Kolumne: „Bekenntnisse eines glücklichen Vaters“

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Vatersein ist wunderbar! Ja, es ist ein wundervolles Geschenk, zwei Kinder groß werden zu sehen, sie auf ihrem Weg in das Leben zu begleiten, verbunden mit dem Gefühl, etwas wirklich Nachhaltiges und Sinnvolles zu tun. Ich genieße jede Minute mit ihnen. Es ist großartig, morgens lange zu spielen, ohne Uhr im Hintergrund, sich auf Spielplätzen zu tummeln, unendlich viel Quatsch zu machen, rumzutoben, so viele Süßigkeiten zu essen, bis einem schlecht wird, Spielzeuge zu kaufen, die völlig sinnlos sind, aber den Kindern für den Moment einen Heiden Spass machen. Verpflichtungen habe ich keine, Regeln kenne ich nicht und die Erziehung überlasse ich meiner Frau.

Um das Familienleben mit Kindern als Vater so richtig genießen zu können, bedarf es ein paar Dingen, die ein Vater beachten sollte. Elternzeit habe ich bei unseren Kindern nicht genommen. So einen neumodischen Quatsch sollte man(n) gar nicht erst anfangen. Viel besser ist es, möglichst schnell wieder weiter arbeiten zu gehen. Denn es gibt nichts erholsameres nach einem Familienwochenende, als am Montag morgen wieder in die Wellness-Oase des Büros zurückzukehren. Wunderbar, ein paar Kunden versorgen, ein paar Mitarbeiter beschäftigen, zwischendrin hemmungslos im Internet serven und sich Sinnlosigkeiten bestellen. Der Kaffee und das Mittagessen werden von der Assistentin gebracht. Arbeiten sollte ein Vater in der Regel bis spät abends, dann erst nach dem Abendessen nach Hause kommen, wenn die Kinder schon schlafen und das Haus aufgeräumt ist.

Alles was über den ganzen Tag verteilt passiert, ist Aufgabe meiner Frau. Sie steht früh auf, weckt die Kinder, zieht sie an, macht Frühstück, packt die Pausenbrote und die Schulranzen und hält noch das Geschenk für den Klassenlehrer parat. Sie holt die Kinder von der Schule ab, organisiert alle Nachmittagsaktivitäten von Spielebesuchen, Ballett, Fussball, Reiten, Turnen, Malen, Arztbesuche, Therapietermine bis hin zu Ferienaktivitäten. Ich kann mir bis heute nicht merken, was meine Kinder an welchem Nachmittag tun. Meine Frau füllt den Kühlschrank, kocht das Abendessen, backt den Kuchen für die Schule oder das Feriencamp. Sie wäscht, bügelt und legt die Wäsche zusammen. Sie räumt auf und weg, sortiert zu klein gewordenen Anziehsachen aus, flickt kaputte Hosen, mistet altes Spielzeug aus. Sie kauft neue Schuhe und Kleider, wenn die alten zu klein geworden sind. Sie macht mit unseren Kindern die Hausaufgaben und lernt mit ihnen lesen, schreiben, rechnen. Meine Frau geht zu den Elternabenden in der Schule, engagiert sich dort in der Elternarbeit, setzt sich mit den Lehrern auseinander, wenn es mal wieder bei unseren Kindern nicht rund läuft. Ich kann mich da beruhigt und entspannt raushalten.

Am Wochenende genieße ich die Zeit mit unseren Kindern. Wir können uneingeschränkt spielen und Quatsch machen. Regeln gibt es bei mir nicht. Das entspannt ungemein. Meine Kinder und ich können einfach das tun, wonach uns der Sinn steht. Sollte es zu einem Ausflug gehen, sorgt meine Frau schon dafür, dass die Kinder angezogen sind, die Rucksäcke mit Snack, Trinken und Ersatzklamotten gepackt sind. Wenn die Kinder von einem Sonntagsausflug dreckig und völlig übermüdet zurückkehren, sorgt meine Frau schon wieder für Reinlichkeit und Ordnung.

Am dankbarsten bin ich für meinen gesunden Schlaf. Unser Sohn schläft nach wie vor nachts nicht durch, glaube ich. Denn wenn er nachts wach wird, ruft er immer nach seiner Mutter. Ich höre das nicht. Ich schlafe friedlich weiter. Manchmal, wenn ich so eine Ahnung habe, dass meine Frau bei ihm ist, greife ich noch genüsslich nach ihrer Bettdecke und wärme mich mit ihr. Dass meine Frau sie mir später wutschnaubend wieder entreisst, bekomme ich erst am nächsten Morgen bei einer Tasse Kaffee aus dem übermüdeten Mund der Mutter meiner Kinder zu hören.

Auf der einen Seite ist es großartig, so meine Vaterrolle leben zu können. Doch auf der anderen Seite ist es auch frustrierend. Es ist schade, dass ich so wenig Zeit mit meinen Kindern habe, so wenig von ihrem Alltag mitbekomme. Wenn ich sie mehr um mich hätte, dann wäre da auch Raum für Regeln und Erziehung. Die wenige Zeit, die mir bleibt, will ich nicht mit unnötigen „Machtkämpfchen“ vertun. – Und manchmal tut es ohnehin gut, alle Fünfe gerade zu lassen. Auch den Müttern. – Ich finde es bewundernswert, wie meine Frau das alles hinbekommt. Und ich muss gestehen, mir würde das wahrscheinlich nicht gelingen: Morgens zu sehen, dass die Kinder rechtzeitig fertig sind, daran zu denken, dass sie Matschklamotten oder ähnliches mitnehmen müssen, dass der Klassenlehrer Geburtstag hat, dass ein Kind früher abgeholt wird und die Betreuerin informiert werden muss. Allein das würde mich überfordern. Geschweige denn das große Ganze zu organisieren und unseren Familienalltag am Laufen zu halten. Mich folglich darauf zu beschränken, erfolgreich meinem Job nachzugehen und das Geld für die Familie nach Hause zu bringen, ist nicht immer erfüllend. Zudem muss ich mit dem Druck leben, das Haupteinkommen nach Hause zu bringen. Wenn meine Kunden nicht zufrieden sind und der Umsatz nicht stimmt, habe ich ein Problem. Dann hat meine Familie ein Problem.

Es ist also alles nicht ganz so rosarot, wie viele zu glauben scheinen. Vielleicht ist es neben all den gesellschaftlichen Prägungen und politischen Benachteiligungen, vor allem ein Thema der fehlenden Wertschätzung zwischen den Partnern in einer Familie. Die Frauen fühlen sich zu wenig gesehen mit all dem, was sie für Haushalt, Kinder und Familie tun, neben einem Beruf unter Umständen. Die Männer, wenn sie denn die Hauptverdiener sind, fühlen sich in ihrem Beitrag zum Familienleben und einem oft kräftezehrenden Job ebenso zu wenig wahrgenommen. – Wir können jetzt alle warten, bis sich das gesellschaftliche Rollenverständnis von Mann und  Frau in einer Familie oder der politische Wille ändert. Aber vielleicht fangen wir einfach mal bei uns selbst und unserer eigenen Wahrnehmung an.

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