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„Aber mit Deinen Emotionen bist Du allein…“ – Gedanken zur Wurzelsuche meiner (Adoptiv-)Kinder

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Photo by Yulia Gambold on unsplash.com

Bevor ich mit Maxim nach Moskau flog, war eine liebe Freundin zu Besuch. Zunächst fragte sie: „Und bist Du aufgeregt?“ Ich antwortete zögerlich. Sie setzte nach, oder fasste vielmehr das zusammen, was mir seit Tagen durch Kopf und Bauch ging: „Aber mit Deinen Emotionen bist Du allein….“ Ja, genauso war es, und es war eine Achterbahn der Gefühle, die erst in Moskau endete. 

Auch wenn diese Reise mit Maxim für ein paar Tage nach Moskau auf der einen Seite ein erster Schritt in Richtung „Wurzelsuche“ war, so war es doch hauptsächlich eine kleine „Kulturreise“. Wir besuchten kein Kinderheim, wir kehrten nicht zu alten Plätzen, an denen vor etlichen Jahren wichtige Entscheidungen getroffen wurden, zurück. Wir schauten uns „bloß“ ein wenig Moskau an, tauchten ein in diese unermeßlich große russische Metropole, erlebten ein wenig Russland. Weniger das „typische“, das wirkliche  Russland, das uns in anderen Städten begegnen würde. Dennoch war diese Reise dann doch im Vorfeld mit vielen Emotionen verbunden gewesen. 

Da brachen auf einmal alte Erinnerungen auf, an unsere erste Einreise nach Russland, an die Tage, an denen wir Maxim und Nadeschda zum ersten Mal im Kinderheim begegneten, an unser Gerichtsverfahren, an all die Stempel, die wir sammeln mussten, an die Angst bei der Ausreise in dieser so furchtbar überfüllten Abflughalle, in dieser fast unerträglichen Hitze, die Angst, dass unser Familienplan doch noch einmal scheitern könnte. Nicht zuletzt auch durch mein „gesundheitliches Problem“, dass der eine Arzt neulich ja nicht lösen konnte, und der einzige Arzt hier im Umfeld, der es vielleicht lösen kann, derjenige ist, der mich bei meinen Fehlgeburten operiert hat, wurde wieder die Erinnerung an die Bitternis und den Schmerz über die eigene Kinderlosigkeit wach. Und dann waren da die Gedanken an die Sorgen, ob es mir gelingen würde, meine Kinder, die mir anvertraut wurden, wirklich gut ins Leben zu begleiten. Ja, manchmal ist das Leben mit ihren niemals endenden Bedürfnissen, mit immer neuen Herausforderungen anstrengend. Es kostet Kraft und Energie, die ich vielleicht manchmal gar nicht ausreichend habe. Manchmal fühle ich mich so, wie die wunderbare Sherrie Eldridge es einmal wieder in einem so ehrlichen Post über die Wut in Adoptivkindern geschrieben hat, den ich hier gerne mit Euch teilen möchte. Am meisten hat mich ein Satz berührt, in dem sie von den Adoptivmüttern spricht: „They’re in a war they never chose, in a place they don’t belong, and in an ocean that is life-defying.“ Ja, ich habe diesen „Krieg“ niemals gewollt. Vielleicht ist das Wort auch zu heftig. Es ist ein Kampf, aber kein Krieg, auf den ich mich niemals wirklich vorbereitet fühlte. Auch wenn uns die Bedürfnisse von Adoptivkindern hinreichend im Vorfeld der Adoption geschildert wurden, und ich so viel vorher gelesen hatte, aber wirklich ermessen, was das heißt und was es bedeutet, und wie es sich eben anfühlt, das passiert erst, wenn man tatsächlich drinsteckt, im wahren Leben mit zwei Adoptivkindern. 

So war ich nun auch mit meinen Ängsten und Sorgen vor der Russlandreise alleine. Aber dann gibt es eben doch Freunde, die das irgendwie erahnen und vermuten. Das tat gut. Und am Ende waren die Tage in Moskau mit Maxim mehr als versöhnlich. Viele Ängste lösten sich in Wohlgefallen auf. Angefangen von der Einreise über das Nichtkennen der russischen Sprache und dem sich Zurechtfinden in einer 18 Millionen-Metropole und das sich Bewegen in einer Stadt, die alles andere als sicher gilt bis hin zur Ausreise. Meist ist es heilsam, die Ängste zu konfrontieren und durch sie hindurch zu gehen. Die Einreise war eher unspektakulär, nach kaum 30 Minuten nach Verlassen des Flugzeuges, waren wir eingereist, hielten unsere Koffer in der Hand und standen unserem Fahrer zum Hotel gegenüber. Nach einem Tag hatte ich die russischen Buchstaben wieder alle parat, erinnerte Wörter und begann mich nicht mehr so fremd zu fühlen in dieser unermesslich großen Metropole Moskau. Auch in ihr hat sich seit unserem letzten Aufenthalt sehr viel getan. Erst dachte ich, es wäre meine verklärte Erinnerung. Aber dem war nur bedingt so. Denn mittlerweile hatte das Land auch eine Fussball-WM hinter sich, in dessen Vorfeld sehr viel Geld investiert wurde, um die Austragungsorte schön und sicher zu machen. Und das auch mit Erfolg. Die Innenstadt von Moskau ist heutet so unglaublich sauber und schön. Und eben sicher. Oder zumindest wird das Gefühl von Sicherheit erfolgreich vermittelt. Ja, es gibt viel Sicherheitspersonal und eine hohe Polizeipräsenz, dennoch fühlte ich mich nicht überwacht, sondern eben „beschützt“. Maxim und ich fanden uns gut zurecht, genossen unsere Zeit, nahmen die vielen Eindrücke auf, waren fasziniert und überwältigt. Mit den Tagen kamen wir immer besser zurecht, fanden unsere Wege durch die Stadt, entwickelten immer mehr Entdeckergeist. Gerne wären wir länger geblieben. Doch es war gut, so wie es war. Bei unserem nächsten Besuch werden wir mutiger sein, noch mehr auf eigene Faust erkunden, jetzt wo wir ein erste kleines Gefühl für diese Stadt haben. 

Viel Angst ist gewichen in diesen Tagen, nicht nur vor dieser unberechenbaren 18 Millionen Metropole Moskau, auch vor diesem so unermesslich großen und faszinierenden Land Russland und letztlich auch vor der Suche nach den Wurzeln meiner Kinder…. vielleicht war deshalb auch der Besuch in der Christ-Erlöser-Kathedrale so erhebend und befreiend….

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (136)

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Photo by Waranya Mooldee on unsplash.com

Heile und wohlbehalten sind Maxim und ich nun zurückgekehrt aus der Millionenmetropole Moskau. Was für eine Stadt, so voller Widersprüche, Gegensätze und beeindruckenden Plätzen und Orten. Wir hatten eine gute Zeit, haben viel gesehen und erlebt, viele Eindrücke gesammelt, viel gelernt und erfahren. Es war eine gute Reise, ein gelungener Einstieg in eine wahrscheinlich in den kommenden Jahren folgende ganze Reihe von Reisen in das Geburtsland meiner Kinder. Nun sind wir dankbar für ein ruhiges Osterfest wieder Zuhause. Bevor wir uns bald den Ostereiern und der Suche nach den Geschenken des Osterhasen begeben, bin ich in diesen ruhigen Morgenstunden heute vor allem dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Für die beeindruckenden und gleichzeitig auch beruhigenden Tage in Moskau. Sie haben mir viel Angst genommen vor dem, was uns vielleicht in den kommenden Jahren noch erwarten wird mit Blick auf die Wurzelsuche meiner Kinder.
  2. Für die Zeit mit meinem Sohn alleine. Einmal nur wir beide, weit weg von einer alltäglichen Routine. Das tat gut. Auch wenn wir viel gefangen waren in den überwältigen Eindrücken, die in der so faszinierenden und dann auch wieder anstrengenden Metropole auf uns eingeprasselt sind.
  3. Für die Stärke meiner Tochter, die die Zeit ohne uns mehr als gut und tapfer überstanden hat, und sich dann doch um so mehr gefreut hat, dass Maxim und ich wieder Zuhause waren.

Habt ein wunderbares Osterfest, genießt die sonnigen Feiertage und startet gut in eine neue hoffentlich traumhafte Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (135)

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Photo by Marco Ceschi on unsplash.com

Endlich sind sie da, die lang herbeigesehnten Ferien, die wir uns alle redlich verdient haben. Zwei Wochen durchatmen, ausschlafen, Ruhe tanken, Zeit Zuhause und auf Reisen genießen, lesen, spielen, Freunde sehen, und mal schauen, was sich noch so ergibt. Morgen fliegen Maxim und ich nun erst einmal für ein paar Tage nach Moskau. Wir sind gut vorbereitet. Und mindestens genauso gespannt auf all das, was uns dort erwarten wird, was die Eindrücke und Impulse dieser Stadt mit uns beiden machen werden. Doch vorerst bin ich heute dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Ich habe es tatsächlich geschafft, meine lange To Do Liste, die sich in den letzten Wochen aufgebauscht hatte, endlich vollständig abzuarbeiten. Einzig mein Fotobuch ist nicht fertig geworden. Aber vielleicht wird das ja noch in den dann verbleibenden Ferien.
  2. Beim Aufräumen und Ablage machen habe ich tatsächlich noch ein paar alte Arztrechnungen gefunden, die ich vergessen hatte, im vergangenen Jahr bei der Krankenkasse einzureichen. Die Rückzahlung bzw. kleine Finanzspritze wird meinem Konto gut tun. Und die Arbeit der Ablage hat sich auch noch bezahlt gemacht…
  3. Vor allem aber bin ich wieder einmal so unendlich dankbar für meine beiden Kinder, die mir das Schicksal geschenkt hat. Es ist schon unglaublich, was ich alles mit und von ihnen lernen darf. Neulich saß ich in einem ruhigen Moment in unserem Garten, also ich vom Laufen in den Feldern zurückkam und dachte bei mir: „Wie sich mein Leben doch in dem bald vergangenen Jahrzehnt, seitdem Maxim und Nadeschda bei uns sind, verändert hat. Nicht nur, dass ich Mutter geworden bin, und wir eine Familie. Mit ihnen habe ich mich auf einen völlig neuen Weg in meinem Leben begeben, auf dem ich inzwischen so viel bewegt habe. Ich habe eine zweite „Karriere“ als Lehrerin begonnen, habe ein Buch geschrieben und das zweite begonnen zu schreiben, ich belebe diesen Blog nun bald seit vier Jahren. Ich lerne Russland kennen und lieben, beschäftige mich mit den seelischen Nöten und Bedürfnissen von Kindern… das ist alles ganz schön viel, und ganz schön großartig.“

Habt einen erholsamen Sonntag, lasst die neue Woche gut beginnen und genießt die Ferien!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (130)

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Danke an Pixabay

Eine kurze Alltagswoche liegt hinter uns. Dank der zwei Tage Schulfrei an Fasching vergingen diese letzten Tage wie im Flug. Geprägt von ganz normalem Alltag. Ohne große Höhe und Tiefen plätschert unser Leben so dahin. Der Alltag ist zwar dicht gedrängt, aber es tut gut, auf außergewöhnliche Amplitudenausschläge einmal zu verzichten. Und so bin ich an diesem Sonntag Morgen für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Am Mittwoch Mittag rief Nadeschda’s Lerntherapeutin an und sagte unseren Termin ab. Sie kränkelte leicht. Nicht dass ich dankbar war, für ihren Infekt, aber doch um so mehr für den so überraschend gewonnenen freien Nachmittag. Ohne große Unternehmungen, sondern einfach mit Spielen und Herumwurschteln im Haus, verbrachten wir diesen unverhofften Nachmittag ohne Zeitdruck und Termine.
  2. Im Ort unserer Schule habe ich einen wunderbaren Buchladen entdeckt, mit einer ganz engagierten Buchhändlerin. Seitdem ich weiß, dass ich bei ihr auch anrufen und telefonisch Bücher bestellen, und das auch noch bis 17:30h, kann und dann sind die Bücher am nächsten Morgen um 09:00h da, hat der Online-Bücherversand mich nahezu als Kundin verloren. Am Freitag war ich einmal wieder länger bei ihr im Laden und zusammen suchten wir nach Klassenlektüren für das kommende Schuljahr. Das war großartig, und wie gesagt, gestern morgen konnte ich mir dann schon meine Ansichtsexemplare abholen. Viel zu lang war dieser Service und dieses Erlebnis für mich in Vergessenheit geraten. Umso dankbarer bin ich heute für ihn.
  3. In Vorbereitung auf unsere Moskaureise folge ich ein paar ganz wunderbaren Russlandblogs, wie etwa auch Russia Beyond. Dank ihm und einem sehr unterhaltsamen Beitrag zum russischen Karneval und dem Feiern des Internationalen Weltfrauentages, erfuhr ich rechtzeitig, dass dies ein nationaler russischer Feiertag ist (der Weltfrauentag) und alle Behörden geschlossen haben. Ursprünglich wollte ich nämlich zum russischen Konsulat fahren, um noch ein paar Dinge für unseren Reise zu klären. Das habe ich dann auf kommende Woche verschoben. Aber schön finde ich dennoch auch bei dieser Gelegenheit, dass der Internationale Weltfrauentag bei den Russen ein nationaler Feiertag ist, wohingegen hier er mit Ausnahme von ein paar Blogbeiträgen kaum Beachtung findet.

Habt einen geruhsamen Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (128)

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Photo by Brooke Larke on unsplash.com

Eine dichte Woche liegt erneut hinter uns. Dafür war und ist das Wochenende um so erholsamer. Jetzt, wo allmählich mein Arbeitspensum an der Schule stetig zunimmt, merke ich schon, dass mir an einigen Stellen die Zeit Zuhause fehlt. Oder ich eben auch meine Zeit Zuhause nutzen muss, um Dinge für die Schule vorzubereiten oder zu erledigen. Dann muss eben anderes liegen bleiben. Um so kostbarer wird für mich die Zeit nachmittags mit Maxim und Nadeschda. Und auch wenn die Zeit manchmal dicht gedrängt ist, so suchen wir drei uns doch auch unsere schönen Momente. So bin ich an diesem Sonntagmorgen für diese drei Dinge dankbar:

  1. Am Donnerstag hatten die Kinder jedes auf seine Art einen sehr harten Tag an der Schule. Beide waren übel gelaunt und nicht gut beieinander. Nach dem Hort und Maxim’s Physiotherapie waren wir im Buchladen, um zwei Geschenke abzuholen. Doch beide Kinder durften sich natürlich noch selbst ein Buch aussuchen. Danach brauchten wir dringend „Zucker“. Eigentlich wollten wir zu einem Bäcker gehen. Doch als wir aus der Buchhandlung traten, an diesem fast frühlingshaften Nachmittag, wanderten meine Blicke zur gegenüberliegenden Eisdiele. „Wie wäre es mit Eis?“ fragte ich meine Kinder. „Eis??? Wo???“ Ich: „Na,da!“ „Oh ja Mama!“ war die begeisterte Kinderantwort… Das erste Eis in diesem Jahr!!!!
  2. Am Freitag nachmittag hatten wir einen langen Termin beim Optiker, nach einem ohnehin langen Tag. Nach über einer Stunde Ladenmuff brauchten wir alle drei frische Luft. Eigentlich wollte ich zu einer kleinen Kaffeerösterei laufen, die ich in der Nähe kannte, um ein Geschenk zu besorgen. Nur leider hatte die aus Krankheitsgründen geschlossen. So spazierten wir gemütlich durch den dorfähnlichen Vorort zurück zum Auto. Dabei kamen wir an einem kleinen Dorfladen vorbei. Mein Sohn: „Oh, Mama, Erdbeeren.“ Meine Tochter folgte ihrem Bruder: „Ach schau mal, Mama, diese lila Tulpen…“ Wir gingen in den Laden, kauften Tulpen, Erdbeeren und weiteres Obst und Gemüse, was eh noch auf meinem gedanklichen Einkaufszettel stand. Alles lose oder wenn überhaupt in Papier verpackt und nicht in Plastik. Zuhause gab es dann die Erdbeeren und mein Sohn kommentierte: „Hey Mama, gestern das erste Eis, heute die ersten Erdbeeren. Toll! Nice!“
  3. Unverhofft kommt oft! Zu Beginn der Woche zog ich ein kleines Päckchen aus der Post. Es kam von einer sehr lieben, ehemaligen Kollegin und mittlerweile nach Jahrzehnten Freundin, die damals in meinen Berufsanfängen meine „Ziehmutter“ in der Werbeagentur war, in der ich meine ersten Schritte ins Berufsleben wagte. Noch heute haben wir Kontakt und treffen uns hoffentlich mehr als einmal im Jahr zum Frühstücken. So taten wir das auch neulich. Neben vielem anderen teilen wir die Leidenschaft fürs Reisen und für Bücher. Ich hatte ihr von meiner Reise mit Maxim nach Moskau erzählt. Und so schickte sie mir einen Roman über einen der ersten weltberühmten Tänzer am Bolschoj-Ballett. Welch wunderbare Überraschung! Da wurde es mir wieder einmal ganz warm ums Herz. Es ist so ein schönes Gefühl, zu spüren, dass da draußen jemand ist, der an einen denkt. – So kleine „Hallo, ich denke an Dich“-Dinge kommen von ihr immer einmal wieder. Manchmal ist es Handcreme oder auch mal ein orangener Papierkürbis, der immer noch in meinem Büro in meiner orangenen Küche hängt. Ich bin so dankbar, Menschen wie sie in meinem Leben zu haben!

In diesem Sinne habt einen wunderbaren Frühlingssonntag und kommt gut und wohlbehalten in die neue Woche.

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (127)

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Photo by Toa Heftiba on unsplash.com

Glücklicherweise haben wir unsere Erkältungswelle überwunden, und so konnten die Kinder und ich wieder einmal fleißig sein. Maxim und Nadeschda in der Schule, ich in meinem neuen Buchprojekt – und auch hier für diesen Blog ist nun endlich wieder das ein oder andere entstanden. Vor allem aber habe ich Richards Abwesenheit auf einer langen Dienstreise nutzen können, meinen Fotobuchrückstand von vier Jahren um ein Jahr zu reduzieren. Yeahhh!!! Das erste ist nun endlich vollbracht und ich bin gespannt auf das Ergebnis. Als ich vor ein paar Wochen mein Visum für Russland beantragt habe und dort die Frage auftrat nach den Daten meiner letzten Reise nach Russland, musste ich erst überlegen. Die Ausreise war mir natürlich noch präsent, da wir einen Tag zuvor unsere Kinder endlich in Empfang genommen hatten, ich wusste aber nicht mehr, wann wir eingereist waren. Da war es dann doch im ersten Moment praktisch, das Fotobuch der Reisen direkt griffbereit zuhaben – meinen alten Reisepass hätte ich erst suchen müssen -. Aber viel mehr bin ich dann versunken in den Bildern, als Maxim und Nadeschda noch so klein, zart und schutzlos waren… Mein Gott, dass scheint eine Ewigkeit her zu sein, auch wenn wir die Folgen bis heute spüren…. Umso dankbarer bin ich heute für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Für meinen Sohn, der immer größer wird. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem wir im vergangenen Jahr seinen Kleiderschrank quasi zweimal größentechnisch durchtauschen mussten, und er mir nun bis ans Kinn reicht, wächst er auch innerlich immens. Während wir bei Nadeschda’s Lerntherapeutin warten mussten, entdeckte er ein Kinderbuch vom kleinen Nein und vom großen Nein. Es ist die Geschichte vom deutlichen, lauten „Nein-Sagen“ in Situationen, die dies auch wirklich erfordern. Am Ende schloß er das Buch und sagte: „Mama, ich kann schon ein großes Nein sagen.“ Und ja, er kann sich behaupten. Er ist nicht mehr der schüchterne, es allen recht machende kleine Junge. Er sagt seine Meinung. Auch wenn ich selbst damit natürlich manchmal zu kämpfen habe, so erfüllt es mich doch mit großem Stolz. Und ich bin tief beruhigt, wenn ich an die Schule komme, es wieder einmal, wie zu oft in den vergangenen Wochen Ärger unter den Jungs in der Klasse gab, ich meinem Sohn sage, dann solltest Du jetzt das und das tun, und er mir antwortet: „Habe ich schon gemacht.“ Er beginnt für sich zu kämpfen und seine Interessen und sein Wohlergehen durchzusetzen. Und das ist großartig.
  2. Für meine Tochter, die jeden Tag von neuem in der Schule so hart kämpft. Ja, seitdem ich nochmal die Bilder von damals mir ins Bewusstsein gerufen habe, und sehe, welchen Weg sie seitdem mit allem gegangen ist, ziehe ich innerlich noch einmal mehr den Hut vor ihr. Das Leben hat es nicht immer gut mit ihr gemeint, und manchmal habe ich das Gefühl, dass das Schicksal auch glaubt, die sollte oder könnte noch eine Schippe mehr ertragen. Das müsste nicht sein, aber sie kämpft sich durch!! Unsagbar tapfer.
  3. In Vorbereitung auf Maxim’s und meine Reise nach Moskau, lese ich wieder sehr viel über Russland. Was für ein Land! Ich bin so gespannt auf die Metropole Moskau, auch wenn ich mir dessen bewusst bin, dass wir eigentlich viel zu wenig Zeit haben. Doch all das lehrt mich, die Herkunft meiner Kinder noch einmal mehr schätzen.

In diesem Sinne habt einen wunderbaren Sonntag und einen erhellenden Start in die neue Woche!

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„Sometimes the strength of motherhood is greater than natural laws.“ (Barbara Kingsolver)

iStock_000015941675_LargeAus dem Leben unsere Adoptivfamilie

Vor einigen Jahren haben mein Mann und ich in einem aufreibenden Adoptionsprozess zwei Kinder aus Russland adoptiert. Neben unserem Alltag als Adoptivfamilie schreibe ich hier über Themen, die Adoptionsfamilien begegnen und mich als Adoptivmutter bewegen.