Von der Angst (reloaded) – der Spuk geht noch ein wenig weiter…

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Photo by Evaldas Daugintis on unsplash.com

Am Dienstag Morgen wurde Nadeschda operiert. In 45 Minuten Operation wurden ihr zwei Cherry-Tomaten große Lymphknoten unter der Achsel entfernt. Aussagen zu irgendwelchen Tendenzen traf der operierende Kinderchirurg nicht. Darf er wahrscheinlich auch nicht. Nur machte er wiederholt sehr deutlich, dass die Operation und damit das entfernen der Lymphknoten keine Therapie sondern nur ein Auftrag sei, um eine weiterführende Diagnostik einleiten zu können. Eine Therapie müsse sich – wie auch immer geartet – der Operation anschließen.

Im Gegensatz zu vorangegangenen Operationen hat Nadeschda die Narkose gut überstanden. Sie war verhältnismäßig schnell wieder wach und überraschend klar. Zur Beobachtung blieben wir noch weiter in der Klinik. Doch zum Glück hat sie weder Schmerzen noch Beschwerden, so dass wir seit gestern wieder Zuhause sind.

Nun warten wir auf das Ergebnis der pathologischen und mikrobiologischen Untersuchungen. Erst im Laufe der kommenden Woche liegt dies vor. Dann erst haben wir (vielleicht) Gewissheit, was diese starken Schwellungen der Lymphknoten verursacht hat. Bis dahin müssen wir weiter mit der Ungewissheit leben und warten. Bis dahin hat die Angst um Nadeschda uns weiter fest im Griff.

Warten war noch nie eine meiner Stärken. Gepaart mit der Angst vor dem was kommt – es gibt sogar Momente, wo ich mich erwischt habe, mir zu wünschen, das Stadium der Ungewissheit nicht zu verlassen; denn vielleicht ist diese Ungewissheit besser und schmerzloser als die Gewissheit, die dann kommt…- ist dieser Zustand kaum auszuhalten. So lange wir im Krankenhaus waren, war ich in meinem Funktionsmodus, fokussiert auf den Gespräche mit den Ärzten und den Schwestern, konzentriert auf mein Kind. Nun zuhause kommt es mir, vor als würde die Angst wieder aus ihrer Ecke, in die sie sich vorübergehend zurückgezogen hatte, wieder hervorkriechen, sich genüsslich das Maul lecken und voll zynischer Freude sich erneut in unserer Mitte breit machen.

Auch Nadeschda hat Angst. Sie spricht nicht darüber. Doch ich sehe die Angst in ihren tief in gedankenversunkenen Blicken, wenn sie sich unbeobachtet fühlt. Ich spüre ihre Angst, wenn sie sich nachts an mich kuschelt, wenn sie abends beim Einschlafen meine Hand hält und tiefe Seufzer ausstößt. Und wir erleben ihre Angst in ihrer Wut, die sie erneut zeigt. Aus dem Nichts taucht die Wut wie ein kleines Monster auf und hält meine Tochter fest in ihrem Griff. Dann schreit sie, tobt, tritt um sich, bis sie verzweifelt weinend in sich zusammenbricht. Zu übermächtig ist die Bedrohung der Angst und der Ohnmacht….

12 Gedanken zu “Von der Angst (reloaded) – der Spuk geht noch ein wenig weiter…

  1. Ich möchte Dir ein Gedicht schenken:

    Aushalten
    ausharren
    innehalten

    durchscheinender
    geworden
    enthüllter

    sich gegenseitig
    schauen
    erhören

    überwölbt
    vom Sternbilb
    Geduld

    die Perlenkette
    des Erlittenen
    tauschen

    H.Overhage-Baader

    ——————————————-

    Sprichst du mit Nadeschda über die Angst? Sprich mit ihr. Es sit besser. Über die Angst, nicht gesund zu sein, über die Angst, eigenes Körper nicht unter Kontrolle zu haben, ihm nicht vertrauen zu können. Über die Angst von Unbekanntem, was kommen könnte. Über die Angst von weiteren Behandlungen und Ärzten, über die Angst von Veränderungen, die kommen- oder nicht kommen können. Sprich mit ihr. Sprechen ist nicht einfach, Nicht Sprechen ist aber viel schlimmer.

    Alles Gute euch allen, natürlich vor allem Nadeschda!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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    • Liebe Tina,
      hab tausend Dank für dieses wunderbare Gedicht! Ja, ich spreche mit Nadeschda über ihre Angst, soweit sie das zulässt. Und auch mit Maxim. Denn damit wird die Angst weniger bedrohlich. Denn sie ist dann sichtbar und offen da. Mir geht es ja genauso, seitdem ich auch einfach sage, dass ich Angst habe.
      Liebe Grüße
      Charlotte

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  2. Ich wünsche euch als Familie viel Kraft und alles, alles Gute! Daumen sind gedrückt.

    Auch wir haben den Schrecken einer ungewissen Krankheit bereits erlebt; meine Tochter hatte mit knapp 4 Jahren einen Schub einer Autoimmunerkrankung, die zu Einblutungen ins Gewebe führt. Sie hat es aber gut überstanden und seit mehr als 3 Jahren gab es keinen neuen Schub. Kinder sind so stark!

    Gefällt 2 Personen

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