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Charlotte’s Sonntagslieblinge (153)

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Photo by Kevin Gent on unsplash.com

Puuuuhhhh, die erste Schulwoche ist geschafft. Doch von einem Alltag und einer Routine sind wir weit entfernt. Die Veränderungen sind dann doch zu gravierend. Und heute Nachmittag ziehen dann noch unsere drei neuen Mitbewohner bei uns ein. Die drei kleinen Geschwister „Hase“ beziehen ihr Heim bei ihren Adoptiveltern Maxim und Nadeschda. Die jungen Eltern haben schon alles hergerichtet, ganz so wie wir damals, vor inzwischen so vielen Jahren. Die Hasengroßmutter, sprich ich, muss jetzt nur noch um den qualifizierten Tierarzt kümmern, der dann genau auch Zeit hat, wenn es in den engen Terminkalender von Haseneltern und Hasengroßmutter hineinpasst. Wir freuen uns, und ich wünsche mir so sehr, dass auch die Zeit im Alltag bleibt, sich weiter zu freuen und die Zeit mit den Hasenkindern zu genießen. – Im Moment noch bin ich allein an diesem jungen Sonntagmorgen. Richard ist übers Wochenende mit den Kindern zum alljährlichen Väterwochenende auf just dem Bauernhof, auf dem wir schon so oft waren, in den vergangenen Jahren, seitdem wir Eltern sind, und der uns nun auch den ersten Enkelnachwuchs beschert. Und so bin ich in der Stille dieses Sonntag Morgens dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Mehr als dankbar bin ich dafür, dass wir alle einen guten Start in unser „neues“ Schulleben hatten. In Anbetracht dessen, dass vieles in unserem Alltagsrhythmus neu und noch ungeklärt ist, sich erst finden muss, haben wir die erste Woche gut gemeistert. Mit Höhen und ein paar wenigen Tiefen, aber alles in allem gut. Maxim ist nun wirklich groß und auch Nadeschda wächst zunehmend mit ihren Herausforderungen. Nach fünf Jahren begleiten in den Klassenraum, trennen sich nun unsere Wege auf dem Schulparkplatz. Und so sehe ich jeden Morgen meine Kinder selbstbewusst in das Schulgebäude marschieren, während ich über den Hintereingang zum Lehrerzimmer gehe. Es ist eine Lektion des Loslassens und des Losgelassen Werdens, die vor allem Nadeschda so tapfer meistert. (Für Maxim war das schon lange überfällig, und so nimmt er die Situation mehr als dankend an, und kümmert sich, so wie das vielleicht noch notwendig ist, ganz rührend um seine kleine Schwester.)  Und wieder einmal bin ich so stolz und so unendlich dankbar für meine beiden so wunderbaren Kinder!
  2. An diesem Wochenende habe ich endlich noch einmal die Reportage „Auf meinem Weg: Siebte und achte Klasse in der Waldorfschule“ geschaut. In einer Reihe von drei Filmen wird eine Waldorfklassenlehrerin mit ihrer Klasse von der 1. bis zur 8. Klasse begleitet. Und diese Lehrerin ist ein wirkliches Vorbild. Für mich. Ich hatte die ersten beiden Teile schon vor Jahren und Monaten gesehen, den letzten Teil aber nie richtig. Nun war endlich der Moment und die Gelegenheit. Und gepasst hat es auch, habe ich doch selbst gerade eine sechste Klasse übernommen. Beinahe Tränen in den Augen hatte ich bei einem der Schluss-Sätze (sinngemäß): „Ich bin dankbar dafür, dass ich mir nie ein Bild gemacht habe…., sondern dass ich immer wieder offen geblieben bin, mich von einem Kind überraschen zu lassen.“ Möge dieser Satz in all seiner Tragweite auch mich begleiten. Als Lehrerin und auch als Mutter.
  3. Manchmal muss man auch einfach nur für den Augenblick dankbar sein. Und so denke ich an den Moment und das Gefühl, am Freitag Mittag auf den Schulparkplatz gefahren zu sein – eine volle Woche geschafft zu haben und nun meine wunderbaren Kinder abzuholen-, ganz un-Waldorf-like mit lauter Musik an, denn im Radio lief Johannes Oerdings „An guten Tagen“. Die Sonne schien, ich hatte das Schiebedach auf, ließ mich von ihr wärmen und in meinen Ohren (und auch vielen anderen, denn ich hatte die Musik laut aufgedreht) erklang:

„An guten Tagen
Gibt es nur hier und jetzt
Schau‘ ich nicht links und rechts
Vielleicht nach vorn, doch nie zurück
An guten Tagen
Ist unser Lachen echt
Und alle Fragen weg
Auch wenn’s nur jetzt und nicht für immer ist“

In diesem Sinne habt eine zauberhaften Sonntag und startet wohlbehalten in die neue Woche!

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Über Impulse im Leben – ein paar kritische Gedanken zum Ende meiner Ausbildung

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Photo by honey fangs on unsplash.com

Impulse sind wie knallige Farbspritzer, die eine grau gewordenen und sich immer wiederholende Routine in neuem Licht leuchten lassen. Zu gerne lese ich daher auch die Montagsimpulse von Katja auf homeiswheretheboysare. Und auch in den vergangenen Tagen hat mich das Thema Impulse noch einmal im Rahmen meines Ausbildungsabschlusses bewegt. Deshalb ein paar Gedanken zu Impulsen, die jetzt einfach rausmüssen, um den Weg frei zu machen für Neues!

Ob neue Impulse immer von Innen heraus kommen, wenn man nur lang genug in sich selbst sucht, wie ein Zitat von Rudolf Steiner „Drei Schritte tue nach innen, dann den nach außen.“ – ein wenig suggeriert, wage ich zu bezweifeln. Oft genug kommt es vor, dass ein Lehrer viel zu lange in seinem eigenen Saft schmort, oft auch viel zu wenig Zeit und Energie hat, den Blick nach Außen zu wenden, um sich mit Neuem und Anderem auseinanderzusetzen. Nicht selten fehlt es dann auch an Mut, neue Wege zu gehen. An Altbewährtem festzuhalten ist eben nicht nur bequem, sondern vor allem auch sicher. Und gerade in der Arbeit mit Kindern will man keine Experimente eingehen.

Hinzukommt, so habe ich es zumindest in der Ausbildung empfunden, wird einem jungen Lehrer von Beginn an beigebracht, alleine seinen eigenen Weg zu gehen. Ein Austausch mit anderen Kollegen findet selten statt. Wenn dann sind es höchsten die „alten Hasen“ an den Schulen, die schon seit über dreißig Jahren bestimmte Unterrichtsmethoden, – inhalte und Konzepte fahren, die ja nicht in Frage gestellt werden dürfen. Ganz zu schweigen von einer neuen Lesart von Steiners Ideen. Nein, viel zu oft schwirrt der Satz herum „Das haben wir immer schon so gemacht.“

Doch woher nehmen, die neuen, frischen und farbenfrohen Impulse, die die Arbeit mit Kindern um so ein Vielfaches reicher machen könnten? Die Kollegen lassen sich nicht in die Karten schauen. Ein kritisches Überdenken althergebrachter Konzepte ist oft nicht erwünscht.

 Ja, innere Reflexion ist wichtig, um zu sehen, wo es eine Veränderung braucht. Doch kommt nicht meist der Anstoß von außen? Der frische Wind zu einer neuen Idee, die frische Farbe für einen neuen Weg? Neben aller kritischer Betrachtung braucht es vor allem auch den Blick über den Tellerrand, manchmal auch ab von allem wertvollen anthroposophischen Gedankengut und Waldorfpädagogik.