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Von der Wut – Immer wieder montags…

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Photo by Patrick Fore on unsplash.com

Montage sind immer schwierig. Zum einen weil wir wieder den Übergang vom Wochenende in den Schulalltag haben. – Auch wenn wir zu den Eltern gehören, die am Sonntag ihre Kinder durchaus rechtzeitig ins Bett bringen können. – Dennoch, Montage sind anstrengend, es braucht einfach, um wieder in der Schule anzukommen. Da die Euphorie, die sich oft nach den längeren Ferien einstellt, fehlt, fällt es eben montags schwieriger. Das hat etwas mit der fehlende Fähigkeit mit Veränderungen umgehen zu können zu tun. Da sind Phasenwechsel schwierig. Immer noch und nach wie vor. Wenn dann auch noch die montägliche Routine nicht eingehalten wird, dann kommt es wieder, mein kleiner Freund (bzw. manchmal auch mit zusammengebissenen Zähnen geduldeter), das Wutmonster.

Als ich mittags beide Kinder an der Schule abholen will, trödelt Maxim noch eine Weile herum. Bei ihm zeichnen sich Montage durch äußerst schlechte und müde Laune, aber vor allem durch eine ungeahnte Laaaaangsaaaaaamkeit aus. Nadeschda wartete schon auf dem Schulhof, und platzte in einer selten dagewesenen Form. Zumindest an der Schule! Lautstark brüllte sie ihren Bruder an, beschimpfte ihn wenig Mädchenlike, rempelte ihn sogar an. Dass Maxim sich das nicht gefallen ließ, und erst zurückbrüllte, um dann einfach mal kurz die Faust zu zücken, konnte ich ja fast verstehen. Meine Hortkollegin schaute ganz überrascht: “Ist Deine Tochter öfter so?“ Was auch immer sie mit der Frage bezwecken wollte, klar war, dass Nadeschda diese Wut wohl selten in der Schule zeigte, um so mehr aber zuhause. – Das Wutmonster kommt zwar immer seltener mit seiner ganzen Wucht, es ist über die Jahre ein wenig milder geworden, und meine Tochter wie auch mein Sohn haben Möglichkeiten entwickelt, sich mit ihm zurückzuziehen und es zu besänftigen. Mit einem kritischen Blick auf meine Kinder wünschte mir die Kollegin noch einen schönen Nachmittag. Ich war nur heilfroh, dass ich Maxims Judotraining ohnehin schon abgesagt hatte, da er sich am Sonntag Nachmittag einmal wieder das Knie geprellt hatte. So hatten wir zumindest einen Nachmittag ohne Zeitdruck und in Ruhe Zuhause vor uns. 

Nun ja, Ruhe stellte sich kaum ein. Über Stunden hatte ich das Gefühl einen kleinen brodelnden Vulkan um nicht herum zu haben. Egal, was Maxim oder ich taten oder sagten, alles war Mist, alles war falsch, alles machte man ja eigentlich anders, manchmal wurden wir beide übelst beschimpft, Türen wurden geknallt, es flogen ein paar Gegenstände durch die Gegend. Nadeschda wollte sich nicht beruhigen. Auf gar keinen Fall! Irgendwann bekam ich wenigsten heraus, dass die Klasse an dem Tag nicht in den Wald gegangen war, wie sonst üblich. Es hatte sich wohl kein begleitendes Elternteil  eingetragen und gefunden. Und so blieb die Klasse eben in der Schule. „Du musst Dich gefälligst für die Waldtage eintragen!“ brüllte mir meine Tochter ins Gesicht! Ah! Ja, hier hatten wir sie, die Unplanmäßigkeiten an einem Montag! Davon muss es noch ein paar mehr gegeben haben, die meine Tochter dann vollends aus dem Konzept brachten. Wenn schon Montag und Übergang in eine wieder andere Routine, dann doch aber bitte immer dieselbe. Ihre Wut war einmal wieder mehr der verzweifelte Versuch, Kontrolle über ihr kleines Leben zu bekommen, die Sicherheit und die Struktur zu finden, die sie unbedingt brauchte. Dass es diesmal aber zu so vehementen Reaktionen kam, wunderte mich dennoch. 

Erst am Abend stellte sich heraus, dass tatsächlich noch etwas deutlich „Schlimmeres“ in den Augen meiner Tochter passiert war: Es musste in der Zeit, als sie eigentlich im Wald gewesen wären, noch einen Vorfall gegeben haben, den Nadeschda aber nicht mitbekommen hatte. Was sie aber mitbekam, war, dass die Klassenlehrerin für eine ganze lange Weile den Klassenraum einfach verließ, wohl mit den Worten: „Ich muss jetzt hier mal raus.“. Keines der Kinder wusste, wo sie war, trauten sich aber auch nicht, sie zu suchen. „Wir saßen da ganz still und brav, Mama.“ erzählte mir meine Tochter. Erst nach einer ganzen Weile kam Nadeschdas alte Klassenlehrerin aus der Vorklasse und kümmerte sich um die Kinder. 

Es ist unerheblich, ob die Lehrerin so etwas darf, was vorgefallen war und was dazu geführt hatte. Einzig zählte, dass dieses plötzliche Verlassen der Klasse ohne eine Erklärung bei meiner Tochter wahrscheinlich schlimmste unbewusste Erinnerungen und Gefühle berührt hat. Im Fachjargon würde man davon sprechen, dass dies einer der berühmten Trigger ist, der das abgespaltene Trauma wieder wachruft. Und genauso hat sie sich verhalten. Nicht in der Schule, da hat sie sich nicht getraut. Aber allein meine und Maxims Präsenz auf dem Schulhof und die Klarheit, dass wir drei nun zusammen zum Auto gehen, wir drei als familiäre und vertraute Einheit, hat die Energie in meiner Tochter freigesetzt, ihrem Überlebensmuster der Wut, das sie genauso beherrscht wie das des Charmes, freien Lauf zu lassen. Wie stark sie die Situation an der Schule und in der Klasse mitgenommen hat, kann ich nur an der Intensität ihrer Reaktionen an diesem Nachmittag erahnen. Dass es nun auch noch Montag war, hat die Sache nicht besser gemacht. 

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (139)

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Danke an pixabay.com

Während unser Wochenend-Besuch und meine Kinde noch schlafen, nutze ich die Chance, wieder einmal auf eine bewegte Woche zurückzublicken und mich an die drei Dinge zurückzubesinnen, für die ich besonders dankbar bin. Ja, der Alltag hat uns nun nach den Ferien endgültig wieder. Doch arbeitstechnisch war es für mich eine ruhige Woche, oder vielmehr eine konzentrierte. Da ich nun nicht mehr im Hort arbeite – man hat mich freigestellt, um mir die Chance zugeben, mich auf meine neue Klasse ab dem Sommer vorzubereiten -, und ich in dieser Woche auch nicht unterrichten musste, da die Klassen, in denen ich Vertretungsstunden gebe, alle entweder im Praktikum oder auf Klassenfahrt waren, liegt nun eine (fast) reine Schreibtischwoche hinter mir. Ich habe meist an meinem Buch geschrieben, Hausaufgabenhefte korrigiert und tatsächlich eine halbe Epoche für das kommende Schuljahr vorbereitet. Das war gut. Es gab mir nebenher die Gelegenheit, meine Gedanken etwas zu sortieren, und so wird mir nun auch das ein oder andere vor allem auch mit Blick auf meine Kinder wieder bewusster. So bin ich heute dankbar für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. Ich bin dankbar für den Weg, auf den mich meine Kinder geschickt haben. Ich bin davon überzeugt, dass ich ohne sie nie mein Herz für bedürftige Kinder entdeckt hätte. Heute fühle ich mich manchmal als wäre ich auf einer Mission. Ich will in dieser Welt ein Stück weit mehr Verständnis schaffen für die Folgen von Traumatisierung, gegen die Stigmatisierung und das zu schnelle in Schubladen stecken. Nur weil das Kind nicht in die Norm passt und nicht einfach funktioniert, muss man ihm nicht den Weg der Entwicklung versperren. Im Gegenteil! Es fordert uns alle heraus, besser hinzuschauen, bei uns selbst zu schauen, was es mit uns macht und warum. Und am Ende dem Kind vielleicht zu helfen…..
  2. Maxims und meine Reise nach Moskau war heilsam, in vielerlei Hinsicht. Es war ein guter und gelungener Einstieg in die vielleicht kommende Wurzelsuche. Maxim’s Bedürfnisse scheinen vorerst gestillt zu sein. Er zehrt von den Erinnerungen ohne einen Wunsch nach mehr. Und mir hat die Reise eine Menge Angst genommen. Ich bin bereit für mehr….
  3. Nadeschda hatte einen harten Start in die Woche, einen Schultag, der alle Knöpfchen drückt, um die Überlebensstrategie zu wecken. Da war er wieder der scheinbar unkontrollierbare Zorn. Mir war schnell bewusst, dass etwas vorgefallen sein musste. Doch sie wollte nicht reden, brüllte nur rum. Dankbar war ich in diesem Moment für die Bücher von Heather Forbes, die mich erinnerten, erst die Gelegenheit zu suchen, in der ich meine Tochter „runterregulieren“ konnte und mit ihr reden. Das war dann auch so am Abend, an dem ich dann erfuhr, dass es irgendeinen Vorfall in der Klasse gegeben hatte – welchen wusste Nadeschda nicht mehr, tut auch letztendlich nichts zur Sache – , der dazu führte, dass die Klassenlehrerin die Klasse verlies und nach einer Weile plötzlich eine andere Lehrerin in die Klasse kam. Das hat meine Tochter sehr verschreckt und führte neben vielen anderen Dingen an diesem Montag zu ihrer Stimmungslage. Meine Hand ganz fest haltend schlief sie dann ein und alles war zumindest für die Nacht wieder gut.

Ich selbst bin gespannt, was die neue Woche uns bringt. Nun freue ich mich zunächst auf ein gemütliches Sonntagsfrühstück mit unseren Freunden, die sich langsam aus den Betten schälen. Habt einen wunderbaren Sonntag und startet voller Kraft in die neue Woche!

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„Aber mit Deinen Emotionen bist Du allein…“ – Gedanken zur Wurzelsuche meiner (Adoptiv-)Kinder

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Photo by Yulia Gambold on unsplash.com

Bevor ich mit Maxim nach Moskau flog, war eine liebe Freundin zu Besuch. Zunächst fragte sie: „Und bist Du aufgeregt?“ Ich antwortete zögerlich. Sie setzte nach, oder fasste vielmehr das zusammen, was mir seit Tagen durch Kopf und Bauch ging: „Aber mit Deinen Emotionen bist Du allein….“ Ja, genauso war es, und es war eine Achterbahn der Gefühle, die erst in Moskau endete. 

Auch wenn diese Reise mit Maxim für ein paar Tage nach Moskau auf der einen Seite ein erster Schritt in Richtung „Wurzelsuche“ war, so war es doch hauptsächlich eine kleine „Kulturreise“. Wir besuchten kein Kinderheim, wir kehrten nicht zu alten Plätzen, an denen vor etlichen Jahren wichtige Entscheidungen getroffen wurden, zurück. Wir schauten uns „bloß“ ein wenig Moskau an, tauchten ein in diese unermeßlich große russische Metropole, erlebten ein wenig Russland. Weniger das „typische“, das wirkliche  Russland, das uns in anderen Städten begegnen würde. Dennoch war diese Reise dann doch im Vorfeld mit vielen Emotionen verbunden gewesen. 

Da brachen auf einmal alte Erinnerungen auf, an unsere erste Einreise nach Russland, an die Tage, an denen wir Maxim und Nadeschda zum ersten Mal im Kinderheim begegneten, an unser Gerichtsverfahren, an all die Stempel, die wir sammeln mussten, an die Angst bei der Ausreise in dieser so furchtbar überfüllten Abflughalle, in dieser fast unerträglichen Hitze, die Angst, dass unser Familienplan doch noch einmal scheitern könnte. Nicht zuletzt auch durch mein „gesundheitliches Problem“, dass der eine Arzt neulich ja nicht lösen konnte, und der einzige Arzt hier im Umfeld, der es vielleicht lösen kann, derjenige ist, der mich bei meinen Fehlgeburten operiert hat, wurde wieder die Erinnerung an die Bitternis und den Schmerz über die eigene Kinderlosigkeit wach. Und dann waren da die Gedanken an die Sorgen, ob es mir gelingen würde, meine Kinder, die mir anvertraut wurden, wirklich gut ins Leben zu begleiten. Ja, manchmal ist das Leben mit ihren niemals endenden Bedürfnissen, mit immer neuen Herausforderungen anstrengend. Es kostet Kraft und Energie, die ich vielleicht manchmal gar nicht ausreichend habe. Manchmal fühle ich mich so, wie die wunderbare Sherrie Eldridge es einmal wieder in einem so ehrlichen Post über die Wut in Adoptivkindern geschrieben hat, den ich hier gerne mit Euch teilen möchte. Am meisten hat mich ein Satz berührt, in dem sie von den Adoptivmüttern spricht: „They’re in a war they never chose, in a place they don’t belong, and in an ocean that is life-defying.“ Ja, ich habe diesen „Krieg“ niemals gewollt. Vielleicht ist das Wort auch zu heftig. Es ist ein Kampf, aber kein Krieg, auf den ich mich niemals wirklich vorbereitet fühlte. Auch wenn uns die Bedürfnisse von Adoptivkindern hinreichend im Vorfeld der Adoption geschildert wurden, und ich so viel vorher gelesen hatte, aber wirklich ermessen, was das heißt und was es bedeutet, und wie es sich eben anfühlt, das passiert erst, wenn man tatsächlich drinsteckt, im wahren Leben mit zwei Adoptivkindern. 

So war ich nun auch mit meinen Ängsten und Sorgen vor der Russlandreise alleine. Aber dann gibt es eben doch Freunde, die das irgendwie erahnen und vermuten. Das tat gut. Und am Ende waren die Tage in Moskau mit Maxim mehr als versöhnlich. Viele Ängste lösten sich in Wohlgefallen auf. Angefangen von der Einreise über das Nichtkennen der russischen Sprache und dem sich Zurechtfinden in einer 18 Millionen-Metropole und das sich Bewegen in einer Stadt, die alles andere als sicher gilt bis hin zur Ausreise. Meist ist es heilsam, die Ängste zu konfrontieren und durch sie hindurch zu gehen. Die Einreise war eher unspektakulär, nach kaum 30 Minuten nach Verlassen des Flugzeuges, waren wir eingereist, hielten unsere Koffer in der Hand und standen unserem Fahrer zum Hotel gegenüber. Nach einem Tag hatte ich die russischen Buchstaben wieder alle parat, erinnerte Wörter und begann mich nicht mehr so fremd zu fühlen in dieser unermesslich großen Metropole Moskau. Auch in ihr hat sich seit unserem letzten Aufenthalt sehr viel getan. Erst dachte ich, es wäre meine verklärte Erinnerung. Aber dem war nur bedingt so. Denn mittlerweile hatte das Land auch eine Fussball-WM hinter sich, in dessen Vorfeld sehr viel Geld investiert wurde, um die Austragungsorte schön und sicher zu machen. Und das auch mit Erfolg. Die Innenstadt von Moskau ist heutet so unglaublich sauber und schön. Und eben sicher. Oder zumindest wird das Gefühl von Sicherheit erfolgreich vermittelt. Ja, es gibt viel Sicherheitspersonal und eine hohe Polizeipräsenz, dennoch fühlte ich mich nicht überwacht, sondern eben „beschützt“. Maxim und ich fanden uns gut zurecht, genossen unsere Zeit, nahmen die vielen Eindrücke auf, waren fasziniert und überwältigt. Mit den Tagen kamen wir immer besser zurecht, fanden unsere Wege durch die Stadt, entwickelten immer mehr Entdeckergeist. Gerne wären wir länger geblieben. Doch es war gut, so wie es war. Bei unserem nächsten Besuch werden wir mutiger sein, noch mehr auf eigene Faust erkunden, jetzt wo wir ein erste kleines Gefühl für diese Stadt haben. 

Viel Angst ist gewichen in diesen Tagen, nicht nur vor dieser unberechenbaren 18 Millionen Metropole Moskau, auch vor diesem so unermesslich großen und faszinierenden Land Russland und letztlich auch vor der Suche nach den Wurzeln meiner Kinder…. vielleicht war deshalb auch der Besuch in der Christ-Erlöser-Kathedrale so erhebend und befreiend….

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Charlotte’s Sonntagslieblinge (134)

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Mit freundlicher Unterstützung von Pixabay

Unaufhaltsam rast die Zeit, nun ist der vierte Monat diesen Jahres auch schon wieder eine Woche alt. Noch eine Woche und dann sind Osterferien. Langersehnt, denn die Zeit seit Weihnachten war vor allem für die Schulkinder lang. An allen Ecken und Ende spürt man die Erschöpfung. Ich hingegen verspüre dank des Frühlings neue Energie: Die Kinder und ich haben im Garten gepflanzt, ich habe weiter ein paar Ecken im Haus, in denen sich die Stapel von Ausgemistetem und noch Auszumistendem sammelten, endlich aufgeräumt, die Kleiderschränke Frühjahrstauglich gemacht und vieles mehr. Die Kinder hatten endlich wieder einmal viel Zeit zum Spielen und haben das in vollen Zügen genossen. Eine gute Woche liegt somit hinter uns. Besonders dankbar bin ich heute für diese drei Sonntagslieblinge:

  1. All die Mühen scheinen sich langsam auszuzahlen, das tägliche Üben, der Förderunterricht in der Schule und die Stunden bei der Lerntherapeutin. Allmählich gewinnt Nadeschda Boden im Rechnen. So das erfreuliche Resultat eines Gespräches mit ihrer Förderlehrerin in dieser Woche. Auch wenn ich feststellen musste, dass meine Tochter ihre Lehrerin weiterhin ordentlich um den Finger wickelt
  2. Maxim wird allmählich richtig groß. Er hat einen erneuten Wachstumsschub hinter sich. Neulich stand er neben mir im Bad vorm Spiegel, um seine Haare „zu stylen“; mit einem leicht verdutzen Blick schaute er zu mir herüber: „Mama, ich bin ja fast so groß wie Du.“ Stimmt, als ich neulich ein paar neue Anziehsachen für ihn kaufte, stellte ich fest, dass er nun die Kleidergröße erreicht hat, die auch ich manchmal kaufe, wenn ich in der Kinderabteilung manchmal für mich „wildere“…
  3. Mit meiner vertrautesten Freundin war ich in dieser vergangenen Woche in der Oper. Zum ersten Mal seit Jahren! Es war eine großartige Inszenierung, mit wunderbarer Musik, gutem Gesang und einer fesselnden Geschichte. Wir sind wirklich abgetaucht für zwei Stunden in einen andere Welt. Das war ein fantastisches Erlebnis!

Habt einen erholsamen und frühlingshaften Sonntag und einen guten Start in die neue Woche!

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#bestofElternblogs April 2019

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Photo by HK Photo Company on unsplash.com

Die liebe Anja von der Kellerbande hat einmal wieder zu ihrer beliebten Blogparade #bestofElternblogs April 2019 aufgerufen. Da mache ich doch gerne endlich einmal wieder mit. Vielleicht auch mit dem Wunsch, in diesem nun neu beginnenden Monat ein paar Beiträge mehr wieder zu veröffentlichen. – Die Zahl der begonnenen, aber bisher unvollendeten Beiträge wächst stetig auf meinem Rechner…

Wieder einmal erleuchtend und interessant war der Blick in die Zahlen. Denn diesmal war es mein Beitrag aus der vergangenen Woche zu „Du bist nicht meine echte Mutter!“, der mit relativ großem Abstand zu den anderen Beiträgen diesmal die meisten Klicks verzeichnete. Hier schildere ich von der Begebenheit, an der mein Sohn mir zum ersten Mal wütend an den Kopf warf: „Du bist nicht meine echte Mutter!“ und wie wir beide einen guten Weg aus diesem Wutanfall fanden. Aber lest selbst hier

Habt lieben Dank für’s Lesen, Liken und Kommentieren!

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„Wie schmeckt Euch eigentlich die Plastiktüte?“

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Photo by Eddie Howell on unsplash.com

Maxim engagiert sich mit großem Elan in einem Umweltprojekt, das seine Klasse initiiert hat. Entstanden ist es aus einzelnen kleinen Projekten, die die Schüler selbst erarbeiten sollten. Nun ist die ganze Klasse in Bewegung und macht an allen Stellen über den zunehmenden Plastikmüll aufmerksam. Auch bei uns zuhause zeigt das Projekt erste Wirkung: Wir benutzen kein Duschgel mehr aus Plastikverpackungen sondern Seife, wir kaufen nur noch Obst und Gemüse, das nicht mehr in Plastik verpackt ist, Jogurt und Milch gibt es nun nur noch aus dem Glas, oder wenn es nicht anders geht, dann nehmen wir die Jogurtbecher, von denen wir wissen, dass sie in der Schulküche wiederverwendet werden als Aufbewahrungsboxen. Wir versuchen nun bewusst, wo es geht, unnützen Plastik im Alltag zu vermeiden. Im Büro meines Bruders haben sie aufgrund von Maxim’s Impuls Porzellan-Suppenschalen angeschafft, mit denen nun in der benachbarten Suppenküche mittags das Essen geholt wird, und man die Plastikgebinde der Suppenküche nicht mehr nimmt und nach dem Essen entsorgt. So gibt es noch mehrere Impulse, die Maxim mit seiner Klassenaktion gesetzt hat.

Und um auch Euch zum Nachdenken anzuregen, teile ich mit Euch den Flyer, den Maxim  mit seiner 4. Klasse geschrieben hat und, wo auch immer es geht, verteilt:

„Wie schmeckt Euch eigentlich die Plastiktüte?

Wir produzieren viel zu viel Plastik. Mit dem daraus entstandenen Müll könnte man die Welt 6 mal einhüllen. In den Ozeanen schwimmen riesige Müllstrudel, die immer mehr Plastik anziehen. Wenn zum Beispiel die Schildkröten zum Lufthüllen auftauchen, verheddern sie sich im ganzen Müll. Plastikmüll, alte Netze und Mikroplastikteilchen sind eine große Gefahr für die Meeresbewohner. Fische verwechseln Plastiktüten und Flaschen mit ihrer ursprünglichen Nahrung. Mehrere Kilo Müll wurden in den Mägen von toten Walen gefunden. 

Plastik enthält giftig Stoffe, die sich in den Flüssen und im Meer herauslösen. Sie gelangen ins Grundwasser, auf Felder und Wiesen. Sie vergiften die Tiere und Pflanzen und gelangen mit der Nahrung auch in unseren Körper. Mikro- und Nanoteilchen befinden sich in allen Meeresflächen. Was sie dort anrichten, darüber wissen die Forscher wenig. 

Dieser Flyer soll einfach zum Nachdenken anregen. 

Danke fürs Lesen. 

Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr unter wwf-junior.de“

 

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Mehr als Manipulation, es geht um’s Überleben – Anstrengungsverweigerung ist kein gezieltes, absichtliches Verhalten

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Photo by Patrick Fore on unsplash.com

Viel beschäftige ich mich gerade einmal wieder mit den Folgen von Frühtraumatisierungen und welchen Einfluss diese auf das Lernverhalten von Kindern haben. Mir schwirren wieder die Situationen mit meinen Kindern auch den Kopf: Nadeschda versucht augenscheinlich, von den Übungsaufgaben abzulenken, in dem sie mir von 38 Begebenheiten in der Schule erzählt, die gerade ja so viel wichtiger sind. Im Rechenförderunterricht verwickelt sie die Lehrerin in ein Gespräch und dabei geht erfolgreich unter, dass sie ja eigentlich die Stufen im Treppenhaus zählen soll. Beim Zahlen zerlegen wickelt mich Nadeschda erfolgreich um den Finger, in dem sie anstatt die Zahlen zu überschlagen, auf Englisch zählt. Maxim starrt beim Üben Löcher in die Luft, oder spielt lieber mit seinen Stiften. Seine Buntstifte sind immer aussergewöhnlich gut gespitzt, Beim Trompete üben gibt er gerne seinem Vater „Privatkonzerte“. Klar, dann fällt nicht unmittelbar auf, dass er die Stücke, die er eigentlich üben soll, gar nicht gespielt hat. Genauso gehen mir meine eigenen Ausrufe und die anderer befreundeter Adoptivmütter auch den Kopf, wenn es einmal wieder schwierige und vielleicht sogar eskalierte Hausaufgabensituationen gab: „Da hat er (oder sie) einmal wieder erfolgreich die Köpfchen bei mir gedrückt.“ 

Das alles suggeriert Absicht und bewusste Manipulation. Klar, aus einer seelischen Not heraus geboren. Dass es aber weder das eine noch das andere ist, wurde mir erst wieder bewusst, als ich einen der letzten Blogbeiträge von Mike Berry von confessionsofanadoptiveparent las. In „Her behavior isn’t manipulation, it’s survival!“ schildert er sehr eindrucksvoll und plakativ, warum ein wie auch immer geartetes anstrengungsvermeidendes Verhalten eben gar keine geplante und beabsichtigte Manipulation oder Ablenkung sein kann.  

Sehr vereinfacht dargestellt (und mit Sicherheit wissenschaftlich betrachtet nicht ganz korrekt), passiert etwa das Folgende: Das Großhirn ist verantwortlich für das rationale Denken – und damit Handeln, das Verarbeiten von Informationen und Wissen, das logische Denken, vorausschauende Planung und Struktur. Das Limbische System ist verkürzt gesagt das emotionale Zentrum des Gehirns. Hier spielen sich auch die schützende Prozesse von Flucht oder Kampf ab. In der Amygdala  sind alle vitalen Funktionen und damit der natürliche Selbsterhaltungstrieb des Menschen angesiedelt. Sie verarbeitete externe Impulse und leitet daraus die vegetativen Reaktionen ab. In der Regel ist das Großhirn der dominierende Teil, der das limbische System und die Amygdala kontrolliert und steuert. Fühlt sich ein traumatisiertes Kind allerdings bedroht und lebt ohnehin aufgrund der traumatischen Erfahrungen in einem dauerhaften Zustand von Stress und Erregung, dann kontrolliert nicht mehr das Großhirn seine internen Prozesse und reguliert seine Gefühle und Reaktionen. Es ist ausgeschaltet, und allein das limbische System und die Amygdala übernehmen. Das Verhalten, was dann ein traumarisiertes Kind zeigt, ist allein von Emotionen gesteuert und der archaische von jeder Hemmung befreite Kampf ums Überleben ist aktiviert. 

Insofern kann es gar keine Absicht oder geplante Manipulation sein, oder ein Verhalten, was gezielt und „strategisch“ darauf abzielt, einer Situation aus dem Wege zu gehen, oder eine Anstrengung in welcher Form auch immer zu vermeiden. Das wären ja Vorgänge im Großhirn. Doch dies hat in Stresssituation vor dem Einfluss von limbischem System und Amygdala kapituliert. Jegliches rationale und abwägende Denken ist in diesen Momenten ausgeschaltet. Allein der Kampf ums Überleben steht im Vordergrund. Und dafür ist – verständlicherweise – jedes Mittel recht.