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„Sometimes the strength of motherhood is greater than natural laws.“ (Barbara Kingsolver)

iStock_000015941675_LargeAus dem Leben unsere Adoptivfamilie

Vor einigen Jahren haben mein Mann und ich in einem aufreibenden Adoptionsprozess zwei Kinder aus Russland adoptiert. Neben unserem Alltag als Adoptivfamilie schreibe ich hier über Themen, die Adoptionsfamilien begegnen und mich als Adoptivmutter bewegen.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (77)

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Photo by free stocks-org on unsplash.com

Die Arbeit wird nicht weniger, aber so langsam bekommen wir Klarheit mit Blick auf die Betreuungssituation meiner Mutter und wie sich ihr Leben in Zukunft gestalten wird. Nach wie vor werden Wochen mit sehr viel Aufwand, sehr viel Engagement und sehr viel Kraftaufwand vor uns liegen. An manchen Tagen sehne ich mich einfach nach einem Leben, in dem wir als unsere kleine Familie mit Richard, Maxim und Nadeschda unseren Alltag ganz allein und in Ruhe bewältigen und genießen können. Aber es wird wohl eine ganze Weile dauern, bis das wieder möglich ist. Ich muss meinen Umgang noch mit der neuen Situation finden, viel Wut und Frustration verarbeiten, manchmal vielleicht auch alte Kinderwunden erneut pflegen und versorgen. Deshalb bin ich so dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Die bedingungslose Unterstützung, die Richard mir in dieser Zeit gibt, so weit er das kann; mich gewähren lässt und mich durch die Organisation des zukünftigen Lebens meiner Mutter fügen lässt.
  2. Die wunderbaren Nachmittage, die Maxim, Nadeschda und ich in dieser Woche hatten. Bei dem eiskalten Wetter haben wir für die Vögel noch einmal Vogelfutter selbst gemacht und es raus in den Garten gehängt. Wir haben viel vorgelesen und gemalt. Das tat gut!
  3. Und trotz aller Organisation und Betreuung ist es mir doch gelungen, zumindest endlich einmal Ablage zu machen, die mich schon seit Wochen genervt hat, und wieder an dem ein oder anderen Adoptionsrelevanten Blogbeitrag zu schreiben. Ich erkämpfe mir meine Freiräume. Mühselig, aber dennoch stetig. Jede Woche wieder ein wenig mehr. Ich hoffe, dass das so bleibt. Denn ab der kommenden Woche wird meine Mutter nun erst einmal vorübergehend bei meinem Bruder hier am Ort einziehen. Pflege, Betreuung, Therapien sind organisiert, ihr Zimmer ist eingerichtet. Ich bete dafür, dass mein Aufwand sich darauf beschränkt, weiter ihren Papierkram zu erledigen und gelegentlich in der Woche mit ihr spazieren zu gehen.

Habt einen erholsamen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (76)

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Photo by Benjamin Manley on unsplash.com

Meine Wochen sind einfach voll zur Zeit. Zu voll. Viel zu voll. Vor allem meine Mutter in der Reha und ihre Zukunft, oder vielmehr ihre jüngste Vergangenheit halten mich beschäftigt. Viel zu beschäftigt. Wenn alles gut klappt, dann haben wir in der kommenden Woche ihr Leben nach der Reha organisiert. Bis darauf, dass wir dann noch ihr altes Leben in ihrer ehemaligen Wohnung abwickeln müssen. Aber okay, das wird dann auch irgendwie gehen. Die ganzen kleinen Überraschungen, die so passieren, wenn eine ältere Dame meint, sich nicht mehr um ihr Post kümmern zu müssen und das über Monate – nicht weil sie es nicht kann, sondern weil sie keine Lust hat, und weil Arte im Fernsehen schauen oder Daniel Barenboim hören oder Gold Mann lesen eben spannender ist, als Rechnungen zu bezahlen, und die dann bitte auch richtig MIT Mehrwertsteuer und eben nicht ohne -, das koste zur Zeit sehr viel Zeit. Ich hatte mir diese Wochen reserviert, um an meiner Abschlussarbeit zu schreiben und habe keine neuen Aufträge angenommen. Nun die Abschlussarbeit schreibe ich nicht und so habe ich die Zeit. Vermeidlich…. Dennoch habe ich mir in dieser Woche auch schöne Momente beschert. Neben dem Alltag mit Maxim und Nadeschda, der auch selbst wenn er an manchen Stellen wieder hart ist – unsere Freundin, die Anstrengungsverweigerung, besucht uns wieder -, doch einfach noch einmal in diesem ganzen Mutterthema eine andere Bedeutung bekommt. Ich genieße es einfach, mit meinen Kindern den Nachmittag und Abend zu verbringen, egal wie er abläuft. Die zwei sind einfach wunderbar! Und während sie gerade mit dem Papa schwimmen gehen, sind dies hier meine drei Sonntagslieblinge (und Achtung, diesmal ist es nur ganz viel über und für mich…):

  1. Ich war beim Friseur und habe mir meine Haare rot färben lassen, so wie sie mal waren, so vor dreißig Jahren. Molly Ringwald war wohl noch in meinem Kopf. Spannend waren die Reaktionen. Vor allem eine, die wieder so auf das Adoptionsthema passt. Eine Kollegin aus meiner Weiterbildung sagte, als ich ihr erklärte, dass ich früher rot war:“ Ahh, dann haben also Deine Kinder rote Haare?“ Ich: „Nein, mein Sohn ist hellblond und meine Tochter dunkelblond.“ Die Kollegin: „Dann hat sich da wohl der Vater durchgesetzt.“ Ich: „Kann sein.“
  2. Ich habe schon vor ein paar Wochen dank Sherrie Eldridge eine wunderbare amerikanische Adoptionsseite entdeckt: Confessionsofanadoptiveparent.com. Großartig! Ich habe Kristin’s Buch „Born Broken“ gelesen. Und war hoch berührt. Es hat mich manchmal sehr, sehr traurig gemacht, selbst wenn meine Kinder eben nicht die Diagnose „FASD“ haben. Mehr dazu sicherlich noch einmal an anderer Stelle. Erleichternd fand ich vor allem, dass Kristin so über ihre Muttergefühle und ihre Gefühle des Scheiterns reflektiert. Allein dafür ist das Buch so lesenswert.
  3. Mein wunderbarer Mann hatte mir zu Weihnachten einen „Innenausstatter“ geschenkt. Mehr so einen „Schick mal jemanden durchs Haus, der sich die noch offenen Baustellen anschaut und sie behebt. Ich habe keine Zeit und keine Nerven, noch eine weitere Gardinenstange anzubringen.“ Nun, das habe ich gemacht – im wesentlichen geht es wirklich um neue Vorhänge, da wir in unserem alten Haus eben keine Rollläden haben – und das ist eine ganz wunderbare Erfahrung. Am Freitag war ich nun im Laden und habe Stoffe ausgesucht. Und Kissen und zwei Teppiche… Ach, das war einfach schön! – Ich bin so dankbar dafür, dass auch so etwas geht. Auf wenn es der absolute Luxus ist….

Habt einen wunderbaren Sonntag und einen gelungen Start in die kommende Woche!

 

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#momspositivity: Nach Zweifeln immer wieder aufstehen

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Photo by Marco Ceschi on unsplash.com

Vor ein paar Wochen waren die Zweifel wieder sehr groß. Die Herbstzweifel hatten mich fest im Griff. Mittlerweile geht es wieder. So wie es immer irgendwie weitergeht. Auch wenn die Herausforderungen bleiben und mein Kräftekonto noch nicht wieder aufgeladen ist. Als ich am vergangenen Wochenende Sylvi’s Beitrag „Ihr seid doof. Ich zieh aus!“ auf ihrem Blog momsfavoritesandmore gelesen habe, musste ich im ersten Moment schmunzeln. Ich kann von Glück reden, dass meine Kinder noch nicht auf die Idee gekommen sind, auszuziehen. Auch wenn beide in der Zahnlückenpubertät sind – Nadeschda in der ersten und Maxim nun in der zweiten, bei ihm sind jetzt die Eck- und Backenzähne fällig – und Wutanfälle in mehr oder großer Intensität nicht nur wegen des Zahnwechsels bei uns an der Tagesordnung stehen. Im zweiten Moment musste ich Sylvi Gedankenversunken zustimmen. Ja, es ist schwierig, diese Grenzerfahrungen auszuhalten und sie so zu bewältigen, dass man sich hinterher noch im Spiegel ansehen kann. Wie sehr liebe ich Sylvi’s Aussage: „Aufstehen, Krönchen richten und weiter machen!“ Ich glaube, diesen Satz muss ich mir über meinen Spiegel im Bad hängen.

Über Sylvi’s Post bin ich auf die Aktion von „Lotte & Lieke“ zu „#momsposititvity“ aufmerksam geworden und mache gerne mit. Denn ja, nach allen Zweifeln und gerade nach besonders schlechten oder herausfordernden Tagen gibt es genau die Momente, in denen ich merke, wie stark ich doch bin; in denen ich spüre, wie wir doch auf einem guten Weg sind, wie alles sich finden wird; ich mich in mehr Gelassenheit üben kann, ich auf meine Ressourcen etwas Rücksicht nehme und tatsächlich mal nicht so viel an meine langen To Do Listen denke. Oder daran denke, was ich eigentlich noch alles schönes mit den Kindern machen wollte. Wenn ich mir Mantra-artig den Satz unserer ehemaligen Jugendamtsbetreuerin vorsage: „Du bist als Mutter gut genug.“ Dann kann ich mir (fast) auf die Schulter klopfen und mir sagen „Ja, das ist alles gut so. Das hast Du wirklich gut hinbekommen.“ Gerade wenn:

  • mir Maxim vorliest und es sich so wunderbar anhört. Oder er selbstständig seine Hausaufgaben macht. Oder er ohne zu murren das Kleine 1×1 mit mir übt und es extrem gut klappt. Oder wenn Nadeschda sich hinsetzt und einfach schreibt und ohne jegliches Theater ihre Hausaufgaben macht. Dann weiss ich, dass all die Mühen des täglichen Üben sich auszahlen.
  • Maxim freiwillig für ein Trompetenvorspiel übt und ganz stolz ist, dass es so gut geklappt hat.
  • Nadeschda mit großer Begeisterung auf eine Halloweenparty bei einer Klassenkameradin geht. Wie viele Jahre hatte sie solche Angst vor diesem Tag, wenn abends gruselig verkleidete Kinder durch die Straßen ziehen. Wie mutig und tapfer sie geworden ist.
  • Maxim so selbstreflektiert mit der Situation mit Leander in der Schule umgeht. Wie innerlich stark doch mein Sohn ist!
  • beide Kinder mir stürmisch in der Schule in die Arme laufen.
  • wir einen Nachmittag verbringen, an dem beide Kinder friedlich mit einander spielen, ohne sich zu streiten.
  • wir ein friedliches Abendessen verbringen, wo beide Kinder mir stolz von ihrem Tag erzählen oder wir Pläne schmieden und beide danach von sich aus aufstehen, den Tisch abräumen, die Spülmaschine ohne Meinungsverschiedenheiten befüllen, den Tisch abwischen und am Ende zufrieden feststellen: „Mama jetzt ist alles wieder blitzeblank.“
  • abends beim Vorlesen, auch wenn es kurz vorher noch im Bad wieder einmal ein Drama gegeben hat, beide Kinder sich an mich kuscheln und wir gemeinsam über die Geschichte im Buch lauthals lachen.

Momente wie diese gibt es viele, sie gehen nur viel zu oft im Alltag unter. Doch genauso fühle ich mich immer wieder stark, gelassen und ein wenig zufrieden mit mir selbst, wenn:

  • mein Haushalt und unser Alltag nicht vollständig brach liegen wegen eines kranken Kindes – oder wenn es mich selbst erwischt hat –  und wenn ich dennoch Momente finde, die von der Krankheit geschenkte Entschleunigung mit meinem Kind zu genießen.
  • ich mich erinnere, klare Prioritäten zu setzen und mich nur um das zu kümmern, was wirklich wichtig ist.
  • ich mir bewusst mache, was ich trotz aller Herausforderungen in meinem Alltag doch noch darüber hinaus bewältige: Mein Buch, dieser Blog, meine Ausbildung, ein wenig Arbeit.

Heilsam im Sinne eines positiven Denkens sind für mich auch immer wieder meine „Sonntagslieblinge“. Mich immer wieder hinzusetzen und mir ins Bewusstsein zu rufen, was wirklich schön in der abgelaufenen Woche war, worüber ich mich gefreut habe und wofür ich dankbar bin. Denn nur aus mir selbst heraus kommt die innere Stärke, Zuversicht und der unerschütterliche Glaube, dass ich als Mutter gut genug bin für meine Kinder, für die ich so unendlich dankbar bin.

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Erinnerungen eines Adoptivkindes können überraschen…

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Danke an Rachael Gorjestani auf unsplash.com

Sherrie Eldridge hat einmal wieder einen Post vor ein paar Wochen veröffentlicht, der mich sehr gerührt und ermutigt hat. „Your Adopted or Foster Child’s Memories May Surprise You“ kam gerade richtig. Hängen geblieben ist er zunächst, weil Sherrie über ein ganz profanes Gericht geschrieben hat, das ihre Mutter immer für sie gemacht hat: Erbsen auf Toast.

Das blieb in meinem Gedächtnis hängen, denn zum einen hasst Maxim Erbsen, ohne sie wirklich zu kennen. Bei uns hat er sie immer verweigert. Und es gibt eine lustige Geschichte, die wir gerne erzählen: Einmal habe ich Backerbsen zur Kartoffelsuppe gekauft. Und auch den Kindern erzählt, dass es abends Kartoffelsuppe – die beide Kinder lieben – mit Backerbsen gibt. Maxim verzog fast schmerzverzerrt das Gesicht. Doch dann sah er, dass es keine Erbsen waren und probierte – zunächst widerwillig -, um dann mit der Backerbse im Mund zu sagen: „Mmmh, Mama, echt lecker.“ Seitdem geht bei uns immer der Spruch um: „Maxim, es gibt Erbsen.“ Schmerzverzerrtes Gesicht meines Sohnes. „Nein, es gibt Backerbsen.“ Maxim’s Gesichtsmuskeln entspannen sich zu einem Lächeln.

Zum Anderen entspannten mich Sherrie’s Schilderungen einmal wieder so ungemein. Denn sie macht in ihrem Beitrag so wunderbar deutlich, dass meine Kinder mich lieben und akzeptieren, so wie ich bin, dass sie mir das eben nur nicht zeigen können. Denn die Wut auf ihre leibliche Mutter mag so unermesslich sein, dass sie diese einfach immer wieder auf mich projizieren. Und es braucht Jahre und Jahrzehnte bis meine Kinder realisieren, dass das, was ich jeden Tag für sie tue, ihnen vielleicht doch zeigt, wie sehr ich sie liebe. Dies tue ich einfach, jeden Tag und mit jedem Tag immer mehr. Und ich bin sehr gespannt, an was sich meine Kinder einmal erinnern werden.

Es werden jedoch nicht „Peas on Toast“ sein, das ist sicher…

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Dankbarkeit am Morgen in den Bergen

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Photo by Ales Krivec on unsplash.com

Dienstag morgen: Wir sind immer noch in den Bergen. Ich vermisse meine Freunde, die Kühe. Ich hätte nicht gedacht, dass sie schon von den Almen herunter gekommen sind. Aber ja, auch hier wird es Herbst und die Nächte kalt. Ich genieße den Kaffee im noch stillen Haus und denke gerade an all das, was ich im vergangenen Jahr so geschafft habe. Gerade nach den letzten Wochen, wo ich immer wieder gezweifelt habe, wo ich mir mehr Ruhe und Zeit so nur für mich zum Nichtstun oder Lesen gewünscht hätte, wo ich vor allem mehr Schlaf herbeigesehnt habe. – Hier habe ich ihn nun, aber auch nur, weil ich in den ersten Tagen mit den Kindern hier alleine war und mir nun mit meiner wunderbaren Freundin, der Hausbesitzerin, zusammen, ein Schlafnachholprogramm auferlegt habe, an meinem Schlafdefizit gearbeitet. Und die Schlafbilanz nach die ersten Tagen sieht extrem gut aus. Also bin ich an diesem wunderbaren Dienstagmorgen einfach dankbar – über meine Sonntagslieblinge hinaus. Es hat mehr etwas von ein paar meditativen demütigen Gedanken an diesem noch frühen Dienstag morgen:

  1. Mein Sohn macht sich so wunderbar in der Schule, trotz aller Schwierigkeiten mit Leander. Ich bewundere seine Unermüdlichkeit und seinen Kampfgeist. Und auch Nadeschda entwickelt sich. Es ist schwer und es ist anstrengend, aber es ist ein Prozess, ein Weg. Und den geht sie. So schwere s ihr auch manchmal fällt.
  2. Ich bin so dankbar für all diesen wunderbaren Momente mit meinen Kindern, wenn Nadeschda abends den Arm um mich legt und sagt:“Jetzt bist Du meine Mama, ganz alleine.“ oder wenn Maxim im Halbschlaf lächelt, wenn ich nochmal nach ihm sehe, bevor ich schlafen gehe und ihm sage: „Jetzt ist alles gut. Mama ist da.“  Dann nimmt er meine Hand für einen kurzen Moment, lächelt für einen Moment und seufzt zufrieden.
  3. Trotz allem bin ich dann doch in der Rückschau immer wieder überrascht, was dann doch alles noch so gelingt: Mein Buch, mein Blog, meine Ausbildung, mein bisschen Job. Irgendwie geht es. Ich bin ein wenig stolz heute morgen auf mein Geschafftes. Bin mir aber auch des hohen Preises bewusst….

An so Morgen wie diesem bin ich so voller Zuversicht, dass alles gut wird. Auch wenn mich genauso die Zweifel noch quälen. Und es mir ein wenig davor graut, nach Hause zurückzukehren, wo der Alltag im Lehnsessel sitzen wird, wie ein altes Familienmitglied,  und wohlwollend wieder seine Arme um uns legen wird. Doch für heute nehme ich einfach einmal diese Dankbarkeit mit und genieße den Tag!

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„Bin ich als Adoptivmutter gut genug?“ – Von gelegentlichen Zweifeln

Silhouette of Mother and Young Children Holding Hands at Sunset

In ihrem Beitrag „Bedingungslos lieben“ warf Katja von homeiswheretheboysare auch die Frage nach dem „Gut genug Sein“ auf. Irgendwie lässt mich diese Frage nicht los und hat mich auch durch den Urlaub in den Schweizer Alpen begleitet. Ja, auch wenn meine Kinder mir jeden Tag wieder und wieder zeigen „Mama, Du bist gut genug. Und noch viel mehr als das.“, so holen mich doch hin und wieder Zweifel ein:

Bin ich als Adoptivmutter tatsächlich gut genug? Tue ich alles erdenklich Mögliche um meine Kinder auf ein bürgerliches Leben gut vorzubereiten? So gut, dass sie irgendwann alleine ihren Weg durch das Leben gehen?

Reicht das, was ich mache? Reicht meine Unterstützung aus? Lernen, üben, ein stark rhythmisierter Alltag? Meine Präsenz in der Schule, um genau zu wissen, was passiert, um meine Kinder zu schützen und zu stärken. Um mit ihnen das Zuhause zu lernen, was sie vielleicht verpasst haben; um die Lehrer zu sensibilisieren und sie ein wenig wohlwollender gegenüber Maxim und Nadeschda zu stimmen, um ein Quäntchen mehr Achtsamkeit gegenüber ihnen sicherzustellen.  Alle möglichen und sinnvollen Therapien und Therapeuten auszuprobieren, die ihn helfen könnten. Unterschiedliche Ärzte und Arztmeinungen zu konsultieren, um die best mögliche medizinische Versorgung ihnen zu bieten.

Reicht meine Geduld, meine Fürsorge, meine Zuneigung? Ist meine bedingungslose Liebe für meine Kinder genug? Reicht es aus, für diese Kinder da zu sein, für sie zu sorgen, sie zu beschützen und zu behüten, egal wie viel Kraft es auch kosten mag? Ist es genug, sie so anzunehmen, wie sie sind?

An guten Tagen, wenn ich bewusst wahrnehme, wie Maxim und Nadeschda wachsen, wie sie sich entwickelt haben, wenn ich merke, dass es ihnen gut geht, dass sie sich wohlfühlen und sie geborgen sind, weiss ich, dass alles gut genug ist. Wenn Lehrer oder Therapeuten mir bestätigen, wie wunderbar beide Kinder sind und welche unglaubliche Entwicklung sie vollziehen, dann weiss ich, dass meine Förderung und Unterstützung genau richtig ist, dass sie ausreicht, dass sie gut genug ist. Dann weiss ich, dass ich gut genug bin, ich als Mutter. Dann bin ich davon überzeugt, dass Maxim und Nadeschda  mit meiner Hilfe und Begleitung den sicheren Weg in ein eigenständiges Leben gehen werden.

Doch dann gibt es die Tage, an denen die Zweifel kommen. An denen ich das Gefühl habe, es reicht eben nicht aus, was ich für sie tue. An denen ich glaube, dass meine Geduld nicht groß genug ist. An denen ich zweifle, ob meine Liebe und Fürsorge jemals ausreichen wird, da meine Kinder einfach ein Fass ohne Boden sind. Sie saugen meine Liebe auf wie ein trockener Schwamm. Und es wird niemals genug Liebe sein, um die Löcher zu füllen und die Wunden zu heilen, die in ihrer frühesten Kindheit aufgerissen wurden. Auch wenn ich weiss, dass ich den permanenten Alarmzustand im Kopf und in der Seele meiner Kinder nur mindern kann, ihn aber niemals vollständig heilen, so frage ich mich dennoch, ob es nicht ein noch nicht entdecktes MEHR gibt, was ich tun kann, um ihnen zu helfen, zu heilen. Es sind die Tage, an denen ich mich frage, ob ich nicht noch mehr für meine Kinder tun müsste und könnte. Sollte ich meine Ausbildung aufgeben, da Maxim und Nadeschda sich schwer tun, wenn ich abends weg bin? Sollte ich mich von jeglicher Fremdbetreuung verabschieden, um ganz und gar für meine Kinder da zu sein? Sollte ich nicht mein ehrenamtliches Engagement ganz einschränken und nur noch auf die Schule konzentrieren, um an den Vormittagen mehr Zeit für mich zu haben, damit ich nachmittags noch ausgeglichener und noch ruhiger bin, wenn meine Kinder sich nicht wohlfühlen und meine Grenzen erneut testen, wenn das Wutmonster uns wieder besucht, wenn Nadeschda in meinen Bauch krabbeln will, an mir klebt und mich keine Zentimeter wegbewegen lässt, wenn Maxim in den Widerstand geht, um zu prüfen, ob ich ihn dann immer noch halte?

Am Ende, wenn ich Katja’s Post noch einmal Revue passieren lasse, sind es immer die Tage, an denen ich mir selbst nicht gut genug bin. An denen ich unzufrieden mit mir selbst bin, weil ich nicht das geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe, an denen ich nicht nicht geduldig genug bin, weil ich unausgeschlafen oder erschöpft bin, an denen ich nicht ruhig und gelassen geblieben bin, an denen mir manchmal alles über den Kopf wächst. Die Tage, an denen ich mir jedoch nicht die Frage stelle, ob ich mir vielleicht zu viel vorgenommen habe. Die Tage, an denen ich in alte Muster verfalle – ich bin nur als Mutter gut genug, wenn ich dies und das geleistet habe. Die Tage an denen ich funktioniere und nicht bei mir bin.

Nicht nur meine Kinder sollen und können sich entwickeln. Auch ich als ihre Mutter kann und will mich weiter entwickeln. Wieder mehr auf mich und meine innere Stimme hören. Zu spüren, wann es zu viel ist. Und eben nicht zu fragen, ob da doch noch mehr gehen muss, ob ich da noch mehr leisten muss. Achtsam bei mir selbst zu bleiben und nicht bei meinen zu vollen To Do Listen. Anstatt mir die Frage zu stellen, was ich noch mehr für meine Kinder tun kann, sollte ich mir die Frage stellen, was ich für mich tun kann. Denn nur so, nur, wenn es mir gut geht, wenn ich bei mir bin, dann habe ich genügend Kraft und Ausdauer, so für meine Kinder da zu sein, wie sie es brauchen.

Die innere Stärke jeden Tag immer wieder von Neuem zu beginnen und sich niemals aus der Bahn werfen zu lassen, kommt letztendlich nur aus der bedingungslosen Liebe. Aus der bedingungslosen Liebe für meine Kinder und die meiner Kinder zu mir. Vor allem aber aus der bedingungslosen Liebe zu mir selbst. Denn so wie ich bin, bin ich gut genug.