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Post vom Arbeitsamt

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Im vergangenen Jahr hatte ich entgültig mein auch während der Elternzeit noch fortbestehendes Arbeitsverhältnis mit meinem alten Arbeitgeber aufgelöst. Man wollte oder konnte mir meine alte Funktion – die zum Ende meiner Elternzeit unbesetzt war – nicht in Teilzeit geben. Doch dies ist ein anderes Thema.

Denn gerade beim Aufräumen fiel mir wieder ein Brief vom Arbeitsamt in die Hände. Wenn auch schon eine gute Weile her und die Sache für mich längt abgeschlossen ist, so hat der Brief mich doch wieder geärgert. Nachdem ich mein fest angestelltes Arbeitsverhältnis beendet und mit meiner Ausbildung kurz zuvor begonnen hatte, zogen wir in Erwägung, dass ich mich für die Zeit der Ausbildung arbeitslos meldete und ich so vielleicht auf  hin und wieder kleinen freien Textarbeiten verzichten könnte. Gut, ich begab mich also in diese Mühlen, um am Ende einen Brief mit den freundlichen Worten zu bekommen:

„(…) Ihren Antrag lehne ich ab. Sie haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sie sind in den letzten zwei Jahren weniger als zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen und haben die Anwartschaftszeit nicht erfüllt. (…)“

Mmmmhhh, wie sollte ich auch sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, wenn ich mich in Elternzeit befand? Das wäre schon allein technisch nicht gegangen. In meinen Augen könnte ich das auch so lesen: Ich habe kein Anrecht auf Arbeitslosengeld, weil ich es gewagt habe, fünf Jahre in Elternzeit Zuhause zu bleiben und mich im Schwerpunkt um die Erziehung unserer Kinder zu kümmern. Dass ich vor meinem Muttersein mehr als ein Jahrzehnt sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, interessierte nicht mehr.

Wenn denn die Erziehungszeit in unserem Land auch dem Schutz der Familie dient, so sollte sie doch auch wertbare Zeit hinsichtlich einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sein. Ich verstand es nicht und verstehe es jetzt immer noch nicht. Und die Agentur für Arbeit schuldet mir immer noch eine Erklärung. Zurück bleibt aber einmal wieder: Familien, egal welche und in welcher Konstellation sind nicht erwünscht. Aber das haben wir ja schon am Muttertag gelesen…

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#BestofElternblogs im Juni

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Anja von der Kellerbande ruft regelmäßig zum 1. des Monats zu den besten Beiträgen der Elternblogs auf. So auch heute und natürlich mache ich wieder mit. „#muttertagswusch – Mein Wunsch für mehr Respekt und Anerkennung der Leistung von Adoptivfamilien“ war im Mai der meist gelesene Beitrag von Euch. Darin folgte ich der Aktion #muttertagswunsch von mutterseelesonnig und ließ ich mich über die ungleiche Behandlung von Adoptivfamilien aus. Die Aufmerksamkeit, die der Beitrag erhalten hat, freut mich sehr, zumal sie deutlich und mit Abstand höher war, als bei anderen Beiträgen. Vielleicht geht ja mein Wunsch irgendwann ein wenig in Erfüllung, dass mit Adoptivfamilien, die den Schritt der Adoption und Annahme eines bedürftigen Kindes mutig und unerschrocken gegangen sind und die jeden Tag darum ringen, ihre ihnen anvertrauten Kinder gut und gesund ins Leben zu begleiten,  irgendwann ein Stück weit respektvoll umgegangen wird.

Ich danke Euch für’s Lesen und für Eure Kommentare. Habt eine wunderbare Restwoche und erholsame Pfingsten!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (35)

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Mit freundlicher Unterstützung von unsplash,com

Endlich liegt ein wenig Frühling in der Luft. Maxim stand vor ein paar Tagen vor mir und rief erfreut: “ Ahhhh, Mama, riechst Du das auch? Es riecht irgendwie endlich nach Frühling.“ An unseren freien Nachmittagen waren wir viel im Garten, haben Blumen gepflanzt und meinen Kräutergarten frisch angelegt. Ich hoffe nun, das er auch angeht, auch wenn meine Kinder gleich die Gelegenheit ergriffen haben und haben aus ein paar Kräutern erst Kräutertee produziert – wenig einfühlsame Menschen würden sagen, sie hätten ein paar Blätter abgerissen und in einem Matschwasserbad zerquetscht -, um dann die spannende Mischung zum Trocknen auszubreiten. Ungeachtet dieser spannenden Kräutererfahrungen sind dies meine Sonntagslieblinge aus dieser Woche:

  1. Maxim und ich hatten wieder einmal ein paar harte Hausaufgabenstunden. Doch ich werde nicht müde, ihm zu sagen und zu zeigen, dass er es kann, auch wenn er manchmal der Meinung ist, dass er es nicht kann. Und natürlich kann er es, das kleine 1×1. Wie schön war es dann, als er am Ende der Woche bei den Übungsaufgaben sagte: „Mama, das ist ja jetzt babyeinfach.“
  2. Meine Kinder kochen nicht nur, sie haben doch tatsächlich angefangen, regelmäßig die Spülmaschine auszuräumen, ohne dass ich etwas sagen muss. Ob wohl der dezente Hinweis anspornt, dass ich nur über ein Haustier nachdenke, wenn sie mir zeigen, dass sie kontinuierlich ein wenig im Haushalt mithelfen?
  3. Heute ist Muttertag, doch wir feiern ihn nicht. Genauso wenig wie den Vatertag. Dennoch ist es auch für mich ein Moment, um noch einmal innezuhalten, und mir bewusst zu werden, wie dankbar ich bin, Mutter sein zu dürfen. Für diese zwei wunderbaren Kinder!

Habt einen traumhaften Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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#muttertagswusch – Mein Wunsch für mehr Respekt und Anerkennung der Leistung von Adoptivfamilien

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Danke an Pixabay

Der Muttertag naht. Auch wenn meine Kinder wie so viele andere fleißig gebastelt haben, und sie mir ihre Geschenke am Sonntag feierlich übergeben werden, wird es für uns ein gewöhnlicher Familiensonntag werden. So wenig wie wir den Vatertag zelebrieren, feiern wir den Muttertag. Denn „Muttertag“ ist bei uns jeden Tag, wenn ich in die strahlenden Gesichter meiner Kinder blicke und ich dankbar bin, die Mutter von Maxim und Nadeschda sein zu dürfen. Dennoch bewegt auch mich die Aktion #muttertagswunsch von mutterseelesonnig und ich nehme dies zum Anlass, auch meinen Wunsch für all die Adoptivfamilien zu adressieren.

Die Adoption von Nadeschda und Maxim liegt mittlerweile etliche Jahre zurück. Noch immer kämpfen wir dafür, dass die Kosten der Adoption als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden. Kosten für eine medizinische Kinderwunschbehandlung werden seit Jahren steuerlich anerkannt. Die Kosten für eine Adoption nicht. Erst kürzlich kam der Bescheid, dass unser Einspruch abgelehnt wurde. Er sei zulässig, aber nicht begründet. In der Begründung heißt es: „Die organisch bedingte Sterilität eines Ehepartners ist als Krankheit anzusehen. Aufgrund dessen ist die heterologe Insemination als medizinische Maßnahme zur Beseitigung der unmittelbaren Krankheitsfolge der Kinderlosigkeit eines Paares anzusehen und führt zur Abzugsfähigkeit als Krankheitskosten. Die Aufwendungen eines Paares hingegen, die bei einer Adoption eines Kindes aufgrund einer organisch bedingten Sterilität eines Partners entstehen, stellen keine Krankheitskosten dar. (…) Als Außergewöhnliche Belastungen kommen nur Aufwendungen in Betracht denen sich die Steuerpflichtigen nicht entziehen können. Kosten für eine Adoption hingegen sind Kosten der individuell gestaltbaren Lebensführung, auch wenn die ungewollte Kinderlosigkeit von den Betroffenen als schwere Belastung empfunden wird, die ursächlich für den Adoptionsentschluss ist.“ An anderen Stellen wird deutlich, dass die Kosten für Adoption zumutbar seien, und daher keine Zwangsläufigkeit gegeben ist. Eine spannende Argumentation, der ich aber nicht folgen kann. Fühle nur ich mich hier diskriminiert und benachteiligt? Es hat so ein wenig den Beigeschmack eines „Luxusproblems“. Aus freiem Willen haben wir uns entschlossen, unsere Kinder zu adoptieren. Ja, das stimmt! Und ich würde es immer wieder tun! Und ja, natürlich hatten wir einen Kinderwunsch, der auf biologischem Wege unerfüllt blieb. Doch haben wir uns gegen den medizinischen Weg entschieden. Ganz bewusst. Es fühlte sich nicht richtig an. Dennoch finde ich die Bewertung und Einordnung der Finanzbehörden vermessen. Der medizinische Weg, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen, ist zwangsläufig, aber alternative Wege nicht? Das verstehe ich nicht.  Um den eigenen tiefen Wunsch nach Kindern zu erfüllen, aus welchen Gründen auch immer die Kinderlosigkeit vorliegt, sollten alle Wege, die heute zur Verfügung stehen, gleich angesehen und anerkannt werden. Das ist im Falle der Adoption nicht gegeben.

Genauso wie Adoptivfamilien bei der Mütterrente seit der Neuregelung 2014 benachteiligt werden: Nimmt eine Familie ein Kind an, das drei Jahre alt ist oder älter, schlägt sich das negativ in der Anrechnung der Erziehungszeiten nieder. Die Adoptivmutter, die also eine Weile zuhause bleibt, um sich der Fürsorge ihres Kindes zu widmen, bekommt später weniger Rente. Auch hier wurde mit viel Taktgefühl der Hinweis auf Diskriminierung kommentiert: Rentenexperten merkten an, dass es um eine pauschale Anerkennung gehe, es aber in Einzelfällen zu Ungerechtigkeiten kommen kann. Mal abgesehen von dem bürokratischen Aufwand, den es Bedarf, sich überhaupt Erziehungsheimen anerkennen zu lassen als Adoptivmutter. Bis heute ist meine Rentenzeiten nicht geklärt. Es scheint schwierig zu sein, Zeiten nachzurechnen, wenn Geburtsdatum des Kindes und Beginn der Elternzeit fast drei Jahre auseinanderliegen. – Auch in der Versicherungswirtschaft kommt es oft zu Ungleichbehandlungen. Werden doch häufig für Adoptivkinder, ob ihrer ungesicherten medizinischen Diagnosen pauschal Risikozuschläge bei den Beiträgen erhoben. So auch bei unseren Kindern.

Der fehlende sensible Umgang an vielen öffentlichen Stellen mag ein Problem der Fallzahlen sein. In Deutschland sind die Zahlen von Adoption aus dem In- und Ausland einfach zu niedrig (und auch noch rückläufig in den letzten Jahren), dass sie einen nennenswerten Einfluss auf den politischen Willen haben könnten. Allerdings kommen wir doch, wenn wir die Adoptionszahlen der letzten zehn Jahre zusammenzählen, auf eine beachtenswerte Gruppe in der Bevölkerung von etwa der Größe einer Kleinstadt. Aber auch das ist noch zu wenig, um beachtet zu werden.

Doch darum geht es mir hier nicht. Zum Muttertag wüsche ich mir, dass der Mut und der Einsatz der Adoptivfamilien von der Administration mehr respektiert und anerkannt wird. Dass an der ein oder anderen Stelle die besondere Situation von Adoptivfamilien nicht beachtet wird und es keine Sonderregelungen oder den Freiraum für individuelle Ermessensentscheidungen gibt, mag ich ja noch hinnehmen können. Doch dass die Lebenssituation von Adoptivfamilien an vielen Stellen einfach so abgetan wird, kann ich nur schwer ertragen. Den Adoptivfamilien ging es selten bei dem Entschluss zur Adoption um die bloße egoistische Erfüllung des Kinderwunsches. Sie haben alle eine große Verantwortung übernommen, der sie sich von Anfang an bewusst waren. Sie stellen sich jeden Tag von neuem harten und herausfordernden Aufgaben. Gerade die Mütter, die bald erkennen, dass sie ihren Job nicht mehr wahrnehmen können, weil ihre Kinder eine kontinuierliche Anwesenheit zumindest einen Elternteils brauchen. Viele Adoptivkinder benötigen nicht nur die ständige liebevolle Fürsorge von mindestens einem Elternteil, sie brauchen eine intensive Förderung und Begleitung mit den unterschiedlichsten Therapien, häufigen Arztbesuchen, Terminen bei Spezialisten und manchmal medizinischen Eingriffen. In der Schule bedarf es einer engen Hausaufgabenbetreuung und intensivem Engagement, Gespräche mit Lehrern, Werben für die besondere Situation des Kindes, Wissen, was in der Schule gerade passiert. Und eigentlich beginnt das schon im Kindergarten. Sport und das Spielen eines Musikinstrumentes sind wichtig, neben der kontinuierlichen Förderung von Fähigkeiten in der täglichen Alltagsroutine. Adoptivmutter zu sein, ist ein Vollzeit-Job, neben dem permanenten Bewusstsein der Verantwortung und der emotionalen Belastung, die durchaus hin und wieder gegeben ist. Es gibt unzählige Adoptivmütter, die auch nach Jahren, selbst wenn die Kinder längst schon dem Babyalter entwachsen sind, selten eine Nacht durchschlafen, da die Kinder von Alpträumen verfolgt werden, oder sie auch nachts die enge Nähe der Mutter brauchen. Jede Stunde, die eine Adoptivmutter vielleicht einmal etwas für sich alleine tut, um Kraft zu sammeln, und die Kinder dann vielleicht fremdbetreut sind, muss sie oft doppelt oder dreifach „bezahlen“ mit noch mehr eingeforderter Aufmerksamkeit ihrer Kinder. Dann stehen Wut oder Verlassensängste an der Tagesordnung, die Beziehung zwischen Mutter und Kind wird unmittelbar in Frage gestellt. Solange bis das Adoptivkind sich wieder sicher ist, dass seine Mutter bei ihm bleibt und es immer halten und aushalten wird. Jedes Kind hat Trotzanfälle und Wutausbrüche, aber vielleicht nicht immer über eine Stunde oder länger. Jedes Kind hängt an seiner Mutter, aber nicht über Wochen, wenn es schon sechs Jahre alt ist. Pausen gibt es nicht, Zeit und Raum zum Durchatmen bleibt kaum, Kranksein ist nicht erlaubt.

Ich wünsche mir, dass mit diesen Familien, die den Schritt der Adoption und Annahme eines bedürftigen Kindes mutig und unerschrocken gegangen sind und die jeden Tag darum ringen, ihre ihnen anvertrauten Kinder gut und gesund ins Leben zu begleiten,   respektvoll umgegangen wird. Formulierungen, wie sie die Finanzbehörde wählte, sind da in meinen Augen eher respektlos. Doch wenn in Deutschland schon grundsätzlich die Leistung von Eltern und Familien weder finanziell noch gesellschaftliche anerkannt wird, warum sollte man dann den Einsatz und das Engagement von tausenden von Adoptivfamilien sehen und würdigen?