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Charlotte’s Sonntagslieblinge (131)

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Photo by Evan Wise on unsplash.com

Eigentlich wollte ich nicht schon wieder mit den Worten beginnen: „Erneut liegt eine volle und dichte Woche hinter uns…“ Aber irgendwie ist es so im Moment. Erst recht, wenn ich noch mehr arbeiten muss, als ich geplant hatte, da ich von erkrankten Kolleginnen Stunden übernehmen muss. So bleibt dann doch einiges auf der Strecke. Ich hoffe, das wird sich bald wieder ändern. Dennoch war es eine gute Woche, in der ich zumindest auch für mich ein paar Dinge erledigt habe: lang vor mir hergeschobene Arzttermine, um mich um meine eigene Gesundheit und mein Wohlbefinden zu kümmern, der Besuch auf dem russischen Konsulat, um lang aufgeschobene Formalitäten zu klären, Ausmisten von unliebsamen Ecken im Haus, die ich sonst hätte wegen Überfüllung schließen müssen und das ein oder andere mehr. So bin ich an diesem Sonntag dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Nach langen Odysseen bei unterschiedlichsten Ärzten wegen Maxim’s Kopfschmerzen waren wir in dieser Woche noch einmal bei zwei Kontrollen. Auch diese haben uns nicht wirklich weiter gebracht, außer, dass wir nun definitiv wissen, dass die Kopfschmerzen keine organischen Ursachen haben. Als der Kinderneurologe uns abschließend „nur“ Yogakurse für Kinder empfahl, musste ich doch ein wenig müde lächeln und beschloss nun endgültig, meinen bzw. unseren eigenen Weg weiter zu gehen. Für mich hat sich in den vergangenen Wochen bestätigt, dass Maxim’s Kopfschmerzen ihre Ursache in starker, zu starker Anspannung haben, die er einfach in für ihn belastenden Situationen sehr schnell erreicht. Für mich bleibt daher das einzige probate Mittel, meinen Sohn (auch therapeutisch) darin zu bestärken, zu lernen mit Stress und Anspannung anders umzugehen. Es bleibt einfach dabei, wir müssen mit unseren Kindern unseren eigenen Weg gehen. Und ich bin froh, dass ich an anderen Stellen immer wieder neue Impulse finde, die mich darin bestärken.
  2. Nadeschda lebt einmal wieder verstärkt ihre Anstrengungsvermeidung aus. Das tägliche Üben ist zuweilen eine große Herausforderung. Doch dann gibt es immer wieder diese kleinen Momente und Augenblicke, wo sie sich aus der Anstrengungsverweigerung befreien kann und tatsächlich auch Lernerfolge hat, und vor allem wo sie selbst sie sieht und wahrnimmt. Wie hat sie sich doch diebisch gefreut, dass sie nun endlich die 5er und die 6er Reihe des kleinen 1×1 kann! Ich hoffe, dass sie diese Momente bestärken, weiter zu kämpfen…
  3. Mit all den kranken Menschen um mich herum, bin ich heute dankbar, dass ich bis auf eine leichte Nasennebenhöhlenentzündung bisher verschont worden bin von härteren Infekten oder Krankheiten in diesem Jahr. Als ich dann noch die Beiträge von Sunnybee zu „Krank mit Kind?“ und Claire von mamastreikt zu „Unterhalt: Würde dann vom Amt kommen…“ gelesen habe, bekam „Gesundheit“ für mich noch einmal eine andere Dimension. Zum einen würde sicherlich mein Mann im Ernstfall einspringen, auch wenn dies in unserer Familienzeit bisher nur ein- oder zweimal vorkam, da ich sonst auch eher zu der Kategorie Mutter gehöre, die Infekte und Erkrankungen wegdrückt. Ich stehe also nicht ganz alleine da. Dafür kann ich durchaus dankbar sein. Zum anderen bin ich nicht nur dankbar, von größeren Erkrankungen in diesem Jahr bisher verschont zu sein, sondern auch grundsätzlich von größeren und kleineren Katastrophen. Möge das so weiter gehen…

Habt einen erholsamen Sonntag, einen guten Start in die neue Woche, und bleibt (oder werdet wieder) gesund!

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Von der Wut und der Angst, die dahinter steckt… – neue Sichtweisen auf die Folgen von Traumatisierung

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Von einem Buch, von dem ich wünschte, ich hätte es schon vor Jahren gelesen..

Viel habe ich in den vergangenen Wochen wieder über Traumatisierung und ihre Folgen bzw. Auswirkungen auf die Kinder und ihr Lernverhalten in der Schule gelesen. Begeistert erzählte ich am Wochenende einer Freundin davon, denn uns beide vereinen die Sorgen um die schulische Entwicklung unserer Kinder und der tägliche Kampf gegen die eigenen uns manchmal übermannenden Ängste und das tägliche Ringen mit unseren Kindern, zuhause das nachzuholen, was sie in der Schule aufgrund ihres nach wie vor traumatisierten Zustandes nicht mitbekommen, geschweige denn verinnerlicht haben. Häufig endet gerade dieses Ringen in Wutanfällen, häufig stellt das tägliche Lernen und Üben für die Schule einen extremen Kraftakt dar. – Bei uns inzwischen zwar immer weniger, aber die Momente, in denen die Stimmung kippt, und der Machtkampf droht, gibt es immer noch. Ich hatte gelernt, dass das so ist, in einem Leben mit einem anstrengungsverweigernden Kind. Genauso wie ich weiß, wo die Ursachen der Anstrengungsverweigerung liegen.

Doch es gibt zwei Bücher, die ich in den vergangenen Wochen gelesen habe, die noch einmal meine Sicht auf die Dinge verändert haben. Ja, da ist sehr viel Wut in meinen Kindern. Unbewusste, nicht benennbare Wut. Wut, die mit der Trauer um den Verlust oder das Verlassen werden durch ihre russische Mutter zu tun haben. Trauer um den Verlust einer behüteten frühen Kindheit, die meine beiden Kinder nie gehabt haben. Eine Wut, die die wunderbare Sherrie Eldridge erst in der vergangenen Woche wieder einmal so treffend beschrieben hat. Dennoch es gibt auch eine etwas andere Sicht auf die Dinge, die mir noch einmal die Augen geöffnet hat. Und mir hat so vieles noch einmal klar werden lassen. Zunächst las ich von Heather Forbes „Help for Billy“. Hier schildert die amerikanische Autorin, die selbst zwei Kinder aus Russland adoptiert hat, warum traumatisierte Kinder so schwer in der Schule lernen können, und wie Lehrer mit diesen Kindern umgehen sollten. Primär ist es eine praktische Anleitung für Lehrer. Aber grundsätzlich macht Heather Forbes sehr deutlich, warum gängige Unterrichtspraktiken bei traumatisierten Kindern nicht greifen. Vieles war mir schon bewusst oder ich hatte es anderer Stelle gelesen, doch die Klarheit und Deutlichkeit, mit der sie das formuliert, war mir neu. Spannend war für mich vor allem ihr Ansatz, dass alles, was das traumatisierte Kind tut – gemeint ist vor allem jedes auffällige Fehlverhalten -, aus einer tiefen schmerzhaften Angst passiert, aus der Angst, nicht überleben zu können. So ähnlich, wie ich es schon in meinen Post „Mehr als Manipulation, es geht um’s Überleben…“ angedeutet hatte. Doch in dieser Deutlichkeit, dass sich hinter Verweigerung, Aggression, Wut, Lügen, Stehlen, Trotz, etc. immer nur die Angst steht, hatte ich bisher in dieser Klarheit nicht gelesen.

Das wurde mir erst bewusst und hat in mir selbst noch einmal ein Umdenken in Bewegung gesetzt, als ich Heather Forbes‚ 2. Buch bzw. eigentlich erstes Buch „Beyond Consequences, Logic, and Control“ gelesen haben, in dem sie sich ausschließlich an die Eltern traumatisierter Kinder richtet. Gemeinsam mit ihrem Co-Autor entwickelt sie ein Stress-Modell, aus dem hervorgeht, dass jegliches auffälliges Verhalten eines traumatisierten Kindes auf Angst zurückzuführen ist. Entlang dieses Modells führt sie im folgenden in ihrem Buch aus, warum Verhaltensweise, wie Aggression und Trotz, aber auch Stehlen, Lügen, Horten von Essen und fehlender Blickkontakt immer auf eine tiefe darunterliegende Angst, wieder verlassen zu werden, wieder Hunger zu erleiden, wieder nicht geliebt zu werden zurückzuführen sind. Für die annehmenden Eltern gilt es, nicht in den bisher propagierten Erziehungswegen diesen Kindern diese Verhaltensweisen „abzutrainieren“, sondern die Angst dahinter zu sehen und das Kind mit dieser Angst in bedingungsloser Liebe anzunehmen und zunächst alles daran zusetzen, dem Kind diese Angst in der Situation zu nehmen.

Besonders bewegend ist ihr dem vorangestelltes Kapitel, in dem sie aufzeigt, dass traumatisierte Kinder auch die eigenen Traumata der Eltern berühren und wieder wachrufen. Und sie deshalb die berühmten Köpfchen drücken. Aber auch hier wieder, sie tun dies nicht manipulativ, sondern es wird beim Lesen deutlich, dass das eigenen Trauma etwas ist, das wir Eltern vielleicht in uns tragen. Unsere Kinder reagieren nur darauf bzw. unser eigenes Trauma lässt uns vielmehr so – eben nicht immer adäquat und in der Emotionalität viel zu stark – auf das Verhalten unseres Kindes reagieren. Ich wusste, was gemeint war, als ich mich an meines eigene Wut erinnerte, die ich immer gespürt habe, wenn ich das Gefühl hatte, ich würde auf Maxim einreden, wie auf einen kranken Gaul, er aber gar nicht reagierte. Nicht reagieren, mich ignorieren, war das schlimmste was mir passieren konnte. Denn dieses Nicht gesehen werden, war mein eigenes Kindheitstrauma. Erst mit dem Tod meines Vaters vor ein paar Jahren und mit dem inneren Abschließen mit dem Verhältnis zu meiner Mutter schwand diese alte Wut. Und ich lernte mit Maxim’s Ignorieren anders umzugehen.

Am Wochenende habe ich zu meiner Freundin gesagt: „Vergiss alle andere Adoptionsliteratur, vergiss alle Bücher über Bindungstheorien bei traumatisierten Adoptivkindern. Lies dieses eine Buch. Ich habe beim Lesen gedacht, warum habe ich es nicht schon vor acht Jahren gelesen. Es hätte mir viel Leid und Kampf erspart.“

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (123)

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Photo by Evan Wise on unsplash.com

Wir haben die erste Schulwoche erfolgreich – und relativ entspannt – hinter uns gebracht. Und das auch noch mit vielen Arztterminen. Was man eben so machen muss – Augenarzt, Kieferorthopäde, …-, auch wenn es leibliche Kinder wären. Doch wir haben andere Sachen dafür sein lassen, das Üben etwas herunter gefahren. Und so klappte der Übergang in den Alltag ziemlich gut. Ohne große Dramen, ohne große Schwierigkeiten, ohne den Atem anhalten zu müssen, ob das alles so klappt. Und so bin ich in diesen frühen Morgenstunden an diesem Sonntag dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Zu Beginn gleich zwei „Dinge“ auf einmal: Meinen Mann und meinen Trockner. Wir haben tatsächlich am vergangenen Sonntag, nachdem die Stille der besinnlichen Morgenstunden verhallt war, 10 Maschinen Wäsche gewaschen und getrocknet. Es ist einfach unglaublich, was sich nach einem Skiurlaub so alles ansammelt. Unser Trockner, den Richard und ich uns als unser erstes gemeinsames Weihnachtsgeschenk vor bald zwanzig Jahren (!!!)  geschenkt haben, lief und lief und lief. Ohne zu schwächeln. In derselben Zeit haben wir mittlerweile die dritte Waschmaschine angeschafft. – Und genauso begeistert war ich von meinem Mann, der dann auf einmal seine Fähigkeiten zum Wäschzusammenlegen wieder entdeckt hat und mehr als die Hälfte der Waschmaschinenladungen, die von unserem wunderbaren Trockner getrocknet wurden, auch zusammengelegt hat. Großartig!
  2. Nadeschda hat den Wiedereinstieg in die Schule bravurös gemeistert. Mit all der Unlust, die sie vorher hatte, hätte ich das nicht erwartet. Es scheint, als wäre sie nun im Moment in der aktuellen Schreibepoche oben auf. Damit hätte sich all unser Üben und Arbeiten Zuhause wirklich ausgezahlt. Es wäre das erste Mal, dass sie in der Schule mit ganz vorne dran ist. Genau das, was sie verdient hat!
  3. Maxim muss einmal wieder mit dem Rechnen kämpfen. Wie viele andere Kinder in seiner Klasse auch. Aber dennoch, ich mache mir auf der einen Seite Sorgen, ob er auch weiter alles mitbekommt. Aber auf der anderen Seite bewundere ich seinen inneren Kampf und seinen inneren Willen, es doch jeden verdammten Tag immer wieder neu zu versuchen, zu lernen, zu üben, zu wiederholen, sich durch zu kämpfen. Er ist so unglaublich tapfer!

Nun freue ich mich über  ein wenig Neuanfang für das Jahr in meinem Haus. Alle alte Weihnachtsdekoration musste weichen. Und Frühlingsvorboten nehmen ihren Platz ein.

Habt einen wunderbaren Sonntag und einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche!

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Von guten Vorsätzen für das neue Jahr…

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Erneut haben wir ein Jahr hinter uns gebracht und das neue begrüßt uns mit offenen Armen. Ist die Umarmung diesmal wohlwollend? Oder stehen uns erneut so viele Prüfungen und Herausforderungen bevor wie im vergangenen Jahr? Letztes Jahr im Januar habe ich hier stolz geschrieben, dass ich mir keine Vorsätze vornehme oder Pläne schmiede, sondern in Gelassenheit schaue, wo mich das Jahr und seine Zeit hinführt. „Das Ego mag vielleicht einen Vorsatz brauchen. Dein Selbst braucht es nicht.“, las ich damals bei Katja von homeiswheretheboysare. Ja, sie hatte Recht.

Doch mich dem Schicksal ganz ergeben, hat mir im abgelaufenen Jahr nicht gut getan. Auch wenn ich mehr als stolz darauf sein kann, was mir trotz all der Schwierigkeiten, Herausforderungen und Sorgen dennoch gelungen ist. Ich habe meine Ausbildung beendet und erfolgreich abgeschlossen. Ich habe wieder einen festen Job und werde im Laufe diesen Jahres sogar in Vollzeit als Lehrerin anfangen zu arbeiten. Und ich habe ein Stipendium für ein neues Buchprojekt bekommen. Aber die eigene Selbstfürsorge blieb weiterhin auf der Strecke. Zu wenig Sport. Nicht wirklich viel gelesen, zumindest nicht so viel wie ich gehofft hatte. Zu oft zu wenig Schlaf, zu ungesund gegessen. Da war ich schon besser.

Ich habe meine kranke Mutter nach ihrem Schlaganfall gepflegt und umsorgt, ihr ein neues Zuhause gegeben, sie auf dem Wege der Genesung begleitet. Als es ihr besser ging, hat sie sukzessive den Kontakt abgebrochen, uns nur mit Nicklichkeiten beschäftigt und auf Trab gehalten. Irgendwann ist sie einfach verschwunden. Ohne mir all mein Geld, das ich für sie vorgelegt hatte, zurückzuzahlen, ohne eine Geste des Dankes. Zurückbleiben nur eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung. Aber wo sie ist, wissen wir nicht. Und damit ist das Kapitel abgeschlossen. Was die Fürsorge eines alten Elternteils angeht, habe ich meine Schuldigkeit getan. Nun bin ich raus. Endgültig.

Maxim und Nadeschda geht es gesundheitlich inzwischen wieder so weit gut. Wir sind durch die tiefsten Täler der Angst gegangen und haben sie bewältigt. Beim nächsten Mal werden wir damit wieder anders umgehen. Dessen bin ich mir sicher. Es stimmt eben doch, dass man mit seinen Herausforderungen wächst. So hart das klingt, aber beim ersten Fieber von Maxim waren wir völlig hilflos und überfordert. Wenn er heute 40 Fieber hat, bleibe ich gelassen. Sollten wir das nächste Mal mit einer ungewissen Krebsdiagnose konfrontiert sein, werden wir schlucken, aber ich bin mir dessen gewiss, dass es uns nicht mehr so beuteln wird wie in diesem Jahr. Das hatten wir. Wir sind durch diese unermessliche Angst durchgegangen.

Mit Blick auf die Schwierigkeiten mit der Schule, habe ich erneut Maxim’s und Nadeschda’s Lernschwächen erkannt und kann ihnen hoffentlich helfen, damit umzugehen. Erneut habe ich gelernt, mich eben nicht in das System zu begeben. Das hilft nicht. In keiner Weise. Meine Kinder sind eben nicht die Norm. Das habe ich in einer erneuten Lektion mit Nadeschda bitterlich erkennen müssen. Und auch wenn ich mich in das System begebe, bekomme ich nicht die Hilfen, die ich, die meine Kinder brauchen. Ich muss unseren eigenen Weg finden. Auch das haben wir wieder in diesem abgelaufen Jahr geschafft. Für Nadeschda habe ich einen Weg gefunden, den wir jetzt gehen. Und auch für Maxim werde ich einen Weg finden. Das weiß ich. Und das, was meine Kinder in der Schule nicht lernen – was das meiste ist -, haben sie inzwischen von mir gelernt. Wieder war ich beseelt, wie großartig Nadeschda inzwischen lesen kann. Und auch die Dyskalkulie sind wir dabei in den Griff zu bekommen. Am Ende ist klar, ich bin im Tiefsten davon überzeugt, dass meine Kinder ihren Weg durch die Schule gehen. Sie werden sicherlich keinen Nobelpreis gewinnen, aber sie werden einen Beruf erlernen, der sie glücklich und zufrieden macht, der sie ihren Alltag bestreiten lässt.

Die Amerikaner sind immer großartig in Redewendungen. Ich habe mich im vergangenen Jahr entschieden nach allem,was passiert war, nicht mehr die Ausbildung weiter zu gehen, um die Qualifikation für die Oberstufe zu bekommen – die Rahmenbedingungen waren einfach zu ungünstig. Ich sagte mir einfach: „I don’t have to do this anymore.“ Irgendwann ist es gut. Ich habe genug erreicht in meinem Leben. Ich muss mir nicht auch noch das beweisen. Und so gibt es die andere Redewendung: „Why settle for something less?“ Ich werde meinen Kindern nicht den bequemen Weg durch das Schulsystem bieten, ich werden ihnen nicht die Kellerdecke hinhängen, wenn sie sich nach dem Himmel strecken können. Sie werden sich nach dem Himmel strecken, wenn wir ihnen diesen reichen, dessen bin ich mir gewiss. Ich werde ihnen diese Chance niemals nehmen. Egal wie. Dafür bin ich inzwischen bereit sehr weit zu gehen.

Was sind also meine Vorsätze für diese junge, neue Jahr? Habe ich welche? Wäre es gut, welche zu haben? Keine zu haben, hat mich auch nicht glücklich gemacht. Zu sehr ließ ich mich „ablenken“ und zu schnell klein beigeben bei all dem, was dann so im Alltag auf mich einprasselte. Das möchte ich nicht mehr. Vielleicht ist es, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, nur ein Vorsatz, den ich mir für dieses Jahr vornehme: Ich möchte meinen eigenen Wünschen und Prinzipien treu bleiben. Und wenn diese gefährdet sind, dann muss ich in meinem alltäglichen Leben etwas ändern. Schneller, als ich das im vorangegangen Jahr getan habe.

Ich muss und will auf mich selbst aufpassen. Mehr, viel mehr, als ich das im letzten Jahr getan habe. Denn nur dann, nur wenn ich wirklich gut zu mir selbst bin, dann kann ich auch meinen Kindern, Maxim und Nadeschda die Mutter sein, die sie in diesem kommenden Jahr brauchen.

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#bestofelternblogs2018

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Photo by Mammal on unsplash.com

Die liebe Anja von der Kellerbande hat einmal wieder zu ihrer beliebten Blogparade #bestofelternblogs2018 aufgerufen. Da mache ich doch gerne mit. Erleuchtend und interessant war der Blick in die Zahlen. Denn wie im vergangenen Jahr war wiederum mein Beitrag zum „Umgang mit der Anstrengungsverweigerung“, der deutlich am meisten aufgerufene Post. Hier schildere ich, wie wir mit der „Anstrengungsverweigerung“ unserer Kinder umgehen, nachdem wir sie anfangs in den ersten Jahren nach unserer Adoption nicht wirklich wahrhaben wollten. Jahre später muss ich gestehen, dass wir viele der Ratschläge und Hinweise von Bettina Bonus umsetzen bzw. umgesetzt haben. Heute noch einmal fast zwei Jahre nach diesem Post ist es sogar noch viel mehr. Aber wir fahren gut damit. Auch wenn ich anfangs die Hinweise und die Sichtwiesen von Bettina Bonus maßlos übertrieben fand, so muss ich ihr nach Jahren, vor allem mittlerweile mit zwei Schulkindern, in so vielem Recht geben. Und letztendlich gibt der Erfolg, den unsere Kinder nun in der Schule haben, ihr ebenso Recht.

Weitere Beiträge zum Thema „Anstrengungsverweigerung finden Ihr zum Beispiel in den folgenden Posts:

„Vom Umgang mit der Anstrengungsverweigerung: Zu den Ursachen“

„Zum Gebrauch von elektronischen Medien“

„Anstrengungsverweigerung – von der alles dominierenden Angst“

oder auch in meiner Interviewreihe zur „Anstrengungsverweigerung“, die ich in 2018 mit Julia gemacht habe, die sich ebenso großer Beliebtheit und großen Interesse erfreut hat.

 

 

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (117)

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Photo by Joanna Kosinka on unsplash.com

Eine dichte Woche liegt hinter uns, aber auch ein geruhsames Wochenende hält uns gerade wohlwollend in seinem Schoß. Wieder einmal genieße ich die sonntägliche Stille morgens im Haus, während der Rest der Familie noch schläft, oder wie mein Sohn, in seinem Bett liegt und liest. Ich tue dies auch, wenn ich mit diesen Zeilen fertig bin. Doch erst sitze ich mit einer Tasse wunderbarem Kaffee auf der Couch und denke an die Momente der Dankbarkeit der vergangenen Woche. So sind dies heute meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Maxim und ich hatten gestern einen wunderbaren „Jungsnachmittag“.  Mit zwei seiner Freunde waren wir zusammen in der jährlichen Zirkusvorstellung der Schule. Als Zuschauer. Maxim trat ja nicht auf, was den beginnenden Advent deutlich entspannt hat. Um so schöner war es, mit den drei Jungs einfach einen fantastischen Nachmittag zu verbringen.
  2. Nadeschda hat tapfer ihre Untersuchungen beim Kinderneurologen zur Testung einer mögliche Dyskalkulie überstanden. Das hat sie wirklich großartig gemacht. Samt aller Begleitumstände mit früh aufstehen, langer Autofahrt und dann auch noch fit sein und mitmachen. ja, sie ist mittlerweile 8 Jahre alt, aber dennoch. Ich war müde nachmittags, als wir zuhause waren. Und das obwohl ich keine Tests über mich ergehen lassen musste, sondern nur im Wartezimmer über die Aussagen der Ärztin nachdenken durfte.
  3. Die Lieblingstante war da, und wir haben mit den Kindern wieder wunderbare Knusperhäuschen gezaubert. Nach all den Jahren sind wir nun schon wirklich professionell unterwegs und nun wissen wir endlich auch, wie es zügig, aber dafür auch entspannt für uns Erwachsenen geht. Ich habe nach all den Jahren das ultimative Teilrezept gefunden und wir haben uns endlich auch die perfekte Mischung für den Eischneekleber gemerkt. Damit haben wir viele Unwägbarkeiten beim Lebkuchenhausbau beseitigt. Und nun freuen wir uns jeden Tag wieder an unseren wunderbaren Zuckerhäuschen.

Habt einen zauberhaften 2. Advent! Und kommt vor allem wohlbehalten in die neue Woche.

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Interviewreihe „Anstrengungsverweigerung“ – eine Adoptivmutter erzählt… (2/3)

Anstrengungsverweigerung im Alltag und in der Schule

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Heute kommen wir zum zweiten Teil meiner Interviewreihe mit Julia. Die Adoptivmutter schildert hier ausführlich und bewegend, wie sich die Anstrengungsverweigerung bei ihrem Sohn in der Schule zeigt. Und auch bestätigt sie mich darin, dass die Anstrengungsverweigerung oft in Phasen der Veränderung auftritt, wie ich es auch so oft schon bei Nadeschda und auch Maxim erlebt habe. 

Liebe Julia, gibt es bestimmte Lebensphasen bei Deinem Sohn, in denen besonders intensiv sein anstrengungsvermeidendes Verhalten auftritt?

Grundsätzlich sind Phasen, die von Neubeginn geprägt sind, wie der Eintritt in den Kindergarten oder auch jetzt dem Übertritt in die Schule, in Verbindung mit persönlicher Entwicklung deutlich mehr von Ängsten geprägt und damit einhergehend von ausgeprägterem anstrengungsvermeidendem Verhalten. Es gibt ruhigere Phasen ohne große Probleme, wenn alles seinen gewohnten Gang geht. Im Allgemeinen ist ein immer gleicher Tagesablauf eher förderlich für unsere Beziehung, wohingegen plötzlich eintretende Veränderung in der Tagesstruktur, sei es durch unvorhergesehen nötige spontane Erledigungen o.ä. eher das Zeug dazu haben, verweigerndes Verhalten „heraufzubeschwören“.

Das ist Ausdruck seiner Angst vor Kontrollverlust und der Ohnmacht, einer nicht beherrschbaren Situation gegenüber zu stehen. Er baut auch gezielt solchen Situationen vor. Hier ein Beispiel: Indem er uns schon weit im Voraus vehement daran erinnert, dass wir neue Milch für sein Müsli kaufen müssen, obwohl noch 2 volle Flaschen im Kühlschrank stehen, schützt er sich quasi vor einer Situation, die er verabscheut, nämlich, in der er Frust erlebt und diesen nicht adäquat beeinflussen kann, wenn mal keine Milch da wäre, und er stattdessen etwas anderes frühstücken müsste. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch zweierlei: Erstens, mit was für Dingen er sich, von unserem Standpunkt gesehen, unnötigerweise beschäftigt. Und das macht vielleicht in Ansätzen denjenigen, die ein solches Verhaltensmuster nicht kennen, verständlich, dass ihn das so vereinnahmt, immer in „Hab-Acht-Stellung“ zu sein, dass er sich dann mit den wirklich wichtigen Herausforderungen des Lebens oder seines Alltags, wie z.B. Hausaufgaben nicht mehr auseinandersetzen kann. Seine ganze Energie geht quasi für den Schutz vor der Ohnmacht drauf, da hat dann nicht mehr viel Anderes Platz. Zweitens zeigt es, dass er, um die Kontrolle zu behalten, nicht mehr kindlich darauf vertraut, dass wir Eltern schon für neue Milch sorgen werden, sondern er derjenige sein muss, der darauf hinweist und damit die Erwachsenenrolle übernimmt, die ihn aber natürlich massiv überfordert und überhaupt nicht angemessen ist.

Es gibt viele kleine Situationen sind, die eskalieren können, aber nicht immer müssen. Das ist mir auch noch einmal wichtig, zu sagen: Je öfter wir mit bestimmten Situationen umgehen, desto eher verlieren sie ihre Bedrohlichkeit für ihn. D.h. mit viel Geduld setzt ein Lernprozess bei ihm ein. Und das ist die gute Nachricht für alle, die damit zu kämpfen haben: Es ist möglich, den Teufelskreis aus Angst und Verweigerung zu durchbrechen! Aber eben nicht mit den allgemein gültigen Erziehungsmethoden, so es die überhaupt gibt, sondern mit enger, empathischer Begleitung und viel Geduld. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt man, und das stimmt!

Wie zeigt sich sein anstrengungsvermeidendes Verhalten in der Schule? Wie gehen seine Lehrer damit um? 

Da er im Sommer erst in die Schule gekommen ist, kann ich dazu noch nicht ganz so viel sagen. Wir sind in gutem Kontakt zur Klassenlehrerin, die wir nicht von Anfang an, aber doch recht bald nach den ersten Schulwochen über seine Geschichte aufgeklärt haben. Wir hatten im Kindergarten schon gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen und in dem Zusammenhang der Aufklärung über seine Biographie gemacht, dass wir uns das für die Schule auch vorgenommen hatten. Allerdings wollten wir zunächst die erste Phase abwarten, um der Klassenlehrerin einen unvoreingenommen Blick zu ermöglichen. Sie hat uns aber recht bald ihrerseits eher beiläufig einige Beobachtungen geschildert, die uns dazu veranlasst haben, sie zu informieren. Auch über das facettenreiche Muster der Anstrengungsverweigerung haben wir ihr einen kleinen Einblick gegeben.

Wir sind bisher sehr positiv überrascht über die gute und einfühlsame Beobachtung, die sie nicht nur in Bezug auf unseren Sohn macht. Bei 23 Kindern in der Klasse nicht selbstverständlich. Bisherige Beobachtungen der Lehrerin gehen in Richtung seiner zurückhaltenden Art und, dass , dass er sich im Unterricht nicht immer traut, etwas zu sagen, obwohl erkennbar ist, dass er die richtige Antwort weiß. In unserem Gespräch mit ihr hat sie sehr aufgeschlossen reagiert und deutlich gemacht, dass sie mit diesem Wissen um seine Situation mit schwierigen Augenblicken besser wird umgehen können.

In der letzten Woche hatten wir noch einmal kurz Gelegenheit, ein kurzes Feedback von ihr zu erhalten, wo sie zwei Dinge besonders hervorgehoben wissen wollte, nämlich, seine Gewissenhaftigkeit bei der Erledigungen von anstehenden Aufgaben und seine Ordnungsliebe bei seinen Schulsachen und seiner Schrift. Das insbesondere sind Dinge, die ja oftmals große Probleme bereiten bei anstrengungsverweigernden Kindern, umso erleicherter bin ich, dass es ihm zumindest in der Schule bisher anscheinend gut gelingt. Ich weiß aber auch, dass das nicht von ungefähr kommt. Wir arbeiten zu Hause hart daran, dass es so ist. Hausaufgaben sind bei uns heikle Situationen und gleichen einem ewigen Minenfeld, wo jederzeit eine „Bombe“ hochgehen kann. Ich muss ihn sehr eng bei seinen Aufgaben begleiten, dabei sitzen und immer wieder esakliert die Situation trotz guter Vorsätze. Von daher bin ich sehr wachsam und dankbar, aber nicht übertrieben euphorisch.

Wie sieht das anstrengungsvermeidende Verhalten Deines Sohnes konkret mit dem Blick auf die Schule aus?

Zu den Hausaufgaben habe ich ja schon etwas gesagt.

Was die aktive Teilnahme am Unterricht angeht, haben wir bisher nur wenige Informationen. Es ist laut der Lehrerin nicht so, dass er sich gar nicht beteiligt, er meldet sich, beantwortet Fragen. Er hat aber schon Schwierigkeiten, frei vor der Klasse zu sprechen. Wenn er sich von sich aus meldet, dann geht es, wenn er aber von Seiten der Lehrerin aufgerufen wird, fällt es ihm schwer, das zu sagen, was er weiß.

Mit unordentlichen Schulsachen haben wir bislang keine Probleme, wobei man sagen muss, dass er immer schon ein Ordnungsfanatiker und Sauberkeitsliebhaber war. Damit meine ich nicht, dass es in seinem Zimmer nicht manchmal so aussieht, als sei eine Bombe eingeschlagen, aber er räumt auf Aufforderung zum Teil alleine, z.T. mit Hilfe sehr gewissenhaft auf. Auch vonseiten der Schule haben wir die Rückmeldung, dass er sich dadurch hervortut. Er nimmt seine Klassendienste sehr sorgfältig und selbstständig wahr und ist immer zur Stelle, wo sich andere gerne aus der Affaire ziehen, wenn es ums Aufräumen geht.

Was Joshua’s Lehrer allerdings auch schon beobachtet hat, ist, dass er sehr gerne versucht, viele Dinge auszudiskutieren oder versucht, zu verhandeln, ob er bestimmte Aufgaben tatsächlich jetzt gleich oder nicht vielleicht auch später erledigen könnte. Auch dies ist bei ihm Ausdruck der Anstrengungsverweigerung, aber entscheidend ist, dass die Lehrerin sich nicht auf solche „Deals“, die er immer anzubieten hat eingeht, sondern konsequent bleibt und er die Aufgaben dann auch anstandslos macht.

Machst du dir Sorgen um die Zukunft Deines Sohnes? Wenn ja, welche?

Ich mache mir Gedanken, sagen wir mal so. Ich mache mir Gedanken, wie er mit seiner Geschichte im Weiteren klarkommt, inwieweit seine Herkunftsgeschichte, von der er selbstverständlich weiß und mit der er aufgewachsen ist, für ihn auch in der aktiven Bearbeitung weiter an Bedeutung gewinnen wird. Sorgen mache ich mir an sich nicht, ich glaube, dass ein sorgenvoller Blick uns nicht hilft. Und ich habe in der Vergangenheit gemerkt, dass wir sehr stark sind, als Familie und in unserer Beziehung zueinander. Und auch und besonders unser Sohn ist sehr stark. Wenn es ihm heute auch noch oft schwer fällt, mit seine Empfindungen und Bedürfnisse einzuordnen und zu kanalisieren, für umso wichtiger halte ich es, dass er so sensibel und empathisch bleibt. Er hat damit eine „Gabe“ oder Eigenschaft inne, die gerade in unserer heutigen Gesellschafft oft Mangelware ist. Wo jeder nur an sich selber denkt, an sein persönliches Fortkommen, an seinen eigenen Vorteil, da erkenne ich in ihm genau das Gegenteil. Er hat ein waches Auge und ein offenes Herz für die zwischenmenschlichen Beziehungen um ihn herum. Von solchen Menschen profitiert unsere Gesellschaft. Das ist meine Überzeugung.

Mehr von Julia und ihrem Sohn Joshua erfahrt Ihr in der kommenden Woche!

Den ersten Teil des Interviews könnt Ihr hier lesen.