3

Die Sonne scheint immer… irgendwie….

happy family with kids walk at sunset beach

Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Gerade im Moment dürfen wir ein wenig durchatmen. Aber nur ein wenig, denn die nächsten Schwierigkeiten mit der Schule zeichnen sich ab. Neue Schwierigkeiten mit der Schule. Nicht erwartete. Und auch wenn ich mich noch so an der Schule engagiere, habe ich gelernt, dass es dann doch einen Punkt gibt, an dem auch dort, selbst in dieser vermeidlich heilen Waldorfwelt, die sie schon längt nicht mehr ist, und die Lehrer wenig auf die Schwierigkeiten, die die Kinder mitbringen – nicht meine Kinder, sondern auch die anderen – vorbereitet geschweige denn geschult sind, meine Kinder irgendwann keine Sonderrolle mehr haben. Da ist es dann nicht mehr selbstverständlich, dass man von Seiten der Schule sagt: „Ja, klar wir schaffen das.“ Nein, da sind wir dann einem Punkt, wo wir Eltern wieder für Lösungen sorgen müssen. Wieder und wieder. Tun wir ja auch. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

Auch wenn wir uns, was die Gesundheit unserer Kinder angeht, etwas entspannen können, so hält doch die Belastung an. Denn neue Herausforderungen erwarten uns. Das ist hart und schwierig. Und manchmal denke ich durchaus – und sitze abends heulend auf dem Sofa -: „Das ist alles so unfair.“ Unfair vor allem für meine Kinder. All das, was wir in den vergangenen Wochen durchgemacht haben, das braucht keiner, vor allem kein Kind. Und erst recht nicht ein Kind, das schon so vieles in seinem Leben durchlitten hat. Manchmal denke ich: „Kein Wunder, dass Nadeschda oft für mindestens ein Jahr jünger gehalten wird, als sie ist. Denn in den knapp eineinhalb Jahren bevor sie zu uns kam, hat sie nur überlebt. Und das teilweise wahrscheinlich unter widrigsten Umständen. Da hat sie alles andere hinten angestellt. Sie ist nicht gewachsen, sie hat nicht zugenommen, sie hat bestimmte Basisfunktionen, die ein Baby, das behütet aufwächst nicht gelernt. Wie auch? Geschweige denn den natürlichen Willen sich zu entwickelnd und zu lernen. Sie musste einfach nur überleben. Wieviel Kraft das gekostet hast? Alle, alle Kraft, aber wirklich alle Kraft, die ihr zur Verfügung stand. Und sie hat überlebt. Und das ist die wahre Leistung!“

Um so erleichternder fand ich dann einen Beitrag wieder einmal von Michael von Confessionsofanadoptiveparent, wo er ebenso von einem harten Tag schreibt und am Ende aber zu dem Schluss kommt: „Die Sonne scheint immer.“ Ja, sie mag versteckt sein hinter dunklen, grauen und manchmal sogar schwarzen Wolken. Aber eigentlich ist sie immer da. Und sie scheint IMMER. Nur können wir das eben an manchen Tagen nicht sehen. An diese Sätze denke ich in den letzen Tagen sehr oft. Ja, da draußen dreht die Sonne ihre Runden im Universum. Und sie ist immer da. Es sind nur die grauen und schwarzen Wolken, die sich manchmal (oder auch öfter) vor sie schieben. Aber am Ende scheint die Sonne. Immer…

1

Sprachversuche mit Waisenkindern – Eine schockierende Geschichte, die mich beschäftigt

Wann immer ich etwas über Waisenkinder höre oder lese, wird sofort eine tiefe Betroffenheit in mir wach. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Auch wenn diese Geschichten keinen persönlichen Bezug haben und schon lange in ihrer Zeit zurückliegen. Diese hier hat mich immer wieder in den vergangenen Tagen beschäftigt. Ich muss sie teilen, um von hier weiter schreiben zu können:

Kaiser Friedrich II wollte zu Beginn des 13. Jahrhunderts die ursprüngliche Sprache der Menschheit herausfinden. Deshalb ließ er einige neugeborene Kinder ihren Müttern wegnehmen und von Ammen und Pflegerinnen versorgen. Sie gaben den Kindern Milch und sorgten für ihre körperliche Hygiene. Aber es war ihnen verboten, mit den Kindern zu sprechen. So wollte Kaiser Friedrich herausbekommen, welche Sprache diese Kinder als erstes sprechen würden, die ihrer Eltern, oder die hebräische, die damals als die älteste Sprache galt, oder die griechische oder die lateinische. Doch der Versuch scheiterte. Denn alle Kinder starben. Denn ohne sprachliche Zuwendung und Zuneigung, ohne eine Resonanz kann kein Kind überleben.

Natürlich mag das aus sprachtheoretischer Sicht hochgradig spannend sein. Mich hat es in erster Linie betroffen gemacht. Denn es erinnert mich an ein Stück aus der Lebensgeschichte meiner Kinder. Eine Zeitlang waren sie in einem Kinderheim, bevor das Schicksal sie zu uns brachte. So gut sie dort auch versorgt waren, es mangelte nichtsdestotrotz an Zuwendung und individueller Begleitung und Fürsorge. Das gibt der  Alltag im Kinderheim einfach nicht her, egal wie bemüht die Erzieherinnen sein mögen. Meine Kinder haben das überlebt. Ihr Kampfgeist und Überlebenswille hat sie durch diese Zeit hindurch getragen. Nur so konnten sie weiter ihren Lebensweg gehen, der sie zu uns geführt hat. Diese Stärke berührt mich. Sie ist ein Teil meiner Kinder. Sie gehört unwiederbringlich zu ihnen. Denn das hat ihnen in einer kritischen Phase, wo sie eigentlich klein und hilflos waren, das Leben gerettet. Ich sollte mir dieser Stärke bewusst sein, gerade wenn ich einmal wieder die negativen Auswirkungen dieses Kampfgeistes zu spüren bekomme.