„Angriff auf das Urvertrauen“

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Danke an Pixabay

Ursprünglich wollte ich mich noch ein wenig über die Berufstätigkeit als Adoptivmutter auslassen. Doch ein Vorfall in der Schule in dieser Woche lässt mich das nun erst einmal hinten anstellen. Hatte ich nicht geschrieben, dass unser Leben so wunderbar normal und zwischenfallslos dahinplätschert? Nun das hatte vorerst in dieser Woche ein jähes Ende. Was war passiert?

Kennt Ihr Leander Plattner aus „Ein Sams für Martin Taschenbier“? Nun er ist überproportional groß und kräftig für sein Alter. Etwas ungelenk und vielleicht auch einfach eine unglückliche Gestalt. Maxim ist eher wie Martin Taschenbier, klein und zierlich, aber flink. Nun, Maxim hat so einen „Leander“ in der Klasse. Entgegen dem Charakter in dem Sams-Buch ist unser Leander aber leider auch ein verhaltensauffälliges Kind. Er kam als Quereinsteiger in die Klasse. Er hält sich an keine Regeln, er stört den Unterricht, er schwänzt hin und wieder die Schule. Er sucht Streit, wo er ihn nur finden kann. Und von Anfang an hatte er es auf Maxim abgesehen. Vor allem weil Maxim mit einem Jungen befreundet ist, den Leander von früher kennt und genauso mit diesem befreundet sein will. In dieser Dreierkonstellation ist Streit immer wieder vorprogrammiert. Da gibt es mal handfeste Rangeleien, Beschimpfungen, Sachen werden aus Wut in den Dreck geschmissen. Machtkämpfe unter Jungs. Doch vor ein paar Tagen ist die Situation eskaliert.

Als ich mittags zur Schule kam, um Maxim und Nadeschda abzuholen, fand ich Maxim auf dem Schulhof mit seinem Freund und einer Aufsichtsperson. Mein Sohn kämpfte mit den Tränen, sein Freund stand hilflos daneben. Die Aufsicht hielt nach Leander Ausschau. Der kam wutschnaubend aus dem Gebüsch und beschimpfte meinen Sohn. Der wollte nur seinem Freund noch etwas sagen, aber Leander ließ ihn nicht. Ich griff ein und schlug vor, dass wir jetzt gehen und Maxim dann seinen Freund von Zuhause aus anrufen könnte, um das zu besprechen, was er noch ohne Leander besprechen wollte. – Erst hinterher erzählte mir Maxim, dass ihm Leander zuvor mit der Faust ins Gesicht mitten auf die Nase geboxt hatte. – Mit den Tränen kämpfend kam mein Sohn mit mir mit. Fest hielt er meine Hand und kämpfte mit seinen Gefühlen von Verzweiflung und Wut. Wir waren fast am Schulgebäude, als aus dem Nichts Leander von hinten angeschossen kam und Maxim so anrempelte, dass dieser, obwohl noch bei mir an der Hand, zu Boden ging.

Ich war fassungslos, mein Sohn in Tränen aufgelöst. Mit dem weinenden Maxim auf dem Arm suchte ich die Leiterin der Mittagsbetreuung, um sie über das eben Geschehene zu informieren. Eine andere Aufsicht hatte derweil Leander geschnappt und zerrte ihn in das Schulsekretariat, wo er nun warten musste bis seine Mutter ihn vorzeitig abholte. Nadeschda kam zu uns gelaufen, sie hatte alles vom Klettergerüst aus beobachtet. Wir setzten uns erst einmal und ich tröstete Maxim. Schnell kamen andere Klassenkameraden und abholende Mütter aus Maxims Klasse, um zu schauen, was passiert war. Nadeschda informierte alle aufgebracht.

Von hinten aus dem Hinterhalt ein Kind so zu schupsen, dass es zu Boden ging, und das auch noch als es an der Hand der Mutter ging, war wirklich das allerletzte! Wie gestört und aggressiv war dieser Junge, der selbst vor dem „Schutzraum“ der Mutter keinen Halt machte? Das war ein Angriff auf das Urvertrauen, das Maxim in mich hatte. Denn an meiner Hand sollte er sich eigentlich sicher fühlen. Doch Leander hatte selbst vor dieser Grenze keinen Halt gemacht, sondern war gewaltsam in diesen Raum der Sicherheit und Geborgenheit eingebrochen. Das war eine Form der Gewalt, die mir neu war. Unermessliche Wut steig in mir auf. Es war gut, dass Leander bereits im Schulsekretariat saß.

Nachdem sich Maxim etwas beruhigt hatte – äußerlich verletzt war er zum Glück nicht -, holten wir seine Sachen und fuhren nach Hause. Da erst erzählte mir Maxim die ganze Geschichte mit der vorangegangenen Kopfnuss. Zum Seelenbalsam gab es erst einmal Blaubeeren und Süßigkeiten. Und wir telefonierten mit Richard. Der rief im weiteren Verlauf des Nachmittags Leaders Mutter an, was eine kluge Entscheidung war, denn ich hätte wahrscheinlich die Fassung vollständig verloren. Er ließ sie, die sich schnell in Entschuldigungen und Erklärungsversuchen, warum Leander im Moment so schwierig sei, verlieren wollte, kaum zu Wort kommen. Nach sieben Minuten hatte er unseren Standpunkt klar gemacht: Ein solches Verhalten ist ein Angriff auf das Urvertrauen und dieser wie auch jede andere Form von körperlicher oder verbaler Gewalt gegen unseren Sohn tolerieren wir nicht, egal aus welchen Gründen. Ein solches Verhalten müssen die verantwortlichen Eltern abstellen.

Bei Maxim hat dieser Vorfall zwei Dinge ausgelöst: Auf der einen Seite ist er nun in der Schule etwas haltlos, er muss oder will sich neu orientieren. Denn auch von seinem Freund ist er enttäuscht, dass der ihm nicht geholfen hat. Selbstbewusst sagt er zwar „Dann spiele ich eben mit jemandem anderes.“, doch ich weiß, dass ihn das belastet. Leander geht er aus dem Weg, beobachtet ihn aber sehr genau. Auf der anderen Seite ist es, als wäre er uns Eltern noch einmal ein Stück weit näher gekommen. Deutlich hat er lernen müssen, dass der einzige sichere Ort für ihn hier Zuhause ist, mit Richard, Nadeschda und mir. Wir sind die, die zu ihm halten, die für ihn einstehen, ihn schützen und verteidigen. Auch wenn ich ihn im Sturz nicht auffangen konnte, so spürte er, dass wir in der Auseinandersetzung mit Leander Mutter und den Lehrern an der Schule um ihn und für ihn kämpften. (Das mal an der Oberfläche betrachtet. Ich denke es ist auch noch etwas tieferes bei ihm in Bewegung gekommen, doch das füllt einen weiteren Post.)

Meine Wut und meine Fassungslosigkeit sind auch noch nach ein paar Tagen nicht verraucht. Sollte so etwas noch einmal vorkommen, kann ich mir vorstellen, dass ich alle Hebel in Bewegung setze, damit dieses Kind die Schule verlassen muss. Denn egal was die Ursachen für Leanders Verhalten sind, diese Form der Gewalt ist mit nichts zu entschuldigen. Nur weil die Großmutter im Sterben liegt und der Vater sich von der Mutter trennt, muss ein Kind nicht aus dem Hinterhalt mit so viel Wucht schupsen, dass ein anderes Kind zu Boden geht. Verständnis dafür habe ich in keiner Weise. Zumal meine eigenen Kinder in ihrem Leben, bevor sie zu uns kamen, traumatische Erfahrungen gemacht haben, die um ein vielfaches schlimmer waren. Aber sie rennen nicht auf dem Schulhof Amok, wenn ihnen etwas nicht passt. Denn wir haben ihnen geholfen, ihrer Traumata langsam zu verarbeiten. So sehe ich auch, dass dieser Akt der Brutalität ein lauter Schrei nach Hilfe war. Ein Hilferuf Leanders nach Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung, die er Zuhause nicht bekommt. Ich fürchte allerdings, dass seine Eltern aus diesem Vorfall keine Konsequenzen ziehen und sich keine Hilfe suchen bzw. Leander nicht die Hilfe geben werden, die er braucht. Wenn ich mir das bewusst mache, tut dieser Junge mir (fast) leid.

11 Gedanken zu “„Angriff auf das Urvertrauen“

  1. Liebe Charlotte, der Gedanke, dass ein nahender Todesfall und eine Trennung ein Kind traumatisierten können, kommt „normalen“ Eltern nicht unbedingt. Sie sind zudem zu sehr mit sich selbst beschäftigt in dieser Phase. Auch ich wünsche Leander rasch externe Hilfe und Beistand, vielleicht können die Erzieher/Betreuer hier helfen. Mit dem Thema Traumata beschäftigen sich halt eher „anders Eltern gewordene“ 😉

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  2. Es ist sehr schade und bedaurlich. Alles gute und Kraft deinem Maxim!
    Ihr würden ihm gut einen Schutz bieten. Zu wissen, dass die Eltern hinter dir stehen, auch in schwierigen Situationen- ist für die Kinder sehr wichtig.
    Wie du aber am Ende richtig schriebst- dieser Junge ist noch ein Kind. Wie eure. Nicht in Vergangenheit, aber gegenwartig traumatisiertes Kind- der weiter in der traumatischen Situation lebt. Statt starke zusammenstehende, Halt bietende Eltern zu haben hat er eine Situation, dass seine Eltern sich trennen, (wahrscheindlich nicht in Ruhe), sein Urvertrauen gegenwärtig zerstören und er keine Sicherheit hat, wo, wie und mit wem er weiter leben wird. Seine Grossmutter liegt im Sterben- damit wird er weiteren näheren Menschen entgültig verlieren und da er um die 10-11 Jahre ist, wenn ich richtig verstehe, setzt er sich auch entwicklungsmässig mit der Frage nach dem Tod, was ihm wahrscheindlich- ohne Halt und sicheren Boden zu Hause- Panik bereitet. Also- ein Kind, dem alles zu viel und zu unsicher wird, der sich verlassen fühlt und ums Überleben kämpft- wie wir wissen, an falschen Stellen, weil zu Hause hat er keine Macht gegen sich trennende und mit sich beschäftigten Eltern und keine Macht gegen den Tod- dort kann er nicht erfolgreich kämpfen, also kämpft er woanders… Sinnlos aus unserer Pespektive, einzig möglich- aus seiner… Es ist NICHT die Entschuldigung, euren Sohn zu schlagen, auf keinen Fall! Die Erwachsene müssen dafür sorgen, dass es NICHT geschieht. Also -„alle Hebel setzen würde, damit er die Schule verlässt“- ja, wenn ihr damit AUCH FÜR dieses Kind einstehen. Nein, wenn ihr nur eures Kind in Bewusstsein haben. Weil diese Eltern und dieses Kind selber – deiner Beschreibung nach- stehen alle Gegenwärtig in traumatischen Situation, die sie nicht lösen können. Ja, richtig- sie werden- wahrscheindlich- leider nicht jetzt dafür sorgen können, das das Kind Fürsorge, Halt und Ruhe bekommt. Es braucht keine Kuschelpädagogik. Aber es braucht das Bewusstsein, dass man kann auch harte Schritte unternehmen- auch FÜR das Kind. Oder- wenn ihr anderes wählt- gegen dieses Kind, also im Sinne- er muss hier verschwinden, Rest ist egal. Wenn ich dein Blog lese- hoffe ich, ihr würdet für unversehrtheit eurer Kinder kämpfen und gleichzeitig für seelenwohl des anderen. Nach aussen kann vieles ähnlich aussehen- aber es wird anderes wirken ja nach Haltung. Ich hätte sofort beatragt, das dieses Kind Schulbegleitung bekommt und nicht alleine in der Klasse/auf dem Pausenhof sein kann. Ich hätte sofort beantragt, dass die Familie psychologische Beratung bekommt oder Unterstützung von Sozialarbeiter/in. Wenn notig- hätte ich den Vorfall von körperlichen Gewalt den zuständigen Behörden gemeldet- falls die Eltern sonst nicht selber zu Beratung gehen würden. Wenn die Eltern die Waldorfpädagogik wollen- würde ich mich kündig machen, ob eine Schule für Erziehungshilfe auf der Grundlage der Waldorfpädagogik in der Nähe wäre (oder andere gute Schule diesen Profils) und die Lehrer bitten, die der Familie vorzuschlagen, wenn es keine Möglichkeit, sofort einen Schulbegleiter zu haben gibt oder wenn Schulbegeiter die Probleme nicht löst.
    Ich würde ganz sicher sorgen, das es in Schulprotokol als Notfallsituationen beide Situationen (Schlag in die Nase und schubsen zu Boden) festgehalten werden- mit Datum und Uhrzeit (ist übrigens normal, wird in alternativschulen nur nicht immer gemacht). Ich würde die Schule/Lehrer um Stellungsnahme/Gespräch bitten, wie sie versuchen wollen, die Situation zu lösen- damit andere Kinder heil bleiben und keine Angst zu haben brauchen- und damit diesem Kind angemessen geholfen wird.
    Alles das eben nicht im Sinne vom Kuschelpädagogik und „vergessen wir mal“- aber doch, DAMIT eure Kinder Schutz haben UND DAMIT diesem Kind endlisch geholfen wird. Nicht nur damit man ihn „weg“ hat- weil dieses „weg“- wo ist es? Es ist alles auf dieser Welt. Und dem jetzt nicht geholfen wird- der wohnt immer noch hier, aus dieser Welt, paar Strassen oder paar Orte weiter und wird nur noch agressiver und unhalbar und verzweifelter mit den Jahren- zu allem bereit- wenn keine Menschen sich auf seinem Weg finden würden, die evt. hart, aber für ihn und für seine Zukunft etwas unternehmen und entscheiden. Auch entschlossen klare Grenzen setzen- aber im Sinne aller, damit schlüssendlich für alle gut ausgeht.

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    • Liebe Tina,
      wow, was für ein Kommentar. Danke Dir dafür. Denn er hat an der ein oder anderen Stelle neue Impulse gesetzt. Zunächst dachte ich ja noch, ja alle fokussieren jetzt auf Leander. Logisch kann man seine Situation „verstehen“, aber bei dieser Form von Gewalt hört es eben auf. Wie gesagt, meine Kinder, die durch weitaus andere Dinge traumarisiert waren und es auch immer noch sind, laufen auch nicht „Amok“ auf dem Schulhof. Weil die Oma stirbt und alles in Unruhe ist, muss ich nicht andere Mitschüler drangsalieren. Aber, was ich einen wunderbaren Einflug fand, zu schauen, wie wir und die Schule auf der einen Seite die Eltern stärker unter Handlungsdruck setzen könnten, ihm zu helfen, und auf der anderen Seite wie meine Kinder besser geschützt werden können. Was die Dokumentation für die Schule angeht, so ist dies alles erfolgt. Die Klassenlehrerin ist involviert, genauso wie das Personal der Nachmittagsbetreuung. Es gab wohl auch schon Gespräch mit Leanders Mutter. Behörden kannst Du leider hier in Deutschland vergessen. Die schreiten erst ein, wenn es lebensbedrohlich wird. Und das ist es ja nicht (- noch nicht). Und Schulbegleitung gibt es auch leider in solchen Fällen nicht. (Da sind wir Entwicklungsland…;-)
      Wie gesagt, in vielen Punkten hast Du Recht. Und natürlich muss man sich um Leander kümmern. Aber, wenn es hart auf hart kommt, dann geht es mir ganz allein um meine Kinder. Und nur um die. Denn deren Seelenheil ist meine Verantwortung. Und das Scheitern anderer Eltern muss – auch bei ihrer Biografie – nicht auf ihrem Rücken ausgetragen werden.
      Liebe Grüße
      Charlotte

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      • http://www.entwicklungs-werk.de/Konzept_Schulbegleitung.pdf
        vielleicht hilft dir ein wenig weiter. Es ist sehr wohl möglich, eine Schulbegleitung in solchem Fall zu bekommen, es erfordert nur etwas Druck in positivem Sinn und klare Wille den Behörden gegenüber. Ich weiss ein wenig davon, weil ich einige Freunde und Verwandte habe in DE. Die Begleitung kann von den Eltern oder vom Jugendamt beantragt werden. Dafür muss die Schule alle Fälle (schwänzen, stören, dem Unterricht nicht folgen, agressiv sein uns) genau dokumentieren, die Eltern damit konfrontieren, zuerst würde ich anstreben, dass die Eltern es beantragen, dann würde ich von den Eltern beschriebene komplizierte Familiesituation dazu nehmen, evt. dessen Kinderarzt miteinbeziehen, damit er auch die Schulbegleitung empfielt- und die Eltern die beantragen lassen und wenn notig verlangen, dass sie psychologischen Abklärungen des Kindes zustimmen- eben DAMIT man die Situation für alle Beteiligten zum guten wenden könnte. Nur ein Gespräch mit z.Z. überforderter Mutter hilft meistens nicht…

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  3. Sorry, mein erster Kommentar war gar nicht fertig. Wegen Ablenkung versehentlich losgeschickt…ich wollte unbedingt dem Maxim noch Kraft wünschen und dass er schnell einen neuen Freund findet der auch zu ihm hält wenn es eng wird. Wobei der andere Junge wahrscheinlich auch schon Angst vor Leander hat. Und schön, dass er erleben durfte wie seine Familie für ihn da ist.

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    • Liebe Birgit,
      danke für Deine Worte und Wünsche. Eines muss ich jedoch loswerden: Ja, der Tod eines sehr nahestehenden Verwandten ist schlimm. Haben meine Kinder ja auch schon erlebt. Aber das ist noch lange kein Grund, eine derartige Aggression an den Tag zu legen. Spannend fand ich Deinen Einflug, dass Maxim’s Freund auch Angst vor Leander hat. Das kam mir bisher gar nicht in den Sinn. Auch wenn ich schon einmal gedacht habe, dass der Freund auch ein Dreh- und Angelpunkt in dieser Dreieecksbeziehung seien könnte. Denn er hält beide hin: Leander und Maxim.
      Danke Dir dafür! 😉 Liebe Grüße Charlotte

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      • Dieses Buch ist auch gut

        „Aber das ist noch lange kein Grund, eine derartige Aggression an den Tag zu legen“- doch, Tod/Trennung/Unsicherheit ist für ein Kind ein Grund. Es ist aber für Erwachsene kein Grund, Gewalt einfach zu dulden. Ist für sie ein Grund, den Ruf dahinter nach mehr Halt, mehr Grenzen, mehr Richtung, mehr Klarheit, mehr Getragenwerden zu hören. Ist auch ein Grund, die anderen Kinder zu schützen, solange dieses Kind sich selber und Grenzen der anderen nicht spürt.
        ———
        Meine Kinder haben niemanden auf dem Pausenhof geschlagen, doch war ich durch dessen Traumafolgeverhalten, das keiner aussenstehende einordnen konnte, schon mehrmal auch auf der anderen Seite der „Barrikaden“.
        Ja, du hast etwas Glück, dass deine Kinder faktisch normal in den KG/Schule gehen. Natürlich, seit ihr eine sehr gute Familie, freundlich, bewusst und fürsorgerisch, macht viel für eure Kinder, damit sie sich besser entwickeln können. Es ist toll! Aber- wenn Adoptivkinder sich manchmal immer noch in bestimmten Situationen problematischer verhalten- sind auch nicht immer die Adoptiveltern schuld. Es gibt leider Kinder, die etwas mehr abbekommen haben, etwas mehr geschädigt/ traumatisiert waren oder einfach sensibler auf die Traumatas reagiert haben- und deshalb auch nach ausser – trotz vielen Fortschritten- immer noch manchmal Verhalten zeigen, das die anderen nicht ohne weiteres einordnen können… Ja, damit lernt man auch leben… Ich stand/stehe immer da für meine Kinder, wie Felsen in der Brandung, muss aber sagen, dass auch die Felsen die Brandung spüren. Da zu stehen, ist eine Arbeit und nicht die Ferien am Strand 🙂
        Ich mag diese Arbeit, aber sie erfordert viel Kraft und viel innerlicher Bewegung und Lernbereitschaft…
        Die Mutter anderes Kindes kann- wahrscheindlich- ähnlich notige Arbeit unter Druck der Trennung und nahendes Todesfalles nicht leisten- dann muss man nachhelfen, damit dieses Kind nicht verloren geht und damit andere Kinder nicht geschädigt werden. Auch Schule- muss einerseits verstehen, was mit dem Jungen ist und für ihn handeln- andererseits, während der Schulzeit ist sie verantwortlich für Wohl und Gesundheit aller sie besuchenden Kindern- also muss dafür sorgen (konkret nach dem Konzept fragen) dass andere Kinder psychisch und physisch unbeschädigt bleiben.

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      • Liebe Tina,
        danke für Deine Hinweise. Die sind sicherlich hilfreich. Doch im Moment sehe ich erst einmal meine Aufgabe darin, mein Kind zu schützen und es zu stärken, sich bei derartigen Angriffen zu wehren. Die Aufgabe der Schule ist es genauso, mein Kind während der Schulzeit zu schützen. Und es ist allein die Aufgabe von Leander’s Eltern sein Verhalten abzustellen.
        Liebe Grüße
        Charlotte

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