kann. Gerade im Rückblick auf den Besuch meiner eigenen Mutter, die mir wenn überhaupt nur ein negatives Vorbild sein kann.

Maxim hatte heute nachmittag seine erste Turnstunde. Wir Mütter schauten von der  Tribüne der Sporthalle zu, unsere Kinder sollten alleine mit der Trainerin turnen. Während Nadeschda und ich an der Ballustrade saßen, hatten sich die anderen Mütter etwas abseits gesetzt. Viele kannten sich aus Geburtsvorbereitungskursen, Rückbildungsgymnastik und dem Kindergarten. Zwei von ihnen waren mit dem zweiten Kind schwanger. Damit war klar, dass sich ihre Gespräche schnell um Geburt, Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Wassereinlagerungen, Stillen und postnatale Depressionen drehten. Überraschend wenig ging es um ihre Kinder, die unten in der Halle turnten. Saß ich physisch schon abseits von ihnen, fühlte ich mich auch schnell anders.

Ich konnte zu diesen Gesprächen wenig beitragen. Meine eigene „Geburtsgeschichte“ war eine andere. Diese wollte ich aber nicht mit ihnen teilen. Ich musste nicht jedem auf die Nase binden, dass wir Maxim und Nadeschda adoptiert hatten. Über die Wochen und Monate war in mir das Bewusstsein gewachsen, dass wir dies nur dort wo nötig erzählten, und wir es weitestgehend Maxim und Nadeschda später überlassen wollten, wann sie selbst wen über ihre Adoption informierten. Mit der Zeit war ich gelassener geworden und hatte gelernt, manchmal einfach den Mund zu halten. Ich musste uns und unsere Familie nicht jedem erklären. Bei einem Kindergartenfest vor Weihnachten hatte mich eine der Mütter aus Maxims Kindergartengruppe gefragt: „Die tollen blauen Augen hat er aber nicht von Dir. Die hat er dann wohl von seinem Vater.“ „Möglich.“ hatte ich nur geantwortet und gelächelt. Es war ja noch nicht einmal gelogen, denn möglicherweise hatte Maxim tatsächlich seine beeindruckenden blauen Augen von seinem leiblichen Vater.

Während ich diesen Müttern in der Turnhalle weiter zuhörte, war ich froh, dass mir das physische Geburtserlebnis erspart geblieben war. Frappierend fand ich vor allem, dass noch drei bis vier Jahre nach den Geburten ihrer Kinder die Erinnerungen so frustrierend, ja fast traumatisch anmuteten, dass es sie jetzt immer noch so sehr beschäftigte. Oder war es, dass es das einzige Thema war, dass sie miteinander verband? Je länger ich ihnen zuhörte, um so fremder wurden mir diese Mütter. Nicht, dass sie alle im Schnitt fünf bis zehn Jahre jünger waren, dass sie einen anderen Hintergrund und Werdegang hinter sich hatten, nein, sie hatten vor allem ein anderes Bewusstsein ihren Kindern gegenüber. Sie nahmen sie für selbstverständlich. Sie hatten ihre Kinder bekommen, weil es dazugehört, weil irgendwann der Kinderwunsch da ist und sich leicht erfüllt, oder die Schwangerschaften sich einstellten, ohne dass sie vorher darüber nachgedacht hatten. Jetzt waren die Kinder da, und die Mütter fügten sich in ihre Mutterrollen, ohne sich dessen bewusst zu sein, welches Geschenk ihnen gemacht worden war. Wir hingegen hatten hart für die Erfüllung unseres Kinderwunsches kämpfen müssen. Für uns war unsere kleine Familie keine Selbstverständlichkeit, zumal wir immer noch jeden Tag daran arbeiteten, eine wirkliche Familie zu werden. Gegenüber unseren Kindern haben wir eine verdammt große Verantwortung übernommen. Wir haben Maxim und Nadeschda einen Teil ihrer Herkunft und ihrer Wurzeln genommen, damit wir eine Familie werden können. Auch wenn unsere Kinder noch klein sind, so haben sie im Gegensatz zu all diesen Kindern, die da unten in der Halle mit Maxim turnten, schon so viel erlebt, zu viel erlebt, als dass es eine Kinderseele in diesem Alter überhaupt ertragen und verkraften kann. Sie haben schon Erfahrungen machen müssen, die nichts mit einer behüteten Kindheit zu tun hatten: Sie wurden in Armut geboren, sie hatten ihre leibliche Mutter verloren und ein Jahr in einem russischen Kinderheim gelebt. Das hat Spuren hinterlassen. Dieses Päckchen an Lebenserfahrung bringen sie mit und werden es ihr Leben lang tragen müssen. Genauso wie Richard und ich unsere Geschichte haben. Das ist nicht „normal“. Das ist anders. Wir sind anders.

Im Hintergrund plätscherten immer noch die giggeligen Gespräche über Start- und Zielgewichte bei ihren Schwangerschaften. Meine Gedanken kreisten um meine eigene „Geburtsgeschichte“ mit Maxim und Nadeschda. Weder die erste Begegnung mit ihnen im Heim, noch das Abholen und unsere Ankunft in Deutschland fühlten sich wie ein euphorisierendes Geburtserlebnis an. Viele Adoptivmütter beschreiben zwar diese ersten Begegnungen mit ihren Kindern oder das Abholen aus dem Heim als ein der Geburt gleichzusetzendes Ereignis und in vielen Fällen mag das auch so sein.

Doch wohlmöglich aufgrund der Begebenheiten, die unseren Adoptionsprozess begleitet hatten, fehlte uns diese Romantik. Ich fragte mich, wie sich ohne dieses romantische Gefühl eine Bindung zu meinen Kindern entwickelt hatte. Hatte ich eine innige Bindung zu Maxim und Nadeschda aufbauen können, ohne das Erlebnis der Geburt oder ein vergleichsweise intensiv emotionales Erlebnis? Glück fühlte sich anders an, hatte ich in der ersten gemeinsamen Nacht im Moskauer Hotel geschrieben. Wann ich zum ersten Mal bewusst das Gefühl hatte, das sind MEINE Kinder, kann ich gar nicht mehr sagen. Heute in dieser Turnhalle dachte ich, dass für mich mit der Ankunft von Maxim und Nadeschda erst ein Prozess begonnen hatte, in dessen Verlauf ich mich langsam zu einer Mutter entwickelte. Die Gefühle zu meinen Kindern wuchsen mit jedem Tag langsam aber stetig, so wie ich mich immer mehr in meiner neuen Rolle und in meinem neuen Leben als Mutter zurechtfand, dort aber noch lange nicht angekommen war. Die Bindung zu meinen Kindern hatte über die vergangenen Monate begonnen sich Stück für Stück zu entwickeln und zu wachsen, genauso wie die Bindung von meinen Kindern zu mir. Nadeschda schien es in ihrem kleinkindlichen Verhalten leicht zu fallen, Zuneigung zu zeigen und anzunehmen. Oft war sie sehr anhänglich, sehr kuschelig und auf viel Körperkontakt aus. Maxim hingegen war mit seinen drei Jahren sehr autonom. Unmittelbare Gesten der Zuneigung waren bei ihm selten: Abschiedsküsse im Kindergarten, seine Freude, wenn wir ihn mittags dort wieder abholten, manchmal legte er abends den Arm um meinen Hals beim Gute Nacht sagen und hielt meine Hand fest, bis er eingeschlafen war. Oder er kam unvermittelt auf meinen Schoß und wollte wie ein Baby geschaukelt werden. Vorsichtige und zaghafte Signale, die zeigten, dass er sich allmählich auf mich als seine engste Bezugsperson einließ. Ob das bei den Müttern, die nach wie vor in meinem Rücken plauderten, auch so gewesen war? Ich bezweifelte es. Wiederum fühlte ich mich fremd.

Die Turnstunde neigte sich langsam dem Ende zu. Ein letztes Mal ging ich innerlich zurück zur Geschichte unserer Kinder und unserem Entstehungsprozess als Familie. Wir hatten Maxim und Nadeschda nicht gefragt, ob sie bei uns leben wollten und wir ihre Eltern sein durften. Vielleicht quälte mich auch deshalb immer wieder die Frage, ob ich tatsächlich all diesen Anforderungen gerecht werde, die diese Kinder an mich stellen. Ich fühle mich schlecht, wenn ich nicht die Geduld aufbringe, die die Kinder von mir fordern. Ich fühle mich schuldig, wenn ich aus der Haut fahre, wenn ich kein Verständnis für Maxims Tobsuchtsanfälle habe, wenn ich mich nicht mehr unter Kontrolle habe. Jedes Mal wenn ich ihnen weh tue oder laut werde, frage ich mich, ob ich ihren Schmerz nicht größer mache, anstatt ihn zu heilen. Manchmal glaube ich, dass ich der Situation nicht gewachsen bin. Und vor allem, ich fühle mich so verdammt allein.

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30. November – schlechte Muttergefühle

Maxims Wutanfälle halten an, täglich, mehrmals. Kleinste Dinge bringen ihn in Rage. Danach bleibt jedesmal in mir das Gefühl zurück, eine schlechte Mutter zu sein. Zu oft in den vergangenen Tagen. Ich fühle mich unzufrieden, unzulänglich und unglücklich.

Seitdem ich nach Nadeschdas Biopsie meinen Organisationsmodus wieder verlassen habe, spüre ich, wie sehr mich meine Mutterrolle anstrengt und wie sehr ich daran zweifle, diese gut auszufüllen. Die Tobsuchtsanfälle von Maxim nehmen zu. Ich habe immer weniger Geduld, damit gelassen umzugehen, und reagiere nicht immer adäquat. Danach fühle ich mich schlecht und ausgelaugt. Vor allem in der Zeit bis zum Mittagsschlaf nach dem Kindergarten ist es sehr schwierig, mit Maxim umzugehen. Die Szenen, die sich hier am Mittagstisch abspielen, haben wenig von einem glücklichen und harmonischen Familienalltag. So wie heute ist Maxim oft wütend und unzufrieden, kann aber seiner Frustration nur in Wutanfällen Ausdruck verleihen. Meist bin ich das Ziel seiner Übergriffe, doch manchmal lässt er auch seinen Frust und seine Wut, wo auch immer sie herkommen, an seiner kleinen Schwester aus. Egal gegen wen sich sein Zorn richtet und wie er ihn zeigt, ich steige immer wieder auf seine Tanzeinladung ein. Auszusteigen gelingt mir meistens nicht, und danach fühle ich mich nur noch schlechter. Ich zweifle daran, dem Alltag mit diesen zwei Kindern gewachsen zu sein, fühle mich überfordert und allein gelassen.

Auch Richard kann mir nicht helfen, geschweige denn habe ich das Gefühl, dass er mich überhaupt versteht. Zudem bleibt unsere Paarbeziehung ohnehin immer mehr auf der Strecke. Zeit alleine haben wir nicht und nehmen sie uns auch nicht. Immer mehr macht sich bei mir der Eindruck breit, dass ich auch Richards Wünschen und Erwartungen an mich als Ehefrau und Mutter seiner Kinder nicht gerecht werde. Wenn wir als Familie zusammen sind, sind wir alle angespannt und angestrengt. Richards Versuche, mir zu helfen, setzen mich nur noch mehr unter Druck. Oder ich verstehe sie als eine weitere persönliche Kritik. So dreht sich meine Frustrationsschraube immer weiter nach unten. Irgendwie habe ich mir das Muttersein anders vorgestellt.

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7. Oktober – Maxim „rebelliert“

Mit der wachsenden Besorgnis um Nadeschdas Gesundheitszustand nehmen auch Maxims Tobsuchtsanfälle zu. Er will nicht aufs Klo gehen, alleine schon einmal gar nicht und auch in Begleitung nur unter Zwang. Was natürlich nicht funktioniert, denn wie soll er seine Blase entleeren, wenn er sich bocksteif macht und damit schon wieder halb von der Toilette fällt? Dafür geht inzwischen regelmässig das Pipi in die Hose und auch das große Geschäft landet meist mittags oder dann über Nacht in der Windel. Das führt immer wieder zu großen Sauereien, die mich an den Rand meiner Nerven bringen und unserer Waschmaschine den endgültigen Exodus bescheren. Nach zehn Wochen mit täglich mindestens zwei Wäschen hat sie zu Beginn der Woche kapituliert. Zum Glück können wir kurzfristig auf Omas Waschmaschine nebenan ausweichen und die neue Maschine wird morgen geliefert.

Neben dem Toilettenthema lässt Maxim sich nicht die Zähne putzen, er lässt sich nicht waschen und nicht anziehen. Jegliche Routine oder Disziplin münden in einen Tobsuchtsanfall mit häufig lang anhaltenden Weinanfällen. In den Arm lässt er sich nicht nehmen, dann schlägt er auf mich ein und schreit. Den Raum zu verlassen hilft auch nicht mehr, dann schreit er nur noch lauter. Manchmal dauert es bis zu einer Stunde, bis er sich wieder beruhigt. Zum ersten Mal empfinde ich das tägliche Zusammensein mit den Kindern als richtig anstrengend. Und ehrlich gesagt fühle ich mich oft überfordert. Immer mehr habe ich das Gefühl, dass ich vor allem auf Maxims Tobsuchtsanfälle nicht richtig reagiere. Viel zu oft steige ich selbst voll auf sein Drama mit ein. Seitdem ich in meiner ersten Verzweiflung „Survival Tipps für Adoptiveltern“ gelesen habe, weiß ich zumindest, dass ich seinen Tanz nicht mittanzen sollte. Was auch immer sein „Tanz“ in diesem Moment ist? Das kann ich immer noch nicht erkennen. Aber ich sehe seine Einladung deutlich vor mir. Auch wenn ich mich innerlich dagegen auflehne, so steige ich doch immer wieder auf Maxims Aufforderung zum Tanz mit ein. Dann tanzen wir minutenlang, bis ich abrupt abbremse, aussteige und ihn in seiner Wut, in seinem Zorn und in seiner Verzweiflung alleine zurücklassen muss. Auch wenn er dann noch lauter und hilfloser weint, ist das der einzige Weg, diesen Tanz zu beenden. Und mich vor mir selbst und meinem eigenen Kontrollverlust zu schützen.

Irgendwann beruhigt sich Maxim, doch mir geht es meist danach schlecht, schlechter als es mir ohnehin schon ging. Ich habe das Gefühl, den Bedürfnissen meiner beiden Kinder nicht gewachsen zu sein. Ich habe ständig Angst, etwas falsch zu machen. Ich glaube, ich bin eine schlechte Mutter. Ich fühle mich alleine und hilflos.

Etwas Ruhe, eine kleine Auszeit wäre jetzt hilfreich. Doch die bisher heiligen Mittagspausen mit einen friedlichen Mittagsschlaf beider Kinder werden weniger. Mit Absetzen des Epilepsie Medikaments scheint Maxim deutlich weniger Schlaf zu brauchen. Somit wird der mittägliche Gang ins Bett wieder zu einer Herausforderung. Auch heute ist wieder einmal nicht an eine ruhige Mittagspause zu denken. Nadeschda schläft. Aber Maxim beschäftigt sich mit irgendetwas im Kinderzimmer. Zum Glück nicht mehr so laut, aber auch nicht zu leise, dass man den Unsinn wahrlich flüstern hören kann, wie noch vor einer halben Stunde. Aber mal sehen, welche Überraschung er nachher für mich bereithält. Denn vorhin wurde es nach viel Rumoren plötzlich ganz still im Kinderzimmer. Misstrauisch habe ich dann doch einmal geschaut. Von angemalten Lampen und Wänden bis hin zu Windeln, die in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt worden waren, denkt Maxim sich in den letzten Tagen immer wieder neuen Unsinn aus, mit dem er seine Mittagspause verbringen kann. Alles ist möglich, außer natürlich zu schlafen. Dummerweise findet er heute das Reisewaschzeug der Kinder im Kleiderschrank und holt es sich auch mit Hilfe eines Stuhls. Dies packt er aus, probiert die Zahnpasta, und schamponiert dann sich – und Teile des Kinderzimmers – von Kopf bis Fuß ein. Er hält gerade die Körperlotion in der Hand, als ich die Zimmertüre öffne. Grinsend schaut er hoch und zeigt mir sein Werk. Ohne ein Wort zu sagen, nehme ich ihn einfach und stelle ihn so wie er ist unter die Dusche. Er ist so überrascht, dass er keinen Widerstand leistet. Nachdem ich ihn geduscht und abgetrocknet habe, lässt er sich sogar von mir ins Bett legen und beginnt, sich ein paar Bilderbücher anzusehen. Ich gehe wieder nach unten, wohlwissend, dass noch eine Menge Duschgel und Seife auf mich oben warten. Doch der Rest des Chaos beseitige ich heute nachmittag. Auch wenn Maxim nun das Kinderzimmer weiter auseinandernimmt; jetzt habe ich Pause!

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16. September – Erstes Ankommen als Adoptivmutter und Mutter?

Nach sieben Wochen scheint es, als käme ich langsam ein kleines Stück in meiner Mutterrolle an. Mit klaren Regeln und einem strikten Tagesablauf als Basis kommen wir drei – Maxim, Nadeschda und ich – immer besser zurecht. Die Kinder und ich brauchen diese feste Struktur, um gut durch jeden einzelnen Tag zu kommen. Das ist es, was unser Zusammensein und unser Auftreten in unserem Umfeld so natürlich und selbstverständlich aussehen lässt. Eine Freundin sagte neulich zu mir: „Man könnte meinen, es wären Deine leiblichen Kinder und Du wärest schon seit Jahren in diese Rolle hineingewachsen.“ Auch auf dem Begrüßungsfest im Kindergarten vor 10 Tagen gab es ein paar Mütter, die mitbekommen hatten, dass wir anders Eltern geworden waren, und die über unseren Umgang mit Maxim und Nadeschda sehr überrascht waren. „Die beiden sind erst seit sechs Wochen bei Euch?“ Mit einem Gesichtsausdruck, der stumm hinzufügte: „Das kann ich ja gar nicht glauben.“ Noch fällt es mir schwer, diese Reaktionen als ein Kompliment aufzufassen. Selbst die Bemerkung einer Erzieherin aus dem Kindergarten „Und dann gleich zwei Kinder auf einmal!“ tue ich mit den Worten ab „Ich weiß ja nicht, wie es mit einem Kind wäre.“ Wie leicht scheint es nach außen zu wirken, mit diesen zwei Kindern zusammenzuwachsen. In mir drin tobt hingegen eher ein fast täglicher Kampf gegen meine eigenen Zweifel, ihnen wirklich eine gute Mutter zu sein, eine besondere Mutter zu sein. Denn diese Kinder fordern eine außergewöhnliche Mutter. Doch das beginne ich erst langsam zu realisieren.

Genauso bringt jeder Tag ein Stück weit mehr Vertrautheit zwischen den Kindern und mir. Ich kann Maxims Tobsuchtsanfälle besser einordnen. Es gelingt mir, etwas ruhiger zu reagieren. Oder ihm in liebevoller Konsequenz zeigen, dass er keine Chance hat, seinen Willen gerade durchzusetzen. In den letzten Tagen hat er begonnen, sich gegen jede Form der Disziplin, die in irgendeiner Weise mit den Relikten aus dem Kinderheim zu tun hat, aufzulehnen: Beim Essen stochert er lustlos in den Speisen auf seinem Teller herum oder malträtiert diese gewaltsam mit der Gabel. Das Händewaschen dauert meist fast eine halbe Stunde, da Maxim erst einmal eine gute Weile bockig mit verschränkten Armen vor dem Waschbecken steht und sich keinen Zentimeter bewegt. Das Zubettgehen mittags oder abends verläuft ähnlich schwierig. Mit enormer Kraftanstrengung versteht er es, zu verhindern, dass ich ihn ausziehen, geschweige denn waschen oder ihm die Zähneputzen kann. Tobsuchtsanfälle stehen somit auf der Tagesordnung. Doch inzwischen wird dies durch mindestens genauso viele schöne und harmonische Momente aufgewogen. Die Augenblicke, in denen Maxim mir unvermittelt um den Hals fällt und mich ganz fest drückt oder in denen er sich abends beim Vorlesen an mich kuschelt oder er meinen Schutz in fremder Umgebung sucht. Nadeschdas Entwicklung zu sehen, wie sie sich diebisch freut, wenn sie die ersten Treppenstufen erklommen hat; sie beim Rumtoben lachen zu hören; zu merken, wie auch sie immer wieder meine Nähe sucht, von meinem Arm gehalten werden will und sich ihr weiches Gesicht an meinen Hals schmiegt. Auch Maxim macht riesige motorische Fortschritte. Immer mehr lebt er seinen Bewegungsdrang aus. Er lernt Laufrad fahren und freut sich ungemein, als er endlich – nach nur einer Stunde!- raushat, wie es funktioniert. Unser Bewegungsradius bei unseren fast täglichen Spaziergängen hat sich mit dem Laufrad enorm vergrößert und beschert uns dreien wunderbare entspannte Nachmittage. Für Nadeschda ist es schön, da sie friedlich im Kinderwagen sitzen kann und dennoch viel sieht und mitbekommt – Pferde, Kühe, Blumen und Traktoren bei der Erntearbeit. Manchmal klettert sie aus dem Wagen und läuft ein Stück. Maxim zeigt ihr dann Steine und Blumen auf dem Weg. Gestern stellte er sich mitten auf den Feldweg, breitete seine Arme aus und forderte Nadeschda damit auf, in diese zu laufen. Ohne dass er einen Laut von sich gab, verstand sie ihn und folgte seiner Aufforderung. Jauchzend fielen sie sich in die Arme und in meinem Mutterherz öffneten sich große Schleusen, die das Glück hinein fließen ließen. Eine kleine leise Stimme in mir sagt in diesem Momenten: „Das sind meine Kinder!“

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03. August – Die Faszination des Alltäglichen

Unser neuer Alltag, der von unseren beiden Kindern dominiert wird, überwältigt mich so sehr – Entschleunigung hin oder her -, dass ich unser Glück noch gar nicht fassen und begreifen kann. Es erscheint mir so unwirklich, dass nun unser Leben als Familie begonnen hat. Wenn Nadeschda morgens in meinem Arm liegt und ihre Milch trinkt, überkommt mich manchmal dieses Gefühl: „Ja, es ist wirklich wahr. Unsere Kinder werden nun bei uns bleiben, und niemand kann sie uns jemals wieder nehmen.“ Meistens fühlt es aber wie ein Traum an, aus dem wir irgendwann wieder aufwachen müssen. Dann wiederum gibt es Momente, in denen sich ein Gefühl breitmacht, als wäre es immer schon so gewesen, als wären Maxim und Nadeschda immer schon bei uns gewesen. Und nur das Adoptionsabenteuer in Russland war ein Traum, aus dem wir jetzt aufgewacht sind. Wie lange diese Gefühle wohl anhalten werden? Wann werden wir zum ersten Mal spüren, dass wir angekommen sind? Wann werden unsere Kinder angekommen sein?

Von Waschmaschinen und Lichtschaltern

Auch nach einer Woche ist für Maxim und Nadeschda alles neu und unglaublich spannend. Selbst die kleinsten Dinge des Alltags, die für Richard und mich so selbstverständlich sind. Wäschewaschen ist eine Sensation für die Kinder. Maxim und Nadeschda sitzen minutenlang vor der laufenden Waschmaschine und beobachten die sich drehende Wäsche. Wenn neues Wasser in die Waschtrommel fließt, entlockt es Nadeschda wahre Begeisterungsausrufe. Maxim hält immer wieder sein Ohr an den Trockner, denn er kann gar nicht glauben, dass sich darin etwas tut und die Wäsche im Anschluss trocken ist. Genauso sind Lichtschalter faszinierend. Maxim muss immer wieder das Licht an und aus machen, immer wieder und immer wieder. An, aus, an, aus, an, aus….

Lebensmittel und Spielzeug

Gestern war Richard kurz alleine Lebensmittel einkaufen, denn noch wollen wir unsere Kinder nicht der Reizüberflutung eines Supermarkts aussetzen. Allein die zwei vollen Einkaufstaschen waren nach Richards Rückkehr wahre Wundertüten. Mit angespannter Hektik packte Maxim alles aus und breitete es auf dem Fussboden aus. Jedes einzelne Teil musste angeschaut, angefasst und beschnuppert werden. Die Fülle schien ihn sichtlich zu überwältigen. Ähnlich verhält er sich bei dem Spielzeug in seinem Zimmer. Er hat schnell seinen Entdeckerdrang gefunden und untersucht jeden Morgen das Spielzeug in seinem Zimmer. Dennoch stellen wir fest, dass er oft nicht weiß, was er mit den Sachen anfangen soll und so das Interesse schnell wieder verliert. Im Grunde ist Spielzeug unwichtig. Heute kamen die Kindersitze, die wir noch in Russland im Hotel bestellt hatten. Das größte für Maxim und Nadeschda war der riesige Pappkarton, in dem Richard sie dann durch die Wohnung zog, oder worin sie sich versteckten. Richtig aufgekratzt waren sie danach und strahlten über beide Ohren.

Spaziergänge am Nachmittag

Auf der anderen Seite ist es faszinierend zu beobachten, wie sich Maxim langsam seine neue Heimat erschließt. Wir machen jeden Nachmittag den gleichen Spaziergang: 500 Meter die Straße runter bis zum Feld, am Feld entlang an den Pferden und Kühen vorbei bis zu den Hühnerställen und wieder zurück. In den ersten Tagen ist Maxim stur auf dem Weg geblieben, ganz nah am Kinderwagen. Am vierten Tag fing er an, bei den Tieren stehen zu bleiben und diese aus sicherer Distanz zu beobachten. Zwei weitere Tage später löste er seine Hand vom Kinderwagen und ging rechts und links des Weges ins Gras, um auch die Pflanzen am Wegesrand zu untersuchen. Heute ist er zum ersten Mal mit dem Dreirad vorneweg gefahren, erst nach 50 Metern blieb er stehen und wartete auf uns.