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Charlotte’s Sonntagslieblinge (23)

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Ben White, unsplash.com

Nach einer für mich sehr ereignisreichen und vollen Woche blicke ich zufrieden, wie jeden Sonntag, auf die schönen und erfreuenden Momente der vergangenen Tage, die meiner Buchveröffentlichung in nichts nachstehen. Inspiriert von  Mirjam von Perfektwir sind hier meine drei Sonntagslieblinge:

  1. Maxim hatte in der letzten Zeit etwas Schwierigkeiten mit seiner Aufmerksamkeit im Englischunterricht. Doch nach einem klärenden Gespräch und einer für ihn sehr motivierenden Aufführung mit seiner Englischlehrerin in der Schule habe ich nun einen begeistert Englisch sprechenden Sohn Zuhause. Sein Bühnenauftritt trieb mir wieder einmal die Tränen in die Augen. Wenn ich zurückdenke, wie schwer er sich mit dem Deutsch Sprechen und überhaupt mit dem Sprechen getan hatte, so erfüllt es mich jedes Mal wieder von neuem mit tiefer Dankbarkeit, ihn laut und deutlich auf einer Bühne sprechen zu hören. Und das auch noch in einer wieder für ihn neuen Sprache.
  2. Nadeschda hat mit vier Mädchen aus ihrer Klasse einen bezaubernden Kindergeburtstag gefeiert. Ich bewundere immer wieder ihre Weisheit, mit der sie zielsicher nur ausgewählte Kinder (und weniger als sie gedurft hätte) eingeladen hat, damit sie sich selbst nicht überfordert, sondern ihren Geburtstag noch genießen kann.
  3. Endlich, endlich habe ich wieder begonnen, jeden zweiten Tag laufen zu gehen. Das tut nicht nur meinem Rücken gut, sondern es macht auch den Kopf so herrlich frei.

Habt alle einen wunderbaren Sonntag und einen guten Start in eine verrückte Faschingswoche!

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Sprachversuche mit Waisenkindern – Eine schockierende Geschichte, die mich beschäftigt

Wann immer ich etwas über Waisenkinder höre oder lese, wird sofort eine tiefe Betroffenheit in mir wach. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Auch wenn diese Geschichten keinen persönlichen Bezug haben und schon lange in ihrer Zeit zurückliegen. Diese hier hat mich immer wieder in den vergangenen Tagen beschäftigt. Ich muss sie teilen, um von hier weiter schreiben zu können:

Kaiser Friedrich II wollte zu Beginn des 13. Jahrhunderts die ursprüngliche Sprache der Menschheit herausfinden. Deshalb ließ er einige neugeborene Kinder ihren Müttern wegnehmen und von Ammen und Pflegerinnen versorgen. Sie gaben den Kindern Milch und sorgten für ihre körperliche Hygiene. Aber es war ihnen verboten, mit den Kindern zu sprechen. So wollte Kaiser Friedrich herausbekommen, welche Sprache diese Kinder als erstes sprechen würden, die ihrer Eltern, oder die hebräische, die damals als die älteste Sprache galt, oder die griechische oder die lateinische. Doch der Versuch scheiterte. Denn alle Kinder starben. Denn ohne sprachliche Zuwendung und Zuneigung, ohne eine Resonanz kann kein Kind überleben.

Natürlich mag das aus sprachtheoretischer Sicht hochgradig spannend sein. Mich hat es in erster Linie betroffen gemacht. Denn es erinnert mich an ein Stück aus der Lebensgeschichte meiner Kinder. Eine Zeitlang waren sie in einem Kinderheim, bevor das Schicksal sie zu uns brachte. So gut sie dort auch versorgt waren, es mangelte nichtsdestotrotz an Zuwendung und individueller Begleitung und Fürsorge. Das gibt der  Alltag im Kinderheim einfach nicht her, egal wie bemüht die Erzieherinnen sein mögen. Meine Kinder haben das überlebt. Ihr Kampfgeist und Überlebenswille hat sie durch diese Zeit hindurch getragen. Nur so konnten sie weiter ihren Lebensweg gehen, der sie zu uns geführt hat. Diese Stärke berührt mich. Sie ist ein Teil meiner Kinder. Sie gehört unwiederbringlich zu ihnen. Denn das hat ihnen in einer kritischen Phase, wo sie eigentlich klein und hilflos waren, das Leben gerettet. Ich sollte mir dieser Stärke bewusst sein, gerade wenn ich einmal wieder die negativen Auswirkungen dieses Kampfgeistes zu spüren bekomme.