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Charlotte’s Sonntagslieblinge (130)

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Danke an Pixabay

Eine kurze Alltagswoche liegt hinter uns. Dank der zwei Tage Schulfrei an Fasching vergingen diese letzten Tage wie im Flug. Geprägt von ganz normalem Alltag. Ohne große Höhe und Tiefen plätschert unser Leben so dahin. Der Alltag ist zwar dicht gedrängt, aber es tut gut, auf außergewöhnliche Amplitudenausschläge einmal zu verzichten. Und so bin ich an diesem Sonntag Morgen für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Am Mittwoch Mittag rief Nadeschda’s Lerntherapeutin an und sagte unseren Termin ab. Sie kränkelte leicht. Nicht dass ich dankbar war, für ihren Infekt, aber doch um so mehr für den so überraschend gewonnenen freien Nachmittag. Ohne große Unternehmungen, sondern einfach mit Spielen und Herumwurschteln im Haus, verbrachten wir diesen unverhofften Nachmittag ohne Zeitdruck und Termine.
  2. Im Ort unserer Schule habe ich einen wunderbaren Buchladen entdeckt, mit einer ganz engagierten Buchhändlerin. Seitdem ich weiß, dass ich bei ihr auch anrufen und telefonisch Bücher bestellen, und das auch noch bis 17:30h, kann und dann sind die Bücher am nächsten Morgen um 09:00h da, hat der Online-Bücherversand mich nahezu als Kundin verloren. Am Freitag war ich einmal wieder länger bei ihr im Laden und zusammen suchten wir nach Klassenlektüren für das kommende Schuljahr. Das war großartig, und wie gesagt, gestern morgen konnte ich mir dann schon meine Ansichtsexemplare abholen. Viel zu lang war dieser Service und dieses Erlebnis für mich in Vergessenheit geraten. Umso dankbarer bin ich heute für ihn.
  3. In Vorbereitung auf unsere Moskaureise folge ich ein paar ganz wunderbaren Russlandblogs, wie etwa auch Russia Beyond. Dank ihm und einem sehr unterhaltsamen Beitrag zum russischen Karneval und dem Feiern des Internationalen Weltfrauentages, erfuhr ich rechtzeitig, dass dies ein nationaler russischer Feiertag ist (der Weltfrauentag) und alle Behörden geschlossen haben. Ursprünglich wollte ich nämlich zum russischen Konsulat fahren, um noch ein paar Dinge für unseren Reise zu klären. Das habe ich dann auf kommende Woche verschoben. Aber schön finde ich dennoch auch bei dieser Gelegenheit, dass der Internationale Weltfrauentag bei den Russen ein nationaler Feiertag ist, wohingegen hier er mit Ausnahme von ein paar Blogbeiträgen kaum Beachtung findet.

Habt einen geruhsamen Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (128)

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Photo by Brooke Larke on unsplash.com

Eine dichte Woche liegt erneut hinter uns. Dafür war und ist das Wochenende um so erholsamer. Jetzt, wo allmählich mein Arbeitspensum an der Schule stetig zunimmt, merke ich schon, dass mir an einigen Stellen die Zeit Zuhause fehlt. Oder ich eben auch meine Zeit Zuhause nutzen muss, um Dinge für die Schule vorzubereiten oder zu erledigen. Dann muss eben anderes liegen bleiben. Um so kostbarer wird für mich die Zeit nachmittags mit Maxim und Nadeschda. Und auch wenn die Zeit manchmal dicht gedrängt ist, so suchen wir drei uns doch auch unsere schönen Momente. So bin ich an diesem Sonntagmorgen für diese drei Dinge dankbar:

  1. Am Donnerstag hatten die Kinder jedes auf seine Art einen sehr harten Tag an der Schule. Beide waren übel gelaunt und nicht gut beieinander. Nach dem Hort und Maxim’s Physiotherapie waren wir im Buchladen, um zwei Geschenke abzuholen. Doch beide Kinder durften sich natürlich noch selbst ein Buch aussuchen. Danach brauchten wir dringend „Zucker“. Eigentlich wollten wir zu einem Bäcker gehen. Doch als wir aus der Buchhandlung traten, an diesem fast frühlingshaften Nachmittag, wanderten meine Blicke zur gegenüberliegenden Eisdiele. „Wie wäre es mit Eis?“ fragte ich meine Kinder. „Eis??? Wo???“ Ich: „Na,da!“ „Oh ja Mama!“ war die begeisterte Kinderantwort… Das erste Eis in diesem Jahr!!!!
  2. Am Freitag nachmittag hatten wir einen langen Termin beim Optiker, nach einem ohnehin langen Tag. Nach über einer Stunde Ladenmuff brauchten wir alle drei frische Luft. Eigentlich wollte ich zu einer kleinen Kaffeerösterei laufen, die ich in der Nähe kannte, um ein Geschenk zu besorgen. Nur leider hatte die aus Krankheitsgründen geschlossen. So spazierten wir gemütlich durch den dorfähnlichen Vorort zurück zum Auto. Dabei kamen wir an einem kleinen Dorfladen vorbei. Mein Sohn: „Oh, Mama, Erdbeeren.“ Meine Tochter folgte ihrem Bruder: „Ach schau mal, Mama, diese lila Tulpen…“ Wir gingen in den Laden, kauften Tulpen, Erdbeeren und weiteres Obst und Gemüse, was eh noch auf meinem gedanklichen Einkaufszettel stand. Alles lose oder wenn überhaupt in Papier verpackt und nicht in Plastik. Zuhause gab es dann die Erdbeeren und mein Sohn kommentierte: „Hey Mama, gestern das erste Eis, heute die ersten Erdbeeren. Toll! Nice!“
  3. Unverhofft kommt oft! Zu Beginn der Woche zog ich ein kleines Päckchen aus der Post. Es kam von einer sehr lieben, ehemaligen Kollegin und mittlerweile nach Jahrzehnten Freundin, die damals in meinen Berufsanfängen meine „Ziehmutter“ in der Werbeagentur war, in der ich meine ersten Schritte ins Berufsleben wagte. Noch heute haben wir Kontakt und treffen uns hoffentlich mehr als einmal im Jahr zum Frühstücken. So taten wir das auch neulich. Neben vielem anderen teilen wir die Leidenschaft fürs Reisen und für Bücher. Ich hatte ihr von meiner Reise mit Maxim nach Moskau erzählt. Und so schickte sie mir einen Roman über einen der ersten weltberühmten Tänzer am Bolschoj-Ballett. Welch wunderbare Überraschung! Da wurde es mir wieder einmal ganz warm ums Herz. Es ist so ein schönes Gefühl, zu spüren, dass da draußen jemand ist, der an einen denkt. – So kleine „Hallo, ich denke an Dich“-Dinge kommen von ihr immer einmal wieder. Manchmal ist es Handcreme oder auch mal ein orangener Papierkürbis, der immer noch in meinem Büro in meiner orangenen Küche hängt. Ich bin so dankbar, Menschen wie sie in meinem Leben zu haben!

In diesem Sinne habt einen wunderbaren Frühlingssonntag und kommt gut und wohlbehalten in die neue Woche.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (127)

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Photo by Toa Heftiba on unsplash.com

Glücklicherweise haben wir unsere Erkältungswelle überwunden, und so konnten die Kinder und ich wieder einmal fleißig sein. Maxim und Nadeschda in der Schule, ich in meinem neuen Buchprojekt – und auch hier für diesen Blog ist nun endlich wieder das ein oder andere entstanden. Vor allem aber habe ich Richards Abwesenheit auf einer langen Dienstreise nutzen können, meinen Fotobuchrückstand von vier Jahren um ein Jahr zu reduzieren. Yeahhh!!! Das erste ist nun endlich vollbracht und ich bin gespannt auf das Ergebnis. Als ich vor ein paar Wochen mein Visum für Russland beantragt habe und dort die Frage auftrat nach den Daten meiner letzten Reise nach Russland, musste ich erst überlegen. Die Ausreise war mir natürlich noch präsent, da wir einen Tag zuvor unsere Kinder endlich in Empfang genommen hatten, ich wusste aber nicht mehr, wann wir eingereist waren. Da war es dann doch im ersten Moment praktisch, das Fotobuch der Reisen direkt griffbereit zuhaben – meinen alten Reisepass hätte ich erst suchen müssen -. Aber viel mehr bin ich dann versunken in den Bildern, als Maxim und Nadeschda noch so klein, zart und schutzlos waren… Mein Gott, dass scheint eine Ewigkeit her zu sein, auch wenn wir die Folgen bis heute spüren…. Umso dankbarer bin ich heute für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Für meinen Sohn, der immer größer wird. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem wir im vergangenen Jahr seinen Kleiderschrank quasi zweimal größentechnisch durchtauschen mussten, und er mir nun bis ans Kinn reicht, wächst er auch innerlich immens. Während wir bei Nadeschda’s Lerntherapeutin warten mussten, entdeckte er ein Kinderbuch vom kleinen Nein und vom großen Nein. Es ist die Geschichte vom deutlichen, lauten „Nein-Sagen“ in Situationen, die dies auch wirklich erfordern. Am Ende schloß er das Buch und sagte: „Mama, ich kann schon ein großes Nein sagen.“ Und ja, er kann sich behaupten. Er ist nicht mehr der schüchterne, es allen recht machende kleine Junge. Er sagt seine Meinung. Auch wenn ich selbst damit natürlich manchmal zu kämpfen habe, so erfüllt es mich doch mit großem Stolz. Und ich bin tief beruhigt, wenn ich an die Schule komme, es wieder einmal, wie zu oft in den vergangenen Wochen Ärger unter den Jungs in der Klasse gab, ich meinem Sohn sage, dann solltest Du jetzt das und das tun, und er mir antwortet: „Habe ich schon gemacht.“ Er beginnt für sich zu kämpfen und seine Interessen und sein Wohlergehen durchzusetzen. Und das ist großartig.
  2. Für meine Tochter, die jeden Tag von neuem in der Schule so hart kämpft. Ja, seitdem ich nochmal die Bilder von damals mir ins Bewusstsein gerufen habe, und sehe, welchen Weg sie seitdem mit allem gegangen ist, ziehe ich innerlich noch einmal mehr den Hut vor ihr. Das Leben hat es nicht immer gut mit ihr gemeint, und manchmal habe ich das Gefühl, dass das Schicksal auch glaubt, die sollte oder könnte noch eine Schippe mehr ertragen. Das müsste nicht sein, aber sie kämpft sich durch!! Unsagbar tapfer.
  3. In Vorbereitung auf Maxim’s und meine Reise nach Moskau, lese ich wieder sehr viel über Russland. Was für ein Land! Ich bin so gespannt auf die Metropole Moskau, auch wenn ich mir dessen bewusst bin, dass wir eigentlich viel zu wenig Zeit haben. Doch all das lehrt mich, die Herkunft meiner Kinder noch einmal mehr schätzen.

In diesem Sinne habt einen wunderbaren Sonntag und einen erhellenden Start in die neue Woche!

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„Sometimes the strength of motherhood is greater than natural laws.“ (Barbara Kingsolver)

iStock_000015941675_LargeAus dem Leben unsere Adoptivfamilie

Vor einigen Jahren haben mein Mann und ich in einem aufreibenden Adoptionsprozess zwei Kinder aus Russland adoptiert. Neben unserem Alltag als Adoptivfamilie schreibe ich hier über Themen, die Adoptionsfamilien begegnen und mich als Adoptivmutter bewegen.

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Auf der Suche nach den „Herzwurzeln“ – Biografiearbeit ist so individuell wie jedes Adoptivkind

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Photo by Annie Spratt on unsplash.com

Zweimal im Jahr organisiere ich Treffen für Adoptivfamilien. Ich finde das wichtig, diesen Familien eine Möglichkeit zu geben, sich in einem ungezwungenen Rahmen auszutauschen. Meist haben wir an diesen Treffen auch immer wieder einen kleinen Seminarteil zu Adoptionsrelevanten Themen für die Eltern. Sei es über die Zusammenarbeit mit der Schule oder die „Anstrengungsverweigerung“ und der Umgang mit dieser oder über den Umgang mit Wut und Frustration. Eine Adoptivmutter, die regelmäßig zu diesen Treffen kommt, stresst nun seit Jahren das Thema „Biografiearbeit“.  Das wäre so wichtig, und wir Eltern müssten unbedingt daran arbeiten, und die Kinder auch. So ein ganzes Wochenende mit ganz intensiver Biografiearbeit in der großen Runde, natürlich Eltern und Kinder aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich habe das immer wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber irgendwie traute ich mich nicht dadran. Irgendwie gab es für mich immer wieder einen Störfaktor. Und nun weiß ich auch warum….

Ohne Zweifel Biografiearbeit ist ungeheuerlich wichtig! Adoptivkinder wollen und sollen irgendwann ihren Wurzeln nachspüren, ihre Geschichte und ihre Herkunft kennen, verstehen und einen eigenen Umgang damit finden. Zu schmerzhaft sind die Wunden, die die Trennung von der leiblichen Mutter gerissen haben und zu omnipräsent die Folgen daraus. Ungeachtet der weiteren Lebensgeschichte, wie vielleicht ein Leben in einem Kinderheim oder die kulturelle Entwurzelung durch die Adoption. In der Euphorie der Adoption geht schnell verloren, was ein Kind auch mit seinem neuen Leben in einem anderen Land alles verliert. Ein Bild hat sich in mein Gedächtnis unlösbar eingebrannt: bei einem der Kinderheimbesuche in unserem Adoptionsprozess sahen wir Maxim, wie er mit seiner Gruppe zu einem Spaziergang aufbrach. Deutlich war zu sehen, wie wohl er sich da fühlte. Glücklich winkte er uns damals von der anderen Straßenseite zu. In diesem Augenblick wurde mir zum ersten Mal bewusst, was wir ihm auch alles mit der Adoption nahmen.

Dass Adoptiveltern sich auch intensiv damit auseinandersetzen müssen, wie Biografiearbeit heilsam eingebracht wird, ist genauso unbenommen. Entscheidend ist, das erforderliche Maß an Sensibilität zu haben, offen mit dem Thema umzugehen, sich selbst mit der Rolle der Adoptivmutter auseinandergesetzt und einen friedvollen und demütigen Umgang mit der leiblichen Mutter gefunden zu haben. Neben ein paar praktischen Werkzeugen, wie man gemeinsam mit seinem Adoptivkind, sich über seine Herkunft und seine Wurzeln und den damit verbundenen Gefühlen auseinandersetzen kann. Vor allem Irmela Wiemann hat hier im Deutschsprachigen Raum Großartiges geleistet. Ihre Ratgeber sind mehr als hilfreich und in meinen Augen Pflichtlektüre für alle Adoptiveltern. Lange habe ich ein passendes Kinderbuch zur Herkunfts- und Wurzelsuche vermisst. Auch das hat Irmela Wiemann gemeinsam mit Schirin Homeier mit „Herzwurzeln“ veröffentlicht.

Jannik ist Pflegekind und lebt erst seid ein paar Wochen bei seiner Pflegefamilie. In seiner Klasse lernt er Ayana kennen, die als Baby von ihren Eltern aus Äthiopien adoptiert wurde. Jannik versucht, in seiner Pflegefamilie anzukommen, aber immer wieder wird er von seiner „Blitzwut“, mit Trauer und Schmerz um die Tatsache, dass er nicht mehr mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zusammenleben darf, eingeholt. Ayana ist auf der Suche nach ihren äthiopischen Wurzeln. Auch sie kämpft immer wieder mit Wut und Verzweiflung. Als die Bemühungen ihrer Eltern wieder einmal nicht fruchten, ergreift sie selbst die Initiative und schickt ihren Papagei mit einem Brief an ihre leibliche Mutter nach Äthiopien. In ihrem gemeinsamen Leid freunden sich Ayana und Jannik an und finden beide nach einem langen Weg ihre „Herzwurzeln“ in sich und in ihren Familien. Der Geschichte haben Schiri Homeier und Irmela Wiemann erstmals einen Ratgeberteil für Kinder angefügt, in dem nicht nur die Fachbegriffe aus dem Adoptions- und Pflegewesen kindgerecht erklärt werden, sondern genauso die Konzepte und unterschiedlichen Formen von Elternschaft und Familie. Mit wunderbaren Illustrationen gibt sie den Kindern Hilfestellungen für den Umgang mit diffusen Gefühlen wie etwa der „Blitzwut“ oder der Angst vor weiteren Verletzungen, die eingesperrt ist im „Herz mit den zwei Kammern“. Ergänzt wird das Buch um einen weiteren Ratgeberteil für Erwachsene, in dem Herkunftseltern, Adoptiveltern, aber auch Fachpersonal angesprochen werden.

In den Sommerferien habe ich es nun zum zweiten Mal gelesen. In der Hoffnung, dass vor allem auch Maxim vielleicht darauf anspringt. Tat er aber nicht. Obwohl wir, als er kleiner war, schon immer mal das ein oder andere Kinderbuch, in dem das Thema Adoption kindgerecht dargestellt wird, gelesen haben. Obwohl das Thema „Herkunft“ gerade wieder in den vergangenen Wochen wieder sehr präsent ist.

Maxim ist im „Russlandfieber“. Er will russisch lernen, er liest Geschichten über Moskau, er erkämpft sich selbst im Moment das russische Alphabet Buchstabe für Buchstabe. Und am liebsten will er schon morgen nach Moskau fliegen. Kaum kann er es erwarten, dass endlich sein russischer Pass neu ausgestellt ist. Nadeschda hingegen zeigt entweder gar kein Interesse oder vehemente Ablehnung: „Mama, ich will keinen russischen Pass. Der ist nur für die Babys, die daher kommen. Ich brauche das nicht. Und ich will das nicht. Und wenn ich Nein sage, dann heißt das auch Nein. Verstanden?“ Was beiden gemein ist, dass sie keinerlei Regung zeigen, nach ihrer russischen Mutter zu suchen. Maxim will seine russischen Wurzeln kennenlernen, versinnbildlicht mit dem Roten Platz in Moskau. Da will er hin. Aus den Büchern hier zuhause hat er inzwischen nahezu jedes Denkmal und Gebäude, das sich um den Roten Platz formiert, verinnerlicht. Doch weder seine Geburtsstadt, noch das Kinderheim, oder seine biologischen Wurzeln scheinen ihn zu interessieren. Doch bei näherer Betrachtung spürt er, dass er an diese Wunden nicht ran will. Das schafft er noch nicht. Mit seiner doppelten Elternschaft will er sich noch nicht auseinandersetzen. Auch Nadeschda hat das für sich wieder ganz weit unten in ihrem Inneren vergraben, nachdem es im vergangenen Herbst einmal für kurze Zeit aufflammte, aber von außen an sie herangetragen. Und ihre Reaktion damals war deutlich, dass sie sich damit nicht auseinandersetzen wollte.

Da wurde mir noch einmal bewusst, dass Biografiearbeit und das Auseinandersetzen mit der Herkunft ein sehr individueller Prozess ist. Es geht eben nicht nur darum, einen Ratgeber zu lesen, ein Seminar zu besuchen, um dann anschließend ein „Lebensbuch“ mit seinem Adoptivkind zu basteln, ein Bild der leiblichen Mutter zu malen und ihr einen Brief zu schreiben und dann irgendwann, wenn das Kind es wünscht, in sein Herkunftsland zu reisen und möglicherweise die leibliche Mutter zu suchen. Das ist alles wichtig! Und Adoptiveltern brauchen die professionelle Unterstützung und die Impulse, die eben vor allem Irmela Wiemann setzt. Doch danach ist es in meinen Augen ein sehr individueller Prozess, wie die Biografiearbeit zuhause in der Familie gestaltet wird. Sie muss meiner Meinung nach so individuell sein, wie die Lebensgeschichte eines jeden Adoptivkindes und auch so individuell und einzigartig, wie der Umgang des Kindes mit seiner Geschichte ist. Das sehe ich bei meinen eigenen Kindern. Sie haben dieselbe russische Mutter, sie teilen einen Großteil der Geschichte, auch bevor sie zu uns kamen. Aber beide haben einen ganz eigenen Umgang damit. Einen Umgang, der mich eben nicht die Ratschläge wie „Projekte“, wie die Fachliteratur sie vorschlägt, Checklistenartig bei meinen Kindern abarbeiten lässt.

Wie individuell jedes Adoptivkind mit seiner Geschichte umgeht, sehe ich auch in unserem Freundes- und Bekanntenkreis. Manche Adoptivkinder möchten unbedingt zurück in das Kinderheim fahren, aus dem sie kommen. Andere lehnen ihren russischen Namen ab mit der Begründung, sie haben an ihn keine schönen Erinnerungen. Entscheidend ist am Ende, dass wir als Eltern unseren Kindern die Offenheit deutlich zeigen, dass sie mit uns Adoptiveltern über ihre Herkunft und ihre Geschichte sprechen können, dass sie aber das Tempo und den Weg und auch den Inhalt bestimmen. Denn vor allem ist es ihre ganz persönliche Geschichte mit ihren ganz persönlichen traurigen Gefühlen. Einfühlsam und in meinen Augen auch nur ganz privat im Kreise der Familie sollte es den Raum geben, wo unsere Adoptivkinder sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen dürfen, wann und wie sie wollen. Und so, wie es für sie heilsam und gut ist.

 

Informationen zu „Herzwurzeln“:

„Herzwurzeln“

Schirin Homeier und Irmela Wiemann

Mabuse-Verlag GmbH, Frankfurt a.M. 2016

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (98)

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Danke an Pixabay.com

Ein wenig früher als gedacht sind wir aus den Bergen aus meinem Lieblingshaus zurückgekehrt. Aber so sehr ich das Haus und die Kühe liebe, so anstrengend kann es auch werden, wenn uns dann doch Dauerregen heimholt. Ja, der Regen war so wichtig, und eigentlich wünschte ich, dass wir ihn hier Zuhause auch einmal hätten. Doch lässt der im Moment immer noch auf sich warten. Langsam wird das schon ein wenig unheimlich. Ich kann mich kaum erinnern, dass wir sooooo lange ohne Regen waren. Meine Regentonnen zum Blumengießen haben sich schon gänzlich aus meinem Bewusstsein katapultiert, da ich sie in diesem Sommer noch gar nicht benutzt habe, da in ihnen gähnende Leere herrscht. Nun denn. Hinzukam, dass Nadeschda schreckliches und schmerzhaftes Heimweh bekam. Somit brachen wir vorzeitig nach Hause auf und haben nun hier eine wunderbare Restwoche verbracht. Beide Kinder hatten Freunde zum Spielen und Schwimmen da, ich habe weiter meinen Plan verfolgen können, und am Berg der lang unerledigten Dinge arbeiten können, und egal wie man es dreht, es tat einfach gut, in der häuslichen Routine zu sein. Doch an diesem Sonntag bin ich vor allem für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Wir waren auf dem russischen Konsulat und haben endlich die russischen Pässe für Maxim und Nadeschda erneuert. Lang wabberte dieses Thema in unserer Familie, musste nun aber mit konkreten Reiseplänen nach Russland angegangen werden. Trivial war das Vorhaben nicht. Doch Dank der Unterstützung einer Agentur, die sich auf Visa- und Passangelegenheiten für Russland spezialisiert hat, ging dann alles recht reibungslos. Maxim fand das sehr spannend. Nadeschda fügte sich mehr in ihr Schicksal. Sie will ja auch nicht nach Russland reisen. Und einen russischen Pass braucht sie ja nicht: “ Der ist doch nur für die Babys, die da her kommen, Mama!“
  2. Gestern Abend durften Richard und ich seit langem einmal wieder „Kevin allein zuhause“ spielen. Unsere Kinder übernachteten bei Freunden und wir hatten den Abend für uns zwei allein. Das war auch einmal wieder wichtig.
  3. Heute morgen bin ich nun ganz allein zuhause und genieße die Zeit für mich. Richard fährt eine Rallye und Maxim und Nadeschda sind noch mit unseren Freunden an einem Badesee, bevor sie gleich wahrscheinlich total erschöpft von Übernachtungsparty und Schwimmspass in der Sonne heimkehren.

Doch umso mehr freue ich mich jetzt auf und über meine Kinder, wenn sie gleich nach Hause kommen. Mehr als eine Nacht ohne sie ist schon schwer für mich zu ertragen. Habt noch einen geruhsamen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (75)

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Photo by Tim Gouw on unsplash.com

Eine kurze Schulwoche liegt hinter uns. So allmählich kommt ein wenig Ruhe in unser Alltagsgeschehen. Fasching war großartig! So viel Spaß hatten wir schon lange nicht mehr!! Und an den restlichen Tagen der Woche haben die Kinder und ich einfach unsere alte Routine wieder aufleben lassen und sind zumindest in dieser Zeit des Tages zu gewohnten Rhythmen zurückgekehrt. Das tat gut! Nachdem ich wieder ein Wochenende in der Akademie verbracht habe, schaue ich dankbar auf diese drei Sonntagslieblinge:

1. Beide Kinder machen nach ihrer Erfahrung in der Betreuung in der Schule jetzt ihre Hausaufgaben alleine in ihren Zimmern. Sie kommen dann und ich darf kontrollieren. Manchmal klappt es gut, manchmal weniger. Aber der Weg führt in die richtige Richtung. Üben tun wir noch zusammen, doch irgendwie haben beide in den vergangenen Wochen einen riesigen Schritt in Richtung Selbstständigkeit gemacht.

2. Keine Vorsätze für das neue Jahr zu haben, scheint sich auszuzahlen: Nun finde ich doch wieder Zeit zu lesen. Und wenn es nur abends eine Stunde noch ist, nachdem die Kinder schlafen. Mein „Projekt“ heißt im Moment, endlich einmal wieder Bücher über Russland oder von Russischen Autoren zu lesen. Nach Jens Mühling’s  „Mein Russisches Abenteuer“ hat mich in dieser Woche eine Biografie über die Romanows und den letzten russischen Zaren begleitet.

3. Nachdem mich zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen eine heftige Erkältung – oder war es gar eine Grippe und ich habe das einfach geflissentlich ignoriert und mit entsprechenden freizugänglichen Medikamenten weggedrückt – gebeutelt hat, war ich nun doch mal beim Arzt und habe ein Blutbild machen lassen. Genauso wie ich die Mahnung von Nadeschdas Hautarzt ernst genommen habe, dass ich nicht nur meine Kinder zur Kontrolle schleifen sollte, sondern selbst auch mal zur Hautkrebsvorsorge gehen, und gleich einen Termin für eben diese ausgemacht habe. Wie war das mit der Selbstfürsorge…

Habt einen erholsamen Sonntag und möge die neue Woche gut für Euch alle beginnen.