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Interviewreihe „Anstrengungsverweigerung“ – eine Adoptivmutter erzählt… (2/3)

Anstrengungsverweigerung im Alltag und in der Schule

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Heute kommen wir zum zweiten Teil meiner Interviewreihe mit Julia. Die Adoptivmutter schildert hier ausführlich und bewegend, wie sich die Anstrengungsverweigerung bei ihrem Sohn in der Schule zeigt. Und auch bestätigt sie mich darin, dass die Anstrengungsverweigerung oft in Phasen der Veränderung auftritt, wie ich es auch so oft schon bei Nadeschda und auch Maxim erlebt habe. 

Liebe Julia, gibt es bestimmte Lebensphasen bei Deinem Sohn, in denen besonders intensiv sein anstrengungsvermeidendes Verhalten auftritt?

Grundsätzlich sind Phasen, die von Neubeginn geprägt sind, wie der Eintritt in den Kindergarten oder auch jetzt dem Übertritt in die Schule, in Verbindung mit persönlicher Entwicklung deutlich mehr von Ängsten geprägt und damit einhergehend von ausgeprägterem anstrengungsvermeidendem Verhalten. Es gibt ruhigere Phasen ohne große Probleme, wenn alles seinen gewohnten Gang geht. Im Allgemeinen ist ein immer gleicher Tagesablauf eher förderlich für unsere Beziehung, wohingegen plötzlich eintretende Veränderung in der Tagesstruktur, sei es durch unvorhergesehen nötige spontane Erledigungen o.ä. eher das Zeug dazu haben, verweigerndes Verhalten „heraufzubeschwören“.

Das ist Ausdruck seiner Angst vor Kontrollverlust und der Ohnmacht, einer nicht beherrschbaren Situation gegenüber zu stehen. Er baut auch gezielt solchen Situationen vor. Hier ein Beispiel: Indem er uns schon weit im Voraus vehement daran erinnert, dass wir neue Milch für sein Müsli kaufen müssen, obwohl noch 2 volle Flaschen im Kühlschrank stehen, schützt er sich quasi vor einer Situation, die er verabscheut, nämlich, in der er Frust erlebt und diesen nicht adäquat beeinflussen kann, wenn mal keine Milch da wäre, und er stattdessen etwas anderes frühstücken müsste. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch zweierlei: Erstens, mit was für Dingen er sich, von unserem Standpunkt gesehen, unnötigerweise beschäftigt. Und das macht vielleicht in Ansätzen denjenigen, die ein solches Verhaltensmuster nicht kennen, verständlich, dass ihn das so vereinnahmt, immer in „Hab-Acht-Stellung“ zu sein, dass er sich dann mit den wirklich wichtigen Herausforderungen des Lebens oder seines Alltags, wie z.B. Hausaufgaben nicht mehr auseinandersetzen kann. Seine ganze Energie geht quasi für den Schutz vor der Ohnmacht drauf, da hat dann nicht mehr viel Anderes Platz. Zweitens zeigt es, dass er, um die Kontrolle zu behalten, nicht mehr kindlich darauf vertraut, dass wir Eltern schon für neue Milch sorgen werden, sondern er derjenige sein muss, der darauf hinweist und damit die Erwachsenenrolle übernimmt, die ihn aber natürlich massiv überfordert und überhaupt nicht angemessen ist.

Es gibt viele kleine Situationen sind, die eskalieren können, aber nicht immer müssen. Das ist mir auch noch einmal wichtig, zu sagen: Je öfter wir mit bestimmten Situationen umgehen, desto eher verlieren sie ihre Bedrohlichkeit für ihn. D.h. mit viel Geduld setzt ein Lernprozess bei ihm ein. Und das ist die gute Nachricht für alle, die damit zu kämpfen haben: Es ist möglich, den Teufelskreis aus Angst und Verweigerung zu durchbrechen! Aber eben nicht mit den allgemein gültigen Erziehungsmethoden, so es die überhaupt gibt, sondern mit enger, empathischer Begleitung und viel Geduld. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt man, und das stimmt!

Wie zeigt sich sein anstrengungsvermeidendes Verhalten in der Schule? Wie gehen seine Lehrer damit um? 

Da er im Sommer erst in die Schule gekommen ist, kann ich dazu noch nicht ganz so viel sagen. Wir sind in gutem Kontakt zur Klassenlehrerin, die wir nicht von Anfang an, aber doch recht bald nach den ersten Schulwochen über seine Geschichte aufgeklärt haben. Wir hatten im Kindergarten schon gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen und in dem Zusammenhang der Aufklärung über seine Biographie gemacht, dass wir uns das für die Schule auch vorgenommen hatten. Allerdings wollten wir zunächst die erste Phase abwarten, um der Klassenlehrerin einen unvoreingenommen Blick zu ermöglichen. Sie hat uns aber recht bald ihrerseits eher beiläufig einige Beobachtungen geschildert, die uns dazu veranlasst haben, sie zu informieren. Auch über das facettenreiche Muster der Anstrengungsverweigerung haben wir ihr einen kleinen Einblick gegeben.

Wir sind bisher sehr positiv überrascht über die gute und einfühlsame Beobachtung, die sie nicht nur in Bezug auf unseren Sohn macht. Bei 23 Kindern in der Klasse nicht selbstverständlich. Bisherige Beobachtungen der Lehrerin gehen in Richtung seiner zurückhaltenden Art und, dass , dass er sich im Unterricht nicht immer traut, etwas zu sagen, obwohl erkennbar ist, dass er die richtige Antwort weiß. In unserem Gespräch mit ihr hat sie sehr aufgeschlossen reagiert und deutlich gemacht, dass sie mit diesem Wissen um seine Situation mit schwierigen Augenblicken besser wird umgehen können.

In der letzten Woche hatten wir noch einmal kurz Gelegenheit, ein kurzes Feedback von ihr zu erhalten, wo sie zwei Dinge besonders hervorgehoben wissen wollte, nämlich, seine Gewissenhaftigkeit bei der Erledigungen von anstehenden Aufgaben und seine Ordnungsliebe bei seinen Schulsachen und seiner Schrift. Das insbesondere sind Dinge, die ja oftmals große Probleme bereiten bei anstrengungsverweigernden Kindern, umso erleicherter bin ich, dass es ihm zumindest in der Schule bisher anscheinend gut gelingt. Ich weiß aber auch, dass das nicht von ungefähr kommt. Wir arbeiten zu Hause hart daran, dass es so ist. Hausaufgaben sind bei uns heikle Situationen und gleichen einem ewigen Minenfeld, wo jederzeit eine „Bombe“ hochgehen kann. Ich muss ihn sehr eng bei seinen Aufgaben begleiten, dabei sitzen und immer wieder esakliert die Situation trotz guter Vorsätze. Von daher bin ich sehr wachsam und dankbar, aber nicht übertrieben euphorisch.

Wie sieht das anstrengungsvermeidende Verhalten Deines Sohnes konkret mit dem Blick auf die Schule aus?

Zu den Hausaufgaben habe ich ja schon etwas gesagt.

Was die aktive Teilnahme am Unterricht angeht, haben wir bisher nur wenige Informationen. Es ist laut der Lehrerin nicht so, dass er sich gar nicht beteiligt, er meldet sich, beantwortet Fragen. Er hat aber schon Schwierigkeiten, frei vor der Klasse zu sprechen. Wenn er sich von sich aus meldet, dann geht es, wenn er aber von Seiten der Lehrerin aufgerufen wird, fällt es ihm schwer, das zu sagen, was er weiß.

Mit unordentlichen Schulsachen haben wir bislang keine Probleme, wobei man sagen muss, dass er immer schon ein Ordnungsfanatiker und Sauberkeitsliebhaber war. Damit meine ich nicht, dass es in seinem Zimmer nicht manchmal so aussieht, als sei eine Bombe eingeschlagen, aber er räumt auf Aufforderung zum Teil alleine, z.T. mit Hilfe sehr gewissenhaft auf. Auch vonseiten der Schule haben wir die Rückmeldung, dass er sich dadurch hervortut. Er nimmt seine Klassendienste sehr sorgfältig und selbstständig wahr und ist immer zur Stelle, wo sich andere gerne aus der Affaire ziehen, wenn es ums Aufräumen geht.

Was Joshua’s Lehrer allerdings auch schon beobachtet hat, ist, dass er sehr gerne versucht, viele Dinge auszudiskutieren oder versucht, zu verhandeln, ob er bestimmte Aufgaben tatsächlich jetzt gleich oder nicht vielleicht auch später erledigen könnte. Auch dies ist bei ihm Ausdruck der Anstrengungsverweigerung, aber entscheidend ist, dass die Lehrerin sich nicht auf solche „Deals“, die er immer anzubieten hat eingeht, sondern konsequent bleibt und er die Aufgaben dann auch anstandslos macht.

Machst du dir Sorgen um die Zukunft Deines Sohnes? Wenn ja, welche?

Ich mache mir Gedanken, sagen wir mal so. Ich mache mir Gedanken, wie er mit seiner Geschichte im Weiteren klarkommt, inwieweit seine Herkunftsgeschichte, von der er selbstverständlich weiß und mit der er aufgewachsen ist, für ihn auch in der aktiven Bearbeitung weiter an Bedeutung gewinnen wird. Sorgen mache ich mir an sich nicht, ich glaube, dass ein sorgenvoller Blick uns nicht hilft. Und ich habe in der Vergangenheit gemerkt, dass wir sehr stark sind, als Familie und in unserer Beziehung zueinander. Und auch und besonders unser Sohn ist sehr stark. Wenn es ihm heute auch noch oft schwer fällt, mit seine Empfindungen und Bedürfnisse einzuordnen und zu kanalisieren, für umso wichtiger halte ich es, dass er so sensibel und empathisch bleibt. Er hat damit eine „Gabe“ oder Eigenschaft inne, die gerade in unserer heutigen Gesellschafft oft Mangelware ist. Wo jeder nur an sich selber denkt, an sein persönliches Fortkommen, an seinen eigenen Vorteil, da erkenne ich in ihm genau das Gegenteil. Er hat ein waches Auge und ein offenes Herz für die zwischenmenschlichen Beziehungen um ihn herum. Von solchen Menschen profitiert unsere Gesellschaft. Das ist meine Überzeugung.

Mehr von Julia und ihrem Sohn Joshua erfahrt Ihr in der kommenden Woche!

Den ersten Teil des Interviews könnt Ihr hier lesen. 

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1.000 Fragen an Dich selbst #1 und #2

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Photo by Joanna Kosinska on unsplash.com

Johanna von Pinkepank hat mit „1.000 Fragen an Dich selbst“ eine spannende Blogparade initiert. In der Zeitschrift Flow fand sie ein Beiheft mit der Inspiration dafür. Es geht um Zeit für sich selbst, Zeit mit sich selbst und Zeit herauszufinden: Wer bin ich? Was mache ich? Was will ich? Was möchte ich sein? Da für mich in diesem Jahr nun die Frage ansteht, wie es denn weitergeht, wenn ich meine Ausbildung beendet habe, und ich diese Blogparade – wie so viele andere von Euch – als eine wunderbare Gelegenheit sehe, mindestens einmal in der Woche zumindest über die 20 Fragen in Kontakt mit mir selbst zu kommen, mache ich gerne mit. Ich bin gespannt, wo mich diese kleine Schreibreise hinführt.

Da ich wegen unserer Ferien etwas später einsteige, folgen hier nun die Antworten auf die ersten 40 Fragen:

1.Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?  Tatsächlich in dieser Woche. Seit Montag arbeite ich mit 10-12 jährigen in der Schule meiner Kinder und habe für sie die Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgaben etc. übernommen.

2. Mit wem verstehst du dich am besten?  Meistens mit meinem Mann. Aber immer mehr auch vor allem mit meiner Tochter. Richard und Maxim hecken irgendetwas aus und Nadeschda und ich verdrehen einfach nur die Augen.

3. Worauf verwendest du viel zu viel Zeit? Haushalt. Das ist so frustrierend, dass die Wäsche niemals endet. Und auch putzen finde ich bedingt spannend, auch wenn es schön ist, wenn hinterher alles sauber ist. Aber manchmal wünschte ich auch, ich könnte alle Fünfe gerade sein lassen.

4. Über welche Witze kannst du richtig laut lachen? Ehrlich, über keinen. Ich finde Witze relativ unnötig…

5. Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst? Nein.

6. Woraus besteht dein Frühstück? Kaffee und Müsli mit Banane und Kokosjogurt.

7. Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben? Meinen Kinder heute Morgen beim Verabschieden in die Schule.

8. In welchen Punkten gleichst du deiner Mutter? Nach bald acht Jahren Therapie hoffentlich in kaum einem einzigen mehr.

9. Was machst du morgens als erstes? Kaffee kochen.

10. Kannst du gut vorlesen? Ich glaube schon. Bisher gab es keine Beschwerden.

11. Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt?  Das weiss ich gar nicht mehr. Leider sind meine Kindheitserinnerungen nicht mehr so präsent. Ich erinnere mich, dass ich mich irgendwann mal als kleines Kind total erschreckt habe, als es an Nikolaus an der Terrassentür klopfte. Das war dann der Nikolaus, der seinen Sack da gelassen hatte. Das habe ich auch fest geglaubt. Bis heute weiss ich nicht, wer es wirklich war. Also bleibt es der Nikolaus, auch in der Erinnerung. Und Weihnachtsmann und Christkind? Ich glaube, dass ich da ziemlich schnell den Zauber verloren habe, denn mein Vater ist NIE mit in die Kirche gegangen. Da war doch was faul…

12. Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen? Einen schönen Sekretär mit vielen kleine Schublädchen und Fächern. Einen, an dem ich schön sitzen und schreiben kann. Ich habe aber bisher keinen gefunden, der mir wirklich gefällt.

13. Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne? Ich arbeite an mir, all die Eigenschaften zu entwickeln, die ich gerne hätte. Und das läuft meistens recht gut. Mehr Geduld zu haben, das lehren mich meine Kinder jede Tag. Doch manchmal wäre ich gern forscher, mutiger, oder frecher…

14. Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen? Ich halte ja Fernsehen für eine absolute Zeitverschwendung. Doch ich muss gestehen, gerade, wenn wir in den USA sind, dann bin ich ein relativer Fernsehjunkie. Für meine Verhältnisse. Am liebsten war mir „Dallas“, die Neuauflage. Leider ist sie wegen zu geringer Einschaltquoten eingestellt worden.

15. Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen? Vor über 25 Jahren in Disneyland in Paris. Vergnügungsparks sind nicht wirklich mein Ding.

16. Wie alt möchtest du gerne werden? So alt wie das Schicksal es mir erlaubt zu werden.

17. An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück? An Richard’s und meinen Urlaub vor etlichen Jahren in Südamerika. Mit dem Rucksack durch diesen wunderbaren Kontinent. Aber dennoch waren wir so fest in unseren Jobs, dass Geld keine Rolle spielte. Das entspannte ungemein.

18. Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an? Habe ich zum Glück seit bald zwanzig Jahren nicht mehr gehabt. Ich kann mich nicht wirklich erinnern….

19. Hättest du lieber einen anderen Namen? Nein. Mit unserer Hochzeit habe ich meinen alten furchtbaren Nachnamen aufgegeben. Und ich liebe meinen Vornamen. Zumal ich über die Jahre gelernt habe, dass ich nach einer sehr wunderbaren Großmutter bekannt wurde.

20. Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt? Das tue ich immer einmal wieder. Gerade im vergangenen Herbst packten mich die Zweifel, ob das alles so richtig ist, was ich in meinem Leben tue und ob ich meine Kinder ausreichend auf ihrem Weg ins Leben begleite.

21. Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken? Nein, nicht mehr.

22. Welche Tageszeit magst du am liebsten? Den Morgen, wenn alle aus dem Haus sind, der Haushalt gemacht ist und ich mich in der Stille an meinen Schreibtisch setzen kann. Genauso mag ich die Nachmittage, wenn die Kinder und ich unser Tagwerk vollbracht haben und noch ein wenig Zeit bis zum Abendessen ist. Nach einem „Mama, mir ist so langweilig. Ich weiss nicht, was ich machen soll.“ entstehen meist die schönsten Spiele oder Impulse etwas zu basteln, zu malen, zu stricken oder ähnliches.

23. Kannst du gut kochen? Dafür, dass ich gar nicht gekocht habe, bis Maxim und Nadeschda zu uns kamen, mittlerweile recht gut.

24. Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten? Besonders mag ich den Frühling. In ihm steckt immer so viel Energie und Euphorie für Neuanfänge.

25. Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht? Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Gar nichts zu tun, fällt mir ungemein schwer.

26. Warst du ein glückliches Kind? Nein. Meine Kindheit war alles andere als glücklich. Meine „Mütter“ haben mir bis auf eine nicht wirklich das Leben leicht gemacht.

27. Kaufst du oft Blumen? Ja, fast jede Woche einen frischen Strauß. Das ist meine Art, mich für mein Tagewerk zu belohnen.

28. Welchen Traum hast du? Mein zweites Buch weiterzuschreiben und zu veröffentlichen.

29. In wievielen Wohnungen hast du schon gewohnt? Als Kind bin ich viel umgezogen und auch im Studium habe ich ein ziemliches Vagabundenleben im In- und Ausland gelebt. Erst mit Richard bin ich sesshaft geworden. Kaum zu glauben, dass ich nun bald zwanzig Jahre unter derselben Adresse lebe.

30. Welches Laster hast du? Verrate ich nicht…;-)

31. Welches Buch hast du zuletzt gelesen? „Sie kam aus Mariupol“ von Nadine Wodin. Eine sehr bewegende Erzählung über eine Wurzelsuche in der Ukraine und dem heutigen Russland.

32. Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst? Irgendwann war ich es leid, meine Locken immer zu bändigen. Insofern lasse ich sie nun tun, was sie wollen. Das macht mich entspannter. Und auf der anderen Seite kann man an ihnen manchmal meinen Gemütszustand ablesen. Denn zuweilen stehen dann vorne ein oder zwei Zornlocken ab.

33. Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig? Nein. Wenn meine Kinder bei mir sind, habe ich sogar den Hang dazu, es manchmal zu vergessen.

34. Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto? Genug.

35. In welchen Laden gehst du gern? Am liebsten in Künstlerbedarfs- und Bastelgeschäfte.

36. Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe? Meistens Tee oder Apfelschorle, wenn ich selbst Autofahren muss. Wenn nicht, gerne Prosecco.

37. Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? Ja, denn der nächste Morgen kommt bestimmt. Und der Tag wird dann umso anstrengender, wenn der Schlaf fehlt.

38. Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit? Das bin ich schon und schreibe.

39. Willst du immer gewinnen? Ja, meistens. Deshalb hasse ich auch Gesellschaftsspiele. Es sei denn, ich gewinne. Nur bei meinen Kindern kann ich zurückstecken. Aber gegen andere Erwachsene….niemals.

40. Gehst du in die Kirche? Ja. Zwar nicht mehr so oft, wie früher einmal, aber dennoch in regelmäßigen Abständen. Für mich hat es etwas Meditatives. Und wenn die Predigt gut ist, gibt sie mir auch manchmal neue Impulse.

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Kinderphilosophie: Nadeschda’s Idee von Wiedergeburt

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Danke an unsplash.com

Nadeschda beschäftigt sich in den letzten Monaten immer wieder einmal damit, was sie denn werden will, wenn sie groß ist. Hoch im Kurs ist im Moment der Wunsch, „Tierärztin“ zu werden. Denn am liebsten will sie dabei helfen, wenn Kälbchen, Fohlen oder auch „Babyschweine“ auf die Welt kommen. Der Berufswunsch passt irgendwie gut, denn Maxim will Bauer werden, nach wie vor. Dieser Wunsch hält schon lange an. So glaubt er, den ganzen Tag auf einem Traktor durch die Gegend rasen zu können.

Meist folgt nach Nadeschda’s gedankenversunkenen Überlegungen „Mama, ich glaube, ich will Tierärztin werden.“ ein nachdenkliches „Aber da seid Ihr, der Papa und Du, ja schon tot. Ihr wartet dann auf der Sternenwiese, dass Ihr als Babys wieder auf die Welt kommen dürft.“ Vor ein paar Tagen fuhr sie dann weiter fort: „Mama, und wenn ich irgendwann mal tot bin, dann seid Ihr ja schon wieder als Babys auf die Welt gekommen. Und dann werdet Ihr wieder groß. Und wenn ich dann als Baby wieder von der Sternenwiese auf die Welt komme, holt Ihr mich dann wieder im Kinderheim ab?“