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Charlotte’s Sonntagslieblinge (150)

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Photo by Marc Spiske on unsplash.com

Heile und wohlbehalten sind wir aus unserem USA-Urlaub zurückgekehrt. Noch leiden wir etwas unter der Zeitumstellung und die Rückkehr in einen „normalen“ Alltag fällt noch schwer. Hinzukam natürlich die Hitze, die uns hier heiß erwischte und die jegliche Aktivitäten extrem verlangsamte. Doch damit hat es nun zum Glück erst einmal vorerst ein Ende, und ich hoffe, dass sich nun in den kommenden Tagen etwas Normalität und Routine wieder einstellt. – Es ist schon ungewöhnlich, dass meine Kinder im Moment bis neun Uhr morgens oder länger schlafen und abends sich nicht immer so schnell ein Ende finden lässt. – Um so mehr bin ich an diesem Sonntag Morgen, an dem noch alle anderen Familienmitglieder friedlich schlafen, für diese drei Sonntagslieblinge dankbar:

  1. Für einen großartigen Urlaub mit vielen schönen Erlebnissen, für mich ein Kennenlernen und Entdecken eines neuen Teils meiner zweiten Heimat – denn so weit im Nordosten der USA war ich noch nicht gewesen. Es war schön und spannend zugleich, wie anders Maine wieder ist. Vor allem, wenn man sich weg der wenigen touristischen Zentren begibt. Da wird es dann sehr ursprünglich und fokussiert auf das Wesentliche. Umweltschutz zum Beispiel ist auch dort schon angekommen. Da gibt es auf einmal in jedem kleinen Dorf einen Supermarkt, in dem man seine Plastikflaschen wieder auffüllen kann mit Waschmittel, Seife, etc., wo man seine eigenen Boxen mitbringt, um Müsli, Mehl oder Zucker abzufüllen. Das hat mich zuversichtlich gemacht. Denn an allen anderen Orten wurde mir fast schlecht im Anblick und des Zwanges so viel Plastik zu verwenden. Wie oft dachte ich dann mit Wehmut an das Plastik-Projekt meines Sohnes in der Schule.
  2. Ich bin dankbar für die Zeit mit meiner „Mom“ – meiner amerikanischen Gastmutter. Auch wenn wir nicht viele tiefgehende Gespräche hatten, so tat es einfach gut, um sie herum zu sein, Zeit mit ihr zu verbringen. Großartig ist im Moment, dass sie in diesem Urlaub ihr Smartphone für sich entdeckt hat, und wir uns nun täglich Kurznachrichten schicken. Das bringt sie irgendwie noch einmal wieder näher. Mehr in den Alltag. Ebenso bemerkenswert ist die Begebenheit, dass Maxim irgendwann in diesem Urlaub fragte: „Mama, warum rufst Du sie immer „Mom“?“ Ich antwortete ihm, dass sie für mich wie eine Mutter ist und ihm noch einmal unsere Geschichte erklärte. Woraufhin mein Sohn begonnen hat, mich nun hin und wieder „Mom“ zu rufen.
  3. In einem kleinen, aber um so wundervolleren Buchladen in Maine habe ich „Achtung Baby“ von Sara Zaske entdeckt und gekauft. Der Untertitel verrät, um was es geht: „An American mom on the German art of raising self-reliant children“. Mmmh, ich bin gespannt. Ich habe es auf dem Rückflug angefangen zu lesen, und werde Euch sicherlich berichten. Denn der Blick von Außen ist aus meinen Augen äußerst spannend. Ich war überrascht und gleichzeitig dankbar für dieses Buch in Anbetracht all der Helikopter-Eltern-Diskussionen in unserem Land.

Habt einen erholsamen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (149)

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Photo by Daniel Brubaker on unsplash.com

Nun sind wir schon fast wieder auf dem Weg zurück in Richtung Heimat. Die zwei Wochen vergingen schnell im Rückblick, auch wenn im tatsächlichen Erleben die Zeit durchaus langsam voranschritt. In zwei Tagen werden wir das Flugzeug besteigen und wieder nach Hause fliegen. Das ist gut. Die Zeit hier im Nordosten der USA war schön und erholsam, doch fühle ich auch eine gewisse Aufbruchstimmung, nun in meinen Alltag zurückzukehren, mein Buch zu Ende zu schreiben, die letzten Vorbereitungen für das neue Schuljahr zu erledigen und vor allem meine Kinder dann irgendwann – jetzt noch nicht gleich, noch sind Ferien! – auf den Schulalltag gut vorzubereiten. Und so bin ich an diesem Sonntag dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Vor ein paar Tagen, als ich eigentlich noch einen weiteren Blogbeitrag an einem ruhigen Morgen schreiben wollte, ging plötzlich der Strom im Haus aus. Auf einmal war es ganz still. Keine Lüftung lief mehr, keine Waschmaschine, kein Trockner, keine Wasserpumpe. Und natürlich ging auch kein Internet mehr. Das war im ersten Moment nicht so schlimm, doch spannenderweise machte sich schnell bemerkbar, wie sehr man von Strom abhängig ist, vor allem, da in unserem Haus auch die ganze Wasserversorgung vom Strom abhängig war (der Wasserdruck war zu niedrig, so dass mit Pumpen nachgeholfen werden musste). Das war das eigentlich dramatische. Nicht nicht kochen zu können oder nicht ins Internet zu kommen,  war nicht so dramatisch. Da konnten wir improvisieren. Und ein Abend bei Kerzenschein war auch einmal schön.  Doch kein Wasser zu haben, war eine harte Probe. Es war eine große  Lehre in Dankbarkeit, als der Strom dann wieder am kommenden Morgen nach bald 24 Stunden wieder da war, die Pumpen wieder ansprangen und damit auch die Wasserversorgung wieder funktionierte.
  2. Mit Nadeschda habe ich erleben dürfen, was es heißt, wenn ein Kind erfolgreich über Beziehungen lernt. Wie ein Wasserfall hat sie hier einfach Englisch gesprochen. Sie liebte ihre Englischlehrerin in der Schule, war freiwillig in einer Englisch-AG, die diese Lehrerin organisierte. Und so hatte sie keine Hemmungen auch hier Englisch zu sprechen. Maxim hingegen hatte nie einen Zugang zu dieser Lehrerin gefunden und damit auch nicht zu dieser Sprache, auch wenn er längst eine andere Englischlehrerin an der Schule hat. Scheu war er zu Beginn und hat sich dann irgendwann überwunden. Vielleicht hat ihm das aber auch schon jetzt gezeigt, dass auch er Englisch sprechen kann, wenn er sich denn traut.
  3. Ich bin dankbar für diesen Urlaub und die Familienzeit, die wir hier hatten. Ich fühle mich ein wenig gestärkt, vorerst, für all das was nun in den kommenden Monaten kommen mag. Möge diese Zuversicht noch eine Weile anhalten.

Habt einen friedlichen und erholsamen Sonntag und startet gelungen in die neue Woche!

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (148)

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Photo by Keith Luke on unsplash.com

Wow, unsere erste Urlaubswoche ging wie im Fluge vorbei. Wir sind wieder einmal in meiner zweiten Heimat, doch diesmal im hohen Norden der USA. Manchmal mutet es an einigen Plätzen an wie das Ende der Welt. Es erinnert mich ein wenig an die Einsamkeit, die Richard und ich einmal vor Jahren in Kanada erlebt haben. Dafür, dass unser Haus ein Stück des Weges weg vom Strand liegt, haben wir es doch gut getroffen. Meist wechseln wir Ausflüge ans Meer und ins Landesinnere ab. Zumindest in den ersten Tagen…. So bin ich an diesem Sonntag Morgen dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Auch wenn wir diesmal an einem für uns und die Kinder fremden Ort sind, so haben sie sich doch diesmal überraschend schnell an die neue Umgebung gewöhnt. Ja, mit jedem Jahr und mit jedem Urlaub geht es leichter für Maxim und Nadeschda, sich auf neue Umgebungen einzulassen und Veränderungen zu ertragen. Das sind die Momente, in denen ich mir wieder bewusst bin: „Ja, es wird leichter mit der Zeit, und langsam, langsam setzt etwas wie Heilung und innere Stabilität bei meinen Kindern ein.“
  2. Ich lese viel, und gleichzeitig macht die Landschaft hier und die neuen Eindrücke meine Kopf frei für neue Gedanken, Ideen und Impulse. Das tut gut. Themen, die ich lange in mir bewegte, scheinen jetzt eine Lösung zu finden. Und so fühle ich mich vor allem gestärkt für meine neue Aufgabe an der Schule.
  3. Auf dem Weg hierher waren wir für zwei Tage in einem wunderbaren Hotel an der Küste, das anmutete wie das „Hotel New Hampshire“ aus John Irvings gleichnamigen Roman. Das war großartig und sehr, sehr schön. Bisher hatte ich, bis auf eine einzige Reise, den Nordosten der USA eigentlich nur im Winter erlebt. Nun genießen wir die sommerlichen Brisen, den warmen Sand und farbenfrohe Landschaften.

Habt einen wunderbaren Sonntag, genießt die Ferien, wenn Ihr schon dürft, und habt einen wohlbehaltenen Start in die neue Woche.

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„The Window of Stresstolerance“ – Von den Bedingungen, unter denen traumatisierte (Adoptiv-) Kinder überhaupt lernen können

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Mit freundlicher Unterstützung von Fotolia

Die Ferien und unser tägliches Üben Zuhause bringen es wieder zu Tage: Sind meine Kinder in einem Zustand der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, sind sie wenig (oder gar nicht) belastet mit schulischem Druck, halten sie sich hauptsächlich in unserem für sie sicheren häuslichen Umfeld auf, so können sie auch gut auf ihre inneren Ressourcen zurückgreifen, um zu lernen. Maxim braucht etwa nur die Hälfte der Zeit für seine Aufgaben wie sonst in der Schulzeit. Und auch Nadeschda kann auf einmal wieder auf lang erlerntes zurückgreifen. Schon vor den Ferien war mir aufgefallen, dass Maxim in Phasen der großen Anspannung schon längt gut Gelerntes einfach vergaß. Steif und fest behauptete er, dass er die 14er Reihe des großen 1×1 nie in der Schule (und schon gar nicht zuhause) gelernt hatte. Zunächst war ich irritiert und eine gewisse Nervosität machte sich auch in mir breit. Doch dann kamen mir die Antworten auf die „schwarzen Löcher“, die sich temporär in seinem schulischen Wissen zeigten:

Mit Blick auf das Lernen gibt es zwei Aspekte, die mir erneut die Augen öffneten, warum das Lernen für meine Kinder oft so schwierig ist. Auf den ersten Aspekt war ich schon vor Monaten bei Heather Forbes gestoßen. Jedes Kind hat ein eigenes Niveau an innerem Stress, den es aushalten kann. Dieses „Fenster von Stresstoleranz“ wird darüber definiert, wie gut das Kind Druck, Angst und Überforderung aushalten kann ohne innerlich disreguliert zu werden. Hat ein Kind ein großes Fenster der Stresstoleranz, ist es in der Lage gut in der Schule zu funktionieren. Es kann sich gut kontrollieren, es kann konzentriert arbeiten, sein Gedächtnis und Erinnerungsvermögen funktionieren, es kann logisch und sequenziell denken. Kinder, die traumatischen Erfahrungen erlebt haben, haben hingegen ein kleines Fenster der Stresstoleranz, denn der traumatische Stress hat sich in ihrem Inneren manifestiert und lässt sie in ständiger „Alarmbereitschaft“ zurück. Diese Kinder erscheinen ungeduldig, impulsive und unkonzentriert, sie sind kaum in der Lage klar und rational zu denken. Dass sie oft Schwierigkeiten haben, still zu sitzen und konzentriert zu arbeiten, liegt somit auf der Hand. Alle Fähigkeiten, die für ein konzentriertes und fokussiertes Lernen erforderlich sind, können diese Kinder kaum aktivieren. 

Zum zweiten zeigen neuro-biologische Reaktionsmuster, dass in einem Zustand des dauerhaften traumatischen Stress und der emotionalen Disregulation das Großhirn deaktiviert ist. (Ich hatte hier schon einmal darüber geschrieben, um mit dem Mythos von manipulativem Verhalten aufzuräumen.) Vereinfacht beschrieben ist das Großhirn verantwortlich für das rationale Denken – und damit Handeln, das Verarbeiten von Informationen und Wissen, das logische Denken, vorausschauende Planung und Struktur. In ihm sind somit alle rationalen und bewussten, aber auch unbewussten und bildhaften Funktionen verankert, die zum Lernen notwendig sind: Analytisches rationales Denken, Erinnerungsvermögen und Gedächtnis, Vorstellungsvermögen, Logik oder auch Sprache. Das Limbische System ist verkürzt gesagt das emotionale Zentrum des Gehirns. Hier spielen sich auch die schützende Prozesse von Flucht oder Kampf ab. Im Reptiliengehirn sind alle vitalen Funktionen und damit der natürliche Selbsterhaltungstrieb des Menschen angesiedelt. Es verarbeitet externe Impulse und leitet daraus die vegetativen Reaktionen ab. In der Regel ist das Großhirn der dominierende Teil, der das Limbische System und das Reptiliengehirn kontrolliert und steuert. Fühlt sich ein traumatisiertes Kind allerdings bedroht und lebt ohnehin aufgrund der traumatischen Erfahrungen in einem dauerhaften Zustand von Stress und Erregung, dann kontrolliert nicht mehr das Großhirn seine internen Prozesse und reguliert seine Gefühle und Reaktionen. Es ist ausgeschaltet, und allein das Limbische System und das Reptiliengehirn übernehmen. 

Somit ist offensichtlich, dass ein konzentriertes und fokussiertes Lernen kaum möglich ist, wenn der Zugang zu den dafür erforderlichen Funktionen im Großhirn gestört ist. Stattdessen dominieren in diesen Kindern die Hirnbereiche des Limbischen Systems und des Reptiliengehirns, die mit dem unmittelbaren „Überleben“ des Kindes beschäftigt sind. Sie fokussieren darauf, die primären physischen und emotionalen Bedürfnisse des Kindes sicherzustellen, nicht aber darauf zu lernen. Das heißt, dass ein Kind solange nicht in der Lage ist, akademisch zu lernen, solange nicht in seiner Wahrnehmung seine physischen und psychischen Grundbedürfnisse erfüllt sind. Fühlt sich also ein Kind in der Schule und in seinem schulischen Umfeld nicht sicher, was wohl bei den meisten traumatisierten Kindern der Fall ist, so ist es gar nicht erst in der Lage, Wissen aufzunehmen, geschweige denn es zu behalten. Befindet es sich wiederum in einer sicheren und wohlgehüteten Umgebung, lässt der äußere Stress und die Anspannung nach, kann es sehr wohl wieder lernen und neue Dinge aufnehmen. 

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (147)

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Photo by Aleksandr Eremin on unsplash.com

Die erste Ferienwoche liegt hinter uns. Nachdem sie überraschend harmonisch begann, und Maxim und Nadeschda (fast) ungewöhnlich friedlich und harmonisch bei Stimmung waren, zog dann doch wieder – hoffentlich nur vorübergehend – die Wut bei uns ein. Es war ja eigentlich abzusehen. Die Ferien bedeuten zwar auf der einen Seite eine große Verschnaufpause, doch auf der anderen Seite heißen sie nicht nur akut im Sinne von „Jetzt ist mal alles ein wenig anders“ Veränderung, auch wenn wir versuchen Routine und Struktur aufrechtzuerhalten, sondern genauso spüren die Kinder, und hier vor allem Nadeschda, dass auch nach den Ferien uns neue Veränderungen erwarten werden.  Ein neues Schuljahr, neue Dinge zu lernen in der Schule, und vielleicht auch, dass ich dann mit einer nahezu vollen Stelle an der Schule anfange zu arbeiten. Wohlmöglich ist letzteres noch ein wenig weit weg für die Kinder. Wahrscheinlich ist es in dieser Woche eher die Aufregung um unseren bevorstehenden Urlaub gewesen. Und die Ungewissheit, wie dort alles dann so wird. Neben der Tatsache, dass tatsächlich einfach die Umstellung in den Ferienmodus nicht so reibungslos von statten geht. So wachte Nadeschda in dieser Woche morgens auf und war der festen Überzeugung, dass sie in die Schule gehen muss… Um so mehr bin ich also für diese drei Sonntagslieblinge heute morgen dankbar:

  1. Struktur und Routine zahlen sich wirklich aus. Und manchmal muss man dann auch die vermeintlich „alte“ Struktur des Schulalltags aufrechterhalten: Dienstags war immer unser „Übfrei-Tag“, da er voll war mit nachmittäglichen Terminen – Musikunterricht und Therapien -. Nun hatten wir auch an diesem Dienstag nachmittags Termine, aber dazwischen wäre Zeit gewesen, um zu üben. Doch bei der Ankündigung der Übezeit argumentierten beide Kinder so überzeugend, dass ja Dienstag wäre und später noch – wie immer – die Therapietermine – und da gäbe es ja eigentlich keine Übezeit. In Gedanken an Rhythmus, Rituale und Gewohnheiten habe ich dann dem Wunsch der Kinder nachgegeben. Wir haben nicht geübt und für die Schule gearbeitet, sondern sie haben im Garten gespielt und ich habe ihnen bei einer Tasse Kaffee dabei zugesehen….Manchmal tut es auch gut, den Dingen seinen Lauf zu lassen.
  2. Nachdem am Montag erst einmal Alltagsorganisation über mich hereinbrach, habe ich mich an den anderen Tagen entschieden, nicht mein Buch weiter zu schreiben, sondern mich dem emotional dringlicheren Thema der Unterrichtsvorbereitung zu widmen. Ich werde in unseren Urlaub noch ein paar Bücher für mein eigenes Buch mitnehmen und es danach mit frischem Kopf zu Ende schreiben. Und die Unterrichtsvorbereitung nun bis zu den Herbstferien quasi vorerst abgeschlossen zu haben, ist ein beruhigendes Gefühl.
  3. Auch für unseren Urlaub sind nahezu alle Vorbereitungen getroffen. Ich muss jetzt nur noch die rausgelegten Kleidungsstücke und Dinge, die wir sonst noch so mitnehmen müssen, in die Koffer packen und dann darf es morgen losgehen. Auch dafür bin ich dankbar, dass wir wieder einmal einen unglaublichen Urlaub in den USA verbringen dürfen, in einem Jahr, in dem sich mein erster Aufbruch in die USA zum 30. Mal jährt.

Habt einen wunderbaren Sonntag und einen gelungenen Start in die neue Woche!

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Selbstbewusste erwachsene Adoptivkinder…

Sherrie Eldridge begeistert und erleuchtet seit beinahe Jahrzehnten vor allem die amerikanische Adoptionsszene mit ihren unterschiedlichen Büchern zu „20 Things…“, „20 Things Adoptited Kids Wish Their Parents Knew“ oder auch „20 Things Adoptive Parents Need to succeed“. Auch in ihrem Blog greift sie diese Themen aus ihren Büchern immer wieder auf. Und bei einem ihren letzten Beiträge stieß ich auf diese zwei jungen erwachsenen (adoptierten) Herren, die über YouTube vloggen, und im Moment die amerikanische Adoptionsszene „rocken“. Oder um mit Sherrys Worten zu sprechen: „Two Korean adoptees who take the world of Adoption by storm….“

Als ich diesen Beitrag sah, habe ich bei allem, was sie schonungslos sagten und kommentierten „Ja!“ sagen müssen. Vor allem aber wünsche ich mir seitdem so sehr, dass meine Kinder auch irgendwann dieses Selbstbewusstsein und diese Gelassenheit und diese Abgeklärtheit, aber auch den Humor haben, wie diese beiden sie an den Tag legen…Einfach großartig und bewundernswert! Aber schaut selbst:

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Adoptivkinder heilsam durch den Sommer bringen….(reloaded)

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Photo by Vanessa Bumbeers on unsplash.com

Nun haben sie begonnen, die langersehnten Sommerferien. Ruhe, kein Zeitdruck, weniger Termine und Verpflichtungen. Bevor wir in den Urlaub fahren, haben wir noch etwas Zeit Zuhause. Langsam können wir uns runterfahren vom vollen und manchmal turbulenten Alltag des vergangenen Schuljahres. Und dennoch gilt es auch wieder die richtige Balance zwischen Struktur und Routine auf der einen Seite und Freiräumen auf der anderen Seite zu finden. Ein gesundes Maß für einen heilsamen Rhythmus in den Ferien aufzubauen. Dabei denke ich an meinen Beitrag aus dem vergangenen Sommer zurück, in dem ich bereits schon einmal über die wirkungsvollen Tipps geschrieben habe, wie es gelingen kann, Adoptivkinder heilsam durch den Sommer zu bringen. Noch heute gelten sie für uns:

  1. Wir versuchen Struktur und Routine in weiten Teilen aufrechterhalten. Maxim und Nadeschda stehen zwar morgens ein wenig später auf als zu Schulzeiten, aber sie schlafen auch nicht bis in die Puppen. Abends gehen sie nach wie vor zeitig ins Bett.  Ja, vielleicht darf Maxim abends noch ein wenig lesen. Länger als zu Schulzeiten, aber auch nicht bis spät in die Nacht. Tagsüber muss ich – mit Ausnahme unseres Urlaubs – arbeiten. Zuhause. Mein Buch weiterschreiben, meinen Unterricht vorbereiten. Die Kinderfrau kommt, wieder in gleichbleibenden regelmäßigen Dosen. Genauso üben wir wieder jeden Tag über eine gewisse Zeitspanne. All das gibt Halt und Struktur.
  2. Bei allem was wir tun, bemühen wir uns noch einmal mehr als im vergangenen Sommer um kleine maßvollen Dosen von Aktivitäten. In den vergangenen Monaten haben wir noch einmal bewusst erfahren, dass vor allem Maxim kein Maß hat. So wie alle äußeren Eindrücke ungebremst in sein Inneres hereindrängen, so hat er nach wie vor kein gesundes Maß für die Dauer von Aktivitäten, für die Mengen an Essen, für eine gesunde Dosis zu lesen oder anderes zu tun. Körperliche Signale ignoriert er. Nach wie vor muss ich ihm Einhalt gebieten, ihn kontrollieren, damit er es egal in dem was er tut nicht übertreibt. Und so versuche ich unsere Tage so zu strukturieren, dass auch alle Aktivitäten ein gesundes Maß haben und nicht übertrieben werden. Das ist manchmal verdammt schwer, wachsam zu sein und wahrzunehmen, wann das Maß vor allem bei ihm wieder voll ist. Aber am Ende macht es uns das Leben leichter, denn Ferien und viel Zeit zusammen können wir nur genießen, wenn wir alle ausgeglichen und in der Balance sind.
  3. Ich diszipliniere mich und halte trotz der heißen sommerlichen Temperaturen die regelmäßigen Mahlzeiten Zuhause ein. Ja, meistens wird es Frühstück, Mittagessen und Abendessen zu den gleichen Zeiten geben. Das schützt gleichzeitig vor zu viel Zwischendrin essen und vor allem auch vor zu viel Zuckerkonsum.
  4. Elektronische Medien haben bei uns auch wie vor nur in sehr geringem Maße Einzug gehalten. Und das wird auch so bleiben. Insofern stehen aktive Aktivitäten weiter im Vordergrund. Der große Pool, den wir im Garten haben,  trägt da sein übriges dazu bei. Nicht zuletzt auch, dass Nadeschda nun wirklich mit dem kOpf aus dem Wasser schwimmen kann.
  5. Ich selbst übe mich in Selbstfürsorge, suche auch Inseln für mich, um dann in der entsprechenden Verfassung zu sein, achtsam und gelassen auf meine Kinder eingehen zu können, wenn es ihnen nicht so gut geht. In diesem Jahr scheint es aber, als hätten sie selbst seit dem vergangenen Sommer sich in mehr Selbstfürsorge geübt. Die emotionalen Stimmungsschwankungen bleiben bisher aus, zumindest in einem eskalierenden Stadium. Denn schon vorher merken Maxim und Nadeschda, wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen. Dann gehen sie lieber in ihre Zimmer und verharren dort für eine Weile, bevor die Emotionen überkochen.

Es bleibt mir zu Beginn der Ferien zu hoffen, dass sich diese Aspekte genauso wieder in diesen Ferien auszahlen wie sie sich in den vergangenen großen Ferien gelohnt und bewährt haben.